[Buchgedanken] Jana Paradigi: „Kitty Carter – Dämonenkuss“ (Kitty Carter 1)

Vor kurzem habe ich „Kitty Carter – Dämonenkuss“ von Jana Paradigi gelesen. Das Buch ist 2022 im Novel Arc Verlag erschienen und als historische Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Literaturtest.

England 1862, das Jahr der Weltausstellung in London. Die 49-jährige Kitty Carter hat in ihrem Leben auf Liebe und Familie verzichtet, um als Frau einem Beruf nachgehen zu können. Sie arbeitet als unscheinbare Bürokraft bei der City of London Police. Ihr Talent für treffgenaue Vorahnungen ist das Einzige, was ihr den öden Alltag versüßt – bis sie das erste Mal stirbt und überraschend von Gott persönlich einen Auftrag erhält. Durch die Chance auf ein zweites Leben beginnt Kitty nachzuholen, was sie im ersten Anlauf verpasst hat. Ihre neu gewonnene Abenteuerlust und ungeahnte Begierden lenken sie bald von der eigentlichen Aufgabe ab: der Jagd nach einem mörderischen Dämon. Während Kitty der immer länger werdenden Spur aus Leichen folgt, geraten die Grundfesten ihres Seins weiter ins Schwanken und sie muss sich fragen: Wie göttlich ist ihre Mission wirklich?

„Kitty Carter – Dämonenkuss“ wird als bunter Genremix beschrieben, als Mischung aus Urban Fantasy und einem viktorianischen Krimi für Fans von Sherlock Holmes, als magisches Steampunk-Abenteuer. Ich sehe hier jedoch weder Steampunk noch einen wirklichen Krimi, sondern vielmehr klassische historische (Urban-) Fantasy, die jetzt wenig mit Sherlock Holmes zu tun hat, aber nichtsdestotrotz trotzdem unterhaltsam ist.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, teils aber auch etwas zähflüssig. Dabei hätte ich mir gewünscht, dass vor Beginn des paranormalen Teils Kittys Karriere bei der Polizei noch etwas stärker beleuchtet worden wäre, denn die Prämisse einer älteren, hellsichtigen und alleinstehenden Frau in der historischen Polizei ist doch sehr ungewöhnlich und interessant, während die Szenen im Jenseits hingegen etwas verwirrend sind, der Weltenbau bzw. das Magiekonzept / der spirituelle Oberbau hier noch weiter erklärungsbedürtig ist – was ggf. ja in möglichen Folgebänden erledigt werden könnte.

Das Setting – im Diesseits – überzeugt im Wesentlichen – wie könnte das viktorianische England auch nicht? Jana Paradigi entführt den Leser ins London des Jahres 1862, in die High Society zwischen Séancen, Kaffeehäusern und der Weltausstellung, die die Stadt zum Pulsieren brachte. Dabei betrachtet man die Welt durch die Augen der 49-jährigen Protagonistin, eine immer noch ungewohnte Perspektive für die viktorianische Zeit.

Kitty Carter kann dabei als Charakter durchaus glänzen. Sie ist im Tod reflektiert, zurückgesandt durchaus untypisch impulsiv, dafür aber auch selbstbestimmt und frei – sehr erfrischend. DIe anderen Personen sind hingegen eher eindimensional angelegt, am ehesten können hier noch Rose und Tessi überzeugen, während Eliza und Ruff, aber insbesondere auch Amari, eher blass verbleiben.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus kleinere Sachen durchgerutscht, die den Lesefluss allerdings nicht wesentlich hemmen, der Buchsatz ist sehr schön und verdient sich allein schon dafür ein Extralob, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen. Das Covermotiv ist wunderschön anzusehen und zieht sich über den kompletten Buchumschlag, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht – lediglich der Bezug zur Handlung könnte noch ausgeprägter sein.

Mein Fazit? „Kitty Carter – Dämonenkuss“ ist ein gelungener Auftakt in eine potentielle Buchreihe, der vor allem durch sein Setting und einige ungewohnte Entscheidungen brilliert, aber auch einige Längen hat und, gerade im Paranormalen, noch Erklärungsbedarf besitzt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – bereits ab einem Lesealter von 16 Jahren – und nicht wie vom Verlag empfohlen erst ab 18.

[Buchgedanken] Michael Bremmer / Veronika Grüning: „Gangs of Katzenstadt“

Vor kurzem habe ich „Gangs of Katzenstadt“ von Michael Bremmer und Veronika Grüning gelesen. Das Buch ist 2022 in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG erschienen und als phantastischer Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eine von den Menschen verlassene Stadt, eine leere Fabrik und immer wieder die Straße … In Katzenstadt ereignen sich seltsame Dinge. Zunächst ist es nur ein Gerücht, das Kreise zieht: Katzen sollen verschwunden sein. Dann wird der von allen geliebte Kater Matula verschleppt. Als auch noch Bandini und ihre Gang von einem Glatzkopf und seinen Kampfhunden aus der alten Fabrik vertrieben werden, wachsen Angst und Unruhe. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Jahre zurückliegenden Mord am alten Katzenfutterfabrikanten und den jüngsten Ereignissen? Oder folgt alles einem dunklen Plan?

„Gangs of Katzenstadt“ ist ein sehr innovatives Buch, bei dem bereits die Genrezuordnung schwer fällt. So hat der Roman durchaus Thriller-Elemente, während er ganz klar auch der Urban-Fantasy zugeordnet werden kann. Gleichsam sind auch Anklänge an Fabeln / Tierromane zu finden – eine kunterbunte Mischung, die das Autorenduo da fabriziert hat, dessen Schreibstil man dabei die verschiedenen Autoren nicht anmerkt, liest sich das Buch doch wie aus einem Guss.

Die Handlung ist dabei abwechslungsreich und kurzweilig, wenn auch teils vorhersehbar und bisweilen mit kleineren Logiklücken versehen. Dabei werden durchaus auch menschlich relevante Themen wie Gentrifizierung auf die Katzen heruntergebrochen und so geschickt im Roman verpackt. Aufgrund der Vielzahl an Katzen (mehr als 30) kommt man anfangs jedoch etwas schwer in die Handlung, auch die sehr kurzen und jeweils mit Fettschrift begonnenen Leseabschnitte stören hierbei etwas den Lesefluss, obwohl man sich irgendwann etwas daran gewöhnt, bzw. die Fettschrift einfach überliest.

Das Setting ist gelungen, die Autoren entführen den Leser nach Katzenstadt, in eine größtenteils von Menschen verlassene Ortschaft. Dabei wird es dem Leser durch Illustrationen und einen in die Handlung eingefügten Stadtplan erleichtert, sich selbst ein Bild zu machen und das Kopfkino noch besser anlaufen zu lassen. Insbesondere die Katzen werden durch die der Handlung nachgestellten kurzen Steckbriefe und Illustrationen bildhaft dargestellt.

Die einzelnen Charaktere werden aufgrund der schieren Masse an Protagonisten für ein so kurzes Buch teils nur skizzenhaft angelegt, da sie nur in einzelnen Szenen prominent auftauchen. Inge, die für den Humor im Buch sorgt, und Tiga überzeugen jedoch auf ganzer Linie, während auch Spike und Bonnie für Lichtblicke sorgen.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz überzeugt mich – wie oben dargestellt – nicht, wartet dafür aber mit wundervollen Illustrationen auf. Das Cover ist, wie auch Buchrücken und Coverrückseite, relativ schlicht und unauffällig.

Mein Fazit? „Gangs of Katzenstadt“ Ist ein kurzweiliges Buch mit spannendem Setting, aber auch kleineren Schwächen in Handlung und Lesbarkeit. Für Leser des Genres und Katzenliebhaber im speziellen dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Kim Rabe: „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ (Berlin Monster 1)

In der letzten Zeit habe ich „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe gelesen, den ersten Teil der „Monster von Berlin“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Urban Fantasy zu klassifizieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Privatdetektivin Lucy hat sich auf übernatürliche Fälle spezialisiert. Und von denen gibt es so einige in Berlin, wo es von übersinnlichen Phänomenen nur so wimmelt. Denn vor dreißig Jahren ließ die Strahlung einer Bombe den Aberglauben der Menschen lebendig werden. Heute brüten Dschinns in Kreuzberger Shisha-Cafés, Feen tanzen in Friedrichshainer Clubs, und Hipster-Kobolde sind die Herren der Kneipen von Neukölln. Während Lucy eine Fee aufspüren soll, erschüttert eine Mordserie die Stadt. Hat ihr Verschwinden etwas damit zu tun? Immer tiefer taucht Lucy in den Fall ein, und bald schwebt nicht nur sie in Gefahr, sondern auch jene, die ihr am nächsten stehen …

„Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist Urban Fantasy, die – endlich mal – in Deutschland spielt. Kim Rabe zeigt, dass sich auch Berlin nicht vor deutlich populäreren Orten wie London, amerikanischen Städten oder Prag verstecken muss. So begeistert das Setting auf ganzer Linie, die Autorin entführt den Leser an atmosphärische Orte wie das Berghain, kleine Eckkneipen, Dönerbuden und Lost Places, nimmt ihn mit in den Kiez der Protagonisten, lässt ihn ein spezielles Lebensgefühl erleben, den Mikrokosmos eines Berliner Bezirks.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, wartet immer mal wieder mit überraschenden Wendungen und humorvollen Szenen auf. Leider bleibt der Weltenbau – bzw., da es in der realen Welt spielt, das Magiekonzept / die Einführung des Übernatürlichen – noch etwas auf der Strecke, dies kann jedoch in den Folgebänden noch ausgebaut werden. Auch wird – zumindest zum Teil – das Ende offen gelassen. So ist der Roman zwar noch als Standalone lesbar, bietet aber Platz für die Folgebände, die die offenen Enden aufgreifen können.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei gefallen mir neben Lucy vor allem kleinere Nebencharaktere wie Lore, zu der ich mir so viel mehr Infos wünschen würde. Kim Rabes Schreibstil lässt sich dabei flüssig und leicht lesen, ist angemessen humorvoll und authentisch, was die Berliner Dialekte angeht.

Die Buchgestaltung überzeugt im großen und ganzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist leicht hochwertig geprägt, mit farbigen Coverinnenseiten und Klappen versehen und farblich schön – passend zur Stimmung im Buch. Lediglich bei den abgebildeten Fabelwesen hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist ein guter Auftakt in eine Urban-Fantasy-Reihe, der vor allem durch sein wunderbares Setting und eine spannende Handlung glänzt, aber noch leichten Nachholbedarf bei der Plausibilisierung des Übernatürlichen hat. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Sara Erb: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ (Chelsea Stern 1)

In der letzten Zeit habe ich „Chelsea Stern: Lichtmagie“ von Sara Erb gelesen. Das Buch ist 2021 in der adakia Verlag UG erschienen und der Auftakt zu einer phantastischen Trilogie der Debütautorin. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Verlag und Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Als Chelsea durch Gedankenkraft in Italien landet, stößt sie nicht nur auf ihr eigenes Geheimnis, sondern auch auf verborgene Geschehnisse in ihrer Familie. Dass sie in ihrem Universitätskurs Rick kennenlernt, der sie sofort in seinen Bann zieht, ist kein Zufall. Mit dem mysteriösen Mann an ihrer Seite lernt Chelsea eine neue Welt voller Magie kennen, die sie einerseits fasziniert, andererseits jedoch einen großen Tribut fordert: die Liebe. Während sie versucht, das Verlangen zu Rick zurückzuhalten und ihre Gabe zu beherrschen, lauern ihr immer wieder Männer in schwarzen Mänteln auf, die mehr über sie zu wissen schienen als sie selbst. Gerade, als sich das Puzzle aus Geheimnissen zusammenfügt, nimmt die Geschichte für Chelsea eine schreckliche Wendung. Dabei offenbaren sich ihr weitaus diabolischere Pläne: Sie erkennt, dass die Kugel eines Gewehrs weniger tödlich ist als ein Virus.

„Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine phantastische Trilogie – auch wenn mir die Genrezuordnung doch etwas schwerer fällt, als dem Verlag, der das ganze als „Urban Fantasy“ bewirbt. Natürlich hat das Buch ein urbanes Setting, die Bezeichnung ist daher nicht falsch. Aufgrund der doch sehr zentralen Liebesgeschichte, der expliziten Sexszene in Verbindung mit dem Alter der Protagonisten, die sich zudem im universitären Setting kennenlernen, komme ich doch relativ deutlich zu einer Einordnung als (New Adult-) Romantasy.

Die Handlung ist im Wesentlichen spannend – auch wenn der Einstieg etwas geruhsam voranschreitet. Teils ist die Handlung vorhersehbar, teils gelingt es der Autorin aber auch, unerwartete Wendungen einzubauen. Kleinere Logiklücken, ein offenes Ende und fehlende, innere Konflikte sorgen dafür, dass das Potential der Geschichte nicht vollends ausgeschöpft wird. So fehlt mir einerseits der Konflikt in der sehr harmonischen Liebesbeziehung, andererseits ist Chelseas Beherrschung und Akzeptanz der Gabe viel zu einfach; hadern, sich fremd fühlen, Fehlschläge fehlen ganz.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. So entführt Sara Erb den Leser in ein London zwischen Pubs und Flagship Stores, zwischen Vorstadtidylle und unterirdischen Welten, lässt den Leser durch die Augen von Rick und Chelsea die Welt erkunden. Dabei sind die beiden Ich-Perspektiven der Protagonisten gut gewählt, die Wechsel lediglich etwas zu häufig auch innerhalb der Kapitel. Der Schreibstil der Autorin lässt sich flüssig und leicht lesen, teils wirkt er etwas zu belehrend/predigend.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, einigen fehlen allerdings Schwächen. Am besten gefallen mir hier noch Emma und Rick. Gerade Joe bleibt als Antagonist noch etwas blass, ich hoffe, in den Folgebänden wird auch seine Zerrissenheit, die Chelsea spürt, noch stärker deutlich.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Während der Buchumschlag mit einem wunderschönen Cover, hochwertiger Prägung und farbigen Coverinnenseiten (Marie Graßhoff – muss man mehr sagen?) punkten kann, und auch der Satz überzeugt, haben Lektorat und Korrektorat doch einiges durchrutschen lassen – inklusive mehrfach vergessener Namensänderungen bei Chelseas Mutter (was nicht passieren darf).

Mein Fazit: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine Fantasytrilogie, der vor allem mit einem grandiosen Setting überzeugt, aber noch Schwächen in der Handlung und Buchgestaltung aufweist und dank einem offenen Ende viele Fragen für die Folgebände aufwirft. Eher nicht als Standalone lesbar, für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Phantastik im Doppelpack | Doppelte Buchpost

In der letzten Woche erreichten mich über eine Leserunde und eine Buchverlosung auf Lovelybooks zwei phantastische Bücher – vielen Dank dafür an die Autoren und Verlage. „Chelsea Stern – Lichtmagie“ von Sara Erb, erschienen im Adakia Verlag, ist dabei der Beginn einer Urban Fantasy Trilogie, während es sich bei „Cillarion – Windgeflüster“ von Emilia Cedwig um die Adaption eines anderen Romanes handelt. Da die Fantasy bei mir in den letzten Wochen und Monaten etwas zu kurz kam, freue ich mich schon auf die Ausflüge in die phantastischen Welten – und halte Euch natürlich auch hier über die Bücher auf dem Laufenden =).

Welchen Fantasy-Roman habt Ihr zuletzt gelesen?

Unbekanntes an bekannten Orten | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich zwei tolle Romane des Lübbe Verlags, Bastei Lübbe AG als Rezensionsexemplare über die Bloggerjury – vielen Dank dafür an dieser Stelle. Die Gemeinsamkeit von „Atelier Rosen – Die Frauen aus der Marktgasse“ von Marie Lamballe und „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe ist dabei das in Deutschland angesiedelte Setting – etwas, das viel zu selten vorkommt. So spielt Marie Lamballes historischer Roman in Kassel, währen Kim Rabes Urban Fantasy Krimi den Leser nach Berlin verschlägt – ich kann es kaum erwarten. Welches sind Eure liesten Bücher, die in Deutschland spielen? Kennt Ihr vielleicht einen der Romane?

[Buchgedanken] Odine Raven: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ von Odine Raven gelesen. Das Buch ist 2021 in der Green Eyes Books GbR erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Vicky ist angehende Archäologin und gerade von einer Ausgrabung an einer Kreuzfahrerfestung in Israel nach Hause zurückgekehrt. Plötzlich geschehen an ihrem Institut seltsame Dinge, und dann taucht auch noch der rätselhafte Leonhard auf und behauptet, er sei ein leibhaftiger Tempelritter! Sie kann sich seiner mysteriösen Art nicht entziehen und verliebt sich unweigerlich in ihn. Doch er hat einen Auftrag zu erfüllen!

„Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ lässt sich schwierig in ein Genrekorsett pressen, daher habe ich die Zuordnung auch – dem aufmerksamen Leser mag es aufgefallen sein – oben unterlassen. Denn der Roman wird vom Verlag auf dem Cover als „Urban Fantasy“ beworben, was ganz technisch stimmen mag, ist aus meiner Sicht aber doch mehr der Romantasy zuzuordnen, da im Mittelpunkt der Handlung klar die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten steht. So taucht der eigentliche, im Klappentext geteaserte, Auftrag des Ritters erst zum Ende hin auf, und wird relativ komplikationslos, teils unlogisch und schnell abgearbeitet – mir fehlt es hier an Stolpersteinen, an – gerade für Urban Fantasy wichtigen – Handlungselementen, die den Erfolg der Mission infrage stellen.

Die Liebesgeschichte überzeugt jedoch im Wesentlichen, wenn auch die Protagonistin Vicky sich dezent übergriffig verhält (einem Mann würde man dieses Verhalten sicherlich nicht durchgehen lassen). Darüber hinaus sind die Gefühle gut dargestellt, insbesondere Leonhards Zerrissenheit, die ihn charmanterweise immer mal wieder ins interessante Mittelhochdeutsch abgleiten lässt, wird für den Leser gut spürbar.

Angenehm aufgefallen ist auch, dass die Schauplätze in Heidelberg authentisch ausgesucht und recherchiert worden sind. Als Heidelberger erkennt man die Orte wieder, kann die Bewegungen der Protagonisten in der Stadt somit gut nachvollziehen, egal ob Marstall, Jesuitenkirche oder archäologisches Institut. Auch das jeweilige Setting im Odenwald, in Israel und in Rom überzeugt, wenn auch die Reisen dorthin etwas unlogisch verlaufen.

Odine Ravens Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen. Die lateinischen und mittelhochdeutscchen Passagen sind gut eingebaut, lediglich die Darstellung des Dialekts des Abbé und die teils sehr flapsige Umgangssprache fallen hier etwas ab.

Die Buchgestaltung zeigt hingegen einige Schwächen. Zwar sind dem Lektorat/Korrektorat generell nur vereinzelt Dinge durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten, aber es ist ein absolutes No-Go, dass sich auf S. 122 eine markierte Textstelle befindet. Wie so etwas eine finale Kontrolle überstehen kann, ist mir absolut schleierhaft. Auch der Buchsatz vermag im Ergebnis nicht zu überzeugen. Mangels Siltentrennung am Zeilenende entsteht ein sehr uneinheitliches Schriftbild, das in dem auch für die letzten Zeilen eines jeden Kapitels genutzten Blocksatz gipfelt, der teils nur 2 Wörter auf die komplette Zeile erstreckt. Positiv anzumerken ist jedoch, dass das Coverbild Bezug zur Handlung nimmt, Augenfarbe des Mannes und Frisur der Frau mit den im Buch beschriebenen Protagonisten übereinstimmen.

Mein Fazit: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ ist ein Fantasy-Roman, der vor allem durch eine tolle Liebesgeschichte punktet, in der restlichen Handlung und der Buchgestaltung aber auch einige Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Romantasy daher zu empfehlen.

[Buchgedanken] Gunnar Kunz: „Lagunenrauner“

In der letzten Zeit habe ich „Lagunenrauner“ von Gunnar Kunz gelesen. Das Buch wurde in der jetzigen Form 2021 im Verlag Monika Fuchs veröffentlicht, die Erstveröffentlichung erschien 2013 unter dem gleichen Titel im Thienemann Verlag (nunmehr Thienemann-Esslinger Verlag GmbH). Der Roman ist als historische Urban Fantasy für Jugendliche einzuordnen, bzw. als fantastisches Jugendbuch. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag Monika Fuchs für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Venedig 1500. Schwarzer Nebel kriecht auf die Stadt zu, schlängelt sich durch die Lagune, füllt die Kanäle mit etwas Finsterem. Und bringt Krankheit und Tod. Marco, Sohn eines Glasbläsers, und seine Freundin Chiara, die Maskenmacherin, scheinen als Einzige in der Lage zu sein, Venedig zu retten. Doch dabei müssen sie nicht nur gegen uralte Magie kämpfen, gegen Intrigen und Verrat, sondern sich auch dem Flüstern der Lagune ausliefern – und den Fischmenschen, die der Legende nach tief unter der Stadt hausen.

„Lagunenrauner“ ist historische Urban Fantasy für Jugendliche – eher noch für die „Young Adult“-Zielgruppe. Dabei verknüpft der Autor die fantastischen Motive gut mit jugendtypischen Themen wie der ersten, zarten Liebe, einem Wissensdrang und -durst sowie der Rebellion gegen die Eltern (in diesem Fall die erziehungsberechtigten Onkel und Tante) ohne den Schwerpunkt zu stark ins fantastische oder Jugendbuchgenre abgleiten zu lassen.

Auch wenn Urban Fantasy in vielen Definitionen mit Contemporary Fantasy gleichgesetzt wird und damit als Gegenstück der historischen Fantasy gilt, verbleibe ich hier bei der Eingruppierung des Verlages, um klarzustellen, dass es sich um eine historische Geschichte handelt, die in der realen Welt spielt, die lediglich um fantastische Elemente ergänzt wird. Als – somit – historische Urban Fantasy fehlt es dem Roman allerdings – wie der Autor im Nachwort auch zugibt – an historischer Korrektheit, da sowohl das Stadtbild als auch das politische System, die Lebensdaten historischer Persönlichkeiten und auch die Sinkgeschwindigkeit Venedigs angepasst wurden. Egal wie man das Genre nun bezeichnet, sprengt diese massive Abweichung jedoch aus meiner Sicht die Genregrenzen, da die Gesetze der realen Welt geändert, die Geschichte umgeschrieben wird. Hier hätte ich mir mehr Korrektheit gewünscht – die man ohne Zweifel auch den Lesern hätte zutrauen können. Dass der Autor die Möglichkeit dazu gehabt hätte, zeigt auch die unzweifelhaft gute Recherche.

Abgesehen davon ist die Handlung spannend und abwechslungsreich. Der Autor beschreibt das Setting der Stadt Venedig um 1500 bildhaft und anschaulich und verleiht dem Wasser durch Marco eine Stimme, die die Natur des Wassers als – weder gute, noch schlechte – Urgewalt gut einfängt. Dabei lässt sich der Schreibstil des Autors gut und flüssig lesen.

Die einzelnen Charaktere sind größtenteils vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere Chiara und Alessandro begeistern mich hier, während Leonardo zwar lustig, aber überzeichnet wirkt.

Die Buchgestaltung überzeugt hingegen auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist gelungen, zieht sich als Bild über den kompletten Buchumschlag und wirkt insgesamt zielgruppengerechter und erwachsener als das Coverbild der Vorauflage. Die mitgelieferte Karte ist zudem wunderschön anzusehen, wenn auch leicht spoilernd, wenn man sie zu früh studiert.

Mein Fazit? „Lagunenrauner“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Fantasyroman, der vor allem durch eine abwechslungsreiche Handlung und ein gelungenes Setting punktet, es aber leider an historischer Genauigkeit vermissen lässt. Für Liebhaber fantastischer Romane dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unter dem bei Amazon gelisteten Lesealter von 14 Jahren.