[Buchgedanken] Markus Heitz: „Die Rückkehr der Zwerge 2“ (Zwerge 6.2)

Um den Jahreswechsel habe ich „Die Rückkehr der Zwerge 2“ von Markus Heitz gelesen, nach *Band 1* der zweite Teil der Dilogie „Die Rückkehr der Zwerge“, die zusammen den 6. Teil der Zwerge-Reihe darstellt. Das Buch ist 2021 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und dem Genre High Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

~~~ Achtung! Die folgende Rezension könnte milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten! ~~~

Goïmron, Zwerg und Gemmenschneider, hat sich mit einigen Gefährten auf die Suche nach dem legendären Helden Tungdil Goldhand gemacht – und ist dabei mitten hinein in das größte Abenteuer seines Lebens geraten. Denn das Geborgene Land muss sich einer übermächtigen Bedrohung aus Orks, Menschen und Albae stellen. Während die Zwerge und ihre Verbündeten unter Führung der zwergischen Kriegerin Gata die Festung Brigantia belagern, versucht die Albae-Hexe Ascatoîa im Gebiet der Wunder zwei Drachengeschwister mit magischen Mitteln unter ihren Einfluss zu zwingen. Sollte ihr das gelingen, bräche eine finstere Zeit im Geborgenen Land an. Nur Goïmron, in dem unerwartete Kräfte schlummern, ist vielleicht in der Lage, das Schlimmste noch zu verhindern. Dabei braucht er unbedingt die Hilfe seiner Freunde und eines geheimnisvollen Artefakts, mit dem ausschließlich er kommunizieren kann. Aber was vermag das Artefakt noch anzurichten – und lässt es sich dauerhaft kontrollieren?

„Die Rückkehr der Zwerge 2“ knüpft nahtlos an die Handlung des ersten Bandes an und führt diese fort. Man folgt den Geschichten der altbekannten Charaktere, lernt aber auch neue kennen, sodass sich die Masse an Handlungssträngen eher erweitert, als zum Ende des Buches hin kleiner zu werden. Und – der einzige, größere Kritikpunkt am Buch bzw. der Dilogie – davon werden zu wenige aufgelöst, viele Handlungsstränge bleiben offen und sorgen dafür, dass man etwas unbefriedigt zurück bleibt.

Abgesehen davon ist die Handlung sehr abwechslungsreich und spannend, weiterhin sehr fragmentarisch und durch die velen Wechsel entschleunigt. Durch den – natürlich bei dem Reihentitel sinnigen – Fokus auf den Handlungsstrang um Goïmron, dauert es teilweise sehr lang, bis andere Handlungsstränge wieder aufgegriffen werden. So geht einer der interessantesten, der um Stémna, zum Beispiel völlig unter.

Der Weltenbau und das Setting bleiben weiterhin die Highlights des Romanes, man reist an bislang unbekannte Ecken der Reiche und lernt so nach und nach mehr über die Hintergründe der gesamten Welt von Markus Heitz kennen. Auch wenn es etwas dauert, bis man die ganzen Orte, Reiche und Völker zuordnen kann, bekommt man doch irgendwann einen guten, stimmigen Überblick.

Die einzelnen Charaktere werden im Wesentlichen konsequent weiterentwickelt. Neben Stémna, Klaey, Rodana, Xanomir und Brûgar, die ich bereits in Buch 1 als stärkste Charaktere erwähnt habe und die weiterhin überzeugen, begeistert mich in Band 2 zusätzlich Gata, die sich gut entwickelt hat. Goïmron bleibt weiterhin etwas blass – und auch von Goldhand hätte ich mir etwas mehr erwartet.

Die Buchgestaltung ist erneut auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Cover bildet mit Teil 1 ein zusammenhängendes Titelbild und sorgt so für einen gelungenen Gesamteindruck der Reihe.

Mein Fazit? „Die Rückkehr der Zwerge 2“ führt die Dilogie zu einem würdigen Abschluss und sorgt für eine gelungene Rückkehr in die Welt der Zwerge. Dabei brilliert das Buch dank toller Charaktere und einem gelungenen Setting, löst aber leider zu wenige Handlungsstränge auf. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht losgelöst vom ersten Band.

[Buchgedanken] Alisa Kwitney: „ROGUE: UNBERÜHRT“ (Marvel | Heldinnen)

In der letzten Zeit habe ich „ROGUE: UNBERÜHRT“ von Alisa Kwitney gelesen, einen Roman der „Marvel | Heldinnen“ Reihe. Das Buch ist 2021 bei Cross Cult veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel „ROGUE: UNTOUCHED“ bei Aconyte Books, einem Imprint von Asmodee Entertainment Ltd. Für die Übersetzung zeichnet Stephanie Pannen verantwortlich, das Copyright liegt bei Marvel Publishing. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Das Leben der jungen Rogue ist alles andere als schön: sie lebt allein, hat einen furchtbaren Job in einem Diner und versteckt sich vor allen. Die Kräfte, die sie zu entwickeln begonnen hat, machen ihr Angst. Wenn der erste Kuss fast tötet, ist es schwer, irgendjemandem zu trauen – sogar dir selbst. Doch da tauchen zwei Personen auf, die ihr Leben für immer verändern könnten, und schließlich wird sie vor eine Wahl gestellt: Folgt sie einer geheimnisvollen Milliardärin, die angeblich auf der Suche nach begabten Praktikanten ist, oder dem attraktiven Falschspieler mit den unheimlichen roten Augen? Aber die beiden sind nicht die einzigen, die sie beobachten … Rogue muss die Mächte annehmen, die sie zu unterdrücken versucht, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – bevor es jemand anders tut.

„ROGUE: UNBERÜHRT“ ist mein erstes Buch der „Marvel | Heldinnen“ Reihe und beleuchtet einen mir eher unbekannten Teil des Marvel-Universums, nämlich Charaktere aus X-Men – ich bin stärker in der Avengers/Shields Story verankert. Bereits die Genrezuordnung des Romans fällt mir dabei nicht ganz leicht, sofern man nicht das inflationär bei Filmen benannte Genre „Superhero“ akzeptiert. Ganz klassisch gesehen wäre „ROGUE: UNBERÜHRT“ sonst Urban Fantasy oder – im Gesamtzusammenhang mit anderen Marvel-Werken – eine Mischung aus Fantasy und Science-Fiction.

Die grundsätzlich spannende Handlung bleibt dabei etwas flach, hat gerade zum Ende des ersten Abschnitts hin auch einige Längen. Leider gelingt es der Autorin nie, den Leser kontinuierlich zu fesseln, sondern immer nur phasenweise, was auch daran liegt, dass Teile der Handlung durchaus vorhersehbar sind und kleinere Logiklücken ebenfalls vorhanden sind. Genau wie generell Lücken in der Handlung, was durch die (grundsätzlich perfekt gewählte) Erzählperspektive aus der Sicht von Anna Marie bedingt ist – hier hätte man vielleicht mit weiteren Perspektiven arbeiten können. Zudem spielt der Roman den größten Vorteil der Ich-Perspektive nur eingeschränkt aus, die den Leser ja nah an die Gedanken und Gefühle der Protagonistin bringen und eine Identifizierung mit ihr erleichtern soll. Und auch wenn Letzteres zwar geschieht, bleibt die Gefühlswelt der Protagonistin doch etwas eindimensional, ein Zögern, Hadern, Zweifeln im Umgang mit den Kräften, eine tiefe Reflektion lässt sie eher vermissen.

Abgesehen davon gefällt mir Anna Marie als Charakter wirklich gut, ist humorvoll und empathisch, hat Stärken und Schwächen. Auch Nebencharaktere wie Lucretia (die sich später als hier aus Spoilergründen nicht näher benannter Major Character der X-Men-Reihe zu erkennen gibt) und Rita überzeugen, während Remy etwas blass bleibt.

Das Setting des Buches hingegen brilliert auf ganzer Linie. Amerikanisches Kleinstadtflair, ein Diner, verlassene Herrenhäuser und eine umgebaute Ranch – Alisa Kwitney nimmt den Leser mit auf eine Reise in ländliche Regionen der USA fernab der Metropolen und erlaubt es dem Leser, sich in die Geschichte zu träumen – unterstützt davon, dass man ja auch grundsätzliche Vorstellungen vom Marvel-Kosmos an und für sich hat. Eine Einordnung in diesen ist jedoch nicht ganz einfach, zwar tauchen bekannte Charaktere auf (und andere, wie Black Widow werden benannt), eine abschließende Einordnung in die Zeitlinie – und ob sich das Buch überhaupt nahtlos einfügt – lässt sich jedoch nicht treffen.

Die Buchgestaltung ist im Großen und Ganzen gelungen. Lektorat und Korrektorat haben nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, der Buchsatz ist sauber – wenn man davon absieht, dass es anscheinend weder Satz, noch Lektorat oder Endkorrektur aufgefallen ist, dass das Kapitel 34 als Kapitel 32 betitelt wird (sollte nicht vorkommen …). Das Cover ist farblich sehr auffällig und genretypisch, insgesamt der Buchumschlag mit Klappen und Coverrückseite sehr schön und teils hochwertig geprägt. Allerdings hätte ich mir zur Abrundung des Gesamtbildes farbige Coverinnenseiten noch gewünscht.

Mein Fazit? „ROGUE: UNBERÜHRT“ ist ein grundsätzlich spannender Roman über eine Heldin aus dem Marvel-Universum, der mit einem tollen Setting glänzt, aber auch Schwächen in der Handlung aufweist. Für Comic-Liebhaber und Marvel-Fans bedenkenlos zu empfehlen, für Fantasyliebhaber außerhalb der Comicwelt nur bedingt – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer (Hrsg.): „Göttergarn“

In der letzten Zeit habe ich „Göttergarn“ gelesen, eine von Veronika Lackerbauer herausgegebene Anthologie, die 2021 im Leseratten Verlag erschienen und dem Genre der Funtastik zuzuordnen ist. Vielen Dank an dieser Stelle an die Herausgeberin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Donnerwetter – hier sind die Götter los! Egal ob im gelernten Job, als Imbissbudenbesitzer, Escape-Room-Betreiber, Kopfgeldjäger, im Baugewerbe oder im Gartencenter – hier wird gedonnert, geblitzt, geschnippt, getwittert oder mit einem Pfeil direkt ins Herz geschossen. Und nach Feierabend? Da wird natürlich feuchtfröhlich gefeiert und um die Vaterschaft gebuhlt. Und all jene, die vom fleißigen Feiern bereits urlaubsreif sind, sollten sich professionelle Hilfe suchen oder direkt für eine Patience in der Klapse einchecken. Aber gleich ob in der Himmelstraße, auf Erden, im untervermieteten Olymp oder im Weltraum – eins wollt ihr wirklich niemals – NIEMALS – erfahren: Was passiert, wenn die Götter ihren Löffel abgeben?

„Göttergarn“ besteht aus 16 Geschichten, die hier als Funtastik zusammengefasst sind, insgesamt aber die ganze Bandbreite von Fantasy und Science-Fiction (eher in Gestalt von Space Opera) ausreizen. Dabei stammen die einzelnen Geschichten teils von bekannten, teils von unbekannten AutorInnen, eine ist auch von der Herausgeberin beigesteuert worden.

Wie in Anthologien üblich, schwankt die Qualität der Geschichten, wobei die einzelnen Titel schon im Durchschnitt eine gute Qualität haben. Nach oben brechen dabei für mich vor allem „Die 7 Plagen des Imhotep“ (Bianca M. Riescher) und „Die Feuersturm-Chroniken 5: Love, Axe und Rock’n Roll“ (Thomas Heidemann) aus, wobei bei zweiterer der Bezug zum Thema etwas zu leicht gerät, um die Spitze für sich zu erklimmen.

Am anderen Ende des Spektrums findet sich z.B. „Auch nur ein Mensch“ von Torsten Scheib wieder. Abgesehen davon, dass ich es ermüdend finde, wie penetrant auch in diesen Text die Abneigung des Autors gegen Coldplay hereingepresst wird, kam ich mit dem stakkatoartigen Monolog des Protagonisten nicht klar, der kurze Sätze in schneller Abfolge aneinanderreihte, was die Lesbarkeit arg beeinträchtigte.

Insgesamt sind die Geschichten kurzweilig und ein gelungener Zeitvertrieb, eine Anordnung abseits der alphabetischen Reihenfolge der Autoren hätte hier aber noch eine bessere Durchmischung, vielleicht einen größeren Bogen durch die einzelnen Pantheons schlagen – und den Leser mit starken Geschichten zu Beginn und zum Ende fesseln können, wie der opening und closing look einer Modenschau, die besonders nachhaltig im Gedächtnis bleiben.

Die Buchgestaltung ist Geschmackssache – mir ergeht es hier wie bei „Vikings of the Galaxy„. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet und nur wenig durchrutschen lassen, der Satz ist, je nach Geschichte, im Wesentlichen noch als solide anzusehen. Die Vitae sind zwar dieses Mal frei von selbstgezeichneten Autorenportraits, aber immer noch … nunja, ich bin froh, dass ich keine solche Vita für mich verfassen muss. Auch im Götterglossar hätte ich mir etwas mehr Ernsthaftigkeit gewünscht – mit Ende der Geschichten hätte die Funtastik hier einem richtigen, erklärenden Glossar weichen können. Zudem muss ich – wie bei der letzten Anthologie – betonen, dass die letzte Seite mit den Kommata zum Selbsteinkleben in keinster Weise witzig ist, sondern weiterhin einer Bankrotterklärung des eigenen Lektorats und Korrektorats gleichkommt. Auch der Buchumschlag vermag im Gesamtbild nicht zu überzeugen, bietet aber immerhin starke Bezüge zu den enthalteten Geschichten, wirkt dadurch aber überladen.

Mein Fazit: „Göttergarn“ ist eine solide Anthologie mit phantastischen Geschichten, die abewechslungsreich und – im Durchschnitt – qualitativ hochwertig sind. Die unkonventionelle Buchgestaltung ist sicherlich nicht jedermanns Sache, für Liebhaber des Abstrusen aber definitiv zu empfehlen.

Superstars im Briefkasten | Doppelte Buchpost

Vor wenigen Tagen erreichte mich ein Paket der Verlagsgruppe Droemer Knaur mit zwei bzw. drei Rezensionsexemplaren – schon einmal vielen Dank dafür. Enthalten waren zum einen die Dilogie „Die Rückkehr der Zwerge“ eines der Superstars der deutschen Phantastik, Markus Heitz, zum anderen „Das Schwärmen von tausend Bienen“, der neunte Band von Diana Gabaldons weltbekannter Highland-Saga, einer meiner absoluten Lieblingsbuchreihen und schriftstellerischen Vorbilder. Ich kann es kaum erwarten, in die Welt der Zwerge und in die Geschichte von Jamie und Claire zurückzukehren. Das wird jeweils ein Fest! Ich bin jedenfalls bereit – je suis prest!

Sehen die Bücher nicht toll aus?

Veronika, das Buch ist da | Doppelte Buchpost

Bevor ich in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen für Euch habe und wir auch auf die Buchmessesaison zusteuern, möchte ich Euch heute noch zwei Bücher zeigen, die mich vor kurzem erreichten: „Göttergarn“, eine Kurzgeschichtenanthologie, die von Veronika Lackerbauer für den Leseratten Verlag herausgegeben wurde, und „Plötzlich Irland“, ein Roman von Veronika Lackerbauer im Selfpublishing – vielen lieben Dank Veronika für das tolle Paket mit den liebevollen Goodies. Ich freue mich schon auf die damit verbundenen Reisen nach Irland und in die göttlichen Gefilde der Funtastic.

Lyrik und Legendenstatus | Doppelte Buchpost

Diese Woche erreichten mich unter anderem diese beiden Bücher. „Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst“ ist eine von Ulrich Maske herausgegebene und von Franziska Harvey illustrierte Sammlung an Gedichten der letzten fünf Jahrhunderte über den Mond – vielen Dank an die vermittelnde Agentur Buchcontact und den Jumbo Verlag, Goyalit, für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Selbstgekauft bei einzigundartig ist das bei FISCHER, S. Fischer Verlage, erschienene neue Buch von Kerstin Gier. „Vergissmeinnicht – Was man bei Licht nicht sehen kann“ ist der neue Roman der Autorin, deren Edelsteintrilogie bei mir Legendenstatus besitzt und die zu meinen liebsten Buchreihen aller Zeiten zählt. Ich hoffe, der neue Roman kann daran anknüpfen! Die wunderschöne Aufmachung der signierten Ausgabe lässt jedenfalls hoffen – vielen Dank an den Verlag und die Buchhandlung einzigundartig für die Signieraktion.

[Buchgedanken] Nora Bendzko: „Die Götter müssen sterben“

In der letzten Zeit habe ich „Die Götter müssen sterben“ von Nora Bendzko gelesen. Der Roman ist 2021 bei Knaur Taschenbuch im Knaur Verlag, Droemer Knaur Gmbh & Co. KG veröffentlicht worden und den Genres Dark Fantasy und Historical Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Troja wird fallen – und die Götter müssen sterben! So besagt es eine Prophezeiung von Artemis selbst, der mächtigen Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt und das Schicksal der Götter besiegelt ist, sollen die Amazonen die Welt beherrschen. Doch Artemis segnet ausgerechnet Areto, die keine Kriegerin ist, mit ihren Kräften. Wie kann eine wie sie der Macht einer Göttin würdig sein? Aretos Erwählung spaltet die Amazonen in zwei Lager – ein Konflikt, der ihrem Volk im Trojanischen Krieg den Untergang bringen könnte.

Puh, das war ein wilder Ritt, auf den Nora Bendzko ihre Leser mitgenommen hat. „Die Götter müssen sterben“ ist im positiven Sinne unangepasst, brutal, erotisch und grenzüberschreitend. Es mischt die Genres von Dark Fantasy, Historical Fantasy und Mythic Fiction und bringt dem Leser die Welt der griechischen Götter- und Heldensagen näher – in einer Weise, auf die George R. R. Martin stolz wäre, metzelt sich die Autorin doch durch die Reihen von Freund und Feind und pflastert die Buchseiten mit Leichen von liebgewonnenen Charakteren.

Doch bevor ich genauer zur Handlung komme, möchte ich noch auf einige andere Punkte eingehen. So kann man zu Triggerwarnungen stehen, wie man will – meines Erachtens kann man, wenn man zu einem Buch des Genres Dark Fantasy greift, durchaus von den Tropes ausgehen, die hier verwendet worden sind, diese sind sicherlich in dem Genre keine Seltenheit. Nichtsdestotrotz ist die Triggerwarnung in dieser Allgemeinheit und Kürze durchaus noch angemessen, ich hätte mir aber gewünscht, dann konsequenterweise im ellenlangen Nachwort vielleicht zu den angesprochenen Themen Depression und Suizidalität Beratungs- und Kontaktstellen verlinkt zu bekommen. Auch ist es richtig und wichtig, dass Nora hier einen sehr diversen Cast an Protagonisten zusammengestellt hat und für Sichtbarkeit sorgt, die gerade in historischen Romanen aufgrund der Eindimensionalität der Geschichtssschreibung oftmals fehlt. Dennoch geht mir hier die konsequente Nutzung der sogenannten Neopronomen im Zusammenhang mit Iphito zu weit, gibt es doch noch keine allgemeine Sprachregelung dafür und mindert die Lesbarkeit.

Das Setting ist – erwartbar – brillant. Troja, Athen, Themiskyra – die Schauplätze sind spannend und gut gewählt, auch wenn ich mir teils noch anschaulichere Beschreibungen gewünscht hätte. Nichtsdestotrotz gelingt es Nora Bendzko, sofort das Kopfkino zum Laufen zu bringen, sodass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Auch die Handlung fesselt den Leser, ist spannend, abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders überzeugt haben hier Penthesilea, Phileas und Melanippe, aber auch einige der Götter und Helden wie Artemis und Achilles, sodass ich mir noch viele weitere Bücher über die verflochtene Götterwelt der Autorin wünschen würde. Dabei ist Noras Schreibstil schonungslos ehrlich und brutal, aber – im Wesentlichen – flüssig und leicht zu lesen.

Die Buchgestaltung vermag ebenfalls im Großen und Ganzen zu überzeugen. So haben Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher und mit tollen Klappen versehen. Lediglich die farbigen Coverinnenseiten kommen hier etwas einfach daher, zudem hätte man durchaus auch auf eine etwas hochwertigere Prägung setzen können. Abschließend hätte ich mich – vor oder nach der Handlung – auch über ein Tableau der Götter- und Heldenwelt, einen Stammbaum des griechischen Olymps, sehr gefreut, hätte dieser doch, wie auch eine Karte, dem Leser prägnant und bildhaft relevante Informationen übermitteln können.

Mein Fazit? „Die Götter müssen sterben“ ist ein unglaublich dichter, athmosphärischer und spannender Dark-Fantasy-Roman, der vor allem durch eine tolle Handlung und ein brillantes, mythologisches Setting punkten kann und nur kleine Schwächen aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aufgrund der expliziten Sexszenen und der exzessiven Gewalt alledings nicht für Leser unter 17, vielleicht auch erst ab 18 Jahren.

[Buchgedanken] Laura Ventur: „Whalea“ (Whalea 1)

In der letzten Zeit habe ich „Whalea“ von Laura Ventur gelesen. Das Buch ist 2021 im Selfpublishing über epubli erschienen und dem Genre Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Literaturtest.

Zwei Leben, zwei Welten. Strikt voneinander getrennt und dennoch untrennbar miteinander verwoben durch die Zeit. Obwohl Rosa, Wächterin in Whalea, überzeugt ist, ihr lang gehütetes Geheimnis in den Tiefen ihrer fantastischen Dimension unauffindbar versteckt zu haben, spült das Schicksal ihr die Vergangenheit vor die Füße: Ben. Doch als der Frankfurter Banker Ben von Thalau unfreiwillig in Whalea auftaucht, stellt das nicht nur ihr Leben auf den Kopf. Denn Menschen sind in ihrer Welt strengstens verboten. Und er hat alle Hände voll zu tun, in der whaleanischen Realität nicht den Verstand zu verlieren. Für Rosa und ihre Gefährten beginnt ein beispielloser Spießrutenlauf. Sie müssen den Fremden wieder nach Hause bringen, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Dafür ist Rosa bereit, alle Tabus zu brechen. Nur so kann sie ihr Geheimnis bewahren. Allerdings hat sie die Rechnung ohne Ben gemacht. Der hat ganz andere Pläne.

„Whalea“ ist – trotz des sehr kindlichen Covers – ein Fantasyroman für jugendliche und erwachsene Leser, kombiniert er doch in einem bunten Genremix aus Urban-, High- und historical Fantasy erwachsenere Themen wie Gesellschaftskritik und Hexenvebrennung mit einer Fantasywelt, die eher für junge Leser gezeichnet ist. Anzumerken ist dabei zwingend, dass „Whalea“ – wenn auch nirgends angegeben – nur Auftakt zu einer Buchreihe sein kann, da es als eigenständiger Roman nicht wirklich funtioniert.

Denn zum Ende hin werden kaum Handlungsstränge aufgelöst, nahezu alle Probleme bleiben offen und das Buch endet in diversen Cliffhangern, was einen als Leser etwas ratlos und unbefriedigt zurücklässt. Abgesehen davon ist die Handlung jedoch durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch – zumindest in der Gegenwart – die ganz großen Konflikte fehlen, wohingegen die Vergangenheitsebene auf ganzer Linie überzeugt.

Das Setting in Whalea wird im Wesentlichen anschaulich beschrieben, insgesamt lässt der Bau einer komplexen Fantasyswelt aber noch Luft nach oben – was bei der Dünne des Buches nicht verwundert. Ich hoffe daher, dass in den Folgebänden (so es sie geben wird) die Hintergrundgeschichte von Whalea, die einzelnen Rassen und Völker und das Magiekonzept noch etwas weiter ausgearbeitet werden, man nach und nach mehr über die Welt erfährt

Die einzelnen Protagonisten sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, wenn auch die Handlungsmotive, insbesondere von Rosa und ihren Gefährten, nicht immer klar aufgeklärt und ersichtlich sind. Dennoch überzeugen hier vorallem die – teils auch humorvoll angelegten – Nebenfiguren, insbesondere Olivia und Rasmus.

Dem Lektorat und Korrektorat sind nur kleinere Fehler durchgerutscht, die das Lesevergnügen nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist gelungen und wird mit tollen Illustrationen unterstützt und aufgewertet, wenn auch die der Geschichte vorangestellte Karte dazu im Vergleich blass bleibt. Das Covermotiv kommt jedoch sehr kindlich rüber und vermag auch – trotz der abgebildeten Protagonisten – keinen wirklichen Bezug zur Handlung herstellen, auch die Coverrückseite kann nicht überzeugen.

Mein Fazit: „Whalea“ ist ein im Wesentlichen gelungener Debütroman, der allerdings nur als Reihenauftakt Sinn macht und nicht als Standalone gelesen werden kann und sollte, da er kaum Handlungsstränge auflöst. Das Buch vermag dabei durch eine grundsätzlich interessante und abwechslungsreiche Handlung zu überzeugen, deren Schwächen hoffentlich im Rahmen der nächsten Bände angegangen werden. Mit Veröffentlichung weiterer Teile bedenkenlos zu empfehlen – sollte das unterbleiben besteht Frustgefahr.

[Buchgedanken] Sandra Karin Foltin: „Pilgrims Oak: Das Jahr der verschwundenen Mädchen“

Vor einiger Zeit habe ich „Pilgrims Oak: Das Jahr der verschwundenen Mädchen“ von Sandra Karin Foltin beendet. Der Roman ist 2020 im Selfpublishing erschienen und dem Genre Historical Fantasy / Historical Mystery zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

1790 lebt die fünfzehnjährige Margaret auf Pilgrims Oak. Als auf benachbarten Plantagen Sklavenmädchen spurlos verschwinden, soll ein Gärtner verurteilt werden. Doch Maggie glaubt nicht an seine Schuld. Nachdem auch ein befreundetes Mädchen vermisst wird, versuchen sie und ihre Freundin Lizzy herauszufinden, was mit den Kindern passiert. Unterstützt werden beide von Lizzys Mutter, einer Hoodoopriesterin. Die beiden Heranwachsenden lernen fremdartige Wesen kennen, Geister, die um Hilfe bitten, und gefangene Seelen. Dass Maggie sich überdies in den Verlobten ihrer Schwester verliebt, macht die Jagd nach dem Täter nicht leichter. Die Freundinnen geraten immer tiefer in mysteriöse Geschehnisse und müssen bald um ihr eigenes Leben sowie das ihrer Lieben bangen.

„Pilgrims Oak“ ist – um das vorwegzunehmen – ein im Wesentlichen gelungenes Buch, eine Reise in die Geschichte der USA zur Zeit der Sklaverei und bietet interessante Einblicke in die Kultur und Überzeugungen der Hoodoo-Anhänger. Dabei werden insbesondere die Unterschiede innerhalb der Gesellschaft ausdrucksstark porträtiert, genau wie das damals vorherrschende Rollenmodell der Frau.

Die in zwei Zeitebenen spielende Handlung ist in aller Regel spannend und bietet auch die ein oder andere unerwartete Wendung. Trotz der durchaus auch überraschenden Geschehnisse am Ende der Handlung, hätte auf die zweite, aktuellere, Zeitebene aus meiner Sicht aber verzichtet werden können – der kleine Handlungstwist am Ende kompensiert die Spoiler des ersten Kapitel für die spätere Handlung nicht. Und auch der Ausgang der Love Story vermag mich nicht endgültig zu überzeugen – zwar historisch sicherlich korrekt, hätte man hier durchaus auch andere Lösungen finden können.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Ebene. Eine alte Baumwollplantage in den Sümpfen, eine geschichtsträchtige Eiche – die Autorin setzt dem Leser dank ihres flüssigen Schreibstils Bilder in den Kopf, lässt ihn sich nach Louisiana träumen und dem Alltag entfliehen.

Auch die Charaktere sind im Wesenlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dabei überzeugen mich vor allem Lizzy und Graham sowie Mr. Avery und Heddi.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur kleinere Dinge durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten und den Lesefluss nicht mindern. Der Buchsatz bietet allerdings mangels fehlender Silbentrennung kein einheitliches Gesamtbild – und auch der Sinn hinter drei verschiedener Trennern (*, ** und ***) erklärt sich mir nicht und verwirrt. Auch das Cover bietet Stärken und Schwächen. So ist positiv zu bewerten, dass ein klarer Bezug zur Handlung da ist und sich das Grundbild über den kompletten Buchumschlag zieht. Allerdings ist das Motiv insgesamt etwas zu düster und die fehlenden Kontraste machen es schwer erkennbar

Mein Fazit: „Pilgrims Oak: Das Jahr der verschwundenen Mädchen“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Roman mit sehr ausgeprägten Fantasy-/Mystery-Aspekten, der vor allem durch sein tolles Setting brilliert und nur kleinere Schwächen bietet, die das Lesevergnügen kaum schmälern. Für Liebhaber von Mysteryromanen bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16.

[Jahresrückblick] 2020 als Autor

Nachdem ich bereits auf 2020 als Blogger und als Leser zurückgeblickt habe, möchte ich heute noch kurz das vergangene Jahr als Autor Revue passieren lassen, bevor ich mich dann ab morgen 2021 zuwende und in Kürze wieder einige Rezensionen für Euch habe.

Auch im vergangenen Jahr erschienen zwei Anthologien, an denen ich mich beteiligt habe: „Tod des Verlegers“ (Amrun Verlag) und „Fast Menschlich“ (Eridanus Verlag). Dabei freute mich insbesondere die Veröffentlichung bei Amrun, da die Anthologie jahrelang – auch bei anderen Verlagen – in Warteschleife hing, bevor dieses tolle Projekt endlich zum Abschluss gebracht werden konnte.

Abgesehen von den Veröffentlichungen habe ich 2020 aber weniger geschrieben in diesem doch sehr konfusen Jahr, und daher liegt zumindest derzeit keine Veröffentlichung mehr in der Pipeline, einige Ausschreibungen stehen aber noch aus. Für 2021 habe ich mir vorgenommen, wieder regelmäßiger zu schreiben, und vielleicht das Rohmanuskript eines Romans zu beenden.

Wie sind Eure Vorsätze? Was habt Ihr 2020 erreicht?