In den letzten Tagen habe ich auch „Die Wächterin von Köln“ von Petra Schier gelesen. Das Buch ist 2024 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Köln 1396/97: Elsbeth ist naiv und liebreizend, als sie mit sechzehn Jahren beginnt, im Bordell „Zur schönen Frau“ zu arbeiten. Bald darauf wird einer ihrer Freier, der Ratsherr van Kneyart, vergiftet aufgefunden, und sie gerät ins Visier der Obrigkeit. Auch ihr Halbbruder wird auf sie aufmerksam und bewahrt sie vor dem Galgen. Die beiden werden Vertraute, und mit der Hilfe von Elsbeth, die für ihn im Dirnenhaus Informationen sammelt, wird er zum mächtigsten Mann Kölns und Elsbeth zur geschickten Drahtzieherin der Unterwelt. Der junge Henker Johannes ist zunächst nicht begeistert von ihren mutigen Forderungen und ihrer fehlenden Demut. Schon bald aber entflammen unerwartet Gefühle zwischen den beiden. Als ein grausamer Mord geschieht, müssen die beiden gemeinsam verhindern, dass es zu einer falschen Verurteilung kommt.
„Die Wächterin von Köln“ ist nicht mein erster historischer Roman von Petra Schier, aber der erste aus der – von mir vereinfacht so benannten – „Köln-Saga“, zu der auch „Mord im Dirnenhaus“ und die „Lombarden“-Trilogie gehören, gibt es doch vielfach Überschneidungen zwischen den Romanen. Dabei lässt sich dieser Roman durchaus als Standalone lesen, die vielen Querverbindungen würden aber mit der Lektüre der anderen Bände vorab ein noch intensiveres Leseerlebnis ermöglichen. Relativ einfach lässt sich der Roman zudem als historischer Roman einordnen, auch wenn zuweilen auch das Gefühl eines historischen Kriminalromans oder -Thrillers aufkommt.
Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei wird diese in zwei Erzählebenen erzählt, der erzählerischen Gegenwart sowie der Vergangenheit von Elsbeth, die in Rückblenden aufgearbeitet wird, die sich immer stärker der eigentlichen Handlung annähern. Leider treten anfangs die Rückblenden gehäuft auf, sodass die Stringenz der Geschichte doch stark unterbrochen wird und sie nur langsam ins Rollen kommt – zulasten auch späterer, größerer Zeitsprünge in der eigentlichen Erzählung. Aber abgesehen davon entwickelt sich der Roman gerade in der zweiten Hälfte durchaus zum Pageturner.
Das – ungewohnte – Setting kann hier vor allem brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Köln des (größtenteils) 15. Jahrhunderts. Die Schauplätze reichen dabei vom mittelalterlichen Dirnenhaus als zentralem Anlaufpunkt des Romans bis hin zu verwunschenen Mausoleen und ungenutzten Kapellen. Petra Schier zeigt hierbei in aller Deutlichkeit die Arbeit der Hübschlerinnen, ihre Arbeitsbedingungen und die Probleme, mit denen sie sich – wie alle anderen unehrlichen Berufe – im Alltag herumschlagen mussten, die Recherche scheint allumfassend. Erstaunlicherweise (also im Hinblick auf das Genre, nicht auf das Setting) ist das Buch daher auch mit unzähligen Sexszenen durchzogen, insbesondere in den Rückblenden.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Fokussierung der Erzählperspektive auf Elsbeth kommen andere Charaktere teils etwas kurz – sehr gern hätte ich auch mehr von Aleydis erfahren, die durchaus einen unglaublich spannenden Eindruck macht, während Elsbeth teils doch übertrieben agiert, im Allgemeinen aber durchaus Sympathien erweckt. Petra Schiers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, die Waage hat hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit im Vergleich zur sprachlich-historischen Authentizität ausgeschlagen, auch das Mundartliche ist nur sehr selten eingestreut.
Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen, die Geschichte wird mit einer Karte, einer fast zu umfangreichen Dramatis Personae und einem ebenfalls sehr umfangreichen Nachwort abgerundet. Das Covermotiv zieht sich über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so einen tollen Gesamteindruck, insgesamt ist der Umschlag aber genretypisch und kein wirklicher Eyecatcher.
Mein Fazit? „Die Wächterin von Köln“ ist ein spannender und thematisch ungewöhnlicher, historischer Roman mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von nicht unter 16 Jahren.








































Gestern war es wieder soweit, Blogger, Verlage und Autoren trafen sich zur alljährlichen LitBlog-Convention in den Verlagsräumen der Bastei Lübbe AG. Ich war in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge dabei – und wenn die Verlage diese Tradition fortsetzen, sicherlich auch nicht zum letzten Mal :). Vielen Dank an die Bastei Lübbe AG, Kiepenheuer & Witsch, DuMont Kalenderverlag, Diogenes, Droemer Knaur und alle Autoren und Sponsoren für das gelungene Event.
Nach der Begrüßung startete ich mit einem kulturellen Programmpunkt in den Tag. Unter dem Motto „Fauser. Lesen. Jetzt.“ stellte der Diogenes Verlag seine neue Hardcover-Reihe der Romane von Jörg Fauser vor – die ersten drei Teile der Serie erscheinen in der nächsten Woche. Neben einigen wissenswerten Informationen über den Autor gab es vor allem auch Einblicke in die Rezeption seiner Werke – sowohl zur heutigen als auch zur damaligen Zeit.
Nicht minder spannend – aber gänzlich anders – war die zweite Veranstaltung am Vormittag. Für den Verlag One by Bastei Lübbe stellte Kira Licht den ersten Band ihrer „Gold & Schatten“-Dilogie vor, eine Buchreihe, die geschickt mythologische Götter-Elemente verknüpft und in die heutige Zeit transportiert. Ich schleiche schon lange um das Buch herum – da Kira auch noch auf der Loveletter Convention in Berlin sein wird, werde ich mir wohl spätestens dort, oder im Anschluss dann das Buch zulegen. Schließlich habe ich mit One-Autoren, die ich im Rahmen der LitBlog-Convention kennengelernt habe, nur gute Erfahrungen gemacht (Caroline Brinkmann!).
Im Anschluss war bereits Mittagspause. Kleine Snacks, Getränke und Muffins – letztere gesponsort von Bookfest und von der Frankfurter Buchmesse – versüßten die Wartezeit bis zu den nächsten Veranstaltungen. In diesem Jahr gab es auch zum ersten Mal in den Pausen ein Glücksrad – an dem ich prompt eine Tasse von DuMont und einen Hauptgewinn gewann. Ich bin schon ganz gespannt, wann ich von den Verlagen bezüglich des Gewinns kontaktiert werde – und wer weiß, vielleicht ist da ja auch was für eine Verlosung dabei :D.
Nach der Pause ging es zu einem meiner Lieblingsverlage. Für Lyx in der Bastei Lübbe AG plauderte April Dawson mit ihrer Lektorin, erzählte aus ihrem Alltag, ihrem Schreibprozess und ihrer Liebe zu Büchern und Bookstagram. Auch April sehe ich in Berlin zur Loveletter Convention wieder – und da ich mir im Anschluss an die Buchvorstellung direkt ihren Sensationserfolg „Up all Night“ mitnahm und signieren ließ, gelingt es mir vielleicht, diesen bis dahin sogar noch zu lesen.
Meine letzte Veranstaltung (bevor ich einen Slot aussetzte, um das Bundesliga-Finale live mitzuerleben) war eine Buchpräsentation von Diogenes mit der Autorin Katrine Engberg, deren zweiter Kopenhagen-Krimi dort als Hardcover erschienen ist. Neben dem Buch, das allen Besuchern in der Convention-Bag – die dieses Mal überragend gut gefüllt war und neben vier! Büchern noch ein kleines Notizbuch, einen Kalender, Tee, Kekse, Bonbons und Goodies enthielt – überreicht wurde, verteilte der Verlag auch noch den ersten Band als Taschenbuch, sodass ich mir im Anschluss die komplette Krimi-Reihe von der dänischen Autorin signieren lassen konnte.
Essen und Getränken konnte man den Tag noch etwas Revue passieren lassen, bevor sich dann nach und nach die Verlagshallen leerten. Eine gelungene Veranstaltung – ein toller Tag. Ich würde mich freuen, wenn ich im nächsten Jahr wieder dabei sein kann. Natürlich möchte ich Euch auch meine „Ausbeute“ des Tages nicht vorenthalten.