[Buchgedanken] Tatjana Kruse: „Mumien morden mittwochs nie“

Vor kurzem habe ich auch „Mumien morden mittwochs nie“ von Tatjana Kruse gelesen. Das Buch ist 2025 unter dem Label Haymonkrimi in der Haymon Verlag Ges.m.b.H. veröffentlicht worden und als humoristischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Polly kann es nicht fassen! Der wohl wichtigste Augenblick in ihrer bisherigen Karriere entpuppt sich als absolute Katastrophe. Der Museumsdirektor hat die Ausstellung mit verloren geglaubten Artefakten aus der siebten Dynastie zu einer Entertainmentveranstaltung gemacht. Und zu allem Überfluss muss Polly sich auch noch wahnwitzige Theorien zu einem angeblichen Fluch der Mumie anhören. Als allerdings ein Museumsangestellter nach dem anderen spektakulär zu Tode kommt, muss sich plötzlich auch Polly fragen, ob hier etwas Paranormales im Gange ist …

„Mumien morden mittwochs nie“ ist mein erster Roman der Autorin Tatjana Kruse, die als Markenzeichen Krimis mit Komödien verknüpft. Daher wird das Buch auf dem Cover auch konsequenterweise vom Verlag als Krimödie betitelt, in der Genrezuordnung habe ich es dennoch bei einem humoristischen Kriminalroman belassen, wobei das Buch im besten Stile an Kammerspiele von Agatha Christie erinnert – nur viel schwarzhumoriger. Zugleich bietet der Roman – als Standalone angelegt – viel Potential für Folgebände.

Denn die Handlung kann vor allem dank der abstrusen Szenen glänzen. Auch wenn es anfangs hierbei noch kleinere Längen gibt, entwickelt sich der Roman spätestens in der zweiten Hälfte zum absoluten Pageturner, ist hierbei abwechslungsreich, spannend und kurzweilig. Und auch das Ende vermag zu überraschen – lediglich auf den nachgeschobenen Epilog hätte man meines Erachtens verzichten können. Gleichsam ist die Handlung durchaus schonungslos brutal – auch wenn der Großteil der Gewalt nicht live miterlebt wird.

Auch das Setting kann brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in ein futuristisch-entworfenes Design-Museum, das an das Guggenheim-Museum in Bilbao erinnert – und trotz des kammerspielartigen Settings, bei dem das Gebäude nicht verlassen wird, daher dennoch viele verschiedenen Schauplätze bietet. Dabei gelingt es Tatjana Kruse, nicht nur den Krimi mit archäologischem und geschichtlichem Wissen zu bereichern, sondern am Rande auch Themen wie Stigmatisierung, Beutekunst, Hochstapelei und noch viele weitere in den Roman mit einzubinden.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugt neben Polly vor allem der absolute Leser:innen-Liebling Daphne, von der ich gern weitere Geschichten lesen würde, während Timothee etwas blass und eindimensional verbleibt. Tatjana Kruses Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist humorvoll und wortgewaltig.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist solide und wartet mit interessanten Kapiteleinleitungen auf. Der Umschlag ist auf dem Cover, dem Buchrücken und der Coverrückseite leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird irritierenderweise nur partiell zum Buchrücken hin unterbrochen, ist sonst farblich zwar auffällig, insgesamt aber eher eintönig und kein klassischer Eyecatcher. Allerdings kann die Typografie überzeugen.

Mein Fazit? „Mumien morden mittwochs nie“ ist ein unglaublich abstruser, schwarzhumoriger Kriminalroman, der mit seinem tollen Setting, starken Protagonist:innen und vor allem mit dem genretypischen Humor punkten kann. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Marcel Huwyler: „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ (Violetta Morgenstern 7)

Vor kurzem habe ich auch „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler gelesen. Das Buch ist 2025 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Violetta Morgenstern, pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin im Namen des Staates, hat ein neues Privatleben: Sie wohnt als Patchwork-Oma mit ihrem Kollegen Miguel Schlunegger und dessen Zwillingstöchtern zusammen. Zum Glück rettet sie ein neuer Auftrag vom Killerministerium „Tell“ aus dem Familien-Chaos. Violetta und Miguel sollen einen Archäologen eliminieren. Der hat in Ägypten einen rätselhaften Fund gemacht, der die Geschichtsschreibung verändern könnte. Doch als die beiden zur Tat schreiten wollen, kommt ihnen ein Unbekannter zuvor …

„Violetta Morgenstern und die Offenbarung“ ist mein erster Roman der bisher siebenteiligen Reihe um die pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin Violetta Morgenstern – und es wird sicherlich nicht mein letzter bleiben. Dabei lässt sich das Buch gut als Standalone lesen, die Reihe sich jedoch gar nicht so einfach kategorisieren, zeigt sie doch parodistische Ansätze, ist eine Mischung aus Agententhriller und in einem Handlungsstrang sogar fast Cosy Crime. Ich habe es der Einfachheit halber daher bei der auf dem Cover festgehaltenen generalisierten Eingruppierung als Kriminalroman belassen.

Die Handlung ist unglaublich humorvoll, spannend und kurzweilig – ein wahrer Pageturner und Jahreshighlight. Dabei gelingt es Marcel Huwyler ernste Themen und absurde Situationen und Konstellationen aneinanderzureihen, sodass man sich als Leser:in zu jeder Zeit gut unterhalten fühlt. Auch das Ende vermag zu überzeugen, wenn es auch etwas schnell und hastig kommt – ein paar mehr Seiten zum Schluss hätten der Story sicherlich nicht geschadet. So oder so verbleibt aber viel Potential für noch viele weitere Morgenstern-Geschichten – ich denke, ich spreche für alle, wenn wir uns hier noch mehr wünschen.

Denn auch das Setting brilliert. So entführt Marcel Huwyler die Leser:innen nicht nur geografisch in die Schweiz, sondern vor allem auch sprachlich und kulturell – Dialekt, kreative Wortschöpfungen und ganz viel schweizerisches Lebensgefühl inklusive. Dabei vermengt der Autor zudem gekonnt die Thriller-/Krimihandlung mit parodistischen Elementen, die auf jeder Seite einen unglaublichen Humor durchscheinen lassen. Gleichsam werden dennoch auch wichtige Themen angesprochen wie Einsamkeit im Alter, die Situation von Alleinerziehenden und die Rebellion gegen gesellschaftliche Konventionen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei glänzen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ida, Frida und Werner Gottlieb, aber auch Violetta Morgenstern brilliert in ihrer Rolle als pensionierte Lehrerin und Auftragskillerin, lediglich Miguel überzeugt mich nicht vollends – aber ggf. können die anderen Bände hier das Bild abrunden. Marcel Huwylers Schreibstil ist hingegen – wie bereits angedeutet – unglaublich humorvoll und lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist solide, das Buch insgesamt eher schmucklos. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, der Buchumschlag insgesamt ist farblich durchaus ansprechend aber kein Eyecatcher. Das Covermotiv bietet zumindest abstrakte Anklänge zur Buchreihe, wenn auch nicht zur konkreten Handlung des Bandes, passt sich insgesamt aber gut in das Gesamtgefüge der Reihe ein und sorgt für Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ ist ein fast perfekter, parodistischer Kriminalroman, der vor allem mit seinem unglaublichen Humor und viel Lokalkolorit überzeugen kann. Für Leser:innen des Genres – auch als Neueinstieg in die Reihe – bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Mainblüte“ (Buck & Lange 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mainblüte“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing über BoD (Books on Demand GmbH) veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Licht- und Luftbad am Frankfurter Mainufer liegt die Leiche eines Kindes. Der Junge trägt ein weißes Kleid und ruht in einem Meer aus Blütenblättern. Alle Anzeichen deuten auf einen selbst gewählten Tod – und eine selbst gewählte Identität: Tyra. Aber wer ist Tyra? Sebastian Buck, Frankfurter wider Willen, und seine Kollegin Maike Lange machen sich auf die Suche nach Antworten. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, denn Tyra hat eine Schwester, die nur eines will: Rache.

„Mainblüte“ ist nach „Strohtod“ der zweite Band der Reihe um Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und Kriminaloberkommissarin Maike Lange – mittlerweile existiert mit „Branderbe“ auch ein dritter Teil. „Mainblüte“ lässt sich dabei gut als Standalone lesen, werden doch relevante Stationen der Vergangenheit von beiden Protagonist:innen erklärt und eingebunden, sodass man nicht das Gefühl hat, den ersten Teil zu vermissen. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht ganz leicht, ich habe es der Einfachheit halber bei der Einordnung der Autorin als „Kriminalroman“ belassen.

Denn die Handlung entspricht durchaus nicht einem klassischen Krimi, liegt doch weder ein Verbrechen vor, noch muss groß ermittelt werden. Vielmehr zeigt das Buch Anklänge an einen Jugendthriller, an einen Schicksalsroman und an Gegenwartsliteratur – halt mit Polizist:innen. Insbesondere in der ersten Hälfte ist das Buch daher eher ereignisarm, aber nichtsdestotrotz sehr interessant und abwechslungsreich, auch wenn die Vielzahl an behandelnden Themen von (u.a.) Transidentität, Cybermobbing, sexuellem Missbrauch Schutzbefohlener, Integrationsmängeln, Queerfeindlichkeit, Patchworkfamilien, Gewaltausbrüchen und Suizid dafür sorgt, dass man hier eher an der Oberfläche verbleibt.

Dennoch kann das Setting überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Frankfurt am Main, aber nicht in die schillernde Bankmetropole sondern eher in die verschiedenen Milieus zwischen Eckkneipen und verlassenen Freibädern, auch wenn hier manchmal durchaus Klischees bedient werden – auch bei der etwas zu offensiv eingesetzten Jugendsprache, die sogar per Glossar noch erklärt wird. Zudem endet das Buch leider etwas offen – die Konsequenzen der Handlungen der Figuren werden zumindest in diesem Band leider nicht mehr beleuchtet, sondern nur teils angedeutet, und auch die Perspektive wechselt sehr regelmäßig, teils auch mitten in den Kapiteln.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive und entwickeln sich – zumindest was das Ermittelnden-Duo angeht – sicherlich auch von Band zu Band weiter. In diesem Roman überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere w.ie Shirin und OB, während auch Maike glänzen kann, Buck aber noch etwas farblos verbleibt. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Dabei hilft es sicherlich, dass die Nachstellung der Ophelia-Szene momentan in aller Munde ist – wenn auch eher durch ein Bild im Museum Wiesbaden und nicht durch das Werk im Tate Britain.

Die Buchgestaltung ist solide. Sofern durchgeführt sind Lektorat und Korrektorat zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Die Geschichte wird mit dem bereits erwähnten Glossar und einer Liste von Hilfsangeboten für diverse Themen abgerundet (unglaublich wichtig!), aufgrund der brisanten Themen hätten sich zudem Content Notes angeboten. Das Cover bzw. der Buchumschlag generell ist farblich toll und zeigt Anklänge zur Handlung, ist insgesamt aber eher unauffällig und schlicht. Ob es gelingt, über alle Bände hinweg ein einheitliches Gesamtbild mit Wiedererkennungswert zu schaffen, bleibt zudem abzuwarten.

Mein Fazit? „Mainblüte“ ist ein ungewöhnlicher Kriminalroman, der wichtige Themen anspricht und abwechslungsreich ist, aber auch etwas an der Oberfläche verbleibt und kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.

Von Auftragskillern und mysteriösen Jungen | Doppelte Buchpost

Auch heute hab ich zwei hochspannende Krimi-Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Greta Grimaldi und der Junge aus dem Schatten“ von Davide Morosinotto (Thienemann in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH) entführt die Leser dabei nach Nürnberg auf der Suche nach Kaspar Hauser, während „Frau Morgenstern und die Offenbarung“ von Marcel Huwyler (Grafit in der Emons Verlag Gmbh) bereits der siebte Band um die Auftragskillerin Violetta Morgenstern ist. Ich bin auf beide Bücher schon sehr gespannt!

Mögt Ihr es, auch mal eine Killerin als Protagonistin eines Kriminalromans zu lesen?

Hochspannung garantiert | Krimi-Buchpost

Heute habe ich erneut zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür. „Mainblüte“ von Lou Sandberg ist der zweite, im Selfpublishing veröffentlichte Kriminalroman um die Ermittler Sebastian Buck und Maike Lange, während „Mumien morden mittwochs nie“ von Tatjana Kruse eine Krimödie für Haymon Krimi (Haymon Verlag Ges.m.b.H.) ist. Ich bin schon gespannt darauf, ob mich der humoristische Ansatz oder der durchaus mit ernsten Themen behaftete Ermittler:innen-Roman mehr überzeugt. So oder so ist in jedem Fall Hochspannung garantiert!

Welche Form von Krimi mögt Ihr am meisten?

[Buchgedanken] Karen Finch: „Was früher blüht, ist länger tot“ (Helen & Ben 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „Was früher blüht, ist länger tot“ von Karen Finch gelesen. Das Buch ist 2025 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH veröffentlicht worden und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Humbleham soll schöner werden!“ Der Ort im Herzen von Rutland will unbedingt den begehrten Preis „Rutland in Bloom“ für das schönste Dorf im County gewinnen. Doch unmittelbar vor dem Besuch der Jury kommt der Wirt des örtlichen Pubs bei einem schrecklichen Unfall ums Leben. Während Dorfpolizistin Helen Franklin noch klärt, wie es dazu kommen konnte, wird ein Jurymitglied auf offener Straße erschossen. Das ruft Scotland Yard auf den Plan: Ausgerechnet Ben Baxter, mit dem Helen einmal liiert war, soll den Mord an dem Politiker aufklären. Und es ist nicht der letzte Todesfall inmitten der blühenden Pracht – offenbar will jemand den Sieg Humblehams um jeden Preis verhindern. Erst als sich Helen und Ben zusammenraufen, kommen sie einer perfiden Verschwörung auf die Spur, die sie zurück in die Vergangenheit führt …

„Was früher blüht ist länger tot“ ist der neue Roman von Karen Finch, einem Pseudonym der Autorin Karin Uhlig, die auch als Carine Bernard und als Karina Ewald Bücher veröffentlicht hat. Es handelt sich potentiell um den Beginn einer Buchreihe um Helen Franklin und Ben Baxter – ein Fortsetzungsband ist meines Wissens nach bereits geplant. Dabei lässt sich der Roman klar als Kriminalroman einordnen, zeigt zugleich aber auch Elemente von Cosy Crime, allerdings lassen die Ermittelnden und die Anzahl der Opfer eher auf einen klassisch angelegten Krimi schließen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn sich auch die Auflösung in Teilen durchaus relativ früh absehen lässt. Nichtsdestotrotz gelingt es der Autorin dennoch, die Leser:innen die ganze Zeit bei der Stange zu halten, auch durch den durchaus fein eingestreuten Humor, der gerade zu Anfang des Buches überzeugt. Zwar verbleiben im Hinblick auf die Arbeit der Polizei einige Fragen offen – aber insgesamt sorgt die Handlung doch für viel Spaß und angenehme Lesestunden. Gleichzeitig bietet die Geschichte auch viel Potential für Folgebände, insbesondere, was die persönliche Beziehung zwischen Helen und Ben angeht.

Das Setting ist naturgemäß gelungen. So entführt die Autorin die Leser:innen ins fiktive Örtchen Humbleham und andere Orte der Grafschaft Rutland, die idyllisch in den East Midlands liegt. Mit ganz viel Lokalkolorit und fast klischeehaften Vorstellungen wird der Leser ins englische Landleben geworfen, das von Dartturnieren, Reitausflügen, Teestunden und einem unglaublichen Zusammenhalt der Dorfbevölkerung geprägt ist. Nur am Rande werden hier weitere Themen wie die Situation von Flüchtlingen oder auch die von LGBTIQ+-Personen eingemengt, diese verbleiben aber sehr niederschwellig und treten fast vollends hinter der eigentlichen Handlung zurück.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der schieren Fülle an Personen nicht alle in Gänze ausgearbeitet werden konnten – da kann im Folgeband dann noch nachgelegt werden. Begeistert haben vor allem Nebencharaktere wie Marian, Janet, Jill und Jeremy, während Helen teils nicht nachvollziehbar handelt und insbesondere in der Beziehung zu Ben noch sehr blockiert ist. Karen Finchs Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben im Wesentlichen ordentlich gearbeitet, das Covermotiv ist genretypisch – wenn man das Buch als Cosy Crime sieht. Nichtsdestotrotz fehlt dem Cover dann doch der Bezug zur Handlung und es ist – wie der ganze Umschlag – eher etwas eintönig und kein Eyecatcher. Es bleibt abzuwarten, ob es mit einem etwaigen Folgeband harmonisiert und für einen Wiedererkennungswert der Reihe als ganzes sorgen kann.

Mein Fazit? „Was früher blüht, ist länger tot“ ist ein vielversprechender Auftakt in die leicht cosy angelegte Krimireihe um Helen und Ben, der mit seinem Humor und dem tollen Setting punkten kann, die Auflösung aber bereits etwas zu früh andeutet. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

Buchmesse-Leseexemplare im Doppelpack

Heute möchte ich Euch noch zwei Neuzugänge zeigen, die auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse als Lese- und/oder Mängelexemplare verteilt worden sind. „BASTARDS“ von J. S. Wonda (Wondaversum) ist dabei die Neuauflage eines Romans aus dem Genre Dark Romance (zuerst 2018 als „BROTHERS: Spiel um Rache“ erschienen), während „Commissario Gaetano und der lügende Fisch“ von Fabio Nola (dtv Verlagsgesellschaft) den Auftakt der Neapel-Krimireihe um den gleichnamigen Commissario darstellt. Unterschiedlicher könnten die Bücher wohl kaum sein – ich bin schon gespannt, welches mir besser gefällt.

Habt Ihr schon ein Buch aus dem Genre „Dark Romance“ gelesen?

[Buchgedanken] Fynn Jacob: „Brennendes Watt“ (Jaspari/van Loon 3)

In den letzten Tagen habe ich auch „Brennendes Watt“ von Fynn Jacob (Christian Kuhn) gelesen. Der Roman ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Iska van Loon, erfahrene Beamtin der Nationale Politie, und der ehrgeizige Kriminalhauptkommissar Marten Jaspari stehen vor einem brisanten Fall. Luuk Raand, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die das LNG-Terminal bei Eemshaven schützt, wird tot am Strand von Borkum angespült. Eine Spur führt zu radikalen Umweltschützern, die Missstände bei der Erdgasverarbeitung aufdecken wollen, eine andere in das undurchsichtige private Umfeld des Opfers. Als schließlich im Hamburger Hafen der Kapitän eines Containerschiffes verschwindet, erreicht der Fall ungeahnte Dimensionen. Iska und Marten müssen alles riskieren, um zu verhindern, dass an der Nordsee ein flammendes Inferno ausbricht …

„Brennendes Watt“ ist der dritte Teil der Krimireihe um das internationale Ermittlerduo Marten Jaspari und Iska van Loon, der von Christian Kuhn unter dem Pseudonym Fynn Jacob veröffentlicht wurde. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen, werden doch wichtige Stationen in der Vergangenheit der Protagonist:innen wieder aufgegriffen und erläutert. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht so einfach, wie der Aufdruck „Kriminalroman“ auf dem Cover vermuten lässt. Denn phasenweise mutet das Buch mehr wie ein Thriller an, ließe sich sogar den Untergenres Agententhriller oder Spionagethriller zuordnen. Der Einfachheit halber habe ich es aber bei der Kategorisierung des Verlags belassen, auch um den Sinnzusammenhang der Reihe beizubehalten.

Die Handlung ist hochspannend, kurzweilig und hält gelegentlich auch eine unerwartete Wendung parat, auch wenn sie durchaus das ein oder andere Rollenklischee bedient. Zudem ist sie teils etwas überfrachtet, da die Protagonist:innen noch mit persönlichen Dramen belastet werden – den ein oder anderen Nebenhandlungsstrang hätte man für die Klarheit und Stringenz durchaus auch weglassen können. Auch das Ende bleibt relativ offen – sowohl, was die Identität der Täter:innen als auch was die Zukunft von Jaspari/van Loon betrifft. Ich bin daher mal gespannt, ob die Reihe hiermit beendet ist oder, falls nicht, wie die Folgebände die Handlung wieder aufgreifen.

Das Setting kann naturgemäß glänzen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf eine Reise durch einen Großteil des deutsch-niederländischen Nordseeraums und greift dabei gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundene Energieunsicherheit sowie den teils fließenden Übergang zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und militantem Aktivismus auf. Erzählt wird dieses bunte Potpourri in multiplen personalen Erzählperspektiven, die teils nacheinander parallel stattfindende Ereignisse wiedergeben, was die Stringenz der Handlung etwas bricht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Karin und Banisch, aber auch die beiden Protagonist:innen können mit Abstrichen durchaus überzeugen – sicherlich wäre das Bild hier nochmal etwas anders, wenn ich die Charakterentwicklung über die komplette Reihe hinweg mitbekommen hätte. Fynn Jacobs Schreibstil lässt sich darüber hinaus flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, die Gesamtgestaltung passt sich gut in die Reihe ein. Das Covermotiv ist dennoch eher austauschbar und beliebig und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, der – genau wie die Coverrückseite – zudem eher eintönig und schlicht daherkommt.

Mein Fazit? „Brennendes Watt“ ist ein spannender und hochaktueller Kriminalroman mit tollem Setting, aber auch mit kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lars Sommer: „Die innere Führung“

Vor kurzem habe ich auch „Die innere Führung“ von Lars Sommer (Lucas Fassnacht) gelesen. Das Buch ist 2024 in der ars vivendi verlag GmbH & Co. KG erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nachdem auf der Hochzeit eines Elitesoldaten der Bundeswehr eine tödliche Bombe hochgeht, beginnt Kriminalhauptkommissar Erich Kleinrädl zu ermitteln. Während er und sein Team die Hochzeitsgäste vernehmen, stellt die Boulevardpresse ihre eigenen Vermutungen an: Hat Inka Minden, die Ex-Freundin des Bräutigams, etwas mit der Sache zu tun? Welche Rolle spielt der ehemalige Scharfschütze Jonathan von Holl, der über dem Gesetz zu stehen scheint? Das LKA beurteilt die Bombe als ein Werk von Fachleuten. Ein zweiter Anschlag erhöht den Druck auf Kleinrädl. War die Bundeswehr das eigentliche Ziel des Attentats? Die Lage wird immer unklarer. Steckt der Feind gar in den eigenen Reihen?

„Die innere Führung“ ist ein Roman von Lars Sommer, einem Pseudonym des Thriller-Autors Lucas Fassnacht. Dabei wird das Buch vom Verlag – wie der Abdruck auf dem Cover verrät – als Kriminalroman eingeordnet, eine Eingruppierung, die ich daher auch übernommen habe. Es hätten sich aber auch gute Argumente dafür gefunden, das Buch als (Polit-)Thriller zu kategorisieren, auch andere Untergenres bei Thrillern wären hier denkbar gewesen. Zudem ist der Roman derzeit als Standalone angelegt, Potential für Fortsetzungen existiert jedoch – und wird auch durch das letzte Kapitel nochmal befeuert.

Die Handlung ist durchweg spannend und abwechslungsreich, wenn auch zuletzt zumindest in Teilen auch vorhersehbar. Dabei entwickelt sich der Roman schnell von einem reinen Kriminalfall hin zu einem gesellschaftspolitisch interessanten Thriller, der an Aktualität kaum zu überbieten ist, obwohl handlungsauslösende Ereignisse doch schon drei, vier Jahre in der Vergangenheit liegen. Lediglich das Ende vermag hier nicht in Gänze zu überzeugen.

Das Setting kann hingegen glänzen, entführt der Autor die Leser:innen doch nach München und ins bayerische Umland, in ein Spannungsfeld zwischen zivilgesellschaftlichen Kriegsgegnern und Veteranen von Spezialtruppen, die in Afghanistan gedient haben. Dabei kumuliert diese Zerrissenheit in der Figur von Inka, die als Sportsoldatin zwar Angehörige des Militärs, aber selbst nie im Einsatz gewesen war. Hierbei scheut der Roman auch nicht davor zurück, das schwierige Thema der Posttraumatischen Belastungsstörungen aus Militäreinsätzen anzusprechen, verpasst aber die Chance, im gleichen Zuge in einem möglichen Nachwort zum Roman auf Hilfsangebote und Kontaktadressen hinzuweisen, damit es in der realen Welt hoffentlich nicht so eskaliert wie in Lars Sommers Geschichte.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive, wenn auch aufgrund der doch Vielzahl an handelnden Personen einige noch stärker ausgearbeitet hätten werden können. Dabei überzeugen insbesondere Schlanghain, von Holl und in einer Nebenrolle Polizeipräsident Brandner, während Kleinrädl noch etwas blass verbleibt. Lars Sommer Schreibstil ist teils rasant, lässt sich hierbei aber leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, auch wenn man zumindest die größeren Sinnabschnitte jeweils auf ungeraden Seiten hätte starten können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird leider zum Buchrücken hin krass unterbrochen, letzterer und die Coverrückseite sind eher eintönig und schlicht. Das Titelmotiv schafft es hierbei zwar, eine kleine Verbindung zur Handlung herzustellen, bleibt dennoch aber austauschbar und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die innere Führung“ ist ein spannender und abwechslungsreicher, gesellschaftlich relevanter Kriminalroman an der Grenze zum Thriller mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Wolfgang Oppler: „Traxl und der tote Lebemann“ (Pia Traxl 1)

Vor kurzem habe ich auch „Traxl und der tote Lebemann“ von Wolfgang Oppler gelesen. Das Buch ist 2024 im Volk Verlag erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kriminalhauptkommissarin Pia Traxl ist eine Marke für sich: eigensinnig, selbstbewusst und als eingefleischte Boxerin hart im Nehmen. Der Steuerberater, der in einer beachtlichen Blutlache vor seinem eigenen Kühlschrank liegt, schlägt ihr dennoch auf den Magen. Liegt es daran, dass sie den Fall ohne ihren langjährigen Partner aufklären soll? Oder ist es das ungute Gefühl, dem Toten nicht zum ersten Mal begegnet zu sein? Bentje Schammach heißt die neue Kollegin, die Traxl zur Seite gestellt wird, ein frisch nach München versetztes Nordlicht mit großer Liebe zu Gummienten und erschreckend fröhlichem Gemüt. Zusammenraufen ist angesagt! Denn die Liste der Verdächtigen wird immer länger. Und je tiefer Traxl und Schammach graben, desto klarer wird, dass der tote Lebemann selbst den meisten Dreck am Stecken hatte …

„Traxl und der tote Lebemann“ ist der erste Band der Buchreihe um die Kommissarinnen Pia Traxl und Bentje Schammach, die – nunmehr beide – in München ermitteln. Dabei lässt sich der Roman zwar als Kriminalroman einordnen – er wird ja auch auf dem Cover als „Krimi“ bezeichnet -, ich persönlich würde den Roman jedoch noch stärker kategorisieren und ihn den Regionalkrimis zuordnen, spielt der bayrische Einschlag doch eine entscheidende Rolle – Dialekt und Kulinarik inklusive. Abgesehen davon ließen sich sicherlich auch noch Argumente für einen Wirtschaftskrimi oder -Thriller finden.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet mit unerwarteten Wendungen auf. Mit Ausnahme des etwas unnötigen Prologs wird sie sehr stringent erzählt – und insbesondere die für einen Krimi doch eher ungewöhnliche Erzählperspektive eines Ich-Erzählers aus Pias Sicht vermag hier zu glänzen, ermöglicht sie doch ein noch tieferes Eintauchen in die Ermittlungen. Hingegen kann das Ende leider nicht gänzlich überzeugen, ist es doch gerade Pia, die hier für einen unrunden Abschluss des Falles sorgt – und ihre Pflichten aufs gröbste verletzt und damit viele Pluspunkte verliert, die sie im Verlauf der Handlung sammeln konnte.

Das Setting kann ebenfalls im Wesentlichen glänzen. So entführt Wolfgang Oppler die Leser:innen nach München, in eine pulsierende Stadt mit Brauhäusern, Viktualienmarkt und diversen Kneipen und Bars – man sieht, dem Essen und – vor allem – Trinken wird in diesem Roman viel Platz eingeräumt. Dabei wird viel Wert auf Lokalkolorit gelegt – teils sogar ins Dialektische abgedriftet, aber nie so stark, dass die Lesbarkeit eingeschränkt wird. Etwas schade ist es allerdings, dass der Culture Clash zwischen München und Tönning, zwischen Pia und Bentje hier kaum eine Rolle spielt, hier wird einiges an Potential für die Auflockerung der Geschichte verschenkt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Vielzahl an handelnden Personen ist allerdings noch einiges an Entwicklungspotential vorhanden, gerade bei Pia würde mich hierbei auch interessieren, wie sie das Ende der Geschichte verarbeitet. Wolfgang Opplers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist gelungen, auch wenn mich die Kapitelbeginne mitten auf der Seite irritieren. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, insgesamt aber sehr eintönig. Die Typografie auf dem Cover kann begeistern, das Covermotiv ist eher austauschbar und beliebig – und das Boxen im Buch doch eher Randerscheinung,

Mein Fazit? „Traxl und der tote Lebemann“ ist ein solider Start in die Buchreihe, der vor allem mit seinem Setting und einer hochspannenden Handlung punkten kann, am Ende jedoch etwas schwächelt und einiges an Potential verschenkt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.