[Buchgedanken] Sabina Qunaj: „Das Erbe der Drachenkrone“

In den letzten Tagen habe ich auch „Das Erbe der Drachenkrone“ von Sabrina Qunaj gelesen. Das Buch ist 2026 bei Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Wales im 13. Jahrhundert: Eleanor de Montfort ist dreizehn, als ihr Vater und ihr Bruder in der Schlacht gegen König Henry III. sterben. Für Eleanor bedeutet dies fortan ein Leben im Exil in Frankreich. Vor seinem Tod hatte ihr Vater bereits ihre Vermählung mit Llewelyn ap Gruffydd arrangiert, dem Fürsten von Wales. Nach Jahren des Sehnens und Hoffens ist nun die Zeit gekommen, dass Eleanor endlich die Ehe mit Llewelyn eingehen kann – wäre da nicht der neue König von England, der Wales endgültig zu unterjochen droht … 

„Das Erbe der Drachenkrone“ ist nach „Die Tochter der Drachenkrone“ der zweite Band einer Dilogie und insgesamt der sechste und abschließende Band der umfassenden Reihe, mit der Sabrina Qunaj die Eroberung von Wales thematisiert und von der ich auch bereits „Der Ritter der Könige“ gelesen habe. Dabei ist dieser Roman gut als Standalone lesbar und klar als historischer Roman einzuordnen – wie auch auf dem Cover angegeben. Nachdem ich zwischenzeitlich auch ein Jugendbuch und einen Liebesroman von Sabrina gelesen habe, kehre ich mit „Das Erbe der Drachenkrone“ also zu den Wurzeln zurück.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und umfasst einen Zeitraum von 17 Jahren in der zweiten Hälfe des 13. Jahrhunderts. Und auch wenn es mal kleinere Längen gibt, ist das Buch trotzdem ein Pageturner, fesselt Sabrina Qunaj mit der Geschichte von Wales die Leser:innen von der ersten bis zur letzten Seite, lässt sie mit Eleanor – vor allem – leiden, auch wenn das Happy End hier doch etwas beschönigend wirkt. Dabei thematisiert der Roman ganz nebenbei auch wichtige Themen wie die Rolle der Frau und Selbstbestimmung, Themen, die auch heute noch im Fokus stehen und zeigen, dass das Mittelalter teils gar nicht so weit weg ist.

Das Setting kann naturgemäß brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Wales sondern auch auf verschiedene englische Burgen, in ein französisches Kloster und an den Königshof. Hierbei zeugt der Roman mal wieder von einer umfassenden und gelungenen Recherche, auch wenn sicherlich das ein oder andere Detail zu Gunsten der Lesbarkeit insbesondere sprachlich angepasst wurde. Gelungen sind ebenfalls die eingestreuten walisischen Passagen, die allerdings so sporadisch auftauchen, dass es der Lesbarkeit insgesamt keinen Abbruch tut, auch wenn man nicht versuchen sollte, die Worte auch nur im Ansatz nachzusprechen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Angharad, Amaury und Gilbert de Clare, aber auch Eleanor (beide übrigens) kann glänzen. Lediglich Tudur kann ich nicht so wirklich fassen, aber dies bleibt ein kleiner Wermutstropfen in dem sonst sehr überzeugenden Figurenensemble. Sabrina Qunajs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich und die Geschichte wird durch eine vorangestellte Dramatis Personae, ein einordnendes historisches Nachwort und nachgestellte Stammbäume abgerundet, auch findet sich eine Karte in den Coverinnenseiten. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist sehr ansehnlich, genretypisch und passend zum ersten Band der Dilogie.

Mein Fazit? „Das Erbe der Drachenkrone“ ist ein fulminanter Abschlussband einer Ära, der mit toller Recherche, einer spannenden Handlung und einem brillanten Setting glänzt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 15 Jahren.

[Buchgedanken] Sabrina Qunaj: „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ (Hearts & Horses 1)

Vor kurzem habe ich auch „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ von Sabrina Qunaj gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mia liebt Pferde über alles, besonders den Lusitano ihrer Mutter. Als er verkauft wird, schwört Mia, ihn eines Tages zurückzuholen. Aber als sie den Wallach tatsächlich wiedertrifft, ist er völlig verändert und lässt niemanden mehr an sich heran – mit Ausnahme eines Jungen namens Arvid. Auch Mia fühlt sich zunehmend zu Arvid hingezogen und kann die Schmetterlinge in ihrem Bauch bald nicht mehr verleugnen. Doch dann erfährt sie, dass Arvid kein gewöhnlicher Junge ist! Diese Erkenntnis verändert alles, und die märchenhafte Zeit auf dem Pferdehof droht jäh zu enden …

„Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist der erste Band der gleichnamigen Buchreihe, die – entgegen der etwas einseitigen Bewerbung durch den Verlag – hoffentlich nicht nur Mädchenherzen höher schlagen lässt. Empfohlen wird das Buch dabei ab 10, tendentiell würde ich die Altersgrenze minimal höher legen und das Buch Leser:innen ab zwölf Jahren ans Herz legen, ein Alter, das auch näher an den Protagonist:innen ist. Der Roman ist übrigens mein drittes Buch von Sabrina nach „Der Ritter der Könige“ und „Ein Gefühl wie warmer Sommerregen“ (letzteres als Ella Simon). Das Buch könnte man zudem verschiedenen Genres zuordnen – als Pferderoman, als Teen-Romance, als Rockstar-Romance etc. Der Einfachheit halber habe ich mich aufgrund des bunten Themenmixes aber für die Einordnung als Jugendbuch entschieden.

Die Handlung ist abwechslungsreich, spannend und altersgerecht. Die Geschichte wird aus zwei verschiedenen, personalen Erzählperspektiven erzählt, man begleitet Mia (13) und Arvid (14), die Love Interests (das kurzzeitig aufgebaute Love Triangle mit Mark kann man hier vernachlässigen). Das Buch mischt dabei jugendtypische Themen wie erste Liebe und familiäre Konflikte mit einer klassischen Rockstar-Romance und ganz viel Pferden – Ostwind-Vibes inklusive.

Dabei kann vor allem das Setting brillieren. So entführt Sabrina Qunaj die Leser:innen nach Norddeutschland, in eine Gegend zwischen Strand, verwaisten Leuchttürmen und Pferdehöfen. Vor allem der fiktive Showpferdehof Hansen berührt hier mit der tollen Einstellung zur Arbeit und zum Umgang mit den Pferden – wirklich schön. Und auch Arvids Rockstar-Leben wird anschaulich beschrieben, gern hätte ich mir hier noch mehr Einblicke in den Songwriting-Prozess und insbesondere abgedruckte Songtexte gewünscht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – sollten in potentiellen Folgebänden die gleichen Charaktere wieder auftreten, könnten diese hier aber noch schärfer herausgearbeitet werden. Denn bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Hanna und Karo, während Mia nicht immer nachvollziehbar handelt. Sabrina Qunajs Schreibstil ist altersgerecht, lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Insgesamt ist das Covermotiv farblich eher unauffällig und genretypisch, ich hätte mir hier noch etwas mehr Anklang an die Handlung gewünscht. Alles in allem ist es aber durchaus ansehnlich, wenn auch kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Hearts & Horses – Reiten, Rockstar und das große Glück“ ist ein toller Start in die Reihe, der vor allem durch den Themenmix und mit seiner tollen Einstellung zur Pferdearbeit punktet. Für Leser:innen – nicht nur für Mädchen – ab etwa zwölf Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sabrina Qunaj: „Der Ritter der Könige“

In den letzten Wochen habe ich im Rahmen einer Leserunde Sabrina Qunajs „Der Ritter der Könige“ gelesen, einen historischen Roman, erschienen im Goldmann Verlag. Als Liebhaber historischer Romane freue ich mich über jedes neue Buch in diesem Genre – und bin begeistert, wenn ich dabei über einen solchen Schatz stolpere.51z6netphxl-_sx332_bo1204203200_

„Der Ritter der Könige“ spielt im 12. Jahrhundert. Der Leser begleitet den Flamen Maurice de Prendergast, einen walisischen Ritter, auf seinen Abenteuern in Wales und Irland. Vor dem Hintergrund des walisischen Freiheitskampfes und der normannischen Eroberung Irlands schafft die Autorin das Porträt eines ehrenhaften, nur seinem Gewissen verpflichteten Ritters, der in politisch wankelmütigen Zeiten sich nicht dem Zeitgeist unterwirft, sondern unumstößlich auf der Seite der Moral und Ethik bleibt. Befreundet mit Richard de Clare, dem Earl of Pembroke und an der Seite der Geraldines, meistert er jede Aufgabe, bewältigt Rückschläge und lässt sich auch von Drohungen nicht einschüchtern.

Der Autorin gelingt es, die einzelnen Charaktere plastisch und detailreich darzustellen – mit all ihren Schwächen und Stärken. Nicht nur Maurice, sondern auch Richard „Strongbow“ de Clare oder Niah entwickeln sich zu echten Sympathieträgern, mit denen man mitfiebert und sich identizieren kann.

Die Handlung des Buches erstreckt sich über 26 Jahre, der Schreibstil ist flüssig und leicht zu lesen. Trotz der doch ordentlichen Länge von knapp 700 Seiten ist das Geschehen schnelllebig und kurzweilig – ich hätte mir hier teilweise sogar etwas mehr Ruhe gewünscht. Mit einigen zusätzlichen Szenen hätte man das Gesamtbild aus meiner Sicht noch besser abrunden können. Das Werk von Sabrina Qunaj punktet dabei zudem mit einer gründlichen Recherche und historischer Genauigkeit. Dabei werden die historischen Fakten jedoch so geschickt in die Handlung eingeflochten, dass der Leser sich hier niemals belehrt vorkommt.

Ein weiteres „Schmankerl“ ist die ausgefallene Buchgestaltung, die sich deutlich von preislich vergleichbaren Büchern abhebt (wobei der Preis ohnehin sehr günstig ist, bei 9,99€ für 700 Seiten). Neben einem Cover, auf dem die Schrift und das Wappen aufgeprägt sind, lassen sich die Cover-Innenseiten ausklappen und zeigen ein wunderbares, farbliches Landschaftspanorama. Eine toll gezeichnete Karte, Stammbäume und ein ausführliches Personenregister am Beginn des Buches runden den tollen Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „Der Ritter der Könige“ ist ein exzellenter historischer Roman, nicht nur für Liebhaber der englischen Geschichte. Flüssig geschrieben, kurzweilig und toll recherchiert entführt er den Leser in eine Welt von Ehre, Moral und Ritterlichkeit –  mein erster, aber sicherlich nicht letzter Roman von Sabrina Qunaj.