[Buchgedanken] Frida Jacobsen: „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ (Möwenhof 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen gelesen. Das Buch ist 2026 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ole Paulsen weiß nicht mehr weiter: Sein Pfahlrestaurant in St. Peter-Ording steht kurz vor dem Aus, und privat läuft ebenfalls alles schief. Als Ole wider Willen bei einer Fernsehkochshow antritt, gerät seine Welt vollends ins Wanken – und sein Herz gleich mit. Während die Kameras laufen und der Herbstwind über den Möwenhof fegt, muss Ole sich fragen, was im Leben und in der Liebe wirklich zählt.

„Herbstleuchten über dem Möwenhof“ ist nach „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ der zweite Band der Möwenhof-Reihe aus der Feder von Frida Jacobsen, einem Pseudonym von Frieda Bergmann, die auch Teil des Autorinnen-Quartetts Hannah Conrad ist. Wie beim ersten Teil lässt sich der Roman klar als klassischer Liebesroman einordnen, auch Kategorisierungen wie Küsten- oder Nordseeroman sind möglich, entfernt erinnert die Serie auch an eine Familiensaga, auch wenn man Ole dann mehr oder weniger in diesem Fall als „adoptiertes“ Familienmitglied sehen müsste. Der Roman lässt sich gut als Standalone lesen, zur Figurenentwicklung empfehle ich vorher aber die Lektüre des ersten Bandes.

Die Handlung ist abwechslungsreich und interessant, genrebedingt natürlich auch vorhersehbar. Sie setzt nahtlos die Geschichte aus Band 1 fort und wird erneut aus den beiden Ich-Perspektiven der Love Interests erzählt – der Wechsel erfolgt kapitelweise und ist durch die Kapitelüberschrift angekündigt. Dabei trifft man liebgewonnene Charaktere wieder – der Möwenhof ist über die beiden Bände fast schon wie ein Zuhause auch für die Leser:innen geworden, sodass auch für weitere Folgebände noch genug Charaktere übrig bleiben würden, die auch noch eine Geschichte verdienen.

Das Setting brilliert erneut. Wieder geht es für die Leser:innen nach Sankt Peter-Ording, aber dieses Mal auch nach Schottland und Hamburg – Ole hat sich einen kosmopolitischen Love Interest verdient. Der Lokalkolorit kommt erneut durch den Dialekt durch – auch wenn er anteilig etwas hinter Band 1 zurücksteht. Wieder werden zudem niederschwellig wichtige Themen eingebaut wie Existenzängste, Scham oder die Verdrängung kleinerer Betriebe durch Ketten (eine Hommage an Band 1), die Feel-Good-Atmosphäre wird aber nie beeinträchtigt, das Happy End gerät nie wirklich in Gefahr.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – und werden konsequent aus dem Vorgängerband weiterentwickelt. Dabei überzeugt erneut allen voran Nele, aber auch andere wichtige Nebencharaktere wie Levke oder Esther können glänzen – genau wie in diesem Band auch die Protagonist:innen Allegra und Ole, der ja im ersten Band schon einer meiner Favoriten war. Frida Jacobsens Schreibstil lässt sich erneut leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung ist wieder ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die sich aber noch im vertretbaren Rahmen halten, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt, das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fort und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, das sich zudem gut ins Gefüge der Reihe einpasst. Generell ist das Covermotiv auch ansehnlich, auch wenn mir erneut der Bezug zur Handlung fehlt. Abgerundet wird die Geschichte zudem mit einer kurzen Playlist, die unüblich hintangestellt ist.

Mein Fazit? „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ ist eine tolle Fortsetzung, die altbekannte Charaktere weiterentwickelt und in eine erneut tolle Story packt, die wirklich viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 13 Jahren.

[Buchgedanken] Frida Jacobsen: „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ (Möwenhof 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen gelesen. Das Buch ist 2025 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Für einen Neuanfang zieht Maren mit ihren Kindern zurück an die Nordseeküste, wo ihre Familie auf dem Möwenhof ein gemütliches Bed & Breakfast betreibt. Als sich Maren Hals über Kopf in den Bootsbauer Henning verliebt, könnte ihr Glück perfekt sein. Doch gerade jetzt plant ihr Onkel, das idyllische Kleinod zu verkaufen. Die Frauen vom Möwenhof geben nicht auf und setzen alles daran, ihn umzustimmen. Marens Beziehung zu Henning wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Kann sie auf seine Unterstützung vertrauen und ihr Zuhause retten?

„Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist der erste Band der Möwenhof-Reihe von Frida Jacobsen, einem Pseudonym von Frieda Bergmann, die zudem Teil des Autorinnen-Quartetts ist, das unter dem Namen Hannah Conrad veröffentlicht. Da alle Bücher sich um die Liebe drehen, ähnliche Genres bedienen, ist es hier das Setting, das die einzelnen Pseudonyme voneinander abgrenzt – in diesem Fall das Küstenflair der Nordsee, sodass das Buch von Frida selbst gern auch als Küstenroman bezeichnet wird. Der Vollständigkeit halber kategorisiere ich es dennoch mal als klassischen (Feel-Good) Liebesroman ein.

Die Handlung ist abwechslungsreich und interessant, genrebedingt aber teils durchaus vorhersehbar. Insbesondere die Liebesgeschichte zwischen Maren und Henning lässt hier nie Zweifel an dem erwartbaren Happy End aufkommen, der große Konflikt zwischen beiden entpuppt sich eher als Stolpersteinchen, sodass die Feel-Good-Atmosphäre nie gestört wird. Lediglich in der Rahmenhandlung, die die Lovestory wunderschön abrundet, kommt hier größere Spannung auf. Erzählt wird die Geschichte aus zwei Ich-Perspektiven, die in der Regel kapitelweise wechseln und dankenswerterweise mit dem jeweils handelnden Akteur überschrieben sind. Lediglich ein Wechsel fand innerhalb des Kapitels statt – mangels Überschrift irritierte dieser doch etwas.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an die Nordseeküste nach Sankt Peter-Ording – und hier vor allem auf den Möwenhof, eine idyllisch-pittoreske und in der Zeit stehengebliebene Bed & Breakfast-Pension voller Charme und Wärme. Insgesamt ist die verschlafene Nordseegesellschaft traumhaft und bietet neben dem Dialekt tolles Lokalkolorit – und einen fast märchenhaften Kampf Gut gegen Böse – strahlender Ritter inklusive. Dabei werden durchaus gesellschaftlich relevante Themen wie die Verdrängung kleiner Höfe durch große Gesellschaften, familiäre Vernachlässigung und – generell – fast jede denkbare Familienkonstellation eingebaut – ohne dass es jedoch aufgesetzt und gewollt wirkt.

Auch die einzelnen Charaktere können größtenteils glänzen, sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Nele, Abena, Noah und Ole – ich freue mich über Band 2 mit ihm. Henning und Maren handeln zwar nicht immer nachvollziehbar, aber sieht man von der Überdramatisierung des Konflikts ab, machen sie ebenfalls viel Spaß. Frida Jacobsens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – man träumt sich direkt selbst an die Nordsee.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv wird toll auf Buchrücken und Coverrückseite fortgesetzt, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das sich zudem gut in die Reihe einfügt. Der Umschlag ist ferner auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt. Generell ist das Covermotiv sehr ansehnlich und genretypisch, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung fehlt.

Mein Fazit? „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist ein toller Start in die Reihe mit wundervollem Setting und spannenden Figuren, die Lust auf den zweiten Band machen. Minimale Schwächen fallen dabei kaum ins Gewicht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Nike Sellberg: „Forever Starts Tomorrow“

In der letzten Zeit habe ich auch „Forever Starts Tomorrow“ von Nike Sellberg gelesen. Das Buch ist 2026 bei Atlantik, einem Imprint der Hoffmann und Campe Verlag 1781 GmbH erschienen und als Romcom einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitsstellung eines Rezensionsexemplares im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Annas Leben steht plötzlich Kopf, als ihr Partner sie ohne Vorwarnung sitzen lässt. Zeit für Liebeskummer nimmt sie sich nicht, stattdessen zieht sie kurz entschlossen in einen alten Leuchtturm an der Ostsee – in der Hoffnung auf einen Neuanfang. Doch statt eines Meeresidylls erwarten sie bröckelnde Wände, ein Schuppen voller Antiquitäten, ein improvisiertes Café – und eine ziemlich eigensinnige Schafherde. Zum Glück gibt es Henk, ihren wortkargen, ständig schlecht gelaunten Nachbarn, der sich überraschend als Hilfe entpuppt. Doch dann holt Anna ihre Vergangenheit ein – und stellt sie vor die Frage, was es wirklich braucht, um ein gebrochenes Herz zu heilen.

„Forever Starts Tomorrow“ ist das Debüt von Nike Sellberg, einem Pseudonym der Kinder- und Jugendbuchautorin Sandra Nenninger – und bereits die Genrezuordnung fällt mir hier schwer. Während die Handlung nach einem klassischen Liebesoman (mit cosy Setting) klingt, wird das Buch doch als Romcom beworben – und die durchaus überraschenden, aber nicht unwillkommenen spicy Szenen rücken den Roman nah an New Adult, auch wenn dafür die Protagonist:innen gegebenenfalls etwas zu alt sind. Da das Buch aber vor allem durch die Leichtigkeit, den Humor geprägt ist, habe ich mich schlussendlich der Bewerbung des Buches angeschlossen und das Werk als Romcom kategorisiert.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und gefühlvoll, besticht aber auch durch humorvolle Szenen und tolle Sidekicks, die die Handlung an sich reißen und sich gefühlt sogar mit in den Vordergrund spielen. Neben der eigentlich im Zentrum stehenden Liebesgeschichte werden somit munter weitere Charaktere verpartnert – und so ganz nebenbei auch die familiäre Vergangenheit eines der Protagonist:innen aufgedeckt. Dabei entwickelt sich das Buch zuweilen zum Pageturner, kleinere Logikbrüche und ein nicht so ganz überzeugendes Ende fallen hierbei nicht allzu sehr ins Gewicht.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins fiktive Dörfchen Sandorf, an der Ostsee zwischen Lübeck und Fehmarn gelegen, malerische Küste, baufälliger Leuchtturm und kleine, verschlafene Geschäfte inklusive. Dabei werden durchaus auch gesellschaftliche Themen wie der Strukturwandel von Landschaften gestreift – genau wie die persönlichen Probleme der Protagonist:innen verbleiben diese aber eher an der Oberfläche und lassen so den Feel-Good-Charakter des Romans unberührt, der maßgeblich auch durch die Schafe herbeigeführt wird – cosier geht es ja kaum.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Wiebke, Isolde, Aike und Peer (die Liste könnte man bedenkenlos noch fortsetzen), während gerade Henk und Anna sich doch einige Schnitzer leisten, die die Identifikation mit ihnen erschweren und die nicht wirklich nachvollziehbar sind. Nike Sellbergs Schreibstil ist dahingegen humorvoll, lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, auch die Chatnachrichten werden zumindest wechselseitig bündig gesetzt. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird auf der Coverrückseite etwas ausgeblasst wieder aufgegriffen, leider zum Buchrücken hin jeweils doch stark abgegrenzt. Insgesamt ist das Covermotiv farblich auch ansprechend, mir fehlt jedoch etwas der Bezug zur Handlung und auch in der Darstellung der Protagonist:innen hätte man andere Wege finden können.

Mein Fazit? „Forever Starts Tomorrow“ ist ein humorvoller Roman, der mit tollen Charakteren und einem malerischen Setting punkten kann und sonst nur kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Yara Hauch: „Begrabene Liebe: Liz Bach“ (Liz Bach 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Begrabene Liebe: Liz Bach“ von Yara Hauch gelesen. Das Buch ist 2026 im Verlag Plastyggnuss erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liz Bach hat gerade ihren ersten Archäologie-Job nach dem Studium begonnen – und kämpft direkt mit Zeitdruck, weirden Kollegen und einer Beziehung, die sich mittlerweile nicht mehr echt anfühlt. Als sie auf der Grabung ein altes Kettchen mit Herzgravur findet, lässt sie der Fund nicht mehr los – besonders, als sich eine Verbindung zur Familie des Auftraggebers abzeichnet. Während Liz auf eigene Faust zu graben beginnt – in der Erde und in der Vergangenheit -, gerät auch ihr Privatleben in Bewegung: Zwischen dem kumpelhaften Kobe, dem bodenständigen Sebastian und dem zurückhaltenden Tristan merkt sie, dass Nähe viele Formen haben kann. Und dass manche Antworten nicht unter der Oberfläche liegen, sondern in der Entscheidung, wie man weitergeht.

„Begrabene Liebe: Liz Bach“ ist der Debütroman von Yara Hauch und der Auftaktband in die Buchreihe um die junge Archäologin Liz Bach. Dabei lässt sich das Buch schwerlich einem Genre zuordnen. So geht es nicht nur um Liz‘ Leben als Archäologin, um ihre Funde, sondern auch um ihr Privatleben, ihr Liebesleben, das sich hier nicht nur als Love Triangle, sondern als Liebesquartett darstellt – eine Frau, gefangen zwischen drei Männern. Daher habe ich das Buch – analog zu den meisten auffindbaren Zuschreibungen – als Liebesroman eingruppiert, auch Kategorisierungen als Entwicklungsroman oder, wenn sich die Reihe so entwickelt, als Coming of Age wären denkbar.

Die Handlung ist abwechslungsreich und kurzweilig, bleibt aber vor allem beim Thema Archäologie auch noch sehr an der Oberfläche – bei der Kürze des Buches nicht wirklich schlimm, aber spätestens die Folgebände sollten hier liefern. Denn zumindest in diesem Band haben die Liebesgeschichten von Liz überproportional Raum eingenommen und alles andere eher in den Hintergrund gerückt, auch wenn gerade zum Ende hin nochmal die Rahmenhandlung an Fahrt aufnahm und einen durchaus interessanten Ausgang genommen hat. Gleichsam lässt das generell offene Ende viel Potential für die Folgebände, um Liz‘ Geschichte nahtlos fortzuschreiben.

Das Setting ist – im Großen und Ganzen – gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in die Eifel, nimmt sie mit in eine ländliche Region zwischen Großgrundbauern und kleinen Dörfern, die eher verschlafen als pulsierende Lebensadern sind. Eingebettet in die Archäologie als übergeordnetes Thema (die – wie angeführt – hier noch etwas kurz kommt), wird die Frage aufgeworfen, welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Gegenwart hat. Überzeugen kann hier vor allem das kleine Team, in dem Liz ihren ersten Job wahrnimmt, auch wenn das sicherlich leicht überzeichnet ist, sorgt es doch für Humor.

Denn die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, auch wenn viele der Charaktere aufgrund der Kürze noch etwas holzschnittartig verbleiben. Dennoch überzeugen vor allem wichtige Nebenfiguren wie Rosi, Bruno, Kobe und Heike, während Liz nicht immer nachvollziehbar handelt und sich teils auch nicht so ganz korrekt verhält. Yara Hauchs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung hat kleinere Schwächen. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz setzt die Chatnachrichten zwar vom regulären Text ab, hier gibt es aber durchaus noch Verbesserungspotentiale. Das Covermotiv ist zwar ansehnlich und wird auf dem Buchrücken fortgesetzt, zur Coverrückseite dann aber krass abgeschnitten – und der Schnitt ist hier auch nicht auf der Kante, generell wirkt es so, als sei hier auf der Coverrückseite formattechnisch einiges schief gelaufen.

Mein Fazit? „Begrabene Liebe: Liz Bach“ ist ein Debütroman und Auftaktpotential, der durch sein Setting und spannende (Neben-)Charaktere lebt, in den Folgebänden aber noch für Tiefe und eine ausgeglichenere Schwerpunktsetzung sorgen kann. Für Leser:innen des Genres noch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Karin Seemayer: „Sommerwind in der Toskana“

Vor kurzem habe ich auch „Sommerwind in der Toskana“ von Karin Seemayer gelesen. Das Buch ist 2026 bei Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nach dem Tod ihres Onkels erbt Laura dessen Haus in der Toskana, in dem sie jeden Sommer ihrer Kindheit verbracht hat. Mit dem festen Vorsatz, es so schnell wie möglich zu verkaufen, reist sie nach Castagneto Carducci. Ein wohlhabender Winzer bietet ihr viel Geld, und alles scheint entschieden. Doch dann begegnet sie ihrem Jugendfreund Luca wieder. Mit seiner Liebe zur Landschaft und seinem Traum von einem nachhaltigen Agriturismo weckt er längst vergessene Erinnerungen in Laura. Inmitten goldener Hügel und flirrenden Lichts entdeckt sie nicht nur die Schönheit der Toskana neu, sondern auch ihr Herz.

„Sommerwind in der Toskana“ ist mein erstes Buch aus der Feder von Karin Seemayer, das unabhängig von ihren anderen Toskana-Romanen gelesen werden kann. Dabei lässt sich der Roman relativ klar als (klassischer) Liebesroman einordnen, der sich zudem perfekt als Sommer-/Urlaubslektüre eignet und zum Dahinträumen einlädt.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und interessant, aber teils auch etwas ereignisarm und ohne größere Spannungsspitzen – selbst bei einem klassischen Feel-Good-Liebesroman hätte ich mir hier ein paar Komplikationen mehr gewünscht. Allerdings kann dahingegen das Ende glänzen, da es organisch zur Geschichte passt und der Handlung kein künstliches, klischeebehaftetes Happy-End übergestülpt wurde.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in die Toskana abseits der großen Touristenströme, in landwirtschaftlich dominiert kleine Städte voller Dolce Vita, gutem Essen und Traditionen. Dabei mischt Karin Seemayer die Liebesgeschichte mit wichtigen Themen wie nachhaltigem Tourismus, der Verdrängung kleiner Unternehmen durch Großgrundbesitzer und toxische Familienstrukturen zu einem interessanten Gesamtpaket, das aber nie das Feel-Good-Urlaubsgefühl in Frage stellt und daher eher oberflächlich verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Laura überzeugen hier vor allem wichtige Nebenfiguren wie Julia und Nonna Maria, während Luca etwas eindimensional und zu perfekt verbleibt, ihm Ecken, Kanten und die ein oder andere Schwäche fehlen, um glaubhaft zu erscheinen. Karin Seemayers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchstaz ist solide. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt, auch das Covermotiv setzt sich nahtlos über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, auch wenn die Spiegelung des Covermotivs auf der Coverrückseite jetzt nicht sehr einfallsreich ist. Insgesamt ist das Cover aber durchaus genretypisch und ansehnlich. Gewünscht hätte ich mir am Ende des Buches noch die Auflistung der lokalen Rezepte, die in der Handlung angesprochen worden sind – für das Toskana-Feeling zuhause.

Mein Fazit? „Sommerwind in der Toskana“ ist ein klassischer Feel-Good-Liebesroman, der vor allem mit seinem Setting brilliert, aber durchaus die ein oder andere Komplikation mehr hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

Gefühlschaos | Doppelte Buchpost

Auch heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Zwischen Herz und Pixel“ von Emmi Lewag (Kampenwand Verlag) handelt dabei davon, ob man sich in eine KI verlieben kann, während sich „Achtsam Jammern“ von Heike Abidi und Daniela Nagel (Goldegg Verlag) darum dreht, wie man – wie der Titel schon sagt – achtsam jammert ;). So oder so – egal ob Roman oder Sachbuch – sind hier in beiden Büchern sicherlich widerstreitende Gefühle vorprogrammiert. Ich bin daher schon sehr gespannt!

Worüber könnt Ihr derzeit jammern?

[Buchgedanken] Nataša Dragnić: „Affenliebe“

Vor kurzem habe ich auch „Affenliebe“ von Nataša Dragnić gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über tredition im Label MORE books veröffentlicht worden und der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Maximilian Kaiser, ein 64-jähriger Berliner Literaturprofessor, eines Tages Post von einer Monika Wimmer erhält, beginnt eine obsessive, phantasiegeladene E-Mail-Korrespondenz. Ihr erstes Treffen ist stürmisch, verstörend und voller unausgesprochener Sehnsüchte und verwirrender Gespräche. Doch so leidenschaftlich alles beginnt, so abrupt und unerklärlich endet es. Auf der Suche nach Antworten reist Maximilian samt seiner katzentötenden Neugierde in die eigene Vergangenheit und begibt sich auf Spurensuche: zu seinem Vater, zu seiner Kindheit, zu den Geheimnissen seiner Mutter – und zu Monika nach Bremen, wo alles begonnen hat. Um eine Wahrheit zu entdecken, die er nie erwartet hätte.

„Affenliebe“ ist mein erster Roman von Nataša Dragnić – und mit Sicherheit das speziellste Buch, das ich bislang in diesem Jahr gelesen habe. Dabei lässt sich der Roman bereits nicht so einfach kategorisieren, wird er doch als literarischer Liebesroman beworben – und teils skurril auf Verkaufsplattformen eingruppiert. Ich habe das Buch jedoch – obwohl die Liebe ein zentrales Thema ist – der Gegenwartsliteratur zugerechnet, da mir persönlich viele Eigenschaften klassischer Liebesromane fehlen.

Die Handlung dreht sich nämlich zwar – wie bereits festgestellt – durchaus um Liebe, um Verlangen, zugleich aber auch um Obsession, Selbstaufgabe und Wahn. Denn der Professor steigert sich eskapistisch in einen Fiebertraum, der zuweilen Realität und Fiktion durchmischt und immer und immer wieder auf das übergeordnete Thema „Affe“ zurückgeht, das sich durch Generationen der Familie des Professors zieht, für die Leser:innen aber nicht immer greifbar und teils verwirrend bleibt. Dennoch kann vor allem das Ende mit einem positiven Ausblick glänzen.

Auch das Setting überzeugt größtenteils. Zwar sind Berlin und Bremen als Handlungsorte (und die Wege dazwischen) mehr oder weniger austauschbar, jedoch schafft die Autorin mit der Komparatistikprofessur des Protagonisten eine faszinierende Grundlage, um immer wieder Stendhal-Zitate in den Roman einzubringen und Vergleiche zu anderen großartigen Autor:innen zu ziehen (die Porträts an den Bürowänden lassen grüßen). Gleichsam wird durch den Mail-Wechsel hier innovativ über einen längeren Zeitraum ein virtuelles Kennenlernen dargestellt – als absolutes Neuland für den analog lebenden Professor.

Aufgrund der geringen Anzahl an handelnden Charakteren – eigentlich tritt fast nur der Professor wirklich regelmäßig auf -, lässt sich sehr wenig zu den Figuren im Roman sagen. Die marginal eingestreuten Nebencharaktere wie Hamdi und Fiona können zwar überzeugen, sind aber jeweils nur Stütze für den Professor, der sich in Gegenwart und Vergangenheit verliert und irgendwie nicht so richtig greifbar für die Leser:innen verbleibt – vermutlich sind oftmals die Lebenswelten einfach zu verschieden. Nataša Dragnićs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich und verdient ein Lob für den Start der Kapitel auf ungeraden Buchseiten, hätte aber auch die Mail-Verläufe innovativer setzen können. Das Cover und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin stark unterbrochen, sind durchaus aber ansehnlich und ungewöhnlich, wenn auch kein klassischer Eyecatcher aufgrund der eher eintönigen Farbgebung.

Mein Fazit? „Affenliebe“ ist ein durchaus ungewöhnliches Buch, das vor allem durch seine innovative Idee und deren Umsetzung punktet, aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen von Romanen der Gegenwartsliteratur bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Joanna Glen: „Weil es nicht anders sein kann“

In der letzten Zeit habe ich auch „Weil es nicht anders sein kann“ von Joanna Glen gelesen. Das Buch ist 2025 im Arche Literatur Verlag, einem Imprint der Atrium Verlag AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2024 unter dem Titel „Maybe, Perhaps, Possibly“ bei Borough Press veröffentlicht. Der Roman ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Kemper verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sol und Addie fühlen sich in der Natur wohler als unter Menschen. Doch als die beiden sich auf der windgepeitschten Insel Rokesby vor der Küste Englands zum ersten Mal begegnen, scheint mitten im Sturm alles stillzustehen. Sofort spüren sie, dass sie füreinander geschaffen sind, und wagen eine zaghafte Annäherung. Doch sie haben nicht mit der Wucht gerechnet, mit der die Vergangenheit über sie hereinbricht, und müssen hart dafür kämpfen, zusammen sein zu können – nicht nur gegen äußere Umstände, sondern manchmal auch gegen sich selbst. Woran sie sich festhalten, ist der Pakt, den sie schließen: Sie wollen wie zwei Papageientaucher sein. Denn auch wenn die Vögel einen großen Teil des Jahres getrennt von ihrem Partner leben, bleiben sie einander treu und finden doch immer wieder zueinander.

„Weil es nicht anders sein kann“ ist mein erster Roman von Joanna Glen, von Eva Kemper übersetzte Titel habe ich aber schon öfters gelesen. Das Buch ist dabei relativ deutlich als Gegenwartsliteratur einzuordnen, auch wenn natürlich (wie auch auf Verkaufsplattformen durchaus vorgenommen) eine Einordnung als Liebesroman denkbar erscheint. Dennoch ist aus meiner Sicht die Liebesgeschichte zwar Zentrum der Handlung, aber sie geht deutlich darüber hinaus, ist das Buch doch auch ein Entwicklungsroman für beide Protagonist:innen, in gewissem Sinne sogar Coming of Age.

Die Handlung wird aus zwei personalen Erzählperspektiven der Protagonist:innen erzählt – und ist durch die teilweise Gleichzeitigkeit der Ereignisse dabei gelegentlich etwas entschleunigt. Insgesamt ist sie sehr poetisch, sehr zart, sehr ereignislos, was aber nicht wirklich stört, sind die Protagonist:innen hier doch vielmehr durch innere Stolpersteine am Fortkommen gehindert, als dass ihnen das Leben Steine in den Weg legt. Lediglich das Ende vermag hierbei nicht in Gänze zu überzeugen.

Das Setting ist traumhaft. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Rokesby und Ora, sondern auch nach Mallorca, nach Tromso, in die Broads und nach Fair Isle. Dabei erkundet man mit den Figuren zusammen die Orte, spürt der Natur nach, lernt Tier- und Pflanzenwelt kennen und erlebt die Verbundenheit mit den Schauplätzen. Joanna Glen mischt in die zarte Liebesgeschichte – zwischen den Protagonist:innen untereinander und mit der Natur – auch Themen wie Glauben, Mobbing, Sozialphobie und Unsicherheiten mit ein und erzeugt so ein tolles, spannendes Gesamtkonstrukt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen neben Addie, die als Hauptcharaker brilliert, auch (wichtige) Nebencharaktere wie Tiffany, Barry und Barbara, während Sol nicht immer nachvollziehbar handelt, und ich zu ihm auch kaum eine Bindung aufbauen konnte, ganz im Gegensatz zu Addie. Joanna Glens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Hardcover ist eher schmucklos und ohne jedwede Sonderausstattung. Das Covermotiv setzt sich jedoch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und erzeugt so ein tolles und einheitliches Gesamtbild, das auch farblich überzeugt, aber gleichzeitig auch etwas austauschbar verbleibt und stärkere Bezüge zur Handlung vermissen lässt.

Mein Fazit? „Weil es nicht anders sein kann“ ist ein unglaublich poetischer Roman, der mit einem tollen Setting und einer brillanten Protagonistin punktet, gleichzeitig aber auch leichtere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Claudia Romes: „Zeit der Pfingstrosen“

In den letzten Tagen habe ich auch „Zeit der Pfingstrosen“ von Claudia Romes gelesen. Das Buch ist 2025 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nach einer unglücklichen Ehe wagt Katy einen Neuanfang in der Blumenstadt Aberdeen. Sie betreut den demenzkranken Jeff, den es immer wieder in den kleinen Blumenladen am Meer zieht. Zusammen mit seinem Neffen Aiden hilft ihm Katy hier, inmitten der Blüten, seinen Erinnerungen nachzuspüren. Dabei stoßen sie nicht nur auf eine tragische Liebesgeschichte, sondern entdecken auch ihre Gefühle füreinander. Gibt es eine Chance für diese unerwartete Liebe, und kann sich Jeff mit seiner Vergangenheit aussöhnen, bevor es zu spät ist? 

„Zeit der Pfingstrosen“ ist nach „Beethovens Geliebte„ mein zweiter Roman von Claudia Romes. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Während der Untertitel „Eine Liebe in Schottland“ einen Liebesroman suggeriert und auch der Klappentext durchaus den Fokus darauf legt, kann man das Buch auch gut als Familiensaga eingruppieren, wird doch auch die Geschichte einer Familie über einen Zeitraum von knapp 80 Jahren beleuchtet. Da diese Kategorisierung auch unter anderem auf Verkaufsportalen übernommen worden ist, habe ich mich schlussendlich ebenfalls dazu entschieden – auch die Einordnung als Schicksalsroman wäre darüber hinaus jedoch denkbar gewesen.

Die Handlung ist dabei durchaus abwechslungsreich, hat aber auch vereinzelt Längen. Erzählt wird sie in zwei Zeitebenen, einer mehr oder weniger gegenwärtigen 2016/2017 und einer vergangenen, die die Jahre von 1939 bis 1969 abdeckt. Aufgrund der kleineren Längen erscheint das Ende als krasser Gegenpart dazu etwas überhastet – und kann auch nicht vollends überzeugen, hätte man aus meiner Sicht doch gut auf den Epilog verzichten können. Alles in allem vermag die Handlung aber dennoch gut zu unterhalten und kann trotz der schweren Themen eine Wohlfühlatmosphäre schaffen.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Aberdeen an die raue schottische Küste, sondern auch mitten hinein in die Gräuel des Zweiten Weltkrieges beim Stellungskampf in Frankreich und – immer und immer wieder – ans und aufs Meer. Zudem verwebt Claudia Romes wichtige Themen wie Demenz, häusliche Pflege, Peer Pressure und toxische Beziehungen mit der gegenwärtigen Lovestory und sorgt so für ein hochaktuelles und interessantes Gesamtpaket – insbesondere im gegenwärtigen Handlungsstrang.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. So überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Brad, Mabel und Penny, während Katy teils nicht nachvollziehbar handelt und Aiden etwas zu perfekt geraten ist – die ein oder andere dunkle Seite hätte ihn noch glaubhafter und greifbarer gemacht. Claudia Romes‘ Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist schön anzusehen. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und fühlt sich dadurch haptisch toll an. Das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, auch wenn es sicherlich kreativere Lösungen gegeben hätte, als das Covermotiv auf der Coverrückseite einfach spiegelverkehrt abzubilden. Insgesamt ist das Covermotiv dabei durchaus ansehnlich und genretypisch, aber auch etwas beliebig und austauschbar.

Mein Fazit? „Zeit der Pfingstrosen“ ist eine Familiensaga, die vor allem mit ihrem tollen Setting punktet und atmosphärisch starke Lesestunden bietet, dabei aber auch kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Heike Abidi: „Noch immer Zeit zu lieben“

In der letzten Zeit habe ich auch „Noch immer Zeit zu lieben“ von Heike Abidi gelesen. Das Buch ist 2025 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Isabel, Ende 40, hat die letzten Jahre ihre Mutter gepflegt und steht nun nach deren Tod vor einem Neuanfang. Sie will endlich wieder als Fotografin voll durchstarten. Ihr erster großer Auftrag führt sie ausgerechnet nach Stockholm – dabei hatte sie sich geschworen, nie wieder schwedischen Boden zu betreten. Der Verlust ihres Verlobten Oscar, der vor 25 Jahren bei einer dummen Wette ertrank, schmerzt noch zu sehr. Doch das lukrative Projekt in einem schicken Stockholmer Hotel kann sie nicht ablehnen. Die malerische Gamla Stan und die sommerliche Idylle der Schären verzaubern sie sofort wieder. Dass sie sich dort ausgerechnet in Hotelchef Lennart verliebt, war so nicht geplant. Isabels Gefühle für ihn sind stärker als ihr Widerstand. Doch dann erfährt sie etwas über ihn, was alles ändert und ihr neues Glück aufs Spiel stellt …

„Noch immer Zeit zu lieben“ ist nach „Hör auf dein Herz, auch wenn es stolpert“ und „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ mein dritter Roman von Heike Abidi, von der ich auch schon mehrere, gemeinsam mit Ursi Breidenbach verfasste Sachbücher gelesen habe. Dabei lässt sich das Buch relativ leicht einem Genre zuordnen. Während es als Sommerroman beworben und auf Verkaufsportalen teils als Gegenwartsliteratur eingruppiert wird, handelt es sich bei dem Buch doch klar um einen sehr klassischen (Feel-Good-) Liebesroman.

Denn die Handlung, die aus der Ich-Perspektive von Isabel erzählt wird, stellt die Lovestory zwischen ihr und dem männlichen Love Interest Lennart sehr stark in den Fokus, der Rest der Handlung unterstützt dabei lediglich. Dennoch bleibt die Handlung durchaus abwechslungsreich, wenn auch in Teilen naturgemäß vorhersehbar – aber das bringt das Genre in der Regel ja mit sich. Auch kann mich das Ende leider nicht vollends überzeugen, wenn es auch erfrischend offen gehalten ist und Platz für die Fantasie der Leser:innen lässt.

Das Setting ist natürlich traumhaft. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur in meinen Wohnort Heidelberg, sondern auch ins gleichsam malerische Stockholm und an andere, landschaftlich wunderschöne Ecken Schwedens. Und was wünscht man sich zudem mehr, als ein traumhaftes Luxushotel als Kulisse? Dabei mischt Heike Abidi mühelos gesellschaftlich relevante Themen wie Nachhaltigkeit und familiengeführte Unternehmen mit ein, die auch von schweren Themen wie Trauer, Demenz und Schuld begleitet werden, die aber alle eher oberflächlich verbleiben und nie wirklich von der Lovestory ablenken, sodass die Feel-Good-Atmosphäre erhalten bleibt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Emilia und Olivia, während gerade Isabel und Lennart teils nicht nachvollziehbar handeln. Heike Abidis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber und versucht zumindest, Briefe und Chatnachrichten vom regulären Text abzusetzen, hier hätte man aber vielleicht noch etwas mutiger sein können. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein tolles, einheitliches Gesamtbild entsteht, ist durchaus auch schön anzusehen und genretypisch, aber kein klassischer Eyecatcher.

Mein Fazit? „Noch immer Zeit zu lieben“ ist ein Liebesroman mit wunderbarem Setting und Feel-Good-Garantie, der vor allem in den ersten zwei Dritteln viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.