[Buchgedanken] Annette Böhler: „Zuckerstreusel zum Verlieben“

Vor einiger Zeit habe ich „Zuckerstreusel zum Verlieben“ von Annette Böhler gelesen. Das Buch ist 2022 im Empire-Verlag erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich klappt alles bestens bei Bianca. Ihr hippes Café hat gerade eröffnet und der tägliche Besucherandrang bestätigt es: Sie hat als Jungunternehmerin und Konditorin endlich einen Namen in der Branche. Ihr Liebesleben dagegen sieht weniger toll aus. Jahrelang nur an die Arbeit gedacht und Augen für ihre Torten gehabt, ist sie natürlich solo und komplett aus der Übung, wenn es um Dates oder Romantik geht. Dementsprechend verlegen und überrascht ist Bianca, als der extrovertierte und draufgängerische Vincent sie aus dem Nichts heraus um ein Date bittet. Täglich schlemmt er sich seit der Eröffnung durch ihre Süßigkeiten-Auslage und scheint ihre Leidenschaft für Zucker zu teilen. Bianca lässt sich von seiner offenen Art aus der Backstube locken und findet Gefallen daran, nicht mehr nur an die Arbeit zu denken. Sofort verliert sie ihr Herz an den charismatischen Kerl, der Süßes liebt und zu selbstkomponierten Liedern auf der Gitarre spielt; sie auffordert, ihren Erfolg zu genießen und die Lorbeeren zu ernten. Das ist die Chance, die langen Arbeitstage endlich gegen romantische Nächte einzutauschen und mit Vincent die süßen Seiten des Lebens zu genießen. Aber Vincent verschweigt etwas, und wenn Bianca es erfährt, könnte es ihre junge Liebe bedrohen.

„Zuckerstreusel zum Verlieben“ ist ein klassischer Liebesroman mit Happy-End-Garantie, etwas zu alt und brav für New-Adult Romance, vielmehr ein Feel-Good-Roman für entspannte und gefühlvolle Lesestunden, nicht mehr, aber auch nicht weniger – was der Roman aber auch gar nicht zu verbergen versucht.

Die Handlung ist dabei genretypisch durchaus vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber spannend und interessant. Annette Böhler spricht zwar auch schwere Themen wie Erkrankungen oder schwere Kindheiten an, diese verbleiben aber an der Oberfläche und vermögen es nicht, die positive Grundstimmung des Romans zu beeinträchtigen. Zudem werden den Protagonisten auch keine externen Stolpersteine in den Weg gelegt, die einzigen Probleme kommen aus ihnen selbst, sodass die Handlung grade am Anfang etwas dahinplätschert.

Das Setting ist im wesentlichen gelungen – urban, großstädtisch mit Kiez-Flair. Aufgrund der (lediglich zu Anfang etwas ausufernden) bildhaften Beschreibungen lässt sich, insbesondere, das Café gut vor dem inneren Auge darstellen – das Kopfkino beginnt fast sofort zu laufen. Dies wird auch durch Annette Böhlers leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil begünstigt.

Die einzelnen Figuren sind dabei durchaus plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn sie auch nicht immer nachvollziehbar handeln, gerade was Bianca angeht. Stärker überzeugen hier Eleonore und Mira als Nebencharaktere. Ungewöhnlich ist dabei, wie klein der Cast des Buches ist – so kommt die Autorin hier im Wesentlichen mit vier Figuren aus.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist ansehnlich, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung fehlt, dreht sich die Geschichte doch vor allem um Torten. Auch die Coverrückseite ist vollkommen überladen – wie auch schon der oben angegebene Klappentext zeigt.

Mein Fazit? „Zuckerstreusel zum Verlieben“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der vor allem durch seine zuckersüße Handlung punktet, aber auch vorhersehbar ist und ohne große Komplikationen daherkommt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Caitlyn Young: „Breaking Through“

Vor einiger Zeit habe ich „Breaking Through“ von Caitlyn Young gelesen. Das Buch ist 2022 im Verlag Elysion Books erschienen und als lesbischer Liebesroman | Girl on Girl Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die sechsundzwanzigjährige Celeste Myers steht am Anfang ihrer Karriere als Journalistin in Chicago. Die Anwaltskanzlei ihrer wohlhabenden Eltern soll eines Tages ihr älterer Bruder Milo, mit dem Celeste seit der Pubertät auf Kriegsfuß steht, übernehmen. Als Celeste einen Artikel zu Überfällen in Stadtwohnungen junger Männer schreiben soll, bei denen stets ein Kussmundabdruck auf dem Badezimmerspiegel hinterlassen wird, lernt sie die einunddreißigjährige, dunkelhäutige Jamila Smith kennen, die aus sehr einfachen Verhältnissen stammt. Die beiden verstehen sich auf Anhieb gut und tauschen Anekdoten über ihre desillusionierenden Männergeschichten aus. Die Freundschaft der ungleichen Frauen gewinnt immer mehr an Tiefe und unerwarteter Intimität. Als Celestes Bruder Milo den Verdacht äußert, dass Jamila in die Überfälle verwickeln sein könnte, ist Celeste empört und muss sich für eine Seite entscheiden.

„Breaking Through“ ist bereits schwierig einem Genre zuzuordnen. Auch wenn klar ist, dass Protagonistin und Love-Interest weiblich sind, wir also einen „queeren“ Roman haben, bleibt die genaue Einordnung schwierig. So sind Celeste und – insbesondere – Jamila leicht zu alt für eine New-Adult-Romance, auch kommen Thrillerelemente vor. Der Einfachheit halber habe ich es daher mal bei einem lesbischen Liebesroman gelassen.

Denn die Handlung mischt zwar – teils durchaus gekonnt – zwischen Thriller und Romance, da der Thrillerhandlungsstrang leider jedoch bei der Auflösung gänzlich vernachlässigt wird, zeigt sich der wahre Schwerpunkt spätestens hier. Abgesehen davon ist die Handlung durchaus abwechslungsreich, gerade zu Beginn kommt sie aber etwas schwer ins Rollen.

Dies liegt auch daran, dass die Geschichte aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt wird – eine absolut ungewöhnliche Kombination, an die ich mich auch die ganze Zeit nicht so recht gewöhnen konnte. Eine Ich-Perspektive außerhalb der Love-Interests – darauf hätte man verzichten können, auch wenn Milo sicherlich der spannendste der drei Protagonisten ist, der auch die größte Wandlung durchlebt.

Milo brilliert hier mit seinen Zweifeln und Unsicherheiten, mit seiner Liebe zu Freunden und Familie, mit seiner Entwicklung insgesamt, während Celeste und Jamila etwas blass bleiben. Auch Setting und Schreibstil überzeugen – letzterer lässt sich gut und flüssig lesen.

Die Buchgestaltung ist … allerhöchstens noch als durchwachsen anzusehen. Der Buchsatz ist hier noch am Überzeugendsten – wenn auch nicht fehlerfrei -, während Lektorat und Korrektorat teils gravierende Fehler durchgerutscht sind wie Namensverwechslungen – das darf in einem fertigen Produkt nicht in dieser Häufigkeit geschehen. Das Covermotiv ist – noch – in Ordnung und setzt sich immerhin in der Kapitelgestaltung fort, der Buchumschlag darüber hinaus ist genreuntypisch puristisch und einfallslos – insbesondere im Vergleich zum Preis ist hier ein deutliches Missverhältnis zu sehen.

Mein Fazit? „Breaking Through“ ist ein lesbischer Liebesroman, der durch eine abwechslungsreiche Handlung punkten kann, aber auch Teile der Handlung in der Auflösung gänzlich ignoriert und eklatante Schwächen in der Buchgestaltung besitzt. Für Liebhaber queerer Romane mit weiblichen Protagonisten, die darüber hinwegsehen können, dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 17 Jahren.

[Buchgedanken] Markus Grundtner: „Die Dringlichkeit der Dinge“

Vor kurzem habe ich „Die Dringlichkeit der Dinge“ von Markus Grundtner gelesen Das Buch ist 2022 im Verlag edition keiper veröffentlicht worden und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars und an den Autor für die Rezensionsanfrage.

Mathias steht am Beginn seines Berufslebens, hatte gerade ein Bewerbungsgespräch in einer Wiener Kanzlei. Klaudia steht an einem Wendepunkt: Eigentlich Lehrerin für Italienisch und Latein, wollte sie in Wien als Literaturvermittlerin arbeiten und eine Familie gründen. Bisher hat nichts davon geklappt. Sie, Liebhaberin des Lebens, und er, Getreuer der Gesetze, merken schnell, dass Romantik und Recht sich schwer vertragen, hoffen aber während ihres turbulenten Bemühens umeinander, dass sie als Paar die Ausnahme sind, welche die Regel bestätigt.

„Die Dringlichkeit der Dinge“ lässt sich bereits schwer in ein Genre einordnen. Zwar ist Mathias Anwalt und seine Karriere spielt eine zentrale Rolle für die Handlung, zum Anwalts- bzw. Justizroman fehlt jedoch ein zentraler, die Geschichte beherrschender Fall. Teils wird das Buch auch als Gegenwartsliteratur klassifiziert, aufgrund der zentralen, prägnanten Liebesgeschichte würde ich es jedoch vielmehr als Liebesroman einordnen.

Die Handlung ist unterhaltsam, teils aber auch vorhersehbar. Markus Grundtner nimmt den Leser mit in eine Welt zwischen Gesetzen und Gefühlen, zwischen Familie und Karriere, zwischen Österreich und Italien. Dabei konzentriert sich die Handlung ausschließlich auf die beiden Protagonisten, andere Charaktere sind – ungewöhnlich – vollkommen vernachlässig- und austauschbar, spielen keine Rolle.

Das Setting – Wien und Triest – ist bezaubernd, hätte durchaus aber noch stärker beschrieben werden können. Da das Buch aus Sicht von Mathias in der Ich-Perspektive erzählt wird, ist die doch etwas nüchterne Art zwar folgerichtig, als Leser hätte ich mir aber den ein oder anderen Farbton mehr gewünscht.

Der Schreibstil des Autors lässt sich größtenteils leicht und flüssig lesen, auch wenn das eingestreute juristische Vokabular für deutsche Leser – selbst für rechtskundige – aufgrund der doch vorhandenen Unterschiede teils ungewohnt klingt – genau wie die sonst eingestreuten, im österreichischen Sprachgebrauch sicherlich üblichen Begriffe, die hier eher wenig Verwendung finden oder unbekannt sind.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, insbesondere die Überschreibung der Kapitel mit inhaltsbeschreibenden Paragraphen ist gelungen. Lediglich der Buchumschlag, also Cover, Buchrücken und Coverrückseite, vermag nicht zu überzeugen, ist eintönig, unauffällig und mutlos, auch wenn das vermengte Symbol aus Herz und Paragraphenzeichen eine nette Idee ist.

Mein Fazit: „Die Dringlichkeit der Dinge“ ist ein unterhaltsamer und kurzweiliger Liebesroman, der durch sein tolles Setting punktet, einen deutschen Leser aber auch über den ein oder anderen unbekannten österreichischen Ausdruck stolpern lässt. Für Leser des Genres – und nicht nur für Juristen – bedenkenlos zu empfehlen, der Glücksvertrag zwischen Autor und Leser muss also nicht widerrufen werden.

Österreich x2 | Doppelte Buchpost

Bevor es hier in der nächsten Woche wieder einige Rezensionen zu lesen gibt, möchte ich Euch heute und morgen erst einmal wieder ein paar Bücher zeigen, die mich vor kurzem erreicht haben. Den Anfang machen heute zwei Romane mit Bezug zu Österreich: Markus Grundtners „Die Dringlichkeit der Dinge“ (edition keiper) und Jeannine Meighörners „Die silberne Riesin“ (Michael Wagner Verlag), das mich über eine Leserunde auf Lovelybooks erreichte. Vielen Dank beiden Verlagen für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare.

Welches Buch mit Bezug zu Österreich habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Susanna Tamaro: „Geschichte einer großen Liebe“

Bevor ich mit meinen Berichten aus Leipzig weitermache, möchte ich Euch heute erst einmal „Geschichte einer großen Liebe“ von Susanna Tamaro vorstellen, das ich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks gelesen habe – vielen Dank dafür an HarperCollins, Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH, wo das Buch 2022 erschienen ist. Die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Una grande storia d’amore“ bei Solferino veröffentlicht, für die Übersetzung zeichnet Barbara Kleiner verantwortlich. Das Buch ist der Gegenwartsliteratur zuzuordnen.

1978: Auf einer Überfahrt von Venedig nach Piräus begegnen sich Edith und Andrea; sie, die gerade Abitur gemacht hat, er, Kapitän des Schiffes. Andrea ist von Ediths rebellischer Art fasziniert. Er löst seine Verlobung. Doch Edith gibt ihm keinerlei Sicherheit, und als Andrea ihr einen Heiratsantrag macht, weist sie ihn schroff zurück. Ihre Wege trennen sich. Doch das unsichtbare Band des Lebens führt sie wieder zusammen. Jahre später begegnen sie sich erneut, zunächst verbunden durch eine innige Freundschaft, die bald in eine tiefe Liebe mündet. Eine Liebe, die unerwartetes Glück schenkt und ebenso einen traumatischen Schicksalsschlag verkraften muss.  

„Geschichte einer großen Liebe“ ist mein erstes Buch von Susanna Tamaro. Es ist ein Roman, der zwischen Liebes- und Schicksalsroman pendelt, aufgrund des literarischen Anspruchs aber durchaus der Gegenwartsliteratur zugerechnet werden kann. Dabei besticht der Roman vor allem durch seine poetische Sprache.

Die Handlung ist sehr gefühlvoll und emotional, durch die Vorwegnahme des Endes jedoch auch sehr antiklimaktisch und vorhersehbar, kommt ohne größere Überraschungen aus. Zudem fällt auch der Einstieg in die Handlung schwer, ist am Anfang doch für einige Seiten unklar, wer die Geschichte erzählt.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt Susanna Tamaro den Leser in ein Italien zwischen 1950 und der Moderne, in ein Land zwischen Konservatismus und Hippie-Bewegung – und auf die hohe See zwischen Fährhäfen und Kreuzfahrten nach Bali.

Da die Geschichte ja aus Andreas Sicht in Rückblenden erzählt wird, ist es schwer, die Charaktere zu beurteilen, sind die Erinnerungen an diese doch durch die Sicht von Andrea verfälscht. Er hingegen ist emotional, handelt aber nicht immer nachvollziehbar – und ist daher perfekt in seiner Fehlerhaftigkeit. Susanna Tamaros Schreibstil lässt sich darüber hinaus einfach und flüssig lesen, lediglich die vielen Zeitsprünge sorgen gelegentlich für Verwirrung.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover ist schön, aber eher belanglos und austauschbar, der Buchumschlag insgesamt eher schlicht, genau wie das Buch unter dem Umschlag.

Mein Fazit? „Geschichte einer großen Liebe“ ist ein unglaublich poetischer und gefühlvoller aber auch antiklimaktischer Roman der Gegenwartsliteratur, der den Leser in das Italien der Moderne entführt. Für Liebhaber der Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Lisa Kirsch: „Querbeet ins Glück“

In der letzten Zeit habe ich „Querbeet ins Glück“ von Lisa Kirsch gelesen. Das Buch ist 2022 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Maddie hat es fast geschafft: Ihr Traumjob als Musicaldarstellerin ist zum Greifen nah. Um richtig Fuß zu fassen, darf sie sich auf keinen Fall ablenken lassen. Doch dann stolpert Maddie durch Zufall in den Gemeinschaftsgarten “Grüne Freiheit”. Auf einmal merkt sie, was ihr gefehlt hat: Sie genießt das Gefühl von frischer Erde zwischen den Fingern, freundet sich mit der wilden Lila an und bekommt Herzklopfen, wenn der unverschämt gutaussehende Mo ihr beim Johannisbeeren-Ernten hilft. Aber Maddie kann sich nicht zweiteilen und ihr wird klar: Früher oder später muss sie sich zwischen ihren Gartengefühlen und ihrem Karrieretraum entscheiden.

„Querbeet ins Glück“ ist – zumindest im Wesentlichen – ein klassischer Feel-Good-Roman und idealer Begleiter für den stressigen Alltag, um einfach mal für ein paar Stunden abzuschalten. Dabei entführt Lisa Kirsch den Leser in das schrullige, hippe Berlin zwischen Musical und Schrebergarten, zwischen bis ins kleinste Detail durchgetakteten Tagen und anarchisch-alternativen Lebensweisen.

Die Handlung ist dabei erwartbar seicht, aber nichtsdestotrotz durchaus spannend und abwechslungsreich. Schwere Themen spielen zwar schon eine Rolle, nehmen aber nie überhand, um die Wohlfühlzone nicht zu verlassen. Nur gegen Ende hin fällt die Handlung etwas ab, da das Ende durchaus problematisch ist und nur in der Lovestory die Handlungsstränge zufriedenstellend auflöst.

Die einzelnen Protagonisten sind – zumindest teils – dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem einige Nebencharaktere wie Lila und Rainer – oder auch die Tiere wie Inge und Opa – und der Fässchenkühler. Dahingegen bleibt Mo etwas blass.

Der Schreibstil von Lisa Kirsch lässt sich leicht und flüssig lesen und transportiert authentisch die Berliner Schnauze und das Lebensgefühl der Stadt, ohne allzu sehr zu übertreiben oder Lesebarrieren für Nichtberliner aufzubauen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, hätte bei Maddies Listen aber etwas mehr Mut vetragen können. Beim Cover überzeugen vor allem die farbigen Coverinnenseiten und die schöne Coverrückseite, das Covermotiv holt mich hingegen nicht wirklich ab.

Mein Fazit: „Querbeet ins Glück“ ist ein authentischer Wohlfühlroman mit interessanten Gegensätzen, aber auch einem eher schwachen Ende. Für Liebhaber von Liebesromanen dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Aly Mennuti: „Aber der Sex war gut“

Vor kurzem habe ich „Aber der Sex war gut“ von Aly Mennuti gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Real Fake“ bei Bolinda Publishing PTY LTD veröffentlicht. Das Buch ist als Liebesroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Bauche-Eppers verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Annie Shepherd ist eine der bekanntesten Autorinnen der Welt, ihre TRUST ME-Reihe verkauft sich millionenfach. Doch Annie hat auch ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das ans Licht zu kommen droht, als ihr Freund, der preisgekrönte Literaturprofessor Joe Duke, überraschend stirbt. Um sich zu retten, muss sie sich mit ihrem größten Feind verbünden: dem Literaturagenten Henry Higgins. Der kommt ihr nicht gerade bereitwillig zu Hilfe, aber auch er hat alles zu verlieren. Und jeder weiß: Was sich neckt, das lernt sich lieben … Oder doch nicht?

„Aber der Sex war gut“ ist nicht nur Liebesroman, sondern auch ein Spiegelbild der Buchwelt und begleitet eine Autorin auf dem Weg zu ihrer literarischen Stimme, ist Ode an den innigen Kontakt zwischen Autor und Leser und prangert mahnend Probleme im Literaturbetrieb an.

Die Handlung ist dabei genrebedingt durchaus vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber abwechslungsreich und unterhaltsam, jedoch auch etwas belanglos. Während der Start in den Roman etwas zäh ist, entwickelt sie sich gerade im letzten Drittel zum wahren Pageturner und lässt den Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Die einzelnen Charaktere sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie der absolute Sympathieträger Will oder Daphne, während Annie und Henry teils etwas blass und eindimensional bleiben, sich aber dennoch auch weiterentwickeln und Hoffnung für Folgebände schaffen.

Aly Mennutis Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist humorvoll, frech, am Anfang aber gewöhnungsbedürftig. Eingestreute Gimmicks – wie der Cameo von Hugh Grant – beleben die Bindung zum Leser und sorgen für eine bessere Identifikation zur Handlung.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im großen und ganzen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Insgesamt bleibt das Cover aber – trotz der Farblichkeit – eher schlicht und austauschbar.

Mein Fazit? „Aber der Sex war gut“ ist ein Liebesroman für Buchliebhaber, dessen Handlung gerade in der zweiten Hälfte an Fahrt aufnimmt, insgesamt sein Potential aber nicht vollends ausschöpft. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Alisha Rai: „Wenn deine Hand mich hält“ (Forbidden Hearts 2)

In der letzten Zeit habe ich „Wenn deine Hand mich hält“ von Alisha Rai gelesen, den zweiten Teil der „Forbidden Hearts“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2017 unter dem Titel „Wrong to Need You“ bei Avon Books, einem Imprint von HarperCollins Publishers veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Vor zehn Jahren wurde Jackson Kane eines Verbrechens bezichtigt, das er nicht begangen hatte. Nun ist er zurück: älter, weiser und reicher. Und er trifft auf die Frau, die er nie aufgehört hat zu lieben, selbst als sie seinen Bruder heiratete. Auch Sadia fühlt sich zu ihm hingezogen. Allerdings wehrt sie sich mit aller Macht gegen die Gefühle, die ihr geheimnisvoller Ex-Schwager in ihr weckt. Eine gemeinsame Zukunft ist eigentlich unmöglich, aber die gegenseitige Anziehung ist übermächtig. Sadia und Jackson müssen entscheiden: Sind sie stark genug, sich der Vergangenheit zu stellen?

Ungeachtet der Reihe kann „Wenn deine Hand mich hält“ als Standalone gelesen werden – auch mir fehlt der erste Teil, was dem Verständnis der Handlung keinen allzugroßen Abbruch tut, da die dort geschilderte Beziehung von Nicholas und Livvy zwar vorkommt, allerdings nur am Rande auftaucht. Jedoch fiel es mir schwer, die komplizierten Familien- und Verwandtschaftsverhältnisse immer präsent zu haben – ich hätte mir hier einen Stammbaum der Familien gewünscht. Sicherlich wäre mir dies bei einer mehrbändigen Beschäftigung mit den Figuren leichter gefallen.

Eine Genrezuordnung habe ich – wie vielleicht dem ein oder anderen aufgefallen ist – oben unterlassen, denn „Wenn deine Hand mich hält“ balanciert auf der Grenze zwischen Liebesroman und Erotik, die Protagonisten sind leicht zu alt für New Adult, die Beziehung trotz erotischer Dominanz nicht dunkel genug für Dark Romance, sodass wohl ein erotischer Liebesroman vorliegt, der im erstern Teil mehr Liebes-, im zweitel Teil mehr Erotikroman ist.

Das Setting brilliert erwartbar auf ganzer Linie. Amerikanisches Kleinstadtflair trifft auf familiäre Intrigen, High Society trifft auf gesellschaftliche Aussteiger, sexuelle Selbstbstimmung auf Panikattacken und Minderwertigkeitskomplexe – Alisha Rai nimmt den Leser auf eine Reise mit, die quer durch die Gesellschaft tief ins Innere der einzelnen Protagonisten führt – hochspannend und hochemotional.

Die Handlung überzeugt im Wesentlichen, ist spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar. Die eingebauten erotischen Szenen dominieren zwar im zweiten Teil, unterstützen jedoch die Handlung, sind emotional und gut geschrieben, ohne ins pornografische abzugleiten. Dabei gelingt es Alisha Rai, die Anziehung zwischen den Protagonisten greifbar, das Knistern durch die Buchseiten spürbar zu machen. Meine Lieblingsszene? Die hocherotische Situation vor der Bar auf den Seiten 226-233.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie Jia, John und Kareem, dessen kindliche Freude und Unbedarftheit alle begeistert. Alisha Rais Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist wunderschön gestaltet – ein wahrer Eyecatcher. Eine hochwertige Prägung auf Titel, Buchrücken und der Coverrückseite sowie Klappen und tolle, farbige Coverinnenseiten runden den wunderbaren Gesamteindruck ab.

Mein Fazit? „Wenn deine Hand mich hält“ ist ein erotischer Liebesroman, der durch sein wundervolles Setting und starke Gefühle punkten kann, wenn auch die Handlung teils vorhersehbar ist und die familiären Verwicklungen teils verwirrend sind. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 17 Jahren.

Hochspannung garantiert | Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich wieder einige Bücher, von denen ich Euch heute die ersten beiden auch hier präsentieren möchte. „Wenn deine Hand mich hält“ von Alisha Rai und „Probe 12“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele garantieren als Wissenschaftsthriller und als dramatischer Liebesroman Hochspannung und Herzklopfen – vielen Dank daher an den Lübbe Verlag, Bastei Lübbe AG, für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare über die Bloggerjury einerseits und die vermittelnde Agentur Buchcontact andererseits. Ich hoffe, mir stehen atemberaubenden Lesestunden ins Haus – und berichte Euch natürlich zeitnah davon!

[Buchgedanken] Valerie Korte: „Liebe treibt die schönsten Blüten“

Ich unterbreche kurz die Messeberichterstattung für eine Buchbesprechung, quasi frisch aus Leipzig. Vor einiger Zeit habe ich „Liebe treibt die schönsten Blüten“ von Valerie Korte gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kann man Liebe säen, wo sie nicht von selbst wächst? Das fragt sich Gartenbauerin Svea, als sie ausgerechnet im Rückenkurs den Landschaftsarchitekten Lars trifft. Nach 45 Minuten Faszienlockerung ist ihr klar: der und kein anderer. Von seiner Seite allerdings: null Interesse. Die Partnerübung mit dem Igelball endet im Desaster, und auch die wissenschaftlich geprüften Flirt-Tipps von Sveas Freundin Elisabeth zeigen keine Wirkung. Oder? Als Lars bei der Stadt Köln die Neugestaltung eines Platzes ausschreibt und Svea sich mit ihrer Firma bewirbt, kommt Bewegung in die Sache …

„Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist ein klassischer Liebesroman, und daher eine gelungene Abwechslung zu den vielen Romance-Titeln in letzter Zeit. So steht die Protagonisten mitten im Leben und kommt aus einer jahrelangen Beziehung. Passend dazu sind auch die Konflikte im Buch andere – und älter. Berufliche Umwälzungen, Schicksalsschläge, Konfrontationen mit früheren Partnern: Svea und Elisabeth werden der prallen Realität des Lebens ausgesetzt. Dabei gelingt es der Autorin jedoch gut, die positive Grundstimmung des Buches dauerhaft beizubehalten, die Probleme nie zu schwer, zu belastend werden zu lassen, um den Leser nicht das Gefühl zu geben, in einer ausweglosen Situation festzustecken. Und so bleibt das Buch auch ein toller Feel-Good-Roman, ein perfekter Begleiter für den Alltag.

Das Setting überzeugt dabei mit viel Lokalkolorit – authentisch und bildhaft beschrieben. Karneval, Kölsch, Kneipen, tolerante und rheinische Frohnaturen. Da ich Anfang August eine Woche Urlaub in der Stadt mache – vielleicht gelingt es mir ja, den ein oder anderen Schauplatz aus dem Buch aufzusuchen. Sollte ich das schaffen, erfahrt Ihr hier natürlich alles darüber.

Dabei gelingt es der Autorin im Wesentlichen, eine spannende und abwechslungsreiche Handlung zwischen die Buchdeckel zu pressen, wenn auch das Ende relativ schnell und etwas zu abrupt kommt. Hier hätte man durchaus etwas mehr Raum lassen, etwas entschleunigen können. Die dafür notwendigen Seiten hätte man zur Not bei Elisabeths Handlungsstrang einsparen können, der zwar interessant, teils aber zu präsent war und teils das Gefühl erweckte, hier ihre diverse Lebensweise etwas zu stark in den Mittelpunkt rücken zu wollen. Gleiches gilt für die teils zu ausführlichen, etwas zu belehrenden Ausführungen zu naturnaher Gartengestaltung und zu Umweltschutzaspekten – so wichtig es auch ist, dass Svea sich dafür einsetzt. Etwas dezenter eingesetzt, hätten die einzelnen Szenen wie die Guerillaaktion auch mehr Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

Valerie Kortes Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino direkt anspringen. Dennoch hätte ich mir an einigen Stellen noch mehr Beschreibungen, noch mehr Eindrücke von Svea gewünscht – mit der man sich aufgrund der – perfekt gewählten – Ich-Perspektive allerdings sehr gut identifizieren kann. Die Charaktere sind insgesamt vielschichtig angelegt, haben eigene Stärken und Schwächen, Motive und Ziele. Dabei glänzen vor allem die Nebencharaktere wie Carla und Dieter.

Die Buchgestaltung überzeugt im Großen und Ganzen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, auch der Buchsatz ist im Wesentlichen gelungen – wenn sich mir auch die den Kapiteln vorangestellten Auszüge aus Brehms Tierleben nicht wirklich erklären. Zudem hätte ich mich gefreut, wenn sich die Playlist vorn im Buch wiedergefunden hätte – und nicht erst ganz am Schluss. Das Cover ist schön anzusehen und kann mit tollen, farbigen Coverinnenseiten aufwarten. Allerdings hätte ich mir einen etwas stärkeren Bezug zum Inhalt gewünscht – und der Lobgesang/blurb auf der Coverrückseite irritiert dann doch – bezieht er sich ja auf das Vorgängerbuch.

Mein Fazit: „Liebe treibt die schönsten Blüten“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Liebesroman mit einem tollen Setting und vielschichtigen Protagonisten. Kleinere Schwächen in der Handlung stören dabei das Lesevergnügen kaum. Für Leser von Liebesromanen bedenkenlos zu empfehlen – auch für solche knapp unter der vom Verlag ausgesprochenen Altersempfehlung von ab 16 Jahren.