[Buchgedanken] Ildefonso Falcones: „Die Tränen der Welt“

In der letzten Zeit habe ich „Die Tränen der Welt“ von Ildefonso Falcones gelesen. Das Buch ist 2021 bei C. Bertelsmann, Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, erschienen, die Originalausgabe wurde 2019 unter dem Titel „El pintor de almas“ bei Grijalbo, Barcelona, veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen, für die von Action Cultural Espanola geförderte Übersetzung zeigt sich Laura Haber verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Barcelona, 1901. Während soziale Unruhen die Stadt in Aufruhr versetzen, führt der ehrgeizige Maler Dalmau Sala ein Leben zwischen zwei Welten. Tagsüber gestaltet er Kacheln in einer Keramikfabrik und versucht in den elitären Kreisen seines Arbeitgebers seine Kunst zu verkaufen. Nach Feierabend kämpft Dalmau gemeinsam mit Emma, seiner großen Liebe, für die Rechte der Arbeiterklasse. Doch als ein tragisches Unglück geschieht, zerbricht ihre Beziehung. Jeder seiner Versuche, sie zurückzugewinnen, scheitert – bis Emma festgenommen wird. Als die Protestaktionen der Republikaner immer stärker ausarten, muss Dalmau um ihrer beider Leben fürchten und sich entscheiden: Wählt er die Flucht ins Ungewisse oder den Kampf für seine Ideale und für die Liebe?

„Die Tränen der Welt“ ist der neue, monumentale Roman des Autors des Weltbestsellers „Die Kathedrale des Meeres“ und entführt den Leser in das Barcelona der Jahrhundertwende, in die Zeit des aufkommenden Industrialismus, in eine spannende Kunstepoche mit den Anfängen von Picasso und Gaudi – aber auch in eine Zeit voller Aufstände, Gewalt und Leid.

Dabei brilliert der Roman vor allem durch sein wundervolles Setting. Falcones beschreibt das Barcelona der Jahrhundertwende, die Gegensätze zwischen den Palästen und Elendsvierteln eindrücklich und anschaulich, sodass das Kopfkino sofort zu laufen beginnt. Dies wird auch durch den Fokus auf die Kunst gestützt – sei es Malerei, Architektur oder Keramikarbeit.

Die Handlung hingegen zeigt einige Längen und Schwächen. So kommt richtige Spannung und Lesefluss nur phasenweise auf, die teils doch zu ausführlichen Beschreibungen der architektonischen Einzelheiten, die endlose Aneinanderreihung von Straßen- und Gebäudenamen sorgen immer wieder für Unterbrechungen, die sich zuspitzende Radikalität und die zum Schluss doch fanatistische Einstellung der Protagonisten für Unverständnis, das soweit geht, dass man ihnen kein Happy-End mehr wünscht.

So sind auch die Handlungen, Gedanken und Schlüsse der, im Wesentlichen vielschichtig angelegten, Protagonisten nicht immer nachvollziehbar – lediglich Josefa überzeugt hier als gute Seele des Romans auf ganzer Linie. Überraschend – und auch etwas enttäuschend – ist es hingegen auch, dass sorgsam eingeführte Charaktere wie Irene nach einem Kurzeinsatz absolut keine Rolle mehr spielten.

Die Buchgestaltung überzeugt hingegen erneut auf ganzer Linie. So ist der Buchumschlag wunderschön und auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt, das unter dem Umschlag befindliche Hardcover zwar von außen schlicht, aber immerhin mit aufwendig gestalteten Coverinnenseiten versehen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ebenfalls sauber gearbeitet.

Mein Fazit? „Die Tränen der Welt“ ist ein epochaler, aber teils schwer lesbarer historischer Roman, der vor allem durch sein brillantes Setting glänzt, aber auch Längen in der Handlung aufweist. Für Liebhaber historischer Romane dennoch bedenkenlos zu empfehlen – insbesondere für Interessierte im Bereich von Kunst und Architektur.

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