[Buchgedanken] Christina Rey: „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ (Das endlose Land 1)

Vor kurzem habe ich „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ von Christina Rey gelesen, den ersten Band ihrer neuen Reihe „Das endlose Land“. Das Buch ist 2022 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines unverkäuflichen Leseexemplars zur Rezension über die Bloggerjury.

1910. Auf einer Safari in Kenia verliebt sich die junge Ivory in dieses Land und seine Tier- und Pflanzenwelt – und in den Großwildjäger Adrian Edgecumbe. Sie hofft, dass er sein blutiges Geschäft für sie aufgeben wird, doch Adrian ist Abenteurer durch und durch. Ivy ahnt bald nach der Hochzeit, dass sie nur eine Trophäe für ihn ist. Als Adrian im Krieg als vermisst gemeldet wird, nimmt Ivy die Geschicke der Farm in ihre eigene Hand. Statt der Großwildsafaris bietet sie Fotoaufnahmen und Beobachtungen von Tieren an. Bei der Verwaltung des Landes geht sie mutige Wege, die vielfach auf Ablehnung stoßen. Entschlossen kämpft sie für ihre Ziele und verliert dabei auch ihr Herz. Aber kann und darf sie aus einer engen Verbundenheit Liebe werden lassen?

„Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ ist der Beginn der Familiensaga um Ivory Parkland Rowe, die es aus Großbritannien nach Afrika verschlägt. Das Buch lässt sich dabei durchaus als Standalone lesen, da die wesentlichen Handlungsstränge des Romans aufgelöst werden und die Geschichte nicht in einem allzu brutalen Cliffhanger endet. Dennoch verbleibt auch genug Potential, um die Erlebnisse von Ivory weiter zu erzählen.

Die Handlung generell ist kurzweilig, wenn auch teils vorhersehbar. Christina Rey mischt dabei Themen wie Großwildjagd, Kolonianismus und Rassismus – natürlich vor dem historischen Hintergrund – ohne allzu belehrend zu werden zu einem durchaus gesellschaftskritischen Potpourri, das teils auch heute noch Aktualität besitzt. Kurzzeitige Längen, gerade zu Beginn des Buches, lassen sich hierbei gut verschmerzen.

Denn das Buch lebt von seinem brillanten Setting. Die Autorin zeigt die Gegensätze zwischen der britischen Upper Class und dem kolonialisierten Afrika und vermag dabei die Irrwitzigkeit des Versuchs, den gewohnten Lebensstil auf dem fremden Kontinent zu implementieren, gut für den Leser zu transportieren. Der Schreibstil von Christina Rey lässt sich hierbei leicht und flüssig lesen, ist authentisch und zeugt von ordentlicher Recherche.

Die einzelnen Figuren sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Schwester Margaret sowie Susan und Peter Derringer, während Adrian etwas blass bleibt. Auch bei Ivory besteht noch Entwicklungspotential, das hoffentlich im nächsten Band dann besser ausgereizt wird.

DIe Buchgestaltung ist – soweit im Leseexemplar beurteilbar – gelungen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, aber auch unscheinbar und konservativ. Der Buchumschlag hingegen ist sehr edel, mindestens mal auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich, lässt aber etwas den Bezug zur Handlung vermissen und wirkt etwas künstlich.

Mein Fazit? „Ein kleines Stück von Afrika – Aufbruch“ ist ein gelungener Start in die Familiensaga, der vor allem durch sein Setting brilliert, aber auch kleinere Längen und noch Entwicklungspotential bei den Protagonisten besitzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – mindestens mal ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16, vielleicht auch ein oder zwei Jahre früher.

[Buchgedanken] Alex Beer: „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ (Felix Blom 1)

Vor kurzem habe ich „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ gelesen, den ersten Band der neuen Reihe von Alex Beer. Der Roman ist 2022 bei Limes in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Kirminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines unkorrigierten Vorableseexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Berlin, 1878: Der Gauner Felix Blom wird nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Doch in Freiheit ist nichts mehr so, wie es mal war: Sein Hab und Gut gepfändet, seine Verlobte ist mit jemand Neuem liiert. Alle Versuche, an Geld oder Arbeit zu kommen, scheitern. Aber dann hat Blom eine geniale Idee: Warum sich nicht mit der neuen Nachbarin zusammentun? Die ehemalige Prostituierte Mathilde führt eine Privatdetektei, allerdings sind die Aufträge rar, da man ihr als Frau diese Arbeit nicht zutraut. Ihr erster Fall führt die beiden gleich auf die Spur eines mysteriösen Mörders, der seinen Opfern Briefe mit der Botschaft zukommen lässt: „In wenigen Tagen wirst Du eine Leiche sein.“ Als auch Blom eine solche Karte unter seiner Tür durchgeschoben bekommt, wird die Sache persönlich …

„Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ ist ein historischer Kriminalroman, der im Berlin in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nach der Reichsgründung spielt und damit beweist, dass preußische Kriminalromane in letzter Zeit immer stärker auf den Buchmarkt drängen. So habe ich ja auch Ralph Knobelsdorfs Bücher über Wilhelm van der Heyden gelesen, die mich ebenfalls ins Polizeigebäude am Molkenmarkt geführt haben – eine tolle Entwicklung, denn die Epoche ist wirklich hochspannend.

Apropos spannend – auch die Handlung des Buches ist hochspannend, abwechsungsreich und kurzweilig und vermag mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung zu überraschen. Dabei ist es interessant, als Ermittler nicht einen Polizisten, sondern einen – mehr oder minder geläuterten – früheren Verbrecher zu begleiten, der zusammen mit einer ehemaligen Prostituierten eine Detektei betreibt – eine skurille, aber auch erfrischende Kombination, die noch viele Entwicklungsmöglichkeiten für die Folgebände lässt, da die beiden zusammen noch nicht annähernd ihr Potential ausgeschöpft haben. Hierbei lässt sich der Roman durchaus – überraschend – auch als Standalone lesen, da die wesentlichen Handlungsstränge aufgelöst werden – nicht selbstverständlich für den Beginn einer Reihe.

Generell überzeugt das Setting auf ganzer Linie. Alex Beer entführt den Leser in ein Berlin auf dem Weg zur Weltstadt, in ein Preußen kurz nach der Gründung des Kaiserreichs. Industrialisierung, politische Unruhen und Umwälzungen, Standesdünkel und ein perfider Racheplan werden hier von der Autorin zu einem tollen Gemisch verwoben, das im Kopf des Lesers – nicht zuletzt auch dank dem flüssig und leicht zu lesenden Schreibstil der Autorin – sofort Bilder heraufbeschwört und die Geschichte vor dem inneren Auge ablaufen lässt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn Alex Beer einen relativ großen Verschleiß an Figuren in diesem Band hat, da diverse Nebenfiguren versterben. Vor allem überzeugen hierbei Mathilde und Bruno, während ich auch sehr lang ein Fan von Cronenberg war – ein Gefühl, das zuletzt doch merklich abgeflaut ist.

Die Buchgestaltung ist – soweit man das beurteilen kann – solide. Da es sich um ein unkorrigiertes Leseexemplar handelt, sind natürlich noch Fehler enthalten – wenn auch einer der Schnitzer ungewöhnlich groß ist. Gleiches gilt für die Umschlaggestaltung, da dies ebenfalls ja nicht dem regulären Exemplar entspricht. Lediglich zum Covermotiv können daher Aussagen getroffen werden, das immerhin einen Bezug zu Berlin auweist, in Gänze aber etwas unscheinbar daherkommt.

Mein Fazit? „Felix Blom – Der Häftling aus Moabit“ ist ein vielversprechender Beginn in eine neue historische Krimireihe, der vor allem durch eine abwechslungsreiche und überraschende Handlung punktet und sogar als Standalone lesbar ist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[LBM2022] Wir lesen trotzdem – Teil 3

Kurz vor Ostern möchte ich Euch noch die seit langem versprochene Ausbeute der nicht stattgefundenden Leipziger Buchmesse 2022 zeigen, die ich auf den diversen Ersatzversanstaltungen gesammelt und bei Stadtbummeln gekauft habe – mit Katharina Bendixen, Michael Mittermeier, Dylan Farrow und Louis Bayard.

Als nach der Veranstaltung auf dem Blauen Sofa Michael Mittermeier verkündete, noch kurz für Signaturen zur Verfügung zu stehen, konnte ich nicht anders und musste mir spontan „Nur noch eine Folge! – Fernsehen von A bis Zapped“ von ihm kaufen – gleiches galt, als auf der Buchmesse Popup signierte Werke des mit farbigen Buchschnitt versehenen Jugendbuchs „Taras Augen“ von Katharina Bendixen verkauft wurden. Auf der gleichen Messe erhielt ich zudem ein Leseexemplar von „Der denkwürdige Fall des Mr. Poe“ von Louis Bayard – vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal an den Insel Verlag / Insel Taschenbuch. Schließlich erwarb ich auf einem Bücherbummel nun endlich doch einmal den ersten Band der „Hush“-Dilogie von Dylan Farrow – das Cover ist einfach göttlich!

Natürlich gab es auch noch das ein oder andere Goodie und die ein oder andere Leseprobe, die ich mitgenommen habe. Zudem gönnte ich mir beim Stadtbummel auch noch ein neues Notizbuch und einige weitere Kleinigkeiten wie eine Tasche von Bambi und tolle Magnetlesezeichen. Sehen die Sachen nicht toll aus?

Mögt Ihr Notizbücher ebenso wie ich? Welches durfte zuletzt bei Euch einziehen?

[Buchgedanken] Tom Voss: „Eiszeit für Beck“ (Nick Beck 2)

Vor einiger Zeit habe ich „Eiszeit für Beck“ von Tom Voss gelesen, den zweiten Band der Reihe um Nick Beck und Cleo Torner nach dem Auftaktroman „Hundstage für Beck“. Das Buch ist 2021 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag (und die Glücksfee) für die Bereitstellung eines Leseexemplars im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Es ist Winter in Hamburg, und entsetzliche Morde erschüttern die Stadt. Der Elbripper ist zurück, nachdem er fast zwei Jahre lang verschwunden war. Elf Opfer gehen schon auf sein Konto. Und Nick Beck hat auf der Jagd nach ihm seine Kollegin im Einsatz verloren. Daraufhin nahm er Abstand vom LKA-Dienst und ließ sich versetzen. Aber jetzt wird er reaktiviert, denn niemand kennt den Serienmörder so gut wie er. Doch irgendetwas ist anders: Die Rituale des Killers scheinen sich verändert zu haben. Hat der Elbripper seinen Modus geändert? Oder haben es Nick Beck und Cleo Torner mit einem Nachahmer zu tun? Nur eines ist klar: Der Täter ist gefährlicher als je zuvor …

„Eiszeit für Beck“ ist der zweite Band um Nick Beck und Cleo Torner, wobei letztere in diesem Roman eher eine untergeordnete Rolle spielt – gleichsam aber die Sympathieträgerin bleibt. Die Handlung setzt kurz nach dem Ende des Vorgängerbandes an und schreibt diese nahtlos weiter, weicht aber überraschenderweise von den im Epilog des ersten Bandes angedeuteten Geschehnissen stark ab und löst gleich zu Beginn das große Mysterium auf, das die Buchreihe über mehrere Bände hätte tragen können – sehr antiklimaktisch.

Abgesehen davon ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, teils überraschend und insgesamt stärker als die des ersten Bandes. So trifft man altbekannte Charaktere wieder, lernt aber vereinzelt auch neue Protagonisten wie Bekka kennen. Durch die Verlagerung der Handlung in die Metropole Hamburg geht dabei dem Roman etwas das Flair eines Regionalkrimis ab, das dem ersten Teil noch anhaftete. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reihe hier entwickelt.

Das Setting ist in Konsequenz durchaus mondäner, auch wenn der Autor versucht, die Großstadt auf andere Weise zu zeigen, indem er die Handlung in die Vororte und vor allem zu Lost Places bringt. Dabei beschreibt Tom Voss, dessen Schreibstil sich gut und flüssig lesen lässt, anschaulich, hätte aber durchaus noch detaillierter sein können, um das Grauen beim Leser noch zu erhöhen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Neben Cleo überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Lola, während Nick Beck sich zwar im Vergleich zum ersten Teil deutlich steigert, zum Schluss aber gesammelte Sympathiepunkte wieder verspielt, sodass er noch mindestens einen dritten Teil braucht, um insgesamt zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen ordentlich, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist relativ einfach gearbeitet, das Cover farblich auffällig und vom Motiv her eher austauschbar, sorgt aber von der Gestaltung für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe.

Mein Fazit? „Eiszeit für Beck“ setzt die Reihe um Nick Beck gelungen fort. Dabei steigert sich das Buch im Vergleich zum Vorgänger mit einer spannenden, und teils unerwarteten Handlung, löst aber zugleich einen der Kernpunkte der Reihe direkt zu Anfang antiklimaktisch auf. Für Liebhaber von Kriminalromanen bedenkenlos zu empfehlen, allerdings nicht als Standalone und nicht unter einem Lesealter von 16.

Kalt, kälter, Kluftinger | Vorweihnachtliche doppelte Buchpost

Heute, am zweiten Weihnachtstag, möchte ich Euch die beiden Bücher zeigen, die mich kurz vor Weihnachten über Verlosungen auf Facebook und Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank an die Glücksfee und den Ullstein Verlag sowie die S. Fischer Verlage. „Eiszeit für Beck“ von Tom Voss ist nach „Hundstage für Beck“ der zweite Teil der Krimi-Reihe um Ermittler Nick Beck und „Morgen, Klufti, wird’s was geben“ das Weihnachtsbuch um den berühmten Kommissar Kluftinger von Volker Klüpfel und Michael Kobr. Ich bin schon ganz auf die gänzlich verschiedenen Ermittler gespannt.

Habt Ihr Lieblingsfiguren aus Regionalkrimis? Welche Reihe könnt Ihr besonders empfehlen?

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „365 – Wenn die Masken fallen“

Vor einiger Zeit habe ich „365 – Wenn die Masken fallen“ von Isabel Kritzer gelesen, mein drittes Buch der Autorin nach der Dilogie um „California’s next Magician“ und „America’s next Magician„. Das Buch ist als New-Adult Romance einzuordnen und in der derzeitigen Fassung 2021 im Herzsprung Verlag veröffentlicht worden, die Erstauflage erschien 2016 im Papierfresserchens MTM-Verlag. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen ihres Bloggerteams.

Charlotte will unbedingt etwas Außergewöhnliches erleben, vorzugsweise mit dem geheimnisvollen Traumtyp aus der Cafeteria ihrer Universität. Als sie in einem Zusatzkurs den letzten Platz ergattert – neben ihm -, stellt sie schnell fest, dass André auch zum Verlieben charmant ist. Und reich. Da kommt das überraschende Angebot ihres Vaters, sie endlich in sein Firmenimperium und die glamouröse Welt der High Society einzuführen, gerade recht. Sie ahnt dabei nicht, was für düstere Geheimnisse ihr Vater verbirgt – oder, dass André keineswegs ist, wer er zu sein vorgibt …

„365 – Wenn die Masken fallen“ ist ein ungewöhnlicher Roman, den man nur schwer klassifizieren kann. Daher habe ich die Genrezurodnung der Autorin als New-Adult [Romance] übernommen – auch wenn es dafür eigentlich am genretypischen Ende fehlt. Jedoch erfüllt die Handlung viele andere Merkmale des Genres – sei es das Alter der Protagonisten, die sporadisch eingestreuten Sexszenen oder auch das universitäre Setting.

Insgesamt ist das Setting eines der Glanzlichter des Romanes. Sei es das luxuriöse Hotel in St. Moritz, das abgelegene Parkhaus der Tunerszene oder der imposante Firmensitz der Clark Group: Isabel Kritzer führt die Leser mit den Protagonisten an aufsehenerregende Orte, erweckt diese für die Leser zum Leben, sodass das Kopfkino sofort anspringt.

Auch die Handlung vermag – mal abgesehen vom Ende – im Wesentlichen zu überzeugen. Zwar ist die Handlung teils vorhersehbar, gelegentlich werden aber auch unerwartete Wendungen eingestreut, sodass man als Leser nie das Interesse an dem High-Society-Jetset-Leben der Protagonisten verliert – wenn auch das Verhalten von Charly nicht immer nachvollziehbar ist. Dahingegen gelingt es der Autorin gut, schwere Themen wie häusliche Gewalt oder Fehlgeburten so einzubauen, dass der Schwerpunkt des Buches nicht Richtung Schicksalsroman abgleitet.

Die Protagonisten sind im großen und ganzen vielschichtig aufgebaut, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Sarah oder auch zum Schluss Ben, während Charly etwas blass bleibt. Eventuell hätte man hier über die Erzählung aus Charlys Ich-Perspektive noch eine stärkere Bindung des Lesers zur Protagonisten erreichen können.

Die Buchgestaltung ist solide, hat aber Luft nach oben. Lektorat und Korrektorat sind sicherlich ausbaufähig, der Buchsatz ist ordentlich und wird durch die gelungene Illustration zu Beginn unterstützt – wenn auch die Kapitelüberschriften leicht spoilernd sind. Das Cover ist farblich ausducksstark und wunderschön – mir fehlt aber etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „365 – Wenn die Masken fallen“ ist ein New-Adult-Roman mit tollem Setting und einer interessanten Handlung, die aber zum Ende hin auch einige Schwächen aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

Wunderschöne Buchpost – mit Liebe verpackt!

Vor einigen Tagen erreichte mich im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de ein wundervoller Jugendthriller, der von der Autorin mit viel Liebe verpackt worden ist. „Das Tagebuch der Jenna Blue“ von Julia Adrian ist ein Roman, den ich schon seit langem erwartet habe, da ich mich seit „Die Dreizehnte Fee – Erwachen“ in den Schreibstil von Julia verliebt habe. Kennt Ihr die Bücher der Autorin?

Historie im Doppelpack! | Doppelte Buchpost

Bevor es mit den Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch heute noch einmal zwei Bücher zeigen, die vor kurzem bei mir eingezogen sind. „Die Stärke der Töchter“ ist nach „Das Unrecht der Väter“ der zweite Teil der Falkenbach-Saga von Ellin Carsta und erreichte mich aus einer Verlosung über Lovelybooks, „Die Himmelskugel“ von Olli Jalonen kam zu mir als Rezensionsexemplar über die vermittelnde Agentur Literaturtest. Vielen Dank an dieser Stelle daher an die Verlage Tinte & Feder und Mare, sowie Lovelybooks und die Agentur Literaturtest für die Bereitstellung der Lese-/Rezensionsexemplare. Ich bin schon ganz gespannt darauf, in die verschiedenen historischen Epochen einzutauchen!

[Buchgedanken] Luca Rohleder: „Die Suche nach Gott“

In der letzten Zeit habe ich „Die Suche nach Gott“ von Luca Rohleder gelesen. Das Buch ist 2020 in der dielus edition erschienen und wurde mir als unkorrigiertes Leseexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür!

Nachdem ihre Hündin von einem LKW überfahren und ihr Internetbusiness lahmgelegt wurde, schlittert die Bloggerin Lucy in eine schwere Lebenskrise. Mithilfe der Wissenschaft macht sie sich auf eine abenteuerliche Suche nach Gott. Dabei lässt sie sich auf viele Gespräche und Liebesabenteuer mit Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen ein, mit deren Hilfe sie den physikalischen Beweis für die Existenz Gottes findet. Sie kommt dem geheimnisvollen Wirken göttlicher Spielregeln auf die Spur, und erkennt den höheren Sinn hinter allem. Und schließlich entdeckt sie am Ende ihrer Reise etwas, mit dem sie niemals gerechnet hätte …

„Die Suche nach Gott“ ist kein typischer Roman, vermischt er doch wissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse mit einer fiktiven Handlung. Daher fällt es bereits schwer, überhaupt ein Genre festzulegen. Während das Buch online teils unter dem Label der Gegenwartsliteratur geführt wird sowie von mir bei der Vorstellung untechnisch als quantenphilosophischer Roman betitelt wurde, würde ich es nach der Lekture als Entwicklungsroman sehen, wobei aufgrund des Epiloges auch noch ein anderes Genre zur Auswahl stünde, das ich hier aber nicht erwähnen werde, um nicht zu spoilern.

Dabei balanciert das Buch die ganze Zeit auf der Grenze zwischen Wissenschaft und Esoterik, vermengt Wissen, Gefühle und Spiritualität. Und auch wenn die 10 Handlungsempfehlungen / „göttlichen“ Spielregeln – eine nette Anspielung auf die 10 Gebote – sicherlich teils ihre Berechtigung haben und auf viele Situationen anwendbar sind, ist die Allgemeingültigkeit, mit der diese propagiert werden, vielleicht etwas übertrieben. Auch finden Stimmen, die den teils durchaus diskutablen wissenschaftlichen Begründungen widersprechen, kaum Gehör – aber dies ist verschmerzbar, wenn man sich während des Lesens dauerhaft bewusst macht, dass es sich um meinen Roman und somit um Fiktion, und gerade keine wissenschaftliche Abhandlung oder ein Sachbuch, handelt.

Aussagen zum Setting, zum Spannungsbogen oder zur Handlung können vorliegend nicht getroffen werden, da – rein äußerlich – nicht viel passiert, sich das Buch auf Lucys Entwicklung, ihre Gedanken und Gefühle konzentriert. Hierbei muss man aber dem Autor zugute halten, dass das Ende sehr überraschend kam und gänzlich unerwartet war.

„Die Suche nach Gott“ ist ein bisschen wie „Sofies Welt“ für Erwachsene, bei dem an die Stelle der grundlegenden philosophischen Konzepte eine neue, wissenschaftlich angehauchte Philosophie tritt – ein Buch, das bildet und unterhält, und dabei die volle Aufmerksamkeit des Lesers fordert – mit einem ungeahnt hohen Erotikanteil.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Aussagen zum Korrektorat verbieten sich, da die Schlusskorrektur noch aussteht. Lektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist schlicht aber gelungen, der Buchrücken aus meiner Sicht etwas textlastig/überlastet.

Mein Fazit: „Die Suche nach Gott“ ist – wenn man sich darauf einlässt – ein Roman, der einem auf durchaus unterhaltsame Weise wissenschaftliche und philosophische Ansätze vermittelt, die durchaus hilfreich sein können. Für Leser, denen die Fiktion der Handlung bewusst ist, und die sich offen, aber auch krtisch, damit auseinandersetzen wollen, bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 17.

[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Die Sündenbraut“

Vor einiger Zeit habe ich „Die Sündenbraut“ von Manuela Schörghofer gelesen. Der Roman ist 2020 bei HarperCollins in der HarperCollins Germany GmbH erschienen und dem Genre historischer Roman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Leseexemplars. Es ist mein zweiter Roman der Autorin nach „Die Klosterbraut„.

51TZFdC0xJL._SX334_BO1204203200_Rheinland im 13. Jahrhundert: Seit dem Mord an ihren Eltern ist Fenja bei ihrer Ziehmutter Runhild aufgewachsen und hat von ihr die Kunst erlernt, Toten ihre Sünden zu nehmen. Doch als auch Runhild ermordet wird, bleibt Fenja nichts – bis auf ein Tuch mit eingesticktem Wappen, das der Mörder verloren hat, und der brennende Wunsch nach Rache. Völlig auf sich gestellt, tritt Fenja die gefährliche Reise an und trifft unverhofft auf den Handwerker Gerald. Er behauptet, den Träger des Wappens zu kennen, und bietet ihr seine Hilfe an. Aber kann Fenja dem jungen Mann trauen?

„Die Sündenbraut“ ist – um gleich das Ergebnis vorwegzunehmen – ein durchweg überzeugender, historischer Roman, der mir noch eine Spur besser gefallen hat als das Debüt der Autorin. In „Die Sündenbraut“ entwickelt Manuela Schörghofer ihren leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil konsequent fort, der weiterhin durch eine hohe Authentizität geprägt ist und auf eine zielgerichtete und gute Recherche schließen lässt, dabei aber nie belehrend wird.

Insgesamt punktet der Roman vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende, wenn auch teils vorhersehbare, Handlung. Der Autorin gelingt es dennoch, durch unvorhergesehene Wendungen den Leser immer mal wieder auf eine falsche Fährte zu locken. Dabei kann man sich als Leser gut mit den Protagonisten identifizieren, leidet und lacht mit ihnen.

Diese entwickeln sich auch im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Zwar werden die stereotypen Rollenbilder des Mittelalters nur selten durchbrochen, dafür werden über den einzelnen Charakter hinaus gesamtgesellschaftliche Fragen zu Glauben und Moral thematisiert. Lediglich der plötzliche Sinneswandel des Antagonisten erscheint – auch unter Berücksichtigung der finalen Enthüllungen – etwas unglaubhaft.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, auch der Buchsatz ist größtenteils gelungen und wird durch Karten in den Coverinnenseiten, sowie den Geschichten vorangestellte Personen- und Ortsbeschreibungen sowie ein Glossar unterstützt. Kleines Manko ist allerdings, dass vor und nach der Geschichte die gleiche Karte eingefügt ist – hier hätte etwas mehr Varianz für ein noch schöneres Ergebnis gesorgt. Das Cover ist auf dem Titelbild und dem Buchrücken hochwertig geprägt und bietet ein durchgängiges Bild über den kompletten, sehr ansehnlichen Buchumschlag. Allerdings fehlt mir etwas der Bezug des (wunderschönen) Titelbildes zur Geschichte.

Mein Fazit? „Die Sündenbraut“ ist ein gelungener historischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende Handlung punktet – sicherlich nicht mein letztes Buch von Manuela Schörghofer. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.