[Buchgedanken] Darius A. Harwardt: „Die Flamme der Rache“ (Weltenspiegel-Chronik 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Die Flamme der Rache“ von Darius A. Harwardt gelesen. Das Buch ist 2026 im Selfpublishing veröffentlicht worden und als High Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Vor vierzig Jahren errichtete Erzmagier Lazar gewaltsam das Magistrat von Elysis, um die jahrhundertelange Verfolgung von Magiern durch Adel und Kirche zu beenden und die Quelle der Magie zum Wohle aller zu erforschen. Doch das fragile Gleichgewicht des Kontinents ist bedroht. Der neue Hohepriester des benachbarten Königreiches Caldonia schürt erneut den Hass auf die Magie, die Gerüchte eines bevorstehenden Krieges verdichten sich. Revan, talentierter Absolvent des Arkaneums, ist entschlossen, das Magistrat vor seinen zahlreichen Feinden zu schützen. Gereon, Erstgeborener eines caldonischen Adelshauses, folgt hingegen nur zögerlich den Ambitionen seines Vaters. Währenddessen begibt sich die Söldnerin Shani auf eine zweifelhafte Mission. Doch die Entdeckung des Archäologen Rodrick droht, all diese Pläne zunichtezumachen.

„Die Flamme der Rache“ ist der Debütroman von Darius A. Harwardt und der Auftaktband in die „Weltenspiegel-Chronik“. Dabei lässt sich der Roman klar als High-Fantasy einordnen. Zwar fehlt es noch etwas an dem epischen Konflikt zwischen Gut und Böse, aber an der Einstufung führt schlussendlich doch kein Weg vorbei, auch wenn man einzelne Handlungsstränge isoliert für sich gesehen sicherlich auch als „Sword and Sorcery“ kategorisieren könnte. Als Auftaktband endet das Buch zudem sehr offen und schließt quasi keine Handlungsstränge ab, daher kann man das Buch eher nicht als Standalone lesen.

Generell ist die Handlung zwar spannend und abwechslungsreich, aber auch sehr fragmentarisch, tauchen doch immer neue personale Erzählperspektiven auf, die zwar lose schon im Zusammenhang stehen, aber noch nicht zusammengelaufen sind. Insgesamt wird man – gerade anfangs – mit vielen Charakteren und Orten geflutet, erst im Verlauf der Handlung stellt sich dann der Lesefluss ein. Dabei werden allein in diesem Auftaktband schon so viele Themen angeschnitten, die auch Zerrbild unserer Gesellschaft sind wie totalitäre Überwachungsstaaten, religiöser Fanatismus, Fremdenhass, Krieg und Vertreibung – um nur einige zu nennen.

Das Setting ist gelungen. Der Weltenbau glänzt hier durch einen sehr umfassenden Ansatz, auch wenn in der Kürze des Buches sicherlich noch einige Themen etwas knapp gehalten worden sind und in den Folgebänden noch ausgebaut werden müssen – gerade das Magiekonzept. Die politischen und gesellschaftlichen Verwerfungen sind jedoch schon gut dargestellt, auch wenn Caldonias Situation irgendwie etwas an Game of Thrones erinnert. Durch eine Kartenflut soll die Welt hier auch visualisiert werden, die schiere Masse an vorangestellten Karten erschlägt jedoch eher. Lediglich an wenigen Stellen ist der Weltenbau etwas inkonsequent und verfällt doch wieder in Muster aus der realen Welt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der schieren Masse an Charakteren einige in den Folgebänden noch stärker ausgearbeitet werden müssen. Hierbei überzeugen von den Protagonisten insbesondere Revan und Visaya, aber auch einige Nebencharaktere wie Khalia und Erin können glänzen. Darius A. Harwardts Schreibstil lässt sich größtenteils leicht und flüssig lesen, der Autor verfällt lediglich manchmal in einen kleinen Infodump, der nicht immer an den Stellen notwendig ist.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Gleiches gilt für den Buchsatz, der ebenfalls nicht fehlerfrei ist, sich aber noch im Rahmen hält. Neben den vorangestellten Karten runden auch eine nachgestellte Dramatis Personae sowie ein umfangreiches Glossar die Geschichte ab. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein Gesamtbild entsteht – es bleibt abzuwarten, wie die anderen Teile der Reihe dazu passen. Generell ist das Covermotiv durchaus ansehnlich und genretypisch, die Coverrückseite eher eintönig und schlicht.

Mein Fazit? „Die Flamme der Rache“ ist ein Auftaktband, der gerade im Weltenbau viel Potential offenbart, gleichzeitig aber sehr offen endet und somit nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Evelyn Scala Schreiber: „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ (Zirkus-Trilogie 1)

Vor kurzem habe ich „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ von Evelyn Scala Schreiber gelesen. Das Buch ist 2026 bei Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde 2025 unter dem Titel „Privatflickan“ bei Bokförlaget Forum, Stockholm, veröffentlicht. Der Roman ist als Familiensaga einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Holger Wolandt verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bertha Lindberg, eine junge Frau der feinen Stockholmer Gesellschaft, soll endlich standesgemäß heiraten. Doch während ihr Vater nach einem geeigneten Ehemann sucht, träumt sie von einer großen Bühnenkarriere. Als sie an einem Dezemberabend Baptiste begegnet, einem gefeierten Artisten aus Österreich, verliebt sie sich nicht nur in ihn, sondern auch in die schillernde Welt des Zirkus. Denn obwohl Bertha sich für eine moderne Frau hält, lernt sie hier eine Freiheit kennen, die ihre Vorstellung bei Weitem übersteigt. Nach nur drei Tagen muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr Leben für immer verändert …

„Wir waren Artisten: Das Mädchen“ ist der Debütroman von Evelyn Scala Schreiber und der Auftaktband in die Trilogie um die Zirkusfamilie Schreiber, inspiriert von der wahren Familiengeschichte der Autorin. Der Roman, der jetzt bereits einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren abbildet, lässt sich daher gut als Familiensaga einordnen, auch die Eingruppierungen als historischer Roman oder Entwicklungsroman wären theoretisch denkbar, treten aber hinter die ganz klar im Zentrum stehende und alles überragende Familiengeschichte zurück.

Die Handlung ist dabei durchaus interessant und abwechslungsreich, wird aber durch den der Handlung vorgestellten Textauszug bereits in Teilen gespoilert, gleiches gilt durch die hintangestellten Fotos gegebenenfalls für die Folgebände. Erzählt wird die Geschichte aus mehreren personalen Erzählperspektiven, die dankenswerterweise jeweils kapitelweise wechseln und mit der jeweiligen Erzählstimme überschrieben sind. Und auch wenn der Roman kleinere Längen hat, man sich teils andere Ausgänge gewünscht hätte, ist man durch die Familiengeschichte der Autorin doch gebunden und kann sich von ihr fesseln lassen – das Buch lässt sich dabei trotz des durchaus offenen Endes sogar gut als Standalone lesen, auch wenn natürlich genug Potential für die Folgebände verbleibt.

Das Setting kann naturgemäß brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ans Ende des 19. Jahrhunderts, nimmt diese mit auf eine Reise durch – vornehmlich – Nordeuropa, bringt sie aber bis nach Paris und St. Petersburg. Hierbei mischt Evelyn Scala Schreiber das – familiär präsente – Thema Zirkus mit den gesellschaftlichen Umwälzungen der damaligen Zeit, mit Themen wie Emanzipation, Ausgrenzung, Fremdenhass und familiären Verpflichtungen. Dabei entsteht eine schillernde Kulisse, die vor allem die krassen Gegensätze vom Leben in der Oberschicht zum Leben als reisender Zirkusartist gut illustriert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Julia, Caroline, Hedda und Charles, während vor allem Baptiste leider etwas enttäuschend agiert, nicht nachvollziehbar handelt und viele Sympathien verspielt – was der Lovestory nicht wirklich zuträglich ist. Evelyn Scala Schreibers Schreibstil lässt sich darüber hinaus leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist sicherlich aber auch zugunsten der Lesbarkeit im Vergleich zur historischen Authentizität hin ausbalanciert.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und bietet Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber kein Eyecatcher. Die Geschichte wird durch eine etwas ausufernde Personenübersicht und durch Fotoaufnahmen abgerundet – gegebenenfalls hätte man die Fotos auch in die Coverinnenseiten packen können, damit diese farblich hätten dargestellt werden können. Gefreut hätte ich mich auch über Stammbäume – das hätte die Personenübersicht etwas entzerrt.

Mein Fazit? „Wir waren Artisten: Das Mädchen“ ist ein gelungenes Debüt und ein vielversprechender Auftakt in eine Familiensaga, die mal ganz andere Themen in den Mittelpunkt rückt. Kleinere Schwächen sind dabei zu verschmerzen, die schillernde Zirkuswelt macht hierbei Lust auf mehr. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Win Your Heart“ (Limerick Love 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Limerick Love. Win Your Heart“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2026 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historische New Adult Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1462. Im Dorf ihrer Großmutter sucht Sláine Ó Meadhra nach einem Neuanfang. Stattdessen findet sie ihn: Callum. Doch ihr Freund aus Kindheitstagen hat eine mysteriöse Vergangenheit: Manche nennen ihn einen Piraten, andere einen Mörder. Er hält Sláine auf Abstand, so sehr sie auch seine Nähe sucht. Enttäuscht wendet sie sich dem charismatischen Rian zu und entdeckt an seiner Seite ihre Liebe zum Rudern. Doch ihr Herz schlägt bereits für Callum … Ein großes Ruderturnier wird schließlich zu Callums letzter Chance, seinen Namen reinzuwaschen. Aber skrupellose Gegner lassen ihm und Sláine nur eine Wahl: gemeinsam kämpfen – oder untergehen.

„Limerick Love. Win Your Heart“ ist der zweite Teil der „Limerick Love“-Dilogie, kann aber unabhängig vom ersten Band als Standalone gelesen werden, die Verknüpfungen sind eher gering, auch wenn die Protagonistin bereits im ersten Band die Leser:innen begeisterte – in „Limerick Love. Break the Rules“ war Sláine meine Lieblingsfigur. Allerdings sehe ich diesen Band – im Gegensatz zum ersten Teil – nicht mehr wirklich als Sports Romance, spielt doch der Sport eher eine untergeordnete Rolle, ist mehr Mittel zum Zweck und keiner der Love Interests ist wirklich zentral involviert.

Dies ist allerdings der einzige wirkliche Wermutstropfen, denn die Handlung ist sonst hochspannend und abwechslungsreich und sorgt so dafür, dass das Buch sich zu einem absoluten Pageturner entwickelt, der selbst am Ende überzeugt, das zwar genretypisch happy, aber nicht kitschig rosarot ist. Zugleich werden – trotz des historischen Settings – auch gesellschaftlich relevante Themen eingebaut, die doch zeigen, dass wir uns in einigen Bereichen gar nicht so weit entwickelt haben, wie wir es gern glauben würden. Erzählt wird das Buch hierbei aus Sláines Ich-Perspektive.

Das Setting überzeugt naturgemäß auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland des 15. Jahrhunderts. Und auch wenn dieses Mal nicht der Konflikt zwischen den Gaelic Irish und den Anglo-Irish im Zentrum der Handlung steht, finden sich doch genug Themenfelder, auf denen sich Kristin MacIver mit ihren Figuren tummeln kann – erneut glänzt hier auch die Recherche, auch wenn sicherlich zugunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere historische Detail verzichtet wurde.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren neben Sláine insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Maeve und Oisín, während lediglich Callum fast etwas zu gebrochen für den „broken hero“ ist. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und stellt den Kapiteln jeweils kurze Zitate/Gedanken von Callum vorweg. Unterstützt wird die Handlung hierbei durch eine großformatige Illustration der Protagonist:innen in den Coverinnenseiten sowie ein Glossar und eine Aussprachehilfe. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv passt gut zum ersten Teil und bildet einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Win Your Heart“ ist ein toller Abschluss der Dilogie, der sich zwar genremäßig durchaus vom ersten Band entfernt, dabei gleichsam aber ein Pageturner mit einer unglaublich spannenden Protagonistin verbleibt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Oskar Källner: „Der Anfang“ (Erben des Imperiums 1)

Vor kurzem habe ich auch „Der Anfang“ von Oskar Källner gelesen. Das illustrierte Jugendbuch ist in dieser Ausgabe 2026 im Imprint Atrium Kinderbuch, Atrium Verlag AG erschienen, eine erste deutschsprachige Ausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Angriff der Krao“ (ebenfalls Atrium), die Originalfassung wurde 2020 unter dem Titel „Imperiets Arvingar, Bortförda“ bei Rabén & Sjögren veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de. Für die Illustrationen zeichnet Karl Johnsson verantwortlich, die Übersetzung aus dem Schwedischen stammt von Maike Dörries.

Als Elias und Alice im Wald nach ihrer verschwundenen Mutter suchen, begegnen sie einer merkwürdigen Kreatur, die sich als Brock vorstellt und sie auf ein Raumschiff bringt. Brock ist ein alter Freund ihrer Mutter und braucht Hilfe, denn diese wurde von einer gefährlichen Spezies, den Krao, entführt. Elias und Alice verstehen die Welt nicht mehr. Was hat ihre Mutter mit all diesen Außerirdischen zu tun? Für die beiden beginnt nicht nur das Abenteuer ihres Lebens, sondern sie erfahren auch ein Geheimnis, das alles verändert, was sie jemals über ihre Familie gedacht haben…

„Der Anfang“ ist der erste Band der vierbändigen Reihe „Erben des Imperiums“. Empfohlen wird die Reihe für Leser:innen ab zehn Jahren, balanciert daher auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. Im Hinblick auf das Alter der Protagonist:innen (Alice ist ja etwa 12, Elias etwas jünger) und aufgrund der teils doch düsteren Handlung würde ich das Buch aber eher als Jugendbuch sehen und die Altersempfehlung von 10 Jahren wirklich als absolute Untergrenze annehmen – selbstständige Leser:innen sollten sich hier vielleicht auch eher dem Alter von Alice annähern.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, aber nicht unbedingt gewaltfrei. Durch die Mischung aus Comic- und Textelementen wird dies auch visualisiert, was die Geschichte toll ergänzt, gleichsam aber nochmal nicht zwingend für sehr junge Leser:innen geeignet ist. Insgesamt entwickelt sich die Handlung aber durchaus zum atemberaubenden Pageturner, lediglich das sehr offene Ende und das aus meiner Sicht unnötige erste Kapitel – oder der Prolog – trüben hier etwas das Bild.

Apropos Bild: Die Illustrationen von Karl Johnsson sind zwar – wie angesprochen – zuweilen sehr düster, fangen damit aber die Atmosphäre des Buches toll ein und sorgen für einen echten Mehrwert in der Geschichte, auch wenn Text und Bild noch stärker hätten verzahnt werden können, um über die Comicelemente die Geschichte integral weiterzuerzählen, anstatt diese nur zu illustrieren. Nichtsdestotrotz sind die Illustrationen dennoch ein absolutes Highlight und tragen zum tollen Gesamteindruck des Buches bei.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas schematisch dargestellt, hier kann aber in den Folgebänden deren Komplexität jeweils noch ausgebaut werden. Bislang überzeugen vor allem Syndra und Alice, während Elias noch etwas blass verbleibt. Oskar Källners Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit schön gestalteten, teils farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin klar abgegrenzt, ist dennoch toll anzusehen, der Umschlag insgesamt aber doch etwas eintönig – ein Konzept, das sich aber mit jeweils anderen Grundfarben auch in den Folgebänden fortsetzt, sodass schon ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe entsteht.

Mein Fazit? „Der Anfang“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Jugendroman, der mit Spannung und tollen Illustrationen glänzt, dabei aber auch etwas düster daherkommt und aufgrund des offenen Endes eher nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter von zehn Jahren geeignet, empfohlen eher ab einem Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ (Tilly Blich 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ von Andreas Suchanek gelesen. Das Buch ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Cosy Crime einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Tilly Blich könnte eine Pause gebrauchen. Doch als Eigentümerin der Reinigungsfirma „Plitz und Blank“ bleibt ihr kaum eine ruhige Minute – und jetzt droht auch noch die Steuerprüfung. Dass ihr Vorgänger so urplötzlich verschwunden ist, macht die Sache nicht einfacher. Tillys nächster Auftrag führt sie zur Schule von Untertannbach. Doch gegen den ermordeten Direktor in der Sporthalle kommt auch das stärkste Putzmittel nicht an. Kriminalhauptkommissar Stubs sieht seine Chance, es Tilly zu zeigen, und ein Wettrennen um Ermittlungsergebnisse beginnt. Schnell wird klar, dass es hinter den Kulissen der Schule gewaltig brodelt: Geheimnisvolle Affären, übermotivierte Eltern und unterbezahlte Lehrer halten Tilly und ihre Helfer Gerdy, Leon und Antonia auf Trab. Werden sie es schaffen, den Täter zu entlarven, bevor er erneut zuschlägt?

„Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist der zweite Band der Reihe um die namensgebende Inhaberin einer Reinigungsfirma – und nach „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ mein zweites Buch von Andreas Suchanek. Dabei lässt sich der Roman gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, balanciert er doch auf der Grenze vom Cosy Crime zur Krimödie. Da das Buch zwar humorvoll ist, der Fokus aber nicht auf den parodistischen Elementen liegt, habe ich es schlussendlich bei der Einordnung als Cosy Crime belassen.

Denn die Handlung ist – trotz multipler Todesfälle und einem epischen Showdown – durchaus noch als cosy zu bewerten und auch das Ermittelnden-Team aus Reinigungskraft, Kosmetikerin, Schüler und Basset ist sehr genretypisch. Dabei ist die Handlung sonst sehr abwechslungsreich und kann vor allem mit Witz und Situationskomik punkten – und auch das Ende überzeugt, kommt es doch ohne allzu großen Cliffhanger aus. Allerdings lässt sich das Buch eher suboptimal als Standalone lesen. Zwar ist der „Fall“ in sich abgeschlossen, ich hatte aber durchaus öfters das Gefühl, dass mir Vorwissen aus dem ersten Band fehlt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen ins fiktive Untertannbach, einen Modellentwurf eines verschlafenen, mittelgroßen schwäbischen Städtchens mit Polizeirevier, Gymnasium und einer Hunderanch – natürlich mit moderater Zucht als Gegenentwurf zur Qualzucht. So austauschbar das Setting aufgrund des fiktiven Ortes auch ist, wandern doch die ein oder andere schwäbische Eigenart in die Handlung mit ein als Gegenentwurf zu Tilly, die ja aus Köln stammt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Herr Höffler, Tony, Elif und Muffin, während einige Figuren auch eindimensional verbleiben, hier kann aber in den nächsten Bänden noch nachgebessert werden. Andreas Suchaneks Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen und funktioniert am besten in den humorvollen Passagen.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Lektorat und Korrektorat ist doch einiges durchgerutscht, sodass der Lesefluss etwas geschmälert wird, der Buchsatz ist ordentlich und punktet mit grafischen Elementen, auch wenn man den Zeitungsartikel noch innovativer hätte setzen können. Cover, Buchrücken und Coverrückseite sind jeweils voneinander abgesetzt, genretypisch gestaltet und fügen sich in die Buchreihe ein. Trotz des Bassets auf dem Cover hätte ich mir hier jedoch etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Der Tod wischt mit: Tilly Blich ermittelt“ ist cosy und punktet vor allem mit seinem starken Humor und einer abwechslungsreichen Handlung, ist aber auch fehlerbehaftet und lässt sich nur eingeschränkt als Standalone lesen. Für Liebhaber von Cosy Crime – und von Bassets – dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Sabina Qunaj: „Das Erbe der Drachenkrone“

In den letzten Tagen habe ich auch „Das Erbe der Drachenkrone“ von Sabrina Qunaj gelesen. Das Buch ist 2026 bei Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Wales im 13. Jahrhundert: Eleanor de Montfort ist dreizehn, als ihr Vater und ihr Bruder in der Schlacht gegen König Henry III. sterben. Für Eleanor bedeutet dies fortan ein Leben im Exil in Frankreich. Vor seinem Tod hatte ihr Vater bereits ihre Vermählung mit Llewelyn ap Gruffydd arrangiert, dem Fürsten von Wales. Nach Jahren des Sehnens und Hoffens ist nun die Zeit gekommen, dass Eleanor endlich die Ehe mit Llewelyn eingehen kann – wäre da nicht der neue König von England, der Wales endgültig zu unterjochen droht … 

„Das Erbe der Drachenkrone“ ist nach „Die Tochter der Drachenkrone“ der zweite Band einer Dilogie und insgesamt der sechste und abschließende Band der umfassenden Reihe, mit der Sabrina Qunaj die Eroberung von Wales thematisiert und von der ich auch bereits „Der Ritter der Könige“ gelesen habe. Dabei ist dieser Roman gut als Standalone lesbar und klar als historischer Roman einzuordnen – wie auch auf dem Cover angegeben. Nachdem ich zwischenzeitlich auch ein Jugendbuch und einen Liebesroman von Sabrina gelesen habe, kehre ich mit „Das Erbe der Drachenkrone“ also zu den Wurzeln zurück.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und umfasst einen Zeitraum von 17 Jahren in der zweiten Hälfe des 13. Jahrhunderts. Und auch wenn es mal kleinere Längen gibt, ist das Buch trotzdem ein Pageturner, fesselt Sabrina Qunaj mit der Geschichte von Wales die Leser:innen von der ersten bis zur letzten Seite, lässt sie mit Eleanor – vor allem – leiden, auch wenn das Happy End hier doch etwas beschönigend wirkt. Dabei thematisiert der Roman ganz nebenbei auch wichtige Themen wie die Rolle der Frau und Selbstbestimmung, Themen, die auch heute noch im Fokus stehen und zeigen, dass das Mittelalter teils gar nicht so weit weg ist.

Das Setting kann naturgemäß brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Wales sondern auch auf verschiedene englische Burgen, in ein französisches Kloster und an den Königshof. Hierbei zeugt der Roman mal wieder von einer umfassenden und gelungenen Recherche, auch wenn sicherlich das ein oder andere Detail zu Gunsten der Lesbarkeit insbesondere sprachlich angepasst wurde. Gelungen sind ebenfalls die eingestreuten walisischen Passagen, die allerdings so sporadisch auftauchen, dass es der Lesbarkeit insgesamt keinen Abbruch tut, auch wenn man nicht versuchen sollte, die Worte auch nur im Ansatz nachzusprechen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Angharad, Amaury und Gilbert de Clare, aber auch Eleanor (beide übrigens) kann glänzen. Lediglich Tudur kann ich nicht so wirklich fassen, aber dies bleibt ein kleiner Wermutstropfen in dem sonst sehr überzeugenden Figurenensemble. Sabrina Qunajs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich und die Geschichte wird durch eine vorangestellte Dramatis Personae, ein einordnendes historisches Nachwort und nachgestellte Stammbäume abgerundet, auch findet sich eine Karte in den Coverinnenseiten. Der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist sehr ansehnlich, genretypisch und passend zum ersten Band der Dilogie.

Mein Fazit? „Das Erbe der Drachenkrone“ ist ein fulminanter Abschlussband einer Ära, der mit toller Recherche, einer spannenden Handlung und einem brillanten Setting glänzt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 15 Jahren.

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Branderbe“ (Buck und Lange 3)

Und noch eine weitere Rezension habe ich frisch von der Leipziger Buchmesse für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Branderbe“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über Books on Demand (BoD) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bei einem Wohnungsbrand im Frankfurter Nordend kommt ein alter Mann ums Leben. War es ein tragischer Unfall oder steckt mehr dahinter? Für Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und seine Kollegin Maike Lange scheint der Fall schnell klar. Sie ahnen nicht, dass ein weiterer Mensch in Lebensgefahr schwebt.

„Branderbe“ ist nach „Mainblüte“ mein zweiter, und insgesamt der dritte Roman um das Ermittelnden-Duo Maike Lange und Sebastian Buck. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen. Zwar ist das Vorwissen aus dem Vorgängerband sicherlich hilfreich, zentrale Wendepunkte in den Leben der Ermittler:innen werden aber von der Autorin auch in diesem Band wieder ausgeführt, um deren Handeln nachvollziehbarer zu gestalten. Und auch die Genrezuordnung verbleibt relativ klar, wird das Buch doch auf dem Cover – zutreffend – bereits als Kriminalroman gelabelt.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig und spannend, wenn auch atypisch, sind doch alle Täter bereits relativ früh bekannt. Apropos alle Täter: Irritierend ist auch, dass der eigentliche Kriminalfall relativ schnell von einem viel größeren, spannenderen und brenzligeren Fall überlagert wird, der die Handlung dominiert und viel mehr Raum einnimmt. Dabei werden auch in diesem Roman wieder eine Bandbreite an gesellschaftlichen Themen angerissen, im Gegensatz zu Band zwei fehlt es hier aber leider an der Auflistung entsprechender Hilfsangebote für Betroffene. Auch über Content Notes hätte man wieder nachdenken können.

Das Setting bleibt unverändert. So entführt die Autorin die Leser:innen erneut nach Frankfurt, auch wenn dieses Mal durchaus andere Seiten der Stadt gezeigt werden und – wie oben bereits angerissen – andere Themen besprochen werden, geht es doch dieses Mal um Mietwucher, Demenz, häusliche Gewalt und Pflege. Dabei kommen die Ermittelnden fast etwas zu kurz, ihre im Vorband noch präsenteren eigenen Lebenskrisen und -Probleme treten dieses Mal gänzlich in den Hintergrund – zumindest bis zum Epilog, der einen milden, aber durchaus interessanten Cliffhanger präsentiert.

So entwickeln sich auch die Figuren – zumindest bei den Ermittler:innen – nur bedingt weiter, am ehesten kann hier dieses Mal Maike überzeugen, sodass das Buch insgesamt einmal mehr im Nebencast glänzt, der mit Alma und Dr. Bruckner zwei durchaus tolle Charaktere vorzuweisen hat. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich – erneut – leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist zwar kein Eyecatcher, aber durchaus genretypisch und bildet mit den Covern der vorherigen Bände ein einheitliches Erscheinungsbild für die komplette Reihe.

Mein Fazit? „Branderbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die als Standalone funktioniert und wichtige Themen anspricht, dabei aber atypisch zu einem anderen Fall switcht und die Ermittler:innen etwas vernachlässigt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Yngra Wieland: „Die weiße Dame“ (Salome Liebeskind 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „Die weiße Dame“ von Yngra Wieland gelesen. Das Buch ist 2026 in der Edition M, Amazon Media EU S.à r.l. (Amazon Publishing) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Psychotherapeutin Salome Liebeskind kommt sich vor wie eine Figur in einem Schachspiel: Da ist die schwierige Beziehung zu ihren Eltern in Israel, ihre verlorene Liebe – und jetzt auch noch ein Tötungsdelikt. Denn in Salomes Gemeinschaftspraxis wurde ihre Kollegin Eva brutal ermordet. War es eine Beziehungstat? War einer der Patienten der Täter? Der ermittelnde Hauptkommissar Julian Christ hält Salome für verdächtig, und sie beginnt selbst nachzuforschen. Dabei entdeckt sie, dass Eva keineswegs so korrekt war, wie es den Anschein machte. Als auch der Pfarrer und der Bürgermeister des Münchner Vorortes ermordet werden, zieht sich für Salome die Schlinge zu. Sie muss ihr ganzes psychologisches Können einsetzen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Diese scheint so undurchdringlich wie die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele …

„Die weiße Dame“ ist der Auftaktband in die Buchreihe um die Psychotherapeutin Salome Liebeskind und mein erster Roman aus der Feder von Yngra Wieland, die ich bereits aus dem Burgenwelt Verlag kenne. Das Buch lässt sich dabei klar als Kriminalroman einordnen – was auch die Platzierung im Label „Edition M“ bereits andeutet, handelt es sich doch um das Verlagsimprint von Amazon Publishing für deutschsprachige Krimis und Thriller. Atypisch wird der Fall dabei parallel von den Protagonist:innen bearbeitet, eine wirkliche Zusammenarbeit findet eigentlich nicht statt.

Dabei ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch anfangs mit kleineren Längen versehen. Interessant ist hierbei die Mischung des Kriminalfalls mit psychologischen Ansätzen, ist Salome doch praktizierende Psychotherapeutin und versucht, hinter die Fassade der Menschen zu blicken – als Anhängerin Jungs, die ihre Katze nach dem bekannten Psychiater benannt hat. Vor allem das Ende vermag vorliegend zu überzeugen, kommt es doch – obwohl es ein Reihenauftakt ist – ohne Cliffhanger aus, sodass das Buch gut als Standalone zu lesen ist.

Das Setting ist gelungen, aber auch etwas austauschbar, entführt die Autorin doch die Leser:innen in einen Münchener Vorort – Stammtisch, Kirche und politisches Geklüngel inklusive. Abgesehen von den typisch bayrischen Gerichten in der Wirtschaft fehlt es jedoch etwas an Lokalkolorit – ein bisschen Dialekt hätte hier gerade bei den Stammtischgesprächen nicht geschadet und für ein noch runderes Leseerlebnis gesorgt. Auch hätte ich mich gefreut, noch tiefer in psychologische Thematiken einzusteigen.

Die einzelnen Figuren sind durchaus vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der Kürze des Buches durchaus in den Folgebänden die Komplexität der Charaktere noch ausgebaut werden kann. Bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Benno, Ciggy, aber auch Julian kann glänzen, während Salome nicht immer nachvollziehbar handelt. Yngra Wielands Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Das Covermotiv wird teils zum Buchrücken hin unterbrochen, der sich dann aber zur Coverrückseite hin fortsetzt. Abgesehen davon ist das Covermotiv eher einfach gehalten, kein Eyecatcher und genreatypisch, zeigt aber durchaus Anklänge zur Handlung. Abzuwarten bleibt zudem, ob es gelingt, mit den Covern der Folgebände einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert zu erzeugen.

Mein Fazit? „Die weiße Dame“ ist ein gelungener Auftaktband, der durch die spannende und interessante Mischung aus Krimi und Psychologie brilliert, bei den Charakteren aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Fabian Navarro: „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ (Miez Marple 3)

Vor kurzem habe ich auch „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ von Fabian Navarro gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label HaymonKrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Katzendetektivin Miez Marple checkt im Tierhotel Bellagio ein! Und findet sich damit in der wohl luxuriösesten Unterkunft am Rand der Großstadt wieder. Eigentlich wollte sie ein paar Tage einen ruhigen Wollball schieben – aber nix da! Mit dem Tod einer Schnurrhaar-Diva kommen Geheimnisse ans Licht wie Mäuse aus ihren Löchern. Und der Mörder oder die Mörderin scheint direkt aus der Gemeinschaft der top gestylten und mit Gourmetleckereien vollgefressenen Haustiere zu kommen. Oder etwa doch aus dem tiefen, dunklen Wald nebenan?

„Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist der dritte Teil der Buchreihe um die flauschige Detektivin Miez Marple, deren ersten beiden Bände noch bei Goldmann erschienen sind. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist ein tierischer Kriminalroman, der durchaus in Teilen auch cosy (oder wie vom Verlag benannt cuddly) ist. Gleichsam ist er auch in bester Agatha-Christie-Manier größtenteils ein Kammerspiel, ist der Kreis der Personen und der Handlungsort doch stark begrenzt. Der Einfachheit halber habe ich es dennoch bei der groben Einordnung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch zwischenzeitlich mit kleineren Längen versehen. Dabei lässt sich das Buch, das aus Miez Marples personaler Erzählperspektive erzählt wird, gut als Standalone lesen, wenn auch die Lektüre der vorherigen Bände insbesondere Miez Marples Beziehung zu einigen anderen Charakteren sicherlich noch vertieft beleuchtet hätte. Etwas schade ist auch, dass der Epilog bereits den nächsten Fall anteasert – ein klarerer Schnitt hätte hier für ein noch runderes Leseerlebnis gesorgt.

Das Setting ist gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen größtenteils in eine luxuriöse Tierpension, in der – unüblich – alle möglichen Tiere zusammenleben. Dabei ist die tierische Welt gespickt mit Anspielungen an die Welt der Menschen – egal ob Sprichwörter, Fernsehprogramme oder Kryptowährungen. Und auch wenn das ganze manchmal sogar etwas zu weit geht, macht das doch einen Großteil des Charmes des Buches aus und sorgt für humorvolle Momente. Hierbei gelingt es Fabian Navarro, in den Krimi durchaus auch kleine, gesellschaftskritische bzw. gesellschaftlich relevante Themen und Aspekte unterzubringen.

Die einzelnen Figuren haben eigene Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, sind teils aber etwas eindimensional gestaltet. Hierbei überzeugen insbesondere noch wichtige Nebencharaktere wie Meredith, Florian und Gina, während Cookie und insbesondere Gabriel eher eindimensional verbleiben und Miez Marple nicht immer nachvollziehbar handelt. Fabian Navarros Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen, toll gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken leider jeweils krass unterbrochen. Generell ist die Farbgebung des Umschlags sehr ansehnlich und das Covermotiv ein Eyecatcher, das Design weicht jedoch von den früheren Bänden der Reihe ab und bricht so etwas den Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Miez Marple und die Tatze der Verdammnis“ ist ein im Wesentlichen gelungener, tierischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem Setting und Wortwitz überzeugt, aber auch kleinere Längen und Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres – und insbesondere für Katzenfreunde – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Tatjana Kruse: „Mumien morden mittwochs nie“

Vor kurzem habe ich auch „Mumien morden mittwochs nie“ von Tatjana Kruse gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label Haymonkrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. veröffentlicht worden und als humoristischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Polly kann es nicht fassen! Der wohl wichtigste Augenblick in ihrer bisherigen Karriere entpuppt sich als absolute Katastrophe. Der Museumsdirektor hat die Ausstellung mit verloren geglaubten Artefakten aus der siebten Dynastie zu einer Entertainmentveranstaltung gemacht. Und zu allem Überfluss muss Polly sich auch noch wahnwitzige Theorien zu einem angeblichen Fluch der Mumie anhören. Als allerdings ein Museumsangestellter nach dem anderen spektakulär zu Tode kommt, muss sich plötzlich auch Polly fragen, ob hier etwas Paranormales im Gange ist …

„Mumien morden mittwochs nie“ ist mein erster Roman der Autorin Tatjana Kruse, die als Markenzeichen Krimis mit Komödien verknüpft. Daher wird das Buch auf dem Cover auch konsequenterweise vom Verlag als Krimödie betitelt, in der Genrezuordnung habe ich es dennoch bei einem humoristischen Kriminalroman belassen, wobei das Buch im besten Stile an Kammerspiele von Agatha Christie erinnert – nur viel schwarzhumoriger. Zugleich bietet der Roman – als Standalone angelegt – viel Potential für Folgebände.

Denn die Handlung kann vor allem dank der abstrusen Szenen glänzen. Auch wenn es anfangs hierbei noch kleinere Längen gibt, entwickelt sich der Roman spätestens in der zweiten Hälfte zum absoluten Pageturner, ist hierbei abwechslungsreich, spannend und kurzweilig. Und auch das Ende vermag zu überraschen – lediglich auf den nachgeschobenen Epilog hätte man meines Erachtens verzichten können. Gleichsam ist die Handlung durchaus schonungslos brutal – auch wenn der Großteil der Gewalt nicht live miterlebt wird.

Auch das Setting kann brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in ein futuristisch-entworfenes Design-Museum, das an das Guggenheim-Museum in Bilbao erinnert – und trotz des kammerspielartigen Settings, bei dem das Gebäude nicht verlassen wird, daher dennoch viele verschiedenen Schauplätze bietet. Dabei gelingt es Tatjana Kruse, nicht nur den Krimi mit archäologischem und geschichtlichem Wissen zu bereichern, sondern am Rande auch Themen wie Stigmatisierung, Beutekunst, Hochstapelei und noch viele weitere in den Roman mit einzubinden.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugt neben Polly vor allem der absolute Leser:innen-Liebling Daphne, von der ich gern weitere Geschichten lesen würde, während Timothee etwas blass und eindimensional verbleibt. Tatjana Kruses Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist humorvoll und wortgewaltig.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist solide und wartet mit interessanten Kapiteleinleitungen auf. Der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird irritierenderweise nur partiell zum Buchrücken hin unterbrochen, ist sonst farblich zwar auffällig, insgesamt aber eher eintönig und kein klassischer Eyecatcher. Allerdings kann die Typografie überzeugen.

Mein Fazit? „Mumien morden mittwochs nie“ ist ein unglaublich abstruser, schwarzhumoriger Kriminalroman, der mit seinem tollen Setting, starken Protagonist:innen und vor allem mit dem genretypischen Humor punkten kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.