[Buchgedanken] Hera Lind: „Um jeden Preis“

In der letzten Zeit habe ich auch „Um jeden Preis“ von Hera Lind gelesen. Der Roman ist 2025 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als (historische) Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

1944 beginnt für die 16-jährige Lydia ein Alptraum, der nicht enden will: Als die Rote Armee auf ihr kleines Dorf bei Odessa in der Ukraine vorrückt, flieht die Familie. Sie schaffen es sogar bis nach Deutschland, doch sie werden zurückgeholt. Mit Mutter und vier Geschwistern wird Lydia bei minus 50 Grad nach Sibirien verschleppt. Zwölf unbarmherzige Jahre lang kämpft sie in einem Gulag ums Überleben und wird Mutter von acht Kindern, von denen sechs überleben. Als man sie endlich aus dem Lager entlässt, ist der eiserne Vorhang dicht. Weitere zwölf Jahre irrt sie mit den Kindern durch die Sowjetunion, immer nur ein Ziel von Augen: um jeden Preis mit ihnen nach Westdeutschland gelangen, auch wenn sie da noch nie war. Denn Deutschland ist ihre Heimat!

„Um jeden Preis“ ist mein erster Roman von Hera Lind – und er lässt sich nicht so einfach einem Genre zuordnen. Beworben als Tatsachenroman, hat das Buch klare biografische Aspekte, beruht die Geschichte doch auf einer wahren Begebenheit. Da aber nicht ganz klar ist, wo hier die Trennlinie zwischen Realität und Fiktion verläuft und wie zuverlässig Erinnerungen an traumatische Erlebnisse sind, habe ich es der Einfachheit halber bei der Eingruppierung als (historische) Familiensaga belassen, wobei die Kategorisierung als Romanbiografie genauso vertretbar gewesen wäre.

In dem Roman begleitet man die Mitglieder der Familie Groß (später größtenteils Judt) in den Jahren von 1927 bis 2021, wobei die Zeit bis 1944 größtenteils ausgespart wird und auch die späten Jahrzehnte größtenteils gerafft werden – hier hätte das ein oder andere Kapitel jeweils noch gut getan, auch wenn man den Roman dann wohl auf zwei Bände hätte strecken müssen. Erzählt wird die Geschichte dabei überwiegend in einer Ich-Perspektive aus Sicht von Lydia, wobei irritierenderweise später weitere Ich-Perspektiven eingestreut werden. Und auch wenn dies im Nachwort durchaus begründet wird, reißen diese Perspektiven doch etwas aus dem Lesefluss und stören die Stringenz, endet damit doch auch die streng chronologische Erzählung der Ereignisse.

Weiterführende Aussagen zur Handlung und zu den Personen verbieten sich aufgrund des starken biografischen Charakters des Romans, auf den Einstieg, der die Entstehungsgeschichte des Romans dargestellt hat, hätte ich jedoch verzichten können – mir hätte das im Nachwort gereicht. Viel lieber wäre ich direkt in Lydias Geschichte eingetaucht, die man noch mit einem Stammbaum oder vielleicht einer Karte, die die unglaublichen Wege der Familie illustriert, hätte versehen können.

Abgesehen davon bietet das Buch anhand des persönlichen Schicksals der Familie einen guten Überblick über die Geschichte der Russlanddeutschen, über die Vertreibung, die Willkür und Grausamkeiten, denen die Kriegsvertriebenen ausgesetzt waren und illustriert an kleinen Beispielen aber auch die Momente der Menschlichkeit, die manchmal den Unterschied zwischen Tod und Leben ausmachen konnten – viel zu sehr ist das teils in Vergessenheit geraten.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist konservativ und fehlerfrei. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Titelmotiv setzt sich gut über den Buchrücken und die Coverrückseite hinweg, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das sich von der Gestaltung auch in die Reihe der anderen Tatsachenromane von Hera Lind integriert. Insgesamt ist mir das Covermotiv aber etwas zu beliebig, auch wenn es natürlich Anklänge zur Handlung zeigt – ein Eyecatcher sieht dann doch anders aus.

Mein Fazit? „Um jeden Preis“ ist eine Familiensaga nach einer wahren Begebenheit, die mit aufrüttelnden und berührenden Schicksalen punktet und dabei nur kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

Große Geschichten im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich auch diese beiden Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Um jeden Preis“ ist dabei der neue Roman der Bestsellerautorin Hera Lind (Knaur Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur Gmbh & Co. KG) über ein berührendes Familienschicksal nach einer wahren Begebenheit, während „Golden State of Mind“ von Sophie Mauve (Selfpublishing) die Leser:innen mit in die schillernde Filmwelt nimmt und eine atypische Hollywood-Lovestory erzählt. Ich bin auf beide Geschichten bereits unglaublich gesepannt!

Welches Buch ist zuletzt bei Euch eingezogen?

[Buchgedanken] Kati Naumann: „Fernwehland“

In der letzten Zeit habe ich auch „Fernwehland“ von Kati Naumann gelesen. Der Roman ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Astoria ist das älteste seetüchtige Kreuzfahrtschiff der Welt. Seit über siebzig Jahren trägt es die Menschen übers Meer und hat schon unzählige Schicksale bestimmt. Nach einer Kollision mit dem Luxusschiff Andrea Doria wurde es an die DDR verkauft und fortan für Urlaubsreisen eingesetzt. Auf seinen Fahrten bis in die Karibik geraten das Schiff und seine Passagiere auch zwischen die Fronten des Kalten Krieges. Die Stewardess Simone und der Matrose Henri haben sich vor vielen Jahren auf diesem Schiff kennengelernt. Heute treten sie noch einmal eine Kreuzfahrt mit der Astoria und damit auch eine Reise in ihre Vergangenheit an. Denn sie begegnen dabei der Schwedin Frida, die als Kind die Schiffstaufe erlebt hat und deren Geschichte ebenfalls ganz eng mit der des Schiffes verbunden ist.

„Fernwehland“ ist nach „Die Sehnsucht nach Licht“ mein zweiter Roman von Kati Naumann, die beide unabhängig voneinander lesbar die Geschichte von Familien über Generationen hinweg in Deutschland beleuchten und dabei Bezug zu Ostdeutschland aufweisen. Daher ist auch „Fernwehland“ als (historische) Familiensaga einzuordnen. Die teils auch in der Bewerbung des Buches vorgenommene Kategorisierung als historischer Roman kann ich hier allerdings nur bedingt nachvollziehen, spielt doch ein elementarer Teil der Geschichte im Jahr 2019, also mehr oder weniger in der Jetztzeit, eher hätte man das Buch meines Erachtens noch zur Gegenwartsliteratur zählen können.

Denn die Handlung wird in zwei Zeitebenen erzählt, zum einen in der oben bereits angegebenen Gegenwart, zum anderen in der Vergangenheit, die hier den Zeitraum von 1938 bis in die 1980er Jahre abdeckt. Dabei ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar – und dreht sich vor allem um das Schiff, das zu DDR-Zeiten unter dem Namen „Völkerfreundschaft“ fuhr. Anhand der Geschichte des Kreuzfahrtschiffes werden auch die gesellschaftlichen Umbrüche und Entwicklungen verdeutlicht – und den Einfluss, den das auf die Leben der Menschen hatte. Erzählt wird der Roman hierbei in einer auktorialen Erzählperspektive, die teils mitten im Kapitel zwischen den Personen hin- und herspringt – etwas klarere Abgrenzungen hätten hier nicht geschadet.

Das Setting ist naturgemäß gelungen. Denn die Autorin entführt uns nicht nur nach Radebeul, sondern mit dem Schiff auch rund um die Welt – zum Beispiel nach Kuba, Marokko oder Norwegen. Dabei werden auch historische Ereignisse wie der Zusammenstoß mit der Andrea Doria nicht ausgespart. So verwebt Kati Naumann geschickt die Geschichte der Familien von Henri, Simone und Frida mit der Geschichte des Schiffes – und sorgt dafür, dass man sich auf die Astoria träumt, idealerweise zu frühen schwedischen Luxuszeiten. Auch die eingeschworene Gemeinschaft unter den Besatzungsmitgliedern wird hier gut dargestellt und schafft eine Atmosphäre, die man selbst gern erlebt hätte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Elli und Dora als wichtige Nebencharaktere, während gerade Henri teils nicht nachvollziehbar handelt und zum Ende hin etwas zu schnell seine Einstellungen über Bord wirft. Kati Naumanns Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – wie auch bereits schon in ihrem letzten Roman, der gleichsam begeistern konnte.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, die Kapitel sind dankenswerterweise mit der Handlungszeit überschrieben, die sonstigen Kapitelüberschriften hätte man sich aber schenken können – sie sind jedoch nur mild spoilernd. Das Covermotiv setzt sich über den Buchrücken und die Coverrückseite fort, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, insgesamt ist das Motiv auch ansehnlich, es fehlt jedoch etwas am Bezug zur Handlung. Das unter dem Umschlag befindliche Buch ist schlicht und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Fernwehland“ ist eine überzeugende Familiensaga, die durch das Setting und die spannende und abwechslungsreiche Handlung brilliert. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sophie Villard: „Cartier. Der Traum von Diamanten“ (Cartier 1)

Vor kurzem habe ich auch „Cartier. Der Traum von Diamanten“ von Sophie Villard gelesen. Das Buch ist 2024 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Paris, 1910: Nach der geplatzten Verlobung mit einem französischen Adligen versucht sich Jeanne Toussaint als Näherin im zwielichtigen Montmartre über Wasser zu halten. Bis sie in einem Nachtclub den Juwelier Louis Cartier trifft, der gemeinsam mit seinen Brüdern Geschäfte in Paris, London und New York betreibt, in denen jeder, der etwas von sich hält, ein und aus geht. Louis erkennt sofort Jeannes untrügliches Gespür für Stil und ihr Talent. Aber nicht nur das: Er kann nicht leugnen, dass es sich mehr und mehr zu der charmanten und lebhaften jungen Frau hingezogen fühlt. Doch die dunklen Wolken, die sich über Europa zusammenbrauen, bringen mehr und mehr das Geschäft der Familie Cartier in Gefahr.

„Cartier. Der Traum von Diamanten“ ist der erste Band der Dilogie um eine der berühmtesten Juweliersfamilien der Welt aus der Feder von Sophie Villard – dem geschlossenen Pseudonym einer deutschen Autorin. Dabei deckt der Roman im Wesentlichen den Zeitraum vom März 1910 bis zum Juni 1915 ab, lässt sich aber durchaus schlecht als Standalone lesen, werden doch kaum Handlungsstränge aufgelöst – sehr schade. Der Roman lässt sich hierbei leicht als (historische) Familiensaga einordnen, aber auch die Eingruppierung als historischer Roman wäre möglich – fast sogar (wie teils auf Verkaufsportalen) als historischer Liebesroman, werden doch mehrere Cartier-Brüder mit romantischen Handlungssträngen versehen.

Die Handlung generell ist dabei durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber auch etwas vorhersehbar – was nicht zuletzt auch an dem etwas unnötigen und spoilernden Prolog liegt. Auch ist das Ende – wie bereits angedeutet – sehr offen und schließt fast keine Handlungsstränge ab, verzichtet aber immerhin auf einen krassen Cliffhanger. Hierbei wird die Handlung aus unzähligen personalen Erzählperspektiven erzählt – glücklicherweise wird das Kapitel jeweils mit der Person überschrieben, aus deren Sicht erzählt wird. Eine Beschränkung auf die Cartier-Brüder und Jeanne hätte aber durchaus auch gereicht.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie glänzen. So entführt Sophie Villard die Leser:innen in die ganze Welt: von Paris nach London, von New York aufs weite Meer – und mit Jacques auf Reisen nach Indien und an den persischen Golf. Dabei mischt die Autorin Themen wie Frauenwahlrecht und emanzipatorische Bestrebungen sowie (gefühlte) Standesunterschiede in das Porträt der eskapistischen Belle Époque und erschafft eine tolle, glanzvolle Atmosphäre, die durch unzählige „prominente“ historische Nebencharaktere wie Coco Chanel, Sarah Bernhardt, Nellie Melba und Alberto Santos Dumont noch an Glanz gewinnt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nelly und Miss Winter als wichtige Nebencharaktere, während gerade Louis etwas blass verbleibt und lediglich Jacques als Cartier-Bruder wirklich glänzt. Sophie Villards Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, zeugt zwar von guter Recherche, legt den Fokus sicherlich aber mehr auf Lesbarkeit als auf historische Authentizität.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls brillieren. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich und lässt zumindest die größeren Sinnabschnitte auf ungeraden Seiten starten. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist etwas austauschbar und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, aufgrund der glitzernden, diamantfarbenen Schrift ist das Cover dennoch durchaus ein Eyecatcher – und bildet hoffentlich mit dem zweiten Band einen einheitlichen Gesamteindrucck.

Mein Fazit? „Cartier. Der Traum von Diamanten“ ist ein gelungener Auftaktband in die historische Familiensaga um die Familie Cartier. Dabei kann das Buch vor allem mit seinem Setting brillieren, während die Handlung noch Luft nach oben aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

[Buchgedanken] Hanna Aden: „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ (Fräulein Lena 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ von Hanna Aden gelesen. Der Roman ist 2024 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nordfriesland 1946: Wie zahlreiche Vertriebene wird auch die junge Lena Buth, die nach ihrer Flucht aus Pommern in Niebüll eine neue Heimat gefunden hat, von den Einheimischen immer noch als „Rucksackdeutsche“ argwöhnisch betrachtet. Einzig die Spaziergänge mit ihrem Freund Rainer sind Lenas Lichtblick. Sehnsüchtig wartet sie auf ein deutlicheres Zeichen seiner Zuneigung. Hat seine Zurückhaltung mit den Gerüchten zu tun, die jemand böswillig über Lena streut? Ablenkung erfährt sie durch ihre neue Kollegin Doro, eine lebenslustige Berlinerin, die Lena nach Feierabend die ersten Tanzschritte beibringt und sie mitnimmt in die Jazzkeller der britischen Besatzungssoldaten. Hier genießt Lena, dass es noch mehr im Leben gibt als Entbehrung und harte Arbeit. Rainer hingegen kommt nicht darüber hinweg, dass sein Schwager während des Krieges als Aufseher in einem Vernichtungslager gearbeitet hat – und dass er damit ungestraft davonzukommen scheint. Als ein Freund von früher nach Niebüll zurückkehrt, wird Rainer vor eine schwere Entscheidung gestellt, die auch seine Beziehung zu Lena aufs Spiel setzt …

„Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ ist nach „I love you, Fräulein Lena“ der zweite Band der Romanreihe von Hanna Aden über Lena Buth im Nachkriegsdeutschland. Dabei lässt sich der Roman durchaus als Standalone lesen – wie ich es auch getan habe. Es empfiehlt sich jedoch dennoch, auch den ersten Band der Reihe zu lesen, da durchaus auf dessen Ereignisse Bezug genommen wird. Das Buch lässt sich hierbei als historische Familiensaga einordnen, auch die Eingruppierung generell als historischer Roman oder sogar als Entwicklungsroman wäre jedoch durchaus denkbar.

Die Handlung ist dabei abwechslungsreich, teils aber etwas vorhersehbar und – zumindest in der ersten Hälfte – etwas langatmig bzw. ereignislos. Dabei mischt Hanna Aden die alltäglichen Probleme der Familien im Nachkriegsdeutschland mit der aufgeheizten Stimmung gegen Flüchtende und einem leicht politischen Plot zu einem dennoch gefälligen Potpourri, dessen Ende zwar fast etwas zu kitschig gerät, dabei aber noch genug offene Handlungsstränge beibehält, um gegebenenfalls in einem dritten Band die Zukunft von Lena endgültig zu klären.

Das Setting kann hingegen brillieren. So entführt die Autorin die Leser:innen ins norddeutsche Niebüll und nach Flensburg, in ein unter britischer Besatzung stehendes und von ersten, zarten Demokratiebestrebungen geprägtes Land, in dem immer noch Armut und Mangel an der Tagesordnung ist. Dabei gelingt es Hanna Aden, trotz der für alle prekären Lage, die unterschiedliche Situation für die aus anderen Landesteilen geflohenen Menschen noch einmal prägnanter darzustellen und herauszuarbeiten – und so in der Gesamtwirkung trotz des historischen Ansatzes einen durchaus auch für die heutige Zeit gesellschaftlich relevanten Roman zu schreiben.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Margot, Pauline und Mitch als starke Nebenfiguren, während Lena teils nicht nachvollziehbar handelt und Rainer, zumindest in der ersten Hälfte, sehr blass verbleibt. Hanna Adens Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, zeugt von ordentlicher Recherche, auch wenn der Fokus sicherlich mehr auf Lesbarkeit als auf Authentizität in der Sprache gelegt wurde.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber, auf die Kapitelüberschriften hätte man aufgrund des (allerdings nur mild) spoilernden Charakters verzichten können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen und insgesamt eher eintönig, das Covermotiv lässt leider höchstens im Ansatz Bezüge zur Handlung erkennen, die Typographie des Titels ist allerdings gelungen.

Mein Fazit? „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ ist eine durchaus gelungene historische Familiensaga, die mit dem Setting und tollen Nebencharakteren punkten kann, allerdings etwas komplikationsarm verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Eine Reise ins Ungewisse | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. Während „Das perfekte Grau“ von Salih Jamal (btb Verlag) den Leser dabei auf einen literarischen Roadtrip ins Ungewisses mitnimmt, steht in „Cartier. Der Traum von Diamanten“ von Sophie Villard (Penguin Verlag) ein ganzer Kontinent, eine ganze Welt vor einer ungewissen, düsteren Zukunft – ich bin gespannt!

Wohin würdet Ihr gern einmal einen Roadtrip unternehmen?

Ausflüge in die Vergangenheit | historische Buchpost

Heute möchte ich Euch zwei Neuzugänge vorstellen, die mich beide als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür! Sowohl „Der Herzschlag der Toten“ von Ralf H. Dorweiler (Wilhelm Goldmann Verlag) als auch „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ von Hanna Aden (Penguin Verlag) nehmen die Leser:innen dabei mit auf Ausflüge in die Vergangenheit – jeweils nach Norddeutschland. Denn Hanna Adens historische Familiensaga entführt die Leser:innen ins Nordfriesland der Nachkriegszeit, während es die Leser:innen in Ralf H. Dorweilers historischem Kriminalroman ins Hamburg zur Kaiserzeit verschlägt. Ich bin schon ganz gespannt auf die Reisen und freue mich schon darauf, mit den Geschichten auch mehr über die Historie zu lernen.

In welche Epoche würdet Ihr gern einmal (wieder) literarisch reisen?

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Der Mut der Lady Leaf“ (Celtic Dreams 3)

Vor kurzem habe ich auch „Der Mut der Lady Leaf“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2024 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Schottland 1487: Leaf MacKay vertraut sich selbst und sonst niemandem. Nun soll ausgerechnet sie ihren erbitterten Feind Lennox heiraten, um die jahrelange Fehde mit Clan Ross zu beenden. Der drohende Verlust ihrer Unabhängigkeit treibt sie immer stärker in die Nähe des düsteren Schmieds Grey, der ihr im Kampf gegen Lennox zur Seite steht. Und dann ist da noch Leafs bester Freund und Adoptivbruder Artair, der nicht nur mit seiner unbekannten Herkunft, sondern vor allem mit seinen Gefühlen für Leaf ringt. Doch die Wunden der Vergangenheit sind tief, und Leaf muss eine Entscheidung treffen: Glaubt sie an die wahre Liebe? Oder nur an sich selbst? Hin und her gerissen zwischen ihrem Bedürfnis nach Schutz und ihrer Sehnsucht nach Liebe droht sie alles zu verlieren.

„Der Mut der Lady Leaf“ ist der dritte Band der Celtic-Dreams-Reihe, von der ich bislang den ersten Teil „Der Traum der Lady Flower“ gelesen habe. Während ersteres für mich noch klarer ein historischer Liebesroman war, verschiebt sich in diesem Buch das Genre stärker zur Historical Romance – und so wird das Buch vom Verlag auch als Kombination von beidem als „historischer New-Adult-Liebesroman“ beworben, da uns durchaus einige pikante Sexszenen erwarten. Zur Harmonisierung mit den restlichen Büchern der Reihe habe ich es dennoch hier auch bei der Eingruppierung als historischer Liebesroman belassen – kleinere Argumente fänden sich auch für eine historische Familiensaga oder generell für einen historischen Roman. Das Buch lässt sich zudem gut als Standalone lesen (mir fehlen ja auch die Ereignisse des zweiten Bandes), insgesamt würde ich aber aufgrund der Kontinuität der Geschehnisse und der Hintergrundgeschichten der Figuren dafür plädieren, alle Bände in der vorgegebenen Reihenfolge zu lesen, um das Lesevergnügen vollends auszuschöpfen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Gerade im ersten Drittel hat das Buch jedoch auch kleinere Längen – und auch das Ende vermochte mich nicht vollends zu überzeugen und war etwas antiklimaktisch. Insgesamt fokussiert sich die Handlung viel deutlicher als im ersten Band auf das Love Triangle, hier konnten die Stärken des ersten Bandes nicht so umgesetzt werden. Gut gefallen hat mir jedoch, dass mit fortschreitender Handlung auch Artair eine Hintergrundgeschichte verpasst bekam.

Das Setting ist weiterhin brillant. So entführt die Autorin die Leser:innen – wenig überraschend – erneut ins Schottland am Ende des 15. Jahrhunderts, mitten hinein in eine blutige Fehde, die das Clansystem der damaligen Zeit mehr als verdeutlicht. Dabei spielen in diesem Band dynastische Politik, Ränkespiele und familiäre Verflechtungen eine noch stärkere Rolle, während der historische Hintergrund mehr zur wirklichen Kulisse verkommt – was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugt Leaf – meine Lieblingsschwester aus dem ersten Band – weiterhin, aber auch Lennox und Skye, von der ich gern noch mehr lesen würde, können brillieren, lediglich Gregor verbleibt etwas eindimensional. Kristin MacIvers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, stellt Lesbarkeit im Zweifel über historische Authentizität und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung kann größtenteils glänzen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht schmälern, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist ein Eyecatcher, dem leider etwas der Bezug zur Handlung fehlt – und leider wird das Cover auch wieder zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Insgesamt passt sich das Buch aber gut ins einheitliche Erscheinungsbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Der Mut der Lady Leaf“ ist eine größtenteils gelungene Fortsetzung der Reihe um die MacKay-Schwestern, die vor allem mit tollen Charakteren und einem brillanten Setting punkten kann, aber auch kleinere Schwächen in der Handlung hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Nadine Schojer: „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ (Telefonistinnen 1)

Vor kurzem habe ich auch „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ von Nadine Schojer gelesen. Das Buch ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Köln, 1948. Der Wiederaufbau ist in vollem Gange. Es sind vor allem die Frauen, die für sich und ihre Familien in der zerstörten Stadt ein neues Leben aufbauen. Als Telefonistinnen sorgen Gisela, Hannelore und Julia in einer großen Versicherung für die richtigen Verbindungen zwischen innen und außen. Jede hat ihre eigene Geschichte, für jede von ihnen ist die Arbeit lebenswichtig, jede hat Geheimnisse. Auch Charlotte, die neue Kollegin, die auftritt, als gehörte ihr das Unternehmen. Während die junge Republik entsteht und in den Bars wieder getanzt wird, gehen die Frauen gemeinsam Schritt für Schritt voran in eine neue Welt, die von Umbrüchen, Sehnsüchten und Träumen geprägt ist …

„Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist der Auftaktband in Nadine Schojers Buchreihe über vier Telefonistinnen in der Nachkriegszeit – wobei eigentlich auch Erna, die Rezeptionistin, zu der (erweiterten) Clique gehört. Zwar handelt es sich hier bei den Protagonistinnen nicht um eine Familie im eigentlichen Sinne (vielmehr haben alle selbst Probleme mit ihrer jeweiligen „richtigen“ Familie), ich habe das Buch aufgrund der starken freundschaftlichen Bindungen untereinander in Einklang mit der Eingruppierung auf Verkaufsportalen dennoch als (historische) Familiensaga kategorisiert. Eine Zuordnung zum Genre historischer Roman wäre jedoch genauso denkbar gewesen wie im Übrigen auch die zu anderen Genres.

Die Handlung ist abwechslungsreich, läuft relativ stringent an und konzentriert sich auf den Handlungsstrang um Gisela, aber auch über Hanni erfährt man relativ viel, während Julia und Charlotte – letztere ein heimlicher Leserliebling von mir – erst im Laufe der Geschichte dazustoßen und daher ihre Handlungsstränge noch etwas stiefmütterlich ausgebaut sind. Auch das Ende überzeugt größtenteils. So endet der Roman nicht – wie befürchtet – in einem krassen Cliffhanger, sondern ist halbwegs abgeschlossen, lässt jedoch ausreichend Anknüpfungspunkte und Potentiale für die Folgebände, sodass man ihn auch – zumindest in Bezug auf Gisela – als Standalone lesen könnte.

Das Setting ist wenig überraschend, aber erwartbar gut. So entführt die Autorin die Leser:innen ins Köln der Nachkriegszeit, in eine von den Bombardierungen gezeichnete Stadt, die sich gerade erholt und von dem ersten zarten Aufschwung, von Besatzungstruppen und von der Suche nach den Heimkehrern geprägt ist. Nadine Schojer gelingt es dabei, das Flair der Zeit gut einzufangen – und über gelegentlich eingestreute Dialoge und Begriffe in Mundart auch den Charakter der Stadt und ihrer Bewohner zu verkörpern.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – aufgrund der Vielzahl an (wichtigen) Protagonist:innen muss die Entwicklung in den Folgebänden aber noch konsequent weitergehen, damit hier ein rundes Bild entsteht. Bislang überzeugen insbesondere Charlie/Charlotte (trotz des kurzen Auftritts), Hanni und Erna, während insbesondere Julia noch ausbaufähig bleibt und auch Anton und Gisela nicht immer nachvollziehbar handeln. Nadine Schojers Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und ist im Wesentlichen historisch authentisch, wenn auch der Fokus wohl eher auf der Lesbarkeit gelegen hat.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht entscheidend schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin jedoch jäh unterbrochen. Insgesamt ist der Umschlag eher eintönig und das Covermotiv m.E. nicht in Gänze stimmig. So zeigt es zwar vier Frauen, es fehlt jedoch etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Die Telefonistinnen – Stunden des Glücks“ ist ein gelungener Auftakt in die Reihe, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer abwechslungsreichen Handlung punkten kann. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Beate Rösler: „Eddas Aufbruch“

Vor kurzem habe ich auch „Eddas Aufbruch“ von Beate Rösler gelesen. Das Buch ist 2024 bei Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Um der Enge ihres autoritären Elternhauses zu entkommen, geht die 19-jährige Edda als Au-pair nach Paris. In einer politisch aufgeheizten Zeit verliebt sie sich in den Studenten Marcel, der neue Fragen in ihr weckt: Auf welcher Seite standen ihre Eltern in den Jahren des Nationalsozialismus? Zurück in Frankfurt am Main konfrontiert sie ihren Vater, doch dieser hüllt sich in Schweigen. Erst als Edda alte Feldpost im Schlafzimmer ihrer Mutter entdeckt, kommt sie den Ereignissen der Vergangenheit auf die Spur. Was sie herausfindet, stellt nicht nur ihre Beziehung zu Marcel auf die Probe. Edda muss sich zudem entscheiden, wie weit sie für Gerechtigkeit gehen will … 

„Eddas Aufbruch“ ist eine sehr lose Fortsetzung des Vorgängerromans der Autorin („Helenes Versprechen“) – zumindest trifft man hier teils auf bekannte Charaktere. Dabei sind die Romane jedoch jeweils als Standalone lesbar und angedacht, die Hinweise auf die Verbindungen ergaben sich für mich überhaupt nur durch den Austausch mit der Autorin. „Eddas Aufbruch“ lässt sich zudem nicht ganz einfach einem Genre zuordnen. Auf Verkaufsportalen teils eingruppiert als „Coming of Age“ habe ich mich aufgrund der Erforschung der familiären Vergangenheit dennoch für die Kategorisierung als Familiensaga entschieden – als „historische Familiensaga“ um genau zu sein, da die Handlung zudem mehr als 50 Jahre in der Vergangenheit spielt.

Apropos Handlung: Diese ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Gleichsam ist sie auch Produkt der erzählten Zeit, dennoch hätte ich mir trotz des jugendlichen Leichtsinns von Edda durchaus einen reflektierteren Blick auf die Verbrechen und Anfänge der RAF gewünscht – oder zumindest eine historische Einordnung in einem Nachwort. Auch sind mir die Handlungsübergänge zwischen den Sinnabschnitten teils etwas drastisch. So werden hier gelegentlich Probleme aufgeworfen und sind im nächsten Abschnitt bereits gelöst – dabei ist durchaus manchmal auch der Weg das Ziel, hier hätte man noch eine rundere Geschichte und Charakterentwicklung schaffen können.

Das Setting kann dahingegen völlig begeistern. So entführt die Autorin den Leser in die ausgehenden 60er Jahre zum Besuch des Schahs nach Berlin, in ein Paris der Studentenproteste und ein gutbürgerliches Frankfurter Elternhaus – kurz: in eine Welt im Umbruch mit krassen Gegensätzen, die hier durchaus deutlich werden. Dabei gelingt es Beate Rösler den schmalen Grat zwischen antiautoritärer Opposition und Radikalisierung greifbar zu machen – sie lässt ihre Figuren diesen nämlich regelmäßig überschreiten, sodass man ihnen teils auch kein Happy End mehr gönnt.

Diese Figuren sind somit durchaus auch komplex und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebenrollen wie Ariane und Florence, während gerade Marcel etwas blass verbleibt und nicht nachvollziehbar handelt – aber vermutlich ist für viele Leser heute die damalige Radikalität nicht mehr wirklich verständlich. Beate Röslers Schreibstil hingegen lässt sich gut und flüssig lesen, das Kopfkino sofort anspringen und balanciert gut zwischen historischer Authentizität und der Lesbarkeit.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls ordentlich. Das Covermotiv zieht sich gut über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, ist dabei durchaus auch ansehnlich, aber austauschbar beliebig. Gern hätte ich mir – wie oben angedeutet – auch ein ausführlicheres Nachwort gewünscht, das das Zeitgeschehen in den größeren historischen Kontext einordnet.

Mein Fazit? „Eddas Aufbruch“ ist eine im Wesentlichen überzeugende historische Familiensaga, die wichtige Themen und Fragen anspricht und aufwirft, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.