[FBM2023] Tag 3 – Von Superstars und tollen Debüts

Und so schnell ist bereits mehr als die Hälfte der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorbei, denn gestern stand schon der dritte Messetag für mich an, mit Florian Illies, Terézia Mora, Daniel Kehlmann, Ellin Carsta, Friedrich Kalpenstein, Sophie Passmann, Robert Seethaler, Caroline Brinkmann, Yasmin Shakarami, Emily Bähr und Karen M. McManus. Dabei begann der Tag entspannt für mich mit einem Doppelslot an der Literaturbühne. Den Anfang machte hier Florian Illies, der im Gespräch mit Knut Cordsen sein neuestes, historisches Werk „Zauber der Stille. Caspar David Friedrichs Reise durch die Zeiten“ (S. Fischer Verlage) vorstellte – ich ließ mir im Anschluss direkt auch seinen Bestseller „1913: Der Sommer des Jahrhunderts“ signieren.

Nach ihm fand sich Térezia Mora auf der Bühne ein. Die bereits mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis (1999) und dem Deutschen Buchpreis (2013) prämierte Autorin präsentierte mit „Muna oder die Hälfte des Lebens“ (Luchterhand) erstmals einen Roman mit einer Frau als Protagonistin; erstmals einen Roman aus der Ich-Perspektive, ein Buch über die Flucht in eine und aus einer toxischen Beziehung. Auch mit „Muna“ stand Térezia Mora erneut auf der Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreises, verpasste eine zweite Auszeichnung zehn Jahre nach der ersten (vermutlich) aber sehr knapp. Das Gespräch mit ihr führte Anne-Dore Krohn.

Im Anschluss fand sich ein großer Autor am Stand der Zeit ein, um sein neues Werk über einen großen Regisseur zu präsentieren. „Lichtspiel“ von Daniel Kehlmann (Rowohlt) porträtiert nämlich das Leben von Georg Wilhelm Pabst als fiktive Romanbiografie mit deutlich erzählerischer Freiheit und stellt dabei insbesondere sein Schaffen im Nationalsozialismus ins Zentrum des Buches. Im Gespräch mit Adam Soboczynski sprach der Autor hierbei vor allem über seinen Zugang zum Film und darüber, was sein Werk von einer richtigen Biografie unterscheidet – hochspannend.

Ebenfalls bei der „Zeit“ begann nach einer kurzen Mittagspause mein Nachmittagsprogramm – allerdings mit einem gänzlich anderen Thema. Sophie Passmann – Autorin, Podcasterin, Schauspielerin, Moderatorin und noch so viel mehr – präsentierte im Gespräch mit Volker Weidemann ihr neuestes und persönlichstes Buch „Pick Me Girls“ (Kiepenheuer & Witsch). Wenn man den Querschnitt der Zuhörer und Zuhörerinnen mit der Veranstaltung von Daniel Kehlmann vergleicht, hätte der Unterschied kaum krasser ausfallen können – und dennoch begeisterten beide gleichermaßen.

Meine letzte Veranstaltung des Tages war dann ein klassischer Wohlfühltermin, bin ich doch im Jugendbuch zuhause. Und wenn dann mit Karen M. McManus noch ein internationaler Superstar für die Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH auf der Bühne der „30-Minuten-WG“ Platz nimmt, ist nicht nur gute Unterhaltung sondern auch ein brechend voller Stand vorprogrammiert. Karen, die ich heute auch auf einer Signierstunde treffe, stellte dort im Gespräch mit David Baum ihr neuestes Werk „One of us is back“ vor, den Abschluss ihrer weltbekannten und bereits als Serie verfilmten Reihe zu „One of us is lying“.

Den restlichen Tag schlenderte ich durch die Hallen, ließ mir von Ellin Carsta, Friedrich Kalpenstein und Robert Seethaler noch Bücher signieren und traf auf einem Blogger-Meet & Greet der Verlage cbj und cbt endlich mal wieder Caroline Brinkmann (links), und lernte dort noch Emily Bähr und Yasmin Shakarami (rechts) kennen, die mit „Tokioregen“ nicht nur das vermutlich schönste Debüt des Jahres hingelegt hat, sondern auch noch hochsympathisch war.

Während der Sonntag ganz entspannt wird, steht mein heutiger Tag ganz im Zeichen von Signierstunden nationaler und internationaler Superstars. Doch worauf ich mich am meisten freue, ist es, endlich Ulla Scheler wiederzutreffen, die nach jahrelanger Pause mit „Acht Wölfe“ ein fulminantes Comeback feierte – mein bisheriges Jahreshighlight. Worauf freut Ihr Euch heute?

Wunderschöne Schmuckstücke | Doppelter Buchkauf

In der letzten Zeit erreichten mich auch diese beiden wunderschönen, selbstgekauften Bücher. Während „Fourth Wing – Flammengeküsst“ von Rebecca Yarros – das derzeit wohl meist gehypte Buch – der Auftakt in eine neue fantastische Serie im dtv Verlag ist, handelt es sich bei „Vergissmeinnicht – Was bisher verloren war“ von Kerstin Gier aus dem S. Fischer Verlag (signiert und mit Goodies über die Buchhandlung einzigundartig) um den zweiten Band der neuen Trilogie der Autorin, die mit der Edelsteintrilogie die Phantastik in Deutschland maßgeblich prägte. Beide Bücher sind unglaublich hochwertig gestaltet und zählen zu den absoluten Schmuckstücken in jedem Buchregal. Ich bin schon gespannt, ob der Inhalt annähernd mit der brillanten Ausstattung und dem Hype mithalten kann.

Habt Ihr eines der Bücher bereits gelesen?

[Buchgedanken] Stephan Ludwig: „Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller“

Vor kurzem habe ich „Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller“ von Stephan Ludwig gelesen. Das Buch ist 2023 bei FISCHER Scherz in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Norbert Heinlein, Delikatessenhändler in dritter Generation, legt größten Wert auf Qualität und Tradition. Seine Kundschaft geht ihm über alles, er bedient sie mit ausgesuchter Höflichkeit. So auch seinen neuen Stammkunden Adam Morlok, einen charismatischen Geschäftsmann. Bis Morlok eines Tages durch ein Versehen Heinleins tot zusammenbricht. In seiner Panik lagert Heinlein Morloks Leiche kurzerhand im alten Kühlhaus im Keller zwischen. Doch statt einen Weg aus der Sache zu finden, gerät Heinlein immer tiefer hinein. Und es wird nicht bei einer Leiche im Keller bleiben – Morlok bekommt bald Gesellschaft im Kühlhaus …

„Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller“ ist mein erster Roman von Stephan Ludwig, dem Autor der Krimi-Bestsellerreihe um die Kommissare Zorn und Schröder, die auch hier einen Gastauftritt haben. Im Gegensatz zu der bekannten Reihe, ist der Roman um Norbert Heinlein jedoch kein klassischer Thriller oder Krimi, sondern vielmehr als Cosy Crime einzuordnen – oder auch als kulinarischer Kriminalroman, die Grenzen hier sind ohnehin fließend.

Die Handlung ist abwechslungsreich und kurzweilig, und vor allem sehr humorvoll, teils fast britisch-schwarzhumorig anmutend – was definitiv zum cosy Gefühl des Romans beiträgt. Dabei kann die Handlung gerade zu Anfang überzeugen, während sie in der zweiten Hälfte leider etwas abbaut, teils ins gänzlich Abstruse abgleitet. Auch das Ende lässt mich als Leser leicht unbefriedigt zurück, ist es doch nicht nur skurril, sondern auch zu offen, ohne einen regulären Krimiabschluss zu liefern. Nichtsdestotrotz spricht der Roman neben der Handlung auch wichtige Themen an wie die Verödung von Innenstädten, die Discounter-Mentalität, Sterbehilfe und häusliche Pflege oder auch Spendenbetrug – um nur einige zu nennen.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor den Leser in eine – ich glaube nie näher benannte, gegebenenfalls auch fiktive – ostdeutsche Stadt, bei der es sich jedenfalls nicht – wie in der Fernsehserie zu Zorn/Schröder – um Halle an der Saale handelt, wie der Autor dem MDR in einem Interview verriet. Toll sind hierbei die kulinarischen Ausflüge zusammen mit Heinlein in die verschiedenen Aromenwelten der Gourmetküche, in Geschmäcke und Gerüche, die sich zu kulinarischen Meisterwerken zusammensetzen und mit Bildern gleichgesetzt werden.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei glänzen insbesondere Keferlein und auch Marvin, während Heinlein zwar anfangs brilliert, zum Ende hin aber stark nachlässt. Stephan Ludwigs Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, sehr humorvoll und lässt das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist schön anzusehen, lediglich die Briefe an Lupita hätte man noch etwas trennschärfer abgrenzen können. Der Umschlag ist auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, wobei auf der vorderen Innenseite eine Karte zur Unterstützung der Handlung abgedruckt ist. Das Cover ist sehr simpel aber farblich toll, insbesondere der Farbverlauf im Buchtitel ist gelungen. Gegebenenfalls hätte man für den – so beworbenen – kulinarischen Krimi aber auch noch einige Rezepte unterstützend anhängen können.

Mein Fazit? „Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller“ ist ein humorvoller Cosy Crime Roman, der unglaublich stark beginnt, aber leider in der zweiten Hälfte auch etwas nachlässt. Dennoch bedenkenlos für Liebhaber des Genres zu empfehlen – nicht erst ab dem vom Verlag angegebenen Alter von 18, sondern meines Erachtens durchaus auch schon ab 16 Jahren.

Von Sehnsüchten und schwierigen Entscheidungen | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! Sowohl in „Sehnsucht am Tegernsee“ von Hannah Lechner (emons Verlag) als auch in „Der nette Herr Heinlein und die Leichen im Keller“ von Stephan Ludwig (FISCHER Scherz, S. Fischer Verlage) werden die Protagonisten vor schwierige Entscheidungen gestellt, müssen zwischen Liebe und Loyalität wählen, oder sich um Leichen im Keller kümmern. Egal ob große Gefühle, Humor oder eine gehörige Portion Spannung – in jedem Fall versprechen die Bücher daher ein unglaubliches Lesevergnügen.

Welches Buch habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Katharina Oswald: „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ (Lindenhof 1)

Vor kurzem habe ich „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ von Katharina Oswald gelesen. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich das Autorinnenduo Andrea Bottlinger und Claudia Hornung. Das Buch ist 2023 bei FISCHER Taschenbuch, S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hohenlohe 1953: Nach dem Tod des Vaters kommen Marianne, ihre Mutter und ihre kleinen Schwestern kaum über die Runden. Die alte Schreinerei, einst Stolz der Familie, verfällt. Doch Marianne will sich dem Schicksal nicht ergeben. Zu sehr liebt sie den Duft der Werkstatt, die sanfte Wärme des Holzes unter ihren Fingern. Sie will wieder aufbauen, etwas ganz Neues wagen. Nur wer traut ihr das als Frau in diesen Zeiten zu? Marianne muss um ihren Traum kämpfen. Doch dann verliebt sie sich ausgerechnet in den traumatisierten Kriegsheimkehrer Alexandre…

„Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ ist eine Familiensaga, die – im ersten Band – den Zeitraum zwischen 1953 bis 1957 bzw. in Alexandres Fall den Zeitraum zwischen 1951 und 1957 abdeckt. Dabei konzentriert sich die Handlung im Wesentlichen auf die Geschicke der Familie Wagner um Marianne und Henni, streut aber auch dunkle Themen wie Kriegstraumata und toxische Beziehungen mit ein, wie man auch den der Geschichte nachgestellten Content Notes entnehmen kann.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber vorhersehbar. Gerade der Einstieg wird dem Leser hier jedoch leichtgemacht, werden doch trotz des Genres nur einige, wenige Handlungsstränge parallel angelegt, sodass relativ stringent erzählt werden kann und man sofort im Lesefluss ist. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist das runde und gelungene Ende, das weder in einem großen Cliffhanger mündet, noch wesentliche Handlungsstränge unabgeschlossen lässt, lediglich fast zu klischeehaft happy ist.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt die Autorin den Leser nach Baden-Württemberg, in die Region Hohenlohe und nach Schwäbisch Hall, sowie nach Nürnberg – in ein Deutschland der 50er Jahre zwischen Wiederaufbau, Kriegsentschädigung und Besatzung. Dabei ist der Schreibstil der Autorin leicht und flüssig lesbar, authentisch und zeitgemäß und lässt so das Kopfkino sofort anlaufen.

Trotz der wenigen Handlungsstränge spielen im Verlauf des Buches doch immer mehr Charaktere eine wichtige Rolle, sodass diese, auch aufgrund der Kürze des Buches, nicht alle im Detail angelegt werden können. Ich hoffe daher, einigen in den Folgebänden erneut zu begegnen, nachdem diese konsequent weiterentwickelt wurden. Bislang überzeugten Henni, Ludwig und Ruth, während Marianne doch etwas blass verblieb bzw. nicht immer nachvollziehbar handelte.

Die Buchgestaltung ist sehr gut. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf Cover und Coverrückseite hochwertig geprägt sowie mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist idyllisch und nett anzusehen, auf die abgebildete Person hätte man jedoch verzichten können, da sie die Gesamtkomposition doch etwas stört.

Mein Fazit? „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ ist ein guter Beginn in die Familiensaga um die Familie Wagner, der vor allem durch sein tolles Setting brilliert, teils aber auch etwas vorhersehbar ist. für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

Von Frauen mit Visionen | Doppelte Buchpost

Und auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! „Die nächste Depperte“ von Susanne Kristek (Gmeiner-Verlag) ist dabei ein schwarzhumoriges Buch über den steinigen Weg zur Autorin, „Die Frauen vom Lindenhof – Ein Neuanfang für uns“ vom Autorinnenduo Katharina Oswald (FISCHER Taschenbuch, S. Fischer Verlage) der Beginn einer neuen Familiensaga über Frauen, die ihren Platz im Nachkriegsdeutschland der 50er-Jahre behaupten.

Mögt Ihr humoristische Bücher?

[Buchgedanken] Tanya Byrne: „Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“

Vor kurzem habe ich „Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“ von Tanya Byrne gelesen. Das Buch ist 2022 bei FISCHER Sauerländer veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Afterlove“ bei Hodder Children’s Books, einem Imprint der Hachette Children’s Group, London. Der Roman ist als Young Adult Romantasy einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Stefanie Frida Lemke verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Das Letzte, was Ash hört, ist das Zerspringen von Glas, als die Windschutzscheibe sie trifft und in eine Millionen Teile zerbricht, die wie Sterne funkeln. Ash stirbt – mitten in in ihrer eigenen Liebesgeschichte. Doch ihre Liebe zu Poppy ist viel zu groß, um so abrupt zu enden. Für Ash ist klar: Sie muss den Tod überwinden, um Poppy wiederzusehen.

„Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“ ist ein Buch für junge Erwachsene mit einem starken Fokus auf die Liebesgeschichte, die offensiv als queer vermarktet wird, was eigentlich irrelevant sein sollte – schließlich kommt es auf die Gefühle an, egal zwischem wem. Da darüber hinaus aber auch phantastische Elemente eine, wenn auch nicht ganz so prägende, Rolle spielen, muss das Buch als Young Adult Romantasy eingeordnet werden.

Die Handlung vermag dabei nur in Teilen zu überzeugen. So stark die erste Hälfte des Buches ist, so süß und gefühlvoll die Liebesgeschichte, so ausbaufähig ist leider der phantastische Teil, der nicht immer logisch und nachvollziehbar ist. Daher fällt das Buch im zweiten Teil doch etwas ab, bleibt nichtsdestotrotz aber abwechslungsreich und altersgerecht – genau wie der einfach und flüssig zu lesende Schreibstil von Tanya Byrne. Hier war ein Jahreshighlight möglich – leider wird das Potential nicht vollständig ausgeschöpft.

Das Setting hingegen ist gelungen So entführt die Autorin den Leser – ungewöhnlich – nach Brighton, und damit gerade nicht an klassische britische Schauplätze wie London (wohin aber immerhin ein Ausflug führt) oder Schottland. Dabei bringt sie den Lesern die charmante Küstenstadt näher, die nicht nur dem Strand den Auftritt im Roman verdankt, sondern sicherlich auch dem Fakt, dass sie als Zentrum der LGBTIQ-Szene in Großbritannien gilt.

DIe einzelnen Figuren sind – zumindest teilweise – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen insbesondere Rosh, die leider in der zweiten Buchhälfte absolut gar keine Rolle mehr spielt, und Dev. Auch Poppy kann glänzen, wenn auch mit leichten Abstrichen, während Ash doch etwas blass verbleibt. Außerhalb der Liebesgeschichte wird zudem die Gefühlswelt der Protagonisten viel zu wenig beleuchtet, was schade ist.

Die Buchgestaltung zeigt ebenfalls Licht und Schatten. Während dem Lektorat und Korrektorat doch einige Kleinigkeiten durchgerutscht sind, bleibt darüber hinaus ein großes Fragezeichen. So findet sich der Prolog im späteren Verlauf der Handlung noch einmal komplett wortgleich abgedruckt wieder – entweder krasser Fehler oder gänzlich sinnlose Widerholung, jedenfalls wird hier der Lesefluss massiv unterbrochen und Verwirrung gestiftet. Der Buchsatz vermag hingegen mit insbesondere toll gesetzten Chatnachrichten wieder zu glänzen, der Buchumschlag ist mit Klappen, einer Prägung auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite sowie einem tollen Farbschnitt in der Erstauflage hochwertig gestaltet. Das Covermotiv passt farblich toll zum restlichen Buch und ist zuckersüß, wenn auch knallpinke Haut irgendwie komisch aussieht.

Mein Fazit? „Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“ ist ein Roman, der vor allem durch seine zuckersüße Liebesgeschichte glänzt, sein Potential aber nicht vollständig ausschöpft und leider zum Ende hin daher etwas abfällt. Für Leser des Genres dennoch zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

Von großer Gefahr und noch größerer Liebe | Doppelte Buchpost

Vor und während der Buchmesse erreichten mich diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür! Während „EAST – Welt ohne Seele“ von Jens Henrik Jensen (dtv Verlag) als Auftakt in eine Trilogie an Agententhrillern von großer Gefahr durchdrungen ist, geht es in „Everlove – Bis übers Ende dieser Welt hinaus“ vonTanya Byrne (Fischer Sauerländer, S. Fischer Verlage) über Liebe, die selbst den Tod besiegt. Ich bin schon ganz gespannt, welches Gefühl mich schlussendlich mehr abholen und mitnehmen wird – es steht jedenfalls ein abwechslungsreiches Leseprogramm ins Haus.

Worauf hättet Ihr im Moment mehr Lust? Lest Ihr stimmungsabhängig?

[Buchgedanken] Ingo Bott: „Pirlo – Falsche Zeugen“ (Pirlo 2)

Vor kurzem habe ich „Pirlo – Falsche Zeugen“ von Ingo Bott gelesen. Das Buch ist 2022 bei FISCHER Scherz in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Justizkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Buchpremiere auf Lovelybooks.de. „Pirlo – Falsche Zeugen“ ist dabei nach „Pirlo – Gegen alle Regeln“ der zweite Band um das Strafverteidigerduo Pirlo/Mahler.

Rainer Waßmer ist tot. Er war der Anführer einer Nazi-Rocker-Bande, mit denen die Clan-Familien in Düsseldorf eigentlich bisher in friedlicher Ko-Existenz lebten. Bis jetzt. In der Nacht hatten sich Clans und Rocker ein kleines Gefecht geliefert. Nichts Ernstes. Nur mal klarstellen, wo jeder steht. Doch nun ist Waßmer tot, und Faruk Maliki, Thronfolger einer bedeutenden Clan-Familie, wird des Mordes beschuldigt. Er braucht dringend einen Anwalt. Oder eine Anwältin. Oder am besten gleich beide. Pirlo und Sophie suchen fieberhaft nach Beweisen, die ihren Mandanten entlasten könnten. Dabei geraten sie selbst in Lebensgefahr und zwischen die Fronten.

„Pirlo – Falsche Zeugen“ setzt kurze Zeit nach dem ersten Roman an und schreibt die Handlung nahtlos fort. Neben Pirlo und Mahler trifft man dabei auf weitere, altbekannte Charaktere, lernt aber auch neue Protagonisten, sowohl in Zusammenhang mit dem Fall als auch um diesen herum kennen. Ein erster Leserliebling ist dabei sicherlich der neue Kanzleisekretär Wang, von dem ich gern in den Folgebänden mehr lesen würde.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar, was der Spannung jedoch keinen Abbruch tut. Dabei erhebt der Roman den Anspruch, das Strafverfahren realistisch abzubilden, was auch größtenteils gelingt. Hierbei verstrickt sich die Geschichte noch viel stärker als im ersten Teil im Geflecht der Clankriminalität und dem organisierten Verbrechen.

Das Düsseldorfer Setting – zwischen Clanmilieu und High Society – vermag dabei wie im Vorgängerband vollends zu überzeugen, genau wie auch Ingo Botts flüssig und leicht zu lesender Schreibstil, der in personaler Erzählperspektive aus Sicht von Pirlo und Mahler die Geschichte erzählt.

Als Charaktere entwickeln sich Sophie und Pirlo deutlich weiter, insbesondere Sophie ist in diesem Band noch stärker und die klare Heldin der Geschichte, während Pirlo an Tiefe gewinnt und sich im Vergleich zum Vorgängerband bessert. Auch der vorsitzende Richter Meurer überzeugt als interessante und sympathische Nebenrolle.

Die Buchgestaltung kann auf ganzer Linie glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Lediglich das Covermotiv kann noch nicht vollends überzeugen, zeigt aber immerhin nunmehr auch Sophie und sorgt für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit hohem Wiederkennungswert.

Mein Fazit: „Pirlo – Falsche Zeugen“ setzt die Reihe um Pirlo und Sophie Mahler gelungen fort und überzeugt vor allem durch eine spannende und interessante Handlung. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren und nicht ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes.

Spannungsgeladene Fortsetzungen | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich diese beiden Fortsetzungen von spannungsgeladenen Buchreihen: „Pirlo – Falsche Zeugen“ von Ingo Bott (Fischer SCHERZ), nach „Pirlo – Gegen alle Regeln“ der zweite Teil um die Anwälte Pirlo/Mahler und „Ein Fremder hier zu Lande“ von Ralph Knobelsdorf (Lübbe), nach „Des Kummers Nacht“ der zweite Fall für den preußischen Polizisten Wilhelm von der Heyden. Ersteres wurde mir dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zur Verfügung gestellt, letzteres erreichte mich als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury – vielen Dank jeweils dafür. Justizroman und historischer Krimi – da stehen mir spannende Lesestunden bevor. Da ich jeweils die ersten Bücher mochte – wird hier schon nichts schief gehen ;).

Von welchem Buch habt Ihr Euch zuletzt die Fortsetzung gegönnt?