[Buchgedanken] Alisa Kwitney: „ROGUE: UNBERÜHRT“ (Marvel | Heldinnen)

In der letzten Zeit habe ich „ROGUE: UNBERÜHRT“ von Alisa Kwitney gelesen, einen Roman der „Marvel | Heldinnen“ Reihe. Das Buch ist 2021 bei Cross Cult veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel „ROGUE: UNTOUCHED“ bei Aconyte Books, einem Imprint von Asmodee Entertainment Ltd. Für die Übersetzung zeichnet Stephanie Pannen verantwortlich, das Copyright liegt bei Marvel Publishing. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Das Leben der jungen Rogue ist alles andere als schön: sie lebt allein, hat einen furchtbaren Job in einem Diner und versteckt sich vor allen. Die Kräfte, die sie zu entwickeln begonnen hat, machen ihr Angst. Wenn der erste Kuss fast tötet, ist es schwer, irgendjemandem zu trauen – sogar dir selbst. Doch da tauchen zwei Personen auf, die ihr Leben für immer verändern könnten, und schließlich wird sie vor eine Wahl gestellt: Folgt sie einer geheimnisvollen Milliardärin, die angeblich auf der Suche nach begabten Praktikanten ist, oder dem attraktiven Falschspieler mit den unheimlichen roten Augen? Aber die beiden sind nicht die einzigen, die sie beobachten … Rogue muss die Mächte annehmen, die sie zu unterdrücken versucht, um ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen – bevor es jemand anders tut.

„ROGUE: UNBERÜHRT“ ist mein erstes Buch der „Marvel | Heldinnen“ Reihe und beleuchtet einen mir eher unbekannten Teil des Marvel-Universums, nämlich Charaktere aus X-Men – ich bin stärker in der Avengers/Shields Story verankert. Bereits die Genrezuordnung des Romans fällt mir dabei nicht ganz leicht, sofern man nicht das inflationär bei Filmen benannte Genre „Superhero“ akzeptiert. Ganz klassisch gesehen wäre „ROGUE: UNBERÜHRT“ sonst Urban Fantasy oder – im Gesamtzusammenhang mit anderen Marvel-Werken – eine Mischung aus Fantasy und Science-Fiction.

Die grundsätzlich spannende Handlung bleibt dabei etwas flach, hat gerade zum Ende des ersten Abschnitts hin auch einige Längen. Leider gelingt es der Autorin nie, den Leser kontinuierlich zu fesseln, sondern immer nur phasenweise, was auch daran liegt, dass Teile der Handlung durchaus vorhersehbar sind und kleinere Logiklücken ebenfalls vorhanden sind. Genau wie generell Lücken in der Handlung, was durch die (grundsätzlich perfekt gewählte) Erzählperspektive aus der Sicht von Anna Marie bedingt ist – hier hätte man vielleicht mit weiteren Perspektiven arbeiten können. Zudem spielt der Roman den größten Vorteil der Ich-Perspektive nur eingeschränkt aus, die den Leser ja nah an die Gedanken und Gefühle der Protagonistin bringen und eine Identifizierung mit ihr erleichtern soll. Und auch wenn Letzteres zwar geschieht, bleibt die Gefühlswelt der Protagonistin doch etwas eindimensional, ein Zögern, Hadern, Zweifeln im Umgang mit den Kräften, eine tiefe Reflektion lässt sie eher vermissen.

Abgesehen davon gefällt mir Anna Marie als Charakter wirklich gut, ist humorvoll und empathisch, hat Stärken und Schwächen. Auch Nebencharaktere wie Lucretia (die sich später als hier aus Spoilergründen nicht näher benannter Major Character der X-Men-Reihe zu erkennen gibt) und Rita überzeugen, während Remy etwas blass bleibt.

Das Setting des Buches hingegen brilliert auf ganzer Linie. Amerikanisches Kleinstadtflair, ein Diner, verlassene Herrenhäuser und eine umgebaute Ranch – Alisa Kwitney nimmt den Leser mit auf eine Reise in ländliche Regionen der USA fernab der Metropolen und erlaubt es dem Leser, sich in die Geschichte zu träumen – unterstützt davon, dass man ja auch grundsätzliche Vorstellungen vom Marvel-Kosmos an und für sich hat. Eine Einordnung in diesen ist jedoch nicht ganz einfach, zwar tauchen bekannte Charaktere auf (und andere, wie Black Widow werden benannt), eine abschließende Einordnung in die Zeitlinie – und ob sich das Buch überhaupt nahtlos einfügt – lässt sich jedoch nicht treffen.

Die Buchgestaltung ist im Großen und Ganzen gelungen. Lektorat und Korrektorat haben nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, der Buchsatz ist sauber – wenn man davon absieht, dass es anscheinend weder Satz, noch Lektorat oder Endkorrektur aufgefallen ist, dass das Kapitel 34 als Kapitel 32 betitelt wird (sollte nicht vorkommen …). Das Cover ist farblich sehr auffällig und genretypisch, insgesamt der Buchumschlag mit Klappen und Coverrückseite sehr schön und teils hochwertig geprägt. Allerdings hätte ich mir zur Abrundung des Gesamtbildes farbige Coverinnenseiten noch gewünscht.

Mein Fazit? „ROGUE: UNBERÜHRT“ ist ein grundsätzlich spannender Roman über eine Heldin aus dem Marvel-Universum, der mit einem tollen Setting glänzt, aber auch Schwächen in der Handlung aufweist. Für Comic-Liebhaber und Marvel-Fans bedenkenlos zu empfehlen, für Fantasyliebhaber außerhalb der Comicwelt nur bedingt – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Kim Rabe: „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ (Berlin Monster 1)

In der letzten Zeit habe ich „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe gelesen, den ersten Teil der „Monster von Berlin“-Reihe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Urban Fantasy zu klassifizieren. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Privatdetektivin Lucy hat sich auf übernatürliche Fälle spezialisiert. Und von denen gibt es so einige in Berlin, wo es von übersinnlichen Phänomenen nur so wimmelt. Denn vor dreißig Jahren ließ die Strahlung einer Bombe den Aberglauben der Menschen lebendig werden. Heute brüten Dschinns in Kreuzberger Shisha-Cafés, Feen tanzen in Friedrichshainer Clubs, und Hipster-Kobolde sind die Herren der Kneipen von Neukölln. Während Lucy eine Fee aufspüren soll, erschüttert eine Mordserie die Stadt. Hat ihr Verschwinden etwas damit zu tun? Immer tiefer taucht Lucy in den Fall ein, und bald schwebt nicht nur sie in Gefahr, sondern auch jene, die ihr am nächsten stehen …

„Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist Urban Fantasy, die – endlich mal – in Deutschland spielt. Kim Rabe zeigt, dass sich auch Berlin nicht vor deutlich populäreren Orten wie London, amerikanischen Städten oder Prag verstecken muss. So begeistert das Setting auf ganzer Linie, die Autorin entführt den Leser an atmosphärische Orte wie das Berghain, kleine Eckkneipen, Dönerbuden und Lost Places, nimmt ihn mit in den Kiez der Protagonisten, lässt ihn ein spezielles Lebensgefühl erleben, den Mikrokosmos eines Berliner Bezirks.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, wartet immer mal wieder mit überraschenden Wendungen und humorvollen Szenen auf. Leider bleibt der Weltenbau – bzw., da es in der realen Welt spielt, das Magiekonzept / die Einführung des Übernatürlichen – noch etwas auf der Strecke, dies kann jedoch in den Folgebänden noch ausgebaut werden. Auch wird – zumindest zum Teil – das Ende offen gelassen. So ist der Roman zwar noch als Standalone lesbar, bietet aber Platz für die Folgebände, die die offenen Enden aufgreifen können.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei gefallen mir neben Lucy vor allem kleinere Nebencharaktere wie Lore, zu der ich mir so viel mehr Infos wünschen würde. Kim Rabes Schreibstil lässt sich dabei flüssig und leicht lesen, ist angemessen humorvoll und authentisch, was die Berliner Dialekte angeht.

Die Buchgestaltung überzeugt im großen und ganzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist leicht hochwertig geprägt, mit farbigen Coverinnenseiten und Klappen versehen und farblich schön – passend zur Stimmung im Buch. Lediglich bei den abgebildeten Fabelwesen hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Handlung gewünscht.

Mein Fazit? „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ ist ein guter Auftakt in eine Urban-Fantasy-Reihe, der vor allem durch sein wunderbares Setting und eine spannende Handlung glänzt, aber noch leichten Nachholbedarf bei der Plausibilisierung des Übernatürlichen hat. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Sara Erb: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ (Chelsea Stern 1)

In der letzten Zeit habe ich „Chelsea Stern: Lichtmagie“ von Sara Erb gelesen. Das Buch ist 2021 in der adakia Verlag UG erschienen und der Auftakt zu einer phantastischen Trilogie der Debütautorin. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Verlag und Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Als Chelsea durch Gedankenkraft in Italien landet, stößt sie nicht nur auf ihr eigenes Geheimnis, sondern auch auf verborgene Geschehnisse in ihrer Familie. Dass sie in ihrem Universitätskurs Rick kennenlernt, der sie sofort in seinen Bann zieht, ist kein Zufall. Mit dem mysteriösen Mann an ihrer Seite lernt Chelsea eine neue Welt voller Magie kennen, die sie einerseits fasziniert, andererseits jedoch einen großen Tribut fordert: die Liebe. Während sie versucht, das Verlangen zu Rick zurückzuhalten und ihre Gabe zu beherrschen, lauern ihr immer wieder Männer in schwarzen Mänteln auf, die mehr über sie zu wissen schienen als sie selbst. Gerade, als sich das Puzzle aus Geheimnissen zusammenfügt, nimmt die Geschichte für Chelsea eine schreckliche Wendung. Dabei offenbaren sich ihr weitaus diabolischere Pläne: Sie erkennt, dass die Kugel eines Gewehrs weniger tödlich ist als ein Virus.

„Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine phantastische Trilogie – auch wenn mir die Genrezuordnung doch etwas schwerer fällt, als dem Verlag, der das ganze als „Urban Fantasy“ bewirbt. Natürlich hat das Buch ein urbanes Setting, die Bezeichnung ist daher nicht falsch. Aufgrund der doch sehr zentralen Liebesgeschichte, der expliziten Sexszene in Verbindung mit dem Alter der Protagonisten, die sich zudem im universitären Setting kennenlernen, komme ich doch relativ deutlich zu einer Einordnung als (New Adult-) Romantasy.

Die Handlung ist im Wesentlichen spannend – auch wenn der Einstieg etwas geruhsam voranschreitet. Teils ist die Handlung vorhersehbar, teils gelingt es der Autorin aber auch, unerwartete Wendungen einzubauen. Kleinere Logiklücken, ein offenes Ende und fehlende, innere Konflikte sorgen dafür, dass das Potential der Geschichte nicht vollends ausgeschöpft wird. So fehlt mir einerseits der Konflikt in der sehr harmonischen Liebesbeziehung, andererseits ist Chelseas Beherrschung und Akzeptanz der Gabe viel zu einfach; hadern, sich fremd fühlen, Fehlschläge fehlen ganz.

Das Setting hingegen überzeugt auf ganzer Linie. So entführt Sara Erb den Leser in ein London zwischen Pubs und Flagship Stores, zwischen Vorstadtidylle und unterirdischen Welten, lässt den Leser durch die Augen von Rick und Chelsea die Welt erkunden. Dabei sind die beiden Ich-Perspektiven der Protagonisten gut gewählt, die Wechsel lediglich etwas zu häufig auch innerhalb der Kapitel. Der Schreibstil der Autorin lässt sich flüssig und leicht lesen, teils wirkt er etwas zu belehrend/predigend.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt, einigen fehlen allerdings Schwächen. Am besten gefallen mir hier noch Emma und Rick. Gerade Joe bleibt als Antagonist noch etwas blass, ich hoffe, in den Folgebänden wird auch seine Zerrissenheit, die Chelsea spürt, noch stärker deutlich.

Die Buchgestaltung ist durchwachsen. Während der Buchumschlag mit einem wunderschönen Cover, hochwertiger Prägung und farbigen Coverinnenseiten (Marie Graßhoff – muss man mehr sagen?) punkten kann, und auch der Satz überzeugt, haben Lektorat und Korrektorat doch einiges durchrutschen lassen – inklusive mehrfach vergessener Namensänderungen bei Chelseas Mutter (was nicht passieren darf).

Mein Fazit: „Chelsea Stern: Lichtmagie“ ist ein vielversprechender Auftakt in eine Fantasytrilogie, der vor allem mit einem grandiosen Setting überzeugt, aber noch Schwächen in der Handlung und Buchgestaltung aufweist und dank einem offenen Ende viele Fragen für die Folgebände aufwirft. Eher nicht als Standalone lesbar, für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Phantastik im Doppelpack | Doppelte Buchpost

In der letzten Woche erreichten mich über eine Leserunde und eine Buchverlosung auf Lovelybooks zwei phantastische Bücher – vielen Dank dafür an die Autoren und Verlage. „Chelsea Stern – Lichtmagie“ von Sara Erb, erschienen im Adakia Verlag, ist dabei der Beginn einer Urban Fantasy Trilogie, während es sich bei „Cillarion – Windgeflüster“ von Emilia Cedwig um die Adaption eines anderen Romanes handelt. Da die Fantasy bei mir in den letzten Wochen und Monaten etwas zu kurz kam, freue ich mich schon auf die Ausflüge in die phantastischen Welten – und halte Euch natürlich auch hier über die Bücher auf dem Laufenden =).

Welchen Fantasy-Roman habt Ihr zuletzt gelesen?

Unbekanntes an bekannten Orten | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich zwei tolle Romane des Lübbe Verlags, Bastei Lübbe AG als Rezensionsexemplare über die Bloggerjury – vielen Dank dafür an dieser Stelle. Die Gemeinsamkeit von „Atelier Rosen – Die Frauen aus der Marktgasse“ von Marie Lamballe und „Berlin Monster – Nachts sind alle Mörder grau“ von Kim Rabe ist dabei das in Deutschland angesiedelte Setting – etwas, das viel zu selten vorkommt. So spielt Marie Lamballes historischer Roman in Kassel, währen Kim Rabes Urban Fantasy Krimi den Leser nach Berlin verschlägt – ich kann es kaum erwarten. Welches sind Eure liesten Bücher, die in Deutschland spielen? Kennt Ihr vielleicht einen der Romane?

[Buchgedanken] Laura Ventur: „Whalea“ (Whalea 1)

In der letzten Zeit habe ich „Whalea“ von Laura Ventur gelesen. Das Buch ist 2021 im Selfpublishing über epubli erschienen und dem Genre Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Literaturtest.

Zwei Leben, zwei Welten. Strikt voneinander getrennt und dennoch untrennbar miteinander verwoben durch die Zeit. Obwohl Rosa, Wächterin in Whalea, überzeugt ist, ihr lang gehütetes Geheimnis in den Tiefen ihrer fantastischen Dimension unauffindbar versteckt zu haben, spült das Schicksal ihr die Vergangenheit vor die Füße: Ben. Doch als der Frankfurter Banker Ben von Thalau unfreiwillig in Whalea auftaucht, stellt das nicht nur ihr Leben auf den Kopf. Denn Menschen sind in ihrer Welt strengstens verboten. Und er hat alle Hände voll zu tun, in der whaleanischen Realität nicht den Verstand zu verlieren. Für Rosa und ihre Gefährten beginnt ein beispielloser Spießrutenlauf. Sie müssen den Fremden wieder nach Hause bringen, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten. Dafür ist Rosa bereit, alle Tabus zu brechen. Nur so kann sie ihr Geheimnis bewahren. Allerdings hat sie die Rechnung ohne Ben gemacht. Der hat ganz andere Pläne.

„Whalea“ ist – trotz des sehr kindlichen Covers – ein Fantasyroman für jugendliche und erwachsene Leser, kombiniert er doch in einem bunten Genremix aus Urban-, High- und historical Fantasy erwachsenere Themen wie Gesellschaftskritik und Hexenvebrennung mit einer Fantasywelt, die eher für junge Leser gezeichnet ist. Anzumerken ist dabei zwingend, dass „Whalea“ – wenn auch nirgends angegeben – nur Auftakt zu einer Buchreihe sein kann, da es als eigenständiger Roman nicht wirklich funtioniert.

Denn zum Ende hin werden kaum Handlungsstränge aufgelöst, nahezu alle Probleme bleiben offen und das Buch endet in diversen Cliffhangern, was einen als Leser etwas ratlos und unbefriedigt zurücklässt. Abgesehen davon ist die Handlung jedoch durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch – zumindest in der Gegenwart – die ganz großen Konflikte fehlen, wohingegen die Vergangenheitsebene auf ganzer Linie überzeugt.

Das Setting in Whalea wird im Wesentlichen anschaulich beschrieben, insgesamt lässt der Bau einer komplexen Fantasyswelt aber noch Luft nach oben – was bei der Dünne des Buches nicht verwundert. Ich hoffe daher, dass in den Folgebänden (so es sie geben wird) die Hintergrundgeschichte von Whalea, die einzelnen Rassen und Völker und das Magiekonzept noch etwas weiter ausgearbeitet werden, man nach und nach mehr über die Welt erfährt

Die einzelnen Protagonisten sind im Wesentlichen vielschichtig ausgearbeitet, wenn auch die Handlungsmotive, insbesondere von Rosa und ihren Gefährten, nicht immer klar aufgeklärt und ersichtlich sind. Dennoch überzeugen hier vorallem die – teils auch humorvoll angelegten – Nebenfiguren, insbesondere Olivia und Rasmus.

Dem Lektorat und Korrektorat sind nur kleinere Fehler durchgerutscht, die das Lesevergnügen nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist gelungen und wird mit tollen Illustrationen unterstützt und aufgewertet, wenn auch die der Geschichte vorangestellte Karte dazu im Vergleich blass bleibt. Das Covermotiv kommt jedoch sehr kindlich rüber und vermag auch – trotz der abgebildeten Protagonisten – keinen wirklichen Bezug zur Handlung herstellen, auch die Coverrückseite kann nicht überzeugen.

Mein Fazit: „Whalea“ ist ein im Wesentlichen gelungener Debütroman, der allerdings nur als Reihenauftakt Sinn macht und nicht als Standalone gelesen werden kann und sollte, da er kaum Handlungsstränge auflöst. Das Buch vermag dabei durch eine grundsätzlich interessante und abwechslungsreiche Handlung zu überzeugen, deren Schwächen hoffentlich im Rahmen der nächsten Bände angegangen werden. Mit Veröffentlichung weiterer Teile bedenkenlos zu empfehlen – sollte das unterbleiben besteht Frustgefahr.

[LBM2021] Tag 0 und Tag 1: Ein Kickoff der anderen Art

Gestern startete die diesjährige Leipziger Buchmesse. Okay, das stimmt so nicht – sondern lediglich das Lesefestival „Leipzig Liest Extra“ und viele Veranstaltungen von Verlagen, die ein Messeersatzprogramm im Digitalen veranstalten. Und auch wenn dies die Messe einfach nicht ersetzen kann, habe ich trotzdem an einigen Veranstaltungen teilgenommen und werde dies auch in den nächsten Tagen noch tun. Alles, in der Hoffnung, dass diese LBM die letzte große Messe ist, die ausfällt, und wir uns spätestens im Herbst in Frankfurt alle wiedertreffen können.

Für mich begann der Veranstaltungsreigen im Übrigen bereits einen Tag vorher, mit den Kickoff-Veranstaltungen der „Buchmesse@home“ der Bastei Lübbe AG zum Thema „Mut“. So wurden zuerst die Autorinnen Anne Prettin („Die vier Gezeiten„) und Ulla Mothes („Geteilte Träume„) von Margarete von Schwarzkopf über ihre neuen Familiensagen interviewt, die beide auch dunkle und spannende Kapitel der deutschen Geschichte abdecken. Im Anschluss wurde mit dem ersten Band der „Underworld Chronicles“ eine neue Urban-Fantasy-Reihe von Kelly Oram vorgestellt, die diese mit ihrem Mann Josh zusammen unter dem Pseudonym Jackie May veröffentlicht. Spannend, fantastisch – und ein absolutes Must-Read. Band 1 ist danach direkt in meinen Warenkorb gehüpft.

Verglichen zu dem Vorabend war der erste „offizielle“ Messetag dagegen für mich relativ ruhig – und etwas kulturlastiger. So startete ich in den Tag mit einem Gespräch auf dem Blauen Sofa. Bénédicte Savoy referierte zum Thema Kulturerbe, Kunstraub und Beutekunst und stellte ihr neuestes Buch „Afrikas Kampf um seine Kunst“ vor. Im Anschluss sah ich mir Interviews auf dem LYX-Kanal mit Sarah Sprinz und Anabelle Stehl zum Thema „Uni-Setting in New-Adult-Romanen“ an. Faszinierend, wenn man bedenkt, dass Anabelles Romane entgegen dem üblichen Trend in Deutschland spielen. [Spoiler alert: Auch an Tag zwei der Buchmesse begleiteten mich Anabelles Bücher :)]

Für den Abschluss des Tages sorgte eine hochpolitische Diskussion auf dem Blauen Sofa. Gesine Schwan, Michael Seemann und Bernd Stegemann diskutierten zur Frage „Wie verändern Plattformen die Demokratie?“. Moderiert von Vivian Perkovic, entstand schnell ein sehr lebhaftes Gespräch über Globalisierung und den Fokus auf kleine Communitys, über Vor- und Nachteile großer Plattformen und deren Macht im vorpolitischen Raum. Teils sehr theorielastig war es doch anrührend zu sehen, wie stark und vehement Gesine Schwan versuchte, den Wert von Kommunikation wieder in den Fokus allen Handelns zu rücken.

Damit endete auch schon mein Messetag, der mich sehr entspannt zurück- und mich sogar das Gedränge, die Müdigkeit und Schmerzen einer Livemesse vermissen ließ. Wie sah das bei Euch aus? Habt Ihr überhaupt Veranstaltungen der Messe besucht?

[Buchgedanken] Odine Raven: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“

Vor kurzem habe ich im Rahmen einer Leserunde „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ von Odine Raven gelesen. Das Buch ist 2021 in der Green Eyes Books GbR erschienen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin, den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Vicky ist angehende Archäologin und gerade von einer Ausgrabung an einer Kreuzfahrerfestung in Israel nach Hause zurückgekehrt. Plötzlich geschehen an ihrem Institut seltsame Dinge, und dann taucht auch noch der rätselhafte Leonhard auf und behauptet, er sei ein leibhaftiger Tempelritter! Sie kann sich seiner mysteriösen Art nicht entziehen und verliebt sich unweigerlich in ihn. Doch er hat einen Auftrag zu erfüllen!

„Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ lässt sich schwierig in ein Genrekorsett pressen, daher habe ich die Zuordnung auch – dem aufmerksamen Leser mag es aufgefallen sein – oben unterlassen. Denn der Roman wird vom Verlag auf dem Cover als „Urban Fantasy“ beworben, was ganz technisch stimmen mag, ist aus meiner Sicht aber doch mehr der Romantasy zuzuordnen, da im Mittelpunkt der Handlung klar die Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten steht. So taucht der eigentliche, im Klappentext geteaserte, Auftrag des Ritters erst zum Ende hin auf, und wird relativ komplikationslos, teils unlogisch und schnell abgearbeitet – mir fehlt es hier an Stolpersteinen, an – gerade für Urban Fantasy wichtigen – Handlungselementen, die den Erfolg der Mission infrage stellen.

Die Liebesgeschichte überzeugt jedoch im Wesentlichen, wenn auch die Protagonistin Vicky sich dezent übergriffig verhält (einem Mann würde man dieses Verhalten sicherlich nicht durchgehen lassen). Darüber hinaus sind die Gefühle gut dargestellt, insbesondere Leonhards Zerrissenheit, die ihn charmanterweise immer mal wieder ins interessante Mittelhochdeutsch abgleiten lässt, wird für den Leser gut spürbar.

Angenehm aufgefallen ist auch, dass die Schauplätze in Heidelberg authentisch ausgesucht und recherchiert worden sind. Als Heidelberger erkennt man die Orte wieder, kann die Bewegungen der Protagonisten in der Stadt somit gut nachvollziehen, egal ob Marstall, Jesuitenkirche oder archäologisches Institut. Auch das jeweilige Setting im Odenwald, in Israel und in Rom überzeugt, wenn auch die Reisen dorthin etwas unlogisch verlaufen.

Odine Ravens Schreibstil lässt sich gut und flüssig lesen. Die lateinischen und mittelhochdeutscchen Passagen sind gut eingebaut, lediglich die Darstellung des Dialekts des Abbé und die teils sehr flapsige Umgangssprache fallen hier etwas ab.

Die Buchgestaltung zeigt hingegen einige Schwächen. Zwar sind dem Lektorat/Korrektorat generell nur vereinzelt Dinge durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten, aber es ist ein absolutes No-Go, dass sich auf S. 122 eine markierte Textstelle befindet. Wie so etwas eine finale Kontrolle überstehen kann, ist mir absolut schleierhaft. Auch der Buchsatz vermag im Ergebnis nicht zu überzeugen. Mangels Siltentrennung am Zeilenende entsteht ein sehr uneinheitliches Schriftbild, das in dem auch für die letzten Zeilen eines jeden Kapitels genutzten Blocksatz gipfelt, der teils nur 2 Wörter auf die komplette Zeile erstreckt. Positiv anzumerken ist jedoch, dass das Coverbild Bezug zur Handlung nimmt, Augenfarbe des Mannes und Frisur der Frau mit den im Buch beschriebenen Protagonisten übereinstimmen.

Mein Fazit: „Resurrexit – Ein Templer fürs Leben“ ist ein Fantasy-Roman, der vor allem durch eine tolle Liebesgeschichte punktet, in der restlichen Handlung und der Buchgestaltung aber auch einige Schwächen aufweist. Für Liebhaber von Romantasy daher zu empfehlen.

[Buchgedanken] Gunnar Kunz: „Lagunenrauner“

In der letzten Zeit habe ich „Lagunenrauner“ von Gunnar Kunz gelesen. Das Buch wurde in der jetzigen Form 2021 im Verlag Monika Fuchs veröffentlicht, die Erstveröffentlichung erschien 2013 unter dem gleichen Titel im Thienemann Verlag (nunmehr Thienemann-Esslinger Verlag GmbH). Der Roman ist als historische Urban Fantasy für Jugendliche einzuordnen, bzw. als fantastisches Jugendbuch. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag Monika Fuchs für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

Venedig 1500. Schwarzer Nebel kriecht auf die Stadt zu, schlängelt sich durch die Lagune, füllt die Kanäle mit etwas Finsterem. Und bringt Krankheit und Tod. Marco, Sohn eines Glasbläsers, und seine Freundin Chiara, die Maskenmacherin, scheinen als Einzige in der Lage zu sein, Venedig zu retten. Doch dabei müssen sie nicht nur gegen uralte Magie kämpfen, gegen Intrigen und Verrat, sondern sich auch dem Flüstern der Lagune ausliefern – und den Fischmenschen, die der Legende nach tief unter der Stadt hausen.

„Lagunenrauner“ ist historische Urban Fantasy für Jugendliche – eher noch für die „Young Adult“-Zielgruppe. Dabei verknüpft der Autor die fantastischen Motive gut mit jugendtypischen Themen wie der ersten, zarten Liebe, einem Wissensdrang und -durst sowie der Rebellion gegen die Eltern (in diesem Fall die erziehungsberechtigten Onkel und Tante) ohne den Schwerpunkt zu stark ins fantastische oder Jugendbuchgenre abgleiten zu lassen.

Auch wenn Urban Fantasy in vielen Definitionen mit Contemporary Fantasy gleichgesetzt wird und damit als Gegenstück der historischen Fantasy gilt, verbleibe ich hier bei der Eingruppierung des Verlages, um klarzustellen, dass es sich um eine historische Geschichte handelt, die in der realen Welt spielt, die lediglich um fantastische Elemente ergänzt wird. Als – somit – historische Urban Fantasy fehlt es dem Roman allerdings – wie der Autor im Nachwort auch zugibt – an historischer Korrektheit, da sowohl das Stadtbild als auch das politische System, die Lebensdaten historischer Persönlichkeiten und auch die Sinkgeschwindigkeit Venedigs angepasst wurden. Egal wie man das Genre nun bezeichnet, sprengt diese massive Abweichung jedoch aus meiner Sicht die Genregrenzen, da die Gesetze der realen Welt geändert, die Geschichte umgeschrieben wird. Hier hätte ich mir mehr Korrektheit gewünscht – die man ohne Zweifel auch den Lesern hätte zutrauen können. Dass der Autor die Möglichkeit dazu gehabt hätte, zeigt auch die unzweifelhaft gute Recherche.

Abgesehen davon ist die Handlung spannend und abwechslungsreich. Der Autor beschreibt das Setting der Stadt Venedig um 1500 bildhaft und anschaulich und verleiht dem Wasser durch Marco eine Stimme, die die Natur des Wassers als – weder gute, noch schlechte – Urgewalt gut einfängt. Dabei lässt sich der Schreibstil des Autors gut und flüssig lesen.

Die einzelnen Charaktere sind größtenteils vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere Chiara und Alessandro begeistern mich hier, während Leonardo zwar lustig, aber überzeichnet wirkt.

Die Buchgestaltung überzeugt hingegen auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist gelungen, zieht sich als Bild über den kompletten Buchumschlag und wirkt insgesamt zielgruppengerechter und erwachsener als das Coverbild der Vorauflage. Die mitgelieferte Karte ist zudem wunderschön anzusehen, wenn auch leicht spoilernd, wenn man sie zu früh studiert.

Mein Fazit? „Lagunenrauner“ ist ein im Wesentlichen überzeugender historischer Fantasyroman, der vor allem durch eine abwechslungsreiche Handlung und ein gelungenes Setting punktet, es aber leider an historischer Genauigkeit vermissen lässt. Für Liebhaber fantastischer Romane dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unter dem bei Amazon gelisteten Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Emily Bold: „Stolen: Verwoben in Liebe“ (Stolen 1)

In der letzten Zeit habe ich „Stolen: Verwoben in Liebe“, den ersten Band einer neuen Fantasyreihe von Emily Bold gelesen. Der Roman ist 2020 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und dem Genre Urban Fantasy / Young-Adult Romantasy zuzuordnen. Es ist bereits mein elftes Buch der mehrfach in meinen Jahreshighlights vertretenen Autorin.

Wenn der erste Junge, den du küsst, deine Seele stehlen will, dann läuft etwas gewaltig schief. So wie bei Abby Woods. Sie hat schon viele Fehler begangen. Diese haben sie nach Darkenhall geführt, eine Londoner Schule, die sich rühmt, auch aus den unbezähmbarsten Schülern bessere Menschen zu machen. Als sie dort dem charismatischen Tristan und seinem geheimnisvollen Bruder Bastian begegnet, begeht sie einen noch viel größeren Fehler. Sie stiehlt Bastians Ring, nicht ahnend, welche Kraft sie damit entfesselt. Denn die Tremblays sind keine gewöhnlichen Schüler, und der Ring kein einfaches Schmuckstück. Abby gerät in große Gefahr und sie muss erkennen: Einen Tremblay küsst man nicht.

Auch wenn man etwas braucht, bis man mit Stolen warm wird, hat sich das Durchhalten definitiv gelohnt. Denn nach einem etwas zähen – und durch die Anlage aller Handlungsstränge sehr sprunghaften – Start, entwickelt sich eine tolle, gefühlvolle und vor allem spannende Handlung. Eingebettet in ein wunderschönes Londoner Setting, wird das Kopfkino sofort angeworfen, und man träumt sich nach Darkenhall (oder an meinen Lieblingsplatz: den Jahrmarkt!).

Dabei besticht der Roman vor allem durch seine tollen Charaktere, auch wenn man diese oftmals schütteln möchte, da man durch das Informationsplus als Leser mehr weiß und sie fröhlich und stur im Dunkeln herumtappen. Trotzdem entwickeln sie sich im Lauf der Handlung weiter, insbesondere Bastians Zerrissenheit und Abbys Gefühle werden von Emily Bold toll eingefangen – man leidet, lacht und weint mit beiden.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich – wie nicht anders zu erwarten – leicht und flüssig lesen, transportiert Gefühle und Bilder. Was mich doch sehr irritierte, war jedoch der sehr krasse Cliffhanger am Ende, den ich in einer solchen Brutalität von Emily gar nicht kenne – zumindest gefühlt. Vielleicht hätte man einfach 1-2 Kapitel vorher aufhören können.

Die Buchgestaltung hingegen ist makellos. Lektorat, Korrektorat und Satz haben sauber gearbeitet und der Buchumschlag ist wunderschön. Ein auch unter dem Buchumschlag toll aussehendes Buch, sowie ein fabelhafter bunter Buchschnitt in limitierter Auflage runden den tollen Gesamteindruck des Hardcovers ab.

Mein Fazit: „Stolen: Verwoben in Liebe“ ist ein toller Auftakt in eine phantastische Buchreihe, der vor allem durch ein wunderschöne Setting und tolle Charakere glänzt, aber auch einen heftigen Cliffhanger bietet – erneut ein potentielles Jahreshighlight. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, allerdings würde ich die vom Verlag empfohlene Altersgrenze (ab 12) minimal höher setzen und das Buch Lesern erst ab 13/14 ans Herz legen.