[Buchgedanken] Anne-Marie Garat: „Erinnerung und Lüge“

Vor kurzem habe ich auch „Erinnerung und Lüge“ von Anne-Marie Garat gelesen. Das Buch ist 2023 im GOYA Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2015 unter dem Titel „La Source“ bei Actes Sud. Das Buch ist als Familiensaga einzuordnen, für die Übersetzung zeichnen Claudia Steinitz und Barbara Heber-Schärer verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein wundersames Herrenhaus im Herzen der Franche-Comté. Anfang der 1980er reist eine junge Wissenschaftlerin nach Ostfrankreich, vorgeblich für Studien. Mit dem Dorf Mauduit verbindet die Protagonistin auch eine verstörende Kindheitserinnerung. Eine Exkursion wird nie durchgeführt – aber die Protagonistin taucht auf anderem Wege tief in die Vergangenheit Mauduits ein, nämlich durch die Erzählungen der alten Lottie, die als letzte Bewohnerin eines verwunschenen Herrenhauses die Geschichte der Familie Ardenne hütet. Lottie gewährt der Protagonistin Kost und Logis, im Gegenzug muss die junge Frau ihrer Gastgeberin allabendlich am Kamin Gesellschaft leisten, während diese die Geschichte des Hauses und seiner Bewohner*innen erzählt. Die Wissenschaftlerin wird allmählich in den Bann des Ortes gezogen und zur Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte animiert. Wiederholt kehrt sie nach Mauduit zurück, um mit Lottie den Quellen der Geschichten auf den Grund zu gehen.

„Erinnerung und Lüge“ – selten fiel mir eine Rezension so schwer. So ist der Roman das zweite, ins Deutsche übersetzte Werk der vielfach prämierten und mittlerweile leider verstorbenen französischen Schriftstellerin Anne-Marie Garat. Dabei war der Roman bereits schwerlich einem Genre zuzuordnen, hat Aspekte historischer Romane oder auch der Gegenwartsliteratur. Aufgrund der starken Konzentration auf die Schicksale mehrerer Familien über diverse Generationen, habe ich mich jedoch für die Eingruppierung als Familiensaga entschieden.

Die Handlung ist grundsätzlich interessant und abwechslungsreich, allerdings relativ antiklimaktisch und teils unlogisch und durch abstruseste Zufälle gesteuert. Sie konzentriert sich auf die Geschicke mehrerer Familien, die miteinander verknüpft sind. Dabei werden die einzelnen Handlungsstränge kaum voneinander abgegrenzt, teils ist es sogar schwierig, die einzelne Perspektive zu erkennen, sodass es fast unmöglich ist, der Handlung sinnvoll zu folgen – auch durch die teils absurd langen Mammutsätze über mehr als 20 Zeilen, die das Lesevergnügen komplett wegbrechen lassen.

Das Setting kann im Gegensatz überzeugen. So entführt die Autorin den Leser ins kleinstädtische, ländliche Frankreich zur Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, nimmt den Leser mit auf eine Reise bis nach Alaska auf den Spuren der frühen Goldgräber. Dabei werden die weltumstürzenden historischen Ereignisse im kleinen an Einzelschicksalen illustriert und greifbar gemacht.

Die Figuren zu beschreiben, ist kaum möglich, treten sie doch im Wesentlichen nur in Erzählungen auf – und haben teils nicht einmal Namen, so wie die Protagonistin des Buches. Insbesondere Anais wird hier unglaublich eindimensional dargestellt – und auch Lottie und die anderen Figuren zeichnen sich durch Egoismus und wenig Vielseitigkeit aus. Lediglich Nebenfiguren wie Marie-France und Abel vermögen hier zu überzeugen, gehören sie doch auch zu den wenigen, die direkt in Kontakt mit der Protagonistin treten. Anne-Marie Garats Schreibstil ist – wie oben bereits angedeutet – zwar poetisch und bildhaft, kommt durch die unnötig langen Sätze jedoch kaum in Geltung, ergießt sich in unzähligen Metaphern und Beschreibungen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind lediglich Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist solide – kann allerdings mangels Kapiteleinteilung auch kaum Struktur vermitteln. Der Buchumschlag ist relativ eintönig, das unter dem Umschlag befindliche Buch sehr einfach gestaltet – farbige Coverinnenseiten, Prägungen oder sonstige Veredelungen sucht man hier vergebens. Das Covermotiv ist durchaus ansehnlich, wenn auch beliebig, es wird jedoch zum Buchrücken hin radikal unterbrochen.

Mein Fazit? „Erinnerung und Lüge“ ist eine Familiensaga, die interessant beginnt, zum Ende hin aber abflacht und insgesamt durch überflüssig lange Sätze und fehlende Sinneinheiten jeden Lesefluss und jegliche Dynamik vermissen lässt. Eingeschränkt für Sprachliebhaber noch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Corinna Wieja: „Herzenssachen – Sternenzelt & Sommerträume“

Vor kurzem habe ich auch „Herzenssachen – Sternenzelt & Sommerträume“ von Corinna Wieja gelesen. Das Buch ist 2023 bei One in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Mitmachbuch einzuordnen. Für die wundervollen Illustrationen und auch für Aufmachung und Buchsatz zeichnet Laura Rosendorfer verantwortlich, die somit maßgeblichen Anteil an diesem tollen Produkt hat. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Die 15-jährige Fee ist eigentlich eine Stadtpflanze. Deshalb freut sie sich sehr auf ihre Ferien in einem französischen Nationalpark. Drei Wochen Natur erleben, Zelten und Lagerfeuer gemeinsam mit ihrer besten Freundin Merle. Wäre da nur nicht Eric, der auf dem Campingplatz arbeitet. Er wirbelt regelmäßig Fees Gedanken durcheinander und bringt ihr Herz zum Klopfen …

„Herzenssachen – Sternenzelt & Sommerträume“ setzt sich aus einem Kurzroman und einem Mitmachteil zusammen, der aus Tests, Listen, Rezepten, Achtsamkeitstipps und DIYs besteht. Der Kurzroman kann dabei dem Genre Jugendbuch zugeordnet oder auch als Teen Romance klassifiziert werden an der Grenze zu Young Adult. Aufgrund der Verknüpfung des Romane mit dem Mitmachteil, aufgrund der thematischen Einbindung des Textes in das Gesamtkonzept habe ich mich jedoch insgesamt für die Eingruppierung als Mitmachbuch entschieden.

Die Handlung ist kurzweilig, wenn auch genrebedingt durchaus vorhersehbar und sehr cosy. Probleme, Schwierigkeiten kommen nur am Rande vor, insgesamt ist die Story eine mit Feel-Good-Garantie, aber auch etwas seicht und nicht allzu anspruchsvoll – selbst für die Zielgruppe kann man hier in einem Kurzroman gegebenenfalls etwas tiefer einsteigen. Der Mitmachteil hingegen rundet die Geschichte gut ab, ist sehr umfangreich und bietet für jeden etwas, auch wenn sicherlich niemand sich hier für alle Punkte begeistern kann – ein buntes Potpourri.

Das Setting des Kurzromans ist natürlich wunderschön. Ein Naturpark in Frankreich, ein Jugendcamp, Wasserfall, Eselgehege und Aussichtsfelsen inklusive – so stellt man sich ein gelungenes Feriencamp als Jugendlicher vor – und das alles auch noch im Namen des Naturschutzes als Work, Travel and Fun. Dabei wird der Roman aus der Ich-Perspektive von Fee erzählt – man lernt quasi alles mit ihr zusammen kennen.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund des Kurzromans relativ schematisch angelegt – die meisten Nebenfiguren spielen auch auch kaum eine Rolle. Am stärksten begeistern können hierbei noch Merle und der Esel Stella, aber auch Fee und Eric als Love Interest sind wirklich zuckersüß. Corinna Wiejas Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, zielgruppen- und altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung brilliert auf ganzer Linie. Zwar sind dem Lektorat und Korrektorat Kleinigkeiten durchgerutscht, diese schmälern aber nicht das Lesevergnügen. Der Buchsatz hingegen ist einfach wunderschön, genau wie der Umschlag, der auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen ist. Auch das Titelmotiv überzeugt und lässt den Mitmachcharakter direkt erahnen.

Mein Fazit? „Herzenssachen – Sternenzelt & Sommerträume“ ist ein Mitmachbuch mit tollen Aktionen und einem Kurzroman, der zuckersüß und kurzweilig ist, aber auch etwas mehr Tiefe hätte vertragen können. Für Leser ab dem vom Verlag angegebenen Lesealter von 13 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

(Neuerscheinung) „Wenn alte Wellen singen“

Heureka! Es ist vollbracht :). Bereits seit gestern halte ich mein Exemplar der Anthologie „Wenn alte Wellen singen“ in den Händen. Im Burgenweltverlag veröffentlicht, haben die Herausgeberinnen Isabella Benz und Michèle-Christin Jehs Mittelaltergeschichten gesammelt, in denen Wasser eine zentrale Rolle spielt.altewellen

Ab heute könnt Ihr es auch endlich bekommen 😉 – als e-Book (3,99€) und als Taschenbuch (228 S., 12,90€) ist es unter anderem bei Amazon oder auch im Verlagsshop erhältlich. Da der Burgenweltverlag auch auf der Leipziger Buchmesse ist, können alle Besucher das Buch dort auch am Verlagsstand bestaunen – aber mehr dazu im Laufe der nächsten Wochen in der Messevorbereitung und -Vorschau :).

Meine Geschichte „Das leise Klirren des Dolches“ spielt dabei vor dem Hintergrund des beginnenden hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich und ist meine erste Veröffentlichung in meinem Lieblingsgenre (yeah!), der hoffentlich noch viele weitere folgen.

In dem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen Aschermittwoch
Erik

Femtastisches Lyon!

Nach einem Wochenende in der Nähe von Lyon melde ich mich heute zurück. Die letzten Tage habe ich dort auf einer Hochzeit verbracht, die idyllisch in einer Art Gutshaus in den sonnenbestrahlten Weinbergen (und einer malerischen Sandstein?kirche) gefeiert wurde – da bekommt das geflügelte Wort: „Lebenlyon wie Gott in Frankreich“ gleich eine neue Bedeutung – es war atemberaubend.

(Ausblick über Lyon von einer kurzen Stadterkundungstour am letzten Sonntag)

Das fantastische Wochenende wurde noch dadurch getoppt, dass am späten Sonntag auf der Rückfahrt meine zehnte Verlagszusage für eine Kurzgeschichte ins e-Mail-Postfach flatterte: meine Kurzgeschichte „Der Kreis der Sieben“ (Arbeitstitel) findet wohl ein Zuhause in der „Femtasy“-Anthologie „Heimchen am Schwert“ des Verlags Ohneohren – so wurde aus dem fantastischen Wochenende sogar ein femtastisches! Zusammen mit der letztjährigen Veröffentlichung von „Schicksalsmonde“ im Gemeinschaftsprojekt mit anderen Autoren und der Lyrikveröffentlichung von „Das große Glück“ in der Liebeslyrik-Anthologie des Sperling Verlages ist das erste Dutzend voll! Ab morgen – versprochen – wird dann am nächsten gearbeitet :).

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche

Liebe Grüße
Erik

Ps: In den nächsten Tagen werde ich auch beginnen, meinen Plan für die FBM15 und den BuCon zu erstellen – momentan ist dort noch viel Platz. Sollte jemand Lust und Zeit für ein Treffen haben, scheut Euch nicht, nachzufragen :).