Neuzugänge im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich in der letzten Zeit als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Brennendes Watt“ von Fynn Jacob (einem Pseudonym von Christian Kuhn) aus dem Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH ist dabei der dritte Band einer deutsch-niederländischen Krimireihe, während Dr. Andreas Mäckler für den Verlag des Biographiezentrums mit „Hans Zimmer. Werkbiografische Betrachtungen“ eine Werkbiografie des bedeutenden Filmmusikkomponisten vorlegt. Ich bin auf beide Bücher schon ganz gespannt!

Wessen Biografie würdet Ihr gern einmal lesen?

[Buchgedanken] Charlotte von Feyerabend: „Seid nett aufeinander“

Vor kurzem habe ich auch „Seid nett aufeinander“ von Charlotte von Feyerabend gelesen. Das Buch ist 2024 im Droemer Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Romanbiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

 Schon als Kind träumt Beate vom Fliegen – und lernt von ihrem Vater, dass sie alles erreichen kann, wenn sie es nur wirklich will. Mit achtzehn macht sie ihren Pilotenschein und trifft ihre große Liebe. Doch die Idylle währt nur kurz, denn ihr Mann, ebenfalls Pilot, wird im 2. Weltkrieg abgeschossen. Im Deutschland der Nachkriegszeit steht Beate Uhse mit ihrem kleinen Sohn ohne alles da und muss als Handelsreisende durch das ganze Land tingeln, um zu überleben. Dabei wird sie auf die Sorgen der Frauen aufmerksam, die in dieser elenden Zeit nicht schwanger werden wollen. Als Tochter einer der ersten Ärztinnen Deutschlands beschließt Beate, ihnen zu helfen. Für ein paar Pfennige verkauft sie eine Aufklärungsschrift, die sie bald mit Artikeln für die „Ehehygiene“ ergänzt. Denn Beate Uhse hat einen Traum: Jede Frau soll das Recht auf einen Orgasmus haben!

„Seid nett aufeinander“ ist eine Romanbiografie über das abenteuerliche Leben von Beate Uhse – oder zumindest über den ersten Teil davon bis ins Jahr 1972, was ich durchaus schade finde – gerade die letzten Jahre hätten hier durchaus noch einmal für etwas Abwechslung gesorgt. Garniert wird die Geschichte mit (etwas zu umfangreichen) Zusatzinformationen; also mit Fußnoten, Literaturtipps, einem Dialektglossar, Rezepten, einer Danksagung, einer Einordnung der Autorin und der Bewerbung weiterer Romane von ihr – im Vergleich zur Länge der Geschichte schlicht etwas überdimensioniert.

Die Handlung ist generell spannend und abwechslungsreich, beleuchtet bekannte und unbekannte Episoden aus Beates Leben, wobei ich mir teils an einigen Stellen eine andere Schwerpunktsetzung gewünscht hätte. Dabei spart der Roman auch schwierige Episoden nicht aus und erzählt erfrischenderweise sehr stringent und chronologisch, sodass man zu jeder Zeit dem roten Faden folgen kann. Die einzelnen Kapitel werden hierbei mit Zitaten berühmter Persönlichkeiten eingeleitet, um das Flair des folgenden Abschnitts zu charakterisieren – noch spannender hätte ich mir zum Beispiel Bilder oder Textdokumente von oder über Beate als historische Zeitzeugen vorstellen können.

Das Setting ist – naturgemäß – gelungen, entspricht es doch bei biografischen Romanen genau der realen Welt. Dabei entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Flensburg, sondern auch nach Rangsdorf, in Beates ostpreußische Heimat, oder auch nach Juist an die Schule am Meer. Dadurch werden nebenbei noch spannende Themen wie z.B. die Reformpädagogik angerissen – was durch die Verlagerung von Zusatzinformationen auf die Fußnoten dennoch gut lesbar verbleibt und somit nicht allzu sehr ins Sachbuchhafte abrutscht.

Viel zu den Figuren zu sagen, verbietet sich eigentlich bei biografischen Romanen. Daher nur so viel, dass ich Hanna durchaus ins Herz geschlossen habe und gern noch mehr über sie erfahren hätte – auch Elfriede hat ein tolles Standing im Buch. Und auch Beate überzeugt – natürlich -, auch wenn durch die letzten, hier ausgesparten Jahre noch ein runderes Bild hätte geschaffen werden können. Charlotte von Feyerabends Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, hält dabei gut die Waage zwischen Lesbarkeit und historischer und sprachlicher Authentizität.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Buchdeckel ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, wobei die Klappen farblich krass zur sonstigen Gestaltung des Buches kontrastieren. Das Covermotiv ist sehr stilisiert und lässt jedoch eher auf eine Liebeskomödie als auf einen autobiografischen Roman schließen – insgesamt ist der gesamte Umschlag eher schlicht gehalten und kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Seid nett aufeinander“ ist eine Romanbiografie, die gleichsam spannend und informativ ist und dabei gut unterhält – lediglich die Schwerpunktsetzung und der Verzicht auf die letzten Jahre trüben hier das Gesamtbild leicht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Oliver Masucci/Carla Woter: Träumertänzer

Vor kurzem habe ich ebenfalls „Träumertänzer“ von Oliver Masucci und Carla Woter gelesen. Das Buch ist 2023 bei Lübbe Life in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Autobiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Er ist einer der größten deutschen Filmstars, dreht internationale Kino- und Serienhits und hat Fans auf der ganzen Welt. Dass aus Oliver Masucci noch was wurde, danach sah es lange nicht aus. In den 1970ern als „Itaker”-Kind verspottet und gequält, selbst von der eigenen Familie nie ernstgenommen. Es ist die unwahrscheinliche Aufstiegsgeschichte eines Gastarbeiterkindes im deutsch-italienischen Kulturmischmasch. Heimat al dente sozusagen.

„Träumertänzer“ balanciert an der Grenze zwischen Autobiografie und Biografie, wurde er doch von Oliver Masucci zusammen mit der Journalistin Carla Woter verfasst. Aufgrund der anekdotischen Schilderungen in Ich-Form habe ich mich dennoch für die Eingruppierung als Autobiografie entschieden, ohne allerdings genau zu wissen, wie groß der Anteil von Carla Woter beim Verfassen des Buches war.

Etwas zur Handlung, zum Setting oder den „Figuren“ zu sagen, verbietet sich bei einer klassischen Autobiografie, kann man doch schlecht über das Leben eines anderen Menschen urteilen (und sollte es auch nicht) – auch wenn Oliver Masucci dem Leser hier wirklich malerische Kulissen präsentiert, von 5-Sterne-Hotels, der Amalfi-Küste oder der Filmpremiere zu „Fantastic Beasts“ – ein wahrer Traum.

Viel wichtiger sind daher die im Buch verwobenen Themen, die Botschaft, die der Autor mit seiner Geschichte vermitteln will. Und dies ist hier – wie der Untertitel des Buches sagt – „ein Gastarbeitermärchen“. So schreibt Oliver Masucci von seiner Kindheit und den damit verbundenen Unsicherheiten, von starken familiären Bindungen aber gleichzeitig großen Problemen und von seinen Paraderollen, spart dabei aber gleichzeitig nicht an versteckter und weniger versteckter Kritik an einigen Produktionen – sehr erfrischend.

Oliver Masucci gelingt es dabei, den Leser durch seine unnachahmliche Art mit an den gemeinsamen Esstisch zu holen – ein zentrales Thema des Buches und, augenscheinlich, seines Lebens. Zwar mag das Bild Italiens, insbesondere der ländlichen Regionen, für uns überzeichnet wirken, genau wie in seinen Rollen gelingt es Oliver Masucci jedoch, den Leser von der Authentizität zu überzeugen, ihn mit dem Land vertraut zu machen. Kirche, Essen, Autos – die Reihenfolge der Prioritäten wechselt hier von Person zu Person.

Und so rührt das Buch, bringt zum Lachen und begeistert durch Anekdoten mit großen Schauspielstars wie John Cleese und Mads Mikkelsen – und umschifft hier sehr elegant die Vorwürfe gegen Johnny Depp, erwähnt sie nur am Rande. Anders sieht es – aufgrund der stark-prägenden Zusammenarbeit – mit Roman Polanski aus, unzweifelhaft ein grandioser Regisseur. Hier hätte ich mir jedoch eine klarere Haltung, einen weniger freundschaftlich-verklärten Blick gewünscht, keine Verurteilung des Freundes aufgrund jahrzehntealter Ereignisse, aber eine stärkere Positionierung im Hinblick auf durchaus immanente Probleme des früheren Kulturbetriebes.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist fehlerfrei aber auch konservativ. Der Buchumschlag ist relativ eintönig, das Buch unter dem Umschlag schlicht, die Coverinnenseiten sind in passendem Schwarz gehalten. Das Covermotiv ist ein eindringliches Foto von Oliver Masucci, eine durchaus gelungene und präsente Aufnahme, aufgrund der mangelnden Kontrasts jedoch kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Träumertänzer“ ist eine überwiegend überzeugende Biografie, eine spannende, ernste und humorvolle Lebensgeschichte eines großen deutschen Schauspielers der Gegenwart. Für Leser bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Nele Pollatschek: „Dear Oxbridge: Liebesbrief an England“

In den letzten Tagen habe ich „Dear Oxbridge: Liebesbrief an England“ von Nele Pollatschek gelesen. Das Buch ist 2020 im Verlag Galiani, Berlin, einem Tochterverlag von Kiepenheuer & Witsch, erschienen und enthält eine Sammlung biografischer Anekdoten. Vielen Dank an dieser Stelle auch dem Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Als Nele Pollatschek am 23. Juni 2016 nach Oxford unterwegs ist, wo sie jahrelang studiert hat, ahnt sie nicht, dass sie am nächsten Tag zum Brexit Profiteur wider Willen werden wird. Über Nacht löst sich wegen des Währungszerfalls ihr Studienschuldenberg fast in Luft auf – gleichzeitig aber durchlebt sie den Schock ihres Lebens: Die Briten wollen mit Europäern wie ihr nichts mehr zu tun haben.41NYw3ie1AL._SX312_BO1204203200_

Wenn jemand eine Obsession hat, dann ist es schwer, ihn davon abzubringen. In Nele Pollatscheks Fall heißt die Obsession seit ihrer Jugend Oxbridge. Nichts konnte sie abhalten, dort hinzukommen, wo ihre Helden, die mitunter exzentrischen englischen Geistesriesen, studierten. Irrsinnige Anstrengungen nimmt sie auf sich, um dorthin vorzudringen, erleidet das Hochstaplersyndrom, als es endlich gelingt, lernt das bizarre Verhalten der englischen Eliten kennen, kommt der Abwasserwirtschaft und dem Pillenkonsum der Briten auf die Schliche, verbringt die Nächte zwischen High-Society-Partys und Bibliothek. Gerade denkt sie, sie gehöre dazu – da erfolgt dieser Schlag.

Mit „Dear Oxbridge“ gelingt es Nele Pollatschek, den Leser mit auf eine Reise in die Welt der englischen Eliteuniversitäten zu nehmen, auch wenn der Anlass dafür, ein trauriger ist. Denn erst durch den Brexit als Auslöser, als Katalysator, als traumatischer Einschnitt und Anlass für die Geschichte erzählt die Autorin von ihrem Weg nach Oxbridge – der Kaderschmiede, der auch die wichtigsten Figuren der britischen Geschichte entstammen.

Pointiert, witzig aber auch sehr bildhaft – Nele Pollatscheks Schreibstil vermag von Anfang an zu überzeugen und den Leser zu fesseln, egal ob sie von verstopften Toiletten oder von weltberühmten Partys spricht. Dabei ist es gerade auch das Eingeständnis des eigenen Scheiterns, das das Buch so lesenswert macht und es dem Leser ermöglicht, sich mit der Erzählerin zu identifizieren.

Kulturelle und sprachliche Unterschiede, verschiedene Bildungssysteme und wissenschaftliche Ansätze – Nele Pollatschek vergleicht in ihrem Werk auch die Lebensweisen in Deutschland und Großbritannien, hält dem Leser einen Spiegel vor und beschreibt, dass anders nicht gleich schlecht ist. So ist „Dear Oxbridge“ nicht nur ein Liebesbrief an England, sondern auch ein Einstehen für Toleranz und Vielfalt, ein Plädoyer, dass jeder auf seine eigene Art anders und daher normal ist. Und als Absolvent der Universität Heidelberg freut es mich natürlich, dass es gerade meine Alma Mater war, die der Autorin schlussendlich den Weg nach Oxbridge eröffnet hat.

Auch die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, insbesondere möchte ich lobend anmerken, dass jede Anekdote auf einer ungeraden Seite beginnt – was heute leider viel zu häufig ignoriert wird. Das Cover ist kräftig in der Farbe und damit ein Eyecatcher, vom Design her insgesamt aber unauffällig.

Mein Fazit? „Dear Oxbridge: Liebesbrief an England“ ist ein humorvolles und pointiertes Porträt eines Landes, dessen Kultur, Menschen und Eigenarten. Dabei überzeugt vor allem Nele Pollatscheks prägnanter Schreibstil. Bedenkenlos zu empfehlen, und leider viel zu aktuell.

[Buchgedanken] Lukas Rieger, Josip Radovic: „Der Lukas Rieger Code“

Heute möchte ich mal ein etwas anderes, für mich ungewöhnliches Buch besprechen, dass ich im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen habe. Vielen Dank auch an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars. „Der Lukas Rieger Code“ wurde von Josip Radovic in Zusammenarbeit mit Lukas Rieger geschrieben, und ist 2017 bei HarperCollins veröffentlicht worden. Es ist am ehesten als Künstlerbiographie einzuordnen.

51lrfgcanzl-_sx303_bo1204203200_Millionen Menschen, nicht nur in Deutschland, folgen im Internet Lukas Rieger auf Schritt und Tritt. Seine Youtube-Videos erfreuen sich größter Beliebtheit, seine Instagram- und Snapchat-Zahlen schießen durch die Decke. Selbst im Alltag kann er nicht einmal mehr Schuhe einkaufen, ohne von den Menschen erkannt zu werden. Doch wie hat er den Durchbruch geschafft? Was treibt ihn an, und was sind seine Ziele?

„Der Lukas Rieger Code“ ist ein privater Einblick in die Gedanken und Gefühle, in die Welt eines 18-jährigen Superstars. Er erzählt von seiner Familie, von seinem Leben – und vor allem, von seiner Musik, seinen Wünschen, seinen Träumen. Dem Leser wird ein interessanter Einblick hinter die Kulissen des Werdegangs eines Superstars, des „deutschen Justin Bieber“, gegeben. Es ist spannend zu sehen, wie zielstrebig Lukas bereits seit jungen Jahren seine Karriere verfolgt hat, welche Opfer er dafür gebracht und welche Hindernisse er aus dem Weg geräumt hat. Insbesondere hat mich der Einblick in die Welt der Castingshows, die Bewertung der verschiedenen Social-Media-Marketingmöglichkeiten und die Unterstützung seiner Familie beeindruckt. Leider war es zuweilen etwas sprunghaft, ich hätte einige Kapitel sicherlich anders angeordnet, um einen stärkeren roten Faden zu schaffen.

Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls nicht vollends überzeugt. Mir ist klar, dass eine Künstlerbiographie eines 18-jährigen Superstars auf das Zielpublikum zugeschnitten ist, dass die Sprache einfach, klar verständlich und eben jugendlich zu sein hat. Dennoch finde ich, dass der Autor/die Autoren hier übertrieben haben. Ich weiß nicht, wie viele Dinge, wie viele Situationen des Romans „fresh“ waren, wie oft Lukas Sachen „gefeiert“ hat. Sind denn ein, zwei Synonyme wirklich zuviel verlangt?

Gut gefallen dagegen hat mir die hochwertige Gestaltung des Buches mit farblichen, teils ausklappbaren Cover-Innenseiten und einem schönen Buchumschlag. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben ebenfalls gut gearbeitet. Ein ganz besonderes Lob möchte ich noch an den Verlag richten, der sich (wie es heute kaum noch einer macht) an eherne Richtlinien gehalten hat, und jedes Kapitel auf einer rechten bzw. ungeraden Seite begonnen hat, auch wenn dies zu Leerseiten im Buch geführt hat.

Mein Fazit? „Der Lukas Rieger Code“ ist eine spannende und interessante Künstlerbiographie, die einen Blick hinter die Kulissen zulässt und zeigt, wie ein Star entsteht. Auch wenn das Buch sprachlich zu stark auf die Jugendsprache setzt und diese übertrieben einsetzt, kann es doch durch eine wunderbare Gestaltung punkten. Für Lukinators und Social-Media-begeisterte Jugendliche genau das Richtige.