[Buchgedanken] Julia Dippel: „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ (Velvet-Dilogie 1)

In den letzten Tagen – auch während der Buchmesse – habe ich „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ von Julia Dippel gelesen. Das Buch ist 2025 bei Loomlight in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH erschienen und als New Adult Romantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als die Sterne fielen, kehrte die Magie in unsere Welt zurück und mit ihr neue Götter. Seit diesem Tag träumte Velvet von der Aufnahme in einen Hexenzirkel, aber Schicksal und Verrat zwangen ihr einen anderen Weg auf: den einer Dämonenreiterin. Doch dämonische Kräfte sind unberechenbar, und als sie Velvet eines Tages mit Visionen einer brennenden Zukunft fluten, entdeckt sie, dass ein magisches Virus die unsterblichen Götter auszulöschen droht. Um es aufzuhalten, soll sie das Blut der sieben göttlichen Söhne beschaffen. Ein schier unmögliches Unterfangen – würde Velvet nicht zufällig einen der Göttersöhne kennen: Kash, alias Kashmere Sinclair, alias ihr Ex und der Grund für all ihre zerstörten Träume. Ihn um Hilfe zu bitten, reißt nicht nur alte Wunden auf, sondern stürzt Velvet in einen erbitterten Kampf um ihr Herz und die Rettung der Welt.

„Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ ist der Auftaktband in die „Velvet“-Dilogie von Julia Dippel für Loomlight, mein erstes Buch der Autorin (also abgesehen von SuB-Werken). Das Buch lässt sich dabei klar als New Adult Romantasy einordnen, aufgrund des Settings könnte man es aber auch als Urban Fantasy kategorisieren. Empfohlen wird der Roman seitens des Verlags für Leser:innen ab 16 Jahren, aufgrund der sehr spicy Szenen sollte das definitiv auch die Untergrenze darstellen.

Die Handlung ist kurzweilig, actionreich, spannend und sehr spicy, auch wenn sich die Anzahl der Sexszenen durchaus genretypisch in Grenzen hält. Dabei verbleiben diese zudem – im Rahmen – geschmackvoll und nicht zu explizit, sodass man an der Alterseinschätzung festhalten kann. Zum Ende hin wird das Buch etwas hektisch, etwas verworren – und endet in einem Cliffhanger, der es leider nicht ermöglicht, das Buch als Standalone zu lesen. Bis dahin ist es jedoch ein absoluter Pageturner, ein wirklich unglaubliches Leseerlebnis, ein Highlight der letzten Zeit.

Denn auch das Setting ist atemberaubend. So entführt Julia Dippel die Leser:innen nach New Orleans und in die Götterstadt Imperion, nimmt sie mit auf eine Reise quer durch die ganze Welt, zum Beispiel nach Hongkong und in die Nähe von Moskau. Schillernde Partys und High Society wechseln sich hier mit hochgerüsteten Kämpfen ab, Magie und Technologie gehen einher und erschaffen eine Welt, die man gern sehen, fühlen und spüren würde und die – trotz aller Fantasie – nicht auf solche Profanitäten wie Pizza-Lieferdienste verzichtet.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – die immer noch nicht alle aufgedeckt sind. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Monty, Eddie, Cole und Joanne, während Kash nicht wirklich nachvollziehbar handelt. Julia Dippels Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist insbesondere im ersten Teil auch sehr humorvoll und zieht die Leser:innen in die Handlung.

Die Buchgestaltung ist traumhaft. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wunderschön und setzt nicht nur Chatnachrichten innovativ, sondern überzeugt vor allem durch hübsche Kapitelanfänge. Der Umschlag ist mit Goldfolie veredelt und mit Klappen versehen, das unter dem Umschlag befindliche Buch wunderschön und mit farbigen Coverinnenseiten ausgestattet. Dabei kann das Cover des unter dem Umschlag befindlichen Buches fast noch mehr brillieren als das auch hübsche, eigentliche Cover, das vor allem durch die Farbgestaltung punktet.

Mein Fazit? „Velvet Falls, but the Gods forgot to die“ ist ein wundervoller Auftakt in die Reihe mit tollem Setting, atemberaubender Spannung, knisternder Erotik und nur minimalen Schwächen, die den Lesegenuss nicht im Ansatz schmälern. Für Leser:innen des Genres ab dem vorgeschlagenen Alter von 16+ bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Andreas Suchanek: „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ (Das vergessene Museum 1)

Bevor ich mit den Messeberichten fortsetze, möchte ich Euch heute erst einmal das Buch vorstellen, das ich während der Messe beendet habe. „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der neue Roman von Andreas Suchanek. Das Buch ist 2025 in der dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG erschienen und als Urban Fantasy einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Liam hat es nicht leicht. Aufgewachsen in eher ärmlichen Verhältnissen, hält er sich in London als Fahrradkurier über Wasser. Als er ein Paket zu einem Privatmuseum liefert, wird er dort Zeuge eines Überfalls. Er kann nichts mehr für den sterbenden Kurator tun, doch dieser überträgt ihm ein Symbol aus schwarzer Tinte auf seine Haut – und macht ihn somit zum neuen Siegelwahrer des Museums. Liam wird in die Welt eines international agierenden Museumsnetzwerks katapultiert, welches magische Artefakte sicher verwahrt – denn mit diesen lassen sich gefährliche Kräfte kanalisieren. Doch die Museen werden von einem gefährlichen Gegner bedroht und schnell wird klar: Liams eigene Vergangenheit ist eng mit den Geschehnissen verknüpft.

„Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist der Auftaktband der neuen Urban-Fantasy-Reihe von Andreas Suchanek und mein erstes Buch des Autors. Vom Verlag wird es für Fans von Ben Aaronovitch beworben, was sicherlich noch zu große Fußstapfen sind – aber wer weiß: kleinere Parallelen sind zumindest da. Das Buch ist dabei als klassische Urban Fantasy einzuordnen, zeigt darüber hinaus aber auch kleinere Elemente eines Detektivromans – und ist aufgrund der Zeitsprünge und Artefakte zuweilen sogar ganz leicht historisch angehaucht.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und wartet durchaus mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei gelingt es dem Autor, insbesondere zu Beginn den Leser direkt in die Handlung zu ziehen, nicht zuletzt durch die humorvollen Szenen. Leider endet der Roman mit einem relativ starken Cliffhanger, der es fast nicht ermöglicht, das Buch als Standalone zu lesen und auch das Magiekonzept überzeugt noch nicht völlig- hier können aber die nächsten Bände noch nachliefern.

Denn das Setting ist sonst wirklich brillant. So entführt der Autor die Leser:innen nach London, Berlin und Paris, erschafft gut getarnte Museen und nimmt den Leser durch die Artefakte auch mit auf eine Reise durch Kunst, Mythologie und Wissenschaft – hier hätte ich mir fast noch mehr Nerdwissen gewünscht. Dabei klingen am Rande durchaus auch mal gesellschaftlich relevante Themen und Probleme an – der Fokus liegt aber klar auf der phantastischen Quest der Held:innen.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Shakespeare, Ava und Harry, während Liam nicht immer nachvollziehbar handelt und Julia noch zu geheimnisvoll verbleibt. Andreas Suchaneks Schreibstil ist humorvoll und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Kapitelüberschriften nur milde spoilernd. Der Buchumschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist genretypisch und kein klassischer Eyecatcher, die Farbgebung des Buches insgesamt jedoch sehr gelungen und ansehnlich. Schön ist zudem, dass auch Coverrückseite und Buchrücken mit kleinen Details aufwarten, die Anspielungen auf die Handlung enthalten.

Mein Fazit? „Das vergessene Museum: Der Siegelwahrer von London“ ist ein Auftaktband, der Lust auf mehr macht und die Leser:innen in eine wirklich tolle Welt entführt, leider jedoch mit einem Cliffhanger endet. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Michael S.V. Preis: „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“

Vor kurzem habe ich auch „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ von Michael S.V. Preis gelesen. Das Buch ist 2024 im Projekt VielSeitig Verlag (Projekt VielSeitig – Sieger GbR) erschienen und als illustrierte Jugendfantasy einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Anastassia Schitz verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die fünfzehnjährige Mira ist entsetzt: Ihre Mutter hat kurzerhand entschieden, sie auf ein abgelegenes Internat zu schicken. Zwar ist das Verhältnis zu ihrer Mutter seit Jahren angespannt, doch die strengen Regeln und das Leben abseits der Stadt passen einem Freigeist wie Mira überhaupt nicht! Wen wundert es also, dass sie von Beginn an als eigenbrötlerische Unruhestifterin wahrgenommen wird? Als sie jedoch ein geheimnisvolles Leuchten in einem verlassenen Haus entdeckt, weckt dies ihre Neugier. Was verbirgt sich hinter dem rätselhaften Licht? Einen Blick zu riskieren, kann doch sicherlich nicht schaden …

„Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ ist – wie der Name schon unschwer vermuten lässt – der Auftaktband in die gleichnamige Buchreihe. Dabei wird das Buch als Jugendfantasy beworben, gleichzeitig aber auf einigen Portalen für Leser:innen ab neun Jahren empfohlen, was eher dem Kinderbuchbereich zuzuordnen wäre. Bezogen auf die Themen, das Alter der Protagonist:innen (um 15) und generell die Komplexität der Handlung würde ich das Buch ebenfalls eher als Jugendfantasy für die Altersgruppe 12+ einordnen.

Die Handlung ist dabei altersgerecht und jugendtypisch, durchaus spannend und abwechslungsreich. Dabei werden jugendtypische Themen wie familiäre und schulische Konflikte, Mobbing, Freundschaft und Entwurzelung in eine fantastische Handlung gepackt und mit dieser zu einem interessanten Gesamtkonstrukt verwebt. Leider endet der Band gänzlich offen, es wird quasi kein Handlungsstrang aufgelöst, sodass das Buch nicht als Standalone lesbar ist – etwas schade. Auch endet das Buch natürlich in einem Cliffhanger.

Das Setting ist grundsätzlich gelungen. So entführt der Autor die Leser:innen in ein Internat mit angeschlossenem Kloster – und in eine nicht näher bezeichnete Parallelwelt, die starke Parallelen zu Narnia hat – auch an andere Buchreihen sind Anklänge vorhanden. Dabei wird die Welt toll durch die Illustrationen von Anastassia Schitz zum Leben erweckt, die die Handlung visualisieren und unterstützen – hier hätte ich mir noch mehr gewünscht. Bislang fehlt es zudem noch am Weltenbau, so liefert der erste Band keinerlei Aufschlüsse zum Magiekonzept – oder selbst zur Welt an sich.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Bandes und der Fülle der Charaktere noch etwas eindimensional, aber das wird sich hoffentlich in den nächsten Bänden noch ändern. Hierbei sind vor allem wichtige Nebencharaktere wie Elli und Eleonora spannend, während Jakob sehr einseitig verbleibt – und auch Mira noch Nachholbedarfe besitzt, aber über sehr gute Anlagen verfügt. Michael S.V. Preis‘ Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils aber fast zu einfach gehalten.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv wird auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fortgesetzt, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht, der Umschlag ist mit einer leichten Prägung versehen. Das Cover zeigt dabei durchaus Anklänge zur Handlung, ist genretypisch und sehr schön anzusehen. Abzuwarten bleibt, inwieweit es der Reihe gelingt, hier ein einheitliches Erscheinungsbild mit Wiedererkennungswert zu erschaffen.

Mein Fazit? „Splitterkristall – Die Schattenchroniken Band 1“ ist ein solider Auftakt in die Reihe, der vor allem mit seinen Illustrationen und seinem Setting überzeugt, leider aber zu offen endet und noch Nachholbedarfe beim Weltenbau besitzt. Für Leser:innen ab 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Bernd Hünermann: „Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ (Neugeburt 2.0 Band 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ von Bernd Hünermann gelesen. Das Buch ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden und als dystopischer Thriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

2033. Der Dritte Weltkrieg wird im Cyberspace ausgetragen. Durch Entdigitalisierung ist der Gegner wehrlos. Unter der Führung des narzisstischen Psychopathen Gabriel greift ein internationales Industriekonsortium in den Krieg der politischen Mächte ein. In Deutschland formiert sich Widerstand gegen Gabriel und sein Kartell. Im Kraken, einem unterirdischen Cyberabwehrzentrum, kämpft Gerald von Greifen mit weiteren IT-Wissenschaftlern um nichts Geringeres als die Freiheit. Zur Tarnung betreiben sie auf dem Gelände ein Permakulturprojekt. Sie müssen sich nicht nur gegen den äußeren Feind behaupten, sondern auch gegen Spione in den eigenen Reihen. Am Schluss muss sich entscheiden, ob Gabriel den Krieg gewinnt und die politische Herrschaft über alle Nationen übernimmt.

„Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ ist der erste Band der sechsteiligen, im Selfpublishing erscheinenden Reihe Neugeburt 2.0 von Bernd Hünermann – einem Professor der Nuklearmedizin. Dabei lässt sich das Buch schwerlich einem Genre zuordnet, denn aufgrund der Datierung der Handlung spielt es nah an der Jetztzeit, beinhaltet aber durchaus auch dystopische Elemente und hat Anklänge zur Science Fiction. Vom Autor als Thriller kategorisiert, habe ich mich daher schlussendlich für die Einordnung als dystopischen Thriller entschieden, aber auch andere Unterarten des Genres wie Politthriller oder Spionagethriller wären sicherlich vertretbar.

Der Gesamthandlung der Reihe liegt dabei die Überzeugung des Autors als Prämisse zugrunde, dass die menschliche Intelligenz genetisch nicht in der Lage ist, sich auf Dauer der Herrschaft einer künstlichen Intelligenz zu widersetzen – ein hoch problematischer Ansatz, der nicht nur philosophische Grundsatzfragen aufwirft. In diesem Band wird jedoch erstmal ein vorgelagerter dritter Weltkrieg im Cyberspace thematisiert, der durchaus spannend, aber auch sehr fragmentarisch, mit großen Zeitsprüngen, vielen Handlungsorten und handelnden Charakteren beschrieben wird.

Dabei kann das Setting in Teilen durchaus glänzen. So nimmt der Autor die Leser:innen nicht nur mit in ein als Permakulturprojekt getarntes, unterirdisches Cyberdorf sondern auch in diverse Schaltstellen der Macht, insgesamt hätte durchaus aber auch noch mehr beschrieben werden können – hier wurde sich oftmals aufs nötigste beschränkt. Eine Konzentrierung auf weniger Handlungsorte hätte hier sicher für eine stringentere Erzählung mit weniger Lücken sorgen und so auch die politischen Entwicklungen besser abbilden können.

Gleiches gilt auch für die für die Kürze des Buches unglaubliche Anzahl an handelnden Figuren, die dadurch größtenteils sehr schematisch angelegt sind und bei denen kaum Raum für Emotionen verbleibt, was die Identifikation mit und die Bindung zu den Figuren für die Leser:innen erschwert. Durch eine konsequente Weiterentwicklung der Charaktere in den nächsten Bänden kann dies aber noch gerettet werden. Bernd Hünermanns Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, kommt aber ebenfalls ohne größere Emotionen aus.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Sachen durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, aufgrund der unglaublich kurzen Kapitel finden sich jedoch durchaus viele Leerstellen, was das ohnehin kurze Buch noch weiter verkürzt. Das Covermotiv ist unauffällig und ohne großen Bezug zur Handlung, der Buchumschlag generell sehr eintönig und schlicht.

Mein Fazit? „Neugeburt 2.0 – Cyberdorf“ ist ein dystopisch angehauchter Thriller, der mit einer tollen Idee und durchaus mit Spannung punktet, dabei aber unglaublich fragmentarisch ist, kaum Bindung zu den Protagonist:innen zulässt und daher nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen, die der Reihe insgesamt eine Chance geben wollen, noch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Fynn Jacob: „Brennendes Watt“ (Jaspari/van Loon 3)

In den letzten Tagen habe ich auch „Brennendes Watt“ von Fynn Jacob (Christian Kuhn) gelesen. Der Roman ist 2025 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Iska van Loon, erfahrene Beamtin der Nationale Politie, und der ehrgeizige Kriminalhauptkommissar Marten Jaspari stehen vor einem brisanten Fall. Luuk Raand, Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma, die das LNG-Terminal bei Eemshaven schützt, wird tot am Strand von Borkum angespült. Eine Spur führt zu radikalen Umweltschützern, die Missstände bei der Erdgasverarbeitung aufdecken wollen, eine andere in das undurchsichtige private Umfeld des Opfers. Als schließlich im Hamburger Hafen der Kapitän eines Containerschiffes verschwindet, erreicht der Fall ungeahnte Dimensionen. Iska und Marten müssen alles riskieren, um zu verhindern, dass an der Nordsee ein flammendes Inferno ausbricht …

„Brennendes Watt“ ist der dritte Teil der Krimireihe um das internationale Ermittlerduo Marten Jaspari und Iska van Loon, der von Christian Kuhn unter dem Pseudonym Fynn Jacob veröffentlicht wurde. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen, werden doch wichtige Stationen in der Vergangenheit der Protagonist:innen wieder aufgegriffen und erläutert. Die Genrezuordnung ist jedoch nicht so einfach, wie der Aufdruck „Kriminalroman“ auf dem Cover vermuten lässt. Denn phasenweise mutet das Buch mehr wie ein Thriller an, ließe sich sogar den Untergenres Agententhriller oder Spionagethriller zuordnen. Der Einfachheit halber habe ich es aber bei der Kategorisierung des Verlags belassen, auch um den Sinnzusammenhang der Reihe beizubehalten.

Die Handlung ist hochspannend, kurzweilig und hält gelegentlich auch eine unerwartete Wendung parat, auch wenn sie durchaus das ein oder andere Rollenklischee bedient. Zudem ist sie teils etwas überfrachtet, da die Protagonist:innen noch mit persönlichen Dramen belastet werden – den ein oder anderen Nebenhandlungsstrang hätte man für die Klarheit und Stringenz durchaus auch weglassen können. Auch das Ende bleibt relativ offen – sowohl, was die Identität der Täter:innen als auch was die Zukunft von Jaspari/van Loon betrifft. Ich bin daher mal gespannt, ob die Reihe hiermit beendet ist oder, falls nicht, wie die Folgebände die Handlung wieder aufgreifen.

Das Setting kann naturgemäß glänzen. So nimmt der Autor die Leser:innen mit auf eine Reise durch einen Großteil des deutsch-niederländischen Nordseeraums und greift dabei gesellschaftlich relevante Themen wie Umweltschutz, den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine und die damit verbundene Energieunsicherheit sowie den teils fließenden Übergang zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und militantem Aktivismus auf. Erzählt wird dieses bunte Potpourri in multiplen personalen Erzählperspektiven, die teils nacheinander parallel stattfindende Ereignisse wiedergeben, was die Stringenz der Handlung etwas bricht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Karin und Banisch, aber auch die beiden Protagonist:innen können mit Abstrichen durchaus überzeugen – sicherlich wäre das Bild hier nochmal etwas anders, wenn ich die Charakterentwicklung über die komplette Reihe hinweg mitbekommen hätte. Fynn Jacobs Schreibstil lässt sich darüber hinaus flüssig und leicht lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, die Gesamtgestaltung passt sich gut in die Reihe ein. Das Covermotiv ist dennoch eher austauschbar und beliebig und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, der – genau wie die Coverrückseite – zudem eher eintönig und schlicht daherkommt.

Mein Fazit? „Brennendes Watt“ ist ein spannender und hochaktueller Kriminalroman mit tollem Setting, aber auch mit kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Petra Schier: „Die Wächterin von Köln“

In den letzten Tagen habe ich auch „Die Wächterin von Köln“ von Petra Schier gelesen. Das Buch ist 2024 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Köln 1396/97: Elsbeth ist naiv und liebreizend, als sie mit sechzehn Jahren beginnt, im Bordell „Zur schönen Frau“ zu arbeiten. Bald darauf wird einer ihrer Freier, der Ratsherr van Kneyart, vergiftet aufgefunden, und sie gerät ins Visier der Obrigkeit. Auch ihr Halbbruder wird auf sie aufmerksam und bewahrt sie vor dem Galgen. Die beiden werden Vertraute, und mit der Hilfe von Elsbeth, die für ihn im Dirnenhaus Informationen sammelt, wird er zum mächtigsten Mann Kölns und Elsbeth zur geschickten Drahtzieherin der Unterwelt. Der junge Henker Johannes ist zunächst nicht begeistert von ihren mutigen Forderungen und ihrer fehlenden Demut. Schon bald aber entflammen unerwartet Gefühle zwischen den beiden. Als ein grausamer Mord geschieht, müssen die beiden gemeinsam verhindern, dass es zu einer falschen Verurteilung kommt.

„Die Wächterin von Köln“ ist nicht mein erster historischer Roman von Petra Schier, aber der erste aus der – von mir vereinfacht so benannten – „Köln-Saga“, zu der auch „Mord im Dirnenhaus“ und die „Lombarden“-Trilogie gehören, gibt es doch vielfach Überschneidungen zwischen den Romanen. Dabei lässt sich dieser Roman durchaus als Standalone lesen, die vielen Querverbindungen würden aber mit der Lektüre der anderen Bände vorab ein noch intensiveres Leseerlebnis ermöglichen. Relativ einfach lässt sich der Roman zudem als historischer Roman einordnen, auch wenn zuweilen auch das Gefühl eines historischen Kriminalromans oder -Thrillers aufkommt.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen unerwarteten Wendung auf. Dabei wird diese in zwei Erzählebenen erzählt, der erzählerischen Gegenwart sowie der Vergangenheit von Elsbeth, die in Rückblenden aufgearbeitet wird, die sich immer stärker der eigentlichen Handlung annähern. Leider treten anfangs die Rückblenden gehäuft auf, sodass die Stringenz der Geschichte doch stark unterbrochen wird und sie nur langsam ins Rollen kommt – zulasten auch späterer, größerer Zeitsprünge in der eigentlichen Erzählung. Aber abgesehen davon entwickelt sich der Roman gerade in der zweiten Hälfte durchaus zum Pageturner.

Das – ungewohnte – Setting kann hier vor allem brillieren. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Köln des (größtenteils) 15. Jahrhunderts. Die Schauplätze reichen dabei vom mittelalterlichen Dirnenhaus als zentralem Anlaufpunkt des Romans bis hin zu verwunschenen Mausoleen und ungenutzten Kapellen. Petra Schier zeigt hierbei in aller Deutlichkeit die Arbeit der Hübschlerinnen, ihre Arbeitsbedingungen und die Probleme, mit denen sie sich – wie alle anderen unehrlichen Berufe – im Alltag herumschlagen mussten, die Recherche scheint allumfassend. Erstaunlicherweise (also im Hinblick auf das Genre, nicht auf das Setting) ist das Buch daher auch mit unzähligen Sexszenen durchzogen, insbesondere in den Rückblenden.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Fokussierung der Erzählperspektive auf Elsbeth kommen andere Charaktere teils etwas kurz – sehr gern hätte ich auch mehr von Aleydis erfahren, die durchaus einen unglaublich spannenden Eindruck macht, während Elsbeth teils doch übertrieben agiert, im Allgemeinen aber durchaus Sympathien erweckt. Petra Schiers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, die Waage hat hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit im Vergleich zur sprachlich-historischen Authentizität ausgeschlagen, auch das Mundartliche ist nur sehr selten eingestreut.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen, die Geschichte wird mit einer Karte, einer fast zu umfangreichen Dramatis Personae und einem ebenfalls sehr umfangreichen Nachwort abgerundet. Das Covermotiv zieht sich über Buchrücken und Coverrückseite und erzeugt so einen tollen Gesamteindruck, insgesamt ist der Umschlag aber genretypisch und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „Die Wächterin von Köln“ ist ein spannender und thematisch ungewöhnlicher, historischer Roman mit nur kleineren Schwächen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von nicht unter 16 Jahren.

[Buchgedanken] Sophie Villard: „Cartier. Der Traum von Diamanten“ (Cartier 1)

Vor kurzem habe ich auch „Cartier. Der Traum von Diamanten“ von Sophie Villard gelesen. Das Buch ist 2024 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Paris, 1910: Nach der geplatzten Verlobung mit einem französischen Adligen versucht sich Jeanne Toussaint als Näherin im zwielichtigen Montmartre über Wasser zu halten. Bis sie in einem Nachtclub den Juwelier Louis Cartier trifft, der gemeinsam mit seinen Brüdern Geschäfte in Paris, London und New York betreibt, in denen jeder, der etwas von sich hält, ein und aus geht. Louis erkennt sofort Jeannes untrügliches Gespür für Stil und ihr Talent. Aber nicht nur das: Er kann nicht leugnen, dass es sich mehr und mehr zu der charmanten und lebhaften jungen Frau hingezogen fühlt. Doch die dunklen Wolken, die sich über Europa zusammenbrauen, bringen mehr und mehr das Geschäft der Familie Cartier in Gefahr.

„Cartier. Der Traum von Diamanten“ ist der erste Band der Dilogie um eine der berühmtesten Juweliersfamilien der Welt aus der Feder von Sophie Villard – dem geschlossenen Pseudonym einer deutschen Autorin. Dabei deckt der Roman im Wesentlichen den Zeitraum vom März 1910 bis zum Juni 1915 ab, lässt sich aber durchaus schlecht als Standalone lesen, werden doch kaum Handlungsstränge aufgelöst – sehr schade. Der Roman lässt sich hierbei leicht als (historische) Familiensaga einordnen, aber auch die Eingruppierung als historischer Roman wäre möglich – fast sogar (wie teils auf Verkaufsportalen) als historischer Liebesroman, werden doch mehrere Cartier-Brüder mit romantischen Handlungssträngen versehen.

Die Handlung generell ist dabei durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber auch etwas vorhersehbar – was nicht zuletzt auch an dem etwas unnötigen und spoilernden Prolog liegt. Auch ist das Ende – wie bereits angedeutet – sehr offen und schließt fast keine Handlungsstränge ab, verzichtet aber immerhin auf einen krassen Cliffhanger. Hierbei wird die Handlung aus unzähligen personalen Erzählperspektiven erzählt – glücklicherweise wird das Kapitel jeweils mit der Person überschrieben, aus deren Sicht erzählt wird. Eine Beschränkung auf die Cartier-Brüder und Jeanne hätte aber durchaus auch gereicht.

Das Setting kann hingegen auf ganzer Linie glänzen. So entführt Sophie Villard die Leser:innen in die ganze Welt: von Paris nach London, von New York aufs weite Meer – und mit Jacques auf Reisen nach Indien und an den persischen Golf. Dabei mischt die Autorin Themen wie Frauenwahlrecht und emanzipatorische Bestrebungen sowie (gefühlte) Standesunterschiede in das Porträt der eskapistischen Belle Époque und erschafft eine tolle, glanzvolle Atmosphäre, die durch unzählige „prominente“ historische Nebencharaktere wie Coco Chanel, Sarah Bernhardt, Nellie Melba und Alberto Santos Dumont noch an Glanz gewinnt.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nelly und Miss Winter als wichtige Nebencharaktere, während gerade Louis etwas blass verbleibt und lediglich Jacques als Cartier-Bruder wirklich glänzt. Sophie Villards Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, zeugt zwar von guter Recherche, legt den Fokus sicherlich aber mehr auf Lesbarkeit als auf historische Authentizität.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls brillieren. Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich und lässt zumindest die größeren Sinnabschnitte auf ungeraden Seiten starten. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv ist etwas austauschbar und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, aufgrund der glitzernden, diamantfarbenen Schrift ist das Cover dennoch durchaus ein Eyecatcher – und bildet hoffentlich mit dem zweiten Band einen einheitlichen Gesamteindrucck.

Mein Fazit? „Cartier. Der Traum von Diamanten“ ist ein gelungener Auftaktband in die historische Familiensaga um die Familie Cartier. Dabei kann das Buch vor allem mit seinem Setting brillieren, während die Handlung noch Luft nach oben aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 12 Jahren.

[Buchgedanken] Megan Clawson: „Love at First Knight“

Zum Start ins neue Jahr habe ich eine Buchbesprechung für Euch. Denn vor kurzem habe ich „Love at First Knight“ von Megan Clawson beendet. Das Buch ist 2024 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen, die gleichnamige Originalausgabe wurde 2024 bei AVON, einem Imprint von HarperCollins Publishers, veröffentlicht. Das Buch ist als humorvoller Liebesroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Ira Panic verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die 23-jährige Daisy Hastings ist schüchtern, hat Angst vor der Welt und gibt sich gern ihren Träumen hin. Daher nimmt sie nur zögerlich die Stelle im Tower of London an, wo sie Kindern das Ritterleben näherbringen soll. Ihr arroganter Kollegen Theodore macht ihr außerdem das Leben schwer. Teddy hat nichts anderes im Sinn, als Unruhe zu stiften, weshalb Daisy immer wieder durch ihn in Schwierigkeiten gerät. Doch schon bald merken sowohl Daisy als auch Teddy, dass sie auf die Hilfe des anderen angewiesen sind. Und wenn aus Feinden möglicherweise Freunde und noch mehr werden könnte – dann hat Daisy am Ende womöglich ihren Prinz fürs Leben gefunden.

„Love at First Knight“ ist – wie der Untertitel sagt – „eine königliche Liebeskomödie“, also mehr oder weniger eine RomCom in Romanform, wobei der Fokus schon klar auf der Liebesgeschichte liegt, sogar ein Love Triangle beinhaltet. Dabei handelt es sich um den zweiten Roman der Autorin, die mit „Falling Hard for the Royal Guard“ bereits das gleiche Genre bedient hat, und dessen Protagonist:innen aus dem ersten Buch in diesem Band ebenfalls kurz auftauchen – aufgrund der doch starken Trennung der Geschichten würde ich hier aber nicht von einer Fortsetzung sprechen, „Love at First Knight“ lässt sich jedenfalls perfekt als Standalone lesen.

Die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und interessant, genrebedingt aber auch vorhersehbar. Hierbei brilliert die Autorin vor allem dann, wenn die Figuren ins Nerd-Universum abtauchen – und auch der Tower kommt natürlich nicht zu kurz, der Humor hingegen schon etwas. Und auch das Ende kann mich nicht restlos überzeugen, so wird das Happy-End auf sehr altmodisch konservative Weise erzeugt – in der modernen Welt hätte man hier vielleicht doch den ein oder anderen Weg zum Ziel wählen können.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nicht nur nach London in den Tower und nach Windsor, sondern auch in ein kleines Örtchen in Lincolnshire – und auf ein großes LARP-Festival. Zudem thematisiert Megan Clawson unterschwellig psychische Erkrankungen, legt viel Liebe in nerdige Details und mischt das ganze mit einer filmreifen Liebesgeschichte zu einem tollen Gesamtpaket, das die Leser:innen bestens unterhält. Zur bildlichen Unterstützung hätte man aber durchaus der Geschichte noch einen Grundriss des Towers voranstellen können – gern auch auf den etwas lieblosen Coverinnenseiten.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Daisy kann hier vor allem Marigold glänzen, von der ich gern noch viel mehr erfahren hätte – und auch Bobbles, Erin und Daisys Vater überzeugen, während Teddy teils etwas blass verbleibt. Megan Clawsons Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist humor- und gefühlvoll.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist einfach, aber fehlerfrei. Der Buchumschlag ist farblich auffällig, aber eher eintönig, das Covermotiv ist comichaft stilisiert und kein wirklicher Eyecatcher – etwas mehr Bezug zur Handlung hätte hier durchaus gut getan.

Mein Fazit? „Love at First Knight“ ist ein humorvoller Liebesroman, der vor allem durch sein Setting und seine spannenden Themen und Figuren punkten kann, gerade zum Ende hin aber leicht schwächelt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

[Buchgedanken] Hanna Aden: „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ (Fräulein Lena 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ von Hanna Aden gelesen. Der Roman ist 2024 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nordfriesland 1946: Wie zahlreiche Vertriebene wird auch die junge Lena Buth, die nach ihrer Flucht aus Pommern in Niebüll eine neue Heimat gefunden hat, von den Einheimischen immer noch als „Rucksackdeutsche“ argwöhnisch betrachtet. Einzig die Spaziergänge mit ihrem Freund Rainer sind Lenas Lichtblick. Sehnsüchtig wartet sie auf ein deutlicheres Zeichen seiner Zuneigung. Hat seine Zurückhaltung mit den Gerüchten zu tun, die jemand böswillig über Lena streut? Ablenkung erfährt sie durch ihre neue Kollegin Doro, eine lebenslustige Berlinerin, die Lena nach Feierabend die ersten Tanzschritte beibringt und sie mitnimmt in die Jazzkeller der britischen Besatzungssoldaten. Hier genießt Lena, dass es noch mehr im Leben gibt als Entbehrung und harte Arbeit. Rainer hingegen kommt nicht darüber hinweg, dass sein Schwager während des Krieges als Aufseher in einem Vernichtungslager gearbeitet hat – und dass er damit ungestraft davonzukommen scheint. Als ein Freund von früher nach Niebüll zurückkehrt, wird Rainer vor eine schwere Entscheidung gestellt, die auch seine Beziehung zu Lena aufs Spiel setzt …

„Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ ist nach „I love you, Fräulein Lena“ der zweite Band der Romanreihe von Hanna Aden über Lena Buth im Nachkriegsdeutschland. Dabei lässt sich der Roman durchaus als Standalone lesen – wie ich es auch getan habe. Es empfiehlt sich jedoch dennoch, auch den ersten Band der Reihe zu lesen, da durchaus auf dessen Ereignisse Bezug genommen wird. Das Buch lässt sich hierbei als historische Familiensaga einordnen, auch die Eingruppierung generell als historischer Roman oder sogar als Entwicklungsroman wäre jedoch durchaus denkbar.

Die Handlung ist dabei abwechslungsreich, teils aber etwas vorhersehbar und – zumindest in der ersten Hälfte – etwas langatmig bzw. ereignislos. Dabei mischt Hanna Aden die alltäglichen Probleme der Familien im Nachkriegsdeutschland mit der aufgeheizten Stimmung gegen Flüchtende und einem leicht politischen Plot zu einem dennoch gefälligen Potpourri, dessen Ende zwar fast etwas zu kitschig gerät, dabei aber noch genug offene Handlungsstränge beibehält, um gegebenenfalls in einem dritten Band die Zukunft von Lena endgültig zu klären.

Das Setting kann hingegen brillieren. So entführt die Autorin die Leser:innen ins norddeutsche Niebüll und nach Flensburg, in ein unter britischer Besatzung stehendes und von ersten, zarten Demokratiebestrebungen geprägtes Land, in dem immer noch Armut und Mangel an der Tagesordnung ist. Dabei gelingt es Hanna Aden, trotz der für alle prekären Lage, die unterschiedliche Situation für die aus anderen Landesteilen geflohenen Menschen noch einmal prägnanter darzustellen und herauszuarbeiten – und so in der Gesamtwirkung trotz des historischen Ansatzes einen durchaus auch für die heutige Zeit gesellschaftlich relevanten Roman zu schreiben.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Margot, Pauline und Mitch als starke Nebenfiguren, während Lena teils nicht nachvollziehbar handelt und Rainer, zumindest in der ersten Hälfte, sehr blass verbleibt. Hanna Adens Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, zeugt von ordentlicher Recherche, auch wenn der Fokus sicherlich mehr auf Lesbarkeit als auf Authentizität in der Sprache gelegt wurde.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, der Buchsatz ist sauber, auf die Kapitelüberschriften hätte man aufgrund des (allerdings nur mild) spoilernden Charakters verzichten können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen und insgesamt eher eintönig, das Covermotiv lässt leider höchstens im Ansatz Bezüge zur Handlung erkennen, die Typographie des Titels ist allerdings gelungen.

Mein Fazit? „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ ist eine durchaus gelungene historische Familiensaga, die mit dem Setting und tollen Nebencharakteren punkten kann, allerdings etwas komplikationsarm verbleibt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Charlotte McGregor: „Highland Crime – Der tote Golfer“ (King & König 2)

Vor kurzem habe ich auch „Highland Crime – Der tote Golfer“ von Charlotte McGregor, einem Pseudonym der Autorin Carin Müller, gelesen. Der Roman ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden und dem Genre Cosy Crime zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der amerikanische Großinvestor Ronald Trumpleton weiß, was er will: Aus dem beschaulichen Highland-Dörfchen Kirkby soll ein luxuriöses Golf-Resort für die Schönen und Reichen dieser Welt entstehen. Die Einheimischen stören dabei nur. Ganz Kirkby geht auf die Barrikaden und schmiedet Ideen, wie dieses Schicksal abzuwenden ist. Nicht alle davon sind friedlich. Dann finden Fanny König und ihr Dackel Rudi eines Morgens die Leiche des Investors im Wald. Ein Alibi für den Tatzeitraum hat sie keines, genauso wenig wie die meisten anderen Dorfbewohner. Wer hat den Eindringling auf dem Gewissen? Fanny, Rudi und ihr Nachbar George King entwickeln ganz eigene Theorien …

„Highland Crime – Der tote Golfer“ ist mein erster Roman aus dem Kirkby-Universum, das Carin Müller unter dem Pseudonym Charlotte McGregor mit mindestens elf Romanen, Kurzromanen und Kurzgeschichten gefüllt hat – darunter nunmehr auch zwei Bänden der „Highland Crime“-Reihe, in der Fanny König, George King und Rudi, Fannys Dackel, zusammen Verbrechen aufklären. „Der tote Golfer“ ist dabei der zweite Band dieser Reihe und als Standalone lesbar, obwohl ein vertieftes Eintauchen in die Dorfgemeinschaft idealerweise die Kenntnis vieler weiterer Kirkby-Romane voraussetzt. Das Buch wird dabei als Cosy Crime beworben, ließe sich aber aufgrund des mittlerweile dank diverser Romane mit Leben eingehauchten Ortes Kirkby fast sogar als Regionalkrimi bezeichnen, lebt er doch durch die Eigenarten und Beziehungen der Bewohner untereinander – ganz viel (fiktiver) Lokalkolorit inklusive.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend – fast zu spannungsgeladen am Ende für einen Roman des Genres Cosy Crime. Sonst werden Genrekonventionen durch das doch sehr ungewöhnliche Ermittler:innen-Duo aber eingehalten – die Chemie zwischen Fanny, George und Rudi (dem heimlichen Leserliebling) ist sicherlich einer der Pluspunkte des Romans. Kleinere Längen zu Beginn, leicht spoilernde Kapitelüberschriften und teils auch vorhersehbare Handlungsteile sowie ein kleiner Cliffhanger am Ende trüben das grundsätzlich positive Bild hier kaum.

Auch das Setting vermag größtenteils zu überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Kirkby in die schottischen Highlands, ein fiktives Örtchen voller Tradition – Pubs, Reitställe, Clanstrukturen und eine eingeschworene Dorfgemeinschaft inklusive. Dabei mischt Charlotte McGregor dramatische Themen wie organisierte Kriminalität und eine doch sehr scherenschnittartige und wenig verdeckte Parodie der Trump-Familie in die Geschichte ein – gerade letzteres lenkt jetzt doch eher von der Handlung ab, die Befriedigung von Rachegelüsten aufgrund aktuell weltpolitischer Entwicklungen ist doch eher kein Handlungstreiber für Cosy Crime.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere merkt man, dass die einzelnen Charaktere hier teils schon unzählige Bücher lang ausgearbeitet worden sind, sodass sie all ihre eigenen Marotten haben. Am stärksten überzeugen hier Robin, Charly, Adley und PC Cook, während insbesondere die Trumpleton-Familie wie oben angegeben sehr überzeichnet ist. Charlotte McGregors Schreibstil lässt sich dahingegen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist durchaus humorvoll und bildet die Liebe zu Schottland ab.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber kaum schmälern, der Buchsatz ist solide. Das Motiv auf Cover und Coverrückseite ist etwas beliebig und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, der Buchrücken, der auch die Motive einrahmt, sendet jedoch starke Schottland-Vibes. Auch wird das austauschbare Covermotiv durch eine Abbildung von Rudi aufgepeppt, die immerhin doch noch eine Bindung zur Geschichte aufbaut. Abgerundet wird die Handlung durch eine ausführliche Figurenübersicht am Ende des Buches.

Mein Fazit? „Highland Crime – Der tote Golfer“ ist ein spannender und abwechslungsreicher Wohlfühlkrimi, der mit einem tollen Setting und interessanten Charakteren punktet, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist und unnötige Parallelen zur realen Welt zieht. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.