[Buchgedanken] Terry Brooks: „Die Erben von Shannara 2 – Druidengeist“ (Die Shannara Chroniken)

Hiermit melde ich mich aus dem Sommerloch zurück. Nachdem ich stressbedingt etwas weniger aktiv war, möchte ich Euch heute eine neue Rezension vorstellen. In den nächsten Tagen folgen weitere Beiträge, Rezensionen und ein Meilenstein-Gewinnspiel. Zudem gibt es Neuigkeiten über mein eigenes Schreiben und meine Projekte (stay tuned!).

In der letzten Zeit habe ich „Druidengeist“ gelesen, den zweiten Band von Terry Brooks Reihe „Die Erben von Shannara“ – und mittlerweile der fünfte neuaufgelegte Band der Shannara-Chroniken. Die mir vorliegende Taschenbuchausgabe (erste Auflage) ist 2018 bei Blanvalet erschienen, die deutsche Erstausgabe wurde 1991 bei Goldmann in geteilter Form unter den Titeln „Die Schatten von Shannara“ und „Der Verräter von Shannara“ veröffentlicht. Die Originalausgabe erschien 1990 unter dem Titel „The Druid of Shannara“ bei Del Rey, New York, einem Imprint von Random House, Penguin Random House LLC. Das Buch ist dem Genre High-Fantasy zuzuordnen, wobei auch Elemente der Heroic Fantasy zu finden sind.

51MPzD5mJJL._SX332_BO1204203200_Wie Par und Wren Ohmsford hat auch Walker Boh einen Auftrag von Allanons Schatten erhalten. Er soll die Druidenfestung Paranor in die Welt zurückholen und den Orden der Druiden wieder aufleben lassen. Auf der Suche nach dem schwarzen Elfenstein gerät er in der Halle der Könige in eine Falle und wird mit einem tödlichen Gift infiziert, das ihn langsam zu Stein erstarren lässt. All seine Magie kann die fortschreitende Erkrankung nicht besiegen. Bis eines Tages eine Frau an seinem Krankenbett auftaucht. Sie behauptet, die Tochter des Königs vom Silberfluss zu sein, und bittet den Todgeweihten, sie auf eine Reise zu begleiten. Eine Reise, die nicht nur zum schwarzen Elfenstein, sondern auch zur vollständigen Heilung von Walker Boh führen soll.

„Druidengeist“ knüpft nahtlos an die Handlung von „Heldensuche“ an und setzt diese konsequent fort. Insgesamt ist der Weltenbau von Terry Brooks über die gesamten Shannara Chroniken beeindruckend und begeistert. Die miteinander verwobenen Schicksale, die fortdauernde Geschichte der Vier Lande, erneut auftretende Figuren und Sagen – dies alles lässt sich am ehesten mit dem Star Wars Kanon oder dem Marvel Cinematic Universe vergleichen.

Nichtsdestotrotz ist „Druidengeist“ aus meiner Sicht das bislang, auf hohem Niveau, schwächste Buch der Reihe. Zwar ist es spannend, unterhaltsam und führt den Leser mit unerwarteten Wendungen aufs Glatteis, es scheitert aber aus meiner Sicht in der Schwerpunktsetzung. Während in „Heldensuche“ noch allen Handlungssträngen ein signifikanter Anteil eingeräumt wurde, wird „Druidengeist“ komplett vom Handlungsstrang um Walker Boh dominiert – Par, Coll und Wren Ohmsford wird jeweils kaum mehr als ein Kapitel eingeräumt. Konsequenterweise hätte man sie sonst ganz streichen müssen. Als Leser erwarte ich jedoch, mehr über alle Figuren zu erfahren, die im ersten Band angelegt worden sind – ähnlich wie im zweiten „Herr der Ringe“-Buch, wo die Handlungsstränge ebenfalls auseinanderfallen, man aber dennoch sowohl Frodo und Sam, als auch die Wege der Gefährten verfolgt.

Und so beschränkt sich die Weiterentwicklung der Charaktere auch auf die, die im Rahmen der Handlung im Mittelpunkt stehen – Walker Boh und Morgan Leah. Beide zeigen Schwächen und Stärken und werden toll ausgearbeitet, genau wie die Charaktere, die nur in diesem Buch eine Rolle spielen: Quickening und Pe Ell.

Terry Brooks Schreibstil ist episch – und so lässt man ihm auch ausschweifende Beschreibungen durchgehen, die in anderen Genres bestenfalls verpönt waren. Doch sie gehören zu den Vier Landen und den Shannara Chroniken einfach dazu. Malerische Landschaften wechseln sich mit Ruinenstädten, paradiesische Gärten mit Sklavenbehausungen ab. „Druidengeist“ ist bestes Kopfkino!

Auch die Buchgestaltung ist erneut hochklassig. Das Cover ist gelungen und hochwertig geprägt – und passt sich in der Gesamtgestaltung gut in die Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat überzeugen ebenfalls, genau wie der Preis von 9,99 Euro bei fast 600 Seiten. Lediglich eine Karte und/oder eine Figurenübersicht hätte ich mir, bei der so langsam ausufernden Charakterliste, noch gewünscht.

Mein Fazit? „Druidengeist“ ist eine gelungene Fortsetzung von Terry Brooks epischer Shannara-Reihe. Trotz einer misslungenen Schwerpunktsetzung überzeugen der Weltenbau und die spannende Handlung. Für High-Fantasy-Liebhaber ein absoluter Muss – ein Klassiker.

[Buchgedanken] Dan Brown: „Origin“

Nach einer stressbedingten kurzzeitigen Abwesenheit melde ich mich zu den Feiertagen mit neuen Blogposts und Rezensionen zurück :). Den Anfang macht heute Dan Brown mit „Origin“ – dem fünften Band um den Symbologen Robert Langdon, erschienen 2017 bei Bastei Lübbe. Im Original wurde das Buch, ebenfalls unter dem Titel „Origin“, im Jahr 2017 bei Doubleday, Penguin Random House LLC. veröffentlicht und ist am ehesten dem Genre Thriller zuzuordnen.

51uowvfmrxl-_sx328_bo1204203200_Robert Langdon, Professor an der Harvard-Universität, ist eine der bekanntesten Koryphäen auf dem Gebiet der religiösen Symbolik. Umso überraschter ist er von der Einladung seines ehemaligen Schülers, dem Futurologen und Technikgenie Edmond Kirsch, der im Guggenheim Museum für Moderne Kunst in Bilbao eine Präsentation angekündigt hat, um seine neueste Errungenschaft vorzustellen. Aus Verbundenheit zu seinem Freund begibt sich Langdon nach Bilbao, obwohl er der modernen Kunst durchaus skeptisch gegenübersteht. Zu dem Treffen, das die Welt verändern soll …

Dan Brown erschafft … einen typischen Dan Brown (muss man mehr sagen?). „Origin“ ist ein Thriller im Spannungsfeld zwischen Religion und Wissenschaft, Technik und Glauben, ein Roman voller Hass und Vergebung, voller Impulsivität und perfektionistischer Planung – vielleicht der ungewöhnlichste Roman der Langdon-Reihe.

Ein großes Lob verdient natürlich das (allen Büchern der Reihe inhärente) atemberaubende Setting, das bereits jetzt nach einer Verfilmung mit traumhaften Bildern schreit. Das Guggenheim-Museum, die Sagrada Familia, der spanische Königspalast, das Kloster Montserrat und noch viele weitere Locations erfüllen den Roman mit einer ungeheuren Bildgewaltigkeit.

Auch wenn mich das Ende in gewissem Sinne leicht unbefriedigt zurücklässt, gelingt es Dan Brown erneut, den Leser durch ungewohnte Wendungen, unerwartete Ereignisse zu verwirren und auf falsche Fährten zu locken. Der Spannungsbogen wird dadurch die ganze Zeit hochgehalten, bleibt zum Zerreißen gespannt. Im Übrigen treten auch liebgewordene Kleinigkeiten aus den alten Büchern wieder auf.

Erstaunlicherweise gelingt es dem Autor zudem, erneut neue Facetten von Robert Langdon zu zeigen, obwohl man ihn bereits so gut kennt. Die anderen Charaktere des Buches entwickeln sich ebenfalls im Laufe der Zeit, haben Schwächen, Stärken und sind plastisch ausgearbeitet.

Das Buch an und für sich ist sehr hochwertig, ein edler, leicht geprägter Schutzumschlag mit einem tollen Cover umhüllt das Hardcover-Exemplar. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben exzellent gearbeitet.

Mein Fazit? „Origin“ ist ein – erneut, aber gewohnt – brillianter Thriller um Robert Langdon, der mit seinem Setting und der konstant hohen Spannung punktet. Bedenkenlos zu empfehlen – und mit Sicherheit eines meiner Jahreshighlights 2017.