Vor kurzem habe ich auch „Wolfszone“ von Christian Endres gelesen. Das Buch ist 2024 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.
Deutschland in der nahen Zukunft. Ein heikler Auftrag führt den Berliner Privatdetektiv Joe Denzinger in die brandenburgische Provinz. Direkt hinter dem Dorf Dölmow hat die Bundeswehr einen Wald abgeriegelt, in dem sich ein Rudel Wölfe durch Nanobots und künstliche Intelligenz massiv verändert hat. Und genau hier soll Joe die Erbin eines mächtigen Rüstungsunternehmens finden, die seit Tagen spurlos verschwunden ist. Zwischen Cyborg-Wölfen, Soldaten, Gangstern, Umwelt-Aktivisten und Einheimischen beginnt für Joe eine atemlose Jagd mit ungewissem Ausgang …
„Wolfszone“ ist mein erstes Buch von Christian Endres. Vom Verlag wird das Buch – sichtbar auf dem Cover – als Cyberthriller beworben, in den Pressestimmen, die der Verlag zitiert, wird der Roman teils als Öko-Thriller, teils als Öko-Science-Fiction-Thriller angegeben. Aber auch viele andere Unterarten des Thrillers sind hier denkbar, zum Beispiel zeigt das Buch auch Ansätze eines Politthrillers, ist dystopisch angehaucht, auch wenn es in der nahen Zukunft spielt, und hat durchaus auch Elemente einer Detektiv-Erzählung. Da ich hier keine eindeutige Zuordnung sehe, habe ich es somit bei der übergeordneten Eingruppierung als Thriller belassen.
Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch zwischenzeitlich kleinere Längen vorhanden sind. Dabei wird die Geschichte aus diversen Perspektiven erzählt – aus meiner Sicht hätte man hier auf die von DW-7X verzichten und gegebenenfalls eine mit Rückblenden von Lisa Kraupen einbauen können, die sich mit zunehmendem Fortschritt des Buches immer mehr dem Verschwinden angenähert hätte. Auch kann mich das Ende des Buches nicht überzeugen, spendiert es doch diversen Personen ein Happy-End, das sie zumindest aus (meiner) Lesersicht nicht verdient haben und lässt – problematisch – Konsequenzen für durchaus schwere Verbrechen vermissen.
Das Setting überzeugt hingegen vollends. So entführt der Autor den Leser nach Dölmow, in eine fiktive brandenburgische Kleinstadt der nahen Zukunft – die Mischung aus militärischem Sperrgebiet und einem fast apokalyptisch anmutenden Landstrich, den die Hitze zusätzlich ausdünnt, funktioniert hier sehr gut, das von Christian Endres gezeichnete Szenario ist durchaus glaubhaft. Allerdings wird der Roman neben der Haupthandlung hier mit diversen Themen überfrachtet wie Klimawandel, Migration/Integration, Rassismus, Rüstungskapitalismus, Lobbyismus etc., die zwar alle an und für sich wichtig sind und einen Platz im Buch verdient haben, in der Fülle aber dafür sorgen, dass man nicht allen gerecht werden kann – ein oder zwei weniger hätten hier für eine stärkere thematische Fokussierung gesorgt.
Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Charlotte, Melanie und Sylvia Kraupen, während, beispielhaft, Marija und Richard nicht zwingend nachvollziehbar handeln. Der Schreibstil von Christian Endres lässt sich dafür leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.
Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Buchdeckel ist ansprechend. Zwar wird das Covermotiv leider zum Buchrücken hin unterbrochen und, etwas irritierend, dann auf der Coverrückseite fortgesetzt, nichtsdestotrotz ist die Farbgebung des Umschlags insgesamt sehr gelungen und das Buch somit dennoch optisch ein kleiner Eyecatcher, den man ggf. mit einer leichten Prägung noch hochwertiger hätte gestalten können.
Mein Fazit? „Wolfszone“ ist ein durchaus spannender Thriller, der vor allem mit seinem Setting brilliert, aber auch leichte Schwächen in der Handlung hat. Für Leser:innen des Genres dennoch zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.