[Buchgedanken] Suza Summer: „Heute alles und morgen vielleicht“

In den letzten Tagen habe ich auch „Heute alles und morgen vielleicht“ von Suza Summer gelesen. Das Buch ist 2025 im Kampenwand Verlag erschienen und als Schicksalsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

„Das Leben ist zu kurz für irgendwann“ ist das Motto der extrovertierten Camille. Bezaubernd aussehend und erfolgreich, genießt sie ihr Dasein in der Upperclass. Das einzige männliche Wesen, dem sie treu ergeben ist, heißt Charles und ist eine französische Bulldogge. Das Schicksal findet immer seinen Weg und so ahnt die selbstbewusste Immobilienmaklerin nicht, dass ihre Tage gezählt sind. Niemand kennt die Geheimnisse ihrer Patienten so gut, wie die bescheidene Krankenschwester Sanna. Doch während die junge Frau ihre Kranken einfühlsam begleitet, steckt sie selbst in einer Lebenskrise. Beide Schicksale verknüpfen sich, als Sanna das lukrative Angebot erhält, die sterbenskranke Camille und deren Mann Aiden, in ein Chalet, in den Schweizer Alpen zu begleiten. Dass Sanna auf einmal zarte Gefühle für Aiden hegt, versucht sie zu ignorieren. Doch unvermutet pocht auch sein Herz schneller, wenn er in ihre Nähe kommt.

„Heute alles und morgen vielleicht“ ist mein erster Roman der Autorin. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Denn obwohl als Liebesgeschichte beworben, als Liebesroman teils auf Verkaufsplattformen eingruppiert, sind hier die vielen Liebesgeschichten doch eher Randwerk der Handlung, geht es doch zentral darum, wie alle Personen mit dem handlungstreibenden Schicksalsschlag umgehen. Daher würde ich das Buch sehr klassisch als Schicksalsroman einordnen.

Die Handlung wird aus der Ich-Perspektive von Sanna erzählt, unterstützt von einer personalen Erzählperspektive von Camille. Dabei ist die Handlung durchaus abwechslungsreich und wartet mit interessanten Wendungen auf, wenn sie natürlich teils auch vorhersehbar ist – das haben Schicksalsromane ohnehin meistens an sich. Hierbei baut die Autorin in den doch sehr kurzen Roman fast zu viele Themen noch mit ein, diskutieren wir doch neben Liebe, Freundschaft und Tod auch über Mobbing, toxisches Kolleg:innenverhalten, falsche Selbstdarstellungen in Social Media, zerrüttete Familien und Adoptionen – um nur einige der Themen zu nennen.

Das Setting hingegen ist traumhaft – aber wie sollte es bei einem abgeschiedenen Chalet in den Schweizer Alpen auch anders sein? So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach Aachen, sondern auch nach Albinen, ein verschlafenes Örtchen im Kanton Wallis mit lokalem Bergsteigerladen, Chor und – natürlich – breitem Dialekt für ein gewisses Lokalkolorit. Gern hätte man hier noch etwas mehr in die Tiefe gehen, noch etwas mehr den individuellen Charakter des Ortes herausstellen können.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Frida, Kaja und Alex, während Sanna teils nicht nachvollziehbar handelt und übergriffig wird. Gern hätte ich auch gesehen, dass sie sich gegen ihre Kündigung gewehrt hätte. Suza Summers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Dinge durchgerutscht, der Buchsatz hat ebenfalls irritierende Aspekte. Das Covermotiv setzt sich hingegen nahtlos auf Coverrückseite und Buchrücken fort und sorgt so für ein tolles Gesamtbild, ist auch generell gut anzusehen, wenn auch kein klassischer Eyecatcher. Auch irritiert der aufgedruckte „Sticker“, und die Coverrückseite ist leicht überfrachtet.

Mein Fazit? „Heute alles und morgen vielleicht“ ist ein durchaus ergreifender Schicksalsroman mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Persephone Haasis: „Marmeladensommer“

In den letzten Tagen habe ich auch „Marmeladensommer“ von Persephone Haasis gelesen. Das Buch ist 2025 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Glitzernd liegt der Bodensee vor ihr. Nur mit einem alten Foto von einem Obsthof ist Emmi, die in Frankfurt ein Catering-Unternehmen führt, hierhergekommen, um ihren Vater zu finden. Sie nimmt ein Zimmer in einer kleinen Pension am See, die einem netten älteren Ehepaar gehört. Auch wenn deren Sohn Oliver, der im Ort eine Segelschule betreibt, anfangs wenig angetan ist von der wasserscheuen Großstädterin, hilft er Emmi bei ihrer Suche. Tatsächlich finden sie ihren Vater, dessen idyllischer Bio-Obsthof leider wirtschaftlich vor dem Aus steht. Emmi will unbedingt helfen und beginnt aus dem Obst nach ihren Rezepten Marmeladen zu kochen. Besonders dem smarten Hotelbesitzer Tim gefallen die Marmeladen – und die hübsche Marmeladenköchin. Und so steht Emmi nun nicht nur mit jeder Menge Obst in der kleinen Küche der Pension, sondern auch zwischen zwei Männern …

„Marmeladensommer“ ist mein erster Werk der Autorin Persephone Haasis unter diesem Namen, nachdem ich sie bereits als Teil des Autorinnenquartetts Hannah Conrad kennenlernen durfte. Der Roman wird dabei als Wohlfühlroman beworben, auf Verkaufsportalen unter anderem als Gegenwartsliteratur gelistet. Meines Erachtens ist das Buch aber klar als Liebesroman zu kategorisieren, durchaus auch als Feel-Good-Liebesroman, wenn man den Wohlfühlfaktor wirklich in den Vordergrund stellen möchte.

Denn die Handlung ist sommerlich, was das Buch durchweg zur perfekten Urlaubslektüre macht. Persephone Haasis mischt familiäre Probleme (auf allen Seiten) mit einer spritzigen Liebesgeschichte und tollen Rezepten zu einer zu jeder Zeit prickelnden Mischung, die das Happy-End nie in Zweifel geraten lässt. Leicht enttäuscht bin ich lediglich von dem stark angeteaserten, aber viel zu flach gehaltenem Love Triangle – hier stand der Auserwählte doch schon direkt zu Beginn fest, wird die Geschichte doch aus zwei personalen Erzählperspektiven erzählt, sieht man mal vom Prolog und Epilog ab, die eine dritte Perspektive bekommen – auf die man auch gut hätte verzichten können.

Das Setting ist natürlich malerisch. So entführt die Autorin die Leser:innen an den Bodensee – und nimmt quasi alles mit, was die Region so zu bieten hat, von malerischen Pensionen, Luxushotels, Segeltörns und biodynamischen Bauernhöfen. Zusammen mit den Marmeladen, die in die Handlung eingeflochten sind, manchmal aber etwas zu früh leicht spoilern, wird hier eine perfekte Stimmung erzeugt, um sich wegzuträumen – ich wäre jetzt ebenfalls gern am Bodensee, vermutlich aber lieber in Tims Hotel als in Kathrins Pension.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. So können insbesondere Benno, Leika und Lea als wichtige Nebencharaktere glänzen, während vor allem Emmi oftmals nicht nachvollziehbar handelt. Persephone Haasis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Das Covermotiv setzt sich nahtlos über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das die Stimmung des Romans gut auffängt, etwas mehr Anklang aber zur Handlung hätte haben können.

Mein Fazit? „Marmeladensommer“ ist ein perfekter Urlaubsbegleiter, ein Feel-Good-Liebesroman mit tollem Setting, interessanten Rezepten und nur kleineren Schwächen in der Handlung. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 14 Jahren.

Von unendlichen Weiten und ganz großen Gefühlen | Doppelte Buchpost

Und auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. „Noch immer Zeit zu lieben“ ist dabei der neue Liebesroman von Heike Abidi aus dem Penguin Verlag, der die Leser:innen nach Stockholm entführt, während „Astro-Tims Sternstunden“ von Tim Julian Ruster (Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG) eine Reise in die unendlichen Welten des Weltalls unternimmt. Große Gefühle vs. unendliche Weiten – ich bin schon gespannt, was mich mehr begeistert.

Wie stellt Ihr Euch die Zukunft der Raumfahrt vor?

[Buchgedanken] Megan Clawson: „Love at First Knight“

Zum Start ins neue Jahr habe ich eine Buchbesprechung für Euch. Denn vor kurzem habe ich „Love at First Knight“ von Megan Clawson beendet. Das Buch ist 2024 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen, die gleichnamige Originalausgabe wurde 2024 bei AVON, einem Imprint von HarperCollins Publishers, veröffentlicht. Das Buch ist als humorvoller Liebesroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Ira Panic verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die 23-jährige Daisy Hastings ist schüchtern, hat Angst vor der Welt und gibt sich gern ihren Träumen hin. Daher nimmt sie nur zögerlich die Stelle im Tower of London an, wo sie Kindern das Ritterleben näherbringen soll. Ihr arroganter Kollegen Theodore macht ihr außerdem das Leben schwer. Teddy hat nichts anderes im Sinn, als Unruhe zu stiften, weshalb Daisy immer wieder durch ihn in Schwierigkeiten gerät. Doch schon bald merken sowohl Daisy als auch Teddy, dass sie auf die Hilfe des anderen angewiesen sind. Und wenn aus Feinden möglicherweise Freunde und noch mehr werden könnte – dann hat Daisy am Ende womöglich ihren Prinz fürs Leben gefunden.

„Love at First Knight“ ist – wie der Untertitel sagt – „eine königliche Liebeskomödie“, also mehr oder weniger eine RomCom in Romanform, wobei der Fokus schon klar auf der Liebesgeschichte liegt, sogar ein Love Triangle beinhaltet. Dabei handelt es sich um den zweiten Roman der Autorin, die mit „Falling Hard for the Royal Guard“ bereits das gleiche Genre bedient hat, und dessen Protagonist:innen aus dem ersten Buch in diesem Band ebenfalls kurz auftauchen – aufgrund der doch starken Trennung der Geschichten würde ich hier aber nicht von einer Fortsetzung sprechen, „Love at First Knight“ lässt sich jedenfalls perfekt als Standalone lesen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und interessant, genrebedingt aber auch vorhersehbar. Hierbei brilliert die Autorin vor allem dann, wenn die Figuren ins Nerd-Universum abtauchen – und auch der Tower kommt natürlich nicht zu kurz, der Humor hingegen schon etwas. Und auch das Ende kann mich nicht restlos überzeugen, so wird das Happy-End auf sehr altmodisch konservative Weise erzeugt – in der modernen Welt hätte man hier vielleicht doch den ein oder anderen Weg zum Ziel wählen können.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach London in den Tower und nach Windsor, sondern auch in ein kleines Örtchen in Lincolnshire – und auf ein großes LARP-Festival. Zudem thematisiert Megan Clawson unterschwellig psychische Erkrankungen, legt viel Liebe in nerdige Details und mischt das ganze mit einer filmreifen Liebesgeschichte zu einem tollen Gesamtpaket, das die Leser:innen bestens unterhält. Zur bildlichen Unterstützung hätte man aber durchaus der Geschichte noch einen Grundriss des Towers voranstellen können – gern auch auf den etwas lieblosen Coverinnenseiten.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Daisy kann hier vor allem Marigold glänzen, von der ich gern noch viel mehr erfahren hätte – und auch Bobbles, Erin und Daisys Vater überzeugen, während Teddy teils etwas blass verbleibt. Megan Clawsons Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist humor- und gefühlvoll.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist einfach, aber fehlerfrei. Der Buchumschlag ist farblich auffällig, aber eher eintönig, das Covermotiv ist comichaft stilisiert und kein wirklicher Eyecatcher – etwas mehr Bezug zur Handlung hätte hier durchaus gut getan.

Mein Fazit? „Love at First Knight“ ist ein humorvoller Liebesroman, der vor allem durch sein Setting und seine spannenden Themen und Figuren punkten kann, gerade zum Ende hin aber leicht schwächelt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Ursi Breidenbach: „Christmas Cake und Glitzerschnee“

Vor kurzem habe ich „Christmas Cake und Glitzerschnee“ von Ursi Breidenbach gelesen. Das Buch ist 2024 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als weihnachtlicher Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mitte Dezember wird Jenny für ein wichtiges Forschungsprojekt nach Edinburgh geschickt. Die Dreiunddreißigjährige, die sich noch nie viel aus Weihnachten gemacht hat, ist absolut überfordert vom festlichen Trubel. Überall Weihnachtsmusik, Mistelzweige und Menschenmassen – Jenny fährt in den beschaulichen Stadtteil Morningside, in dem ihre Großmutter wohnt, die sie noch nie zuvor getroffen hat. Zögerlich steht sie vor dem geschmückten Haus, als sich die Tür öffnet und ihre Großmutter sie gerührt in die Arme schließt. Bei ihr trifft Jenny auch auf den kreativen Bühnenbildner Callum, einen waschechten Schotten. Er ist so weihnachtsverliebt, dass er es nicht verstehen kann, warum Jenny die schönste Zeit im Jahr ablehnt. Wird er es schaffen, Jenny rechtzeitig zum Fest mit Weihnachtsstimmung zu verzaubern? Christmas Cake, glitzernde Lichter und magische Wintererlebnisse … wer könnte da widerstehen?

„Christmas Cake und Glitzerschnee“ ist mein erster Roman von Ursi Breidenbach, habe ich doch bislang nur einige der humorvollen Sachbücher von ihr gelesen, die sie zusammen mit Heike Abidi verfasst hat. Umso gespannter war ich, ihre andere literarische Seite kennenzulernen, nachdem ich ja auch einige von Heikes Romanen lesen durfte. Dabei ist „Christmas Cake und Glitzerschnee“ relativ einfach zu kategorisieren, handelt es sich doch um einen weihnachtlichen Liebesroman, quasi einen saisonalen Feel-Good-Liebesroman. Sehr klassisch werden in Abgrenzung zu New-Adult Sexszenen ausgeblendet und die Protagonist:innen sind etwas älter, stehen bereits mit beiden Beinen relativ fest im Leben.

Die Handlung ist zuckersüß, sehr berührend, aber auch teils vorhersehbar und relativ komplikationsarm, vermittelt aber insgesamt einfach ein gutes Gefühl und ganz viel weihnachtlichen Flair – und hält somit das Versprechen an die Leser:innen, das Cover, Klappentext und Genre gegeben haben. Gerade am Ende hätte ich mir jedoch trotzdem gewünscht, dass das rundum perfekte, kitschgeschwängerte Ende minimal realistischer gestaltet worden wäre – und die Geschichte insgesamt etwas mehr Tiefe besessen hätte, aber das ist Kritik auf einem unfassbar hohen Niveau, hat mich Ursi Breidenbachs Story doch wundervoll unterhalten und berührt.

Das Setting ist natürlich brillant. So entführt die Autorin die Leser:innen ins weihnachtliche Edinburgh, in eine Stadt, die Weihnachten atmet und lebt – voll mit Weihnachtmärkten, -Dekoration und ganz viel festlichen Hotspots. Dabei vermischt Ursi Breidenbach die saisonale Liebesgeschichte durchaus mit ernsten Themen, die jedoch eher an der Oberfläche verbleiben – und legt dem Paar auch mit Ausnahme einer potentiell geografischen Trennung keine Steine in den Weg, sodass eine dauerhaft harmonische Atmosphäre entsteht, die ebenfalls zum Wohlfühlsetting beiträgt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben eigene Ziele und Motive, viele Stärken aber eher wenige Schwächen – insbesondere Ingrid und Callum sind Freundlichkeit und Perfektion in Person – etwas mehr Realismus hätte auch hier noch dreidimensionalere Charaktere geschaffen. Abgesehen davon fühlt man sich mit den Protagonist:innen sehr wohl und kann sich gut mit ihnen identifizieren – und Ursi Breidenbachs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist emotional und berührend.

Auch die Buchgestaltung kann brillieren. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und setzt die Chatnachrichten durchaus innovativ – auch wenn da sicherlich noch mehr geht. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken mit hochwertigen, goldglitzernden Prägungen versehen, das Covermotiv zieht sich über den Buchrücken und die Coverrückseite, sodass ein tolles, eindrucksvolles Gesamtbild entsteht. Das Covermotiv ist zudem sehr einladend und weihnachtlich, sehr atmosphärisch und farblich toll – lediglich den Bezug zur Handlung hätte man noch etwas verstärken können.

Mein Fazit? „Christmas Cake und Glitzerschnee“ ist ein wundervoll berührender weihnachtlicher Liebesroman, der vor allem mit seinem Setting und seiner Wohlfühlatmosphäre punkten kann, gleichzeitig aber auch einige Komplikationen mehr hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

[Buchgedanken] Heike Abidi: „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“

Vor kurzem habe ich auch „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ von Heike Abidi gelesen. Der Roman ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden, eine frühere Version erschien unter gleichem Titel und dem Pseudonym „Anna Paulsen“ 2018 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH. Das Buch ist als Liebesroman einzuordnen, vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Während andere den Freitag herbeisehnen, freut sich Matilda auf Montag, denn nichts liebt sie mehr als ihren Job im Amt für nicht zustellbare Post, wo sie für die Buchstaben K bis M zuständig ist. Doch dann kommt der Tag, an dem Matilda ein nie überbrachter Liebesbrief so sehr berührt, dass sie beschließt, ihre gewohnten Pfade zu verlassen und den Empfänger ausfindig zu machen – ganz gleich, wie schwierig es wird. Sie stößt auf eine schmerzliche Liebesgeschichte, die bereits viele Jahrzehnte zurückliegt. Doch für ein Happy End ist es schließlich nie zu spät, oder?

„Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ ist – wie oben dargestellt – die Neuauflage des bereits 2018 erschienenen, gleichnamigen Titels, der 2019 für den DELIA-Literaturpreis nominiert worden ist. Dabei fällt die Genreeinordnung als Liebesroman zwar leicht, gleichsam ist das Buch aber auch – mehr oder weniger – Schicksalsroman und Entwicklungsroman – und in der zweiten Hälfte durchaus teils auch Briefroman, kommuniziert doch ein Protagonist nahezu ausschließlich in Briefform.

Die Handlung ist dabei durchaus interessant, teils aber vorhersehbar, immer jedoch sehr cosy, sehr bedacht, eine Feel-Good-Atmosphäre zu schaffen – so wird das Buch ein idealer Begleiter für einen verregneten Tag mit einer dampfenden Tasse Kaffee (oder in Matildas Sinne: Tee). Themen wie verbotene Liebe, Altersdemenz und Vorurteilsdenken werden dabei durch die Protagonisten angerissen, aber nicht allzu vertieft aufgearbeitet, um die heimelige Stimmung, die den Roman durchzieht, nicht zu gefährden. Brillieren können hingegen einige der Briefe, insbesondere Cornelius‘ 100 Wahrheiten sind eine der absoluten Sternstunden des Romans. Auch das teils offene Ende vermag – wenn es auch etwas plötzlich kommt – durchaus zu glänzen.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt die Autorin die Leser:innen nach Karlskirchen, in eine mittelgroße (sonst hätte sie keinen Oberbürgermeister), aber doch verschlafene Stadt und nimmt sie mit auf Reisen, unter anderem nach Berlin und an die Ostsee. Dabei entdeckt man als Leser:in diese Orte zusammen mit den Protagonist:innen, das Meer mit Elvira zusammen kennenzulernen ist hierbei eine der am stärksten berührenden Passagen des Buches. Auch vermag es Heike Abidi, den grauen Büroalltag innerhalb der Behörde durchaus humorvoll darzustellen und den Leser:innen so das ein oder andere Lächeln zu entlocken.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Elvira, Kirsten und Cornelius, während Matilda so weltfremd erscheint, dass sie anfangs schwer greifbar ist, und auch später wenig nachvollziehbar handelt und – irritierenderweise – höchst illegal. Heike Abidis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, hätte aber durchaus die Briefe innovativer setzen können. Das Covermotiv zieht sich über Buchrücken und Coverrückseite und ergibt so ein ganzheitliches Bild über den kompletten Umschlag, ist jedoch etwas eintönig und kein Eyecatcher. Auch hätte man auf die Kapitelüberschriften verzichten können, spoilern diese doch teils die Handlung der Kapitel, die aber – auch das sollte man lobend erwähnen – alle auf ungeraden Buchseiten beginnen.

Mein Fazit? „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der mit tollen Briefen und interessanten Charakteren glänzt, teils aber auch etwas vorhersehbar ist und etwas zu stark an der Oberfläche verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ (Zeit der Schwestern 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Es ist Sommer am Bodensee, und die Kirschen leuchten in rotem Glanz. Als Alleinerziehende hat Romy mit zwei lebhaften Kindern und ihrem Job als Caterin eigentlich genug um die Ohren. Doch sie will unbedingt an einem Backwettbewerb teilnehmen, der ein beachtliches Preisgeld und attraktive Perspektiven für ihre berufliche Zukunft verheißt. Auch wenn sie ihre geliebten Schwestern Carolin und Veronika mit Rat und Tat an ihrer Seite weiß, will Romy dieses neue Projekt allein meistern. Als eine kleine Panne eine ganze Kette an Missverständnissen nach sich zieht, wird Romy bewusst, dass sie eine weitreichende Entscheidung nicht länger aufschieben darf …

„Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist nach „Zeit der Schwestern – Apfelblütentage“ der zweite Roman der „Zeit der Schwestern“-Trilogie bzw. der Reihe um die Bodensee-Schwestern. Auch wenn sich weiterhin gute Argumente dafür finden, das Buch als Liebesroman einzuordnen, würde ich bei der Kategorisierung als Familiensaga verbleiben, sind die drei Teile doch durch die starken Familienbande untereinander geprägt. Zudem setzen die Folgebände – trotz der Fokussierung auf eine andere Hauptperson – die Geschichten der anderen Familienmitglieder nahtlos fort. Dabei kann man den Roman durchaus als Standalone lesen, aufgrund der nahtlosen Anknüpfung an den ersten Band würde ich aber dessen Lektüre vorab empfehlen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar. Um etwas Vielfalt hineinzubringen erweitert Tanja Huthmacher das – für diesen Band – charakteristische Love Triangle um eine weitere Ebene und stellt der Protagonistin kurzfristig sogar drei potentielle Partner zur Seite. Dabei gelingt es ihr, zumindest kurzzeitig die Leser:innen an dem eigentlich eingeschlagenen Weg zweifeln zu lassen. Allerdings gerät das Buch dafür außerhalb des Haupthandlungsstrangs etwas ins Schwimmen. Während der Vorgängerband hier noch durch externe Konflikte befeuert wurde, legen sich diese nunmehr und es herrscht – etwas eintönig – mehr oder weniger eitel Sonnenschein, wohin man auch blickt.

Das Setting bleibt naturgemäß gleich und somit brillant. Auch dieses Mal entführt Tanja Huthmacher – wie sollte es anders sein – die Leser:innen an den Bodensee, in die malerische Stadt Konstanz, nach Überlingen und – natürlich – aufs Wasser und auf die Mainau. Da man alle Handlungsorte kennt, gibt es wenig Überraschungen, dafür baut die Autorin durch den Filmdreh weitere Themen mit ein wie den Umgang mit Kindern am Set. Thematisch wird sicherlich der dritte Band hier am spannendsten, ist doch ein noch vertiefterer Einblick in Weinbau und Önologie zu erwarten.

Die einzelnen Figuren sind weiterhin vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei entwickeln sie sich (größtenteils) kontinuierlich weiter. Bereits im ersten Band stark, wird Rosalie endgültig zum Scene Stealer und besitzt Lieblingscharakterpotential, aber auch Romy und Marie überzeugen. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei weiterhin flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, ein dreiseitiger Farbschnitt rundet das hochwertige Gesamtprodukt ab. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein, ist allerdings kein Eyecatcher und wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist eine gelungene Fortsetzung der Familiensaga mit abwechslungsreicher Handlung, die in den Nebensträngen aber etwas mehr Komplikationen hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres weiterhin bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Starke Frauen in Realität und Fiktion | Lovelybooks-Buchpost

Bevor ich in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen für Euch habe, möchte ich Euch heute noch zwei Neuzugänge präsentieren. „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ von Heike Abidi (Selfpublishing, bereits 2018 im Penguin Verlag unter dem Pseudonym Anna Paulsen erschienen) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Die Geschichte von Autumn Peltier, Wasserkämpferin“ von Carole Lindstrom (Gratitude Verlag, übersetzt von Dayan Kodua mit Illustrationen von Bridget George) als Gewinn einer Buchverlosung, ebenfalls auf Lovelybooks – vielen Dank jeweils dafür. Ich bin schon ganz auf die starken Protagonistinnen gespannt, die sich auf die Suche nach der Liebe begeben oder sich für die Rechte der indigenen Gesellschaften einsetzen – so oder so ist Spannung garantiert.

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[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ (Zeit der Schwestern 1)

Vor kurzem habe ich auch „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Vorab-Leseexemplars als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury.

Es ist Frühling am Bodensee, und ein großes Fest unter blühenden Apfelbäumen steht bevor: Anlässlich des 70. Geburtstags ihrer Mutter Lotte haben sich auch ihre Töchter Carolin, Romy und Veronika unter den Gästen eingefunden. Für die Naturfotografin Carolin, die nach dem Biologiestudium nach Neuseeland ausgewandert ist, liegt der letzte Besuch Jahre zurück. Nun freut sie sich auf ihre Schwestern und sieht erwartungsvoll zwei Wochen Heimatfeeling entgegen. Doch dann wirbelt eine überraschende Entdeckung das Familienleben durcheinander. Und als eine unerwartete Begegnung ihr bisheriges Leben infrage stellt, trifft Carolin eine folgenreiche Entscheidung …

„Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist der erste Band der Trilogie um die drei Schwestern Caro, Romy und Veri – in jedem Band steht eine der drei im Mittelpunkt. Dabei lässt sich das Buch bzw. die Trilogie als solche gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, zeigt es doch Aspekte eines Liebesromans oder auch der Gegenwartsliteratur. Aufgrund der handlungstreibenden familiären Bezüge habe ich das Buch jedoch als Familiensaga eingeordnet, auch wenn hier etwas der starke generationenübergreifende Aspekt fehlt.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, teils jedoch auch vorhersehbar – und lässt viele, viele Konflikte für die Folgebände offen (richtigerweise, da sie sich nicht um Caro drehen, sondern um ihre Schwestern). Insgesamt wird hier ein Potpourri an familiären Themen gemischt, nahezu jegliche denkbare Krise wird hier aufgefahren – auf die ein oder andere Problematik hätte man dabei durchaus auch verzichten können.

Das Setting ist auf ganzer Linie gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an den Bodensee und auf die Insel Mainau – eine Besichtigung des Schmetterlingshauses inklusive, die Begeisterung für die Region springt einen hier förmlich an. Dabei mischt Tanja Huthmacher gut zwischen Tradition und Moderne und bindet über die Hobbys und Berufe der Protagonist:innen niederschwellig Themen wie Fotografie, Önologie und Kulinarik mit ein.

Die einzelnen Figuren sind – größtenteils – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Georg und Rosalie, während gerade Veri noch etwas blass verbleibt, dies aber ja spätestens in ihrem eigenen Band noch ändern kann. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Aussagen zur Buchgestaltung sind nur eingeschränkt möglich, da mir ein Vorab-Leseexemplar vorliegt, das natürlich noch einige Fehler enthält und auch in der Ausstattung nicht mit der (deutlich hochwertigeren) Endversion übereinstimmt. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass das Cover durchaus nett anzusehen ist und sich harmonisch auf dem Buchrücken fortsetzt, insgesamt aber etwas zu lieblich und unauffällig wirkt, um als Eyecatcher zu dienen. Abgerundet wird das Buch übrigens durch eine kleine aber feine Sammlung an Rezepten, die in der Handlung eine Rolle spielen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist ein gelungener Start in die Familiensaga, der vor allem durch sein Setting und tolle Themen punktet, aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Eva Floris: „Vulkanherzsommer“

Vor kurzem habe ich „Vulkanherzsommer“ von Eva Floris gelesen. Das Buch ist 2024 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Schicksalsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Duft von Zitronen, wilde Kaktusfeigen und mittendrin der alles überragende Ätna. Kaum ist Lena auf Sizilien gelandet, zieht die Insel sie wieder in ihren Bann. Mit gemischten Gefühlen begegnet sie der neuen Familie ihres verstorbenen Vaters, einem berühmten Vulkanologen. Ihre Halbschwester ist fest entschlossen, sie besser kennenzulernen. Aber Lena fällt es schwer, die überschwängliche Anna an sich heranzulassen. Zu schmerzlich sind die Erinnerungen an die Tragödie, die damals auf der Insel geschah. Ablenkung findet sie in den Begegnungen mit dem Künstler Gabriele, der aus Vulkangestein einzigartige Skulpturen erschafft.

„Vulkanherzsommer“ von Eva Floris lässt sich kaum einen Genre zuordnen – und diese Zerrissenheit spiegelt auch etwas das Cover wider. So zeigt das Buch Ansätze eines Liebesromans, wird auf Verkaufsportalen teils aber auch als Gegenwartsliteratur oder Familienroman/Familiensaga eingeordnet. Da ein gemeinsamer Schicksalsschlag der Ausgangspunkt für die gesamte Handlung ist, habe ich schlussendlich das Buch als Schicksalsroman eingeordnet, da mir die Verarbeitung des Erlebten hier fast wichtiger erscheint als die zart anklingende Lovestory.

Die Handlung ist abwechslungsreich und durchaus spannend, teils aber auch mit kleineren Längen versehen. Dabei überzeugt vor allem auch das halbwegs offen gehaltene Ende, auch wenn man das Buch durchaus noch ein Kapitel früher hätte abschließen können – so hat sich zum Ende hin der Fokus doch noch einmal stärker in Richtung Liebesroman verschoben. Gewünscht hätte ich mir zudem noch einige Komplikationen mehr, etwas stärkere Stolperschritte – in fast allen Handlungssträngen.

Das Setting kann naturgemäß überzeugen. So entführt die Autorin die Leser:innen nach Sizilien – und lässt die Liebe zur Region auf jeder Buchseite durchklingen. Dabei hätten die – vorhandenen – Beschreibungen fast noch stärker ins Extreme gehen können, um die Region für die Leser:innen noch greifbarer, spürbarer und erlebbarer zu machen. Auch sonst mischt Eva Flores hier bunt die Themen – allein durch die Leidenschaften der Protagonist:innen werden unter anderem Kunst, Naturkosmetik und Vulkanologie gut aufbereitet und in den Roman eingeflochten. Abgerundet wird das Setting durch typisch sizilianische Rezepte im Anhang des Buches.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Anna (der heimliche Star des Romans, von dem ich gern am Ende noch mehr gelesen hätte) und Lenas Mutter sowie Maria, während Gabriele etwas blass verbleibt und nicht immer nachvollziehbar handelt. Der Schreibstil von Eva Flores lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag wartet mit einer hochwertigen Prägung auf Cover und Buchrücken auf, das Covermotiv ist ästhetisch toll, aber kein Eyecatcher und lässt kaum Rückschlüsse auf das Genre des Buches zu. Zudem wird es leider drastisch zum Buchrücken hin unterbrochen, der dann zusammen mit der Coverrückseite eher schlicht und eintönig daherkommt.

Mein Fazit? „Vulkanherzsommer“ ist ein durchaus abwechslungsreicher Roman, der mit einem tollen Setting und starken Nebencharakteren punktet, aber durchaus auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.