[Buchgedanken] Heike Abidi: „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“

Vor kurzem habe ich auch „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ von Heike Abidi gelesen. Der Roman ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden, eine frühere Version erschien unter gleichem Titel und dem Pseudonym „Anna Paulsen“ 2018 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH. Das Buch ist als Liebesroman einzuordnen, vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Während andere den Freitag herbeisehnen, freut sich Matilda auf Montag, denn nichts liebt sie mehr als ihren Job im Amt für nicht zustellbare Post, wo sie für die Buchstaben K bis M zuständig ist. Doch dann kommt der Tag, an dem Matilda ein nie überbrachter Liebesbrief so sehr berührt, dass sie beschließt, ihre gewohnten Pfade zu verlassen und den Empfänger ausfindig zu machen – ganz gleich, wie schwierig es wird. Sie stößt auf eine schmerzliche Liebesgeschichte, die bereits viele Jahrzehnte zurückliegt. Doch für ein Happy End ist es schließlich nie zu spät, oder?

„Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ ist – wie oben dargestellt – die Neuauflage des bereits 2018 erschienenen, gleichnamigen Titels, der 2019 für den DELIA-Literaturpreis nominiert worden ist. Dabei fällt die Genreeinordnung als Liebesroman zwar leicht, gleichsam ist das Buch aber auch – mehr oder weniger – Schicksalsroman und Entwicklungsroman – und in der zweiten Hälfte durchaus teils auch Briefroman, kommuniziert doch ein Protagonist nahezu ausschließlich in Briefform.

Die Handlung ist dabei durchaus interessant, teils aber vorhersehbar, immer jedoch sehr cosy, sehr bedacht, eine Feel-Good-Atmosphäre zu schaffen – so wird das Buch ein idealer Begleiter für einen verregneten Tag mit einer dampfenden Tasse Kaffee (oder in Matildas Sinne: Tee). Themen wie verbotene Liebe, Altersdemenz und Vorurteilsdenken werden dabei durch die Protagonisten angerissen, aber nicht allzu vertieft aufgearbeitet, um die heimelige Stimmung, die den Roman durchzieht, nicht zu gefährden. Brillieren können hingegen einige der Briefe, insbesondere Cornelius‘ 100 Wahrheiten sind eine der absoluten Sternstunden des Romans. Auch das teils offene Ende vermag – wenn es auch etwas plötzlich kommt – durchaus zu glänzen.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt die Autorin die Leser:innen nach Karlskirchen, in eine mittelgroße (sonst hätte sie keinen Oberbürgermeister), aber doch verschlafene Stadt und nimmt sie mit auf Reisen, unter anderem nach Berlin und an die Ostsee. Dabei entdeckt man als Leser:in diese Orte zusammen mit den Protagonist:innen, das Meer mit Elvira zusammen kennenzulernen ist hierbei eine der am stärksten berührenden Passagen des Buches. Auch vermag es Heike Abidi, den grauen Büroalltag innerhalb der Behörde durchaus humorvoll darzustellen und den Leser:innen so das ein oder andere Lächeln zu entlocken.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Elvira, Kirsten und Cornelius, während Matilda so weltfremd erscheint, dass sie anfangs schwer greifbar ist, und auch später wenig nachvollziehbar handelt und – irritierenderweise – höchst illegal. Heike Abidis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, hätte aber durchaus die Briefe innovativer setzen können. Das Covermotiv zieht sich über Buchrücken und Coverrückseite und ergibt so ein ganzheitliches Bild über den kompletten Umschlag, ist jedoch etwas eintönig und kein Eyecatcher. Auch hätte man auf die Kapitelüberschriften verzichten können, spoilern diese doch teils die Handlung der Kapitel, die aber – auch das sollte man lobend erwähnen – alle auf ungeraden Buchseiten beginnen.

Mein Fazit? „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der mit tollen Briefen und interessanten Charakteren glänzt, teils aber auch etwas vorhersehbar ist und etwas zu stark an der Oberfläche verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ (Zeit der Schwestern 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die verlagseigene Bloggerjury.

Es ist Sommer am Bodensee, und die Kirschen leuchten in rotem Glanz. Als Alleinerziehende hat Romy mit zwei lebhaften Kindern und ihrem Job als Caterin eigentlich genug um die Ohren. Doch sie will unbedingt an einem Backwettbewerb teilnehmen, der ein beachtliches Preisgeld und attraktive Perspektiven für ihre berufliche Zukunft verheißt. Auch wenn sie ihre geliebten Schwestern Carolin und Veronika mit Rat und Tat an ihrer Seite weiß, will Romy dieses neue Projekt allein meistern. Als eine kleine Panne eine ganze Kette an Missverständnissen nach sich zieht, wird Romy bewusst, dass sie eine weitreichende Entscheidung nicht länger aufschieben darf …

„Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist nach „Zeit der Schwestern – Apfelblütentage“ der zweite Roman der „Zeit der Schwestern“-Trilogie bzw. der Reihe um die Bodensee-Schwestern. Auch wenn sich weiterhin gute Argumente dafür finden, das Buch als Liebesroman einzuordnen, würde ich bei der Kategorisierung als Familiensaga verbleiben, sind die drei Teile doch durch die starken Familienbande untereinander geprägt. Zudem setzen die Folgebände – trotz der Fokussierung auf eine andere Hauptperson – die Geschichten der anderen Familienmitglieder nahtlos fort. Dabei kann man den Roman durchaus als Standalone lesen, aufgrund der nahtlosen Anknüpfung an den ersten Band würde ich aber dessen Lektüre vorab empfehlen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend, wenn auch teils vorhersehbar. Um etwas Vielfalt hineinzubringen erweitert Tanja Huthmacher das – für diesen Band – charakteristische Love Triangle um eine weitere Ebene und stellt der Protagonistin kurzfristig sogar drei potentielle Partner zur Seite. Dabei gelingt es ihr, zumindest kurzzeitig die Leser:innen an dem eigentlich eingeschlagenen Weg zweifeln zu lassen. Allerdings gerät das Buch dafür außerhalb des Haupthandlungsstrangs etwas ins Schwimmen. Während der Vorgängerband hier noch durch externe Konflikte befeuert wurde, legen sich diese nunmehr und es herrscht – etwas eintönig – mehr oder weniger eitel Sonnenschein, wohin man auch blickt.

Das Setting bleibt naturgemäß gleich und somit brillant. Auch dieses Mal entführt Tanja Huthmacher – wie sollte es anders sein – die Leser:innen an den Bodensee, in die malerische Stadt Konstanz, nach Überlingen und – natürlich – aufs Wasser und auf die Mainau. Da man alle Handlungsorte kennt, gibt es wenig Überraschungen, dafür baut die Autorin durch den Filmdreh weitere Themen mit ein wie den Umgang mit Kindern am Set. Thematisch wird sicherlich der dritte Band hier am spannendsten, ist doch ein noch vertiefterer Einblick in Weinbau und Önologie zu erwarten.

Die einzelnen Figuren sind weiterhin vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei entwickeln sie sich (größtenteils) kontinuierlich weiter. Bereits im ersten Band stark, wird Rosalie endgültig zum Scene Stealer und besitzt Lieblingscharakterpotential, aber auch Romy und Marie überzeugen. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei weiterhin flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, ein dreiseitiger Farbschnitt rundet das hochwertige Gesamtprodukt ab. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein, ist allerdings kein Eyecatcher und wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern – Kirschsommer“ ist eine gelungene Fortsetzung der Familiensaga mit abwechslungsreicher Handlung, die in den Nebensträngen aber etwas mehr Komplikationen hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres weiterhin bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Starke Frauen in Realität und Fiktion | Lovelybooks-Buchpost

Bevor ich in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen für Euch habe, möchte ich Euch heute noch zwei Neuzugänge präsentieren. „Liebe M. – Du bringst mein Herz zum Überlaufen“ von Heike Abidi (Selfpublishing, bereits 2018 im Penguin Verlag unter dem Pseudonym Anna Paulsen erschienen) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Die Geschichte von Autumn Peltier, Wasserkämpferin“ von Carole Lindstrom (Gratitude Verlag, übersetzt von Dayan Kodua mit Illustrationen von Bridget George) als Gewinn einer Buchverlosung, ebenfalls auf Lovelybooks – vielen Dank jeweils dafür. Ich bin schon ganz auf die starken Protagonistinnen gespannt, die sich auf die Suche nach der Liebe begeben oder sich für die Rechte der indigenen Gesellschaften einsetzen – so oder so ist Spannung garantiert.

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[Buchgedanken] Tanja Huthmacher: „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ (Zeit der Schwestern 1)

Vor kurzem habe ich auch „Zeit der Schwestern: Apfelblütentage“ von Tanja Huthmacher gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG veröffentlicht worden und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Vorab-Leseexemplars als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury.

Es ist Frühling am Bodensee, und ein großes Fest unter blühenden Apfelbäumen steht bevor: Anlässlich des 70. Geburtstags ihrer Mutter Lotte haben sich auch ihre Töchter Carolin, Romy und Veronika unter den Gästen eingefunden. Für die Naturfotografin Carolin, die nach dem Biologiestudium nach Neuseeland ausgewandert ist, liegt der letzte Besuch Jahre zurück. Nun freut sie sich auf ihre Schwestern und sieht erwartungsvoll zwei Wochen Heimatfeeling entgegen. Doch dann wirbelt eine überraschende Entdeckung das Familienleben durcheinander. Und als eine unerwartete Begegnung ihr bisheriges Leben infrage stellt, trifft Carolin eine folgenreiche Entscheidung …

„Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist der erste Band der Trilogie um die drei Schwestern Caro, Romy und Veri – in jedem Band steht eine der drei im Mittelpunkt. Dabei lässt sich das Buch bzw. die Trilogie als solche gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, zeigt es doch Aspekte eines Liebesromans oder auch der Gegenwartsliteratur. Aufgrund der handlungstreibenden familiären Bezüge habe ich das Buch jedoch als Familiensaga eingeordnet, auch wenn hier etwas der starke generationenübergreifende Aspekt fehlt.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich, teils jedoch auch vorhersehbar – und lässt viele, viele Konflikte für die Folgebände offen (richtigerweise, da sie sich nicht um Caro drehen, sondern um ihre Schwestern). Insgesamt wird hier ein Potpourri an familiären Themen gemischt, nahezu jegliche denkbare Krise wird hier aufgefahren – auf die ein oder andere Problematik hätte man dabei durchaus auch verzichten können.

Das Setting ist auf ganzer Linie gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an den Bodensee und auf die Insel Mainau – eine Besichtigung des Schmetterlingshauses inklusive, die Begeisterung für die Region springt einen hier förmlich an. Dabei mischt Tanja Huthmacher gut zwischen Tradition und Moderne und bindet über die Hobbys und Berufe der Protagonist:innen niederschwellig Themen wie Fotografie, Önologie und Kulinarik mit ein.

Die einzelnen Figuren sind – größtenteils – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Georg und Rosalie, während gerade Veri noch etwas blass verbleibt, dies aber ja spätestens in ihrem eigenen Band noch ändern kann. Tanja Huthmachers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Aussagen zur Buchgestaltung sind nur eingeschränkt möglich, da mir ein Vorab-Leseexemplar vorliegt, das natürlich noch einige Fehler enthält und auch in der Ausstattung nicht mit der (deutlich hochwertigeren) Endversion übereinstimmt. Was ich jedoch sagen kann, ist, dass das Cover durchaus nett anzusehen ist und sich harmonisch auf dem Buchrücken fortsetzt, insgesamt aber etwas zu lieblich und unauffällig wirkt, um als Eyecatcher zu dienen. Abgerundet wird das Buch übrigens durch eine kleine aber feine Sammlung an Rezepten, die in der Handlung eine Rolle spielen.

Mein Fazit? „Zeit der Schwestern: Apfelblütenträume“ ist ein gelungener Start in die Familiensaga, der vor allem durch sein Setting und tolle Themen punktet, aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Eva Floris: „Vulkanherzsommer“

Vor kurzem habe ich „Vulkanherzsommer“ von Eva Floris gelesen. Das Buch ist 2024 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Schicksalsroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der Duft von Zitronen, wilde Kaktusfeigen und mittendrin der alles überragende Ätna. Kaum ist Lena auf Sizilien gelandet, zieht die Insel sie wieder in ihren Bann. Mit gemischten Gefühlen begegnet sie der neuen Familie ihres verstorbenen Vaters, einem berühmten Vulkanologen. Ihre Halbschwester ist fest entschlossen, sie besser kennenzulernen. Aber Lena fällt es schwer, die überschwängliche Anna an sich heranzulassen. Zu schmerzlich sind die Erinnerungen an die Tragödie, die damals auf der Insel geschah. Ablenkung findet sie in den Begegnungen mit dem Künstler Gabriele, der aus Vulkangestein einzigartige Skulpturen erschafft.

„Vulkanherzsommer“ von Eva Floris lässt sich kaum einen Genre zuordnen – und diese Zerrissenheit spiegelt auch etwas das Cover wider. So zeigt das Buch Ansätze eines Liebesromans, wird auf Verkaufsportalen teils aber auch als Gegenwartsliteratur oder Familienroman/Familiensaga eingeordnet. Da ein gemeinsamer Schicksalsschlag der Ausgangspunkt für die gesamte Handlung ist, habe ich schlussendlich das Buch als Schicksalsroman eingeordnet, da mir die Verarbeitung des Erlebten hier fast wichtiger erscheint als die zart anklingende Lovestory.

Die Handlung ist abwechslungsreich und durchaus spannend, teils aber auch mit kleineren Längen versehen. Dabei überzeugt vor allem auch das halbwegs offen gehaltene Ende, auch wenn man das Buch durchaus noch ein Kapitel früher hätte abschließen können – so hat sich zum Ende hin der Fokus doch noch einmal stärker in Richtung Liebesroman verschoben. Gewünscht hätte ich mir zudem noch einige Komplikationen mehr, etwas stärkere Stolperschritte – in fast allen Handlungssträngen.

Das Setting kann naturgemäß überzeugen. So entführt die Autorin die Leser:innen nach Sizilien – und lässt die Liebe zur Region auf jeder Buchseite durchklingen. Dabei hätten die – vorhandenen – Beschreibungen fast noch stärker ins Extreme gehen können, um die Region für die Leser:innen noch greifbarer, spürbarer und erlebbarer zu machen. Auch sonst mischt Eva Flores hier bunt die Themen – allein durch die Leidenschaften der Protagonist:innen werden unter anderem Kunst, Naturkosmetik und Vulkanologie gut aufbereitet und in den Roman eingeflochten. Abgerundet wird das Setting durch typisch sizilianische Rezepte im Anhang des Buches.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Anna (der heimliche Star des Romans, von dem ich gern am Ende noch mehr gelesen hätte) und Lenas Mutter sowie Maria, während Gabriele etwas blass verbleibt und nicht immer nachvollziehbar handelt. Der Schreibstil von Eva Flores lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag wartet mit einer hochwertigen Prägung auf Cover und Buchrücken auf, das Covermotiv ist ästhetisch toll, aber kein Eyecatcher und lässt kaum Rückschlüsse auf das Genre des Buches zu. Zudem wird es leider drastisch zum Buchrücken hin unterbrochen, der dann zusammen mit der Coverrückseite eher schlicht und eintönig daherkommt.

Mein Fazit? „Vulkanherzsommer“ ist ein durchaus abwechslungsreicher Roman, der mit einem tollen Setting und starken Nebencharakteren punktet, aber durchaus auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Der Traum der Lady Flower“ (Celtic Dreams 1)

Vor kurzem habe ich auch „Der Traum der Lady Flower“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2024 im Knaur Verlag, Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars nach Rezensionsanfrage.

Schottland, 1485: Lady Flower, die älteste Tochter von Gregor MacKay träumt davon, bei einer Tierheilerin im entfernten Dorf Portskerra das Heilen zu lernen, um die Hochlandrinder ihres Clans zu versorgen. Ihre Eltern haben jedoch andere Pläne für die fürsorgliche Tochter: Sie soll einen Lord heiraten. Ausgerechnet Flowers heimliche Jugendliebe Cailan Sinclair, ein Frauenheld mit unentrinnbarer Vergangenheit, soll einen Ehemann für sie finden. Obwohl es zwischen Flower und Cailan knistert und funkt, weicht Flowers Traum von Cailans Pflichten als Clanerbe so weit ab, dass eine gemeinsame Zukunft für sie undenkbar ist. Bis ein verheißungsvoller Kuss alles verändert und sich die junge Frau fragen muss: Wie viel ist sie bereit, für die wahre Liebe aufzugeben?

„Der Traum der Lady Flower“ ist der Auftaktband der Trilogie „Celtic Dreams“ um die MacKay-Schwestern Flower, River und Leaf – und der Debütroman von Kristin MacIver. Dabei lässt sich das Buch als Standalone lesen – jeder Roman behandelt die Geschichte der jeweiligen Schwester abschließend, auch wenn es sicherlich Überschneidungen gibt und ich daher empfehlen würde, auch dieses Buch zu lesen, bevor man sich den Folgebänden widmet. Der Roman lässt sich jedoch nicht direkt einem Genre zuordnen – balanciert er doch für mich auf der Grenze zwischen historischem Liebesroman und Historical Romance – auch wenn diese Differenzierung für den ein oder anderen akademisch erscheinen mag. Schlussendlich habe ich mich jedoch für die Einstufung als historischen Liebesroman erschienen, da zumindest einige Sexszenen ausgeblendet wurden und das Buch auch so vom Verlag beworben wird.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich. Auch wenn mich der Anfang nicht ganz überzeugte, nahm das Buch schnell an Fahrt auf und faszinierte mich mit dem Fortgang der Handlung immer stärker. Dabei reichert Kristin MacIver die historische Liebesgeschichte mit dem Thema Rollenklischees im Mittelalter an und streut auch das Thema Posttraumatischer Belastungsstörung und Flashbacks mit ein. Positiv ist hier zu erwähnen, dass im Nachwort – bei der nachgestellten Triggerwarnung – auch explizit auf Hilfsangebote verwiesen wird.

Das Setting ist naturgemäß brillant, entführt uns die Autorin doch in die schottischen Highlands im ausklingenden Mittelalter und zeigt ein Leben zwischen Rinderweiden, Clanstrukturen und dynastischer Politik. Dabei verwischt Kristin MacIver insbesondere in den Figuren Finley und Hailey die damaligen Standesunterschiede und lässt auch ganz am Rand die schottische Geschichte der letzten Jahrhunderte anklingen – hier hätte ich mir noch einen stärkeren Fokus, ein stärkeres schottisches Selbstbewusstsein gewünscht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Leaf (ich freue mich so auf ihren Band!), Rhona und Artair, während gerade Cailan etwas blass verblieb – und man ihm nicht wirklich ein Happy End wünschte. Nur Finleys eigenes Glück sorgt dafür, dass man als Leser:in Cailans‘ mit Flower toleriert. Kristin MacIvers Schreibstil ist zudem leicht und flüssig zu lesen, balanciert mehr auf der Seite der Lesbarkeit in Abwägung zur historischen Authentizität und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht wesentlich schmälern. Der Buchumschlag ist mit Klappen und toll gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist wunderschön anzusehen, auch wenn etwas der Bezug zur Handlung fehlt und es leider drastisch zum Buchrücken hin unterbrochen wird. Insgesamt bilden die einzelnen Bände aber immerhin einen tollen Gesamteindruck mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Der Traum der Lady Flower“ ist ein gelungener Auftakt in die Liebesromanreihe, der vor allem mit seinem Setting und tollen Nebencharakteren überzeugt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Petra Schier: „Weihnachtszauber und Hundepfoten“ (Weihnachtshund 8)

Nachdem die letzte Zeit etwas stressig war, habe ich heute und in den nächsten Tagen wieder einige Rezensionen und Neuzugänge für Euch. Den Anfang macht hierbei „Weihnachtszauber und Hundepfoten“ von Petra Schier. Das Buch ist 2023 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Seit Melissa ihren gewalttätigen Ex-Mann verlassen hat, lebt sie in ständiger Angst. Als sie dann dem Sicherheitsexperten Lennart und seiner jungen Boxerdame Sissy begegnet, will sie instinktiv auf Abstand gehen. Zu groß ist Melissas Angst vor Nähe, und sie hat sich geschworen, ihren kleinen Sohn Andy vor jeglicher Gefahr zu schützen, koste es, was es wolle. Doch Lennart ist so ganz anders als ihr Ex und setzt sanft alles daran, sie näher kennenzulernen. Bald schon kann sie sich ihrer Gefühle für ihn kaum noch erwehren. Doch dann überschlagen die Ereignisse sich, und Santa Claus und seine Crew haben alle Hände voll damit zu tun, das Weihnachtsfest doch noch zum Fest der Liebe zu machen.

„Weihnachtszauber und Hundepfoten“ ist bereits der achte Weihnachtshund-Roman von Petra Schier, von der ich bislang eher historische Romane wie „Das Geheimnis des Pilgers“ und „Die Liebe des Pilgers“ gelesen habe. Dabei ist „Weihnachtszauber und Hundepfoten“ ein bunter Genremix mit märchenhaft-fantastischen Elementen, ist zugleich Hunde-, Weihnachts- und Liebesroman – wobei ich letzteres aufgrund der starken Dominanz der Liebesgeschichte als für mich relevantes Genre übernommen habe.

Die Handlung ist abwechslungsreich und – gerade für Neueinsteiger in die Reihe – sehr überraschend aufgrund der verschiedenen Perspektiven, der Darstellung der Gedanken des Hundes, der fantastischen Elemente und – ja – auch einer unerwarteten Sexszene. Dabei mischt Petra Schier weihnachtliches Flair mit schweren Themen, wie in diesem Band toxische Beziehungen und häusliche Gewalt. Dennoch verbleibt das Buch manchmal etwas an der Oberfläche – und bietet am Ende auch einen etwas unnötigen Cliffhanger zum (vermutlich) nächsten Band.

Das Setting ist – wie sollte es bei einem Weihnachtsroman auch anders sein? – gelungen. So entführt die Autorin den Leser in eine Kleinstadt zur Vorweihnachtszeit mit malerischem Weihnachtsmarkt und einer Ferienhaussiedlung mit traumhaften Blockhäusern (auch wenn es weiterhin sehr irritiert, dass Melissa auf der Flucht in so ein abgelegenes Blockhaus zieht – das hat fast etwas von der Irrationalität in Horrorfilmen). Schön auch, dass hier das Setting vergangener Bände aufgegriffen und so die Geschichte mit altbekannten, wenn auch mir neuen, Protagonisten fortgesetzt wird.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenrollen wie Lena, Ellie und Oliver, während insbesondere Melissa teils nicht nachvollziehbar agiert. Petra Schiers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, allerdings hätte ich mir zur Abrundung des Buches in einem Nachwort noch Anlaufstellen für Hilfsangebote bei häuslicher Gewalt gewünscht. Das Cover setzt sich nahtlos zum Buchrücken hin fort, wird allerdings etwas einfallslos einfach auf der Coverrückseite nochmals abgebildet. Insgesamt ist das Motiv zwar passend, aber auch etwas beliebig.

Mein Fazit: „Weihnachtszauber und Hundepfoten“ ist ein abwechslungsreicher und überraschender Liebesroman mit nur kleineren Schwächen. Für Liebhaber des Genres – und von Hunden – bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Monika Mansour: „Der Himmel über den Alpen“

Vor kurzem habe ich „Der Himmel über den Alpen“ von Monika Mansour gelesen. Das Buch ist 2023 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

In einem Sanatorium in den Berner Alpen lassen sich vermögende Patienten mit psychischen Problemen diskret behandeln. Die quirlige Sunshine leidet unter der Misshandlung ihrer italienischen Mafiafamilie. Rainman, erfolgreicher koreanischer Popstar, ist mit einem tragischen Geheimnis belastet. Beide lassen sich am selben Tag einliefern – und entdecken hier, in ihrer Heimat, wo sie als Kinder glücklich waren, nicht nur eine neue Liebe, sondern finden auch die Kraft, ihre Zukunft neu zu schreiben.

„Der Himmel über den Alpen“ ist der erste Roman fernab des Krimigenres von Monika Mansour – und so ganz kann sie ihre Krimileidenschaft dann doch nicht verbergen. Zwar habe ich das Buch als (klassischen) Liebesroman eingeordnet, es zeigt jedoch durchaus auch Ansätze eines Thrillers oder Krimis – und hätte mit Fug und Recht auch als Schicksalsroman eingeordnet werden können, wenn die Perspektive etwas stärker auf eine der Figuren fokussiert gewesen und/oder Rainmans Geheimnis früher aufgedeckt worden wäre.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend, wenn in Teilen allerdings auch vorhersehbar. Insbesondere loben möchte ich, dass der Prolog relativ früh im Buch wiederaufgegriffen wird und die Handlung insgesamt sehr stringent erzählt wird, da nur wenige Handlungsstränge vorhanden sind. Auch ist die Kombination von Mafia und K-Pop elektrisierend und neu, allerdings sind gerade diese Erzählstränge außerhalb der Lovestory auch etwas überzeichnet und hollywoodlike.

Das Setting ist naturgemäß traumhaft, entführt die Autorin den Leser doch ins Berner Oberland – und auf Ausflüge nach Kalabrien und Busan. Dabei gelingt es Monika Mansour, die besonderen Gegebenheiten der Orte herauszustellen und so für den Leser zum Leben zu erwecken – insbesondere das schweizerische Alpenpanorama. Apropos Schweiz: Auch hier hat sich das ein oder andere dialektische und im Hochdeutschen unbekannte Wort in den allgemeinen Text geschmuggelt – glücklicherweise ließ es sich jeweils aus dem Kontext erschließen.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenrollen wie Sophie, Dr. Tribelhorn und Tony, während Rainman etwa blass verbleibt und nicht immer nachvollziehbar handelt. Monika Mansours Schreibstil lässt sich hingegen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt. Das Titelmotiv ist schön anzusehen aber auch etwas beliebig und wird leider zum Buchrücken hin abrupt unterbrochen. Buchrücken und Coverrückseite bilden zudem einen irritierenden farblichen Gegensatz – ein Tausch der Farben bei einem der beiden hätte hier für fließende und einheitliche Übergänge gesorgt.

Mein Fazit? „Der Himmel über den Alpen“ ist ein weitgehend überzeugender Liebesroman, der vor allem mit seinem Setting brilliert und nur kleinere Schwächen in der Handlung aufweist. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 15 Jahren.

[Buchgedanken] Margrit Cantieni: „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“

Vor kurzem habe ich auch „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ von Margrit Cantieni gelesen. Das Buch ist 2023 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sommer 1941. Tausende polnische Soldaten werden auf der Flucht vor der deutschen Wehrmacht in der Schweiz interniert und von den Einheimischen als Helden gefeiert. Doch bald schon kippt die Stimmung, und die zuvor willkommenen Flüchtlinge werden zur vermeintlichen Bedrohung. So auch Marek, der im Arbeitslager auf die junge Sofia trifft. Es ist Liebe auf den ersten Blick, aber je länger der Krieg dauert, desto unerwünschter wird ihre Beziehung. Schaffen sie es, sich den Regeln der Gesellschaft zu widersetzen und ihr gemeinsames Glück zu finden?

„1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ ist mein erstes Buch der schweizerischen Autorin Margrit Cantieni – und diese Herkunft merkt man dem Buch auch an, das schweizerische Lektorat hat hier sicherlich auch dazu beigetragen. Denn das Buch ist gespickt mit schweizerischen Begriffen, auch außerhalb von Dialogen, und ignoriert teils die gängige deutsche Rechtschreibung, was bei mir als Leser durchaus für Irritationen sorgt.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und kurzweilig, allerdings auch etwas spannungsarm – was bei einem Buch, das größtenteils zur Zeit des zweiten Weltkriegs spielt, doch etwas verwundert. Teils gravierende Zeitsprünge und ein sehr antiklimaktisches Ende sorgen für ein doch sehr angenehmes aber auch etwas eintöniges Leseerlebnis. Dabei werden neben der Liebesgeschichte jedoch spannende historische Fakten über die Schweiz zu dieser Zeit vermittelt, die gerade hier doch eher unbekannt sind.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin den Leser nach Graubünden zur Zeit des zweiten Weltkrieges, insbesondere in das kleine Dorf Rodels, das seit 2015 keine eigene Gemeinde mehr ist, im Buch aber deutlich größer vorkommt als die weniger als 200 Einwohner, die das Dorf wohl zu dieser Zeit hatte – die Internierten nicht mitgezählt. Dabei gelingt es der Autorin gut, die damalige Stimmung und die Spannungen innerhalb der Gesellschaft einzufangen – und atmosphärisch für den Leser greifbar zu machen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem (wichtige) Nebenfiguren wie Leonora und der Lehrer Lorenz, während gerade Marek teils nicht wirklich nachvollziehbar handelt. Margrit Cantienis Schreibstil lässt sich dabei, trotz der Authentizität, leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls solide. Lektorat und Korrektorat haben – im Wesentlichen – sauber gearbeitet, der Buchsatz ist simpel, aber fehlerfrei, auch wenn ich mir eine Karte von Graubünden zur Unterstützung noch gut hätte vorstellen können. Das Covermotiv ist etwas beliebig, aber schön anzusehen – und zieht sich toll über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht.

Mein Fazit? „1941. Liebe in herzlosen Zeiten“ ist ein unterhaltsamer historischer Liebesroman, der eher unbekannte Aspekte des zweiten Weltkrieges in den Mittelpunkt rückt, dabei teils aber etwas ereignisarm daherkommt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Patricia Schröder: „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ (Hannah 1)

Vor kurzem habe ich auch „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ von Patricia Schröder gelesen. Das Buch ist 2023 im KARIBU Verlag in der Edel Verlagsgruppe GmbH erschienen und als phantastisches Jugendbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eigentlich ist die 13-jährige Hannah mit ihrem Leben ganz zufrieden: Mit ihren zwei besten Freundinnen Elif und Sophie wird es in der Schule nie langweilig, und auch ihre kleine Schwester nervt bloß ein bisschen. Wären nur die Jungs in ihrer Klasse nicht so furchtbar doof! Als dann auch noch ein fremder Junge in Hannahs Kleiderschrank auftaucht und behauptet, ihr Zimmer wäre seines, ist es mit ihrer Geduld vorbei. Wie soll Hannah Elias bloß wieder loswerden? Und will sie das überhaupt?

„Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ ist der Auftakt in eine neue Buchreihe von Patricia Schröder. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so leicht kategorisieren, ist es doch eine Mischung aus Liebesroman, Fantasy und Mystery – und das alles an der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wird der Roman doch ab 10 Jahren empfohlen. Leider laut Bewerbung auf Verkaufsportalen für „Mädchen ab 10“, eine Einschätzung, die ich ausdrücklich nicht teile, kann er doch genauso gut und mit gleicher Lesefreude von Jungen gelesen werden – schließlich geht das Thema „Erste Liebe“ jeden etwas an :).

Die Handlung ist kurzweilig, spannend und abwechslungsreich – und zumindest in gewissem Maße abgeschlossen, sodass das Buch durchaus als Standalone gelesen werden kann, auch wenn noch genug Fragen und Handlungsstränge offen bleiben, um Lust auf die Fortsetzung zu machen. Dabei werden altersgerechte Themen angesprochen: Erste Liebe, Mobbing, Entwurzelung und Streit zwischen und mit den Eltern – um hier nur einige zu nennen. Diese werden aber zielgruppenorientiert nicht in der Tiefe erörtert, sodass eine leichte Lektüre verbleibt und die Grundstimmung nie zu negativ wird – Feel-Good-Garantie für Leser:innen jedes Alters.

Das Setting vermag bislang jedoch noch nicht komplett zu überzeugen. So entführt die Autorin den Leser mindestens mal nach Hamburg und München, in ein Urban-Fantasy-Setting in der realen Welt. Hierbei wird jedoch der fantastische Part bislang nicht zufriedenstellend erklärt, ein schlüssiges „Magiekonzept“ ist nicht ersichtlich – dies muss und kann sich aber in den nächsten Bänden noch ändern.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, auch wenn bei einigen Charakteren durchaus noch Entwicklungspotential für die Folgebände besteht. Am stärksten überzeugen können bislang Lilly, Karlchen, Hannah und Sophie, während Hannahs Vater bisweilen nicht nachvollziehbar handelt. Patricia Schröders Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, altersgerecht und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient sich auch ein Lob dafür, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen. Der Buchdeckel ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken leicht geprägt und mit farbigen, allerdings eintönigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist sehr kleinteilig, greift die Handlung aber gut auf und illustriert diese. Abzuwarten bleibt, ob die Folgebände hier für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe sorgen können.

Mein Fazit? „Jungs müssen draußen bleiben! … und trotzdem zieht das Chaos ein“ ist ein kurzweiliges, phantastisches Jugendbuch mit spannender Handlung, aber noch Nachholbedarf beim Magiekonzept. Für Leser ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 10 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.