[Buchgedanken] Karen M. McManus: „You will be the death of me“

Vor einiger Zeit habe ich „You will be the death of me“ von Karen M. McManus gelesen. Das Buch ist 2021 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde ebenfalls 2021 unter dem Titel „You’ll Be the Death of Me“ bei Delacorte Press, einem Imprint von Random House Children’s Books veröffentlicht. Der Roman ist als Jugendthriller einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Anja Galić verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ivy, Mateo und Cal waren einmal befreundet, jetzt haben sie nichts mehr miteinander gemein. Aber als Cal zu spät zur Schule kommt und dort auf Ivy und Mateo trifft, scheint das die Gelegenheit zu sein, eine alte Tradition wiederaufleben zu lassen: einen Tag blau machen. Bei ihrem spontanen Ausflug in die Stadt sichten sie einen vierten Schüler auf Abwegen und folgen ihm – mitten hinein in einen Tatort. Ivy, Cal und Mateo kennen den Toten, der vor ihnen liegt – und eigentlich sollten sie jetzt die Polizei rufen. Doch sie alle haben eine Verbindung zu dem Toten. Und etwas zu verbergen. War ihr Zufallstreffen wirklich ein Zufall?

„You will be the death of me“ ist mein erstes Buch der weltweit erfolgreichen Jugendthrillerautorin Karen M. McManus, die ich bereits 2019 auf der Frankfurter Buchmesse erleben durfte – und es wird bestimmt nicht mein letztes gewesen sein, da Karen M. McManus mit dem Buch nicht alles, aber doch viel richtig gemacht hat.

Die Story ist – im Wesentlichen – abwechslungsreich und spannend, teils aber auch vorhersehbar und bietet einige Längen. Zwar stellt die Autorin – geschickt – mit jeweils kurzen Einführungskapiteln die Protagonisten am Anfang vor, die im Anschluss beginnende, eigentliche Handlung ist jedoch gerade anfangs zäh und etwas langatmig. Erst in der zweiten Hälfte nimmt das Buch dann wirklich Fahrt auf und gipfelt in einem sehr gelungenen Ende, das auf ganzer Linie überzeugt.

Die einzelnen Protagonisten sind im Großen und Ganzen vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere Mateo brilliert hier, während Ivy zwar ebenfalls im Grundatz überzeugt, aber im unweigerlichen Vergleich zu einer anderen Ivy (Redmond), einer meiner Lieblingsprotagonistinnen aller Zeiten, klar zurückbleibt.

Hingegen brilliert das Setting auf ganzer Linie und entführt den Leser in ein Amerika zwischen Klein- und Großstadt, in ein Setting zwischen Mord und High-School, ein Drama voller Liebe, Geld und Eifersucht und erlaubt es dem Leser so, sich in die Region und Stadt Boston zu träumen. Der Schreibstil von Karen M. McManus lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, die Perspektivwechsel sind nur anfangs ungewöhnlich, später gewöhnt man sich daran.

Die Buchgestaltung ist gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist leicht auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite geprägt und vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Das Covermotiv ist schön und passt sich gut in die Reihe anderer Bücher der Autorin ein und erzeugt ein gutes Gesamtbild.

Mein Fazit? „You will be the death of me“ ist ein Jugendthriller, der vor allem durch seine Spannung und sein brillantes Setting überzeugt, aber auch einige Längen, gerade am Anfang, bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] John Grisham: „Forderung“

In der letzten Zeit habe ich den Justizthriller „Forderung“ von John Grisham gelesen. Das Buch ist in der mir vorliegenden Taschenbuchausgabe 2019 im Wilhelm Heyne Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH, veröffentlicht worden, die deutschsprachige Erstausgabe erschien 2018, ebenfalls bei Heyne, die Originalausgabe 2017 unter dem Titel „The Rooster Bar“ bei Doubleday, New York. Für die Übersetzung zeigen sich Kristiana Dorn-Ruhl, Bea Reiter und Imke Walsh-Araya verantwortlich.

Sie wollten die Welt verändern, als sie ihr Jurastudium aufnahmen. Doch jetzt stehen Zola, Todd und Mark kurz vor dem Examen und müssen sich eingestehen, dass sie einem Betrug aufgesessen sind. Die private Hochschule, an der sie studieren, bietet eine derart mittelmäßige Ausbildung, dass die drei das Examen nicht schaffen werden. Doch ohne Abschluss wird es schwierig sein, einen gut bezahlten Job zu finden. Und ohne Job werden sie die Schulden, die sich für die Zahlung der horrenden Studiengebühren angehäuft haben, nicht begleichen können. Aber vielleicht gibt es einen Ausweg. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, nicht nur dem Schuldenberg zu entkommen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein geniales Katz- und Mausspiel nimmt seinen Lauf.

„Forderung“ ist mein erstes Grisham-Buch nach einigen Jahren Pause – und trägt die Faszination, die ich schon immer mit dem Autor und seinen Geschichten verbunden habe, nur bedingt, ist fast mehr Thriller als Justizthriller und heroisiert und belohnt – ich glaube, das kann man ohne zu spoilern voraussagen – die falschen. Schließlich gibt es in „Forderung“ niemanden, mit dem man als Leser wirklich sympathisieren kann, außer vielleicht Zola, die mehr in die Kriminalität gedrängt wird, dort nie ihren Platz findet.

Todd und Mark hingegen lassen sich nicht nur von hehren Motiven leiten, verbinden Rache und Eigennutz, verlieren jedweden Halt oder moralischen Kompass, was zwar der Spannung keinen Abbruch tut, gleichsam aber dafür sorgt, dass das Ende nicht überzeugt, fast irrelevant wird, fiebert man doch keinem bestimmten Ausgang entgegen. Abgesehen davon ist John Grishams Schreibstil wie immer hochspannend und lässt sich – trotz der juristischen Sachverhalte – schnell und flüssig lesen.

Dabei überzeugt neben der dramatischen Handlung auch das gelungene Setting, die Verstrickung in einen internationalen Finanzskandal vor dem Hintergrund von Scheinfirmen und Verflechtungen – so gelingt es John Grisham auch, gesellschaftlich relevante Themen geschickt in die Handlung einzuflechten – lediglich die Reaktion der Protagonisten darauf vermag nicht zu überzeugen und sollte nicht als Vorbild dienen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auf dem Titel hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Auch das Titelbild passt zur Geschichte, farblich abgestimmte Buchrücken und Coverrückseite runden den tollen Gesamteindruck ab, der lediglich durch die kurze Vorstellung jedes! Grisham-Buches nach der Handlung geschmälert wird – länger als das letzte Kapitel…

Mein Fazit? „Forderung“ von John Grisham ist ein hochspannender und gesellschaftlich relevanter (Justiz-)Thriller, der vor allem durch seine abwechslungsreiche Handlung glänzt, aber auch Identifikationsfiguren und ein passendes Ende vermissen lässt. Für Leser des Genres und Fans des Autors bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kathrin Lange / Susanne Thiele: „Probe 12“

In der letzten Zeit habe ich „Probe 12“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und als Wissenschaftsthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Als die Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg ihren ehemaligen Mentor Anasias in Georgien besucht, gerät sie mitten in einen tödlichen Angriff auf ihn. Zuvor kann er Nina jedoch verraten, dass es ihm gelungen ist, ein Medikament gegen die gefährlichsten multiresistenten Keime der Welt zu finden. Musste er deswegen sterben? Zusammen mit dem Foodhunter Tom Morell, dessen Tochter an einem dieser Keime erkrankt ist, versucht Nina, die Forschungsergebnisse nachzuvollziehen. Aber Nina und Tom sind nicht die Einzigen, die hinter Anasias‘ Forschung her sind, und ihre Gegner schrecken weder vor Entführung und Erpressung noch vor Mord zurück.

„Probe 12“ reiht sich in die durchaus nicht allzukurze Liste an Thrillern ein, die ich in den letzten 1-2 Jahren gelesen habe – obwohl das Genre für mich doch eher unüblich ist. Und – ohne die restliche Rezension im Detail vorweg zu nehmen: egal ob Wissenschafts-, Spionage- oder Politthriller, „Probe 12“ ist der beste seit „Origin“ von Dan Brown.

Dabei haben Susanne Thiele und Kathrin Lange nicht nur den Nerv der Zeit getroffen, vielmehr ist es ihnen gelungen, aktuelle Themen und Fiktion zu einem spannenden, aber denkbaren Gesamtgeschehen zu verknüpfen, das den Leser in seinen Bann zieht, sodass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte.

Der Roman brilliert zum einen durch sein Setting, das den Leser nach Tiflis und Berlin entführt, in hochmoderne Labore und verlassene Gewerbegebiete, zum anderen durch die überraschend gute Lesbarkeit. So ist es den Autorinnen gelungen, trotz des sehr spezifischen Themas und den daher notwendigen, wissenschaftlichen Ausführungen, diese in einem verträglichen Rahmen zu halten, das Buch nicht zu technisch werden zu lassen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und hält auch immer mal wieder unerwartete Wendungen für den Leser bereit, auch wenn einige Dinge natürlich auch vorhersehbar sind. Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt und haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Tina Voss und Sylvie – oder auch der nur am Rande erwähnte Bo, über dessen Leben man unbedingt mehr erfahren möchte.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht hochwertig geprägt, mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist farblich auffällig und nimmt Bezug auf die Geschichte – ein rundum gelungenes Gesamtpaket.

Mein Fazit? „Probe 12“ ist ein überzeugender Wissenschaftsthriller, der vor allem mit seiner Aktualität und einer spannenden Handlung punkten kann – ein potentielles Jahreshighlight. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 16 Jahren.

Hochspannung garantiert | Doppelte Buchpost

In der letzten Zeit erreichten mich wieder einige Bücher, von denen ich Euch heute die ersten beiden auch hier präsentieren möchte. „Wenn deine Hand mich hält“ von Alisha Rai und „Probe 12“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele garantieren als Wissenschaftsthriller und als dramatischer Liebesroman Hochspannung und Herzklopfen – vielen Dank daher an den Lübbe Verlag, Bastei Lübbe AG, für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare über die Bloggerjury einerseits und die vermittelnde Agentur Buchcontact andererseits. Ich hoffe, mir stehen atemberaubenden Lesestunden ins Haus – und berichte Euch natürlich zeitnah davon!

[Buchgedanken] Eric Sander: „Die letzte Wahl“

Pünktlich und aus aktuellem Anlass zur heutigen Bundestagswahl möchte ich Euch „Die letzte Wahl“ von Eric Sander vorstellen, das ich vor kurzem gelesen habe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Politthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Als der Journalist Nicholas Moor mit seiner Tochter in einem abgelegenen Berghotel Urlaub macht, filmt er mit einer Drohne zufällig ein Geheimtreffen der aufstrebenden rechtspopulistischen Volkspartei. Die Aufnahmen sind brisant: Sie zeigen detaillierte Umsturzpläne für die Zeit nach dem erwarteten Wahlsieg. Die Security-Leute der Volkspartei haben die Drohne jedoch bemerkt, und sie sind gewillt über Leichen zu gehen, um zu verhindern, dass Nicholas die Pläne veröffentlicht. Er sieht nur noch einen ungeheuerlichen Ausweg, um den Staatsstreich zu verhindern …

„Die letzte Wahl“ ist – nicht nur aufgrund der heutigen Bundestagswahl – ein hochaktuelles, hochbrisantes Buch; ein Politthriller, der düstere Zukunftsvisionen malt und sich mit dem Phänomen des Rechtsextremismus beschäftigt. Und auch wenn ein dort beschriebenes Szenario hierzulande realistischerweise eher nicht denkbar erscheint, ist das Buch doch Mahnung und Warnung zugleich, sich gegen undemokratische Bestrebungen zur Wehr zu setzen, bevor es zu spät ist.

Die Handlung ist dabei spannend und abwechslungsreich, teils vorhersehbar, teils führt der Autor den Leser mit unerwarteten Wendungen aber immer mal wieder in die Irre. Dabei gibt es kaum Platz für Entschleunigung – selbst die Träume des Protagonisten sind oftmals vom Wahn geprägt, wandeln an der Grenze zwischen düsterer Vorahnung und Verfolgungswahn. Lediglich das Ende lässt einen als Leser leicht frustriert zurück.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. Parteistrukturen und -Veranstaltungen, Verfolgungsjagden und Geheimtreffen an abgelegenen Orten – Eric Sander nimmt den Leser mit auf eine rasante Achterbahnfahrt durch das politische und journalistische Deutschland, die dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Dies wird auch durch den Schreibstil des Autoren unterstützt, der sich flüssig und schnell lesen lässt, nicht zu technisch oder fachsprachlich wird, wenn es um politische Vorgänge geht.

Dabei sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem Hanna, Lucas und Nina als Nebencharaktere, während Nicholas zuweilen etwas blass bleibt und man als Leser den Kontakt etwas verliert – ggf. hätte hier eine Ich-Perspektive oder eine stärkere Beschreibung der Vergangenheit geholfen, sich besser mit ihm identifizieren zu können.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Titel leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist aufällig und farblich toll gestaltet – ein wahrer Eyecatcher.

Mein Fazit: „Die letzte Wahl“ ist ein spannender Politthriller, der vor einem brillanten Setting ein hochaktuelles und wichtiges Thema behandelt – aber leider ein wenig zufriedenstellendes Ende bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 15 Jahren.

[Buchgedanken] Yassin Musharbash: „Russische Botschaften“

In der letzten Zeit habe ich den Roman „Russische Botschaften“ des Investigativjournalisten Yassin Musharbash gelesen. Das Buch ist 2021 bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht worden und als Politthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über eine Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mitten in Berlin-Neukölln stürzt vor den Augen von Investigativjournalistin Merle Schwalb ein Mann von einem Balkon. Wer ist der geheimnisvolle Tote? Ihre Recherchen führen ins Milieu krimineller Clans, zur Polizei und zum Verfassungsschutz. Doch dann erkennt sie: Der Mann war russischer Agent – mit einer gefährlichen Mission. Und die hatte mehr mit ihr und ihrem Job zu tun, als ihr lieb sein kann.

„Russische Botschaften“ ist ein hochinteressantes Buch, eine Mischung aus Politthriller und Spionageroman; eine Ode an den Investigativjournalismus, in der sehr ausgewogen nicht nur die Sonnen- sondern auch die Schattenseiten des Berufes beleuchtet werden.

Dabei ist die Handlung spannend, teils rasant – aber immer gut nachvollziehbar und erklärt. Yassin Musharbash mischt aktuelle Themen und Ereignisse mit Fiktion und erschafft so eine komplexe Geschichte, die den Leser – auch dank des gelungenen Settings – sofort in ihren Bann zieht. Leider ist das Ende jedoch sehr offen gestaltet, sodass für den Leser kein zufriedenstellender Abschluss der Handlung erreicht wird. Passt zum Thema – ist aber frustrierend.

Yassin Musharbashs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Trotz der hochpolitischen Themen verzichtet er nicht auf humorvolle Szenen – und sorgt teils sogar für Situationskomik. Feinfühlig behandelt er auch schwierige Sujets, und wird zu keiner Zeit zu belehrend – insgesamt eine Geschichte, die sich überraschend angenehm und schnell las. Lediglich die Dialoge geschehen teils zu rasant, wird doch in einigen gänzlich auf Ein-/Ausleitungsverben verzichtet – allerdings sehr inkonsequent, ein Muster oder sinnvolles Schema ist hier nicht zu entdecken.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Maja, Josefine, Nick und Mick, während Merle doch etwas im Hintergrund bleibt – trotz gelegentlich eingestreuter, aber nicht wirklich relevanter Einblicke in ihre Vergangenheit, zum Beispiel von einem Antifa-Workshop.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Die simple, aber farblich ansprechende, Covergestaltung zieht sich einheitlich über den kompletten Buchumschlag, der zudem mit Klappen versehen ist. Bei einer so hochwertigen Produktion hätte ich jedoch auch farbige Coverinnenseiten erwartet, die das schöne Gesamtbild abgerundet hätten.

Mein Fazit? „Russische Botschaften“ ist ein interessanter Politthriller, der durch eine spannende Handlung und ein tolles Setting punktet, aber leider ein unbefriedigendes Ende bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Hochspannung in allen Zeiten | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich erneut einige wundervolle Bücher, von denen ich Euch heute die ersten beiden zeigen möchte. „Des Kummers Nacht“ von Ralph Knobelsdorf ist ein historischer Kriminalroman, der im Preußen des 19. Jahrhunderts spielt und mich als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury erreichte. „Russische Botschaften“ von Yassin Musharbash ist hingegen ein hochaktueller Politthriller im Spannungsfeld zwischen Politik, Spionage und Investigativjournalismus – und erreichte mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Vielen Dank an die Verlage Bastei Lübbe und Kiepenheuer & Witsch. Da stehen mir einige, spannende Lesestunden ins Haus!

[Buchgedanken] Mel Wallis de Vries: „Himmel oder Hölle?“

Vor kurzem habe ich „Himmel oder Hölle?“ von Mel Wallis de Vries gelesen. Das Buch ist 2021 im ONE Verlag in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2013 unter dem TItel „Wreed“ bei Uitgeverij de Fontein. Der Roman ist als Jugendhriller einzuordnen – vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares über die Bloggerjury.

Danielle lernt im Skiurlaub mit ihren Freundinnen den gut aussehenden Dante kennen. Der Student spielt ihrer Meinung nach in einer ganz anderen Liga, und dennoch scheint er sich für sie zu interessieren. Zurück in Amsterdam kann Danielle ihr Glück kaum fassen, als ihr Dante zufällig wieder über den Weg läuft. Doch gerade als die beiden sich näherkommen, entdeckt sie Dantes dunkles Geheimnis: Seine letzte Freundin Florine wurde ermordet, und ausgerechnet Dante war der Hauptverdächtige. Kann Danielle ihm wirklich vertrauen?

„Himmel oder Hölle?“ ist ein Jugendthriller ab 14, der unter anderem die Themen Stalking und toxische Beziehungen in den Mittelpunkt rückt – um (spoilerfrei) nur einige der Problemkreise zu nennen, auf die das Buch auch mit einer Triggerwarnung reagiert, die sich allerdings – ebenfalls spoilerfrei – erst am Buchende befindet und auf die anfangs nur hingewiesen wird. Gewünscht hätte ich mir in dem Zusammenhang jedoch, dass dann im Rahmen der Triggerwarnung auch Hilfsangebote, Kontaktadressen für Betroffene verlinkt bzw. benannt werden.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und abwechslungsreich, dabei teils vorhersehbar, teils aber auch mit unerwarteten Wendungen versehen. Insgesamt bleibt sie jedoch etwas an der Oberfläche, durch das insgesamt sehr kurze Buch und die Zweiteilung in das aktuelle und vergangene Geschehen bleibt kaum Zeit und Platz, um den Leser intensiv mit den Figuren vertraut zu machen. So hätte ich mir viel mehr von Madelief – der absoluten Sympathieträgerin – oder auch von Robin gewünscht.

Durch die Fokussierung auf die – wie auch immer geartete – Beziehung zwischen Danielle und Dante werden die Charaktere darüber hinaus auch nur oberflächlich entwickelt, die Probleme zwischen Dany und ihren Eltern hätten zum Beispiel noch präsenter eingebaut werden können, um gerade auch ihre Entwicklung für den Leser nachvollziehbarer zu gestalten. Dennoch gelingt es Mel Wallis de Vries, durch die Wahl der Erzählperspektiven – zwei Ich-Perspektiven – den Leser nah an die handelnden Figuren zu bringen, ihre Stimmung aufzufangen, sodass man trotzdem das Buch nicht aus der Hand legen möchte.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, ist relativ einfach und wird von kurzen Sätzen dominiert – voller Tempo aber mit wenig Abwechslung. Die Dialoge sind altersgerecht und authentisch, sodass das Kopfkino gut anspringt, insbesondere am Beginn des Buches während des Skiurlaubes von Danielle und ihren Freundinnen.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen gut gearbeitet, wenn auch Kleinigkeiten, insbesondere im Satz, durchgerutscht sind – oder ich verstehe die Mittel einfach nicht. Das Cover ist gelungen, vermittelt gut die Grundstimmung und zieht sich farblich über den gesamten, sehr ansehnlichen Buchumschlag.

Mein Fazit? „Himmel oder Hölle?“ ist ein gelungener Jugendthriller mit spannender Handlung, den man kaum aus der Hand legen kann, der aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 14.

Neuzugänge voller Spannung | Doppelte Buchpost

Vor meinem Urlaub erreichten mich noch diese beiden, tollen Neuzugänge, die Spannung und aufregende Lesestunden versprechen. Der Politthriller „Die letzte Wahl“ von Eric Sander fand als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury zu mir, Emma Stonex‘ „Die Leuchtturmwärter“ im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de. Vielen Dank an Bastei Lübbe und die S. Fischer Verlage für die Bereistellung der Rezensionsexemplare. Ich bin schon ganz auf die Ausflüge nach Cornwall und in die menschlichen Abgründe gespannt.

Doppelte Buchpost in Schwarz-Weiß und Bunt

Während heute die – abgespeckte – Leipziger Buchmesse begann (zu der ich in den nächsten Tagen einige Beiträge poste), möchte ich Euch erst einmal noch zwei Rezensionsexemplare zeigen, die mich in den letzten Tagen erreichten: „Whalea“ von Laura Ventur und „Himmel oder Hölle?“ von Mel Wallis de Vries. Ersteres fand über die Agentur Literaturtest zu mir, letzteres über die Bloggerjury – vielen Dank allen Beteiligten. Und auch wenn sie von der Zielgruppe her alterstechnisch ähnlich sein sollten, vermitteln sie doch jeweils eine ganz andere Grundstimmung. Was mögt Ihr mehr? Seid Ihr #TeamBunt oder #TeamSchwarzWeiß? Thriller oder Fantasy? =)