[Buchgedanken] Sophie Villard: „Cartier. Der Traum von Diamanten“ (Cartier 1)

Vor kurzem habe ich auch „Cartier. Der Traum von Diamanten“ von Sophie Villard gelesen. Das Buch ist 2024 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Paris, 1910: Nach der geplatzten Verlobung mit einem französischen Adligen versucht sich Jeanne Toussaint als Näherin im zwielichtigen Montmartre über Wasser zu halten. Bis sie in einem Nachtclub den Juwelier Louis Cartier trifft, der gemeinsam mit seinen Brüdern Geschäfte in Paris, London und New York betreibt, in denen jeder, der etwas von sich hält, ein und aus geht. Louis erkennt sofort Jeannes untrügliches Gespür für Stil und ihr Talent. Aber nicht nur das: Er kann nicht leugnen, dass es sich mehr und mehr zu der charmanten und lebhaften jungen Frau hingezogen fühlt. Doch die dunklen Wolken, die sich über Europa zusammenbrauen, bringen mehr und mehr das Geschäft der Familie Cartier in Gefahr.

„Cartier. Der Traum von Diamanten“ ist der erste Band der Dilogie um eine der berühmtesten Juweliersfamilien der Welt aus der Feder von Sophie Villard – dem geschlossenen Pseudonym einer deutschen Autorin. Dabei deckt der Roman im Wesentlichen den Zeitraum vom März 1910 bis zum Juni 1915 ab, lässt sich aber durchaus schlecht als Standalone lesen, werden doch kaum Handlungsstränge aufgelöst – sehr schade. Der Roman lässt sich hierbei leicht als (historische) Familiensaga einordnen, aber auch die Eingruppierung als historischer Roman wäre möglich – fast sogar (wie teils auf Verkaufsportalen) als historischer Liebesroman, werden doch mehrere Cartier-Brüder mit romantischen Handlungssträngen versehen.

Die Handlung generell ist dabei durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber auch etwas vorhersehbar – was nicht zuletzt auch an dem etwas unnötigen und spoilernden Prolog liegt. Auch ist das Ende – wie bereits angedeutet – sehr offen und schließt fast keine Handlungsstränge ab, verzichtet aber immerhin auf einen krassen Cliffhanger. Hierbei wird die Handlung aus unzähligen personalen Erzählperspektiven erzählt – glücklicherweise wird das Kapitel jeweils mit der Person überschrieben, aus deren Sicht erzählt wird. Eine Beschränkung auf die Cartier-Brüder und Jeanne hätte aber durchaus auch gereicht.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie glänzen. So entführt Sophie Villard die Leser:innen in die ganze Welt: von Paris nach London, von New York aufs weite Meer – und mit Jacques auf Reisen nach Indien und an den persischen Golf. Dabei mischt die Autorin Themen wie Frauenwahlrecht und emanzipatorische Bestrebungen sowie (gefühlte) Standesunterschiede in das Porträt der eskapistischen Belle Époque und erschafft eine tolle, glanzvolle Atmosphäre, die durch unzählige „prominente“ historische Nebencharaktere wie Coco Chanel, Sarah Bernhardt, Nellie Melba und Alberto Santos Dumont noch an Glanz gewinnt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nelly und Miss Winter als wichtige Nebencharaktere, während gerade Louis etwas blass verbleibt und lediglich Jacques als Cartier-Bruder wirklich glänzt. Sophie Villards Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, zeugt zwar von guter Recherche, legt den Fokus sicherlich aber mehr auf Lesbarkeit als auf historische Authentizität.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls brillieren. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich und lässt zumindest die größeren Sinnabschnitte auf ungeraden Seiten starten. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist etwas austauschbar und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, aufgrund der glitzernden, diamantfarbenen Schrift ist das Cover dennoch durchaus ein Eyecatcher – und bildet hoffentlich mit dem zweiten Band einen einheitlichen Gesamteindrucck.

Mein Fazit? „Cartier. Der Traum von Diamanten“ ist ein gelungener Auftaktband in die historische Familiensaga um die Familie Cartier. Dabei kann das Buch vor allem mit seinem Setting brillieren, während die Handlung noch Luft nach oben aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

[Buchgedanken] Ruben Laurin: „Die Löwin von Jerusalem“

Vor kurzem habe ich auch „Die Löwin von Jerusalem“ von Ruben Laurin, einem Pseudonym des Autors Thomas Ziebula gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Israel, 1000 v. Chr. – Bathseba ist knapp sechzehn, als sie dem Menschen begegnet, der zu ihrem Schicksal werden soll: dem Hirtenjungen David. Vor den Toren Hebrons rettet sie ihm das Leben, und beide verlieben sich sofort ineinander. Doch Bathsebas Vater hat andere Pläne und zwingt seine Tochter, den groben Uriah zu heiraten, einen Offizier des Königs Saul. Voller Verzweiflung zieht David in den Krieg und steigt nach seinem Kampf gegen Goliath selbst zum König auf. Bathseba, gefangen in einer unglücklichen Ehe, kann jedoch ihren Traum von einem gemeinsamen Leben mit David nie vergessen – und fasst einen verzweifelten Plan, der sowohl ihren Tod als auch ihre Freiheit bedeuten könnte …

„Die Löwin von Jerusalem“ oder auch „Bathseba – die Freiheit war ihr Traum, König David ihr Schicksal“ ist ein historischer Roman, den der Autor Thomas Ziebula unter seinem Pseudonym Ruben Laurin veröffentlicht hat. Dabei hätte man das Buch auch als historische Romanbiografie einordnen können, aufgrund der aber doch auch teils von Bathsebas Leben entfernten Handlung, der unklaren Quellenlage und der auch teils geänderten, zentralen Aspekte ihres Lebens habe ich es bei der Eingruppierung als historischer Roman belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, in Grundzügen bekannt, aber dennoch überraschend. Ruben Laurins Nacherzählung der berühmten Geschichte um David und Goliath, um die aus Leonard Cohens Hallelujah bekannte Bathseba, mischt dabei Fakt und viel Fiktion, ist (richtigerweise) schonungslos brutal, hat aber auch – gerade zu Anfang – kleinere Längen. Zudem irritieren die – nicht genau datierten – Zeitsprünge und vor allem die Ansprache des Lesers durch eine Art gottgleichen Erzähler, der als Vielzahl himmlischer Wesen (Engel?) in Erscheinung tritt.

Das Setting vermag hingegen vollends zu überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen in die Vergangenheit vor 3.000 Jahren, mitten hinein in die Kämpfe der israelischen Stämme gegen die Philister – und gegen sich selbst. Dabei bringt Ruben Laurin dem Leser eine Kultur näher, die zwar durch den Krieg geschaffen, durch das Schwert beherrscht wird, in der aber gerade die Propheten und Lehrer eine übergeordnete Stellung besitzen, die selbst Könige stürzt oder um den Verstand bringt – so wird (Bibel-)Geschichte lebendig gemacht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Rahel, Bathseba und Ahitofel, während gerade David etwas wankelmütig verbleibt und insbesondere Uriah etwas einseitig gestaltet worden ist. Ruben Laurins Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, hat aber sicherlich auch in der Abwägung die Lesbarkeit der historisch authentischen Sprache vorgezogen (was nicht heißen soll, dass der Roman schlecht recherchiert ist).

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten (insbesondere im letzten Drittel) durchgerutscht, die das Lesevergnügen nicht erheblich schmälern, auf die Kapitelüberschriften hätte man aber aus meiner Sicht durchaus verzichten oder sie durch Zeit- und oder Ortsangaben ersetzen können. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, die eine wunderschön gezeichnete Karte enthalten, die Geschichte wird zudem mit einer Dramatis Personae, einer Zeittafel und einem Glossar abgerundet, wobei man die Zeittafel auch eher ans Ende hätte setzen können. Das Covermotiv wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen, insgesamt ist der Buchumschlag eher etwas eintönig und wird von dem großen, aber typographisch uneinheitlichen Titel beherrscht – unüblich fürs Genre, auch wenn das Covermotiv insgesamt durchaus zu überzeugen weiß, obwohl etwas der Bezug zur Handlung fehlt.

Mein Fazit? „Die Löwin von Jerusalem“ ist ein atmosphärischer historischer Roman, der Bathsebas Geschichte neu erzählt und dabei mit einem tollen Setting und einer durchaus spannenden Handlung glänzt, aber auch einige Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Wirbel um die Komtess“ (Das Lilienpalais 3)

Vor kurzem habe ich „Wirbel um die Komtess“ von Hannah Conrad, einem Pseudonym hinter dem sich die Autorinnen Frieda Bergmann, Persephone Haasis, Monika Pfundmeier und Laila El Omari verbergen, gelesen. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Augenscheinlich ist Isabella von Seybach bereit für die kommende Ballsaison. Bereit für atemberaubende Kleider, rauschende Feste und die Suche nach einem Ehemann. Insgeheim schmiedet sie aber ganz andere Pläne: Sie will ihre Leidenschaft für das Theater ausleben! Als Rudolf Heiland, Hofschauspieler und der wohl begehrenswerteste Mann Münchens, Isabella seine verruchte und aufregende Welt zeigt, kann sie nicht widerstehen. Ihr engster Vertrauter Leopold von Löwenstein plant inzwischen seine eigene Zukunft – ohne Isabella. Das weckt Gefühle in ihr, die sie lange vor sich selbst versteckt hat. Isabella muss sich entscheiden. Für was – und vor allem für wen – schlägt ihr Herz wirklich?

„Wirbel um die Komtess“ ist nach „Eine fast perfekte Debütantin“ und „Ein Graf auf Abwegen“ der dritte Band der lose zusammenhängenden Lilienpalais-Reihe des Autorenquartetts. Wie schon beim Vorgänger könnte man das Buch natürlich auch wieder als historischen Roman oder als Historical Romance einordnen – aufgrund der familiären Zusammenhänge zwischen den Bänden habe ich es jedoch bei der Eingruppierung als (historische) Familiensaga belassen, auch wenn diese üblicherweise mehrere Generationen abdeckt, hier jedoch einzelne Protagonisten innerhalb der gleichen Generation verwendet.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend und wartet teils mit unerwarteten Wendungen auf. Hannah Conrad serviert in diesem Band ein Potpourri aus klassischen Familiendramen, historischem Feminismus und queeren Ansätzen – und fast sogar einem Liebesquartett (Love Triangles sind wohl veraltet). Dabei kann der Roman als Standalone gelesen werden, zur besseren Würdigung aller Querverweise würde ich aber auch die Lektüre der ersten Bände empfehlen, da das Buch dann einfach noch besser wirkt – ich selbst bin ja leider erst mit dem zweiten Band eingestiegen.

Das Setting brilliert natürlich auf ganzer Linie – und lebt von den Gegensätzen. Während im letzten Band das klassische Downton-Abbey-Setting mit den gegensätzliche Welten der Herrschaft und Dienerschaft präsentiert wurde, wird hier die High Society mit Debütantenbällen der schillernden, eskapistischen Theaterwelt gegenübergestellt – und es ist somit erneut eine wahnsinnig aufregende, opulente Reise ins München des 19. Jahrhundert; eine Reise, die ich gern erneut antreten würde.

Die einzelnen Protagonisten sind vielschichtig angelegt, haben eigene Ziele und Motive – sind teils aber zu perfekt geraten, mit zu wenig Schwächen, so dass man als Leser nicht nur bei Isabella, die mich in Band zwei bereits begeisterte, sondern auch vor allem bei Julie von Hegenberg als wichtige Nebenfigur ins Schwärmen gerät. Der Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, die weniger strenge historische Authentizität stört hierbei nicht wirklich.

Die Buchgestaltung überzeugt erneut völlig. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und wartet mit kleinen Verzierungen zu Kapitelbeginn auf. Der Buchdeckel ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich, wenn auch etwas nichtssagend und austauschbar – insgesamt sorgt die Gestaltung jedoch für einen gewissen Wiedererkennungswert und passt sich gutin das Gesamtbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Wirbel um die Komtess“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe „Das Lilienpalais“, die vor allem mit einem tollen, teils eskapistischen Setting, einer abwechslungsreichen Handlung und einer tollen Protagonistin punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lea Adam: „Stigma“ (Milo 1)

Vor kurzem habe ich „Stigma“ von Lea Adam gelesen, einem Pseudonym des Autorinnenduos Regina Denk und Lisa Bitzer. Der Roman ist 2023 als Ullstein Taschenbuch in der Ullstein Buchverlage GmbH veröffentlicht worden und als Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eine Männerleiche, die Augenhöhlen leer, eine Plastiktüte über dem Kopf: Mordermittlerin Jagoda „Milo“ Milosevic und ihr Kollege Vincent Frey stoßen auf Hinweise, dass der Tote in der Vergangenheit Frauen missbraucht hat. Ein mögliches Motiv? Der Verdacht erhärtet sich, als kurz darauf ein weiterer verurteilter Sexualstraftäter ermordet wird. Milo folgt bei den Ermittlungen ihrem Instinkt, doch sie fühlt sich zunehmend beobachtet. Erkennt sie das Böse, wenn es vor ihr steht?

„Stigma“ ist der erste Fall für das Ermittlerduo Jagoda „Milo“ Milosevic und Vincent Frey, die schon länger in Hamburg gemeinsam als Partner arbeiten. Vom Verlag als feministischer Thriller beworben (was soll das überhaupt sein?), lassen sich aufgrund der Tätigkeit beider Ermittler auch gute Argumente für die Eingruppierung als – etwas blutigerer – Kriminalroman finden, der Einfachheit halber habe ich es aber bei der Genrezuordnung „Thriller“ belassen, die Übergänge sind hier ohnehin fließend. Es bleibt zudem abzuwarten, in welche Richtung sich die Reihe noch entwickelt.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, wenn auch im späteren Verlauf zumindest teils vorhersehbar. Dabei streuen die Autorinnen in die aus Milos Sicht geschilderten Ermittlungen (ich hätte mir hier mehr auch von Vince gewünscht!) auch einzelne Taten aus Opferperspektive ein – allerdings nicht die aufzuklärenden Verbrechen an den Männern, sondern ausschließlich die zugrundeliegenden Gewalttaten an Frauen – vielleicht ist das mit feministischem Thriller gemeint. Alternativ könnte dies auch auf der etwas holzhammerartigen Informationsvermittlung zu sexueller Gewalt liegen – in dieser Bandbreite und Dichte etwas zu viel und unnötig, denn niemand heißt diese Taten gut und die Defizite bei der Strafverfolgung sind bekannt – auch wenn die Polizei und Justiz daran die geringste Schuld tragen (was man vielleicht auch hätte klarer herausarbeiten können oder müssen).

Das Setting ist gelungen. Die Autorinnen entführen den Leser in ein Hamburg zwischen Nobelsiedlung und Sozialwohnungen, zwischen Rotlichtviertel, Organisierter Kriminalität und Politskandalen – eine pulsierende Stadt voller Leben (okay, einiger Leben weniger, wenn man bedenkt, wie sich hier durch das Buch gemordet wird). Lediglich innerhalb der Polizei hätte ich mir manchmal etwas mehr Beschreibungen gewünscht – um das Flair der Ermittlungen noch besser greifen zu können.

Die einzelnen Charaktere sind – im Wesentlichen – vielschichtig dargestellt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugt neben Vincent vor allem auch Susanne Süß, von der ich mir noch mehr Auftritte gewünscht hätte, wohingegen Milo doch eher blass bleibt und als ungeoutete lesbische Tochter konservativ-osteuropäischer Eltern doch diverse Klischees bedient. Der Schreibstil der Autorinnen lässt sich gut und flüssig lesen, wirkt aus einem Guss und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist unaufgeregt, lediglich die Darstellung der Kapitel aus Opfersicht hätte noch etwas drastischer abgegrenzt werden können. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen und generell farblich und typografisch toll gestaltet, das Covermotiv passt zum Genre, ist aber doch etwas nichtssagend.

Mein Fazit? „Stigma“ ist ein gelungener Auftakt in die Thriller-Reihe, der vor allem mit seinem Setting und einer spannenden Handlung glänzt, aber auch etwas unklar in seiner Botschaft ist und Nachholbedarfe gerade in der Figur der Protagonistin besitzt. Mit Potential für Folgebände und für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Noah Martin: „Florentia – Im Glanz der Medici“

Vor kurzem habe ich „Florentia – Im Glanz der Medici“ von Noah Martin, dem Pseudonym einer Münchener Verlagslektorin, gelesen. Das Buch ist 2023 im Droemer Verlag, einem Imprint der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de!

Florenz, 1469: Die ganze Stadt feiert die Hochzeit von Lorenzo de‘ Medici, dem Sohn der märchenhaft reichen Bankiersfamilie und zukünftigen Herrscher. Drei der Hochzeitsgäste – Giuliano de‘ Medici, der ewig Zweitgeborene; die aufstrebende Malerin Fioretta Gorini und der junge, noch unbekannte Leonardo da Vinci – ahnen noch nicht, wie eng ihre Schicksale mit dem der Stadt verknüpft sind. Denn während die drei nach ihrem Platz in der Welt suchen, wird Florenz schon bald von allen Seiten bedroht, und den Feinden der Medici ist jedes Mittel recht, die Familie zu bekämpfen. Als sich sowohl Fioretta als auch Leonardo in einen Medici verlieben, werden sie schon bald tief in ein gefährliches Spiel aus Intrigen, Politik und Verrat gezogen, das tödlich enden wird.

„Florentia – Im Glanz der Medici“ ist der Archetyp eines historischen Romans voller Intrigen, Ränkespiele und Verstrickungen. Dabei konzentriert sich Noah Martin nahezu ausschließlich auf historisch belegte Persönlichkeiten, die mal stärker, mal schwächer auserforscht sind und so die künstlerischen Freiheiten doch stark einschränken. Nichtsdestotrotz ist es ihr gelungen, einen stringenten, atmosphärisch-dichten und überzeugenden Roman vorzulegen, der die vorgestellte Zeitspanne (1469-1481) näher beleuchtet.

Die Handlung ist hierbei spannend und abwechslungsreich, wenn auch durch den Prolog (der sich nahezu wortgleich, nur etwas ergänzt, später wieder im Buch findet – ein Fehler?) doch einiges vorweggenommen wird. Diese Spoiler muten hier allerdings weniger schlimm an, bewegt sich die Autorin doch im Bereich historisch stark belegter Persönlichkeiten, sodass deren Schicksale größtenteils ohnehin allbekannt sind und daher schwerlich überraschen können.

Das Setting ist naturgemäß brillant, entführt Noah Martin den Leser doch ins Florenz der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, in eine Blütezeit der Stadt, in die Anfänge genialer Künstler wie Botticelli und da Vinci. Dabei gelingt es der Autorin, die Standesunterschiede deutlich zu machen – und vor allem der Kunst und den Künstlern den Stellenwert einzuräumen, den sie verdienen. Im Hinblick auf diese prunkvolle Ära hätte ich mir allerdings teils noch ausführlichere, ausschweifendere Beschreibungen gewünscht, um das Florenz der Medici in all seiner Pracht und Glorie aufleben zu lassen.

Über die Ausgestaltung der Figuren bei einem Roman, der auf rein historisch belegten Persönlichkeiten basiert, zu sprechen, verbietet sich eigentlich. Dennoch möchte ich erwähnen, dass gerade die Anlage der historisch doch etwas vernachlässigten Fioretta wirklich gelungen ist, sie eine absolute Sympathieträgerin des Romans darstellt, auch wenn sie nicht immer nachvollziehbar handelt. Aber auch Lorenzo – und vor allem Sandro – genießen darüber hinaus meine Sympathien als Leser. Noah Martins Schreibstil ist zudem, trotz authentischer Sprache, gut und flüssig lesbar.

Auch die Buchgestaltung überzeugt. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, die durchgerutschten Kleinigkeiten – vom Prolog mal abgesehen – stören kaum den Lesefluss, der Buchsatz ist gelungen und rundet den Roman mit einer der Geschichte vorgestellten Dramatis Personae und einem Stammbaum ab. Der Buchumschlag ist mit Klappen und wunderschönen farbigen Coverinnenseiten versehen, das Titelbild zieht sich über den gesamten Buchumschlag und sorgt für ein einheitliches Gesamtbild, wenn auch der Ausschnitt, den das Cover präsentiert, etwas hektisch und unaufgeräumt wirkt.

Mein Fazit? „Florentia – Im Glanz der Medici“ ist ein überzeugender historischer Roman mit tollem Setting, einer spannenden Handlung und nur kleineren Schwächen. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

DiesesBuchHatEinenHypeVerdient – Thema: Freundschaft

Es ist erneut Freitag – und damit wieder Zeit für die Aktion: #DiesesBuchHatEinenHypeVerdient :). Ich bin ganz begeistert, wie viele Buchvorschläge in der ersten Woche zusammengekommen sind. Mehr zur Aktion und natürlich einen Sammelpost aller Vorschläge findet ihr *hier*.

Das Thema in dieser Woche lautet: Freundschaft. Und wenn ich an Freundschaft denke, an Menschen, die durch dick und dünn gehen, fallen mir direkt Rory und Lorelai Gilmore ein – Helden meiner Generation, und die Protagonisten einer meiner absoluten 51ea4yw0adl-_sx311_bo1204203200_Lieblingsserien. Daher verwundert es nicht, dass ich Euch heute das Buch vorstellen möchte, das ich gerade lese. Es handelt sich um „Geller Girls – Von Müttern und Töchtern“ von Ashley Gilmore (Rezension folgt in den nächsten Tagen). Der Roman ist 2017 im Selfpublishing erschienen.

„Geller Girls“ ist nicht nur eine Hommage an die Gilmore Girls, sondern spielt sogar in  deren direkter Umgebung (mit amüsanten Querverweisen). Das Buch beschreibt das Leben von Joanna und Melody Geller, Mutter und Tochter, in einer beschaulichen Kleinstadt in Connecticut. Ein chaotischer Alltag, eine ungewöhnliche Familie und die verrückten Bewohner von Woodbury sorgen dafür, dass „Geller Girls“ nicht nur kurzweilig ist, sondern ebenso mit Witz und Charme punkten kann.

Ashley Gilmore ist das Pseudonym einer deutschen Hybridautorin – insgesamt ist Geller Girls das vierte Buch, das ich von ihr lese, und das zweite unter diesem Pseudonym. Und wie alle besticht es auch durch einen lockeren, leicht lesbaren und humorvollen Schreibstil – sodass klar ist: Dieses Buch hat einen Hype verdient!

Was fällt Euch zum Thema Freundschaft ein? Welche unbekannten Bücher könnt Ihr empfehlen? Wie immer: rein damit in die Kommentare 🙂