Vor einiger Zeit habe ich auch „Endzeit – Die Todesinsel“ von Livia Pipes gelesen. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2023 im Selfpublishing veröffentlicht worden, eine frühere Ausgabe erschien ebenfalls 2023 im Selfpublishing unter dem Titel „The Quest – Die Insel“. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Jahr 2035 stürzt Fitnesstrainer Jay Carter in eine finanzielle Krise. Sein Ausweg: Das Casting für die extremste Survival-Live-Show weltweit. Auf einem verlassenen Fabrikgelände in New York kreuzt sein Weg den von Zoe – gefangen in einer explosiven Beziehung, mit einem Traum von einer besseren Zukunft. Gemeinsam erfahren sie, um was es in der Show geht: Überleben auf einer karibischen Insel, ein halbes Jahr lang, umgeben von Gefahren wie giftigen Pflanzen, wilden Tieren und unberechenbarem Wetter. Challenges bieten die Chance auf bessere Bedingungen, doch eine düstere Regel durchzieht das Spiel: Keine ärztliche Versorgung, keine Fluchtmöglichkeit. Wer bleibt, unterwirft sich dem Dschungel und dem eigenen inneren Kampf. Unwissend, dass sie lediglich Marionetten in einem perfiden Plan sind, unterschreiben die sechs auserwählten Gewinner den Vertrag. Als sich die Ereignisse überschlagen, wird ihnen klar: Sie sind gefangen, in einem brutalen Spiel, in dem das Überleben zum ultimativen Preis wird.
„Endzeit – Die Todesinsel“ ist der erste Band der neuen Reihe von Livia Pipes. Dabei lässt sich das Buch, das auf dem Cover vereinfacht als „Thriller“ beworben wird, etwas genauer als (dystopischen) Survival-Thriller eingruppieren. Anhand der Geschehnisse im Buch ist jedoch davon auszugehen, dass sich die weiteren Bände – passend zum Titel – mehr in Richtung (post-)apokalyptischer Thriller entwickeln. Ob und inwieweit das kammerspielartige Inselsetting dabei beibehalten wird, bleibt bis dahin abzuwarten.
Die Handlung ist durchaus spannend, hat zu Beginn jedoch auch kleinere Längen, später dafür dahingegen größere Zeitsprünge, hier hätte man etwas stärker balancieren können. Auch ist durch die zwischenzeitliche Erzählung aus mehreren Perspektiven die Handlung teils wenig stringent und geht etwas zäh voran und auch der drastische Cliffhanger am Ende ist nicht gerade leserfreundlich – auch wenn sich die Charaktere nicht sehr viel Mühe geben, die letzten Ereignisse zu durchdenken. So oder so verbleibt es dadurch schwierig, das Buch als Standalone zu lesen.
Das Setting ist größtenteils gelungen. So entführt die Autorin den Leser ins Amerika der nahen Zukunft, das trotzdem sehr dystopisch anmutet. Der zweite Part der Geschichte spielt dann größtenteils auf einer karibischen Insel, die austauschbar, aber unglaublich spannend ist, auch wenn das Konzept hier etwas an „Stranded – Die Insel“ erinnert. Insgesamt verwebt Livia Pipes gut persönliche Schicksale und gesamtgesellschaftliche Themen zu einem Gesamtkonstrukt, das in den nächsten Bänden aber noch mit etwas mehr Input zur politischen Situation unterfüttert werden darf.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Zoe, Pearl und Qiuba, während Jay noch etwas eindimensional verbleibt, sich aber in den Folgebänden noch gut entwickeln kann. Der Schreibstil von Livia Pipes lässt sich darüber hinaus gut und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist solide. Kleinere Fehler mindern den Lesefluss kaum, der Buchsatz ist in Ordnung, aber etwas uninspiriert. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, ist aber gleichsam austauschbar und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen.
Mein Fazit? „Endzeit – Die Todesinsel“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine neue Buchreihe, der vor allem durch ein spannendes Setting und interessante Themen glänzt, aber auch noch kleinere Schwächen hat. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

