[Buchgedanken] Antje Leser: „Lost in the Wild“

Und auch dieses Buch habe ich vor kurzem gelesen. „Lost in the Wild“ von Antje Leser ist 2025 bei Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und als Survivalthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Endlich Abi! Mit einem Trip in die Berge wollt ihr das feiern. Doch schon am ersten Tag geratet ihr in einen Bergrutsch. Einer von euch verletzt sich schwer. Ohne Ausrüstung und ohne Kontakt zur Außenwelt kämpft ihr ums Überleben. Als ihr auf Prepper beim Survivaltraining trefft, scheint plötzlich Rettung in Sicht. Ihr denkt, das Schlimmste sei vorbei, aber ist es das wirklich?

„Lost in the Wild“ ist mein erster Roman der Kinder- und Jugendbuchautorin Antje Leser. Und während die Vita der Autorin – und auch der genretypische Verlag – hier eine klare Kategorisierung des Buches suggerieren, lässt es sich gar nicht so leicht einordnen. Denn der Survivalthriller balanciert auf der Grenze zwischen Jugendbuch und Werken für – zumindest – junge Erwachsene. Um mich hier nicht genau festzulegen, habe ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als Survivalthriller belassen, von der Altersempfehlung des Verlags (ab 14 Jahren) sollte aber definitiv nicht nach unten abgewichen werden.

Denn die Handlung ist nicht nur spannend und abwechslungsreich, sondern auch schonungslos brutal – die Content-Warnung kann hier durchaus ernst genommen werden. Dabei kommt die Handlung relativ langsam in Schwung – auch die sehr häufigen Perspektivwechsel irritieren hier und sorgen für Startschwierigkeiten. Und auch das Ende vermag nicht vollends zu überzeugen, dazwischen entspannt sich aber ein durchaus rasanter und intensiver Thriller, der für einiges entschädigt.

Das Setting ist – größtenteils – gelungen. So nimmt die Autorin die Leser:innen mit auf eine einsame Bergwanderung – und in ein eskalierendes und teils abstruses Survivalseminar. Und wenn auch kleinere Fragen bezüglich des Berges, der Ortschaften etc. offen bleiben, ist es vor allem die schiere Fülle an sonstigen Themen, die mit in den Roman gepackt werden und diesen etwas überfrachten – von dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine bis hin zur Corona-Pandemie, der Ahrtal-Flutkatastrophe, Veganismus, Klimawandel, Queerfeindlichkeit, Reichsbürgertum – und das ist sicherlich keine abschließende Aufzählung. Eine stärkere Konzentration auf einige handlungstreibende Motive wäre hier sicherlich förderlich gewesen.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der Vielzahl an Personen einige nicht vollends ausgearbeitet sind. Hierbei überzeugen insbesondere Fabio, Daria und Sascha, während Timo, Ilona und Ragnar nicht immer nachvollziehbar handeln. Antje Lesers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, teils wirkt die gelegentlich eingestreute Jugendsprache aber etwas gezwungen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen, Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist genretypisch und setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, die Typografie des Titels ist allerdings gewöhnungsbedürftig, genau wie der Klappentext, der die Leser direkt anspricht und zum Teil der Handlung macht – etwas, das das Buch allerdings nicht fortsetzt.

Mein Fazit? „Lost in the Wild“ ist ein durchaus spannender und abwechslungsreicher Survivalthriller, der allerdings etwas überlastet ist und durchaus kleinere Schwächen aufweist, dennoch aber viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – allerdings definitiv nicht unter der Alterseinschätzung des Verlags von mindestens 14 Jahren.

Von kleinen und großen Helden | Lovelybooks-Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist dabei das Debüt von Mirjam Raymond (Fischer Sauerländer, S. Fischer Verlage) mit Illustrationen von Maja Bohn, während „Jella Lepman und ihre Bibliothek der Träume“ das neue illustrierte Kinderbuch von Katherine Paterson (NordSüd Verlag) ist – für die Übersetzung zeichnet Alexandra Rak verantwortlich, die Illustrationen stammen aus der Feder von Sally Deng. Beide Bücher erzählen dabei die fiktiven oder realen Geschichten von Held:innen, die das Leben eines oder ganz vieler Menschen ändern. Ich bin auf die Bücher schon sehr gespannt und freue mich schon darauf, in die Geschichten einzutauchen.

Mögt Ihr Illustrationen in oder zu Büchern?

Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Lost in the Wild“ von Antje Leser (Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH) ist dabei ein Survivalthriller für Leser:innen ab 14 Jahren, während „Was früher blüht, ist länger tot“ von Karen Finch (ein Pseudonym von Karin Uhlig – wie auch bereits Karina Ewald und Carine Bernard) aus der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH ein typisch britischer Krimi ist, der mit skurrilen Situationen und humorvollen Figuren aufwarten soll. Ich bin auf beide Romane jedenfalls schon unglaublich gespannt!

Mögt Ihr eher Cosy Crime oder sollte es für Euch schon richtig blutig zugehen?

Jugendbuchliebe | Doppelte Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Was hast du nur getan?“ von Alexandra Kui aus dem cbj Kinder- und Jugendbuchverlag (Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) ist dabei als Jugendthriller einzuordnen, während „43 Gründe, warum es aus ist“ von Daniel Handler (Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG) ein von Maira Kalman illustriertes und von Birgitt Kollmann übersetztes Jugendbuch ist, das anhand von 43 Objekten eine schnelle, intensive Liebesbeziehung nachzeichnet. Als riesengroßer Jugendbuchfan bin ich auf beide Romane daher schon sehr gespannt – und kann es kaum erwarten, in die Geschichten der Protagonist:innen einzutauchen.

Welches Jugendbuch hat Euch durch Eure Kindheit begleitet?

[Buchgedanken] Michaela Thewes: „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ (Charly und Noah 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ von Michaela Thewes gelesen. Der Roman ist 2024 bei One in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie aufgeregt ich bin! Sina, eine Freundin von früher, soll für eine Weile bei uns wohnen und in meine Klasse gehen. Das wird bestimmt cool – habe ich gedacht. Aber irgendwie ist diese Sina ganz anders als in meiner Erinnerung. Sie sieht aus wie ein Rockstar und verhält sich total feindselig. Ich weiß, dass sie im Moment ’ne Menge durchmacht, also versuche ich, ihr den Neustart zu erleichtern. Mein Freund Noah hilft mir dabei. Er nimmt sogar mit Sina an einem Graffitiprojekt teil … und irgendwie verbringen sie super viel Zeit miteinander. Noah versteht nicht, warum ich das echt ätzend finde. Und auf einmal verbreitet auch noch jemand an der Schule fiese Gerüchte über mich. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Sina dahintersteckt, die mir Noah ausspannen will – oder?

„Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ ist nach „Mein Sommer voller Flips und Flops“ der zweite Band der Buchreihe um Charly, Noah und deren gemeinsame Freunde. Dabei lässt sich der Roman relativ einfach als Jugendbuch einordnen, auch eine Zuordnung ins Genre Teen Romance wäre gleichsam möglich. Über die komplette Buchreihe hinweg könnte man zudem über eine Eingruppierung als Coming-of-Age nachdenken, dafür fehlt mir aber etwas der langfristige Blick, etwas die kontinuierliche Entwicklung, sodass ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als Jugendbuch belassen habe. Empfohlen wird der Roman dabei seitens des Verlages für Leser:innen ab 12 Jahren.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, teils aber auch vorhersehbar. So reichert Michaela Thewes die Geschichte um die erste große Liebe mit anderen, jugendtypischen und altersgerechten Problemen an wie Mobbing, familiäre Streitigkeiten und mangelndes Selbstwertgefühl und mischt das ganze mit Romance-typischen Tropes, z.B. „Forced Proximity“ und „Friends to Enemies to Friends“ (ausnahmsweise mal keine Lover). Dabei erlaubt es die Handlung, das Buch als Standalone zu lesen – das habe ich auch getan, ohne allzu viel zu vermissen. Für ein runderes Gesamtbild empfiehlt es sich aber sicherlich, vor diesem Band auch den ersten Teil zu lesen.

Das Setting ist relativ austauschbar, für die Geschichte aber auch eher unwichtig. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in eine – gefühlt – kleine bis mittelgroße Stadt, die lediglich namenlose Kulisse für das persönliche Drama der Protagonist:innen ist und dafür lediglich ein Gymnasium, ein Eiscafé, eine Pizzeria und einige weitere, versprengte Handlungsorte aufweisen muss. Etwas Lokalkolorit, eine genauere Verortung hätte zwar die Handlung nicht weiter vorangebracht, aber ihr vielleicht noch einen stärkeren, authentischen Flair verleihen können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Trotz der relativ kurzen Auftritte haben mich Emma und Anna besonders überzeugt, auch Nele und Sina können größtenteils glänzen, während insbesondere Charly nicht immer nachvollziehbar handelt – und mir gerade am Ende von nahezu allen Charakteren etwas Einsicht und Größe fehlt, sind ihre Aktionen doch durchaus problematisch. Der Schreibstil von Michaela Thewes lässt sich jedoch leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils aber zu bemüht jugendsprachlich durchsetzt.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist schön anzusehen und versucht sogar, die Chatnachrichten innovativ zu setzen – auch wenn hier sicherlich noch mehr rauszuholen gewesen wäre. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Gesamteindruck, ist dabei jedoch recht eintönig – und die Darstellung der Protagonistin Ton in Ton mit dem Hintergrund irritiert zudem.

Mein Fazit? „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ ist ein durchaus abwechslungsreiches und berührendes, teils humorvolles Jugendbuch, das – wie das Leben selbst – aber auch nicht perfekt ist und kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Patricia Schröder: „Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ (Hannah 2)

Vor kurzem habe ich auch „Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ von Patricia Schröder gelesen. Das Buch ist 2024 im KARIBU Verlag in der Edel Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Jugendbuch für Leser:innen ab 10 Jahren einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hannah hat von Jungs echt die Nase voll! Sie kann nicht verstehen, wieso Elias seit ihrem letzten Treffen nicht mehr durch den Schrank zu ihr gereist ist. Dabei hatte sie gerade angefangen, ihn irgendwie zu mögen. Dann eben nicht! Auch Hannahs beste Freundinnen sind keine Hilfe, denn sie denken, dass Elias nur ausgedacht ist und Hannah eigentlich nur einen Freund will. Und natürlich taucht Elias gerade dann wieder auf, als Hannah Hals über Kopf im Chaos steckt. Wie soll sie ihm nur erklären, dass er ihr ganz und gar nicht egal ist?

„Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ ist nach „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ der zweite und wohl abschließende Band der Reihe um Hannah, Elias und das Schrankreisen. Den Vorgänger habe ich ja noch als phantastisches Jugendbuch bezeichnet, dieses Mal habe ich es – auch auf Anregung der Autorin – bei der allgemeinen Kategorisierung als „Jugendbuch“ belassen, auch wenn dieses vom Verlag selbst als „magisch“ beworben wird – der phantastische Anteil/Twist bleibt weiterhin unleugbar. Auch finde ich es weiterhin schade, dass der Verlag auch diesen Band „für Mädchen ab 10“ empfiehlt – hier hat man die Chance vertan, die fehlende Ansprache an jugendliche Leser zu korrigieren, obwohl viele Jungen sich sicherlich gut mit Elias und dessen Schüchternheit identifizieren könnten.

Die Handlung hingegen vermag auch weiterhin zu überzeugen, bleibt abwechslungsreich und spannend, wenn auch in diesem Teil der innovative Aspekt bereits bekannt ist und daher etwas die Überraschung fehlt. Dabei setzt die Handlung relativ zeitnah nach Ende des ersten Bandes ein und spannt den Bogen nahtlos fort, bleibt altersgerecht und spricht jugendtypische Probleme an – dieses Mal vor allem Konflikte innerhalb der Freundschaft. Hierbei bleiben die Konflikte – trotz aller Tränen – weiterhin in einem Bereich, der das Feel-Good-Leseerlebnis nie erheblich schmälert, dafür sorgen auch die insbesondere durch Lilly und Karlchen eingestreuten humorvollen Szenen. Auch das Ende fügt sich organisch in die Handlung ein, ist hierbei aber fast zu kitschig rosarot.

Das Setting bleibt weiterhin etwas austauschbar, so entführt die Autorin die Leser:innen nach Hamburg, nach München und auf ein Hausboot, wobei die Städte bloße Kulisse sind und der Roman auch in allen anderen, weit auseinanderliegenden Orten hätte spielen können. Auch fehlt mir weiterhin ein schlüssiges Konzept für den magischen Twist, wenn auch einige Erklärungsansätze zumindest geliefert werden.

Die einzelnen Figuren werden konsequent weiterentwickelt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Gefühle. Hierbei brilliert Lilly als heimlicher Star des Buches, aber auch Elif und – mit kleinen Abstrichen – Elias können durchaus überzeugen, während Hannah nicht immer nachvollziehbar handelt. Patricia Schröders Schreibstil lässt sich dahingegen weiterhin leicht und flüssig lesen, ist humorvoll und altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls im Wesentlichen glänzen. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht – und über die Häufigkeit der Worte „Käfigklappenklackgeräusch“ und „Staubsaugerkabeleinziehgeräusch“ kann man phasenweise auch reden. Der Buchsatz ist fehlerfrei und setzt gerade die Kapitelanfänge wunderschön, die Chatnachrichten hätten jedoch innovativer abgebildet werden können. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Jungs braucht echt keiner! … und trotzdem klopft das blöde Herz“ ist eine gelungene Fortsetzung des ersten Bandes, die vor allem mit der Weiterentwicklung der Charaktere und einer starken Prise Humor punktet, dabei aber weiterhin auch kleinere Schwächen besitzt. Für Leser:innen (jedes Geschlechts) ab 10 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kevin Panetta: „Bloom“ (Bloom 1)

Vor kurzem habe ich auch „Bloom“ von Kevin Panetta gelesen. Die Graphic Novel ist 2024 im One Verlag in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien unter gleichem Titel 2019 bei First Second Books. Die Illustrationen stammen aus der Feder von Savanna Ganucheau, für die Übersetzung zeichnet Linde Müller-Siepen verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Die Highschool neigt sich dem Ende zu, und Ari kann es kaum erwarten, mit seiner Band in die Großstadt zu ziehen und durchzustarten – falls er seinen Dad davon überzeugen kann, dass er nicht länger in der Bäckerei der Familie gebraucht wird. Als Kind liebte Ari es, dort auszuhelfen – doch ein Leben lang zwischen Hefeteig und Spritzgebäck verbringen? Das ist nichts für ihn. Auf der Suche nach einem würdigen Ersatz trifft Ari auf Hector. Der ist ein gutmütiger Typ, für den Backen eine echte Leidenschaft ist. Nach und nach kommen sich die beiden näher, und es knistert gewaltig zwischen ihnen. Doch dann passiert etwas, dass die zarten Knospen ihrer Liebe zu zerstören droht …

„Bloom“ ist der erste Band der Buchreihe um Ari und Hector – und lässt sich natürlich als Graphic Novel relativ schnell zuordnen. „Bloom“ ist aber auch als Roman über die erste Liebe definitiv ein (queeres) Jugendbuch für Leser:innen ab 12, ist Coming-of-Age und Teen Romance gleichermaßen. Dennoch habe ich es der Einfachheit halber bei der reinen Kategorisierung als Graphic Novel belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber genrebedingt auch vorhersehbar. Kevin Panetta mischt hierbei in die Liebesgeschichte jugendtypische Themen wie die Abkapselung von der Familie, Gruppenzwang, (toxische) Freundschaft und Zukunftsängste mit ein und sorgt so für ein Gesamtkonstrukt, in dem sich viele Leser:innen mit ihren Problemen auch wiederfinden können. Dabei endet der Roman durchaus offen, aber mit einem insgesamt runden Ende, das eine gute Grundlage für einen Folgeband bildet.

Savanna Ganucheaus Illustrationen sind in Türkis-/Blautönen gehalten und unterstützen die Handlung nicht nur, sondern „schreiben“ sie weiter. Dabei sind insbesondere die ganzseitigen Backszenen wunderschön und liebevoll gezeichnet und sorgen zusammen mit den anderen, ganzseitigen Illustrationen für optische Glanzlichter. Interessant und schön sind auch die am Ende gezeigten Entwürfe und Probeseiten, die einen Eindruck in die Entwicklung des Zeichenstils ermöglichen.

Insgesamt wirken die Illustrationen und der Text gut zusammen und schaffen eine altersgerechte Erzählung über die erste Liebe, auch Kevin Panettas Schreibstil lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen und passt sich authentisch der Zielgruppe an. Die einzelnen Figuren sind dabei durchaus vielschichtig angelegt und haben Stärken und Schwächen. Hierbei brilliert insbesondere Hanna, während Hector noch etwas blass verbleibt und in einem Folgeband mit etwas mehr Hintergrund unterfüttert werden könnte.

Die Buchgestaltung überzeugt natürlich auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Texte und Bilder zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich auf dem Buchrücken fort, wird dort aber irritierenderweise zur Coverrückseite hin unterbrochen – schade. Dabei kann das Covermotiv durchaus überzeugen und greift in der Farbgebung schon den späteren Zeichenstil innerhalb des Buches auf.

Mein Fazit? „Bloom“ ist eine berührende Graphic Novel über die erste Liebe, die vor allem mit ihren Illustrationen glänzen kann, teils aber auch etwas vorhersehbar verbleibt und in der Charakterentwicklung noch Potential für die Folgebände bietet. Für Leser:innen ab 12 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Von neuen Gefühlen und alten Ideologien | Rezensionsexemplare im Doppelpack

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare – vielen Dank dafür! „Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld“ von Kai Bliesener (Emons Verlag GmbH) kam dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Mein Herbst voller Küsse, Chaos und Graffiti“ von Michaela Thewes (One Verlag in der Bastei Lübbe AG) über die verlagseigene Bloggerjury. Dabei könnten die Romane kaum unterschiedlicher sein. Während Kai Blieseners historischer Kriminalroman ein wenig beleuchtetes Kapitel Stuttgarter Nachkriegsgeschichte ins Rampenlicht rückt, setzt Michaela Thewes‘ Jugendbuch die Geschichte um Charly und Noah fort – Liebeswirbel und Herzflattern inklusive. Ich bin auf beide gleichermaßen gespannt!

Zu welchem Genre greift Ihr am häufigsten, wenn Ihr nach neuen Büchern sucht?

Science Fiction im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden Romane als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Vergiftete Erlösung“ von Martin Sollert (erschienen im Selfpublishing) ist dabei ein dystopischer Science Fiction Roman mit apokalyptischem Setting, „Bea & Nyx – Der Baum zwischen den Zeiten“ von Kate Gordon und Rebecca Lim (Edition Michael Fischer GmbH) ein Jugendbuch, das ebenfalls in einer dystopischen Zukunft spielt. Ich bin schon ganz auf die verschiedenen Ansätze der Gestaltung der Zukunft gespannt.

Welchen dystopischen Roman habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Frauke Angel: „Neue Heimat – 1404“ (Neue Heimat 1)

Vor kurzem habe ich auch „Neue Heimat – 1404“ von Frauke Angel gelesen. Das Buch ist 2024 in der Tulipan Verlag GmbH (mittlerweile Teil der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) erschienen und dem Genre Kinder- bzw. Jugendkrimi zuzuordnen, die Illustrationen stammen von Stephanie Brittnacher. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Enna tickt ein bisschen anders. Im Moment vor allem anders als ihre Mutter Stella, mit der sie Hals über Kopf aus dem gutbürgerlichen Stadtviertel in den 14. Stock einer Hochhaussiedlung umzieht. Während die erschöpfte Stella die neue Wohngegend als Ghetto bezeichnet, wittert Enna ihre Chance: Auf einen aufregenden Neuanfang, auf neue Freunde! Doch als gleich in der ersten Woche Ennas nagelneues Rad aus dem Fahrradraum geklaut wird, scheinen Stellas Vorurteile bestätigt und Enna sieht ihr neues Leben in Gefahr. Sie beschließt, den Dieb auf eigene Faust zu schnappen. Und sie bleibt mit ihrem Vorhaben nicht lange allein: Mit Vivien, Firuz und den Zwillingen Jack und Joy, die alle im selben Turm wohnen, gründet sie eine Bande, die sie nach der Hochhaussiedlung „Neue Heimat“ nennen – und gemeinsam machen sie sich auf die turbulente Spurensuche.

„Neue Heimat – 1404“ ist der Auftaktband einer Reihe an Kinder- bzw. Jugendbüchern für Leser:innen ab 11 Jahren. Dabei habe ich den Roman aufgrund der zentralen Bedeutung des Diebstahls für die Handlung als Kinder- bzw. Jugendkrimi eingeordnet, ob sich dies allerdings durch die Reihe durchzieht oder im weiteren Verlauf sich die Folgebände doch eher in Richtung klassisches Jugendbuch entwickeln, bleibt jedoch abzuwarten. Aufgrund der Altersempfehlung für die Leser:innen und des Alters der Protagonisten balanciert das Buch zudem direkt an der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch, sodass ich hier keine genaue Festlegung getroffen habe.

Die Handlung ist im Wesentlichen spannend, humorvoll und altersgerecht. Während sie zu Beginn durchaus etwas hektisch und aufgrund der Einführung der Protagonist:innen teils unübersichtlich ist, nimmt sie im Verlauf doch an Fahrt auf. Lediglich das Ende kommt etwas komplikationslos und rasch daher, auch für die Zielgruppe hätte es hier ein paar Stolpersteine auf dem Weg zum Ziel mehr geben können.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin die Leser:innen in eine Hochhaussiedlung an der Grenze zum sozialen Brennpunkt. Dabei vermengt Frauke Angel dort Themen wie Migration, psychische Erkrankungen, Alkoholismus und die Vernachlässigung von Kindern (um nur einige zu nennen) zu einem interessanten Gesamtpaket – auch wenn einige der angelegten Probleme als etwas zu gewollt erscheinen.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der schieren Fülle noch etwas schematisch angelegt, können sich im Laufe der nächsten Bände aber noch entwickeln. Dabei überzeugen derzeit vor allem wichtige Nebencharaktere wie die Zwillinge Jack und Joy oder auch Cleo. Frauke Angels Schreibstil ist zudem altersgerecht, lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls im Wesentlichen gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wunderschön anzusehen, versucht durchaus innovativ Chatnachrichten einzubauen und wird durch die tollen Illustrationen von Stephanie Brittnacher unterstützt. Das Hardcover ist mit in Graustufen gestalteten Coverinnenseiten ausgestattet, das Covermotiv bietet (auch auf der Coverrückseite) farblich tolle Akzente, ist insgesamt für mich allerdings etwas zu düster und zu abstrakt gehalten.

Mein Fazit? „Neue Heimat – 1404“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine Buchreihe, die wichtige Themen anspricht und mit tollen Charakteren punktet, aber auch noch etwas Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgesehenen Lesealter von 11 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.