[Buchgedanken] Suzanne Collins: „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“

Vor wenigen Tagen habe ich „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ von Suzanne Collins beendet, eine Vorgeschichte zur Weltbestsellertrilogie „Die Tribute von Panem“. Der Roman wurde 2020 in der Verlag Friedrich Oetinger GmbH veröffentlicht, die Originalausgabe erschien ebenfalls 2020 bei Scholastic Press unter dem Titel „The Ballad of Songbirds and Snakes“. Das Buch ist dem Genre Dystopie zuzuordnen.

41O3M07O7sL._SX346_BO1204203200_Ehrgeiz treibt ihn an. Rivalität beflügelt ihn. Aber Macht hat ihren Preis. Es ist der Morgen der Ernte der zehnten Hungerspiele. Im Kapitol macht sich der 18-jährige Coriolanus Snow bereit, als Mentor bei den Hungerspielen zu Ruhm und Ehre zu gelangen. Die einst mächtige Familie Snow durchlebt schwere Zeiten und ihr Schicksal hängt davon ab, ob es Coriolanus gelingt, seine Konkurrenten zu übertrumpfen und auszustechen und Mentor des siegreichen Tributs zu werden. Die Chancen stehen jedoch schlecht. Er hat die demütigende Aufgabe bekommen, ausgerechnet dem weiblichen Tribut aus dem heruntergekommenen Distrikt 12 als Mentor zur Seite zu stehen – tiefer kann man nicht fallen. Von da an ist ihr Schicksal untrennbar miteinander verbunden. Jede Entscheidung, die Coriolanus trifft, könnte über Erfolg oder Misserfolg, über Triumph oder Niederlage bestimmen. Innerhalb der Arena ist es ein Kampf um Leben und Tod, außerhalb der Arena kämpft Coriolanus gegen die aufkeimenden Gefühle für sein dem Untergang geweihtes Tribut. Er muss sich entscheiden: Folgt er den Regeln oder dem Wunsch zu überleben – um jeden Preis.

Die Erwartungen, die die Welt an „Das Lied von Vogel und Schlange hatte“, waren immens, schließlich gehört „Die Tribute von Panem“ zu den Werken, die eine ganze Generation geprägt, und ein immens erfolgreiches Filmfranchise gestartet haben. Mit mehr als 100 Millionen verkauften Büchern gehört die Reihe zu einem sehr illustren Club und verfügt über eine treue und gigantische Fangemeinde. Ein neuer Teil war daher ein großes Risiko, er musste an die alten Erfolge anknüpfen und durfte – viel wichtiger – die Fans nicht enttäuschen, sodass sie sich nicht von der Reihe abwenden. Um das Ergebnis mal vorwegzunehmen – dies ist Suzanne Collins meiner Meinung nach gelungen.

Von der ersten Seite an fühlt man sich in die Welt von „Panem“ zurückversetzt, saugt die Atmosphäre gierig auf und – ja, lernt noch einiges über die Vergangenheit des Kapitols und der Distrikte hinzu. Auch wenn die Handlung teils etwas langatmig ist und einige Sachen naturgemäß vorweggenommen sind durch die spätere Trilogie, kommt jedoch nie Langeweile auf. Der Autorin gelingt es, den Spannungsbogen die ganze Zeit zu halten, und den Leser auch durch unerwartete Wendungen auf falsche Fährten zu locken.

Am beeindruckendsten ist jedoch, dass es Suzanne Collins gelingt, zwischen dem Leser und dem späteren, grausamen Antagonisten der Originaltrilogie eine Bindung zu schaffen. Gleichsam fasziniert und erschrocken folgt man seinem Werdegang und seinen Gedanken, die immer logisch sind und auf der Grenze zwischen richtig und falsch balancieren. Man ertappt sich dabei, mit Snow mitzufiebern und ihm Glück zu wünschen, obgleich in vielen Handlungen und Aussagen bereits der kompromisslose Geist angelegt ist – ein Meisterstück der Charakterentwicklung.

Das Setting überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Düster und archaisch, gezeichnet von den Kriegsfolgen verschwimmen die später manifestierten Gegensätze zwischen Kapitol und Distrikten etwas, und werden doch auf jeder Seite deutlich. Altbekannte Schauplätze und neue Orte sowie kleine, eingestreute Details und Verbindungen sorgen dafür, dass man sich beim Lesen sofort wohlfühlt – trotz der düsteren Atmosphäre.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist klassisch gehalten, aber eindrucksvoll und ein absoluter Eyecatcher. Zusammen mit der Neuauflage der alten Trilogie bildet es einen einheitlichen Gesamteindruck mit hohem Wiedererkennungswert. Zudem wird der Buchschnitt von einem ausklappbaren Schutz bedeckt.

Mein Fazit? „Die Tribute von Panem X: Das Lied von Vogel und Schlange“ ist ein in allen Punkten überzeugender, dystopischer Roman, der vor allem durch ein brillantes Setting und einen wahnsinnig überzeugenden Protagonisten punkten kann. Ein definitives Jahreshighlight, wenn es auch nicht ganz an die schiere Perfektion der Originaltrilogie heranreicht. Für Leser aller Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14.

[Buchgedanken] Kiera Cass: „Promised“ (Hollis 1)

In den letzten Tagen habe ich „Promised“ von Kiera Cass gelesen, den Auftakt zur neuen Dilogie der Autorin einer meiner absoluten Lieblingsbuchreihen („Selection“). „Promised“ ist 2020 bei FISCHER Sauerländer erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „The Betrothed“ bei HarperTeen, HarperCollins Publishers, New York, veröffentlicht. Der Roman ist am ehesten dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen.

51V6fLIOdVL._SX324_BO1204203200_Wie jedes Mädchen am Hofe hofft Hollis, dass sie diejenige ist, die König Jamesons Herz erobert. Als sie auf einem Ball stolpert und ihm buchstäblich in die Arme fällt, verliebt Jameson sich Hals über Kopf in sie. Er beginnt, ihr mit extravaganten Geschenken den Hof zu machen, und Hollis kann ihr Glück kaum fassen. Doch ist das wirklich das Happy End? Der mysteriöse Fremde Silas bringt Hollis‘ Welt ins Wanken. Silas ist kein König. Luxus und Macht kann er ihr nicht versprechen. Aber jeder Blick von ihm trifft sie mitten ins Herz. Die Augen des ganzen Volkes sind auf die zukünftige Königin gerichtet. Und niemand ahnt, welche Stürme in ihr toben, während sie lächelt.

Die Erwartungen, die ich an „Promised“ hatte, hätten kaum höher sein können. Kiera Cass zählt zu meinen absoluten Lieblingsautoren, ihr Meisterwerk „Selection“ fällt immer, wenn ich meine Lieblingsbücher benenne. Umso gespannter war ich, ob „Promised“ an die Perfektion anknüpfen kann. Und auch wenn der Roman nicht ganz an die Brillanz von „Selection“ heranreicht, erfüllt er doch alle Erwartungen und zählt bereits jetzt zu den Jahreshighlights.

Dabei kann der Roman mit einem tollen Setting punkten. Der Gegensatz zwischen der Pracht am Königshof und dem Leben auf dem Land, zwischen der Adelsschicht und den Flüchtlingen, zwischen den Kulturen und Traditionen der Länder – Kiera Cass beschreibt anschaulich und sorgt dafür, dass man sich direkt in die Geschichte hineinversetzt fühlt, dass ein Film vor dem inneren Auge des Lesers abläuft. Dass dabei der Weltenbau noch nicht in allen Details dargestellt wird, stört nicht, schließlich gibt es ja noch einen Folgeband, der hoffentlich dann die offenen Fragen klärt. Der Leser lernt mit Hollis mit, erkundet mit ihr die Welt.

Zu Hollis – aus deren Sicht die Geschichte in der Ich-Perspektive erzählt wird – findet man sofort eine Bindung, auch gerade dank der Erzählperspektive. Man leidet, lacht und weint mit ihr, man spürt ihre Verwirrung und Verzweiflung, aber auch gerade ihre Kraft und Entschlossenheit, ihre Impulsivität und ihren Mut. Auch die Nebencharaktere sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, insbesondere Scarlet und Lady Eastoffe überzeugen mich völlig.

Die Handlung ist – auch genrebedingt – teils vorhersehbar, mit einigen, unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin aber auch, den Leser zu überraschen. Insgesamt wird die Spannung die ganze Zeit gehalten, das anfangs noch eher ruhige Geschehen steigert sich unaufhörlich und gipfelt in einem starken Finale. Dennoch lässt Kiera Cass den Leser nicht mit einem gewaltigen Cliffhanger zurück, sondern sorgt für einen vernünftigen Abschluss des Bandes, der trotzdem den Boden für einen gewaltigen Folgeband bietet. Ich kann es kaum erwarten – und zähle bereits jetzt die Tage bis zum Erscheinungstermin des zweiten Teils im nächsten Jahr.

Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen sauber gearbeitet und nur Kleinigkeiten durchgehen lassen. Das Cover ist ein wahrer, glitzernder Eyecatcher mit einem brillanten, wunderschönen Titelmotiv, die Coverinnenseiten sind ebenfalls ein farblich-glitzernder Traum.

Mein Fazit? „Promised“ ist Young-Adult Romantasy in Reinform mit tollen Charakteren, einem wunderschönen Setting und einer spannenden, wenn auch teils vorhersehbaren Handlung. Bedenkenlos zu empfehlen ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 – und ein sicheres Jahreshighlight!

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „America’s Next Magician“ (Next Magician 2)

Vor wenigen Tagen habe ich „America’s Next Magician“  beendet, den Abschlussband der „Next Magician“-Dilogie von Isabel Kritzer. Das Buch ist 2020 im Drachenmond Verlag erschienen und – wie der Vorgänger – eine bunte Mischung aus Dystopie, Young Adult Romantasy und fantastischem Jugendbuch. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Die Besprechung zu Band 1 kann *hier* abgerufen werden.

~~~ Achtung: Die Besprechung kann milde Spoiler zum Vorgängerband enthalten! ~~~

51xlJGTXLJL._SX350_BO1204203200_25 Länder. 5 mächtige Magicians. Wer herrscht?
Ein verheißungsvoller Kuss, der über die Zukunft entscheidet.
Eine neue Macht, die für das Reich kämpft.
Ein Junge aus dem goldenen Palast, der den Kaiser stürzen will.

Die Regentschaftswahl ist entschieden, die Rebellion entfacht! Eine Serie von Attentaten auf Magicians und ein teuflischer Racheplan drohen California ins Chaos zu stürzen. Gleichzeitig versucht Josephine zu begreifen, was passierte, was Wahrheit und was Lüge ist. Statt Antworten eröffnet ihr ein Besuch bei Tekre Industries, dem bedeutendsten Nachrichtendienst, beunruhigende Geheimnisse. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, als der Kaiser sie in seinen goldenen Palast einlädt. Hightechwaffen beziehen am Himmel Stellung, Totgeglaubte leben und Magie liegt in der Luft.

„America’s Next Magician“ ist ein würdiger Abschluss der Dilogie und knüpft nahtlos und unmittelbar an die Handlung des Vorgängerbandes an. Dadurch hat man die Chance, weiterhin mit den altbekannten Charakteren mitzufiebern, lernt gleichzeitig aber auch neue Figuren kennen.

Auch wenn die Handlung nur langsam in Fahrt kommt, wird der Spannungsbogen grundsätzlich die ganze Zeit gehalten und steigert sich unaufhörlich bis hin zum großen Finale, das – auch wenn ich mir teils einen anderen Ausgang gewünscht hätte – die Erwartungen doch erfüllt. Dabei gelingt es der Autorin, den Leser immer wieder mit unerwarteten Wendungen und neuen Enthüllungen zu fesseln und zu schockieren.

Das – dystopische – Setting ist erneut sehr gut vorstellbar, der Weltenbau wird weiter ausgebaut und angereichert. Auf einige technische Informationen, insbesondere zu den Waffensystemen, hätte ich allerdings verzichten können. Zwar ist Authentizität und Plausibilität auch in fantastischen Welten wichtig, aber es handelt sich schlussendlich nicht um einen Science-Fiction Roman.

Die einzelnen Charaktere – auch in den Nebenrollen – sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken, Schwächen und Ziele. In diesem Band hat mir insbesondere Yasemine sehr gut gefallen. Die Protagonisten entwickeln sich auch im Verlauf der Handlung weiter, lediglich Josis letzte Entscheidung empfinde ich persönlich als Rückschritt.

Die Buchgestaltung ist, wie zu erwarten war, brillant gelöst. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist mit wenigen Ausnahmen wunderschön. Als Kritik auf hohem Niveau könnte man vielleicht anmerken, dass die Initiale zu Kapitelbeginn teils den normalen Text etwas verdecken und man auf die Zusammenfassung von Band 1 hätte verzichten können. Abgesehen davon wird der Buchsatz durch eine Playlist, eine Karte und wundervolle Illustrationen ergänzt. Das Cover von Alexander Kopainski ist erneut ein wahrer Eyecatcher und bildet mit dem Vorgänger ein tolles Reihenbild, das für einen hohen Wiedererkennungseffekt sorgt.

Mein Fazit? „America’s Next Magician“ ist der gelungene Abschluss der „Next Magician“-Dilogie und kann vor allem durch eine spannende Handlung, tolle Charaktere und ein brillantes Setting punkten. Für Leser des Genres bedingungslos zu empfehlen – und bereits jetzt ein potentielles Jahreshighlight.

[Buchgedanken] Ava Reed: „Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ (Ashes 1)

In den letzten Tagen habe ich den ersten Band der „Ashes and Souls“-Dilogie von Ava Reed gelesen. „Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ erschien 2019 als Hardcover in der Loewe Verlag GmbH und ist dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen.

51IniBPiJsL._SX351_BO1204203200_Eine Liebe zwischen Tod und Unsterblichkeit

Prag wird die goldene Stadt genannt, doch Mila sieht dort unendlich viel grau. Denn sie hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann den Tod vorhersehen. Menschen, die bald sterben werden, verlieren in Milas Augen jegliche Farbe. Verzweifelt versucht sie, diesen Fluch loszuwerden, und gerät dabei in den Kampf zwischen Licht und Dunkelheit. Schnell findet sie heraus, dass Himmel und Hölle ganz anders sind, als sie es sich vorgestellt hat. Für welche Seite wird Mila sich entscheiden?

„Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ ist ein beeindruckender Auftakt in eine phänomenale Dilogie, angesiedelt an der Grenze vom fantastischen Jugendbuch hin zu Young-Adult Romantasy, wobei die doch präsente Liebesgeschichte für mich den Ausschlag zu letzterer Genrezuordnung gab. Erzählt in mehreren personalen Erzählperspektiven und vor dem Hintergrund eines fabelhaften Settings in der Stadt Prag schafft die Autorin ein bildgewaltiges Werk, das nicht nur Schwarz und Weiß, sondern auch Grau in allen Schattierungen kennt.

Hierbei punktet das Buch vor allem auch dank seinen Charakteren. Dabei überzeugen nicht nur die Hauptprotagonisten, sondern auch die Nebencharaktere, sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Mila bin ich besonders von Reia und Zech – und natürlich von Mim und Pan angetan (ich meine, wer liebt sie nicht?!).

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten, auch wenn die Handlung teils vorhersehbar ist. Zwar endet das Buch in einem Cliffhanger, dieser ist aber erstaunlich moderat. Insgesamt sorgt er jedoch dafür, dass man Teil 1 keinesfalls als Standalone lesen kann – was man aber nach der wirklich tollen Lektüre auch nicht möchte.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und flüssig lesen – und ist bildhaft, sodass das Kopfkino sofort anspringt. Trotz der personalen Erzählperspektive gelingt es Ava zudem, zwischen dem Leser und den Protagonisten, insbesondere zu Mila, ein Band aufzubauen, man leidet, lacht und weint mit ihr, sodass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls überragend, Lektorat, Satz und Korrektorat haben sauber gearbeitet. Beim Cover hat sich Covergott Alexander Kopainski mal wieder selbst übetroffen und ein wunderschönes Titelbild gezaubert, das zudem hochwertig geprägt ist. Lediglich unter dem Schutzumschlag kommt das Buch etwas eintönig daher.

Mein Fazit? „Ashes and Souls – Schwingen aus Rauch und Gold“ ist ein wundervoller Reihenauftakt, der vor allem dank seiner tollen Charaktere und eines wunderschönen Settings punkten kann und viele Fragen für den Folgeband offenlässt. Für Genreleser bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 Jahren. Wenn der Folgeband, der bereits auf meinem SuB liegt, das Niveau halten kann, ist der Dilogie die Aufnahme in meine Jahreshighlights wohl nicht zu nehmen.

[Buchgedanken] Beatrix Gurian: „Alabasterball: Der Fluch der letzten Küsse“

Vor dem Aufbruch nach Leipzig habe ich „Alabasterball: Der Fluch der letzten Küsse“ von Beatrix Gurian gelesen. Das Buch ist 2019 in der Arena Verlag GmbH erschienen und dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen. Normalerweise wäre dies hier meine Rezension, die ich traditionell auf der Leipziger Buchmesse schreibe. Aufgrund des Veranstaltungsausfalls erfolgt die Besprechung heute allerdings aus dem Hotel.

51OfU-Y8zsL._SX354_BO1204203200_Sechs Tänzer gehen auf den Ball ihrer Träume. Fünf haben die Chance auf das große Glück. Einer bezahlt dafür mit seinem Leben …

Als Amy die Einladung für den sagenumwobenen Alabasterball in den Händen hält, glaubt sie, ihrem Ziel einen Schritt näher zu sein. Sie möchte Ballkönigin werden. Vor allem aber muss sie dort, auf der abgelegenen Insel Kallystoga, ihre Schwester finden, die vor einem Jahr an der märchenhaften Ballnacht teilnahm – und nie wieder zurückkam. Doch mit jedem Tanz, den Amy auf Kallystoga tanzt, deckt sie ein neues Geheimnis auf. Ein Geheimnis, das nicht nur den Ball selbst infrage stellt, sondern auch ihre Gefühle zu dem attraktiven Matt, der ihr Herz wie kein anderer zum Schmelzen bringt …

„Alabasterball“ von Beatrix Gurian ist ein solides Buch für jugendliche Leser, das sein enormes Potential leider nicht gänzlich ausschöpft. Nach der wahnsinnig interessanten und genialen Grundprämisse hätte hier das Potential für ein Jahreshighlight bestanden, zurück bleibt immerhin ein durchaus lesenswertes Buch. Etwas vermessen ist daher auch der im Werbetext gezogene Vergleich zu „Rubinrot“ und „Selection“, die beide zu den absoluten Meisterwerken des Genres gehören.

Nichtsdestotrotz kann „Alabasterball“ mit einem wunderschönen Setting punkten. Die Insel Kallystoga, das Anwesen der Strandhams – Beatrix Gurian erschafft malerische Bilder, die es dem Leser erlauben, sich ebenfalls auf die Insel zu träumen. Zudem ist die Handlung spannend und – das muss man der Autorin zugutehalten – abwechslungsreich und teils unvorhersehbar. Allerdings wird dabei die Handlung gleichsam immer abgedrehter und wirrer, überladener und wartet mit Logiklücken auf.

Auch die Charaktere bleiben teils etwas blass, insgesamt sind sie aber sympathisch und man kann sich gut mit ihnen identifizieren, insbesondere auch mit den Nebenfiguren Millie, Lilja und Ryan. Diese entwickeln sich durchaus auch weiter. Zudem ist erkennbar, dass die Autorin versucht hat, allen Figuren eigene Motive und Ziele, eigene Stärken und Schwächen zu geben.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und flüssig lesen und sorgt dafür, dass das Kopfkino sofort anspringt. Punktuell hätte ich mir allerdings noch genauere Beschreibungen gewünscht, um die sehr visuelle Handlung des traumhaften Balles noch stärker zu untermalen.

Die Buchgestaltung hingegen vermag auf ganzer Linie zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, und das Cover aus der Schmiede des Covergottes Alexander Kopainski ist ein wahrer Eyecatcher und der Hauptgrund, warum mir das Buch überhaupt ins Auge gefallen ist.

Mein Fazit? „Alabasterball: Der Fluch der letzten Küsse“ ist ein gutes Buch, das durch ein traumhaftes Setting und eine tolle Grundprämisse glänzt, sein Potential aber leider nicht ganz ausschöpft. Für Leser ab 12 dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Emily Bold: „UNVERGÄNGLICH wir“ (The Curse 3)

In den letzten Tagen habe ich den finalen Band der „Curse“-Trilogie von Emily Bold gelesen. „UNVERGÄNGLICH wir“ erschien in der aktuellen Ausgabe 2019 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger GmbH, die Erstausgabe wurde 2014 im Selfpublishing bei Books on Demand veröffentlicht. Das Buch ist am ehesten dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen, meine Besprechung zu den Vorgängern findet ihr hier (Band 1, Band 2).

~~~ Achtung! Die nachfolgende Besprechung kann milde Spoiler zu den Vorgängerbänden enthalten ~~~

51PcUi8LD3L._SX342_BO1204203200_Sam will nur noch eines: ein normales Leben mit Payton führen. Doch das Schicksal macht ihr einmal mehr einen Strich durch die Rechnung. Nicht nur, dass Sam von einer Entdeckung erschüttert wird, die alles verändert, auch ihre Liebe muss einer harten Zerreißprobe standhalten: Weder sie noch Payton schaffen es, das Geschehene hinter sich zu lassen. Bald muss sich Sam der Frage stellen, erneut in die Vergangenheit zu reisen oder diese für immer ruhen zu lassen …

Auch der dritte, finale Band der Trilogie knüpft nahtlos an die Vorgängerbände an und schreibt die Handlung fort bzw. verändert diese. Und hier wären wir direkt wieder bei dem einzigen wirklichen Problem, das ich seit dem zweiten Teil mit der Reihe habe. Das Konzept der Zeitreisen, wie es hier angelegt ist, wirft – so man denn bei Zeitreisen wirklich davon sprechen kann – logische Ungereimtheiten auf. Dabei geht Emily Bold in diesem Buch sogar noch weiter und schreibt mit ihren Figuren nicht nur die Vergangenheit instant neu, sondern lässt auch noch Figuren auf ihr vergangenes Ich treffen – ein wahres Kuddelmuddel und schwerlichst erklärbar.

Abgesehen davon gelingt es der Autorin erneut, vor dem brillanten Setting der schottischen Highlands eine durchaus spannende, wenn auch teils vorhersehbare Geschichte zu schreiben, die man direkt durch die Augen von Sam erlebt. Dabei überrascht Emily damit, in diesem Band einen stärkeren Fokus auf die Antagonisten zu legen, die dadurch komplexer, menschlicher, ja sogar teils sympathischer werden.

Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und leicht lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen, sodass man als Leser an das Buch gefesselt wird. Man leidet, lacht und weint mit den Protagonisten, zu denen man sofort eine Bindung aufbaut. Und ja, manchmal möchte man sie auch schütteln.

Die Buchgestaltung ist – wie gewohnt – brillant. Lektorat, Korrektorat und Satz haben sauber gearbeitet, das Cover ist sehr hochwertig geprägt, wunderschön und mit Klappen versehen. Gebetsmühlenartig wiederhole ich aber auch, dass ich mir bei einem so hochwertigen Druck farbige Coverinnenseiten gewünscht hätte. Eine Dramatis Personae, ein gälisches Wörterbuch und eine Erklärung von Runensteinen sowie ein Nachwort der Autorin zum Thema Zeitreisen und Schicksal runden das tolle Gesamtbild ab.

Mein Fazit? „UNVERGÄNGLICH wir“ ist ein ohne Zweifel spannendes, hochemotionales Finale, das den Leser auf eine Gefühlsachterbahn mitnimmt, sodass er das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Kleinere Logikfehler sind dabei zu verschmerzen und mindern das Lesevergnügen nicht – für Leser des Genres bedenkenlos zu emfephlen, und etwa ab 14 Jahren.

Insgesamt hat die Autorin eine solide Trilogie geschaffen, die brillant anfängt und nur leicht nachlässt. Sie erzählt eine fantastische Liebesgeschichte mit starken Gefühlen, tollen Bildern und interessanten Charakteren. Das dabei teils die Logik etwas herunterfällt, kann vernachlässigt werden.

 

[Buchgedanken] Emily Bold: „UNENDLICH dein“ (The Curse 2)

In den letzten Tagen habe ich „UNENDLICH dein“ von Emily Bold gelesen, den zweiten, neuaufgelegten Band ihrer Trilogie „The Curse“. Das Buch wurde 2019 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH veröffentlicht, die Originalausgabe erschien 2012. „UNENDLICH dein“ ist am ehesten dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen, die Besprechung des Vorgängerbandes kann *hier* abgerufen werden.

~~~ Die nachfolgende Besprechung kann Spoiler zum Vorgängerband enthalten! ~~~

51eooa05M6L._SX337_BO1204203200_Nachdem Vanoras Fluch gebrochen ist, sollte das Glück von Sam und Payton eigentlich perfekt sein. Wäre da nicht die Tatsache, dass die böse Hexe Nathaira mit ihrem letzten Atemzug Payton erneut einen Fluch aufbürdet: Da seine große Liebe Sam überlebt hat, soll er nun an ihrer Stelle sterben. Sam macht sich fieberhaft auf die Suche nach einer Lösung. Diese führt sie nicht nur zurück an den Ort, an dem alles begann, sie zeigt ihr auch, dass die Liebe über die Zeiten hinweg existiert …

„UNENDLICH dein“ schließt nahtlos an den Vorgängerband an und setzt die Handlung fort. Dabei trifft der Leser nicht nur altbekannte und geliebte Charaktere, sondern lernt auch neue Figuren kennen. Etwas schade fand ich allenfalls, dass sich meine Hoffnung, mehr von Ashley und Sean zu erfahren, handlungsbedingt nicht erfüllte. Aber es gibt ja noch Teil drei … 🙂

Durch die ideale Erzählperspektive (Ich-Erzählung aus Sicht von Sam mit eingestreuten weiteren personalen Erzählern) erfährt der Leser die Handlung aus erster Hand, kann sich gut mit Sam identifizieren, leidet, lacht und weint mit ihr. Auch wenn ihre Handlungen nicht immer ganz nachvollziehbar sind, entwickelt sich Sam dennoch im Verlauf der Geschichte weiter.

Insgesamt ist die Handlung durchaus auch spannend, obwohl teils vorhersehbar und ja bereits bekannt. Durch die eingestreute Zeitreise und die verschiedenen Zeilinien wird sie auch komplexer. Dabei gelingt es der Autorin, die einzelnen Handlungsstränge gut miteinander zu verknüpfen, auch wenn das Umschreiben der Vergangenheit mir doch etwas unlogisch erscheint.

Brillant hingegen ist das malerische und traumhafte Setting des Schottlands der Vergangenheit. Genauso gelungen: die versteckte Hommage an „Outlander“ im Text. Insgesamt kommt der zweite Teil jedoch nicht ganz an die annähernde Perfektion des ersten Bandes heran, der daher ja auch in den erweiterten Kreis meiner Jahreshighlights 2019 aufgenommen wurde.

Die Buchgestaltung überzeugt erneut auf ganzer Linie. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, zudem wird das Buch mit einem gälischen Wörterbuch und einer Dramatis Personae abgerundet. Das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher mit farbigen Klappen und hochwertig geprägt. Es passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Bei einem so wertigen Buch hätte ich mir allerdings noch farbige Coverinnenseiten gewünscht.

Mein Fazit: „UNENDLICH dein“ ist eine gelungene Fortsetzung der „The Curse“-Trilogie, die vor allem mit einem brillanten Setting punktet. Auch wenn die Handlung nicht ganz an Buch eins heranreicht, bietet sie viel Potential für den abschließenden Band der Reihe. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – in etwa ab 14 Jahren.

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „California’s Next Magician“ (Next Magician 1)

Vor kurzem habe ich „California’s Next Magician“ gelesen, den Auftaktband der zauberhaften Next-Magician-Dilogie von Isabel Kritzer. Das Buch ist 2019 im Drachenmond Verlag erschienen, der Nachfolgeband „America’s Next Magician“ erscheint im März 2020 und ist bereits beim Verlag vorbestellbar.

25 Magicians. 5 magische Aufgaben.
Wer überlebt? Ein silberner Brief, der fünfundzwanzig Schicksale besiegelt. Eine neue Weltordnung, errichtet durch die Magie von vier Gilden. Ein Mädchen aus den Glastürmen, dessen Mut alles verändert.

51AjXFRDZCL._SX350_BO1204203200_Magische Aufgaben und starke Konkurrenten erwarten Josephine im Schloss, als ein Brief sie zur Teilnahme an der Regentschaftswahl Californias verpflichtet. Modernste Technik soll die dauerhafte Übertragung des Geschehens im Land gewährleisten und ein Abgesandter des Kaisers die Fairness wahren. Doch der momentane Regent denkt gar nicht daran, abzudanken. Während Josephine großes magisches Potenzial entwickelt, wird schnell klar: Es gibt kein Entkommen! Weder vor den Kameras und den gefährlichen Aufgaben der Wahl, noch vor den Mordanschlägen auf sie. Und schon gar keine Zukunft für ihre geheime Liebe – oder?

„California’s Next Magician“ erfüllt die hohen Erwartungen, die ich im Vorfeld hatte, völlig, ist aber auch perfekt auf meinen Lesegeschmack zugeschnitten. Als Mischung aus „Selection“ und „Tribute von Panem“, gewürzt mit einem Schuss Magie und garniert mit einer, allerdings etwas im Hintergrund stehenden, Liebesgeschichte, ist das Buch ein wahrer Pageturner und sorgt dafür, dass man es am liebsten gar nicht aus der Hand legen möchte.

Diese Kombination zeigt aber auch ein kleines Problem des Buches: eine Genrezuordnung fällt mir nicht leicht, deshalb habe ich sie auch oben unterlassen. So sind sowohl dystopische Anklänge, als auch Elemente der Urban Fantasy vorhanden – von Young-Adult-Romantasy ganz zu schweigen. Vielleicht könnte man sich auf „fantastisches Jugendbuch“ einigen, aber zum Glück muss ich diese Entscheidung ja nicht treffen :).

Die Handlung ist hochspannend, der Autorin gelingt es, mit mehreren unerwarteten Wendungen den Leser immer wieder im Unklaren zu lassen. Der Weltenbau überzeugt ebenfalls im Großen und Ganzen, wenn auch hier durchaus noch Lücken sind, die hoffentlich durch den Nachfolgeband geschlossen werden. Durch die (perfekte) Wahl der Erzählperspektive, einer Ich-Erzählung aus Sicht der Protagonistin, lernt der Leser mit ihr zusammen die Welt kennen, kann sich gut mit ihr identifizieren, leidet, lacht und verzweifelt mit ihr – ich bin immer noch leicht schockverliebt!

Die einzelnen Charaktere sind insgesamt vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Schwächen, Stärken, jeweils eigene Ziele und Motive – und entwickeln sich auch im Laufe der Handlung weiter. Dabei hoffe ich, in Band zwei vielleicht auch von einigen meiner bevorzugten Nebencharaktere (Majlin und Rayn) noch mehr zu lesen.

Als dystopisch-angehauchter Roman wartet „California’s Next Magician“ zudem mit einigen gesellschaftskritischen Elementen auf. Egal, ob es sich um das Thema Umweltschutz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder um Fragen von autokratischen Herrschaftssystemen handelt, Isabel Kritzer gelingt es, ohne belehrend zu wirken, in Form einer fantastischen Geschichte eigene Meinungen und Überzeugungen zu vermitteln – vor dem Hintergrund eines anschaulichen, und wirklich brillanten Settings. Dabei ist der Schreibstil der Autorin leicht und flüssig lesbar, humorvoll und hochemotional.

Die Buchgestaltung ist – wie im Verlag üblich – überzeugend. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist schön und wartet zudem mit einer Illustration, einer Weltkarte und einer Playlist auf. Das Cover hingegen ist brillant – ein wahrer Eyecatcher, ein wirkliches Meisterwerk von Covergott Alexander Kopainski, auf das auch eine meiner Stimmen im Lovelybook Leserpreis 2019 entfiel.

Mein Fazit? „California’s Next Magician“ ist ein überzeugender Auftakt in eine magische Dilogie, der vor allem durch eine spannende Handlung, tolle Charaktere und ein wunderschönes Setting brilliert. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14.

Wenn es dem zweiten Band – den ich übrigens kaum noch erwarten kann – gelingt, letzte Lücken im Weltenbau zu schließen und die Handlung nahtlos und genauso spannend weiterzuführen, ist der Dilogie ein Platz in meinen Jahreshighlights 2020 bereits jetzt kaum zu nehmen.

 

[Buchgedanken] Emily Bold: „UNSTERBLICH mein“ (The Curse 1)

Vor kurzem habe ich „UNSTERBLICH mein“, den ersten Band der Neuauflage von Emily Bolds „The Curse“-Reihe gelesen. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2019 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger GmbH erschienen und mein Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!). Die Erstveröffentlichung erfolgte 2011 im Selfpublishing. Das Buch ist dem Genre Young-Adult Romantasy zuzurechnen.

51iiBRSCUmL._SX336_BO1204203200_Um ihre Geografie-Kenntnisse aufzubessern, verbringt Samantha ihre Ferien in Schottland. Kaum bei ihrer Gastfamilie angekommen, wird sie von den Sagen und Mythen des Landes in den Bann gezogen. Genau wie von dem geheimnisvollen Payton, der ein düsteres Geheimnis zu verbergen scheint. Payton ist über zweihundert Jahre alt, für immer gefangen im Körper eines Neunzehnjährigen und dazu verflucht, keine Emotionen zu empfinden – bis er Sam begegnet, die ihn endlich wieder etwas fühlen lässt. Doch mit jedem Schritt in Paytons Richtung rückt Sam einer grausamen Wahrheit näher, die in den Wirren der Zeit versteckt ist.

„UNSTERBLICH mein“ ist ein überaus gelungener Auftakt in die Geschichte um Sam und Payton. Eingebettet in das unglaublich schöne Setting der schottischen Highlands, behandelt das Buch in zwei Zeitebenen die großen Fragen des Lebens: Liebe und Tod, Treue und Verrat. Auch wenn die Handlung dabei teils vorhersehbar bleibt, wird der Spannungsbogen die ganze Zeit gehalten und der Leser so ans Buch gefesselt – auch durch die gelungene Wahl der Haupterzählperspektive, der ich-Perspektive von Sam, mit der man sich auf diese Weise gut identifizieren kann. Sofern die Autorin doch mal in eine andere Perspektive wechselt, werden diese in personaler Form erzählt.

Im Großen und Ganzen sind die Charaktere vielschichtig, dreidimensional angelegt und haben eigene Stärken und Schwächen, wenn sie sich teils auch irrational verhalten oder etwas schwer von Begriff sind :). Insbesondere Sam, entwickelt sich hier im Laufe des Buches weiter, und ich würde mich freuen, in den Nachfolgebänden vielleicht mehr über Ashley und Sean zu erfahren.

Emily Bolds Schreibstil ist flüssig, leicht lesbar, bildhaft und sehr einfühlsam, und bringt einem die Welt von Schottland nahe. Bereits mit der ersten Seite beginnt das Kopfkino zu laufen und zieht den Leser in die Handlung. Diese endet übrigens mit einem vernünftigen Abschluss – und nicht, wie derzeit in Mode, mit einem brutalen Cliffhanger. Danke daür! 🙂 So oder so lässt der Roman genug Raum und offene Fragen für die Nachfolgebände, die ich bereits kaum erwarten kann.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, und das Cover ist wunderschön anzusehen, hochwertig geprägt und mit ausklappbaren, ebenfalls geprägten Klappen versehen. Einziger Wermutstropfen: bei einer solch liebevollen und detaillierten Gestaltung hätte ich mir farbige Coverinnenseiten gewünscht, diese fehlen leider. Ein gälisches Wörterbuch und eine Dramatis Personae am Ende runden das dennoch fantastische Gesamtpaket ab.

Mein Fazit: „UNSTERBLICH mein“ ist ein überzeugender Young-Adult Romantasy Roman, der vor allem mit seinem tollen Setting und einer spannenden Handlung punkten kann, aber nicht ganz an die brillante „Silberschwingen“-Dilogie (Teil 1, Teil 2) heranreicht. Dennoch bin ich sehr auf die Nachfolgebände gespannt, und kann das Buch bedenkenlos jedem Leser des Genres ans Herz legen. Die vom Verlag vorgeschlagene Altersempfehlung würde ich allerdings minimal korrigieren und das Buch ab einem Alter von 13/14 empfehlen.

[Buchgedanken] Nina MacKay: „Black Forest High: Ghostseer“ (BFH 1)

Pünktlich zur Buchmesse – und direkt aus dem Zug – möchte ich Euch noch ein Buch vorstellen, das ich in den letzten Tagen gelesen habe. „Black Forest High: Ghostseer“ von Nina MacKay ist 2019 bei ivi erschienen, einem Imprint der Piper Verlag GmbH, und am ehesten dem Genre Low Fantasy zuzurechnen – auch wenn sich diese Klassifizierung mit den Folgebänden durchaus auch in Richtung Young-Adult-Romantasy verschieben könnte. Das mir vorliegende Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!).

512BfMxVix2L._SX327_BO1204203200_Was, wenn die Auserwählte tot ist und du ihren Platz einnehmen musst? Die Black Forest High ist die Schule für Geisterjäger, Exorzisten und Geistermedien. Als Seven mit ihrem besten Freund, dem Geist Remi, die Schule zum ersten Mal betritt, macht sie das nicht nur bei den gutaussehenden Zwillingen Parker und Crowe interessanter als ein Geist mit zwei Köpfen. Neben ihrer Abneigung gegen den Unterricht im Exorzismus lässt Sevens Gerechtigkeitssinn sie schnell am Leitsatz der Black Forest High zweifeln: »Wer über die Toten herrscht, beherrscht auch die Lebenden«. Warum halten das alle für normal? Und warum verschwinden zahlreiche Schulabgänger spurlos? Zu allem Überfluss scheinen es sämtliche Poltergeister ausgerechnet auf sie abgesehen zu haben …

„Black Forest High: Ghostseer“ ist ein mehr als gelungener Auftakt in eine neue Buchreihe. Rasant und witzig, voller popkultureller Anspielungen, emotional und magisch – Nina MacKay sorgt dafür, dass man als Leser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Unerwartete Wendungen und neue Erkenntnisse sorgen immer wieder für Überraschungen und Spannungsspitzen – auch wenn ich der Autorin den Cliffhanger am Ende etwas übel nehme :).

Sowohl Setting, als auch Weltenbau überzeugen auf ganzer Linie. Die Gegensätze zwischen dem ländlichen Setting in Utah und der verwunschenen Schule im düsteren Schwarzwald werden klar und anschaulich beschrieben und erlauben es dem Leser, sich dorthin zu träumen. Der – bei einer Geschichte, die in der realen Welt spielt, nur in Grenzen mögliche – Weltenbau punktet vor allem mit dem (der Einfachheit halber mal so bezeichneten) Magiekonzept. Geister, Geistfähigkeiten, politische Strömungen werden eingeführt. Da man sie zusammen mit der Protagonistin Seven kennenlernt, ist es gar nicht wichtig, dass hier vereinzelte Puzzleteile noch fehlen, um ein wirklich schlüssiges und aussagekräftiges Bild zu schaffen. Ich bin mir sicher, dass sich dies nach und nach mit Fortsetzung der Reihe weiter aufbaut und vervollständigt.

Die Charaktere sind plastisch und dreidimensional gezeichnet. Sie haben Stärken, Schwächen, eigene Motive und Ziele. Dabei überzeugen auch – und gerade – die Nebencharaktere, insbesondere Varla. Gut gefällt mir in dem Zusammenhang auch die Wahl der Erzählperspektive, die es dem Leser ermöglicht, sich durch die Ich-Perspektive von Seven noch stärker mit ihr als Protagonistin zu identifizieren. Sofern doch andere Perspektiven notwendig für die Handlung waren, werden diese klar abgegrenzt, betitelt und in peronaler Erzählperspektive dargestellt.

Die Buchgestaltung ist phänomenal gelungen. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat überzeugen auf ganzer Linie. Das Cover ist hochwertig geprägt und besitzt ausklappbare, farbig Coverinnenseiten. Dabei wird das wunderschöne, blasse und mystische Titelbild auf den Innenseiten aufgegriffen und sorgt für einen tollen Gesamteindruck.

Mein Fazit? „Black Forest High: Ghostseer“ ist in in allen Punkten überzeugender Auftakt in eine neue – hoffentlich langlebige – Buchreihe um Geisterseher in der realen Welt. Dabei punktet der Roman vor allem mit tollen Charakteren, einer spannenden und witzigen Handlung und einem gelungenen Setting – und lässt dabei genug offene Fragen und Spielraum für die Folgebände. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – idealerweise erst ab 14 Jahren (wie auch vom Verlag empfohlen).