[Buchgedanken] Dirk Rossmann: „Der neunte Arm des Oktopus“

In der letzten Zeit habe ich „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann gelesen. Das Buch ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erscheinen und dem Genre Politthriller zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Klimawandel – eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes steht uns bevor. Das Fiasko scheint unaufhaltsam. Bis die drei Supermächte China, Russland und die USA einen radikalen Weg einschlagen. Die Maßnahmen der Allianz greifen gravierend in das Leben der Menschen ein, und nicht jeder will diese neue Wirklichkeit kampflos akzeptieren. Alle Mittel sind den Gegnern recht, um ihre ökonomischen und machtpolitischen Interessen zu verteidigen. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, und plötzlich liegt das Schicksal der Erde in den Händen eines schüchternen Kochs und einer unscheinbaren Geheimagentin.

„Der neunte Arm des Oktopus“ ist ein Thriller, der in verschiedenen Zeitebenen spielt. Ob die Zukunft im Jahr 2100 dabei utopische oder dystopische Züge hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf dem Weg in diese Zukunft entspinnt sich in den Jahren 2020-2025 ein politisches Geflecht, eine weltumspannende Verschwörung – und eine undenkbare Allianz.

Neben den Protagonisten des Romans treten im Buch auch illustre Politiker wie Schröder, Putin oder auch Kamala Harris auf, die der Autor bereits zur nächsten – und ersten – Präsidentin der USA ausgerufen hat. Es bleibt abzuwarten, ob sich zumindest diese Vorhersage erfüllt.

Neben einem reinen Thriller ist „Der neunte Arm des Oktopus“ dabei vor allem auch ein Plädoyer für Klimaschutz, ein Appell zum Erhalt des Lebens auf der Erde. Und auch wenn es höchst zweifelhaft erscheint, dass die hier aufgezeigten Lösungen auch nur im Ansatz umsetzbar oder pratikabel wären, so ist es doch wichtig, dass die Dringlichkeit des Themas aufgezeigt wird – und das Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit und Klimaschutz, das hier vielleicht etwas zu progressiv ausgefüllt wird.

Die Handlung ist dabei größtenteils spannend, wenn auch durch die verschiedenen Zeitebenen teilweise das Ergebnis bereits vorweggenommen wird. Ohnehin bin ich der Meinung, dass das Buch konsistenter, dichter und spannender gewesen wäre, wenn auf die Zeitebene um 2100 einfach verzichtet worden wäre – und auf den nur damit in Verbindung stehenden Handlungsstrang in Indien, der wenig zur Handlung beiträgt. Durch eine stärkere Fokussierung auf die aktuelleren Ereignisse hätte auch die im Klappentext angekündigte Protagonistin, Sofia Della Bettemcour, deutlich früher in die Geschichte eingebaut werden können.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auffällig und zieht sich als Gesamtbild über den kompletten Buchrücken. Wunderschön sind auch die farbig gestalteten Coverinnenseiten, die sich vorn und hinten allerdings gleichen. Hier hätte man etwas kreativer sein können – und das Cover insgesamt auch etwas wertiger drucken können, wenn schon auf einen Schutzumschlag verzichtet wird.

Mein Fazit: „Der neunte Arm des Oktopus“ Ist ein spannender Politthriller, der zum Nachdenken anregt und Bewusstsein für den Klimawandel schaffen will. Die interessante Handlung wird dabei durch unzählige Zeitsprünge und Nebenhandlungen etwas ausgebremst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Olivia Monti: „Sterbewohl“

In der letzten Zeit habe ich „Sterbewohl“ von Olivia Monti gelesen – mein drittes Buch der Autorin nach „Das Haus“ und „Der Regisseur“ (veröffentlicht als Olivia Kleinknecht). Der Roman ist 2020 im Selfpublishing erschienen und – entgegen der Aufschrift „Kriminalroman“ – aus meiner Sicht als Dystopie / dystopischer Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die erneute Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Deutschland ist nur noch eine Scheindemokratie. Der Staat veranstaltet neuerdings für ältere Menschen Sterbeseminare in Luxushotels. Ihnen soll dort schmackhaft gemacht werden, Sterbewohl, eine tödliche Pille, zu schlucken, um beizeiten die Allgemeinheit zu entlasten. Nadja, Anna, Max und Fred sind über 65 und in hellem Aufruhr. Alle vier haben vom Gesundheitsministerium eine Einladung zum Sterbeseminar ins komfortable Hotel Paradies auf Fehmarn erhalten. Offiziell ist das Einnehmen von Sterbewohl zwar freiwillig. Wie manche munkeln, kehrt aus den Hotels aber niemand mehr zurück.

„Sterbewohl“ ist bislang vielleicht das beste, zumindest aber kurzweiligste Buch der Autorin, das sich gut und flüssig lesen lässt. Dabei spielt das dystopische Szenario zwar in naher Zukunft, ist glücklicherweise aber noch ideologisch weit entfernt. Dennoch legt die Autorin mit der Prämisse den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und auf die Fragilität von Demokratien.

Auch wenn einige Kleinigkeiten implausibel sind, ist die Handlung im Wesentlichen spannend und dynamisch und wird durch das gleichermaßen interessante wie erschreckende Setting des Hotel Paradies atmosphärisch untermalt. Als Leser wird man direkt in die Handlung geworfen, was vermutlich der Kürze des Romans geschuldet ist – hier hätte vielleicht etwas geruhsamer aufgebaut werden können.

Die einzelnen Charaktere überzeugen ebenfalls im Wesentlichen, haben Stärken und Schwächen und eigene Ziele und Motive. Insbesondere Max hat mir hier gut gefallen.

Die Buchgestaltung ist insgesamt solide, allerdings ist beim Buchsatz noch Luft nach oben. Das Cover dahingegen ist schlicht, aber auffällig und zieht sich (mit Ausnahme des obigen roten Balkens … warum?) über den kompletten Buchumschlag, der insgesamt überzeugt – lediglich die Coverrückseite ist etwas überfachtet.

Mein Fazit? „Sterbewohl“ ist eine gelungene Dystopie, eine Ode an das geruhsame Altern. Kleinere Logiklücken schmälern dabei das Lesevergnügen kaum – für Liebhaber des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.