[Buchgedanken] Karin Seemayer: „Sommerwind in der Toskana“

Vor kurzem habe ich auch „Sommerwind in der Toskana“ von Karin Seemayer gelesen. Das Buch ist 2026 bei Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nach dem Tod ihres Onkels erbt Laura dessen Haus in der Toskana, in dem sie jeden Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. Mit dem festen Vorsatz, es so schnell wie möglich zu verkaufen, reist sie nach Castagneto Carducci. Ein wohlhabender Winzer bietet ihr viel Geld, und alles scheint entschieden. Doch dann begegnet sie ihrem Jugendfreund Luca wieder. Mit seiner Liebe zur Landschaft und seinem Traum von einem nachhaltigen Agriturismo weckt er längst vergessene Erinnerungen in Laura. Inmitten goldener Hügel und flirrenden Lichts entdeckt sie nicht nur die Schönheit der Toskana neu, sondern auch ihr Herz.

„Sommerwind in der Toskana“ ist mein erstes Buch aus der Feder von Karin Seemayer, das unabhängig von ihren anderen Toskana-Romanen gelesen werden kann. Dabei lässt sich der Roman relativ klar als (klassischer) Liebesroman einordnen, der sich zudem perfekt als Sommer-/Urlaubslektüre eignet und zum Dahinträumen einlädt.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und interessant, aber teils auch etwas ereignisarm und ohne größere Spannungsspitzen – selbst bei einem klassischen Feel-Good-Liebesroman hätte ich mir hier ein paar Komplikationen mehr gewünscht. Allerdings kann dahingegen das Ende glänzen, da es organisch zur Geschichte passt und der Handlung kein künstliches, klischeebehaftetes Happy-End übergestülpt wurde.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in die Toskana abseits der großen Touristenströme, in landwirtschaftlich dominiert kleine Städte voller Dolce Vita, gutem Essen und Traditionen. Dabei mischt Karin Seemayer die Liebesgeschichte mit wichtigen Themen wie nachhaltigem Tourismus, der Verdrängung kleiner Unternehmen durch Großgrundbesitzer und toxische Familienstrukturen zu einem interessanten Gesamtpaket, das aber nie das Feel-Good-Urlaubsgefühl in Frage stellt und daher eher oberflächlich verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Laura überzeugen hier vor allem wichtige Nebenfiguren wie Julia und Nonna Maria, während Luca etwas eindimensional und zu perfekt verbleibt, ihm Ecken, Kanten und die ein oder andere Schwäche fehlen, um glaubhaft zu erscheinen. Karin Seemayers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchstaz ist solide. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt, auch das Covermotiv setzt sich nahtlos über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, auch wenn die Spiegelung des Covermotivs auf der Coverrückseite jetzt nicht sehr einfallsreich ist. Insgesamt ist das Cover aber durchaus genretypisch und ansehnlich. Gewünscht hätte ich mir am Ende des Buches noch die Auflistung der lokalen Rezepte, die in der Handlung angesprochen worden sind – für das Toskana-Feeling zuhause.

Mein Fazit? „Sommerwind in der Toskana“ ist ein klassischer Feel-Good-Liebesroman, der vor allem mit seinem Setting brilliert, aber durchaus die ein oder andere Komplikation mehr hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

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