[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „365 – Wenn die Masken fallen“

Vor einiger Zeit habe ich „365 – Wenn die Masken fallen“ von Isabel Kritzer gelesen, mein drittes Buch der Autorin nach der Dilogie um „California’s next Magician“ und „America’s next Magician„. Das Buch ist als New-Adult Romance einzuordnen und in der derzeitigen Fassung 2021 im Herzsprung Verlag veröffentlicht worden, die Erstauflage erschien 2016 im Papierfresserchens MTM-Verlag. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen ihres Bloggerteams.

Charlotte will unbedingt etwas Außergewöhnliches erleben, vorzugsweise mit dem geheimnisvollen Traumtyp aus der Cafeteria ihrer Universität. Als sie in einem Zusatzkurs den letzten Platz ergattert – neben ihm -, stellt sie schnell fest, dass André auch zum Verlieben charmant ist. Und reich. Da kommt das überraschende Angebot ihres Vaters, sie endlich in sein Firmenimperium und die glamouröse Welt der High Society einzuführen, gerade recht. Sie ahnt dabei nicht, was für düstere Geheimnisse ihr Vater verbirgt – oder, dass André keineswegs ist, wer er zu sein vorgibt …

„365 – Wenn die Masken fallen“ ist ein ungewöhnlicher Roman, den man nur schwer klassifizieren kann. Daher habe ich die Genrezurodnung der Autorin als New-Adult [Romance] übernommen – auch wenn es dafür eigentlich am genretypischen Ende fehlt. Jedoch erfüllt die Handlung viele andere Merkmale des Genres – sei es das Alter der Protagonisten, die sporadisch eingestreuten Sexszenen oder auch das universitäre Setting.

Insgesamt ist das Setting eines der Glanzlichter des Romanes. Sei es das luxuriöse Hotel in St. Moritz, das abgelegene Parkhaus der Tunerszene oder der imposante Firmensitz der Clark Group: Isabel Kritzer führt die Leser mit den Protagonisten an aufsehenerregende Orte, erweckt diese für die Leser zum Leben, sodass das Kopfkino sofort anspringt.

Auch die Handlung vermag – mal abgesehen vom Ende – im Wesentlichen zu überzeugen. Zwar ist die Handlung teils vorhersehbar, gelegentlich werden aber auch unerwartete Wendungen eingestreut, sodass man als Leser nie das Interesse an dem High-Society-Jetset-Leben der Protagonisten verliert – wenn auch das Verhalten von Charly nicht immer nachvollziehbar ist. Dahingegen gelingt es der Autorin gut, schwere Themen wie häusliche Gewalt oder Fehlgeburten so einzubauen, dass der Schwerpunkt des Buches nicht Richtung Schicksalsroman abgleitet.

Die Protagonisten sind im großen und ganzen vielschichtig aufgebaut, haben Stärken und Schwächen, Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Sarah oder auch zum Schluss Ben, während Charly etwas blass bleibt. Eventuell hätte man hier über die Erzählung aus Charlys Ich-Perspektive noch eine stärkere Bindung des Lesers zur Protagonisten erreichen können.

Die Buchgestaltung ist solide, hat aber Luft nach oben. Lektorat und Korrektorat sind sicherlich ausbaufähig, der Buchsatz ist ordentlich und wird durch die gelungene Illustration zu Beginn unterstützt – wenn auch die Kapitelüberschriften leicht spoilernd sind. Das Cover ist farblich ausducksstark und wunderschön – mir fehlt aber etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „365 – Wenn die Masken fallen“ ist ein New-Adult-Roman mit tollem Setting und einer interessanten Handlung, die aber zum Ende hin auch einige Schwächen aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

Wunderschöne Buchpost – mit Liebe verpackt!

Vor einigen Tagen erreichte mich im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de ein wundervoller Jugendthriller, der von der Autorin mit viel Liebe verpackt worden ist. „Das Tagebuch der Jenna Blue“ von Julia Adrian ist ein Roman, den ich schon seit langem erwartet habe, da ich mich seit „Die Dreizehnte Fee – Erwachen“ in den Schreibstil von Julia verliebt habe. Kennt Ihr die Bücher der Autorin?

Historie im Doppelpack! | Doppelte Buchpost

Bevor es mit den Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch heute noch einmal zwei Bücher zeigen, die vor kurzem bei mir eingezogen sind. „Die Stärke der Töchter“ ist nach „Das Unrecht der Väter“ der zweite Teil der Falkenbach-Saga von Ellin Carsta und erreichte mich aus einer Verlosung über Lovelybooks, „Die Himmelskugel“ von Olli Jalonen kam zu mir als Rezensionsexemplar über die vermittelnde Agentur Literaturtest. Vielen Dank an dieser Stelle daher an die Verlage Tinte & Feder und Mare, sowie Lovelybooks und die Agentur Literaturtest für die Bereitstellung der Lese-/Rezensionsexemplare. Ich bin schon ganz gespannt darauf, in die verschiedenen historischen Epochen einzutauchen!

[Buchgedanken] Luca Rohleder: „Die Suche nach Gott“

In der letzten Zeit habe ich „Die Suche nach Gott“ von Luca Rohleder gelesen. Das Buch ist 2020 in der dielus edition erschienen und wurde mir als unkorrigiertes Leseexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt – vielen Dank dafür!

Nachdem ihre Hündin von einem LKW überfahren und ihr Internetbusiness lahmgelegt wurde, schlittert die Bloggerin Lucy in eine schwere Lebenskrise. Mithilfe der Wissenschaft macht sie sich auf eine abenteuerliche Suche nach Gott. Dabei lässt sie sich auf viele Gespräche und Liebesabenteuer mit Wissenschaftlern verschiedenster Disziplinen ein, mit deren Hilfe sie den physikalischen Beweis für die Existenz Gottes findet. Sie kommt dem geheimnisvollen Wirken göttlicher Spielregeln auf die Spur, und erkennt den höheren Sinn hinter allem. Und schließlich entdeckt sie am Ende ihrer Reise etwas, mit dem sie niemals gerechnet hätte …

„Die Suche nach Gott“ ist kein typischer Roman, vermischt er doch wissenschaftliche Theorien und Erkenntnisse mit einer fiktiven Handlung. Daher fällt es bereits schwer, überhaupt ein Genre festzulegen. Während das Buch online teils unter dem Label der Gegenwartsliteratur geführt wird sowie von mir bei der Vorstellung untechnisch als quantenphilosophischer Roman betitelt wurde, würde ich es nach der Lekture als Entwicklungsroman sehen, wobei aufgrund des Epiloges auch noch ein anderes Genre zur Auswahl stünde, das ich hier aber nicht erwähnen werde, um nicht zu spoilern.

Dabei balanciert das Buch die ganze Zeit auf der Grenze zwischen Wissenschaft und Esoterik, vermengt Wissen, Gefühle und Spiritualität. Und auch wenn die 10 Handlungsempfehlungen / „göttlichen“ Spielregeln – eine nette Anspielung auf die 10 Gebote – sicherlich teils ihre Berechtigung haben und auf viele Situationen anwendbar sind, ist die Allgemeingültigkeit, mit der diese propagiert werden, vielleicht etwas übertrieben. Auch finden Stimmen, die den teils durchaus diskutablen wissenschaftlichen Begründungen widersprechen, kaum Gehör – aber dies ist verschmerzbar, wenn man sich während des Lesens dauerhaft bewusst macht, dass es sich um meinen Roman und somit um Fiktion, und gerade keine wissenschaftliche Abhandlung oder ein Sachbuch, handelt.

Aussagen zum Setting, zum Spannungsbogen oder zur Handlung können vorliegend nicht getroffen werden, da – rein äußerlich – nicht viel passiert, sich das Buch auf Lucys Entwicklung, ihre Gedanken und Gefühle konzentriert. Hierbei muss man aber dem Autor zugute halten, dass das Ende sehr überraschend kam und gänzlich unerwartet war.

„Die Suche nach Gott“ ist ein bisschen wie „Sofies Welt“ für Erwachsene, bei dem an die Stelle der grundlegenden philosophischen Konzepte eine neue, wissenschaftlich angehauchte Philosophie tritt – ein Buch, das bildet und unterhält, und dabei die volle Aufmerksamkeit des Lesers fordert – mit einem ungeahnt hohen Erotikanteil.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Aussagen zum Korrektorat verbieten sich, da die Schlusskorrektur noch aussteht. Lektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist schlicht aber gelungen, der Buchrücken aus meiner Sicht etwas textlastig/überlastet.

Mein Fazit: „Die Suche nach Gott“ ist – wenn man sich darauf einlässt – ein Roman, der einem auf durchaus unterhaltsame Weise wissenschaftliche und philosophische Ansätze vermittelt, die durchaus hilfreich sein können. Für Leser, denen die Fiktion der Handlung bewusst ist, und die sich offen, aber auch krtisch, damit auseinandersetzen wollen, bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 17.

[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Die Sündenbraut“

Vor einiger Zeit habe ich „Die Sündenbraut“ von Manuela Schörghofer gelesen. Der Roman ist 2020 bei HarperCollins in der HarperCollins Germany GmbH erschienen und dem Genre historischer Roman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Leseexemplars. Es ist mein zweiter Roman der Autorin nach „Die Klosterbraut„.

51TZFdC0xJL._SX334_BO1204203200_Rheinland im 13. Jahrhundert: Seit dem Mord an ihren Eltern ist Fenja bei ihrer Ziehmutter Runhild aufgewachsen und hat von ihr die Kunst erlernt, Toten ihre Sünden zu nehmen. Doch als auch Runhild ermordet wird, bleibt Fenja nichts – bis auf ein Tuch mit eingesticktem Wappen, das der Mörder verloren hat, und der brennende Wunsch nach Rache. Völlig auf sich gestellt, tritt Fenja die gefährliche Reise an und trifft unverhofft auf den Handwerker Gerald. Er behauptet, den Träger des Wappens zu kennen, und bietet ihr seine Hilfe an. Aber kann Fenja dem jungen Mann trauen?

„Die Sündenbraut“ ist – um gleich das Ergebnis vorwegzunehmen – ein durchweg überzeugender, historischer Roman, der mir noch eine Spur besser gefallen hat als das Debüt der Autorin. In „Die Sündenbraut“ entwickelt Manuela Schörghofer ihren leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil konsequent fort, der weiterhin durch eine hohe Authentizität geprägt ist und auf eine zielgerichtete und gute Recherche schließen lässt, dabei aber nie belehrend wird.

Insgesamt punktet der Roman vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende, wenn auch teils vorhersehbare, Handlung. Der Autorin gelingt es dennoch, durch unvorhergesehene Wendungen den Leser immer mal wieder auf eine falsche Fährte zu locken. Dabei kann man sich als Leser gut mit den Protagonisten identifizieren, leidet und lacht mit ihnen.

Diese entwickeln sich auch im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Zwar werden die stereotypen Rollenbilder des Mittelalters nur selten durchbrochen, dafür werden über den einzelnen Charakter hinaus gesamtgesellschaftliche Fragen zu Glauben und Moral thematisiert. Lediglich der plötzliche Sinneswandel des Antagonisten erscheint – auch unter Berücksichtigung der finalen Enthüllungen – etwas unglaubhaft.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, auch der Buchsatz ist größtenteils gelungen und wird durch Karten in den Coverinnenseiten, sowie den Geschichten vorangestellte Personen- und Ortsbeschreibungen sowie ein Glossar unterstützt. Kleines Manko ist allerdings, dass vor und nach der Geschichte die gleiche Karte eingefügt ist – hier hätte etwas mehr Varianz für ein noch schöneres Ergebnis gesorgt. Das Cover ist auf dem Titelbild und dem Buchrücken hochwertig geprägt und bietet ein durchgängiges Bild über den kompletten, sehr ansehnlichen Buchumschlag. Allerdings fehlt mir etwas der Bezug des (wunderschönen) Titelbildes zur Geschichte.

Mein Fazit? „Die Sündenbraut“ ist ein gelungener historischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende Handlung punktet – sicherlich nicht mein letztes Buch von Manuela Schörghofer. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sophie Oliver: „Die Gentlemen vom Sebastian Club“

Bevor ich bald das neue Jahr mit den Jahresrückblicken einleite, möchte ich Euch zum Abschluss des abgelaufenen Jahres noch ein weiteres Buch vorstellen. In den letzten Tagen habe ich „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ von Sophie Oliver gelesen, erstmals erschienen 2018 im Dryas Verlag. Das mir vorliegende Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!) und ist dem Genre historischer Kriminalroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars auf dem #bookmeetspizza-Bloggertreffen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2019.

51IW8nosnPL._SX315_BO1204203200_London, 1895: Eine Mordserie erschüttert die Stadt. Die Opfer gehören verschiedenen Gesellschaftsschichten an und werden scheinbar zufällig ausgewählt. So zufällig, dass die Metropolitan Police nicht an einen Einzeltäter glaubt. Ein Fall für die Ermittler des Sebastian Club, eines vornehmen Londoner Herrenclubs, der sich zum Ziel gesetzt hat, Verbrechen aufzuklären, an denen Scotland Yard scheitert. Die Gentlemen entdecken ein Muster hinter den Gräueltaten: Um an ein wertvolles Juwel zu gelangen, setzt der Täter mittelalterliche Foltermethoden ein. Für die Detektive ist die Sache klar: Der Mörder muss schnellstens zur Strecke gebracht werden. Um jeden Preis. Auch mit Hilfe einer schlauen jungen Frau, die sich als Mann verkleidet, um ermitteln zu dürfen.

„Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein durchweg unterhaltsames Buch, wenn auch teils etwas vorhersehbar. Trotz des grundsätzlich abgeschlossenen Falls bietet es ärgerlicherweise auch eine Art Cliffhanger, den ich der Autorin etwas verüble. Dabei wird der Spannungsbogen größtenteils gehalten, wenn auch einige Wendungen nicht immer ganz nachvollziehbar sind.

Dahingegen brilliert der Roman durch sein unglaubliches Setting. Das viktorianische England, die krassen Gegensätze zwischen arm und reich, zwischen upper und middle class werden genau und anschaulich präsentiert. Gerüche, Geschmäcker, visuelle Eindrücke – „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein Buch für alle Sinne, das den Leser auf eine abenteuerliche Zeitreise mitnimmt.

Etwas mehr Wert hätte noch auf die Charakterentwicklung gelegt werden können. Zwar versieht die Autorin alle Charaktere mit einer Hintergrundgeschichte, diese bleibt im Wesentlichen aber oberflächlich. Etwas mehr Tiefe, mehr Ecken und Kanten hätten dafür gesorgt, dass man sich noch besser mit den Protagonisten identifizieren kann. Zudem sorgt der allwissende, teils spoilernde! Erzähler dafür, dass man nicht nah an die Charaktere herankommt.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind alles in allem gelungen, das Cover ist ebenfalls nett anzuschauen, allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Geschichte. Wenn schon ein Edelstein abgebildet wird, hätte dieser auch der Beschreibung im Roman entsprechen sollen – so ist es austauschbar.

Mein Fazit? „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein historischer Kriminalroman, der vor allem aufgrund des Settings brilliert. Das kurzweilige Lesevergnügen wird durch kleinere Schwächen in Handlung und Figurenentwicklung kaum beeinträchtigt. Für Fans der viktorianischen Epoche bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter 16 Jahren.

 

 

[Buchgedanken] Anna Eichenbach: „Wellensang: Eine Limfjord-Saga“

Vor Weihnachten habe ich Anna Eichenbachs Debütroman „Wellensang: Eine Limfjord-Saga“ gelesen. Das Buch ist 2019 im Burgenwelt Verlag erschienen und dem Genre „Historische Romane“ zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin (bloggt auf „Welt aus Tinte und Papier„) für das Leseexemplar.

51CdHi3PcLL._SX335_BO1204203200_Ende des 8. Jahrhunderts in Nordjütland: Als Zeichen der Freundschaft zwischen Dorsteinn und Limgard wird die Jarlstochter Turid in die alte Heimat ihrer Mutter gesandt. Nur widerwillig verzichtet sie dort auf ihre gewohnten Freiheiten. Im Dorf zu bleiben und zu weben, während die Männer auf Raubzug ziehen, widerspricht gänzlich dem Leben, das sie vom Hof ihres Vaters kennt. Dennoch zögert sie, als sich ihr die Gelegenheit zur Rückkehr nach Hause bietet: Längst hält sie mehr in Limgard, als sie sich eingestehen möchte. Ausgerechnet die Limgarder Rorik und Svein, die einander näher stehen als Brüder, verlieben sich in Turid. Aus Gefährten werden Konkurrenten. Bis ihr gemeinsamer Freund Hakon sie zu einem anderen Abenteuer lockt. Angespornt durch Gerüchte über eine Insel voller Reichtümer, brechen die drei Männer an Bord der in die Jahre gekommenen Meereswolf zu einer Víking auf. Ihr Ziel: England – und ein Platz in den Liedern der Skalden. Doch die Unternehmung soll anders verlaufen, als erhofft …

„Wellensang“ ist ein gelungenes Debüt, das Hoffnung auf mehr erweckt. Der Roman bemüht sich, ein akkurates Portrait der damaligen Zeit zu zeichnen. Ohne zu glorifizieren, zeigt er auch die dunklen Seiten der Wikinger, die Normalität von Beutefrauen sowie die brutale Gewissenlosigkeit mit der gegen Einheimische vorgegangen wird. Dabei zeugen sowohl die Erzählsprache als auch die Handlung von Authentizität, von gelungener und ausgiebiger Recherche.

Das frühmittelalterliche, nordische Setting überzeugt ebenso wie die größtenteils gelungene Charakterentwicklung, auch wenn einige Entscheidungen der Protagonisten fragwürdig bleiben. Dabei entwickeln sich die Charaktere jedoch durchaus weiter – insbesondere Turid, die eine atypische, besonders starke Rolle als Frau einnimmt. Dadurch liegt der Roman voll im Trend der letzten Jahre – gefühlt kommt man kaum mehr ohne eine starke weibliche Hauptfigur aus, die die Geschlechtergrenzen sprengt.

Die Handlung ist spannend und voller unerwarteter Wendungen. Etwas schwer getan habe ich mich allerdings mit dem Zeitsprung mitten in der Handlung und der Schwerpunktsetzung – für mich nimmt der Handlungsstrang um Heather, so spannend er auch ist, zu viel Platz ein. Der Leser wird somit immer wieder aus der eigentlichen Geschichte gerissen. Zwar werden die Handlungsstränge zum Ende hin kunstvoll verwoben, dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Handlungsstrang in England zwar wichtig, schlichtweg aber deutlich untergeordnet ist.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, auch wenn ich nicht der Freund von Kapitelüberschriften bin. Dahingegen sorgen das Glossar und das historische Nachwort für einen runden Abschluss. Auch das Cover ist wirklich gelungen und sorgt für ein stimmiges Bild, lediglich die Cover-Rückseite ist etwas textlastig mit einem aus meiner Sicht zu langen Klappentext.

Mein Fazit? „Wellensang“ ist ein bravouröses Debüt, und damit definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin. Der Roman brilliert durch authentische Sprache, ein tolles Setting und eine spannende Handlung, lässt an kleinen Stellschrauben aber auch noch Luft nach oben. Für – erwachsene – Leser historischer Romane bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Heike Ribguth: „Ein Cowboy zum Küssen“

In der letzten Zeit habe ich Heike Ribguths Debütroman „Ein Cowboy zum Küssen“ gelesen. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing über Twentysix erschienen – vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Lese- und Verlosungsexemplars auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Das Gewinnspiel zum Roman startet übrigens noch in diesem Monat – also haltet die Augen offen :).

51WQNdP3udL._SX311_BO1204203200_Eigentlich wollte Nina die texanische Ranch ihres verstorbenen Großonkels so schnell wie möglich verkaufen, um spätestens in sechs Wochen mit der Kohle zurück nach Berlin zu fliegen. Kurz nach ihrer Ankunft irrt sie vollständig orientierungslos bei starkem Gewitter durch die Gegend, als sie mit ihrem Leihwagen in einen umstürzenden Baum kracht. Ausgerechnet Jack Parker, der begehrteste und heißeste Junggeselle von ganz Somerville, findet die Deutsche bewusstlos auf dem Highway und bringt sie ins Krankenhaus. Doch als sie sich bei ihm kurz darauf für die Hilfe bedanken will, entpuppt sich der charmante und hilfsbereite Cowboy als fieser Macho. Wie kann ihr arroganter Nachbar äußerlich nur so cool bleiben, während Nina bei jedem Blick in seine stechenden Augen die Fassung verliert?

„Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein locker-leichter Roman, der vor allem dank seines fantastischen Settings brilliert. Die endlosen Weiten von Texas, abgelegene Ranches, Rodeo-Veranstaltungen mit traumhaften Pferden – der Roman ermöglicht es dem Leser, sich wegzuträumen und den Alltag für einige, kostbare Augenblicke zu vergessen.

Auch wenn mir die Perspektivwechsel teils etwas zu viel sind und die Handlung dadurch etwas unübersichtlich wird, gelingt es der Autorin doch, vor allem dank der unkonventionell-frischen, frechen und direkten Erzählsprache, den Leser an die Seiten zu fesseln. Dabei scheint in den Dialogen durchaus die Herkunft der Protagonistin – und auch der Autorin – aus Berlin und Brandenburg durch und sorgt damit für Authentizität.

Naturgemäß ist die Handlung genrebedingt etwas vorhersehbar, dennoch sorgt Heike Ribguth mit einigen, unerwarteten Wendungen immer mal wieder für Spannung. Zwischen den Protagonisten – die vielschichtig mit Stärken, Schwächen und glaubhaften Hintergrundgeschichten angelegt sind – kann man die Gefühle, Anziehung, das Knistern förmlich fühlen. Dabei balanciert das Buch haarscharf auf der Klippe zwischen Liebes- und Erotikroman, daher habe ich – wie einigen vielleicht aufgefallen ist – auch auf eine Genrezuordnung im ersten Absatz verzichtet.

Die Buchgestaltung kann leider nicht restlos überzeugen. So ist der Buchsatz grundsätzlich in Ordnung, lediglich die Kapitelbezeichnung ist etwas inkonsistent und verwirrend – so werden innerhalb von Kapiteln teils größere Abschnitte mit Überschriften eingeleitet, ebenfalls existiert am Ende ein Epilog, der vor das erste Kapitel gezogene Text hätte sinnigerweise dann als Prolog betitelt werden können. Auch in der Überarbeitung im Lektorat/Korrektorat sind zwar noch einige Fehler durchgerutscht, diese stören den Lesefluss allerdings nicht. Das Cover hingegen lässt durchaus noch Luft nach oben. Zwar gefällt es mir, dass sich das Grundbild der Landschaft auch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, mit der zentral auf dem Cover postierten Frau harmoniert es jedoch nicht wirklich. So sind die Übergänge teils verwaschen und unscharf, teils wirkt es etwas deplatziert. Auch hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Geschichte gewünscht (pinker Cowboyhut, Hund, Eingangsschild zur Ranch o.ä.).

Mein Fazit? „Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Liebes-/Erotikroman, der vor allem mit einem fantastischen Setting und einer frischen Erzählsprache punkten kann und den Alltag vergessen lässt. Leichtere Schwächen in der Buchgestaltung und Perspektivwahl werden durch Authentizität und große Gefühle mehr als kompensiert. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – allerdings erst ab 18 Jahren.