Neuheiten im Doppelpack

Bevor ich diese Woche noch zwei weitere Rezensionen hochlade, möchte ich Euch heute zwei Bücher zeigen, die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Vielen Dank an den Lyx Verlag und den Ullstein Verlag für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare über die Bloggerjury respektive die vermittelnde Agentur Literaturtest. Sehen „Making Faces“ und „Trümmermädchen – Annas Traum vom Glück“ nicht toll aus? =)

[Buchgedanken] Emily Bold: „Klang der Gezeiten“

Schon vor einiger Zeit habe ich Emily Bolds „Klang der Gezeiten“ gelesen, komme aber erst jetzt dazu, die Rezension zu verfassen. Das Buch ist – in der lizensierten Auflage – 2017 als Ullstein Taschenbuch erschienen, die Originalveröffentlichung erfolgte 2014. Es ist am ehesten dem Genre Contemporary Romance zuzuordnen.

Wenn das Glück nur Augenblicke währt…51tgjzj16ml-_sx319_bo1204203200_
Bei Arbeiten an ihrem Haus am Strand stirbt Daniel, Pipers Traummann und Vater ihres ungeborenen Kindes. Um die Leere zu verarbeiten und dem Verstorbenen nah zu sein, zieht Piper, gegen den Rat ihrer Freunde, in das unvollendete Haus am Meer.  Doch der Verlust, der attraktive Nachbar Ewan und Kevin, ihr Freund aus der Jugendzeit, stürzen Piper in ein immer stärkeres Gefühlschaos. Untermalt vom Klang der Gezeiten versucht sie, einen Weg zurück in ihr Leben zu finden. Doch darf sie überhaupt neue Gefühle zulassen?

„Klang der Gezeiten“ ist (wie auch bereits „Lichtblaue Sommernächte“ [zur Rezension]) eine Mischung aus Liebesroman und Schicksalsroman. Erneut gelingt es der Autorin gut, die Balance zwischen den verschiedenen Genres zu wahren, sodass der Roman nicht abgleitet. Im Gegensatz zu „Lichtblaue Sommernächte“ wird das Buch jedoch stringenter erzählt, mit gelegentlichen Rückblenden.

Emily Bold überzeugt mit einer gefühlvollen, eindringlichen Sprache, die es dem Leser erlaubt, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Dieser Effekt wird noch dadurch verstärkt, dass die Geschichte aus der Ich-Perspektive erzählt wird, die den Leser tief in Pipers Gedanken und Gefühle abtauchen lässt.

Auch wenn die Handlung einige unerwartete Wendungen aufweist, ist sie doch – für den objektiven Betrachter – durchaus vorhersehbar. Dies ist jedoch nicht tragisch, da man als Leser mit Piper trauert, lacht und verzweifelt und den Weg zum genretypischen Happy End mit ihr, und den ihr innewohnenden Ängsten, miterlebt. Solang Piper nicht an das Glück glaubt, solang gelingt es auch der Autorin, den angelegten Pfad dorthin für den Leser zweifelhaft erscheinen zu lassen.

Die Protagonisten des Romans sind – wie auch die Nebenfiguren – vielschichtig angelegt und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass der perfekt aussehende Nachbar nicht den klischee- und genretypischen Beruf des Arztes ausübt, kann dies in diesem Fall aber nachvollziehen, da es aufgrund der Arbeit von Piper und Jenna und den damit verbundenen Storylines ausnahmsweise mal wirklich zur Handlung passt.

Eine Chance hat das Buch allerdings etwas verpasst. Neben Polizisten und Krankenschwestern, neben Altenpflegern und Erziehern, gehören Feuerwehrmänner (der Einfachheit halber werden hier nicht-gegenderte Berufsbezeichnungen verwendet), zu den Berufen, die chronisch unterbezahlt sind im Vergleich zu ihrer Opferbereitschaft und den großen Leistungen, die sie für die Gesellschaft erbringen. Zwar wird im Buch ein heldenhafter Einsatz von Daniel angesprochen, das Thema hätte aber noch stärker eingeflochten werden können.

Ein Lob möchte ich an dieser Stelle noch an das Lektorat und Korrektorat aussprechen, die eine wirklich runde und fehlerfreie Geschichte abgeliefert haben. Der Buchsatz ist ebenfalls gelungen, das Cover wunderschön und sowohl auf der Vorderseite, als auch auf der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt.

Mein Fazit? „Klang der Gezeiten“ ist eine wundervolle Mischung aus Liebes- und Schicksalsroman. Das Buch punktet mit gut ausgearbeiteten Charakteren, mit denen man sich sofort identifizieren kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[LBM2017] Tag 2 – die Ruhe vor dem Sturm

Wie bereits angekündigt ließ ich es heute etwas ruhiger angehen, um etwas Kraft für den morgigen Tag zu sparen, der mir nicht nur viele Treffen mit Kollegen, sondern auch tolle Veranstaltungen mit Valentina Fast und Ava Reed bringen soll. Daher heute für Euch nur das Bild einer Lesung und einige erste Messeimpressionen :).20170324_105023

Zu Beginn des Tages besuchte ich direkt eine Lesung von Anne Freytag, die aus ihrem neuen Buch „Den Mund voll ungesagter Dinge“ las. Anne Freytag, gerade für ihr Vorgängerwerk „Mein bester letzter Sommer“ mit einer Nominierung für den Deutschen Jugendliteraturpreis bedacht, fesselte mit ihrer Lesung das gesamte Publikum und ließ uns an dem Leben der 17-jährigen Sophie teilhaben.

20170324_123625Im Anschluss stöberte ich ein bisschen durch die Hallen, hörte mir einen Teil der Lesung von Liane Mars an und bewunderte den Stand von Iny Lorentz, die sich in diesem Jahr einen eigenen Messestand voller historischer Romane gegönnt haben. Sie verwalten ihn selbst und stehen dort beide bereit, um mit Fans zu reden, Autogrammwünschen nachzukommen und Fotos zu machen. Trotz Millionen-Auflagen komplett auf dem Boden geblieben – ein Vorbild für jeden Autoren.

Zur Mittagszeit ging es zum großen NaNoWriYeah-Treffen. Dort haben sich alle teilnehmenden Verlagsimprints (be beyond [Bastei Lübbe], Dark Diamonds & Impress [Carlsen], Forever & Midnight [Ullstein], Feelings & Topkrimi [Droemer Knaur]), sowie die Initiatoren und Moderatoren der Gruppe (Nina MacKay, Isabell Schmitt-Egner, Nicole Gozdek und Andi Dutter) vorgestellt. Es war toll, auch mal in echt die Menschen kennenzulernen, die hinter dem Mammutprojekt stehen.

Am Nachmittag schlenderte ich zum ersten Mal gemütlich durch die Halle der Manga Comic Convention. Tolle Cosplays, interessante Stände und Verlosungen luden mich direkt ein, dort zu bleiben – ich hätte Stunden dort verbringen und ganz, ganz viel Geld ausgeben können^^. Immerhin ist ein neuer Funko bei mir eingezogen: Luke Skywalker als X-Wing-Flieger. Sicherlich werde ich mit etwas Muße am Sonntag nochmal über die Con laufen, mir vielleicht auch den ein oder anderen Zeichner ansehen und noch einige Kleinigkeiten kaufen.

Zum Abschluss des Tages ließ ich mir dann noch schnell beim Drachenmond-Verlag Bücher von Alexander Kopainski, Andi Dutter und Julia Adrian signieren. Die Verlagsbücher sind alle so schön – eigentlich hätte jedes einen Platz in meinem Regal verdient. Auch hier nochmal ein großes Lob an Astrid, die Designer Alex, Marie und Rica, sowie die vielen tollen Autoren (Julia! Dein Buch macht mich fertig!). Im Anschluss an die Signierstunde traf ich mich noch mit einigen netten Kollegen und ließ den Messetag bei Keks und Kuchen gemütlich ausklingen.

[Buchgedanken] Emily Bold: „Ein Kuss in den Highlands“

In den letzten Tage bin ich endlich dazu gekommen, „Ein Kuss in den Highlands“ von Emily Bold zu lesen. Es war das erste Buch, das von ihr auf meinem SuB gelandet war – in der Zwischenzeit habe ich aber immerhin „Lichtblaue Sommernächte“ bereits verschlungen. Der Romance-Roman ist 2014 als Taschenbuch bei BoD veröffentlicht worden, die e-Book-Version erschien beim Ullstein-Imprint „Forever“.

Charlotte hat alles, was man sich wünschen kann. Einen tollen Job in einer Kunstgalerie 51ysuasv45l-_sx314_bo1204203200_und einen Freund, der sich seit dem Tod ihrer Eltern liebevoll um sie kümmert. Als er ihr dann noch spontan einen Antrag macht, und die Hochzeit in der bestmöglichen Location gebucht wird, scheint alles perfekt. Bis zu dem Moment, als Charlottes Tante Helen unerwartet stirbt und ihr ein großes Anwesen in den schottischen Highlands vermacht. Dort angekommen, merkt Charlotte, wie sehr sie sich Schottland und ihrer Tante verbunden fühlt. Kann sie wirklich in ihr altes Leben nach London zurückkehren? Und dann wäre da auch noch Matt, der junge Gutsverwalter, der keine Gelegenheit auslässt, sie zu provozieren …

„Ein Kuss in den Highlands“ ist ein klassischer, zeitgenössischer Liebesroman. Das Ausbrechen aus Konventionen aber auch das Klammern an Altbewährtem; der Reiz von etwas Neuem, aber auch die Erinnerung an frühere Erlebnisse; Schicksalsschläge und schicksalshafte Begegnungen: der Autorin gelingt es, aus all diesen Themen einen gefühlsbetonten und spannenden Feel-Good-Roman zu schreiben.

Der Roman besticht vor allem durch seine Charaktere. Matt und Charlotte sind vielschichtig, entwickeln sich über die Handlung weiter und man lernt immer neue Facetten an ihnen kennen. Die kleinen Nebenrollen sind sehr klischeehaft gehalten, dienen aber auch nur dazu, die Handlung voranzutreiben (der laute, selbstverliebte Fußballstar; der reiche Anwalt, der sich als Kunstkenner aufspielt; der homosexuelle Galeriebesitzer; die oberflächlichen Modelfreundinnen etc.).

Neben den Hauptcharakteren hat mich an dem Buch am meisten begeistert, wie gekonnt hier das Thema Kunst, bzw. Malerei mit eingeflochten worden ist. Untrennbar mit Charlotte und der Liebesgeschichte verbunden, zieht sich das wie ein roter Faden durch den Roman. Man konnte als Leser förmlich spüren, wie Charlotte die Bilder fühlt, wie ihre Finger die Pinselstriche unbekannter Künstler nachfahren. Als absoluter Kunstliebhaber hätte ich mir gewünscht, dass noch etwas tiefer ins Detail gegangen worden wäre, aber das hätte für die breite Masse dann vielleicht zu sehr nach Kunstlehrbuch gewirkt :).

Das Cover des Buches ist gelungen, Buchsatz, Korrektorat und Lektorat haben ordentlich gearbeitet. Alles in allem bleibe ich also von Emilys Büchern begeistert – und als nächstes wird (voraussichtlich) „Klang der Gezeiten“ oder „Wenn Liebe nach Pralinen schmeckt“ auf meinen SuB wandern :).

Mein Fazit: „Ein Kuss in den Highlands“ ist ein überzeugender, zeitgenössischer Liebesroman, der vor allem durch seine Protagonisten und die Verknüpfung mit dem Thema „Malerei“ besticht, auch wenn er nicht ganz an die Brillianz von „Lichtblaue Sommernächte“ heranreicht (für mich ja eines der Highlights 2016). Für Genreliebhaber – oder auch als Urlaubslektüre – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Emily Bold: „Lichtblaue Sommernächte“

Bereits in der letzten Woche habe ich die Lektüre von „Lichtblaue Sommernächte“, einem Roman von Emily Bold beendet, und bin immer noch zutiefst beeindruckt. Das Buch der bekannten Hybridautorin erschien 2015 bei Ullstein Taschenbuch und ist wohl am ehesten noch als romantischer Schicksalsroman einzuordnen. Nachdem ich mir das Buch zur FBM 2015 gekauft hatte, lag es viel zu lang auf meinem SuB. Um eines vorwegzunehmen: Es wird nicht mein letzter Roman von Emily Bold bleiben (auf meinem SuB liegt auch schon seit längerem „Ein Kuss in den Highlands“, nach „Lichtblaue Sommernächte“ werden nun aber viele weitere folgen).

Als die Kunststudentin Lauren zum ersten Mal in einem Diner auf Tim Parker trifft, fühlt51sxljnkcml-_sx319_bo1204203200_ sie sich sogleich zu ihm hingezogen. Nachdem sie Tim bereits kurze Zeit später in der Kanzlei ihres Vaters wiedersieht, beginnen die beiden, eine Beziehung zueinander aufzubauen, die ein abruptes Ende findet, als Lauren zurück zum Studium nach Maine geht, und Tim nach New York versetzt wird. Als Lauren feststellt, dass sie von Tim schwanger ist, bricht für sie eine Welt zusammen. Wird sie es schaffen, das Kind allein zu erziehen, oder gibt es vielleicht doch eine gemeinsame Zukunft mit Tim?

Mit „Lichtblaue Sommernächte“ hat die Autorin einen Roman geschaffen, der zu Tränen rührt. Einzelne Szenen waren so mit Gefühlen überflutet, dass ich die Lektüre im Zug unterbrechen musste, um mich zu sammeln (man denke nur an Alyssa und den Hamsterhimmel oder an die rebellische Mia, die zuletzt doch ihren Gefühlen freien Lauf lässt). Das Buch ist einfühlsam geschrieben. Die Gefühle werden durch den gekonnten Aufbau des Buches mit der Rahmenhandlung und der „lichtblauen Sommernacht“, in der die gesamte Geschichte erzählt wird, noch verstärkt.

Auch wenn der Aufbau der Geschichte bereits Teile der Handlung vorwegnimmt oder bereits stark darauf anspielt, hätte ich mir doch gewünscht, den Klappentext etwas offener zu halten. Die kurze Zusammenfassung auf dem Buchrücken spoilert nahezu die komplette Handlung und das Ende – was die Qualität des Buches in keinster Weise mindert, zusammen mit dem Aufbau jedoch jegliche alternativen Enden wegfallen lässt.

Das war aber bereits der einzige Kritikpunkt, den ich anbringen kann. „Lichtblaue Sommernächte“ überzeugt auf der ganzen Linie. Der flüssige Schreibstil und die tolle Handlung ziehen den Leser sofort in das Geschehen. Die einzelnen Charaktere sind – mit all ihren Stärken und Schwächen – detailreich dargestellt und entwickeln sich im Laufe des Buches weiter. Vor allem Tim und Mia machen hier enorme Entwicklungen durch. Der Leser kann mit allen Protagonisten mitfiebern, mitleiden und mitfühlen. Der Autorin gelingt zudem der Spagat zwischen den ernsten Themen und der zugrundeliegenden Liebegeschichte sehr gut.

Mit der episodenhaften Darstellung von Laurens Leben erschafft die Autorin den Eindruck, man würde durch ein Fotoalbum aller wichtiger Situationen im Leben der Protagonisten blättern. Dabei gelingt es ihr, den einzelnen Szenen so viel Kraft, Authentizität und Leben einzuhauchen, dass man sich wünscht, noch tiefer in Laurens Leben eintauchen zu können, um jedes Detail mitzuerleben. Trotz der Zeitsprünge bleibt man dabei immer dicht am Geschehen und verliert nie den Kontakt zur Handlung.

Ein besonderes Augenmerk möchte ich auch noch auf das Cover legen, das nicht nur toll gestaltet, sondern auch hochwertig geprägt ist und mit teils farbigen Coverinnenseiten noch ein besonderes Extra bereit hält. Die Prägung setzt sich auch auf dem Buchrücken und der Coverrückseite fort und sorgt, zusammen mit dem exzellenten Buchsatz, für ein wunderschön anzusehendes Gesamtpaket. Bei solchen Werken bin ich immer wieder froh darüber, dass es noch Printbücher gibt. Auch wenn es bei einem Publikumsverlag eigentlich selbstverständlich sein sollte, möchte ich dennoch kurz erwähnen, dass auch Lektorat und Korrektorat auf ganzer Linie sauber gearbeitet haben.

Mein Fazit? „Lichtblaue Sommernächte“ ist ein gefühlsstarker, mitreißender Roman, der mit tollen Charakteren und einer atmosphärischen Handlung punktet. Ich kann dieses Buch bedenkenlos allen, nicht nur Liebhabern von Liebesromanen, ans Herz legen. Es lohnt sich.

[Buchgedanken] Mikaela Sandberg: „Schweig still“

In den letzten Tagen habe ich mich erneut mal wieder einem Genre gewidmet, das ich nur selten lese, und den Schweden-Krimi „Schweig still“ von Mikaela Sandberg verschlungen. Der Roman ist das Krimidebüt der Autorin, das diese unter Pseudonym 2016 beim digitalen Imprint „Midnight by Ullstein“ veröffentlicht hat. Das e-Book wurde mir als Rezensionsexemplar von der Autorin zur Verfügung gestellt.510jhf360bl

Der Roman beschreibt die Geschichte der 14-jährigen Nelli Larsson, die eines Tages verwirrt, angetrunken und völlig aufgelöst auf der Ystader Polizeiwache erscheint und ihre Mutter, eine bekannte Ballettlehrerin, als vermisst meldet. Bei der Durchsuchung des Hauses findet die Polizei nicht nur eine riesige Blutlache, sondern auch Spuren, die den Fall mit früheren Vorkommnissen in Malmö verknüpfen. Als die mit der Sache beauftragte Kommissarin Hannah Lundqvist dann am Tatort auch noch das Handy ihres Partners Gunnar Nyberg findet und Nelli ebenfalls von der Bildfläche verschwindet, gerät der Fall immer mehr aus den Fugen.

„Schweig still“ hat alles, was ein guter Krimi braucht. Die Handlung ist spannend, dynamisch und zieht immer weitere, eskalierende Kreise. Das Ermittlerduo Hannah Lundqvist und Gunnar Nyberg ist sympathisch, doch es fliegen ab un an auch die Fetzen zwischen den Beiden. Und zu guter Letzt ist auch Nelli, als Mittelpunkt der Geschichte glaubhaft und überzeugend dargestellt. Auch das Setting innerhalb einer schwedischen Kleinstadt und die verschiedenen gesellschaftlichen Elemente sind gut ausgeführt worden. Über die Rahmenhandlung der Ballettkarriere von Stine Larsson, sowie über Neid, Missgunst und schwierige Eltern-Kind-Beziehungen im Ballett-Gewerbe braucht man nichts zu sagen – hier spielt die Autorin vollends ihre Stärken aus, hat sie doch unter einem anderen Pseudonym bereits mehrere erfolgreiche Ballettromanreihen veröffentlicht.

Die Erzählung wechselt kapitelweise von der Ich-Perspektive aus der Sicht Nellis hin zu personalen Erzählperspektiven aus der Sicht jeweils anderer Personen. So bekommt man nicht nur einen tieferen und konsequenten Einblick in die Motive und Handlungen von Nelli, sondern kann sich auch  mit den anderen Protagonisten identizifieren. Worauf ich in diesem Zusammenhang jedoch hätte verzichten können, ist die (allerdings nur selten eingestreute) zweite Ich-Perspektive von Stine Larsson, Nellis Mutter.

Das Cover ist gut gelungen – mir fehlt jedoch leicht der Bezug zur Geschichte. Das Lektorat hat ebenfalls gut gearbeitet, dem Korrektorat sind (allerdings nur sehr wenige) kleine Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht stören.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich flüssig lesen, gerade die Passagen aus Nellis Sicht sind sehr authentisch und erfrischend, da die Autorin die Sprache der 14-jährigen nicht glattbügelt. Zudem merkt man dem Buch eine grundsolide Recherche an, was heutzutage leider nicht immer selbstverständlich ist. Die Länge des Romans ist angenehm, die Handlung dadurch kurzweilig und abwechslungsreich. Der Autorin gelingt es auch, durch gut eingesetzte Plottwists die Handlung nicht zu vorhersehbar werden zu lassen und die Leser immer wieder aufs Neue zu überraschen.

Mein Fazit? „Schweig still“ ist ein grundsolider Schweden-Krimi, der vor allem mit Authentizität und tollen Charakteren punktet. Mit dem Ermittlerduo Lundqvist/Nyberg hat die Autorin den Grundstein gelegt für viele weitere, spannende Fälle der Ystader Polizei. Für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen.