[Buchgedanken] Elizabeth Macneal: „Zirkus der Wunder“

Vor kurzem habe ich „Zirkus der Wunder“ von Elizabeth Macneal gelesen. Das Buch ist 2022 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2021 unter dem Titel „Circus of Wonders“ bei Picador veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Bonné verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Südengland, 1866. Die junge Nell, von Muttermalen gezeichnet, wird von den anderen Dorfbewohnern gemieden – bis „Jasper Jupiters Zirkus der Wunder“ im Ort kampiert. Nells skrupelloser Vater wittert ein Geschäft und verkauft sie als „Leopardenmädchen“ an Jasper. Doch was als traumatische Erfahrung beginnt, scheint sich als Glücksfall zu erweisen: Erstmals findet Nell eine echte Heimat. Sie schließt Freundschaften, verliebt sich in den sensiblen Toby – und wird, als „achtes Weltwunder“ gefeiert, zum Star des Zirkus. Doch mit dem Ruhm stellen sich neue Probleme ein.

„Zirkus der Wunder“ ist ein historischer Roman, der den Leser ins neunzehnte Jahrhundert entführt, gleichzeitig aber große Aktualität besitzt, ist er doch ein Plädoyer für Toleranz, Diversität und gesellschaftliche Akzeptanz, zeigt er doch die Folgen von Diskriminierung – im Großen und im Kleinen – und bespricht Themen wie Kriegspropaganda und Traumata. Es ist daher der natürliche Nachfolger von „The Greatest Showman“, auf dessen Protagonist hier oftmals Bezug genommen wird, allerdings mit rein fiktiven Charakteren – und weniger glorifizierend pompös.

Denn die Handlung ist zwar spannend und kurzweilig, aber auch düster. Schonungslos beschreibt Elizabeth Macneal die teils unmenschlichen Zustände anhand einzelner Schicksale, die zwar fiktiv, aber sicherlich authentisch sind. Dabei ist der Roman ungemein atmosphärisch dicht, nimmt den Leser mit auf eine emotionale Achterbahnfahrt, und zeigt seine Authentizität auch darin, dass er ein realistisches und kein verklärtes, kitschgeschwängertes Happy-End bietet.

Das Setting ist erwartbar brillant – bei einer Reise ins viktorianische England kann man hier aber wenig falsch machen – es hat sich als Setting für alle Arten von Romanen bewährt. Schön ist es jedoch, dass die Autorin den Leser hier mal in ein England abseits von London mitnimmt, zumindest teils in ärmliche, ländliche Dörfer führt, die einen krassen Gegensatz zur illustren Hauptstadt bilden. Aber auch die spätere Darstellung von London überzeugt, lediglich die Szene im Buckingham Palace irritiert leicht, dies kann aber auch an dem starken Einfluss liegen, den eine andere Palastbewohnerin auf die letzten Generationen ausgeübt hat.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Nell vor allem Stella und Pearl, während Toby etwas blass bleibt. Der Schreibstil von Elizabeth Macneal ist dabei flüssig und gut lesbar, atmosphärisch dicht und sehr bildhaft.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist unauffällig. Die farbliche Gestaltung des Schutzumschlags wird leider durch den Buchrücken unterbrochen, insgesamt ist die Gestaltung zudem relativ schlicht, auch wenn sich im Covermotiv immerhin einige Aspekte der Handlung widerspiegeln. Das Buch unterhalb des Umschlags ist gleichfalls schlicht, aber mit farbigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Zirkus der Wunder“ ist ein wirklich bestechender historischer Roman mit nur minimalen Schwächen, der vor allem durch sein atmosphärisches Setting und die hohe Aktualität brilliert. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Hendrik Lambertus: „Der Zorn der Flut“

Vor Weihnachten habe ich auch „Der Zorn der Flut“ von Hendrik Lambertus gelesen. Das Buch ist 2022 im Rowohlt Taschenbuch Verlag, Rowohlt Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Winter des Jahres 1361 ist die Natur besonders unbarmherzig, Wind und Wellen peitschen gegen das Land. Deichbauer Folkert sieht mit Sorge, wie verwundbar der vernachlässigte Flutschutz seine Heimat macht. Doch seine Warnungen verhallen ungehört. Auch sein Bruder Auke sorgt sich mehr um die Herrschaftsansprüche der dänischen Krone. Er kämpft mit allen Mitteln für die friesische Freiheit – und für seine große Liebe Griet. Von der wird als Tochter des dänischen Statthalters erwartet, zum Vorteil der Familie zu heiraten. Soll sie sich fügen? Oder rebellieren? Dann kommt der 16. Januar 1362. Die Deiche brechen. Und nach der Flut ist nichts mehr, wie es vorher war …

„Der Zorn der Flut“ ist ein Roman, über eine der größten Naturkatastrophen Deutschlands, die Marcellusflut 1362. Dabei beschränkt sich der Roman nicht nur auf die Schilderung der Flut und deren Folgen, sondern bettet diese in ein Gesamtkonstrukt aus politischer Lage und persönlichen Schicksalen ein. Als Leser erhält man so die Chance, in Romanform doch einiges über eher unbekannte, und dennoch umwälzende Ereignisse in der deutschen Geschichte zu lernen, die sonst etwas unter dem Radar verbleiben.

Die Handlung ist dabei durchaus spannend, wenn auch teils – zumindest in der ersten Hälfte – mit Längen versehen. Aufgrund der Vielzahl an Personen und Handlungsstränge, die angelegt werden müssen, ist auch der Start in die Geschichte schwierig, die Geschwindigkeit steigert sich aber mit dem Zusammenlaufen der Handlungsstränge.

Das Setting ist gelungen. So entführt Hendrik Lambertus den Leser nach Norddeutschland, hinein ins Spannungsfeld zwischen Hanse, Dänemark und Friesland, in eine Zeit voller Handel und Seeräuberei. Zum besseren Verständnis hätte ich mir an dieser Stelle allerdings noch eine Karte der wesentlichen Handlungsorte gewünscht – der Geschichte voran- oder nachgestellt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei gelingt dem Autor das ungewöhnliche Kunststück, einen der ersten Protagonisten konsequent unsympathischer werden zu lassen, bis man Auke weder Happy-End noch sonstiges Glück mehr wünscht. Janne und Griet überzeugen hingegen auf ganzer Linie, während Lentje so etwas wie die heimliche Sympathieträgerin des Romans ist.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist unauffällig und schlicht. Das Covermotiv zieht sich über den ganzen Buchumschlag und bildet mit Buchrücken und Coverrückseite ein einheitliches Gesamtbild, ist zudem atmosphärisch und passt gut zur Geschichte. Die einzelnen Teile des Buches werden dabei jeweils erneut mit einer ganzseitigen Abbildung des Covermotivs eingeläutet – hier hätte man durchaus auch auf abweichende Motive zurückgreifen können, um die Thematik der Abschnitte besser aufzugreifen. Wie oben bereits erwähnt, hätte auch eine Karte zur Abrundung der Handlung und der Buchgestaltung beigetragen.

Mein Fazit? „Der Zorn der Flut“ ist ein historischer – und sehr informativer – Roman mit spannendem Setting und interessanten Protagonisten, der allerdings im ersten Teil auch einige Längen hat. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Jörg Kohn: „1799 – Die Schatten von Oldenburg“ (von Marburg 1)

Vor einiger Zeit habe ich den historischen Kriminalroman „1799 – Die Schatten von Oldenburg“ von Jörg Kohn gelesen. Das Buch ist 2022 in der Gmeiner-Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Erstausgabe erschien 2021 unter dem Titel „1799 – Oldenburger Morde“ und Autorennamen „Jörg Hartmut Kohn“ bei BoD. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Oldenburg, Juni 1799. Die Nachricht vom Tod seiner Eltern reißt den jungen Studenten Johannes Friedrich von Marburg aus seiner feuchtfröhlichen Abschlussfeier. Zusammen mit drei Hausangestellten fielen Carl Ludwig Freiherr von Marburg und seine Frau einem äußerst ungewöhnlichen Verbrechen zum Opfer. Da die Untersuchungen der herzoglichen Polizeidragoner nicht vorankommen, beginnt Johannes auf eigene Faust zu ermitteln. Als er herausfindet, dass seine Eltern unmittelbar vor ihrem Tod eine Reisebekanntschaft aus Frankreich beherbergten, begibt er sich auf die gefährliche Suche nach der Unbekannten …

„1799 – Die Schatten von Oldenburg“ ist ein Roman, der sich stark der Historie widmet, den historischen Ereignissen viel Platz einräumt, diese erklärt und in den Mittelpunkt der Handlung stellt. Aufgrund der Prämisse des Romans, dem doch immer mitschwingenden Kriminalfall, würde ich das Buch dennoch als historischen Kriminalroman einordnen – und schlussendlich wird das Buch auch als solcher beworben.

Die Handlung ist durchaus spannend, hat teils aber auch ihre Längen und einige unnötige Wendungen. Zwar wird der zugrundeliegende Kriminalfall abschließend gelöst, dennoch endet der Roman ärgerlicherweise in einem unnötigen und heftigen Cliffhanger, der einer Fortsetzung verlangt, wofür die Geschichte auch genug Potential liefert.

Das Setting überzeugt im Wesentlichen. Jörg Kohn nimmt den Leser mit auf eine Reise in ein Norddeutschland, das nach der französischen Revolution an der Schwelle zum 19. Jahrhundert steht. Dabei ist der Schreibstil des Autors authentisch und zeugt von guter Recherche, wenn auch teils die Lesbarkeit der Authentizität geopfert wurde – hier hätte man durchaus auch etwas bedachter vorgehen können.

Die einzelnen Figuren sind dabei vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Lürssen, Sartorius und Klara, während Johannes als Protagonist doch teils sehr naiv und unlogisch agiert und so insgesamt blass verbleibt. Auch hier könnte aber in einem Folgeband durchaus noch nachgebessert, die Entwicklung des Charakters vorangetrieben werden.

Die Buchgestaltung ist insgesamt solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient sich ein Lob allein schon dafür, die Kapitel auf ungeraden Seiten zu starten. Dabei werden den Kapiteln umfangreiche literarische Zitate vorangestellt, die zumindest in der Häufigkeit den Lesefluss doch leicht mindern. Der Buchumschlag ist mit einfarbigen Coverinnenseiten versehen – hier hätte ich mir durchaus auch eine Karte der norddeutschen Lande vorstellen können. Das Covermotiv ist zwar ansehnlich, wird aber zum Buchrücken hin unterbrochen und dort, zusammen mit der Coverrückseite einfach nochmal dargestellt – etwas skurril und ungewöhnlich.

Mein Fazit? „1799 – Die Schatten von Oldenburg“ ist ein historischer Kriminalroman mit einer spannenden Handlung und tollen Nebenfiguren, aber auch kleineren Längen und einem ärgerlichen Cliffhanger am Ende. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Von Ermittlungen über und unter Tage | Doppelte Buchpost

Ich unterbreche die Rezensionen, um Euch wieder zwei Bücher zu zeigen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür an dieser Stelle! In „1799 – Die Schatten von Oldenburg“ von Jörg Kohn (Gmeiner Verlag) führt der Protagonist des historischen Romans Ermittlungen auf eigene Faust über den Tod seiner Eltern, während in Kati Naumanns „Die Sehnsucht nach Licht“ (HarperCollins) die Protagonistin der Familiensaga als Letzte einer generationenlangen Linie von Begleuten das Schicksal ihres Großonkels zu ergründen versucht. Ermittlungen über und unter Tage – spannend wird es sicherlich in jedem Fall!

Kennt Ihr einen der Autoren bereits?

[Buchgedanken] Claudia Romes: „Beethovens Geliebte“ (Außergewöhnliche Frauen 11)

Vor kurzem habe ich „Beethovens Geliebte“ von Claudia Romes gelesen, den elften Band der von verschiedenen AutorInnen verfassten, unzusammenhängenden Reihe über außergewöhnliche Frauen der jüngeren Geschichte. Das Buch ist 2022 bei aufbau taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historische Romanbiografie einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bonn, 1790: Im Zehrgarten am Marktplatz dreht sich alles um die Kunst – und mittendrin: die neunzehnjährige Tochter der Wirtin, die in ihren Salons die wichtigsten Männer der Stadt um sich versammelt. Wenn es nach ihrer Mutter ginge, würde Babette Koch am besten einen Fürsten heiraten, aber seitdem der junge Ludwig van Beethoven aus Wien zurück ist, fühlt sich Babette immer mehr zu ihrem Kindheitsfreund hingezogen. Doch ein schlechter Ruf eilt dem Musiker voraus, so gilt er nicht nur als talentiert, sondern auch als äußerst flatterhaft.

„Beethovens Geliebte“ ist ein historischer Roman, eine Romanbiografie über Babette Koch, auch wenn die Quellenlage über ihre Jugendjahre doch relativ dünn ist, sodass hier viel Fiktion auf wenige, gesicherte Fakten trifft, insbesondere, was die Beziehung Babettes zu Ludwig betrifft – ein Verhältnis, was die Autorin höchstspekulativ aber doch im Rahmen des Möglichen ausgestaltet.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar und mit einigen, kleineren Längen versehen. Claudia Romes mischt dabei den historischen Beginn der Aufklärung durch die französische Revolution mit Bonner Stadtgeschichte und dem Wirken des jungen Beethovens und macht die Ereignisse anhand der Auswirkungen auf die Familie Koch für die Leser erlebbar. Hierbei ist der Schreibstil der Autorin gut und flüssig lesbar, authentisch und zeugt von einer im Rahmen der Möglichkeiten hinreichend guten Recherche.

Das Setting vermag hingegen zu überzeugen. So zeichnet Claudia Romes das Porträt einer zwar monarchistischen, aber doch fortschrittlichen Stadt Bonn, einem Mekka für Kunst, Aufklärung und Freiheit, das den Spagat zwischen fortschrittlichen Ideen und alten Traditionen wagt und in dem Standesunterschiede überwunden werden.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben teils Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei glänzen vor allem Nebenfiguren wie Marianne, Malchus oder Eleonore, während gerade Ludwig etwas eindimensional und blass verbleibt. Gern hätte ich hier zudem noch mehr über Babettes letzte Jahre gelernt, die dann im Rahmen des Romans doch nur stark verkürzzt dargestellt worden sind, da der Fokus ja auf ihrer Beziehung zu dem Komponisten lag.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei und schön anzusehen. Der Buchumschlag ist auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist farblich ansprechend und hübsch gestaltet, wenn auch etwas der Bezug zur Handlung fehlt. Jedoch fügt es sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Gesamteindruck.

Mein Fazit? „Beethovens Geliebte“ ist eine gelungene Romanbiografie, die vor allem durch ihr tolles Setting punktet, aber auch kleinere Längen hat. Für Liebhaber des Genres – und der Reihe – bedenkenlos zu empfehlen.

An der (Nordsee-)Küste | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! Während „Feather & Rose – Ein Sturm zieht auf“ von Claudia Siegmann (Ravensburger Buchverlag) den Leser dabei an die Wingdale Akademie, eine Schule für Elementmagie an der beschaulichen Atlantikküste Cornwalls entführt, entfesselt Hendrik Lambertus in „Der Zorn der Flut“ (Rowohlt Verlag) die Gewalten der Nordsee im Rahmen eines historischen Romans über die Marcellusflut 1362. Ein abwechslungsreiches Leseprogramm – auch wenn es mich in beiden Romanen an die Küste verschlägt :).

Mögt Ihr Küstenregionen? Wenn ja, würde es Euch eher nach Cornwall oder zur Nordsee ziehen?

Starke Frauen im Doppelpack | Leserunden-Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. Sowohl „Beethovens Geliebte“ von Claudia Romes (atb) als auch „Verbrechen sind mein Job“ von Karlotta Stahl (Eden Books) stellen dabei starke Frauen in den Mittelpunkt, einmal in Form eines historischen Romans über Babette Koch und einmal in Form eines True Crime Buches, in dem eine von Deutschlands jüngsten Staatsanwältinnen Einblicke in Strafverfahren und Justiz gibt.

Mögt Ihr True Crime? Wenn ja: in welcher Form?

[Buchgedanken] Silke Elzner: „Die letzte Fehde an der Havel“

Vor kurzem habe ich „Die letzte Fehde an der Havel“ von Silke Elzner gelesen. Das Buch ist 2022 in der Gmeiner-Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Carls Dorf von Dietrich von Quitzow überfallen wird, gerät sein Leben aus den Fugen: Der Raubritter schändet Carls Jugendliebe, und er selbst wird als Geisel verschleppt. Für Carl beginnt ein neues Leben als Waffenknecht auf Burg Kletzke, doch in ihm wächst ein unstillbarer Wunsch nach Rache. Als sich mit Friedrich von Hohenzollern ein neuer Landesherr ankündigt, sieht Carl die Chance gekommen, sich für all das Leid zu revanchieren …

„Die letzte Fehde an der Havel“ entführt den Leser ins mittelalterliche Brandenburg zu Beginn des 15. Jahrhunderts – eine Art Heimkommen für mich, spielen doch meine Heimatstadt und viele weitere Orte aus der näheren Umgebung eine tragende Rolle im Roman, der sowohl sprachlich authentisch als auch gut recherchiert daherkommt.

Insgesamt vermag das mittelalterliche Setting durchaus zu überzeugen. So beschreibt Silke Elzner in leicht und flüssig zu lesendem Schreibstil eine Zeit mit fließendem Übergang zwischen Fehdewesen und Raubrittertum, eine Zeit enormer Standesunterschiede, aber auch ungewöhnlicher Freundschaften und Bündnisse.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, wenn auch teilweise mit kleineren Längen versehen. Dabei mischt Silke Elzner genre- und zeittypische Themen wie Freundschaft und Liebe, Rache und Hass, Armut und Reichtum sowie Krankheit, Krieg und Tod zu einem spannenden Konglomerat. Erstaunlicherweise ist es der Autorin hierbei gelungen, mich als Leser zu fesseln, am Buch kleben zu lassen, obwohl mir der Protagonist von Kapitel zu Kapitel unsympathischer geworden ist, sich fast zum Antihelden entwickelt hat, dem man ein Happy-End nicht gönnt.

Insgesamt sind die Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Zwar bin ich mit Carl nicht warm geworden, überzeugt haben mich jedoch wichtige Nebencharaktere wie Rieke und Käthe sowie Dietrich als Antagonist. Gefreut hätte ich mich, wenn die Dramatis Personae der Geschichte nicht nach-, sondern vorangestellt worden wäre. So findet sich vor Beginn der Geschichte nur eine Karte der mittelalterlichen Mark Brandenburg, die das Verständnis dennoch fördert und unterstützt.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide, auch wenn die Kapitelanfänge mitten auf der Seite doch etwas irritieren. Das Cover ist farblich und vom Motiv her durchaus ansprechend, ihm fehlt aber klar der Bezug zur Handlung oder zur Region. Der Rest des Buchumschlags ist unauffällig und schlicht.

Mein Fazit? „Die letzte Fehde an der Havel“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Roman, der vor allem durch sein Setting und eine spannende Handlung punktet, aber auch einige Längen und einen unsypathischen Protagonisten aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Vergangenheit und Zukunft | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! Während „Die letzte Fehde an der Havel“ von Silke Elzner (Gmeiner Verlag) den Leser dabei ins Mittelalter mitnimmt, entführt „Succession Game“ von Anika Beer (Piper Verlag) den Leser in eine dystopische Zukunft des Jahres 2054. Ich bin schon gespannt, welcher der Zeitsprünge mir besser gefallen wird.

Welches Buch habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Hanna Caspian: „Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein“ (Liebenberg 1)

Vor kurzem habe ich „Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein“ von Hanna Caspian gelesen, den Auftaktband zur Trilogie um das brandenburgische Schloss. Das Buch ist 2022 im Knaur Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die achtzehnjährige Adelheid, Tochter eines Tagelöhners, soll auf Schloss Liebenberg als Stubenmädchen anfangen. Niemals hätte sie sich so ein Glück träumen lassen, denn nun kann sie für ihre hungernde Familie sorgen. Außerdem darf sie mit Viktor, einem der Diener, zusammenarbeiten, zu dem sie sich vom ersten Moment an hingezogen fühlt. Doch ihr Glück dauert nicht lange an, denn es ruft Neider auf den Plan, die das unschuldige Mädchen in eine Falle locken. Adelheid wird zum Hausmädchen degradiert und muss nun mit der erfahrenen Hedda Pietsch zusammen in einer kleinen Stube wohnen. Die beiden jungen Frauen werden zu Freundinnen in höchster Not – und zu Zeuginnen eines der größten Skandale des deutschen Kaiserreichs …

„Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein“ ist der Auftakt in eine historische Trilogie um die Bewohner des namensgebenden, brandenburgischen Schlosses und wird aus Sicht der Dienerschaft erzählt. Dabei startet das Buch naturgemäß etwas langsam, müssen doch erst unglaublich viele Personen angelegt und vorgestellt werden.

Im Verlauf der Zeit nimmt die Handlung jedoch an Fahrt auf, wird spannend, abwechslungsreich und kurzweilig – wenn auch einige, sehr relevante, Ereignisse ärgerlicherweise durch den Klappentext bereits vorweggenommen werden. Zudem werden leider kaum Handlungsstränge aufgelöst, sodass das Buch nicht als Standalone lesbar ist, und das Ende den Leser somit wenig befriedigt zurücklässt.

Das Setting hingegen vermag auf ganzer Linie zu überzeugen. Die Autorin nimmt den Leser mit auf eine Reise ins beginnende 20. Jahrhundert, in eine Zeit der Umbrüche und Umwälzungen im Kaiserreich. Dabei ist Hanna Caspians Schreibstil leicht und flüssig zu lesen, klingt authentisch und spricht für eine gute Recherche, ohne dass das Buch mit historischen Fakten und Erklärungen überladen ist.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, auch wenn aufgrund der Vielzahl an Protagonisten hier bei allen noch Entwicklungspotential vorhanden ist, das hoffentlich in den nächsten Bänden ausgeschöpft wird. Am stärksten überzeugen hier noch Hedda, auch wenn sie zum Ende des Romans hin etwas schwächelt, und Ruth, während Adelheids Entwicklung schlussendlich doch etwas unglaubhaft wird.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt, mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist dabei farblich sehr ansprechend, allerdings fehlt mir im Detail etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit: „Schloss Liebenberg. Hinter dem hellen Schein“ ist ein solider Auftaktroman in eine historische Trilogie, der mit einem tollen Setting und einer grundsätzlich spannenden Handlung punktet, leider aber keinerlei relevante Handlungsstränge auflöst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht als Standalone lesbar.