[Buchgedanken] Jennifer Lynn Barnes: „The Inheritance Games“ (TIG 1)

Vor einiger Zeit habe ich „The Inheritance Games“ von Jennifer Lynn Barnes gelesen, den ersten Band der „Inheritance Games“-Reihe. Das Buch ist 2022 als cbt Taschenbuch im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 unter dem Titel „The Inheritance Games“ bei Little, Brown and Company in der Verlagsgruppe Hachette. Das Buch ist als Jugendthriller einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Ivana Marinovic verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Avery Grambs hat einen Plan: Highschool überleben, Stipendium abgreifen und dann – nichts wie raus hier. Doch all das ist Geschichte, als der Multimilliardär Tobias Hawthorne stirbt und Avery fast sein gesamtes Vermögen hinterlässt. Der Haken daran? Avery hat keine Ahnung, wer der Mann war. Um ihr Erbe anzutreten, muss Avery in das gigantische Hawthorne House einziehen, wo jeder Raum von der Liebe des alten Mannes zu Rätseln und Geheimnissen zeugt. Ungünstigerweise beherbergt es aber auch dessen gerade frisch enterbte Familie. Allen voran die vier Hawthorne-Enkelsöhne: faszinierend, attraktiv und gefährlich. Gefangen in dieser schillernden Welt aus Reichtum und Privilegien, muss Avery sich auf ein Spiel aus Intrige und Kalkül einlassen, wenn sie überleben will.

„The Inheritance Games“ ist ein aufregender, vielversprechender Beginn in eine neue Buchreihe und – um das gleich mal vorwegzunehmen – ein absolutes Highlight des noch sehr frühen Lesejahres.

Dabei brilliert das Buch bereits durch sein atemberaubendes Setting. Der Leser wird nach Hawthorne House entführt und erkundet zusammen mit Avery ein faszinierendes Anwesen voller Geheimnisse – natürlich inklusive Bowlingbahn, Flipperraum, mehreren Bibliotheken und Waffenkammer – was sonst. Ein wahrer Traum, den ich nur zu gern verfilmt sehen würde.

Auch die Handlung überzeugt im Wesentlichen, ist hochspannend, abwechslungsreich und mit vielen, unerwarteten Wendungen versehen, auch wenn die Dreiecksgeschichte zwischen Avery, Grayson und Jameson noch etwas stiefmütterlich behandelt wird. Auch werden zum Ende hin nicht alle Handlungsstränge aufgelöst, und das Buch endet durchaus in einem milden Cliffhanger, sodass es tendentiell nicht alls Standalone lesbar ist, aber gleichsam viel Potential für den Folgeband bietet.

Die einzelnen Charaktere sind faszinierend, dreidimensional und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, vor allem aber eigene Ziele und Motive. Neben Avery, mit der man sich aufgrund der Ich-Perspektive gut identifizieren kann und die ein spannender, smarter und interessanter Charakter ist, überzeugen hier auch Nebencharaktere wie Xander, Alisa und Rebecca.

Der Schreibstil von Jennifer Lynn Barnes lässt sich leicht und flüssig lesen, ist athmosphärisch und bildhaft, lässt das Kopfkino anspringen und sorgt dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte. Ein wahrer Pageturner – und das beste Buch des noch jungen Jahres.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls überragend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem TItel, Buchrücken und Coverrückseite hochwertig geprägt und mit Klappen ausgestattet, das Coverbild ist ein wahrer Traum, sowohl was das Motiv betrifft als auch die Farbgebung. Zwar hätten farbige Coverinnenseiten das hochwertige Gesamtpaket noch abgerundet, aber das ist Jammern auf hohem Niveau, bleibt doch eines der besten Cover seit langem.

Mein Fazit? „The Inheritance Games“ ist ein aufregender Jugendthriller mit tollen Protagonisten, einem wahnsinnigen Setting und einer spannenden Handlung – ein definitives Highlight. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, aber eher nicht als Standalone lesbar und erst ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

[Buchgedanken] Karen M. McManus: „You will be the death of me“

Vor einiger Zeit habe ich „You will be the death of me“ von Karen M. McManus gelesen. Das Buch ist 2021 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen, die Originalausgabe wurde ebenfalls 2021 unter dem Titel „You’ll Be the Death of Me“ bei Delacorte Press, einem Imprint von Random House Children’s Books veröffentlicht. Der Roman ist als Jugendthriller einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Anja Galić verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ivy, Mateo und Cal waren einmal befreundet, jetzt haben sie nichts mehr miteinander gemein. Aber als Cal zu spät zur Schule kommt und dort auf Ivy und Mateo trifft, scheint das die Gelegenheit zu sein, eine alte Tradition wiederaufleben zu lassen: einen Tag blau machen. Bei ihrem spontanen Ausflug in die Stadt sichten sie einen vierten Schüler auf Abwegen und folgen ihm – mitten hinein in einen Tatort. Ivy, Cal und Mateo kennen den Toten, der vor ihnen liegt – und eigentlich sollten sie jetzt die Polizei rufen. Doch sie alle haben eine Verbindung zu dem Toten. Und etwas zu verbergen. War ihr Zufallstreffen wirklich ein Zufall?

„You will be the death of me“ ist mein erstes Buch der weltweit erfolgreichen Jugendthrillerautorin Karen M. McManus, die ich bereits 2019 auf der Frankfurter Buchmesse erleben durfte – und es wird bestimmt nicht mein letztes gewesen sein, da Karen M. McManus mit dem Buch nicht alles, aber doch viel richtig gemacht hat.

Die Story ist – im Wesentlichen – abwechslungsreich und spannend, teils aber auch vorhersehbar und bietet einige Längen. Zwar stellt die Autorin – geschickt – mit jeweils kurzen Einführungskapiteln die Protagonisten am Anfang vor, die im Anschluss beginnende, eigentliche Handlung ist jedoch gerade anfangs zäh und etwas langatmig. Erst in der zweiten Hälfte nimmt das Buch dann wirklich Fahrt auf und gipfelt in einem sehr gelungenen Ende, das auf ganzer Linie überzeugt.

Die einzelnen Protagonisten sind im Großen und Ganzen vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere Mateo brilliert hier, während Ivy zwar ebenfalls im Grundatz überzeugt, aber im unweigerlichen Vergleich zu einer anderen Ivy (Redmond), einer meiner Lieblingsprotagonistinnen aller Zeiten, klar zurückbleibt.

Hingegen brilliert das Setting auf ganzer Linie und entführt den Leser in ein Amerika zwischen Klein- und Großstadt, in ein Setting zwischen Mord und High-School, ein Drama voller Liebe, Geld und Eifersucht und erlaubt es dem Leser so, sich in die Region und Stadt Boston zu träumen. Der Schreibstil von Karen M. McManus lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, die Perspektivwechsel sind nur anfangs ungewöhnlich, später gewöhnt man sich daran.

Die Buchgestaltung ist gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist leicht auf dem Titel, dem Buchrücken und der Coverrückseite geprägt und vermittelt einen hochwertigen Eindruck. Das Covermotiv ist schön und passt sich gut in die Reihe anderer Bücher der Autorin ein und erzeugt ein gutes Gesamtbild.

Mein Fazit? „You will be the death of me“ ist ein Jugendthriller, der vor allem durch seine Spannung und sein brillantes Setting überzeugt, aber auch einige Längen, gerade am Anfang, bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 14 Jahren.

Ein Wochenende voller Hochspannung | Buchpost im Dreierpack

Vor wenigen Tagen erreichte mich ein tolles Paket aus dem cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH mit tollen Jugendthrillern, die gemeinsam im Rahmen eines Lesewochenendes auf Lovelybooks.de gelesen werden – vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag! Im Paket: „The Inheritance Games“ von Jennifer Lynn Barnes, „You will be the death of me“ von Karen M. McManus und „Forever, Ida“ von Alex Pohl. Insbesondere auf „You will be the death of me“ bin ich schon sehr gespannt, da ich seit der FBM 2019, auf der ich die Autorin live erleben durfte, schon um ihre Bücher herumschleiche. Und „The Inheritance Games“ hatte mich spätestens seit dem wundervollen Cover. Ich hoffe, der Inhalt kann auch nur annähernd mithalten.

Lest Ihr ebenfalls Jugendthriller? Was könnt Ihr empfehlen?

[FBM2021] Tag 3 – In Mannheim daheim, in der Welt zuhause

Der dritte Messetag – der erste, an dem ab 14:00 auch Privatbesucher zugelassen waren, was die Hallen direkt füllte und den Buchverkauf starten ließ – stand ganz im Zeichen von lokal verwurzelten Stars wie Sven Regener, Bülent Ceylan, Volker Kutscher und Kat Menschik, im Zeichen der in Büchern verwurzelten Elke Heidenreich und im Zeichen von Alvaro Soler, der an der Signierbox als Weltstar angekündigt war – und definitiv in der Welt zuhause ist.

Dabei begann der Tag noch ganz entspannt mit einem Gespräch auf der ARD-Bühne. Moderiert von Alex Jakubowski stellten die Illustratorin Kat Menschik und der Autor Volker Kutscher das gemeinsame Werk „Mitte“ vor, eine illustrierte Erzählung in Novellenlänge, die an die Handlung des Kutscher-Romans „Olympia“ aus dem Kosmos um Gereon Rath anknüpft, der den meisten aus „Babylon Berlin“ bekannt sein sollte. Zudem sprachen sie über das Zustandekommen der Zusammenarbeit beim damals ersten Projekt „Moabit“, die Form der täglichen Arbeit und mögliche weitere Projekte – auch wenn sie ausschlossen, dass irgendwann für jeden Berliner Stadtteil ein Werk vorliegen wird.

Im Anschluss führte mich der Programmplan zu zwei aufeinanderfolgenden Veranstaltungen auf dem Blauen Sofa. Die erste war dabei sicherlich die launigste Buchpräsentation, die das Blaue Sofa seit langem gesehen hatte, denn Sven Regener stellte sein neuestes Werk „Glitterschnitter“ vor, ein Roman aus dem Kosmos um Herrn Lehmann, der Anfang der 80er Jahre in Berlin spielt. Dabei redete er sich so in Rage, dass die Moderatorin kaum zu Wort kam, fast hilflos wirkte und irgendwann einfach Sven Regener machen ließ, was dazu führte, dass er leicht überzog, woraufhin die Moderatorin dann auch noch vergaß, den nächsten Programmpunkt anzukündigen.

Auch Elke Heidenreich, die danach ihr Buch „Hier geht’s lang! Mit Büchern von Frauen durchs Leben“ präsentierte, überzog in der Folge konsequent und noch länger (was glücklicherweise nicht zu Verzögerungen führte, da danach eine Pause eingeplant war). Dies lag aber nicht daran, dass Elke Heidenreich sehr offen über ihre Vergangenheit, ihre Familie und ihre Erkrankung sprach, frei Gedichte rezitierte oder die Autorinnen vorstellte, deren Bücher sie im Leben begleiteten, sondern war darauf zurückzuführen, dass die Moderatorin Cécile Schortmann am Ende ausführlichst noch einmal auf die medial hochgekochte Diskussion um Heidenreichs Aussagen zu Sarah Lee Heinrich zu sprechen kam.

Am Nachmittag stellte dann mit Alvaro Soler ein absoluter Weltstar in der 30-Minuten-WG für Stern und Penguin Random House sein Buch „El Mismo Sol – Unter derselben Sonne“ vor. Sehr nahbar erzählte Alvaro von seiner Jugend und wie er zur Musik gekommen ist, von seinen Anfängen im Geschäft und wie ihn der Erfolg eines Tages quasi über Nacht überrollt hat – bis hin zum gemeinsamen Auftritt mit Jennifer Lopez in Las Vegas vor 20.000 Menschen – hochspannend.

Der letzte Programmpunkt des Tages war quasi ein Heimspiel für mich. Als Heidelberger konnte ich es mir natürlich nicht entgehen lassen, den Mannheimer Comedian Bülent Ceylan zu treffen. Auf der ARD-Bühne stellte er sein Buch „Ankommen: Aber wo war ich eigentlich?“ vor, schlug dabei sehr ernste Töne an und sprach von seiner Jugend, eigenen Rassismuserfahrungen und über die derzeit übermächtige Diskussion um rechte Verlage auf der Frankfurter Buchmesse. Anschließend nahme er sich noch Zeit – um mit seinen Fans und Lesern Fotos zu machen – vielen Dank für den gelungenen Tagesabschluss.

Heute stehen einige Signierstunden (Valentina Fast, Nina MacKay) und einige weitere Veranstaltungen auf dem Plan – doch dazu später mehr :).

[FBM2021] Tag 2 – Von Superstars und Superviren (Teil 1)

Gestern stand bereits der zweite Messetag an – und da ich eine Abendveranstaltung besuchte, habe ich den Bericht erneut zweigeteilt. Beginnen möchte ich – wie gestern (Teil 1, Teil 2) – mit den Veranstaltungen auf der Messe, mit: Ariane Kern, Nora Bendzko, Roland Kaiser, Carolin Kebekus und Boris Herrmann bzw. Andreas Wolfers.

Während der erste Tag für mich traditionell mit dem Buchpreisgewinner auf dem Blauen Sofa startete, ist es auch eine gute Tradition, den Folgetag am gleichen Ort mit der Verleihung des Aspekte-Literaturpreises zu beginnen. 2021 wurde Ariane Kochs Debüt „Die Aufdrängung“ prämiert, erschienen bei edition suhrkamp. Sichtlich überwältigt nahm die Autorin den Preis entgegen – den ersten, den sie laut eigener Aussage je gewann, und stellte im Anschluss ihr Buch vor, das vor allem durch seine Sprache brilliert und zur Selbstreflexion anregen soll.

Nachdem ich im Anschluss den wunderschön gestalteten Pavillon des Gastlandes Kanada erkundete – und auch durch die ein oder andere Halle streifte, stand die erste Signierstunde der Messe auf dem Plan. Nora Bendzko, die ich schon jahrelang kenne und schätze, signierte am Stand von Fakriro unter anderem ihren Roman „Die Götter müssen sterben„und verteilte wunderschön gestaltete Postkarten zu den einzelnen Amazonenstämmen. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, auf den Wegen durch die Halle auch nachzukontrollieren, ob Droemer Knaur Noras Buch standesgemäß ausstellt – und siehe da, es steht am Verlagsstand neben Markus Heitz und Leigh Bardugo. Ehre, wem Ehre gebührt :).

Der Nachmittag begann mit dem ersten Superstar des Tages. In der 30-Minuten-WG, dem Talk von Stern und Penguin Random House, stellte Roland Kaiser seine Autobiographie „Sonnenseite“ vor und sprach vor allem über seine Jugend und seine Anfänge im Musikgeschäft sowie sein politisches Engagement und die Schwierigkeiten, für die die Corona-Pandemie in der letzten Zeit bei Künstlern gesorgt hat. Es ist weiterhin nicht meine Musik – aber für den hochsympathischen Auftritt gebührt ihm mein vollster Respekt.

Leider gab es dann die erste kleine Änderung im Messeprogramm. Boris Herrmann, berühmter Segler und Umweltaktivist, musste seine Messeteilnahme leider aus privaten Gründen absagen. So nahm, ebenfalls in der 30-Minuten-WG von Stern und Penguin Random House, der Journalist Andreas Wolfers seinen Platz ein und stellte das zusammen mit Boris Herrmann verfasste Buch „Allein zwischen Himmel und Meer: Meine 80 Tage beim härtesten Segelrennen der Welt“ vor, ein Bericht über Boris Herrmanns Teilnahme an der Vendée Globe 2020/2021, die er mit dem fünften Platz beendete.

Danach stand auch schon die letzte Veranstaltung des Tages auf dem Plan. Auf der ARD-Bühne nahm Comedy-Superstar Carolin Kebekus Platz und stellte im Gespräch mit Bärbel Schäfer ihr mit Mariella Tripke verfasstes, feministisches Buch „Es kann nur eine geben“ vor. Dabei diskutierte sie über den Konkurrenzkampf zwischen Frauen, über ihre eigenen Anfänge als Komikerin, die Barrikaden, gegen die sie damals stieß, und hielt ein vehementes Plädoyer für die Frauenquote, die zwar nicht ideal sei, aber Unternehmen dazu zwingen würde, Arbeitsplätze familiengerechter zu gestalten. Trotz einiger humorvoller Anekdoten sehr ernste Töne, die zum Nachdenken anregen.

Damit beschloss ich meinen Tag auf der Messe, aber insgesamt war er noch lange nicht zuende, da ich mir noch eine abendliche Lesung ins Programm geschrieben hatte – doch dazu später mehr :).

[FBM2021] Tag 1 – Ein Tag, ganz im Zeichen von Fanliebe und Hochkultur (Teil 1)

Den heutigen Messebericht habe ich aus guten Gründen (Ihr werdet es später sehen) zweigeteilt. Im ersten Teil möchte ich auf die Veranstaltungen eingehen, die ich an dem Tag besucht habe – mit Antje Ravik Strubel, Florian Schröder, Dmitry Glukhovsky, Eva Menasse, Lena Anlauf und Vitali Konstantinov – bevor ich im zweiten Teil meinen persönlichen Fanboy-Moment hatte. Doch dazu später mehr.

Nach einem etwas zähen Einlass und einer gemütlichen Tour durch Halle 3.0 (vielen Dank an den Ravensburger Buchverlag) für den tollen Jutebeutel), begann mein Messeprogramm traditionell mit der Präsentation des Buchpreisträgers auf dem Blauen Sofa. Antje Ravik Strubel, die für ihren Roman „Blaue Frau“ prämiert wurde, stellte das Buch vor, sprach über das Schreiben an und für sich und las eine kurze Episode aus dem Roman.

Auch meine zweite Veranstaltung führte mich zum Blauen Sofa. Im Gespräch mit Jo Schück stellte der Satiriker Florian Schröder sein Werk „Schluss mit der Meinungsfreiheit! Für mehr Hirn und weniger Hysterie“ vor und diskutierte unter anderem über die Zerschlagung von Facebook, die Wichtigkeit der Meinungsfreiheit in Abgrenzung zur Privatsphäre und die heute erneut hochgekochte Diskussion zur Einladung rechter Verlage auf der Buchmesse – ein hochemotionales Thema, das mich bereits früh am Tag erreichte, als das offizielle Statement der Messe über den Presseverteiler bei mir hereinflatterte.

Das Nachmittagsprogramm führte mich, nachdem ich Halle 3.1 erkundet habe, dann zur etwas abgelegenen ARD-Bühne, die im wunderschönen Festsaal ihren Platz gefunden hat. Dort stellte Eva Menasse ihren Roman „Dunkelblum“ vor, der das Leben in der gleichnamigen, fiktiven Gemeinde Generationen nach einem Massaker im Zweiten Weltkrieg thematisiert. Im Gespräch mit Bärbel Schäfer diskutierte die Autorin über Erinnerung, kollektives Schweigen und Zusammengehörigkeit – sehr spannend! Das Buch ist sicherlich auf mehr als einer Wunschliste gelandet.

Bevor es zur letzten Veranstaltung ging, traf ich mich mit alten Bekannten, mit der Lektorin und (in dem Fall vor allem) Autorin Lena Anlauf und dem Illustrator Vitali Konstantinov, die am Stand des Homunculus Verlags ihr gemeinsames Buch „Bartgeschichten“ bestaunten, das ich damals im Crowdfunding unterstützt habe (und endlich mal auf dem Blog besprechen muss). Ich bin schon ganz gespannt, was das nächste Projekt der beiden wird – und wäre natürlich auch wieder mit dabei :).

Zum Abschluss des Tages wurde es international. Dmitry Glukhovsky, Autor der bekannten „Metro“-Reihe, stellte im Gesprächsformat „Die 30-Minuten-WG“ für Stern und Penguin Random House seinen neuesten, postapokalyptisch-dystopischen Roman „Outpost – Der Posten“ vor, der in einem Russland nach einem Bürgerkrieg spielt und zwischen den Zeilen voller Russlandkritik steckt – ein absoluter Höhepunkt zum Tagesende. Neben dem zweiten Teil des Berichts – und den anderen Tagesposts – folgt im Laufe der Woche auch noch ein Post mit Messeimpressionen, in dem ich Euch noch viele weitere Bilder zeige :).

[Buchgedanken] Ildefonso Falcones: „Die Tränen der Welt“

In der letzten Zeit habe ich „Die Tränen der Welt“ von Ildefonso Falcones gelesen. Das Buch ist 2021 bei C. Bertelsmann, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 unter dem Titel „El pintor de almas“ bei Grijalbo, Barcelona, veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen, für die von Action Cultural Espanola geförderte Übersetzung zeigt sich Laura Haber verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Barcelona, 1901. Während soziale Unruhen die Stadt in Aufruhr versetzen, führt der ehrgeizige Maler Dalmau Sala ein Leben zwischen zwei Welten. Tagsüber gestaltet er Kacheln in einer Keramikfabrik und versucht in den elitären Kreisen seines Arbeitgebers seine Kunst zu verkaufen. Nach Feierabend kämpft Dalmau gemeinsam mit Emma, seiner großen Liebe, für die Rechte der Arbeiterklasse. Doch als ein tragisches Unglück geschieht, zerbricht ihre Beziehung. Jeder seiner Versuche, sie zurückzugewinnen, scheitert – bis Emma festgenommen wird. Als die Protestaktionen der Republikaner immer stärker ausarten, muss Dalmau um ihrer beider Leben fürchten und sich entscheiden: Wählt er die Flucht ins Ungewisse oder den Kampf für seine Ideale und für die Liebe?

„Die Tränen der Welt“ ist der neue, monumentale Roman des Autors des Weltbestsellers „Die Kathedrale des Meeres“ und entführt den Leser in das Barcelona der Jahrhundertwende, in die Zeit des aufkommenden Industrialismus, in eine spannende Kunstepoche mit den Anfängen von Picasso und Gaudi – aber auch in eine Zeit voller Aufstände, Gewalt und Leid.

Dabei brilliert der Roman vor allem durch sein wundervolles Setting. Falcones beschreibt das Barcelona der Jahrhundertwende, die Gegensätze zwischen den Palästen und Elendsvierteln eindrücklich und anschaulich, sodass das Kopfkino sofort zu laufen beginnt. Dies wird auch durch den Fokus auf die Kunst gestützt – sei es Malerei, Architektur oder Keramikarbeit.

Die Handlung hingegen zeigt einige Längen und Schwächen. So kommt richtige Spannung und Lesefluss nur phasenweise auf, die teils doch zu ausführlichen Beschreibungen der architektonischen Einzelheiten, die endlose Aneinanderreihung von Straßen- und Gebäudenamen sorgen immer wieder für Unterbrechungen, die sich zuspitzende Radikalität und die zum Schluss doch fanatistische Einstellung der Protagonisten für Unverständnis, das soweit geht, dass man ihnen kein Happy-End mehr wünscht.

So sind auch die Handlungen, Gedanken und Schlüsse der, im Wesentlichen vielschichtig angelegten, Protagonisten nicht immer nachvollziehbar – lediglich Josefa überzeugt hier als gute Seele des Romans auf ganzer Linie. Überraschend – und auch etwas enttäuschend – ist es hingegen auch, dass sorgsam eingeführte Charaktere wie Irene nach einem Kurzeinsatz absolut keine Rolle mehr spielten.

Die Buchgestaltung überzeugt hingegen erneut auf ganzer Linie. So ist der Buchumschlag wunderschön und auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt, das unter dem Umschlag befindliche Hardcover zwar von außen schlicht, aber immerhin mit aufwendig gestalteten Coverinnenseiten versehen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ebenfalls sauber gearbeitet.

Mein Fazit? „Die Tränen der Welt“ ist ein epochaler, aber teils schwer lesbarer historischer Roman, der vor allem durch sein brillantes Setting glänzt, aber auch Längen in der Handlung aufweist. Für Liebhaber historischer Romane dennoch bedenkenlos zu empfehlen – insbesondere für Interessierte im Bereich von Kunst und Architektur.

[Buchgedanken] Catherine Aurel: „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ (Töchter Italiens 1)

Vor einiger Zeit habe ich „Bella Donna Die Schöne von Florenz“ von Catherine Aurel gelesen, den ersten Teil der historischen Reihe um die „Töchter Italiens“. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.

Florenz, 1469. Die Zeiten, als Cosima Bellani von Männern umschwärmt wurde, sind vorbei. Die Schönheit der alternden Kurtisane beginnt zu schwinden – und sie fürchtet um ihre Zukunft. Als die junge Adlige Simonetta sie in Liebesdingen um Rat bittet, hat Cosima eine verheißungsvolle Geschäftsidee: Sie will fortan Kosmetik herstellen, denn der Handel mit Pulver und Salben, Bleiweiß und Lippenrot floriert. Simonetta wird mit ihrer Hilfe zur schönsten Frau von Florenz – nicht nur der einflussreiche Giuliano de Medici, auch der aufstrebende Maler Sandro Botticelli liegen ihr zu Füßen. Doch dann bricht ein erbitterter Machtkampf um die Stadt aus und Cosima und Simonetta werden in eine Intrige verwickelt. Bald handeln sie nicht nur mit erlesenen Schönheitsrezepturen, sondern auch mit Geheimnissen …

„Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ ist ein im wesentlichen gelungener Auftakt in die historische Reihe um die „Töchter Italiens“, der zwar viel Potential für Folgebände bietet, die Handlung dieses Bandes aber auch unwiederbringlich abschließt, sodass man das Buch auch gut als Standalone lesen kann.

Dabei überzeugt vor allem das brillante Setting des spätmittelalterlichen Florenz, der aufstrebenden Künstlerstadt voller illustrer Persönlichkeiten wie Sandro Botticelli und Leonardo da Vinci. Die Handlung hingegen ist zwar spannend, abwechslungsreich und hält die ein oder andere unerwartete Wendung für den Leser bereit, bleibt insgesamt aber hinter den Erwartungen zurück. So verliert die Autorin hier etwas die Schwerpunktsetzung, führt viel zu lang in die Geschichte ein, während die im Klappentext prominent dargestellte Intrige, der Machtkampf um die Stadt kaum Bedeutung gewinnt, teils einfach per Zeitsprung übersprungen wird. Gerade die stärkere Einbindung in den historischen Kontext, eine stärkere Konzentration auf die spannenden, politischen Vorgänge hätte hier das Buch noch besser und zu einem absoluten Highlight gemacht, das sich positiv aus der Masse abgehoben hätte.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem Sandro als Sympathieträger des Romanes und Fioretta, während Simonetta anfangs etwas blass bleibt – und Marco sehr schnell gar keine Rolle mehr spielt.

Die Buchgestaltung überzeugt hingegen auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Covermotiv zieht sich über den ganzen Buchumschlag und ergibt ein tolles Gesamtbild. Dabei ist das Cover zudem hochwertig geprägt, mit Klappen und farbigen, toll aussehenden Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ ist ein gelungener Reihenauftakt, der vor allem durch ein tolles Setting punkten kann, aber auch leichte Schwächen und Längen in der Handlung aufweist. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – auch als Standalone lesbar.

Historische Leserunden im Doppelpack | Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich wieder einige Bücher, von denen ich Euch heute zwei zeigen möchte. Sowohl „Wenn die Hofnung erwacht“ von Lilli Beck als auch Catherine Aurels „Bella Donna – Die Schöne von Florenz“ wurden mir im Rahmen von Leserunden auf Lovelyooks.de von den Verlagen Blanvalet und Penguin zur Verfügung gestellt. Und obwohl beide Bücher historische Romane sind, könnte das Setting doch nicht unterschiedlicher sein, spielen sie doch im zerstörten Deutschland der Nachkriegszeit und im dekadenten, eskapistischen Florenz der Medici-Ära. Ich bin schon ganz gespannt darauf, in diese unterschiedlichen Welten einzutauchen.

[Buchgedanken] Rena Rosenthal: „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ (Hofgärtnerinnen 1)

In der letzten Zeit habe ich im Rahmen einer Leserunde „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“, den ersten Band der Hofgärtnerinnen-Saga von Rena Rosenthal gelesen. Das Buch ist 2021 im Penguin Verlag, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als historischer Roman beziehungsweise als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und Lovelybooks.de für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Oldenburg, 1891. Als Gärtnerin in der Natur zu arbeiten und die schönsten Blumen dieser Welt zu züchten, davon träumt Marleene schon ihr ganzes Leben. Doch ihr Wunsch scheint unerreichbar, denn eine Gärtnerlehre ist allein Männern vorbehalten. Aber Marleene gibt nicht auf: Kurzerhand schneidet sie sich die Haare ab und verkleidet sich als Junge – und bekommt eine Anstellung in der angesehenen Hofgärtnerei. Marleene ist überglücklich! Doch die anderen Arbeiter machen ihr den Einstieg alles andere als leicht, und es wird zunehmend komplizierter, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Als sie dann auch noch die beiden charmanten Söhne der Hofgärtnerei kennenlernt, werden ihre Gefühle vollends durcheinandergewirbelt. Marleene muss sich entscheiden – folgt sie ihrem Traum oder ihrem Herzen …

Mit „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ legt Rena Rosenthal einen gelungenen Auftakt in die Reihe um die Hofgärtnerinnen vor. Dabei ist der Roman nicht nur Familiensaga, sondern auch ein Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen, porträtiert er doch, ohne allzu belehrend zu werden, den beginnenden Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und die Rolle der Frau sowie die zarte Auflehnung gegen die immer noch herrschende Unterdrückung.

Dabei begeistert der Roman vor allem durch sein tolles Setting. Das Oldenburg im jungen Kaiserreich, die Hofgärtnerei, die Reise nach Holland – Rena Rosenthal beschreibt anschaulich und zeittypisch die Handlungsorte des Romanes. Die historischen Ungenauigkeiten, auf die die Autorin im Nachwort hinweist, halten sich dabei noch im akzeptablen Rahmen.

Die Handlung ist an und für sich spannend und abwechslungsreich und bietet immer mal wieder ungewohnte Wendungen, die teils aber etwas konstruiert anmuten. Leider werden zum Ende hin aber nur ein Bruchteil der Handlungsstränge aufgelöst, was natürlich viel Potential für die Folgeteile verspricht, allerdings auch dafür sorgt, dass „Frühlingsträume“ nicht als Standalone gelesen werden kann.

Die einzelnen Figuren sind größtenteils vielschichtig angelegt, haben Stärken, Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere auch die Nebencharaktere wie Bruno, Frieda oder Rosalie, über die ich gern in den Folgebänden noch mehr erfahren wollen würde.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und der gesamte Buchumschlag ist hochwertig (auch auf den Klappen!) geprägt, wunderschön anzuschauen und mit tollen farbigen Coverinnenseiten versehen. Das traumhafte Titelbild ist ein wahrer Eyecatcher, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung abgeht, ist Marleene doch ein sehr junges Mädchen mit hellblonden Haaren. Zudem ist im Nachgang zur Geschichte der informative Part mit 25 Seiten meines Erachtens nach etwas zu lang geraten. Zumindest die Fliederfakten und -rezepte hätte man sicherlich auslagern können.

Mein Fazit? „Die Hofgärtnerin – Frühlingsträume“ ist ein gelungener Auftakt in die Buchreihe um die Hofgärtnerinnen, der vor allem durch ein wunderschönes Setting und tolle Charaktere besticht. Kleinere Schwächen in der Handlung sind dabei zu verschmerzen – ich freue mich schon sehr auf Teil 2. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.