[Buchgedanken] Evelyn Scala Schreiber: „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ (Zirkus-Trilogie 1)

Vor kurzem habe ich „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ von Evelyn Scala Schreiber gelesen. Das Buch ist 2026 bei Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2025 unter dem Titel „Privatflickan“ bei Bokförlaget Forum, Stockholm, veröffentlicht. Der Roman ist als Familiensaga einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Holger Wolandt verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bertha Lindberg, eine junge Frau der feinen Stockholmer Gesellschaft, soll endlich standesgemäß heiraten. Doch während ihr Vater nach einem geeigneten Ehemann sucht, träumt sie von einer großen Bühnenkarriere. Als sie an einem Dezemberabend Baptiste begegnet, einem gefeierten Artisten aus Österreich, verliebt sie sich nicht nur in ihn, sondern auch in die schillernde Welt des Zirkus. Denn obwohl Bertha sich für eine moderne Frau hält, lernt sie hier eine Freiheit kennen, die ihre Vorstellung bei Weitem übersteigt. Nach nur drei Tagen muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr Leben für immer verändert …

„Wir waren Artisten: Das Mädchen“ ist der Debütroman von Evelyn Scala Schreiber und der Auftaktband in die Trilogie um die Zirkusfamilie Schreiber, inspiriert von der wahren Familiengeschichte der Autorin. Der Roman, der jetzt bereits einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren abbildet, lässt sich daher gut als Familiensaga einordnen, auch die Eingruppierungen als historischer Roman oder Entwicklungsroman wären theoretisch denkbar, treten aber hinter die ganz klar im Zentrum stehende und alles überragende Familiengeschichte zurück.

Die Handlung ist dabei durchaus interessant und abwechslungsreich, wird aber durch den der Handlung vorgestellten Textauszug bereits in Teilen gespoilert, gleiches gilt durch die hintangestellten Fotos gegebenenfalls für die Folgebände. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren personalen Erzählperspektiven, die dankenswerterweise jeweils kapitelweise wechseln und mit der jeweiligen Erzählstimme überschrieben sind. Und auch wenn der Roman kleinere Längen hat, man sich teils andere Ausgänge gewünscht hätte, ist man durch die Familiengeschichte der Autorin doch gebunden und kann sich von ihr fesseln lassen – das Buch lässt sich dabei trotz des durchaus offenen Endes sogar gut als Standalone lesen, auch wenn natürlich genug Potential für die Folgebände verbleibt.

Das Setting kann naturgemäß brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ans Ende des 19. Jahrhunderts, nimmt diese mit auf eine Reise durch – vornehmlich – Nordeuropa, bringt sie aber bis nach Paris und St. Petersburg. Hierbei mischt Evelyn Scala Schreiber das – familiär präsente – Thema Zirkus mit den gesellschaftlichen Umwälzungen der damaligen Zeit, mit Themen wie Emanzipation, Ausgrenzung, Fremdenhass und familiären Verpflichtungen. Dabei entsteht eine schillernde Kulisse, die vor allem die krassen Gegensätze vom Leben in der Oberschicht zum Leben als reisender Zirkusartist gut illustriert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Julia, Caroline, Hedda und Charles, während vor allem Baptiste leider etwas enttäuschend agiert, nicht nachvollziehbar handelt und viele Sympathien verspielt – was der Lovestory nicht wirklich zuträglich ist. Evelyn Scala Schreibers Schreibstil lässt sich darüber hinaus leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist sicherlich aber auch zugunsten der Lesbarkeit im Vergleich zur historischen Authentizität hin ausbalanciert.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und bietet Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber kein Eyecatcher. Die Geschichte wird durch eine etwas ausufernde Personenübersicht und durch Fotoaufnahmen abgerundet – gegebenenfalls hätte man die Fotos auch in die Coverinnenseiten packen können, damit diese farblich hätten dargestellt werden können. Gefreut hätte ich mich auch über Stammbäume – das hätte die Personenübersicht etwas entzerrt.

Mein Fazit? „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ ist ein gelungenes Debüt und ein vielversprechender Auftakt in eine Familiensaga, die mal ganz andere Themen in den Mittelpunkt rückt. Kleinere Schwächen sind dabei zu verschmerzen, die schillernde Zirkuswelt macht hierbei Lust auf mehr. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] 2F: „Secret Playlist 1“

In der letzten Zeit habe ich auch „Secret Playlist 1“ von 2F gelesen. Das Buch ist 2026 bei Manhwa Cult, Cross Cult Entertainment GmbH in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Play, PLII“ als Naver Webtoon veröffentlicht. Das Buch ist als Manhwa einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Koreanischen zeichnet Denise Hedrich verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die introvertierte Studentin Han-ju hat ein Geheimnis, von dem niemand erfahren darf: Als begnadete Hobby-Sängerin PLII verzaubert sie mit ihren gefühlvollen Cover-Songs regelmäßig die Online-Welt. Ihre Stimme zieht nicht nur eine wachsende Fangemeinde in ihren Bann, sondern weckt auch das Interesse des berühmten K-Pop-Idols Levi. In seiner wachsenden Faszination für die geheimnisvolle Sängerin setzt Levi alles daran, mit PLII in Kontakt zu treten und eine musikalische Zusammenarbeit zu erwirken. Doch Han-ju hat ihre ganz eigenen Gründe, sich von der glitzernden Welt der Musikindustrie fernzuhalten …

„Secret Playlist 1“ ist – offensichtlich – der Auftaktband in die Manhwa-Reihe von 2F – seitens des Verlages gelabelt als „Romance ab 15“, eine durchaus realistische Einschätzung, auch wenn naturgemäß im ersten Band der Romance-Anteil noch etwas kurz kommt. Leider kann man den Band eher nicht als Standalone lesen, da das Ende sehr offen ist und quasi keinen einzigen Handlungsstrang auch nur annähernd auflöst.

Abgesehen davon ist die Handlung abwechslungsreich und spannend, ein wahrer Pageturner, auch wenn sie immer mal wieder durch eine Reihe abstruser Zufälle befeuert und vorangetrieben wird. Insgesamt macht die Geschichte aber viel Spaß und ist nicht nur etwas für K-Pop-Liebhaber, bietet sie doch einen niederschwelligen Zugang zum Thema und einen Blick in die Mentalität und Kultur des Landes. Dabei ist die Handlung durchaus altersgerecht aufgearbeitet, gegebenenfalls kann man den Manhwa auch schon leicht früher mit 13, 14 Jahren lesen.

Das Buch brilliert darüber hinaus vor allem aber durch die unglaublich tollen Zeichnungen, die durchgängig farbig, teils ganzseitig die Handlung weitererzählen und illustrieren und einfach wahnsinnig toll anzusehen sind – ein absolutes Highlight. Insbesondere die anfänglichen musikalischen Szenen, die tolle Darstellung der Chatnachrichten und die intensiven Gespräche können hier punkten und sind ein visuelles Highlight.

Generell kann die Buchgestaltung glänzen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz setzt Text und Bilder zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt, das Covermotiv zum Buchrücken allerdings etwas stark abgegrenzt. Insgesamt können aber Cover, Coverrückseite und Buchrücken punkten und sind absolute Eyecatcher, die einen direkt zum Buch ziehen und dort verbleiben lassen.

Mein Fazit? „Secret Playlist 1“ ist ein visuell brillanter Manhwa mit toller Handlung, die zwar etwas offen endet aber nichtsdestotrotz viel Spaß macht. Für Leser:innen ab 15 daher bedenkenlos zu empfehlen – ein Jahreshighlight, nicht nur für K-Pop-Fans.

[Buchgedanken] Peter Probst: „Am helllichten Tag“

In der letzten Zeit habe ich auch „Am helllichten Tag“ von Peter Probst gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die junge Journalistin Toni wollte die Vergangenheit eigentlich hinter sich lassen. Doch als ihr Vater ins Krankenhaus eingeliefert wird, macht sie sich sofort auf den Weg nach Pirmasens, ihrer Heimatstadt am Rand des Pfälzer Walds. Als sie dort eintrifft, ist es zu spät – ihr Vater ist tot. In seinem Nachlass findet sie einen kryptischen Brief, in dem er ihr eine jahrzehntealte Schuld gesteht. Zu ihrem Entsetzen stellt Toni fest, dass es etwas mit einer Verbrechensserie in den 60er Jahren zu tun haben muss. Drei Kinder sind spurlos verschwunden, die Fälle wurden nie aufgeklärt. Welche Rolle hat ihr Vater dabei gespielt? Und warum interessiert sich plötzlich die Polizei für ihre Familie? Ihr journalistischer Jagdeifer ist geweckt – bis sich die Vergangenheit auf einmal zu wiederholen droht.

„Am helllichten Tag“ ist mein erster Roman von Peter Probst und das erste Buch um die starke Protagonistin Antonia Papin – vielleicht könnte man damit ja den Grundstein für eine Reihe legen? Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. So wird es als Kriminalroman beworben – und auch auf dem Cover so tituliert. Gleichsam verschwimmen hier jedoch auch die Grenzen zum Thriller, spielt doch die polizeiliche Arbeit nur eine Nebenrolle und wird nicht einmal mit einer eigenen Erzählperspektive gewürdigt. Darüber hinaus enthält das Buch auch partiell True Crime Elemente, wird doch neben einem fiktiven aktuellen Fall ein alter Cold Case aufgearbeitet, der in den 1960er Jahren das Land prägte.

Die Handlung ist insgesamt spannend und abwechslungsreich, hat aber, gerade im Mittelteil, auch kleinere Längen. Dabei überzeugt insbesondere die Erzählperspektive von Vanessa, die atmosphärisch dicht, einfach unglaublich bedrückend und emotional ist. Zugleich spielt die Handlung auch auf zwei Zeitebenen, werden doch auch Ereignisse aus der Vergangenheit aus Sicht von Antonias Vater dargestellt und mit Zeitungsartikeln unterstützt – da hätte ich mir gern noch mehr gewünscht.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt der Autor seine Leser:innen nach Pirmasens und Umgebung, in eine Stadt, die stark vom Strukturwandel getroffen ist und über die man im Roman noch so einiges lernen kann. Dabei mischt der Autor – wie dargestellt – einen Cold Case mit einem fiktiven Fall und baut zudem gesellschaftlich relevante Themen in den Roman mit ein wie Schuld, Peer Pressure, Social Media, digitale Hasskampagnen und religiöser Fanatismus, auch wenn man hier teils etwas an der Oberfläche verbleibt und die Themen etwas einseitig beleuchtet.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Antonia insbesondere Vanessa und Marga, aber auch Pfarrer Hohnert, während Leo oftmals nicht ganz nachvollziehbar handelt. Peter Probsts Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, auch wenn man die Zeitungsartikel vielleicht noch innovativer hätte setzen können. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Cover und die Coverrückseite werden jedoch zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Generell ist das Covermotiv aber durchaus ansehnlich und atmosphärisch.

Mein Fazit? „Am helllichten Tag“ ist ein Kriminalroman, der gekonnt einen Cold Case mit Fiktion vermischt und vor allem durch das atmosphärische Setting und tolle Charaktere punktet, teils aber noch andere Schwerpunkte hätte legen können. Für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

Frauen in der Kunst | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich mal wieder zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ von Evelyn Scala Schreiber (Blanvalet Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) entführt die Leser:innen dabei in die Zirkuswelt im Schweden des 19. Jahrhunderts, während „Secret Playlist 01“ von 2F (Manhwa Cult, Cross Cult Entertainment, ebenfalls Penguin Random House) sich um eine Hobbysängerin in der K-Pop-Welt dreht. Ich bin auf beide Bücher schon unglaublich gespannt und freue mich schon darauf, tolle weibliche Protagonistinnen zu entdecken, die zwischen Liebe, Freiheit und Sicherheit abwägen müssen.

Was für Talente schlummern in Euch?

[Buchgedanken] Maria Grund: „Krakenkind“ (Berling & Pedersen 4)

In den letzten Tagen habe ich auch „Krakenkind“ von Maria Grund gelesen. Das Buch ist 2026 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Bläckfisken“ bei Polaris, Stockholm. Das Buch ist als Thriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Sabine Thiele verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Småland, Spätsommer 1996: Die Abendsonne taucht den kleinen schwedischen Ort Augu in goldenes Licht. Doch die Idylle trügt, denn in der Dunkelheit der Nacht geschieht ein brutales Verbrechen. Eigentlich wollte die junge Polizistin Sanna nach Gotland ziehen und dort ein neues Leben beginnen, doch dieser Fall hält sie davon ab, ihre Koffer zu packen. Anhaltspunkte gibt es wenige, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran, aber bei näherem Hinsehen bekommt das friedliche Bild der Gemeinde tiefe Risse. Die Bewohner von Augu hüten dunkle Geheimnisse, und noch bevor Sanna das Geflecht aus Lügen entwirren kann, gibt es weitere Opfer. Das Grauen hat gerade erst begonnen …

„Krakenkind“ ist der vierte Band der Buchreihe um Sanna Berling und Eir Pedersen – und fungiert als Prequel zu den anderen drei Bänden, indem der Roman tief in Sannas Vergangenheit eintaucht, bevor diese Eir überhaupt kennengelernt hat. So ist es auch unschädlich, dass ich noch keinen Roman der Reihe gelesen habe – das Buch lässt sich gut als Einstieg in die Serie nutzen. Allerdings fällt mir die Genrezuordnung nicht leicht. Durch die doch präsente Ermittlungs- und Polizeiarbeit ließe sich das Buch auch gut als Kriminalroman einordnen, ich habe es aufgrund der stark atmosphärischen Spannung aber bei der – auch auf dem Cover aufgedruckten – Kategorisierung als Thriller belassen.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lebt aber vor allem durch die angesprochene Atmosphäre, wirklicher Thrill stellt sich eher selten ein. Dabei wird die Geschichte aus unzähligen Perspektiven erzählt – und bindet viele wichtige Themen ein. Insgesamt erstreckt sich die Handlung über knapp zwei Wochen im Jahr 1996 – irritierenderweise wird als Prolog ein Ereignis vorangestellt, das erst nach Abschluss der Handlung stattfindet. Allerdings kann das Ende durchaus überzeugend, auch wenn die Person des Haupttäters jetzt keine große Überraschung darstellte.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in den kleinen Ort Augu ins Jahr 1996, eine Zeit, in der die Digitalisierung noch in den Babyschuhen steckte, kaum niemand Handys besaß und Polizeiarbeit noch stärker im Kontakt mit Menschen stattfand. Häusliche Gewalt, Fluchtbewegungen, Entwurzelung, sexueller Missbrauch, Armut, Depressionen und tödliche Krankheiten ziehen sich durchs Buch und sorgen für eine düstere, teils beklemmende Atmosphäre, die so typisch und dennoch immer wieder so brillant in skandinavischen Thrillern eingesetzt wird.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Sanna brillieren hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Rebecka, Mira und Borghild – irritierend ist lediglich, dass quasi alle männlichen Figuren durchweg negativ charakterisiert werden. Maria Grunds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und ist genre- und reihentypisch ansehnlich. Abgerundet wird die Handlung mit Hilfsangeboten, die im Anhang abgedruckt sind und Betroffene unterstützen sollen – stark!

Mein Fazit? „Krakenkind“ ist ein atmosphärisch starker Thriller, der mit seinem Setting und tollen Charakteren brilliert, in der Handlung aber noch etwas mehr Spannung hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Beate Sauer: „Das Haus in Charlottenburg“

Vor kurzem habe ich auch „Das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin. Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht – ihre und Johanns kleine Tochter.

„Das Haus in Charlottenburg“ ist nach „Wunder gibt es immer wieder„, dem ersten Band der Fernsehschwestern-Saga, mein zweiter Roman von Beate Sauer, die auch unter den Pseudonymen Felicia Otten, Bea Rauenthal und Paula Bach publiziert. Dabei lässt er sich klar als historischer Roman einordnen, spielt er doch im Gegensatz zu den Fernsehschwestern weiter in der Vergangenheit – und zwar in den 1890er Jahren des Deutschen Kaiserreichs. Erzählt wird er hierbei aus vielen, verschiedenen personalen Perspektiven, die vielleicht etwas zu häufig, teils auch innerhalb der Kapitel wechseln.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lediglich den zwischenzeitlichen Zeitsprung habe ich als etwas zu krass empfunden. Allerdings konnte mich das Ende wieder vollends überzeugen, selbst der Epilog trug noch zur Handlung bei und rundete diese ab. Dabei scheut sich Beate Sauer auch nicht, für das Genre unübliche Tropes wie ein Love Triangle einzubauen, auch wenn es nur angedeutet ist und nicht vollends auflebt.

Das Setting kann ebenfalls auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen – wie bereits angedeutet – ins Deutsche Kaiserreich in die Zeit um 1890, nach Berlin und dessen Umgebung, die von der Industrialisierung und Zentralisierung geprägt und enorm gewachsen sind. Dabei greift Beate Sauer auch heute noch relevante Probleme wie Immobilienspekulation, Mietwucher und Wohnraumknappheit auf und zeigt, dass sich Geschichte durchaus wiederholen kann.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Leonora von Rienäcker, Louis und Elise, während Johann teils etwas blass verbleibt und nicht zwingend nachvollziehbar handelt. Beate Sauers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Zudem zeugt er von guter Recherche, auch wenn sicherlich zu Gunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere Detail verzichtet wurde.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv setzt sich auf dem Buchrücken fort. Insgesamt sind Cover, Coverrückseite und Buchrücken aber eher einfach gestaltet und farblich kein Eyecatcher, auch fehlt mir beim Covermotiv etwas der Anklang zur Handlung.

Mein Fazit? „Das Haus in Charlottenburg“ ist ein spannender und abwechslungsreicher historischer Roman, der wichtige Themen anspricht und an Aktualität daher kaum zu übertreffen ist. Für Leser:innen des Genres somit bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ (Tilly Blich 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Tilly Blich könnte eine Pause gebrauchen. Doch als Eigentümerin der Reinigungsfirma „Plitz und Blank“ bleibt ihr kaum eine ruhige Minute – und jetzt droht auch noch die Steuerprüfung. Dass ihr Vorgänger so urplötzlich verschwunden ist, macht die Sache nicht einfacher. Tillys nächster Auftrag führt sie zur Schule von Untertannbach. Doch gegen den ermordeten Direktor in der Sporthalle kommt auch das stärkste Putzmittel nicht an. Kriminalhauptkommissar Stubs sieht seine Chance, es Tilly zu zeigen, und ein Wettrennen um Ermittlungsergebnisse beginnt. Schnell wird klar, dass es hinter den Kulissen der Schule gewaltig brodelt: Geheimnisvolle Affären, übermotivierte Eltern und unterbezahlte Lehrer halten Tilly und ihre Helfer Gerdy, Leon und Antonia auf Trab. Werden sie es schaffen, den Täter zu entlarven, bevor er erneut zuschlägt?

„Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist der zweite Band der Reihe um die namensgebende Inhaberin einer Reinigungsfirma – und nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ mein zweites Buch von Andreas Suchanek. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, balanciert er doch auf der Grenze vom Cosy Crime zur Krimödie. Da das Buch zwar humorvoll ist, der Fokus aber nicht auf den parodistischen Elementen liegt, habe ich es schlussendlich bei der Einordnung als Cosy Crime belassen.

Denn die Handlung ist – trotz multipler Todesfälle und einem epischen Showdown – durchaus noch als cosy zu bewerten und auch das Ermittelnden-Team aus Reinigungskraft, Kosmetikerin, Schüler und Basset ist sehr genretypisch. Dabei ist die Handlung sonst sehr abwechslungsreich und kann vor allem mit Witz und Situationskomik punkten – und auch das Ende überzeugt, kommt es doch ohne allzu großen Cliffhanger aus. Allerdings lässt sich das Buch eher suboptimal als Standalone lesen. Zwar ist der „Fall“ in sich abgeschlossen, ich hatte aber durchaus öfters das Gefühl, dass mir Vorwissen aus dem ersten Band fehlt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen ins fiktive Untertannbach, einen Modellentwurf eines verschlafenen, mittelgroßen schwäbischen Städtchens mit Polizeirevier, Gymnasium und einer Hunderanch – natürlich mit moderater Zucht als Gegenentwurf zur Qualzucht. So austauschbar das Setting aufgrund des fiktiven Ortes auch ist, wandern doch die ein oder andere schwäbische Eigenart in die Handlung mit ein als Gegenentwurf zu Tilly, die ja aus Köln stammt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Herr Höffler, Tony, Elif und Muffin, während einige Figuren auch eindimensional verbleiben, hier kann aber in den nächsten Bänden noch nachgebessert werden. Andreas Suchaneks Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und funktioniert am besten in den humorvollen Passagen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat ist doch einiges durchgerutscht, sodass der Lesefluss etwas geschmälert wird, der Buchsatz ist ordentlich und punktet mit grafischen Elementen, auch wenn man den Zeitungsartikel noch innovativer hätte setzen können. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind jeweils voneinander abgesetzt, genretypisch gestaltet und fügen sich in die Buchreihe ein. Trotz des Bassets auf dem Cover hätte ich mir hier jedoch etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist cosy und punktet vor allem mit seinem starken Humor und einer abwechslungsreichen Handlung, ist aber auch fehlerbehaftet und lässt sich nur eingeschränkt als Standalone lesen. Für Liebhaber von Cosy Crime – und von Bassets – dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.

Hochspannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Am helllichten Tag“ von Peter Probst ist dabei ein Kriminalroman nach wahren Begebenheiten (erschienen im Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH), während „Krakenkind“ von Maria Grund (Penguin Verlag) bereits der vierte Roman der Krimireihe um Sanna Berling und Eir Pedersen ist. In beiden Romanen ist Hochspannung garantiert – ich freue mich schon auf anregende Lesestunden.

Mögt Ihr Krimis, die auf wahren Begebenheiten beruhen?

Von fremden Kulturen und vergangenen Zeiten | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem. „Das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer (Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) kam dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, während „Hidden Japan“ von Chiara Terzuolo (Knesebeck Verlag, mit Illustrationen von Justine Wong) mir versehentlich zugesandt wurde – ich werde es aber trotzdem auch bei Lovelybooks besprechen. Beide Bücher nehmen die Leser:innen dabei auf Reisen mit, einmal in das Deutsche Kaiserreich Ende des 19. Jahrhunderts, einmal nach Japan, auf eine Entdeckungstour der wundervollen Kultur fernab breitgetretener Touristenpfade. Ich bin auf beide Werke schon sehr gespannt – und freue mich auch darüber, mal wieder ein Buch von Beate zu lesen :).

Wart Ihr schon einmal in Japan?

Spannung im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

Heute habe ich zwei Fortsetzungen von Krimireihen für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Branderbe“ ist hierbei schon der dritte, im Selfpublishing veröffentliche, Band um das Frankfurter Duo Sebastian Buck und Maike Lange von Lou Sandberg („Mainblüte“ kenne ich bereits), während „Der Tod wischt mit“ (Wilhelm Heyne Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) die Reihe um Tilly Blich von Andreas Suchanek als zweiter Band fortsetzt. Ich bin schon ganz gespannt darauf zu erfahren, wie sich die Charaktere in Lous Buch weiterentwickelt haben – und freue mich schon darauf, mit Tilly – Inhaberin einer Reinigungsfirma – eine mal ganz andere Ermittlerin kennenzulernen.

Was mögt Ihr an Krimis?