[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Win Your Heart“ (Limerick Love 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Limerick Love. Win Your Heart“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2026 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historische New Adult Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1462. Im Dorf ihrer Großmutter sucht Sláine Ó Meadhra nach einem Neuanfang. Stattdessen findet sie ihn: Callum. Doch ihr Freund aus Kindheitstagen hat eine mysteriöse Vergangenheit: Manche nennen ihn einen Piraten, andere einen Mörder. Er hält Sláine auf Abstand, so sehr sie auch seine Nähe sucht. Enttäuscht wendet sie sich dem charismatischen Rian zu und entdeckt an seiner Seite ihre Liebe zum Rudern. Doch ihr Herz schlägt bereits für Callum … Ein großes Ruderturnier wird schließlich zu Callums letzter Chance, seinen Namen reinzuwaschen. Aber skrupellose Gegner lassen ihm und Sláine nur eine Wahl: gemeinsam kämpfen – oder untergehen.

„Limerick Love. Win Your Heart“ ist der zweite Teil der „Limerick Love“-Dilogie, kann aber unabhängig vom ersten Band als Standalone gelesen werden, die Verknüpfungen sind eher gering, auch wenn die Protagonistin bereits im ersten Band die Leser:innen begeisterte – in „Limerick Love. Break the Rules“ war Sláine meine Lieblingsfigur. Allerdings sehe ich diesen Band – im Gegensatz zum ersten Teil – nicht mehr wirklich als Sports Romance, spielt doch der Sport eher eine untergeordnete Rolle, ist mehr Mittel zum Zweck und keiner der Love Interests ist wirklich zentral involviert.

Dies ist allerdings der einzige wirkliche Wermutstropfen, denn die Handlung ist sonst hochspannend und abwechslungsreich und sorgt so dafür, dass das Buch sich zu einem absoluten Pageturner entwickelt, der selbst am Ende überzeugt, das zwar genretypisch happy, aber nicht kitschig rosarot ist. Zugleich werden – trotz des historischen Settings – auch gesellschaftlich relevante Themen eingebaut, die doch zeigen, dass wir uns in einigen Bereichen gar nicht so weit entwickelt haben, wie wir es gern glauben würden. Erzählt wird das Buch hierbei aus Sláines Ich-Perspektive.

Das Setting überzeugt naturgemäß auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland des 15. Jahrhunderts. Und auch wenn dieses Mal nicht der Konflikt zwischen den Gaelic Irish und den Anglo-Irish im Zentrum der Handlung steht, finden sich doch genug Themenfelder, auf denen sich Kristin MacIver mit ihren Figuren tummeln kann – erneut glänzt hier auch die Recherche, auch wenn sicherlich zugunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere historische Detail verzichtet wurde.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren neben Sláine insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Maeve und Oisín, während lediglich Callum fast etwas zu gebrochen für den „broken hero“ ist. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und stellt den Kapiteln jeweils kurze Zitate/Gedanken von Callum vorweg. Unterstützt wird die Handlung hierbei durch eine großformatige Illustration der Protagonist:innen in den Coverinnenseiten sowie ein Glossar und eine Aussprachehilfe. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv passt gut zum ersten Teil und bildet einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Win Your Heart“ ist ein toller Abschluss der Dilogie, der sich zwar genremäßig durchaus vom ersten Band entfernt, dabei gleichsam aber ein Pageturner mit einer unglaublich spannenden Protagonistin verbleibt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Break the Rules“ (Limerick Love 1)

Vor kurzem habe ich auch „Limerick Love. Break the Rules“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Historical Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die rebellische Lady Vivienne FitzGerald, genannt Viv, langweilt sich tödlich auf Limerick Castle, wo sie nicht mehr tun darf, als den Tag mit Sticken und Singen zu vertrödeln. Als Viv dann auch noch erfährt, dass sie in wenigen Wochen heiraten soll – den ebenso besitzergreifenden wie hochnäsigen Sir Liam – trifft sie eine verzweifelte Entscheidung: Wenigstens einmal im Leben will sie tun, wonach ihr Herz sich sehnt! Verkleidet als Junge schließt Viv sich dem Hurling-Team an. Trotz einiger Rückschläge beim Training entdeckt sie nicht nur ihre Begabung für den leidenschaftlichen Sport. Da ist auch ein verbotenes Kribbeln in ihrem Bauch, jedes Mal, wenn sie mit dem besten Hurling-Spieler Ruairí zusammen ist. Doch Ruairí und sie kommen aus verschiedenen Welten und ihre Familien spaltet eine Vergangenheit, die alles zerstören könnte …

„Limerick Love. Break the Rules“ ist der Auftaktband in die historische Sports Romance-Dilogie von Kristin MacIver, von der ich bislang auch die Celtic-Dreams-Trilogie kenne. Angesiedelt ist die Geschichte im Irland des 15. Jahrhunderts und wird aus der Ich-Perspektive von Viv erzählt. Dabei lässt sich die Geschichte relativ leicht kategorisieren, ist kein klassischer historischer Roman, auch kein historischer Liebesroman, sondern Historical Romance – mit allem, was das Genre so mit sich bringt, zum Beispiel spicy Szenen und eine Happy-End-Garantie. Darüber hinaus hätte man es auch noch als „Historical Sports Romance“ bezeichnen können, ich habe es aber bei der etwas allgemeinen Kategorisierung belassen, um das Genre nicht zu eng zu fassen.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und mit der ein oder anderen überraschenden Wendung versehen. Dabei mischt Kristin MacIver in altbekannter (und bewährter) Manier aus der Celtic Dreams Reihe eine freiheitsliebende Protagonistin mit einer spannenden Leidenschaft (hier das Hurling) und einer undenkbaren Liebesgeschichte zu einer wirklich toll lesbaren Geschichte, die viel Spaß macht und vor allem am Ende überzeugt – auch wenn das Konzept nicht allzu innovativ ist. Hierbei ist durchaus toll recherchiert worden – auch wenn sicherlich nicht alles historisch korrekt ist und sich sogar die ein oder andere moderne popkulturelle Anspielung findet.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach Limerick, in eine Stadt voller Konflikte zwischen den englischen Besatzern und der irischen Bevölkerung. Dabei werden vor allem die gesellschaftlichen Unterschiede in aller Deutlichkeit herausgearbeitet – und der Fokus auf Hurling als historischer Sportart gelegt (prägend für die Reihe, in Band 2 wird sich dann einem anderen historischen Sport gewidmet). Gern hätte ich mir noch zur Unterstützung des Settings eine Karte gewünscht – aber die großflächige Illustration in den Coverinnenseiten ist natürlich auch wunderschön anzusehen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Sláine (als heimlicher Leser:innenliebling – und wundervollerweise die Protagonistin des Folgebandes), Martha und Hugh, während sich Sir Liam und Darragh etwas eindimensional verbleiben und Viv nicht immer nachvollziehbar handelt. Toll ist zudem, welche Wandlung Adeline hinlegt und sich ebenfalls zu einer Favoritin entwickelt. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – die Waage ist hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit in Abwägung zur historischen Authentizität gekippt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Geschichte wird mit einer vorangestellten wundervollen Playlist abgerundet. der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und gleich gestaltete Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, insgesamt sehen sie aber toll aus und bilden hoffentlich mit dem Folgeband ein tolles, einheitliches Reihenbild mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Break the Rules“ ist eine wundervolle Historical Romance mit spannender Handlung, interessanten Themen und nur minimalen Schwächen, die hier kaum ins Gewicht fallen und Lust auf Band zwei machen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem genreüblichen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Roddy Doyle: „Die Frauen hinter der Tür“ (Paula Spencer 3)

In den letzten Tagen habe ich auch „Die Frauen hinter der Tür“ von Roddy Doyle gelesen. Das Buch ist 2025 im GOYA Verlag in der JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „The Women Behind the Door“ bei Jonathan Cape, London. Das Buch ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Sabine Längsfeld verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die 66-jährige Paula Spencer lebt endlich ihr eigenes Leben. Sie ist Mutter, Großmutter, Witwe, trockene Alkoholikerin und Überlebende. Sie hat einen Job bei der Reinigung, der ihr Spaß macht, einen Mann – Joe – mit dem sie ihre Gedanken teilen kann, Freundinnen, die sie so nehmen, wie sie ist, und vier erwachsenen Kinder, die ihre eigenen Familien haben. Sie hat sich den Geistern ihrer Vergangenheit widersetzt und blickt nach vorn. Bis alles durcheinandergebracht wird, als ihre älteste Tochter Nicola vor der Tür steht. Die unabhängige, wohlhabende und liebevolle Ehefrau und Mutter – Paulas Vorzeigetochter – ist auf einmal fest entschlossen, alles hinter sich zu lassen. In den kommenden Tagen vertraut Nicola ihrer Mutter nach und nach an, was diese Krise ausgelöst hat.

„Die Frauen hinter der Tür“ ist nach „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ mein zweiter Roman des Booker-Prize-Gewinners Roddy Doyle. Zugleich ist es auch ein Sequel der anderen Romane um Paula Spencer – was weithin unerwähnt bleibt und nur durch Zufall bei der Recherche auftauchte, ist Paula doch bereits Protagonistin zweier Romane aus den 90er- und 2000er-Jahren und tauchte sogar erstmals in einer Fernsehserie auf. Dennoch lässt sich der Roman gut als Standalone lesen, die Kenntnis der anderen Bücher hätte aber vermutlich eine noch tiefere Verbindung zur Geschichte geschaffen. Das Buch lässt sich dabei relativ einfach einem Genre zuordnen, ist aus meiner Sicht klassische Gegenwartsliteratur und nicht – wie auf Verkaufsportalen teils angegeben – eine Familiensaga.

Die Handlung wird dabei aus personaler Sicht von Paula erzählt – und in den ersten zwei Dritteln geht sie auch relativ stringent voran, wenn auch mit größeren Zeitsprüngen gespickt. Dabei erzählt Roddy Doyle die familiären Geschehnisse eingebettet in die großen gesellschaftlichen Entwicklungen der frühen 20er Jahre, nimmt stark Bezug auf die Corona-Pandemie und – zuletzt – auch auf die Auswirkungen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine. Zum Ende hin wird die Handlung jedoch etwas zähflüssig, durchbricht die Stringenz und sorgt für ein sehr antiklimaktisches Ende, das größtenteils auch schon vorweggenommen worden ist.

Das Setting kann dahingegen wieder überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Irland der Jetztzeit, in eine Stadt, geprägt von der Pandemie, in einen Haushalt, geprägt von den vergangenen Gräueltaten. Durch die Aktualität gelingt es ihm dadurch, natürlich sofort auch bei den Leser:innen Erinnerungen und Erwartungen zu schaffen, sich mit Paula zu connecten und sofort eine Verbindung zu ihr aufzubauen. Gleichsam ist immer ein irischer Flair vorhanden, sodass der Handlungsort trotzdem prägend verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Am stärksten kann hier Mary glänzen, aber durchaus auch Paula schafft es, zumindest phasenweise zu begeistern. Sonst ist der Personenkreis kammerspielartig stark begrenzt. Roddy Doyles Schreibstil lässt sich durchaus flüssig und gut lesen, lediglich mit den Dialogen und ihrer Darstellung werde ich auch weiterhin nicht warm.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist einfach, insbesondere die Chatnachrichten hätte man ggf. innovativer setzen können. Das Covermotiv ist eher simpel und kein Eyecatcher, farblich wird der Umschlag zur Coverrückseite krass unterbrochen und abgeändert. Insgesamt ist die Gestaltung eher eintönig, die Ausgabe generell sehr schlicht.

Mein Fazit? „Die Frauen hinter der Tür“ ist ein Roman der Gegenwartsliteratur, der mit seinem Setting und seiner Eindringlichkeit punktet, zum Ende hin aber auch etwas abbaut. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Roddy Doyle: „Paddy Clarke Ha Ha Ha“

In der letzten Zeit habe ich auch „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ von Roddy Doyle gelesen. Der Roman ist 2024 im GOYA Verlag in der Jumbo Neue Medien & Verlag GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde unter gleichem Titel 1993 bei Secker & Warburg veröffentlicht. Der Roman ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1968. Paddy Clarke ist zehn Jahre alt und tut das, was so ziemlich alle Zehnjährigen tun: Er langweilt sich in der Schule, zieht mit einen Freunden durch die Straßen, ärgert seinen kleinen Bruder und treibt Unfug. Er liebt den Geruch seiner Wärmflasche und am liebsten liest er mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke. Doch Paddys Welt beginnt sich zu verändern. Die Felder, auf denen er gestern noch herumgestreift ist, werden bebaut, Barrytown bekommt neue Straßen und vergrößert sich. Gleichzeitig wird Paddys Reich immer kleiner und die Stimmung zu Hause immer angespannter. Je mehr Paddy von der Welt mitbekommt, desto weniger versteht er.

„Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist der „neue“ Roman von Roddy Doyle – allerdings nur als neuübersetzte Version. Denn – wie oben bereits erwähnt – stammt die Originalausgabe bereits aus dem Jahr 1993 und wurde damals mit dem Booker Prize ausgezeichnet. Im Kontext dessen ist der Roman als Gegenwartsliteratur einzuordnen – wenn er heute neu herauskäme, könnte man ihn fast als historischen Roman eingruppieren, schildert er doch die Realität der späten 1960er Jahre in Irland, eine Zeit, die 1993 allerdings noch fast präsent war und gerade eine Generation zurücklag.

Die Handlung ist dabei durchaus abwechslungsreich und spannend, allerdings auch antiklimaktisch und ohne erkennbaren roten Faden. So wird episodenhaft und nicht zwingend chronologisch aus der Sicht des zehnjährigen Paddy als Ich-Erzähler nicht mehr und nicht weniger als der Alltag der damaligen Zeit dargestellt, eine Zeit mit klaren Rollenbildern, die geprägt war von Gewalt – in den Familien, auf den Straßen, in den Schulen – und von klaren Hierarchien und einem einfachen, aber ehrlichen Leben.

Das Setting kann hier brillieren. So entführt Roddy Doyle die Leser:innen nach Barrytown, in einen fiktiven Vorort Dublins, in dem bereits andere Romane Doyles und deren filmische Adaptionen spielen. Dabei gelingt es dem Autor, ein beeindruckendes, eindringliches Porträt der damaligen Zeit und Gesellschaft zu erschaffen, mit all ihren Problemen aber auch dem ganz eigenen Charme und der – im Vergleich zur heutigen Moderne – doch Einfachheit der Lebensentwürfe und Tagesabläufe.

Die einzelnen Figuren sind dabei teils doch sehr schematisch dargestellt, werden sie doch aus der Sicht von Paddy beleuchtet – einem Zehnjährigen, der zwar teils älter erscheint, dennoch aber einen kindlichen Blick auf die Welt hat. Robby Doyles Schreibstil ist dabei sehr gewöhnungsbedürftig, insbesondere die Dialoge können mich nicht überzeugen – und auch der fehlende rote Faden sorgt für ein doch eher anstrengendes Leseabenteuer.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist unauffällig – Sinnabschnitte hätten dem Buch jedoch gut getan. Das Covermotiv ist wirklich gelungen, ein Glossar irischer Begriffe und Ausdrücke wird der Geschichte vorangestellt. Leider wird das Cover zum Buchrücken krass unterbrochen, dieser und die Coverrückseite sind eher unauffällig und schlicht.

Mein Fazit? „Paddy Clarke Ha Ha Ha“ ist ein interessantes Porträt der irischen Gesellschaft aus Sicht eines Zehnjährigen, das mit seinem Setting brilliert, aber sehr ungewöhnlich und ohne roten Faden erzählt wird. Für Leser:innen des Genres und sprachlich eigenwilliger Texte durchaus zu empfehlen, ab einem Lesealter, das deutlich über dem der Protagonisten liegt.

[Buchgedanken] Julia Kuhn: „Moonlight Academy. Feenzauber“

Vor kurzem habe ich auch „Moonlight Academy. Feenzauber“ von Julia Kuhn gelesen. Das Buch ist 2024 in der Carlsen Verlag GmbH erschienen und dem Genre Romantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die Moonlight Academy an der Küste Irlands zählt zu den geheimnisvollsten Orten der Feenwelt. Doch für Elanor bedeutet sie vor allem eins: einen Neuanfang. Dieser gestaltet sich allerdings schwerer als gedacht, denn auf einmal steht ihr wieder Elijah gegenüber – der Junge, der für sie verboten ist. Im Gegensatz zu dem mysteriösen Kylian, der mit seinen Tattoos und der anziehenden Art eine neue Seite in ihr weckt. Fest entschlossen, sich davon nicht ablenken zu lassen, konzentriert sich die Mondfee ganz auf ihre magische Ausbildung. Diese hält jedoch unerwartete Herausforderungen für sie bereit, denn das Gleichgewicht zwischen Gut und Böse gerät ins Wanken und droht die Feenwelt in ihren Grundfesten zu erschüttern …

„Moonlight Academy. Feenzauber“ ist zwar ein in sich abgeschlossener Einzelband, gleichzeitig jedoch auch ein Spinoff der Dilogie „Ravenhall Acacdemy“, da man hier auf altbekannte Personen aus der Reihe trifft. Dennoch kann man – wie ich – „Moonlight Academy. Feenzauber“ als Standalone lesen, sollte dann aber auf die im Anhang befindlich Bonusgeschichte verzichten. Dabei ist es nicht ganz einfach, den Roman einem Genre zuzuordnen. So ist „Moonlight Academy. Feenzauber“ klar Romantasy und wird ja auch so – etwas sperrig als „Romantische Feen-Fantasy“ – vom Verlag beworben. Jedoch balanciert der Roman dabei knapp auf der Grenze von Young- zu New Adult. Aufgrund der Altersempfehlung und der behandelten Themen würde ich den Roman jedoch eher der Young Adult Romantasy zurechnen, auch wenn das Alter aller Protagonist:innen nicht ganz klar ist, vermutlich teils schon in den NA-Bereich fällt.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar und – am Ende sogar – etwas antiklimaktisch. Dabei ist zudem die Schwerpunktsetzung nicht immer ganz gelungen, so dominiert zwischenzeitlich die Liebesgeschichte die Rahmenhandlung völlig und lässt diese fast in der Bedeutungslosigkeit versinken, bevor das Buch zum Ende hin wieder etwas ausgeglichener wird. Dennoch macht diese Geschichte viel Spaß und ist quasi ein Füllhorn an Tropes, die jedoch nie zu sehr ins Klischee abrutschen.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt die Autorin die Leser:innen an die Küste Irlands, in einen nur von Feen bewohnten Ort mit magischer Akademie. Und auch wenn einige Teile des Weltenbaus und Magiekonzepts noch etwas unklar verbleiben, vermag die Welt insgesamt zu begeistern und Interesse zu wecken, nun auch an die Ravenhall Academy zu reisen. Julia Kuhn mischt dabei fröhlich jugendtypische Themen mit dem der Fantasy inhärenten Kampf zwischen Gut und Böse – vor einem Akademie-Setting, das aber etwas dadurch unterminiert wird, dass die Familien der (wesentlichen) Protagonisten direkt im gleichen Ort leben.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive (und verrückte Motten :D). Dabei überzeugen vor allem Leona als wichtiger Nebencharakter, Elanor und Elijah, der gerade im letzten Buchdrittel erheblich an Profil gewinnt, während Kylian sehr vorhersehbar verbleibt. Julia Kuhns Schreistil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist atemberaubend. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist jedoch wunderschön und setzt an einer Stelle durchaus innovativ Chatnachrichten. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen und nicht nur auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken sondern sogar auf den Klappen hochwertig geprägt und mit Glitzerelementen versehen – unglaublich hochwertig. Auch der Farbschnitt ergänzt das brillante Gesamtprodukt, auch wenn man ihn dreiseitig hätte gestalten können – der einzige, minimale Wermutstropfen. Das Covermotiv kann ebenfalls vollends überzeugen, ist ein wahrer Eyecatcher und zieht sich über den kompletten Umschlag, sodass ein traumhaftes Gesamtbild entsteht – einfach wunderschön.

Mein Fazit? „Moonlight Academy. Feenzauber“ ist ein Romantasy-Einzelband, der vor allem mit seinem Setting, tollen Figuren und seiner wunderschönen Ausstattung begeistert, in der Handlung aber etwas vorhersehbar bleibt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14 Jahren.

Wunderschöne Rezensionsexemplare | Carlsen-Farbschnitte im Doppelpack

In den letzten Tagen erreichten mich auch diese beiden wunderschönen Bücher als Rezensionsexemplare. „London Royals. Der Kronprinz“ von Isabel Kritzer (Impress in der Carlsen Verlag GmbH) kam dabei als Teil einer Bloggerbox zu mir, „Moonlight Academy. Feenzauber“ von Julia Kuhn (ebenfalls Carlsen) im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür jeweils! Als Teil von Isabels Bloggerteam und als Testleser des Buches bin ich schon ganz auf die finale Version ihres Romans gespannt, der den Leser nach England entführt. Und auch Julias Buch geht in eine (geographisch) ähnliche Richtung, erkundet man doch mit der Protagonistin die geheime Feenwelt Irlands durch die Reise zur Moonlight Academy. Doch das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit – sehen die beiden Romane mit ihren Farbschnitten nicht auch unglaublich toll aus?

England, Irland – oder doch ein ganz anderes Setting? Wo reist Ihr literarisch gern hin?

Romance im Doppelpack | Selbstgekaufte Neuzugänge

In der letzten Zeit zogen auch diese beiden, wundervollen und selbstgekauften Bücher bei mir ein. „Cosy Secrets – Der kupferne Schlüssel“ von Franzi Kopka (Kyss by Rowohlt Polaris, Rowohlt Verlag GmbH) erreichte mich dabei mit tollen Goodies im Rahmen einer Signieraktion der Buchhandlung Graff, „Dreams of Sapphire Seas“ von Anabelle Stehl (LYX Verlag in der Bastei Lübbe AG) zog nach einem Buchhandlungsbummel bei mir ein. Beide Bücher sind dabei als Romance einzuordnen, beide Bücher spielen in ähnlichen Settings (Schottland/Irland). Ich bin schon gespannt, bin aber sehr sicher, dass mich beide Bücher verzaubern werden!

Welches Buch hat Euch zuletzt umgehauen?

[FBM2023] Messeneuzgänge – Teil 2

Auch diese beiden Bücher zogen auf der Frankfurter Buchmesse bei mir ein. „Songs of Emerald Hills“, der erste Teil der Irland-Reihe von Anabelle Stehl (LYX Verlag), ist hierbei das einzige Buch, das ich mir auf der Messe gekauft habe. „Im Takt ihrer Träume“ von Arabella Meran (Tinte & Feder, Amazon Publishing) wurde dahingegen im Rahmen einer Lesung von Seiten des Verlages als Leseexemplar bereitgestellt – vielen Dank dafür! Wien und Irland: das werden tolle, literarische Reisen! Ich freue mich schon darauf, mich mit den Protagonisten an diese Orte zu träumen.

Wohin würdet Ihr gern einmal reisen?

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Plötzlich Irland“

Vor kurzem habe ich „Plötzlich Irland“ von Veronika Lackerbauer gelesen, mittlerweile mein fünftes Buch der Autorin. Das Buch ist 2021 im Selfpublishing über BoD veröffentlicht worden und dem Genre Young-Adult-Romance zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Weil ihre Mutter einen Job in Tokio annimmt, muss die siebzehnjährige Lena für ein Jahr zu ihrem Vater ziehen, mit dem sie bislang wenig Kontakt hatte. Auf das Leben auf seiner kleinen Schaffarm an der irischen Atlantikküste hat Lena überhaupt keinen Bock. Statt dem Partyleben mit ihren Freundinnen in Berlin gehören bald schroffe Felsen, raue See und verregnete Nachmittage zu Lenas Alltag. Und was will eigentlich dieser seltsame Kerl mit seinem stinkenden Motorrad vor ihrer Tür?

„Plötzlich Irland“ ist ganz anders als die bisherigen Liebesromane, die ich von Veronika gelesen habe („Bacchus‘ Vermächtnis“ und „Arabische Nächte“), daher fiel mir auch anfangs die Genrezuordnung nicht ganz leicht. Beworben als „Feelgood-Schicksalsroman“, in der Danksagung als Ausflug in die New-Adult-Romance verortet, bin ich schlussendlich doch zur Überzeugung gelangt, dass es wirklich ein Romance-Titel ist, er doch eher aber als Young-Adult einzugruppieren ist, wofür sowohl das Alter der Protagonistin und das Lebensumfeld sprechen, als auch die Tatsache, dass bei Sexszenen ausgeblendet wird.

Das Setting ist ungewöhnlich, aber interessant und birgt bereits erstes Konfiktpotential. So ist die ländliche irische Küste zwar idyllisch und malerisch, aber eher Urlaubsziel als Wunschlebensmittelpunkt eines hippen Großstadtteens. Dabei lernt man nach und nach nicht nur die irische Landschaft, sondern auch Bräuche und Geflogenheiten der Bevölkerung kennen – und lieben. Positiv anzumerken ist hier zudem, dass die Autorin dabei nicht nur die Sonnenseiten, sondern auch die Probleme in kleinen, dörflichen Gemeinschaften beleuchtet.

Die Handlung ist – genrebedingt – teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen (und Schicksalsschlägen, von denen ich der Autorin einen immer noch übel nehme) versehen. Dabei dreht sich die Handlung um typische Young-Adult-Themen wie die erste große Liebe – oder auch Probleme mit der Familie, ohne, dass der Roman dabei den Schwerpunkt verliert und zum Schicksalsroman wird – die Liebesgeschichte bleibt stets präsent, aber auch etwas brav.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Auch die Nebencharaktere glänzen – vor allem bin ich ein großer Fan von Helen und Mrs. Merriweather. Ayden, der Love Interest, erinnert mich (als Gilmore-Girls-Liebhaber) stark an Jess, ist wild aber belesen, loyal aber unbeständig, stammt aus einem problematischen Elternhaus und vermittelt den Eindruck eines Bad Boys. Für Lena als Protagonistin hätte ich mir zudem eine Ich-Perspektive gewünscht, um noch näher an ihr zu sein, um mich noch besser einfühlen zu können.

Die Buchgestaltung ist – wie üblich – solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, das Coverbild zieht sich über den gesamten Buchumschlag und gibt so ein einheitliches Gesamtbild ab. Das Titelbild ist dabei auch typisch irisch und bietet zumindest Anklänge an die Handlung, ist aber insgesamt eher unauffällig, etwas zu harmonisch, auch durch die liebliche, aber austauschbare Gestaltung der unteren Bildhälfte.

Mein Fazit? „Plötzlich Irland“ ist eine im Wesentlichen gelungener Young-Adult-Romance, die vor allem mit einem tollen Setting und interessanten Nebencharakteren punkten kann, der aber auch etwas an Feuer fehlt. Für Leser des Genres, die gern auch ungewohnten Settings eine Chance geben, bedenkenlos zu empfehlen – ich würde lediglich das empfohlene Lesealter je nach Reife ein oder zwei Jahre hochsetzen und das Buch nicht ab 12, sondern eher ab 13/14 empfehlen.

[Buchgedanken] Olivia Mikula: „Snow Heart“

Als letztes Buch in meinem fantastischen Lesefrühling habe ich „Snow Heart“ von Olivia Mikula (Pseudonym eines österreichischen Autors) gelesen. Das Buch ist 2017 im Drachenmond Verlag erschienen und am ehesten dem Genre New-Adult Contemporary/Urban Fantasy zuzuordnen.

Die begeisterte Buchbloggerin Caspara steht kurz vor ihrem Studienabschluss. 61amy58ssil-_sx349_bo1204203200_Zusammen mit ihrer Oma Grace lebt die Studentin in Dublin. Seit Geburt besitzt sie als wiedergeborene Schneefrau magische Kräfte, doch der Einsatz dieser führt unweigerlich zu ihrem Tod. Als der Austauschstudent Wyatt in Casparas Leben tritt, ändert sich dieses schlagartig. In einem Kampf auf Leben und Tod, der nicht nur sie sondern auch ganz Dublin einschließt, muss sich Caspara ihren Feinden – und ihren Kräften stellen. Doch welche Rolle spielt Wyatt in diesem Kampf. Und vor allem, auf wessen Seite steht er?

„Snow Heart“ ist ein kompromissloser Roman. Sowohl was die Sprache, als auch was die Handlung angeht – vielleicht einmal vom Ende abgesehen. Ohne Rücksicht auf Verluste zieht der Autor eine Schneise der Verwüstung durch das malerische Dublin – eine überraschende und willkommene Abwechslung, hätte ich nach Cover und Klappentext doch eher erneut einen klassischen Young-Adult-Fantasyroman erwartet (liegt vielleicht aber auch an der Vielzahl dieser Titel, die ich in letzter Zeit gelesen habe).

Die Handlung des Romans überzeugt mit vielen, unerwarteten Wendungen und hält den Spannungsbogen die ganze Zeit aufrecht. Auch wenn die Desillusionaten mit ihren weißen Krawatten sehr an die Cleaner von Charmed erinnern (vielleicht ja eine Hommage?), punktet der Roman mit seinem Setting insgesamt. Ich hätte mir zwar etwas mehr Entschleunigung, etwas mehr Erklärungen gewünscht, aber alles in allem kann ich auch gut damit leben, dass diese dem stetig eskalierenden Schlagabtausch geopfert wurden. Aus meiner Sicht passt das Ende jedoch nicht ganz zur Grundstimmung des Romans und wirkt daher leicht deplatziert.

Die Charaktere des Romans werden auch in den – zugegebenermaßen wenigen – Nebenfiguren plastisch gestaltet. Egal ob Grace oder Amy, der Leser kann sich sofort ein Bild von ihnen machen. Die Protagonisten entwickeln sich während der Handlung stetig weiter. Gerade aufgrund ihrer fehlenden Perfektion kann sich der Leser gut mit ihnen identifizieren. Die Bindung zu Caspara wird auch dadurch gefördert, dass der Roman aus der Ich-Perspektive geschrieben worden ist. Auf die zusätzliche, im zweiten Teil des Romans eingestreute, weitere Ich-Perspektive hätte ich jedoch gut verzichten können.

Der Schreibstil des Autors ist teils drastisch, aber dem Genre angepasst und lässt sich gut lesen. Auch die Balance zwischen der Haupthandlung und der Liebesgeschichte ist gut eingehalten, und die gelegentlich eingestreuten erotischen Szenen niveauvoll dargestellt worden.

Das Cover ist gelungen und wurde von Covergott Alexander Kopainski erstellt, das Lektorat ist von Isabell Schmitt-Egner durchgeführt worden. Leichte Defizite gibt es im Korrektorat (Michaela Retetzki), da hier doch einige Fehler durchgerutscht sind. Der Buchsatz und das Seitendesign sind erneut wunderschön geworden – daher hier auch mal das Lob an Marlena Anders (Satz) und So Lil’art (Rahmenillustration).

Mein Fazit? „Snow Heart“ ist ein gelungener Roman, der vor allem mit dem irischen Setting und einer spannenden Handlung punkten kann. Man kann sich gut mit den Charakteren identifizieren. Für New-Adult und Fantasyliebhaber bedenkenlos zu empfehlen. Leseempfehlung ab 16 Jahren.