[Buchgedanken] Jana Stieler: „Brackwasser“

Vor kurzem habe ich auch „Brackwasser“ von Jana Stieler gelesen. Das Buch ist 2025 bei Limes in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Psychothriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Vor über zwanzig Jahren hatte Svea sich geschworen, nie wieder in die Heimat zurückzukehren. Nach einem Sommerfest verschwand Sveas beste Freundin ohne jede Spur. Aber nun wurde ihre Leiche gefunden, tief im Wald versteckt. Für Svea steht der Schuldige fest: ihr Schwager, der damals mit ihrer Freundin zusammen war. Keiner kennt die Wälder an der Schlei so gut wie er. Svea will ihre Schwester Fenja und deren Kinder mit allen Mitteln vor dem überzeugten Prepper schützen. Doch Fenja misstraut ihr zutiefst – und Svea kann ihr nicht sagen, was in jener Nacht wirklich geschah …

„Brackwasser“ ist mein erstes Buch von Jana Stieler – und das Thrillerdebüt der Autorin, die sonst in anderen Genres (und teils unter Pseudonym) unterwegs ist. Dabei wird das Buch deutlich als Psychothriller beworben – und auch auf dem Cover so betitelt, sodass ich die Einordnung des Verlags übernommen habe. Persönlich hätte ich es aber eher bei der allgemeinen Bezeichnung als Thriller belassen, zeigt er doch auch viele Anhaltspunkte zu anderen Unterarten des Genres, ist die Handlung doch ungemein regional verwurzelt – und auch Elemente eines Politthrillers sind enthalten.

Denn in der durchweg hochspannenden und abwechslungsreichen Handlung werden auch krass unterschiedliche Lebensentwürfe gegenübergestellt, die teils aus politisch extremistischen und demokratiefeindlichen Bestrebungen genährt werden, die hier durchaus handlungstreibend und motivgebend sind. Dabei wird die Handlung aus drei verschiedenen Ich-Perspektiven erzählt – nicht nur für das Genre, sondern generell sehr unüblich. Im Laufe der Zeit habe ich mich daran gewöhnt – so richtig warmgeworden damit bin ich jedoch nicht.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Norddeutschland in ein fiktives Örtchen an der Schlei, das mit den dunklen, verlassenen Wäldern eine atmosphärisch dichte und unglaublich spannende Umgebung für den Thriller bietet. In die Thrillerhandlung mischt Jana Stieler dabei neben den oben bereits angedeuteten, (gesellschafts-) politischen Themen (Prepper, Reichsbürger, Fremdenfeindlichkeit) auch noch psychische Erkrankungen, toxische Beziehungen und viele weitere Probleme mit ein, ohne den Roman dabei jedoch zu sehr zu überfrachten. Gegebenenfalls hätte man hier jedoch im Nachwort noch auf Hilfsangebote für Betroffene verweisen können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Torge und Gemma – auch wenn man auf ihre Perspektive wohl hätte verzichten können, während Svea nicht immer nachvollziehbar handelt. Jana Stielers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, auch wenn man die Kapitel nur bei Perspektivwechseln jeweils mit den handelnden Personen hätte übertiteln müssen. Der Umschlag ist auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen versehen, das Covermotiv setzt sich gut auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht. Insgesamt ist das Motiv auch durchaus schön anzusehen und atmosphärisch passend, lediglich die Farbkomposition unter Einbeziehung der Schrift vermag nicht in Gänze zu überzeugen.

Mein Fazit? „Brackwasser“ ist ein atmosphärisch starker und hochspannender, regional verwurzelter Thriller, der vor allem mit seinem Setting brilliert und lediglich in der Anzahl der Erzählperspektiven etwas gewöhnungsbedürftig ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von nicht unter 16 Jahren.

[Buchgedanken] Hanna Aden: „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ (Fräulein Lena 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ von Hanna Aden gelesen. Der Roman ist 2024 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nordfriesland 1946: Wie zahlreiche Vertriebene wird auch die junge Lena Buth, die nach ihrer Flucht aus Pommern in Niebüll eine neue Heimat gefunden hat, von den Einheimischen immer noch als „Rucksackdeutsche“ argwöhnisch betrachtet. Einzig die Spaziergänge mit ihrem Freund Rainer sind Lenas Lichtblick. Sehnsüchtig wartet sie auf ein deutlicheres Zeichen seiner Zuneigung. Hat seine Zurückhaltung mit den Gerüchten zu tun, die jemand böswillig über Lena streut? Ablenkung erfährt sie durch ihre neue Kollegin Doro, eine lebenslustige Berlinerin, die Lena nach Feierabend die ersten Tanzschritte beibringt und sie mitnimmt in die Jazzkeller der britischen Besatzungssoldaten. Hier genießt Lena, dass es noch mehr im Leben gibt als Entbehrung und harte Arbeit. Rainer hingegen kommt nicht darüber hinweg, dass sein Schwager während des Krieges als Aufseher in einem Vernichtungslager gearbeitet hat – und dass er damit ungestraft davonzukommen scheint. Als ein Freund von früher nach Niebüll zurückkehrt, wird Rainer vor eine schwere Entscheidung gestellt, die auch seine Beziehung zu Lena aufs Spiel setzt …

„Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ ist nach „I love you, Fräulein Lena“ der zweite Band der Romanreihe von Hanna Aden über Lena Buth im Nachkriegsdeutschland. Dabei lässt sich der Roman durchaus als Standalone lesen – wie ich es auch getan habe. Es empfiehlt sich jedoch dennoch, auch den ersten Band der Reihe zu lesen, da durchaus auf dessen Ereignisse Bezug genommen wird. Das Buch lässt sich hierbei als historische Familiensaga einordnen, auch die Eingruppierung generell als historischer Roman oder sogar als Entwicklungsroman wäre jedoch durchaus denkbar.

Die Handlung ist dabei abwechslungsreich, teils aber etwas vorhersehbar und – zumindest in der ersten Hälfte – etwas langatmig bzw. ereignislos. Dabei mischt Hanna Aden die alltäglichen Probleme der Familien im Nachkriegsdeutschland mit der aufgeheizten Stimmung gegen Flüchtende und einem leicht politischen Plot zu einem dennoch gefälligen Potpourri, dessen Ende zwar fast etwas zu kitschig gerät, dabei aber noch genug offene Handlungsstränge beibehält, um gegebenenfalls in einem dritten Band die Zukunft von Lena endgültig zu klären.

Das Setting kann hingegen brillieren. So entführt die Autorin die Leser:innen ins norddeutsche Niebüll und nach Flensburg, in ein unter britischer Besatzung stehendes und von ersten, zarten Demokratiebestrebungen geprägtes Land, in dem immer noch Armut und Mangel an der Tagesordnung ist. Dabei gelingt es Hanna Aden, trotz der für alle prekären Lage, die unterschiedliche Situation für die aus anderen Landesteilen geflohenen Menschen noch einmal prägnanter darzustellen und herauszuarbeiten – und so in der Gesamtwirkung trotz des historischen Ansatzes einen durchaus auch für die heutige Zeit gesellschaftlich relevanten Roman zu schreiben.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Margot, Pauline und Mitch als starke Nebenfiguren, während Lena teils nicht nachvollziehbar handelt und Rainer, zumindest in der ersten Hälfte, sehr blass verbleibt. Hanna Adens Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, zeugt von ordentlicher Recherche, auch wenn der Fokus sicherlich mehr auf Lesbarkeit als auf Authentizität in der Sprache gelegt wurde.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber, auf die Kapitelüberschriften hätte man aufgrund des (allerdings nur mild) spoilernden Charakters verzichten können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen und insgesamt eher eintönig, das Covermotiv lässt leider höchstens im Ansatz Bezüge zur Handlung erkennen, die Typographie des Titels ist allerdings gelungen.

Mein Fazit? „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ ist eine durchaus gelungene historische Familiensaga, die mit dem Setting und tollen Nebencharakteren punkten kann, allerdings etwas komplikationsarm verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Ausflüge in die Vergangenheit | historische Buchpost

Heute möchte ich Euch zwei Neuzugänge vorstellen, die mich beide als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür! Sowohl „Der Herzschlag der Toten“ von Ralf H. Dorweiler (Wilhelm Goldmann Verlag) als auch „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ von Hanna Aden (Penguin Verlag) nehmen die Leser:innen dabei mit auf Ausflüge in die Vergangenheit – jeweils nach Norddeutschland. Denn Hanna Adens historische Familiensaga entführt die Leser:innen ins Nordfriesland der Nachkriegszeit, während es die Leser:innen in Ralf H. Dorweilers historischem Kriminalroman ins Hamburg zur Kaiserzeit verschlägt. Ich bin schon ganz gespannt auf die Reisen und freue mich schon darauf, mit den Geschichten auch mehr über die Historie zu lernen.

In welche Epoche würdet Ihr gern einmal (wieder) literarisch reisen?