[Buchgedanken] Laini Taylor: „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ (Muse 1, Strange 3)

In der letzten Zeit habe ich „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Bloggerjury für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Der Roman ist 2020 im One Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre High-Fantasy zuzuordnen. Die Originalausgabe erschien 2018 unter dem Titel „Muse of Nightmares“ bei Little, Brown and Company, Hachette Book Group. Er bildet den Auftakt der „Muse of Nightmares“-Dilogie, stellt gleichzeitig aber auch eine Fortsetzung der „Strange the Dreamer“-Dilogie dar, sodass er insgesamt auch als dritter Teil dieser Reihe gelten kann.

51YWG8WThzL._SX327_BO1204203200_Sarai ist die Muse der Albträume. Seit sie denken kann, quält sie die Bewohner von Weep mit ihren schlimmsten Ängsten. Sie ist sich sicher, dass sie jede noch so furchtbare Grausamkeit gesehen hat. Doch damit liegt sie falsch. Unendlich falsch. Denn plötzlich findet sich Sarai selbst in einem Albtraum wieder, aus dem sie nicht aufwachen kann. Ihre Liebe, ihr Leben und das aller Bewohner von Weep stehen auf dem Spiel …

„Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein klassischer Auftaktband – und kann definitiv nicht als Standalone gelesen werden, da keine der Handlungslinien zum Ende hin wirklich aufgelöst wird, was viel Potential für den nachfolgenden Teil eröffnet, für den Leser bisweilen aber etwas unbefriedigend sein kann. Auch empfiehlt es sich – was ich nicht getan habe – vorher in jedem Fall „Strange the Dreamer“ zu lesen, da es den Anschein macht, dass Welt und Vorgeschichte vorausgesetzt werden und nur noch wenig erklärt wird. Ich würde das Buch daher auch als dritten Teil dieser Reihe sehen, und nicht als eigenständige Dilogie. Dadurch fiel es mir teils schwer, der Handlung flüssig zu folgen, dies kann dem Buch aber nicht angelastet werden.

Die Handlung insgesamt überzeugt im Wesentlichen, hat aber Längen, da relativ wenig passiert. Auch kann es bisweilen anstrengend sein, dass permanent zwischen den einzelnen Handlungssträngen hin- und hergewechselt wird. Brillant hingegen ist das Setting. Die Welt, die Laini Taylor erschafft, ist fantastisch und bildgewaltig, und doch sehr fragil und ausgewogen. Erinnerungen und Träume, Götterwesen und Götterschlächter, die Autorin beschreibt anschaulich und mit einem leicht lesbaren Schreibstil und erlaubt es dem Leser so, sich nach Weep und in die Zitadelle zu träumen.

Trotz der Vielzahl an Charakteren entwickelt Laini Taylor diese gut und legt sie dreidimensional, mit eigenen Stärken, Schwächen und Motiven an. Insbesondere Minya überzeugt hier auf ganzer Linie – und erhält durch die Reise in ihre Träume eine ganz andere Tiefe. Ich bin gespannt, ob diese Entwicklung im Folgeband konsequent weitergeführt wird.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher, und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein. Allerdings hätte es noch etwas hochwertiger ausgearbeitet und geprägt sein können, sodass das Buch sich insgesamt etwas edler anfühlen würde. Dabei ist allerdings zu beachten, dass im Gegenzug der Preis für ein Hardcover auch deutlich am unteren Ende angesetzt ist.

Mein Fazit? „Muse of Nightmares – Das Geheimnis des Träumers“ ist ein vielversprechender Auftakt, der zwar Schwächen in der Handlung hat, aber durch tolle Charaktere und ein brillantes Setting punkten kann. Da er viele Fragen für den nächsten Teil offen lässt allerdings nicht als Standalone lesbar – und idealerweise nach „Strange the Dreamer“. Für Liebhaber des Phantastischen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Sonea – Die Königin“ (Sonea 3)

In den letzten Tagen habe ich „Sonea – Die Königin“ gelesen, den abschließenden Band der „Sonea“-Trilogie von Trudi Canavan. Das Buch wurde in der mir vorliegenden Ausgabe 2015 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München, veröffentlicht, die Originalfassung unter dem Titel „The Traitor Spy 3: The Traitor Queen“ erschien 2012 bei Orbit, einem Imprint von Little, Brown Book Group, einem Unternehmen von Hachette Livre UK, London. Das Buch ist dem Genre High Fantasy zuzuordnen und schließt die Kyralia-Saga ab. Die Besprechungen zu den Vorgängerbänden können hier abgerufen werden („Die Hüterin“, „Die Heilerin“).

~~~ Achtung: Die nachfolgende Besprechung kann milde Spoiler zu den Vorgängerbänden enthalten! ~~~

513Pr6QqZaLSonea, die Schwarze Magierin von Kyralia, ist überglücklich, als ihr Sohn Lorkin von den Sachakanischen Rebellen freigelassen wird. Endlich wird er nach Hause zurückkehren. Aber zuvor verlangt der König von Sachaka, dass der junge Mann alle Informationen preisgibt, die er über die Verräterinnen hat. Doch Lorkin hat sich in eine der Rebellinnen verliebt und ist nicht bereit, sie auszuliefern. Der Sachakanische König droht, Lorkin sein Wissen mit Gewalt zu entreißen. Da bricht Sonea das oberste Gesetz für Schwarze Magier und verlässt Kyralia. Sie wird ihren Sohn nicht im Stich lassen – und hofft, dass ihr Eingreifen keinen Krieg auslöst …

„Sonea – Die Königin“ ist der krönende Abschluss der Saga um Kyralia, die mit dem Prequel „Magie“ begann, mit der Trilogie „Die Gilde der Schwarzen Magier“ fortgesetzt wurde und nun durch die „Sonea“-Trilogie beendet wurde. Dabei erschuf Trudi Canavan über sieben Bücher ein Universum, das seinesgleichen sucht, und aus dem ich mir noch mehr Inhalt wünschen würde, das noch so viele Geschichten zu erzählen hat. Dabei bleibt der Weltenbau um die Verbündeten Länder und Sachaka weiterhin unnachahmlich, überzeugt durch ein perfekt ausgearbeitetes Magiekonzept, Politik, Geografie und eine runde Geschichtsschreibung.

Die Handlung aus „Die Königin“ knüpft direkt an „Die Heilerin“ an und setzt die Geschichte nahtlos fort. Man begleitet liebgewordene Charaktere aus den ersten Büchern, lernt diese näher kennen. Insbesondere gefreut habe ich mich darüber, dass Lilia und Anyi erneut eine wichtige Rolle einnahmen. Aber auch Lorkin, Regin, Dannyl und Tayend zeigten starke Entwicklungen und füllten die Rollen gut aus, die ihnen von der Autorin zugedacht worden sind.

Die Handlung war spannend, teils aber vorhersehbar, und das Ende aus meiner Sicht unspektakulär und zu schnell. Dies sind aber nur kleine Wermutstropfen, die die tolle Geschichte – die allerdings nicht die perfekte Brillanz der „Gilde der Schwarzen Magier“ erreichten konnte – nur unwesentlich schmälern. Dabei überzeugt das bildgewaltige Setting erneut auf ganzer Linie und sorgt dafür, dass man sich als Leser in Kyralia und Sachaka mittlerweile fast wie zuhause fühlt. Auch wenn die langsam anbahnende Liebesgeschichte nicht wirklich nötig war, fühlt sie sich doch richtig an, freut den Leser und böte Potential für weitere Bücher.

In „Sonea – Die Königin“ löst die Autorin nicht nur die meisten Handlungsstränge der „Sonea“-Trilogie auf, sondern rundet die Handlung aller sieben Kyralia-Bücher ab. Und so zementiert auch dieses Buch wieder den unangefochtenen Platz von Trudi Canavan an der Spitze der High-Fantasy-Autorinnen, sodass ich schon ganz auf ihre nächsten Bücher gespannt bin.

Die Buchgestaltung ist – wie für die Reihe und den Verlag üblich – ebenfalls überzeugend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist elegant und hochwertig geprägt (auch auf dem Buchrücken), die ausklappbaren, farbigen Coverinnenseiten warten mit den bekannten Karten von Kyralia und Sachaka auf. Lediglich der inhaltliche Bezug des (schönen) Titelbildes zur Geschichte fehlt erneut, auch wenn sich das Cover toll in die Reihe einpasst, für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt und ein tolles Gesamtbild ergibt.

Mein Fazit? „Sonea – Die Königin“ ist der fulminante Abschluss, nicht nur der Sonea-Trilogie, sondern der gesamten Kyralia-Saga. Kleinere Schwächen in der Handlung vermögen vor dem Hintergrund des brillanten Weltenbaus und der tollen Charakterentwicklung nicht ins Gewicht zu fallen. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – Kyralia und die Magiergilde fehlen mir jetzt schon!

[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Sonea – Die Heilerin“ (Sonea 2)

In der letzten Zeit habe ich „Sonea – Die Heilerin“ gelesen, den zweiten Band der fulminanten Sonea-Trilogie, und insgesamt das sechste Buch der Kyralia-Saga von Trudi Canavan. Das Buch in der mir vorliegenden Ausgabe ist 2014 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2011 unter dem Titel „The Traitor Spy 2: The Rogue“ bei Orbit, einem Imprint von Little, Brown Book Group, einem Unternehmen von Hachette Livre UK, London, veröffentlicht. Das Buch ist dem Genre High-Fantasy zuzuordnen, meine Besprechung des Vorgängerbandes kann *hier* abgerufen werden.

~~~ Achtung! Die folgende Besprechung kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten ~~~

518YTWVhehL._SX326_BO1204203200_Lorkin, der Sohn der Schwarzen Magierin Sonea, wird in Sachaka von einer Rebellengruppe gefangen gehalten. Seine Häscher schmeicheln und drohen dem jungen Mann, um von ihm die Kunst der Heilung durch Magie zu erlernen, die in Sachaka bislang unbekannt ist. Lorkin ist jedoch fest entschlossen, das Geheimnis zu wahren. Denn er weiß nur zu gut, welch unschätzbaren Vorteil die Heilkunst den Sachakanern in einem möglichen Krieg gegen seine Heimat Kyralia brächte. Doch dann verliebt Lorkin sich in eine der Rebellinnen …

„Sonea – Die Heilerin“ setzt die Handlung des ersten Bandes nahtlos fort und entführt den Leser erneut nach Kyralia und Sachaka. Dabei trifft man altbekannte Charaktere aus dem Vorgängerband und der Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“ wieder, lernt aber gleichsam auch neue Protagonisten – wie zum Beispiel Lilia – kennen.

Die Handlung ist aufgrund der vielen Handlungsstränge sehr sprunghaft und teils vorhersehbar (insbesondere in Lilias Erzählstrang), aber immer spannend. Als zweiter Band der Trilogie dient „Die Heilerin“ als Bindeglied zwischen dem Auftakt und dem unweigerlich anstehenden großen Finale. Daher werden naturgemäß nur einige der Handlungsstränge aufgelöst, und das Buch endet mit einem moderaten Cliffhanger.

Erneut brilliert der Roman vor allem durch den unnachahmlichen Weltenbau, der mittlerweile über sechs Bücher eine beeindruckend ausgearbeitete Welt vorweist. Politik, Magiekonzept, Geografie – die Beschreibung und Gestaltung von den Verbündeten Ländern und Sachaka sollte jedem als Vorbild dienen. Dabei gelingt es Trudi Canavan trotz der vielen Bände, in jedem Buch weitere Aspekte zu enthüllen und voranzutreiben, der Welt weitere Nuancen hinzuzufügen.

Die einzelnen Charaktere entwickeln sich im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional und plastisch angelegt mit Stärken und Schwächen. Neben Lorkin überzeugten in diesem Band vor allem Lilia und Anyi, aber auch Tayend macht als Nebencharakter eine ausgenommen gute Figur.

Die Buchgestaltung ist erneut gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist hochwertig – auch auf dem Buchrücken – geprägt, in den ausklappbaren Coverinnenseiten befinden sich farbige Karten von Sachaka und Kyralia. Das Titelmotiv ist ein Eyecatcher und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein, lässt aber erneut den Bezug zur Handlung vermissen.

Mein Fazit? „Sonea – Die Heilerin“ ist eine gelungene Fortsetzung, die Lust auf mehr macht und vor allem durch den Weltenbau und tolle Charaktere brilliert. Mit diesem Buch festigt Trudi Canavan den Status als unangefochtene Queen der High Fantasy – für Leser des Genres unbedingt zu empfehlen.

[Buchgedanken] Terry Brooks: „Die Reise der Jerle Shannara 1 – Die Elfenhexe“ (Die Shannara Chroniken 8)

In der letzten Zeit habe ich „Die Elfenhexe“, den ersten Band der Reihe „Die Reise der Jerle Shannara“ von Terry Brooks gelesen, insgesamt den achten Band der neuaufgelegten Shannara-Chroniken. Das Buch ist in der jetzigen Fassung 2018 beim Blanvalet Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen, erstmals wurde das Buch 2003 unter dem Titel „Die Hexe von Shannara“ in Deutschland veröffentlicht. Die Originalausgabe erschien 2000 unter dem Titel „The Voyage of the Jerle Shannara Trilogy 1 – The Ilse Witch“ bei Del Rey, New York. „Die Elfenhexe“ ist dem Genre High-Fantasy zuzurechnen, wenn auch dystopische Anklänge vorhanden sind.

51e0mdbOf3L._SX332_BO1204203200_Seit die Föderation mithilfe der Talismane von Shannara besiegt werden konnte, ist es Walker Bohs Bestreben, dem Rat der Druiden neues Leben einzuhauchen. Er ahnt nicht, dass er bald andere Probleme lösen muss: An Bord des Luftschiffs Jerle Shannara bricht er auf, um einen geheimnisvollen Schatz zu suchen, der über das Schicksal der Menschen entscheiden wird. Der Beginn einer Reise ins Unbekannte, die von großen Abenteuern und Gefahren begleitet wird – denn die mächtige Ilse-Hexe will den Druiden unter allen Umständen vernichten!

„Die Reise der Jerle Shannara 1 – Die Elfenhexe“ spielt einige Generationen nach „Die Erben von Shannara“ und schreibt die Geschichte der Vier Lande nahtlos fort. Aufgrund des zeitlichen Versatzes sind – mit ganz wenigen Ausnahmen – keine bekannten Charaktere mehr vorhanden, und der Leser erlebt die Geschichte mit einer neuen Generation an Helden, die – wie sollte es allerdings anders sein – von einem Druiden auf einen Quest geschickt werden. Zudem stammen sie aus altbekannten Familien, mehr möchte ich hier allerdings nicht verraten.

„Die Elfenhexe“ punktet vor allem durch einen brillanten Weltenbau und zementiert die Vorbildfunktion, die Terry Brooks in diesem Aspekt für die nachfolgenden Generationen an Autoren hat. Trotz des mittlerweile achten Bandes, erkundet der Leser mit den Protagonisten immer neue Ecken der Vier Lande, deren Geschichte und Entwicklung nachvollziehbar dargestellt werden. Durch die sehr ausführlichen, bildhaften Beschreibungen, die allerdings nie zu viel Raum einnehmen, gelingt es Terry Brooks so, die Welt bildhaft für den Leser entstehen zu lassen, ihm ein bildgewaltiges Setting zu liefern, das das Kopfkino sofort anspringen lässt.

Auch die Handlung überzeugt im Wesentlichen. So wird der Spannungsbogen die ganze Zeit gehalten, wenn auch einige Ereignisse etwas antiklimaktisch ablaufen. Zudem sind Teile der Handlung im Grunde vorhersehbar. Dennoch schafft der Autor es, die einzelnen Handlungsstränge bis zum fulminanten Finale gut zusammenzuführen. Letzteres lässt den Leser allerdings auch mit einem – für die Reihe sehr ungewöhnlich – harten Cliffhanger zurück, den man durchaus hätte abmildern können.

Aufgrund der Vielzahl von Charakteren und Handlungssträngen ist es schwierig, allen gerecht zu werden. Dies sorgt dafür, dass einige bislang noch blass bleiben, wenig Ecken und Kanten haben, was sich aber durchaus im Verlauf der Reihe noch geben kann und – erfahrungsgemäß – auch wird. Dennoch fiebert der Leser bereits jetzt mit den einzelnen Charakteren mit, leidet, lacht und weint mit ihnen.

Auch die Buchgestaltung überzeugt, erwartungsgemäß, auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, auch wenn ich mir durchaus eine Karte gewünscht hätte. Das Cover ist klar strukturiert, hochwertig geprägt und passt sich perfekt in die Reihe ein, was für einen hohen Wiedererkennungswert sorgt.

Mein Fazit? „Die Reise der Jerle Shannara 1 – Die Elfenhexe“ liefert genau das, was man erwartet: Den Beginn einer neuen, spannenden Heldenreise in der brillant kreierten Welt von Shannara – für Leser des Genres bedingungslos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Lars Mielke: „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ (Perlen 1)

In der letzten Zeit habe ich „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ von Lars Mielke gelesen, den Auftakt einer auf sechs Bände angelegten Buchreihe. Der Roman ist 2017 im Chaospony Verlag veröffentlicht worden und die mir voliegende Ausgabe entstammt bereits der zweiten Auflage. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars auf der Frankfurter Buchmesse 2019, beziehungsweise dem anschließenden Bloggerevent #bookmeetspizza.

410Rg62yp6L._SX327_BO1204203200_Als Nikolai Oleander erfährt, dass er kein Mensch, sondern ein Bajar ist, der mit magischen Perlen neue Welten erschaffen und bereisen kann, ändert sich sein bisheriges Leben schlagartig. Er verlässt die Erde, um den Umgang mit seinen neu entdeckten Fähigkeiten zu lernen. Während des Studiums findet er nicht nur neue Freunde – sondern gerät auch in eine Verschwörung, die die Existenz von Millionen von Welten bedroht. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn auch die Erde ist in größter Gefahr.

Alles in allem ist „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ ein gelungener Auftakt in die fantastische Buchreihe, der nicht nur ein abgeschlossenes Ende (kein Cliffhanger!) bietet, sondern auch genug Fragen für die weiteren Teile offen lässt. Allerdings fällt mir die Einordnung in ein Genre nicht leicht. Während der Roman seitens des Verlages klar als „Urban Fantasy“ betitelt und beworben wird, kann ich dem nicht so ganz folgen, da das urbane Setting fehlt, wenn 95% der Handlung in dünnbesiedelten Fantasiewelten spielt. Zudem wird hier maßgeblich an der Geschichte der Erde herumgeschraubt. Da auch die Einstufung als „High Fantasy“ etwas zu kurz greift, obwohl sehr viele Elemente des Untergenres vorliegen (Kampf gegen den Weltuntergang, klare Kategorisierung in Gut und Böse, viele Fantasiewelten, eigenes „Magie“-Konzept), bleibt mir nichts anderes übrig, als den Roman schlichweg als „Fantasy“ zu kategorisieren.

Die Handlung ist durchweg spannend, wenn auch einige Elemente etwas vorhersehbar sind. Der Weltenbau und das – der Einfachheit halber von mir so benannte – Magiekonzept überzeugen weitgehend mit innovatien Ideen, lassen aber einige Logiklücken offen. Dahingegen begeistert das Setting auf ganzer Linie und lässt den Leser wundersame Welten zusammen mit den Protagonisten entdecken und erschaffen.

Die einzelnen Charaktere entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter, sind insgesamt aber etwas zu einseitig konzipiert. So ist Nick lernwillig und hilfsbereit, loyal, opferbereit und tolerant. Ein Familienmensch, klug und begabt – und überaus schüchtern in Liebesdingen. Die ein oder andere negative Eigenschaft hätte hier durchaus zu einem noch runderen Protagonisten geführt, mit dem man sich noch besser hätte identifizieren können.

Neben der fantasievollen Handlung klingen in dem Roman durchaus gesellschaftskritische Aspekte durch. Sei es die thematisch schon aus „Harry Potter“ bekannte Ablehnung von Menschlingen durch Reinblüter oder das Ungleichgewicht von Welten, das Naturkatastrophen hervorruft: Der Autor nimmt sich viel Platz und Gewicht für die phantastische Behandlung von Klimawandel und Fremdenhass (wie auch in der Vita angesprochen). Und auch wenn er es nicht holzhammermäßig vermittelt, sondern versucht in die Handlung einzubauen, hätten die Themen hier durchaus auch etwas weniger, etwas punktueller eingesetzt werden können, um den Effekt nicht abzumildern.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, insbesondere ist positiv anzumerken, dass jedes Kapitel auf einer ungeraden Buchseite beginnt. Vom Cover bin ich allerdings nicht überzeugt, auch wenn klar der Bezug zum Buch erkennbar ist, fehlt dem gesamten Buchrücken etwas, das das Buchcover aus der Masse heraushebt und es zu einem Eyecatcher werden lässt.

Mein Fazit? „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ ist ein solider Auftakt in eine vielversprechende Buchreihe, der als Standalone gelesen werden kann, aber auch noch Potential für weitere Titel bildet. Das Buch begeistert vor allem durch ein schönes Setting und einen im Wesentlichen gelungenen Weltenbau, leichtere Schwächen befinden sich in der Charaktergestaltung und der etwas dominanten Gesellschaftskritik. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 Jahren.

 

[Buchgedanken] Terry Brooks: „Die Erben von Shannara 4 – Schattenreiter“ (Die Shannara Chroniken)

Vor einiger Zeit habe ich „Schattenreiter“ gelesen, den vierten Band der „Erben von Shannara“-Reihe und insgesamt den siebten Band der Neuauflage aus dem Shannara-Universum von Terry Brooks. Die mir vorliegende Ausgabe ist 2018 bei Blanvalet veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 1993 unter dem Titel „The Talismans of Shannara“ bei Ballantine, New York. Die deutsche Erstveröffentlichung erschien zweigeteilt 1993/1994 bei Blanvalet unter den Titeln „Die Reiter von Shannara“ und „Die Talismane von Shannara“. Das Buch ist am ehesten dem Genre High-Fantasy zuzuordnen, auch wenn dystopische Elemente vorhanden sind. Meine Rezensionen zu den Vorgängerbänden können hier abgerufen werden (Das Schwert der Elfen, Elfensteine, Das Lied der Elfen, Heldensuche (Erben 1), Druidengeist (Erben 2), Elfenkönigin (Erben 3))

~~~  Achtung! Die nachfolgende Besprechung könnte milde Spoiler zu den Vorgängerbänden beinhalten ~~~

51pQWWOWjZLDie drei Nachfahren von Shannara haben die Aufgaben gemeistert, die ihnen der Geist des Druiden Allanon auferlegt hatte. Wren hat das verschollene Volk der Elfen in die Welt zurückgeführt. Par hat das magische Schwert von Shannara gefunden. Und Walker Boh hat Paranor, die Festung der Druiden, aufgespürt und wurde so selbst zum Druiden. Doch Rimmer Dall, der Anführer der dunklen Föderation, entfesselt nun ihre gesamte Macht gegen die Erben Shannaras. Während er die vier Schattenreiter nach Paranor entsendet, um Walker Boh zu vernichten, setzt er gleichzeitig die Armee der Föderation in Marsch, um die zurückgekehrten Elfen zu unterwerfen. Nicht jeder wird den Kampf überleben …

„Schattenreiter“ ist ein sehr ambitioniertes Buch, das die vielen Handlungsstränge aus den Vorgängerbänden zusammenführen, vereinen und vernünftig beenden muss. Und – überraschenderweise – es gelingt ihm noch besser als erwartet. „Schattenreiter“ ist ein gelungener Abschluss, der nicht nur altbekannte Protagonisten in den Fokus rückt, sondern auch starke, neue Charaktere wie Matty Roh einführt – und damit den Roman zum besten Teil der „Erben“-Reihe macht.

Größter Pluspunkt der gesamten Reihe bleibt der unnachahmliche Weltenbau, der konsequent und überzeugend die Geschichte der Welt fortschreibt – ich bin jetzt bereits gespannt darauf, wie es mit den Vier Landen in den nächsten Büchern aus dem Shannara-Universum weitergeht.

Die Handlung ist spannend, ausgewogen und schnelllebig. Terry Brooks gelingt es, allen Handlungssträngen genug Spielraum zur Entfaltung einzuräumen – und diese gekonnt miteinander zu verflechten, auch wenn das Ende fast zu schnell, fast zu einfach daherkommt. Nichtsdestotrotz klebt man als Leser am Buch, möchte es kaum aus der Hand legen.

Die Buchgestaltung ist – wie üblich – gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz überzeugen auf der ganzen Linie. Das Cover ist hochwertig geprägt, passt sich gut in die Reihe ein, sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert und ist, was Titelbild und Farbgebung betrifft, mein Lieblingscover der „Erben“-Reihe.

Mein Fazit? „Die Erben von Shannara 4 – Schattenreiter“ ist ein in allen Punkten überzeugender High-Fantasy Roman und führt die Reihe zu einem mehr als gelungenen Abschluss. Tolle Charaktere und ein beeindruckender Weltenbau sorgen für ein rasantes Lesevergnügen. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Erya Veger: „Die vier ewigen Reiche: Verschwörung“ (Reiche 1)

In der letzten Zeit habe ich den Debütroman von Erya Veger gelesen, den ersten Teil der Reihe „Die vier ewigen Reiche“ mit dem Titel „Verschwörung“. Das Buch ist 2019 im Selfpublishing erschienen und dem Genre High-Fantasy zuzuordnen.

51q2BuViZILUm nicht länger im Schatten seines Bruders, dem Kronprinzen des Königreichs Alanien, zu stehen, flieht der neunjährige Kylan aus dem Königspalast. Während er von seiner Familie für tot geglaubt wird, nimmt ihn ein geheimnisvoller Fremder als Schüler auf. Durch ihn lernt Kylan zu kämpfen und mehr über die Götter, die die Menschen Nozuwaris einst befreiten. Als er von dem Geheimnis einer uralten Magie erfährt, die alles zu zerstören droht, muss Kylan entscheiden, ob er seinem Schicksal folgen wird, um die Reiche zu beschützen …

„Die vier ewigen Reiche: Verschwörung“ beeindruckt als Debütroman durch einen überraschend ausgefeilten und gelungenen Weltenbau. Das Magiekonzept und die Geschichte der Reiche sind überzeugend ausgearbeitet und werden dem Leser zusammen mit Kylan nach und nach beigebracht. Hier liegt auch eine Stärke des Romanes. So ist keine große Einführung vorhanden, kein unnötiger Infodump, sondern der Leser kann an der Seite des jungen Protagonisten nach und nach mehr über die Welt und die Götter lernen und wird so nicht anfangs von Informationen erschlagen. Unterstützt wird der Weltenbau durch eine Karte und ein Glossar am Ende, aufgrund der verschiedenen und vielfältigsten Handlungsstränge hätte ich mir auch eine Personenliste gewünscht, kann aber nachvollziehen, warum es schwer gewesen wäre, diese spoilerfrei voranzustellen.

Die Handlung ist spannend und der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, teils finde ich aber die Zeitsprünge etwas zu krass und hätte mir gewünscht, hier etwas sanfter aufgefangen zu werden. Insgesamt betrachtet gelingt es der Autorin jedoch ausnehmend gut, den einzelnen Handlungssträngen viel Platz einzuräumen, diese miteinander zu verknüpfen und sie teils sogar schon abzuschließen, sodass nicht zu viele offene Fragen in den nächsten Teil verlagert werden. Hier gefällt mir besonderes, dass – natürlich – ein mehr oder minder offenes Ende vorliegt, der Band aber vernünftig zu einem Ende gebracht wurde und man nicht durch einen krassen Cliffhanger getriggert wird – rein theoretisch könnte er auch als Standalone gelesen werden.

Die Personen sind alle vielschichtig, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei entwickeln sie sich kontinuierlich weiter, insbesondere auch in den Nebenfiguren. Der einzige, kleine Wermutstropfen für mich ist, dass ich Kylan gern minimal älter gesehen hätte. Natülich spielt das Buch in einer eigenen Welt, mit eigenen Gesetzen und Gepflogenheiten, aber neun Jahre fand ich für den Handlungsstart doch etwas irritierend früh.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Satz, Lektorat und Korrektorat sind ordentlich durchgeführt worden, auch das Cover (Wolkenart) ist gelungen, ich hätte mir aber nach dem Lesen noch etwas stärkere Anknüpfungspunkte zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Die vier ewigen Reiche: Verschwörung“ ist ein gelungener High-Fantasy-Roman, der vor allem durch den sehr guten Weltenbau und eine spannende Handlung punktet und Lust auf die Nachfolgebände macht. Für Fans des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Terry Brooks: „Die Erben von Shannara 3 – Elfenkönigin“ (Die Shannara Chroniken)

Schon vor einiger Zeit habe ich „Die Erben von Shannara 3 – Elfenkönigin“ gelesen. Das Buch ist in der mir vorliegenden Ausgabe 2018 bei Blanvalet erschienen, die deutsche Erstveröffentlichung erfolgte 1997 in zwei Bänden unter den Titeln „Die Elfenkönigin von Shannara“ und „Die Verfolgten von Shannara“. Die Originalausgabe wurde 1992 unter dem Titel „The Elf Queen of Shannara“ bei Ballantine, New York veröffentlicht. Der Roman ist mittlerweile der sechste neuaufgelegte Band aus dem Shannara-Universum und – wie auch die anderen Bücher – dem Genre der (dystopischen) High-Fantasy zuzuordnen. Die Rezensionen zu den Vorgängerbänden können hier abgerufen werden: Band 1, Band 2, Band 3, Band 4, Band 5.

51-vtVVr5aL._SX332_BO1204203200_Die Aufgaben, die der Geist des Druiden Allanon den Nachfahren der Ohmsfords übertragen hat, erweisen sich als nahezu unerfüllbar. Walker Boh verliert auf der Suche nach dem schwarzen Elfenstein fast sein Leben, und Par und Coll Ohmsford wurden auf der Suche nach dem geheimnisumwobenen Schwert von Shannara voneinander getrennt. Währenddessen hat Wren Ohmsford endlich die verschollenen Elfen auf einer einsamen Insel entdeckt. Doch belagert von Dämonen ist auch die neue Heimat der Elfen dem Untergang geweiht. Lediglich die Prophezeiung einer Seherin vermag die Hoffnungen des einst so mächtigen Volkes noch am Leben zu erhalten.

„Elfenkönigin“ ist der dritte Band der „Erben von Shannara“-Reihe, und eingebettet in das große Epos um die Geschichte der Vier Lande und ihrer Völker. Das Buch setzt nahtlos an die Handlung des Vorgängerbandes an und liefert dem Leser genau das, was er erwartet. Terry Brooks hat mit dem Shannara-Universum großartige High-Fantasy geschaffen, die im Gesamten überzeugt. Stück für Stück, Buch für Buch erfährt man mehr über die Geschichte der Völker, über die Geschichte der Welt und der einzelnen Personen.

Da stört es kaum, dass aus meiner Sicht erneut die Schwerpunktsetzung etwas misslungen ist – was allerdings auch aufgrund der Fehler in den Vorgängerbänden nicht anders ging. Ich hätte mir etwas mehr Durchmischung, etwas mehr Par und Coll und Walker, etwas weniger Fixierung auf Wren Ohmsford und ihre Reise gewünscht. Nichtsdestotrotz ist „Elfenkönigin“ aus meiner Sicht besser als der Vorgänger, vielleicht der stärkste Band der „Erben“-Reihe. Er vervollständigt das Magiekonzept, erzählt die Geschichte des einst so mächtigen Volkes der Elfen und fügt den schillernden Gestalten auch Schwächen und negative Eigenschaften bei.

Gleichsam hat mich auch die Hauptprotagonistin Wren vollends überzeugt – als eine der besten Figuren der ganzen Romanreihe. Sie hat nicht nur Stärken und Schwächen und entwickelt sich weiter, Terry Brooks gelingt es auch, ihre Gefühle und Gedanken, ihre Zweifel, ihre Wut und Verlassenheit für den Leser greifbar und fühlbar zu machen.

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, überraschende Wendungen und Spannungsspitzen sorgen für eine Achterbahnfahrt für den Leser. Neben dem Weltenbau überzeugen auch die Beschreibungen und das Setting , das mal wieder einen neuen, anderen Ort aus dem Shannara-Universum präsentiert.

Die Buchgestaltung ist erwartungsgemäß gut, das Cover hochwertig geprägt. Es fügt sich perfekt in die Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungseffekt, ist zudem eines der besten Cover der bisherigen sechs Romane. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ebenfalls sehr gut gearbeitet.

Mein Fazit? „Die Erben von Shannara 3 – Elfenkönigin“ ist, wie erwartet, gelungene High-Fantasy, ist Teil eines der wohl besten Buchuniversen, das je geschaffen wurde und das sich auch vor den Werken von Tolkien oder anderen Fantasy-Größen nicht verstecken muss. Tolle Charaktere, ein überzeugendes Setting und ein brillanter Weltenbau sorgen für Spannung beim Leser. Für Fantasyliebhaber bedenkenlos zu empfehlen – auf meinem SuB befinden sich daher bereits die nächsten drei Bände der Reihe.

In der nächsten Woche folgen dann voraussichtlich die Besprechungen zweier Rezensionsexemplare, die unterschiedlicher nicht sein könnten – seid gespannt! 🙂

[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Sonea – Die Hüterin“ (Sonea 1)

In der letzten Zeit habe ich „Sonea – Die Hüterin“ von Trudi Canavan gelesen. Bei dem Roman handelt es sich um den ersten Band der „Saga von Sonea“, die an die erfolgreiche Reihe „Die Gilde der Schwarzen Magier“ anknüpft. Auch das Prequel „Magie“ spielt in der gleichen Welt. „Sonea – Die Hüterin“ wurde in der mir vorliegenden Ausgabe 2013 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH, München, veröffentlicht, die Originalfassung unter dem Titel „The Traitor Spy 1: The Ambassador’s Mission“ erschien 2010 bei Orbit, einem Imprint von Little, Brown Book Group, einem Unternehmen von Hachette Livre UK, London. Das Buch ist dem Genre High Fantasy zuzuordnen.

51idiyeCDoL._SX332_BO1204203200_20 Jahre sind vergangen, seitdem die Gilde die Invasion der Ichani zurückschlagen konnte, zwanzig Jahre, die Sonea zur mächtigsten Magierin Kyralias haben werden lassen. Doch diese Macht hat ihren Preis. Überwacht von Schwarzmagier Kallen ist es Sonea nur erlaubt, die Gilde zu verlassen, um in den Hospitälern zu arbeiten. Als in Imardin ein Konflikt ausbricht, in den auch Magier verwickelt scheinen, gerät sie in die Zwickmühle. Greift sie ein, oder folgt sie den Regeln? Und dann ist da noch ihr Sohn Lorkin, der – um aus Soneas Schatten zu treten – sich als Gehilfe des Botschafters nach Sachaka begibt. Geradewegs in das Land der ehemaligen Feinde seiner Mutter.

„Sonea – Die Hüterin“ ist – erneut – High Fantasy der Spitzenklasse und zementiert Trudi Canavans Status als „Queen of High Fantasy“. Die Handlung spielt zwei Jahrzehnte nach dem Ende von „Die Meisterin“ und erlaubt dem Leser, viele bekannte und liebgewonnene Charaktere wiederzutreffen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Dabei gelingt es der Autorin die Balance zwischen den einzelnen Handlungssträngen zu wahren, beim Leser sowohl Nostalgie als auch Neugier zu wecken.

Die Handlung ist spannend und fesselnd – aber auch ein typischer Reihenauftakt. So werden viele Handlungsstränge angelegt, aber nur einige aufgelöst. Allzu starke Cliffhanger werden jedoch glücklicherweise vermieden. Auch bei den neuen Charakteren besteht noch Luft nach oben, aber sofern die Entwicklung in den Folgebänden konsequent vorangetrieben wird, ist dies zu verschmerzen. Die bekannten Charaktere aus der Vorgängertrilogie hingegen sind gut weiterentwickelt und zeigen, teils unerwartete, neue Charakterzüge.

Kernstück – und größte Stärke des Romanes – ist der brilliante, unvergleichlich-gute Weltenbau. Mit dem mittlerweile fünften Buch im Geschichten-Universum um die Länder Kyralia und Sachaka baut Trudi Canavan die Welt aus, entwickelt sie weiter. Politik, Magiekonzepte, Gesellschaftsstrukturen – alles unterliegt dem Wandel und fühlt sich natürlich und nicht konstruiert an.

Die Buchgestaltung ist erwartungsgemäß sehr sauber. Ein ordentliches Korrektorat und Lektorat und ein toller Satz runden das Buch ab. Das Cover ist gut und hochwertig, fügt sich perfekt in die Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Auch wenn ich den gestalterischen Gedanken der Farbwechsel in den Roben auf dem Cover durchaus verstehe, habe ich damit inhaltlich leichte Probleme. Die abgebildete Magierin (Sonea?) trägt Rot, die Farbe der Krieger. Sonea trägt jedoch ausschließlich schwarze Roben, es gibt überhaupt keine weibliche Kriegerin, die bislang eine herausgehobene Rolle spielt.

Mein Fazit? „Sonea – Die Hüterin“ ist der gelungene Auftakt zur „Sage von Sonea“. Perfekter Weltenbau und eine spannende Handlung sorgen dafür, dass man die Folgebände kaum erwarten kann. Für Fans der High Fantasy ein absolutes Muss!

[Buchgedanken] Stephan M. Rother: „Die Prophezeiung des magischen Steins“

In der letzten Woche habe ich Stephan M. Rothers „Die Prophezeiung des magischen Steins“ gelesen. Das Buch ist 2018 als Taschenbuch/Paperback bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und dem Gerne High Fantasy zuzuordnen. Die mir vorliegende Ausgabe entstammt bereits der zweiten Auflage, und erreichte mich ungeplant als Rezensionsexemplar – vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an den Verlag, auch für die unkomplizierte und vorbildliche Kommunikation mit der Presseabteilung.

51-32NDWtWL._SX330_BO1204203200_Er ist ein Meisterwerk der alten Elben und eine der mächtigsten Schöpfungen ihrer Magie – seit hunderten von Jahren ruht der singende Stein und wartet auf den richtigen Moment. Bis er eines Tages Dafydd, Lehrling des Barden am Königshof von Güldenthal, zu seinem Träger erwählt. Doch wird es dem Jungen und seinen zauberhaften Gefährten gelingen, in Zeiten größter Not das Land vor dem Untergang zu retten? Und kann die Magie des Steins auch das persönliche Glück des jungen Barden beeinflussen? Denn trotz aller Standesunterschiede schlägt dessen Herz für Prinzessin Livia, die einzige Tochter des Königs von Güldenthal.

„Die Prophezeiung des magischen Steins“ ist ein gelungener, wenn auch in der Handlung teils vorhersehbarer High-Fantasy-Roman, der auch Elemente der „Heroic Fantasy“ enthält. Trotz der absehbaren Grundhandlung schafft es der Autor, den Leser durch einige überraschende Wendungen doch noch in die Irre zu führen. Dabei wird der Spannungsbogen durchweg gehalten und durch kurzfristige Spannungsspitzen  unterstützt. Auch das Setting vermag zu überzeugen. Die malerischen Landschaftsbeschreibungen, die Welten der Elben, Zwerge, Menschen und Trolle, transportieren Bilder und ziehen den Leser in die Geschichte.

Der Roman kann zusätzliche Punkte durch den unverhofft auftretenen Humor sammeln. Sei es Fhargolfs gar eigentümliche Sprache, Morgats schrullige Art, oder auch die Maskerade der Markgräfin von Sanspareis – Stephan M. Rother gelingt es, den Leser auch neben der eigentlichen Handlung durchaus zu unterhalten.

Die Protagonisten sind dabei vielschichtig aufgebaut, haben Stärken und Schwächen – und entwickeln sich auch im Laufe der Zeit durchaus weiter. Allerdings fehlt es mir hier – der einzige große Kritikpunkt des Romans – gelegentlich an der Nachvollziehbarkeit der Handlungen der Charaktere. Deren Entscheidungen und Entwicklungen fühlen sich für mich teils unnatürlich an, konstruiert, um die gewünschte Handlung voranzubringen.

Die Buchgestaltung hingegen ist fabelhaft gelungen. Das Cover ist zauberhaft, hochwertig sowohl auf der Vorderseite als auch auf dem Buchrücken geprägt. Lektorat und Korrektorat überzeugen ebenfalls auf ganzer Linie, lediglich beim – generell schönen – Buchsatz hätte ich mir eine Einteilung in Kapitel und eine Karte der Welt gewünscht. Etwas irritiert war ich auch davon, dass keine Danksagung aufgenommen wurde.

Mein Fazit? „Die Prophezeiung des magischen Steins“ ist ein spannender und humorvoller High-Fantasy-Roman. Auch wenn die Handlung teils vorhersehbar und die Charaktere gelegentlich konstruiert erscheinen, überzeugt die Geschichte insgesamt, auch durch das malerische Setting. Für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.