[Buchgedanken] Heike Ribguth: „Ein Cowboy zum Küssen“

In der letzten Zeit habe ich Heike Ribguths Debütroman „Ein Cowboy zum Küssen“ gelesen. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing über Twentysix erschienen – vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Lese- und Verlosungsexemplars auf der diesjährigen Leipziger Buchmesse. Das Gewinnspiel zum Roman startet übrigens noch in diesem Monat – also haltet die Augen offen :).

51WQNdP3udL._SX311_BO1204203200_Eigentlich wollte Nina die texanische Ranch ihres verstorbenen Großonkels so schnell wie möglich verkaufen, um spätestens in sechs Wochen mit der Kohle zurück nach Berlin zu fliegen. Kurz nach ihrer Ankunft irrt sie vollständig orientierungslos bei starkem Gewitter durch die Gegend, als sie mit ihrem Leihwagen in einen umstürzenden Baum kracht. Ausgerechnet Jack Parker, der begehrteste und heißeste Junggeselle von ganz Somerville, findet die Deutsche bewusstlos auf dem Highway und bringt sie ins Krankenhaus. Doch als sie sich bei ihm kurz darauf für die Hilfe bedanken will, entpuppt sich der charmante und hilfsbereite Cowboy als fieser Macho. Wie kann ihr arroganter Nachbar äußerlich nur so cool bleiben, während Nina bei jedem Blick in seine stechenden Augen die Fassung verliert?

„Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein locker-leichter Roman, der vor allem dank seines fantastischen Settings brilliert. Die endlosen Weiten von Texas, abgelegene Ranches, Rodeo-Veranstaltungen mit traumhaften Pferden – der Roman ermöglicht es dem Leser, sich wegzuträumen und den Alltag für einige, kostbare Augenblicke zu vergessen.

Auch wenn mir die Perspektivwechsel teils etwas zu viel sind und die Handlung dadurch etwas unübersichtlich wird, gelingt es der Autorin doch, vor allem dank der unkonventionell-frischen, frechen und direkten Erzählsprache, den Leser an die Seiten zu fesseln. Dabei scheint in den Dialogen durchaus die Herkunft der Protagonistin – und auch der Autorin – aus Berlin und Brandenburg durch und sorgt damit für Authentizität.

Naturgemäß ist die Handlung genrebedingt etwas vorhersehbar, dennoch sorgt Heike Ribguth mit einigen, unerwarteten Wendungen immer mal wieder für Spannung. Zwischen den Protagonisten – die vielschichtig mit Stärken, Schwächen und glaubhaften Hintergrundgeschichten angelegt sind – kann man die Gefühle, Anziehung, das Knistern förmlich fühlen. Dabei balanciert das Buch haarscharf auf der Klippe zwischen Liebes- und Erotikroman, daher habe ich – wie einigen vielleicht aufgefallen ist – auch auf eine Genrezuordnung im ersten Absatz verzichtet.

Die Buchgestaltung kann leider nicht restlos überzeugen. So ist der Buchsatz grundsätzlich in Ordnung, lediglich die Kapitelbezeichnung ist etwas inkonsistent und verwirrend – so werden innerhalb von Kapiteln teils größere Abschnitte mit Überschriften eingeleitet, ebenfalls existiert am Ende ein Epilog, der vor das erste Kapitel gezogene Text hätte sinnigerweise dann als Prolog betitelt werden können. Auch in der Überarbeitung im Lektorat/Korrektorat sind zwar noch einige Fehler durchgerutscht, diese stören den Lesefluss allerdings nicht. Das Cover hingegen lässt durchaus noch Luft nach oben. Zwar gefällt es mir, dass sich das Grundbild der Landschaft auch nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, mit der zentral auf dem Cover postierten Frau harmoniert es jedoch nicht wirklich. So sind die Übergänge teils verwaschen und unscharf, teils wirkt es etwas deplatziert. Auch hätte ich mir etwas mehr Bezug zur Geschichte gewünscht (pinker Cowboyhut, Hund, Eingangsschild zur Ranch o.ä.).

Mein Fazit? „Ein Cowboy zum Küssen“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Liebes-/Erotikroman, der vor allem mit einem fantastischen Setting und einer frischen Erzählsprache punkten kann und den Alltag vergessen lässt. Leichtere Schwächen in der Buchgestaltung und Perspektivwahl werden durch Authentizität und große Gefühle mehr als kompensiert. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – allerdings erst ab 18 Jahren.

[Buchgedanken] Mona Kasten: „Trust Again“ (Again 2)

In den letzten Tagen habe ich „Trust Again“ von Mona Kasten gelesen, den zweiten Teil ihrer wundervollen „Again“-Reihe. Das Buch ist 2017 bei Lyx in der Bastei Lübbe AG, Köln, erschienen und dem Genre New-Adult Romance zuzurechnen. Meine Besprechung des Vorgängers kann *hier* abgerufen werden.

41euzRjPVaL._SX312_BO1204203200_In dem Moment, in dem sie Spencer Cosgrove zum ersten Mal gegenübersteht, weiß Dawn, dass sie ein Problem hat. Ein großes Problem. Spencer ist sexy, charmant und lustig, genau ihr Typ – und er beginnt augenblicklich mit ihr zu flirten. Doch Dawn hat sich geschworen, die Finger von Männern zu lassen. Zu tief sitzt der Schmerz, den sie empfindet, weil sie der falschen Person vertraut hat, zu groß ist die Wunde, die sein Verrat hinterlassen hat. Aber Spencer gibt nicht auf. Und als Dawn herausfindet, dass auch er ein herzzerreißendes Geheimnis verbirgt, wird ihr klar, dass sie keine Chance hat gegen die Art und Weise, wie er ihre Welt auf den Kopf stellt …

„Trust Again“ spielt kurz nach der Handlung von „Begin Again“ und schreibt die Geschichte fort. Auch wenn der Fokus auf anderen Protagonisten liegt, fühlt es sich doch wie eine Fortsetzung an. Man trifft liebgewonnene Charaktere wieder und lernt neue Figuren kennen. Die einzelnen Figuren werden dabei konsequent weiterentwickelt, werden mit jeder Seite, jedem Kapitel dreidimensionaler und plastischer. Besonders gefallen hat mir dabei auch Sawyer – daher freue ich mich schon sehr darauf, mehr von ihr im dritten Band zu lesen.

„Trust Again“ ist eine emotionale Achterbahnfahrt, ist – wie der Name es schon andeutet – auch ein Buch über Vertrauen, über Bindungsängste und Geheimnisse. Es ist ein Buch voller Stärke und Zerbrechlichkeit, voller Verzweiflung, Kraft und Mut. Und natürlich voller Liebe – eindringlich, romantisch und erotisch. Mona Kasten gelingt es dabei, den Leser an die Buchseiten zu fesseln und nicht mehr loszulassen. Dies wird auch durch die gelungene Wahl der Erzählperspektive begünstigt. Die Geschichte aus Dawns Sicht erleben zu können, hilft dem Leser, sich mit ihr zu identifizieren, mit ihr zu leiden und zu lachen.

Das Setting ist, wie bereits bei „Begin Again“ gelungen, der Schreibstil der Autorin leicht und flüssig. Die einzige Kleinigkeit, die ich anmerken möchte, ist weniger Kritik, sondern viel mehr eine vertane Chance. So kleinlich es auch klingen mag, ich hätte mir gewünscht, dass Spencers und Dawns „27. Kapitel“ – ein zentrales Handlungselement – sich schlussendlich im 27. Kapitel des Romanes wiederfindet. Das hätte noch für einen zusätzlichen „Wow“-Moment beim lesen gesorgt. Abgesehen davon ist „Trust Again“ ein wundervoller, atemberaubender und hochemotionaler New-Adult-Titel, der sicherlich mitgeholfen hat, Mona Kastens kometenhaften Aufstieg zur #1-Bestsellerautorin zu bewerkstelligen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Satz sind gelungen, das Cover ist wunderschön und sorgt – auch in Kombination mit den anderen Covern der Reihe – für einen hohen Wiedererkennungswert. In der Hoffnung, nicht zuviel hineinzuinterpretieren, begeistert mich auch die Wahl der jeweiligen Grundfarbe des Covers. Während das Weiß von „Begin Again“ für den Neuanfang steht, kann das Schwarz dieses Buches die dunklen Geheimnisse, die düsteren Seiten in jedem von uns, aber vor allem auch in den Protagonisten, symbolisieren. Ich bin schon gespannt, was es mit dem Pink des dritten Teiles auf sich hat.

Mein Fazit? „Trust Again“ ist nahezu perfekt, New-Adult in Reinform. Das Buch überzeugt durch tolle Charaktere, starke Emotionen und ein gelungenes Setting. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] Bianca Iosivoni: „Soul Mates: Flüstern des Lichts“ (Soul Mates 1)

In den letzten Tagen habe ich Bianca Iosivonis „Soul Mates“-Dilogie regelrecht verschlungen. Und auch wenn dies eigentlich schon alles aussagt, möchte ich Euch die beiden Bücher trotzdem noch näher vorstellen. Den Anfang macht heute der erste Band „Soul Mates: Flüstern des Lichts“. Der Roman ist 2017 im Ravensburger Buchverlag Otto Maier GmbH erschienen und dem Genre Young-Adult-Romantasy zuzurechnen.

Er sieht das Dunkle in ihrer Schönheit.41BYYx2hIPL._SX332_BO1204203200_
Sie sieht das Schöne in seiner Dunkelheit.
Zwei Seelen – für immer verbunden.
Doch im Kampf zwischen Licht und Schatten bedeutet ihre Liebe den Tod.

Wer ist der attraktive Typ mit der düster-gefährlichen Ausstrahlung, der Rayne abends auf der Straße vor einem Angreifer rettet? Wider Willen fühlt sich Rayne zu dem undurchschaubaren Colt hingezogen, und auch er sucht ihre Nähe. Immer wieder. Denn die beiden sind Seelenpartner. Doch die Licht- und Schattenwelt ist im Aufruhr, und während Colt auf der Seite der Lichtseelen steht, weiß Rayne nicht, zu wem sie gehört.

„Soul Mates: Flüstern des Lichts“ ist ein grandioser Auftakt einer spannungsgeladenen und emotionalen Dilogie. Direkt nach dem Lesen kam mir ein Vergleich in den Sinn – und ich hoffe, keine der Autorinnen, keines der Bücher, fühlt sich dadurch in irgendeiner Weise herabgewürdigt. „Soul Mates“ ist für mich das, was „Silberschwingen“ im Vorjahr war: Eine fast perfekte Young-Adult-Romantasy-Dilogie einer deutschen Autorin, ein bereits jetzt ziemlich sicheres Jahreshighlight.

Eingebettet in ein tolles amerikanisches Setting, beschreibt die Autorin den Konflikt zwischen Licht und Dunkelheit, zwischen Gut und Böse, auch wenn die Seiten nicht immer so klar verteilt zu sein scheinen. Dabei wird der Spannungsbogen die ganze Zeit gehalten und der Leser durch immer wieder auftretende unerwartete Wendungen und Spannungsspitzen auf eine Gefühlsachterbahn geschickt. Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und flüssig lesen und zieht den Leser in das Buch, sodass er es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte.

Gut gefällt mir, dass man als Leser zusammen mit Rayne die Welt der Licht-, Dunkel- und Nebelseelen kennenlernt, da sie ebenfalls neu und unerwartet in den Konflikt eintaucht. Ohnehin kann man sich gut mit ihr identifizieren, was nicht nur an dem Traumjob in der Buchhandlung liegt, sondern vor allem auch an der perfekt-gewählten, einzelnen Ich-Erzählperspektive, die für ein durchgängiges Kopfkino sorgt.

Der Roman überzeugt ebenfalls durch die Charaktergestaltung. Die einzelnen Figuren sind – sowohl was die Protagonisten, als auch die Nebencharaktere angeht – dreidimensional und vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich im Laufe der Handlung weiter. Einziges, kleines Manko aus meiner Sicht: Ein etwas zu offenes Ende, ein etwas zu heftiger Cliffhanger.

Die Buchgestaltung ist exzellent, Lektorat und Korrektorat haben sehr sauber gearbeitet. Der Buchsatz ist sehr schön – und hält sich, überraschend, an die alte Regel/Tradition, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen, was in der heutigen Zeit sehr selten  geworden ist, ich aber sehr schätze. Das Cover des Buches ist traumhaft, sehr hochwertig und mit ausklappbaren, farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Motiv ist ein wahrer Eyecatcher und bildet eine gelungene Einheit mit Band 2, sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Soul Mates: Flüstern des Lichts“ ist ein rundum gelungener Auftakt in eine tolle Young-Adult-Romantasy-Dilogie, die bereits früh im Jahr große Chancen hat, in meine Jahreshighlights einzuziehen. Der Roman überzeugt durch plastische Charaktere, ein gelungenes Setting und eine spannende Handlung, sodass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. Für Genreliebhaber unbedingt zu empfehlen!

 

[Buchgedanken] Anna Fischer: „Herz in Reparatur“

Pünktlich zum dritten Advent habe ich heute eine neue Buchvorstellung für euch! In den letzten Tagen habe ich den Liebesroman „Herz in Reparatur“ von Anna Fischer gelesen. Die Neuauflage des Buches ist 2018 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien unter dem gleichen Titel 2017 im Selfpublishing. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung eines Leseexemplares.

41rYCEGrCZL._SX337_BO1204203200_Nachdem die ehrgeizige TV-Redakteurin Emma von Carl verlassen wurde, plagt sie der Liebeskummer. Als ihr Chefredakteur dann auch noch ihr Konzept für eine Literatursendung ablehnt, und stattdessen verlangt, dass sie den ehemaligen Baseball-Star Matt MacKenzie das Einmaleins des Journalismus lehrt, gerät Emmas Leben völlig aus den Fugen. Lieber würde sie einem Affen das Sprechen beibringen wollen, als für diesen selbstverliebten Macho den Babysitter zu spielen. Doch da der Sender auf ihre Hilfe angewiesen ist, schließt sie mit Matt einen Deal: Im Gegenzug für das Journalismuscoaching bringt er Emma bei, was Männer wirklich wollen, damit sie Carls Herz zurückerobern kann.

„Herz in Reparatur“ ist ein zauberhaftes Feel-Good-Buch mit einigen unerwarteten Twists, die den Leser immer mal wieder vom, genrebedingt vorhersehbaren, Handlungsablauf abbringen. Auch wenn das (malerische) Setting in Kalifornien eher sommerlich wirkt, ist der Roman auch ein idealer Begleiter für die Weihnachtszeit. Freundschaft, Liebe und die Rückbesinnung auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben sind die zentralen Motive, die die Hauptfigur Emma nicht nur wiederfinden, sondern erst lernen und verinnerlichen muss.

Durch die perfekt gewählte Erzählperspektive (der Roman wird ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Emma erzählt), gelingt es der Autorin, dass der Leser sich gut mit Emma identifizieren kann, sich mit ihr freut, mit ihr leidet – und ja, sie auch gelegentlich mal durchrütteln möchte. Ohnehin sind die Figuren vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich – insbesondere Emma – im Laufe des Romanes weiter. Meine heimlichen Favoriten sind Burke und Victoria, beim etwas zu perfekten Matt MacKenzie hätte ich mir allerdings ein paar mehr Ecken und Kanten gewünscht.

Anna Fischers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen. Er transportiert die Gefühle zum Leser und sorgt dafür, dass man in die Geschichte gezogen wird. Gerade in den Dialogen findet sich dann auch die ein oder andere humorvolle Situation, die die Handlung auflockert. Erfrischend fand ich auch, dass mit Emma eine Protagonistin für den Roman gewählt wurde, die das dreißigste Lebensjahr bereits überschritten hat, die fest im Beruf verankert ist und über einiges an Lebenserfahrung verfügt.

Auch die Schwerpunktsetzung hat mich überrascht. Im Gegensatz zu dem immer stärker werdenden Trend in New-Adult- und Liebesromanen, wurden hier der komplette Fokus auf die Gefühle der Protagonisten gelegt und erotische Szenen lediglich vage angedeutet und komplett ausgeblendet – was mir ausnehmend gut gefallen und ideal in die Geschichte gepasst hat.

Die Buchgestaltung ist insgesamt gelungen. Lektorat und Korrektorat haben überzeugend gearbeitet, lediglich der Satz hat minimale Schwächen, die aber auch eher dem persönlichen Geschmack geschuldet sind. Das Cover ist hübsch, ich hätte mir aber etwas mehr Kreativität, etwas mehr Bezug zum Inhalt gewünscht.

Mein Fazit? „Herz in Reparatur“ ist ein überwiegend gelungener Liebesroman, der durch das malerische Setting und tolle Charaktere begeistert. Ein idealer Begleiter für den Urlaub oder für die Weihnachtszeit mit Feel-Good-Garantie – für Liebesromanleser bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Manuela Inusa: „Der kleine Teeladen zum Glück“

Ungefähr zur Buchmesse habe ich Manuela Inusas „Der kleine Teeladen zum Glück“ verschlungen, den Auftaktband zu ihrer „Valerie Lane“-Serie. Der Roman ist 2017 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Es ist bereits mein sechstes Buch der Autorin, ihr Blanvalet-Debüt „Jane Austen bleibt zum Frühstück“ hat es sogar bis in meine Jahreshighlights 2016 geschafft.

51XTPz0FXiL._SX314_BO1204203200_In „Der kleine Teeladen zum Glück“ begleitet man Laurie, die ihr Hobby zum Beruf gemacht hat und voller Stolz einen Teeladen in der Valerie Lane in Oxford betreibt. In dem kleinen, gemütlichen Geschäft kaufen Kunden Teesorten aus aller Welt, erfreuen sich an den Gerüchen oder probieren an gemütlichen Tischen direkt eine Tasse von Lauries neuesten Entdeckungen. Dass sie ihren Kunden die ein oder andere, exotische Überraschung anbieten kann, ist auch ihrem Teelieferanten Barry zu verdanken, von dem Laurie bereits seit Monaten träumt…

„Der kleine Teeladen zum Glück“ ist ein klassischer Feel-Good-Roman, ist Wohlfühlkino in Buchform auf gut 250 Seiten. Er entführt in ein traumhaft-romantisches Setting, eine zauberhafte Welt, in eine kleine Straße in Oxford, England, in der alles noch in Ordnung ist. Die Valerie Lane bietet kleine, inhabergeführte Geschäfte, deren Besitzerinnen sich gegenseitig unterstützen, sich anfreunden und auch sonst allen helfen, die ihren Weg kreuzen, sei es ein Obdachloser oder eine alte, vereinsamte Frau aus der Gegend. Eine Straße, in der die Ladeninhaber selbst die Blumenkästen befüllen, und in der es fast keine Probleme gibt – mit Ausnahme der alltäglichen Krisen, die die Protagonistinnen in ihrem Leben so durchleben. Hier ist kein Platz für Krieg und Krisen, kein Raum für gesellschaftliche Veränderungen. Es ist fast eine Utopie, zu schön, um wahr zu sein.

Durch diese, gewollte, Überspitzung gelingt es der Autorin, nicht nur gute Laune beim Lesen zu verbreiten, sondern vor allem, den Fokus direkt und schnörkellos auf die Protagonistinnen zu legen. Und auch wenn Laurie in diesem Buch die Hauptrolle spielt, merkt man bereits, dass auch ihre Freundinnen für spätere Bände aufgebaut werden. So hat jede Ladenbesitzerin ihre Eigenheiten, ihre kleinen Probleme, die den Alltag dominieren. Auch wenn es mir hier teilweise etwas an der Charakterentwicklung fehlt, bin ich doch guter Dinge, dass sich dies konsequenterweise durch die Folgebände erledigen wird.

Die Handlung ist, naturgemäß genrebedingt, vorhersehbar, aber nichtsdestotrotz durchaus spannend. Mit einigen unerwarteten Wendungen gelingt es Manuela Inusa, das erwartete Ende immer noch etwas hinauszuzögern und den Leser so ans Buch zu fesseln. Ich bin schon ganz gespannt und freue mich bereits auf die anderen Teile, denn was könnte es schöneres geben, als gerade zur kalten Jahreszeit mit einem Kakao und einem Wohlfühlbuch die Abende auf dem Sofa zu verbringen?

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, lediglich von der (allerdings sehr sporadischen) Darstellung von Chatverläufen bin ich nicht gerade begeistert – hier hätte es noch ungenutztes Potential gegeben. Das Cover hingegen ist wunderbar gelungen, einladend und bildet mit den anderen Teilen der Reihe ein tolles Gesamtbild mit Wiedererkennungswert. Klitzekleines Manko: Im Buch wird beschrieben, wie ein metallenes Schild mit der Aufschrift „Laurie’s Tea Corner“ über der Ladentür hängt – dieses fehlt leider auf dem Cover. Mit noch etwas mehr Detailliebe hätte man hier wirklich nah an die Perfektion kommen können.

Mein Fazit? „Der kleine Teeladen zum Glück“ ein ein absolutes Wohlfühlbuch – und ein gelungener Auftakt in die neue Buchreihe der Autorin Manuela Inusa. Ein traumhaftes, utopisches Setting und tolle Protagonistinnen sorgen für entspannte Lesestunden. Bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] Lin Rina: „Animant Crumbs Staubchronik“

Pünktlich zur in wenigen Stunden startenden Buchmesse, möchte ich Euch noch ein Buch vorstellen und freue mich schon darauf, morgen die Autorin persönlich in Frankfurt zu sehen.

In den letzten Tagen habe ich „Animant Crumbs Staubchronik“ von Lin Rina gelesen. Das Werk ist 2017 im Drachenmond Verlag erschienen und als (die erste Überraschung!) historischer Liebesroman einzuordnen.

51Af3k0XONL._SX348_BO1204203200_Animant Crumbs Mutter wünscht sich nichts sehnlicher, als den perfekten Ehemann für ihre Tochter zu finden. Doch diese ist die endlosen Bälle, Korsette und Kleider leid. Viel lieber lebt sie in einer Welt aus Büchern, und bemüht sich, der Realität mit Scharfsinn und Sarkasmus aus dem Weg zu gehen. Bis ihr eintöniges Landleben auf einen Schlag endet, und Ani ein unwiderstehliches Angebot bekommt. Ein Monat London, eine Arbeitsstelle in einer riesigen Bibliothek. Alles könnte perfekt sein, wäre da nicht der garstige Bibliothekar, der ihr das Leben zur Hölle macht – und sie in ein ungekanntes Gefühlschaos stürzt.

„Animant Crumbs Staubchronik“ spielt im England des Jahres 1890, gegen Ende des viktorianischen Zeitalters – und überraschte mich vollends. Durch die häufige Kategorisierung als Fantasy-Roman hätte ich unter Berücksichtigung der Erzählzeit ein Steampunk-Werk erwartet und keinen historischen Liebesroman.

Das Setting ist einfach traumhaft schön und malerisch. Das viktorianische London, die Universität, die Bibliothek, die einzelnen Soireen, Gesellschaften, Bälle – und auch das beschauliche Landleben. Die Autorin schafft hier Bilder, die dem Leser erlauben, sich in eine Welt wegzuträumen, die an der Schwelle zum Fortschritt stand. In eine Zeit vor den Weltkriegen, aber mit anderen Problemen, die auch kurz in der Geschichte angerissen werden.

Auch die Protagonisten überzeugen mich im Ergebnis – gerade Thomas Reed. Sie alle haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich im Laufe der Geschichte, auch in den Nebenrollen (zum Beispiel im Falle von Anis Mutter). Auch wenn einige Handlungen für mich nicht nachvollziehbar und unlogisch bleiben, gelingt es Lin Rina jedoch, die Gefühle und Motive der Protagonisten klar darzustellen. Hierbei begeistert mich vor allem die unglaubliche Darstellung der Verliebtheit, des Gefühlschaos von Ani in der zweiten Hälfte des Buches. Durch die geschickt gewählte Erzählperspektive erlebt man die Gefühle aus erster Hand, leidet, lacht und freut sich mit der Protagonistin, und kann sich gut mit ihr identifizieren.

Zwar ist die Handlung teils vorhersehbar, was sowohl am Genre, als auch an den teils spoilernden Kapitelüberschriften liegt (man hätte sie einfach weglassen können), bleibt jedoch spannend. Durch einige unerwartete Wendungen, die die Autorin über die Nebenhandlungsstränge einbaut, gelingt es ihr, den Spannungsbogen zu halten.

Das Ende ließ mich jedoch etwas unbefriedigt zurück. Der Ausgang der Geschichte, den ich grundsätzlich sehr mag, kam zu schnell, war ein zu heftiges Auf und Ab, und wurde auch erneut durch die Kapitelüberschriften bereits vorweggenommen. Nach einem Wendepunkt direkt die Auflösung zu bringen, ist in Hinblick auf die Dramaturgie der Geschichte aus meiner Sicht schlichtweg zu direkt, hier hätten es durchaus noch ein, zwei Kapitel mehr sein können – vor allem, wenn man den Zeitsprung in der Erzählzeit bedenkt.

Lin Rinas Schreib- und Erzählstil ist unaufgeregt und einfühlsam, und lässt sich wirklich gut und flüssig lesen. Er transportiert die Gefühle und Handlungen und fesselt den  Leser an die Seiten. Zudem ist auch anzumerken, dass sich um eine authentische Sprache bemüht wurde, hier jedoch trotzdem einige modernere Wörter und Redensarten eingeflossen sind – es hält sich aber noch im tolerablen Rahmen.

Dem Lektorat und Korrektorat sind einige Fehler durchgerutscht, die aber nicht so gravierend sind, dass sie den Lesefluss stören. Das Cover hingegen ist atemberaubend schön, ein absoluter Eyecatcher, und vielleicht meine Lieblingsarbeit der Designerin Marie Graßhoff. Auch der Buchsatz ist, erwartungsgemäß, gelungen und punktet mit kleinen Verzierungen.

Obwohl es viele kleine Kritikpunkte gibt, vieles, was man noch optimieren könnte, stört mich das nicht wirklich (die zweite Überraschung!) . Ich weiß nicht genau, woran es liegt, aber ich habe mich trotzdem etwas in das Buch verliebt. Ob es die Leichtigkeit der Sprache war oder das unbeschwerte, glanzvolle Leben? Ob es die glorifizierte Welt der Bücher war oder die Gefühlsflut? Ich kann es nicht sagen, weiß lediglich, dass ich das Buch in vollen Zügen genossen habe.

Mein Fazit? „Animant Crumbs Staubchronik“ ist ein toller Liebesroman, der vor allem mit dem malerischen Setting und den Gefühlen der Protagonisten punkten kann. Zwar hat er auch kleinere Schwächen, fesselt den Leser aber dennoch an die Seiten. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Nina MacKay: „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“

In den letzten Tagen habe ich den zweiten Teil von Nina MacKays Hipster-Märchen Reihe gelesen. „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“ ist 2017 im Drachenmond Verlag erschienen und – in Anlehnung an meine Kategorisierung des Vorgängers – als humoristisch-phantastische Young-Adult-Märchenadaption einzuordnen. Die Besprechung des ersten Bandes, Rotkäppchen und der Hipster-Wolf, der auch in meinen Jahreshighlights 2017 vertreten war, kann *hier* abgerufen werden.

61gHUhzFkhL._SX341_BO1204203200_Der Märchenwald ist in Aufruhr, alle Happy Ends sind in Gefahr. Nach dem Tod ihres Vaters kocht Prinzessin Jasemin vor Wut und droht mit Krieg. Um den Märchenwald zu retten, ist die Prinzessinnen-Gang auf die Hilfe der Hexen angewiesen. Gemeinsam machen sie sich auf die Suche nach dem verlorenen Kind und dem achten Zwerg. Doch leider kann Red dabei nicht auf die Hilfe ihrer wahren Liebe zählen. Denn Ever, der Hipster-Wolf, ist plötzlich verschwunden, und Jaz ist nur zu bereit, dessen Platz an der Seite von Red einzunehmen …

„Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“ knüpft nahtlos an die Handlung des Vorgängers an und setzt diese konsequent fort. Erneut begeistert mich das traumhafte Setting – sowie der unvergleichliche Humor durch die Verschmelzung der klassischen Märchenfiguren mit der modernden Welt. Die Geschichte sprüht einfach vor Kreativität und sorgt mit immer neueren und abstruseren Auswüchsen für sehr, sehr viel Spaß beim Lesen.

Auch wenn in der Fortsetzung einige neue Figuren auftreten, sind es doch vor allem die altbekannten Charaktere, die wieder die Handlung vorantreiben. Dabei ist die Entwicklung der Charaktere exzellent gelungen – gerade die Namensgeberin der Fortsetzung Cinder, aber auch Rose und der Rest der Prinzessinnen-Gang hat sich toll gemacht. Lediglich von Red, die aus meiner Sicht etwas in ihrer Gefangenschaft zwischen den wahren Lieben stagniert, bin ich etwas enttäuscht.

Gleichwohl bin ich froh darüber, dass Nina MacKay, trotz der vielen Perspektivwechsel, nur eine Ich-Perspektive benutzt, und sonst in den personalen Erzähler wechselt. Dies ist aus meiner Sicht die beste Lösung für wechselnde Perspektiven, und ermöglicht dem Leser eine starke Bindung und Identifizierung mit der Ich-Erzählerin Red. Auch die durchweg spannende Handlung mit unerwarteten Wendungen fesselt den Leser an die Buchseiten und sorgt dafür, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

Mit dem Ende kann ich mich allerdings nicht so ganz anfreunden. Zwar verstehe ich den Sinn von Cliffhangern, um Buchreihen fortzusetzen und die Menschen zum Kauf der Folgebände zu animieren, hier finde ich es jedoch zu krass ausgeprägt. Aus meiner Sicht liegt kein Abschluss vor, sondern eher ein Wendepunkt im Sinne klassischer Dramaturgie, an den eigentlich noch das Ende anknüpfen müsste. Dies mag nur mein persönlicher Geschmack sein, aber so richtig befriedigt hat mich der Schluss nicht zurückgelassen.

Die Buchgestaltung ist insgesamt als gelungen anzusehen. Das Cover ist wunderschön und fügt sich gut in die Reihe ein, die Coverrückseite ist mir allerdings etwas zu textlastig und überladen. Der Buchsatz ist – wie üblich beim Drachenmond Verlag – zauberhaft und mit zwei Illustrationen noch zusätzlich aufgewertet. Leider sind beim Lektorat und Korrektorat kleinere Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss allerdings nicht erheblich stören und noch im Toleranzbereich liegen. Zudem ist dem Verlag auf dem Buchrücken ein – gravierender – Fehler unterlaufen: der Titel ist falsch geschrieben. Und so charmant „Aschenpuutel“ auch klingt, und so clever es als Erstausgabe und Sammlerstück beworben worden ist, sollte man dennoch nicht darüber hinwegsehen, dass sowas nicht passieren darf.

Mein Fazit? „Aschenputtel und die Erbsen-Phobie“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe und kann vor allem durch die tolle Entwicklung der Charaktere begeistern. Kleinere Schwächen in der Bucherstellung vermögen dabei den tollen Gesamteindruck nicht zu trüben. Für alle Märchenliebhaber und Fans humoristischer Fantasy bedenkenlos zu empfehlen.

 

 

[Buchgedanken] Marion Poschmann: „Die Kieferninseln“

Vor einigen Wochen habe ich Marion Poschmanns Roman „Die Kieferninseln“ gelesen. Das Buch ist 2017 im Suhrkamp Verlag, Berlin, erschienen – die mir vorliegende Ausgabe entstammt bereits der vierten Auflage. Bei der Verleihung des Deutschen Buchpreises 2017 zählte „Die Kieferninseln“ zu den sechs Finalisten – eine Ehre, die Marion Poschmann bereits zum zweiten Mal in ihrer Karriere ereilte. Ohne es gelesen zu haben, war das Buch damals auch mein persönlicher Favorit auf den Preis – ob es die ganzen Vorschusslorbeeren verdient – dazu mehr im Verlauf der Besprechung. Auf der letzten Buchmesse in Frankfurt besuchte ich zudem eine Lesung und Buchpräsentation der Autorin.

61IMypO0aHL._SX299_BO1204203200_Gilbert Silvester, seines Zeichens Dozent und Bartforscher, steht unter Schock, nachdem er davon geträumt hat, dass seine Frau ihn betrügen würde. Spontan verlässt er sie und besteigt ein Flugzeug nach Tokio. Dort entschließt er sich, wie die alten Wandermönche und der Dichter Basho vor ihm, zu den Kieferninseln von Matsushima zu pilgern, um sich in der Betrachtung der Natur zu verlieren und seine innere Ruhe zu finden. Wäre da nicht Yosa Tamagotchi, Gilberts Reisegefährte. Denn der junge Student verfolgt ein ganz anderes Ziel. Geleitet vom „Complete Manual of Suicide“ sucht er nach dem perfekten Platz, um seinem hoffnungslosen und eintönigen Leben ein Ende zu bereiten.

„Die Kieferninseln“ ist ein sehr fragiles, zerbrechliches Werk. Die Autorin spielt mit den Vorstellungen der Leser, und lässt sie im Unklaren über das wirkliche Geschehen. Wirklichkeit und Vorstellung, Realität und Fiktion, Geist und Wahnsinn. Und so ist „Die Kieferninseln“ auch ein Werk über die krassen Unterschiede zwischen den Kulturen und Menschen, und über die Vorurteile, die man pflegt. Wenn ein Kaffeemensch in ein Teeland reist, sind die Reibungspunkte vorprogrammiert.

In das eigene Werk hat Marion Poschmann gezielt Haikus integriert – als gewollte Hommage der Reisenden an die japanischen Dichter. Die Vermischung von Prosa und Lyrik, die dadurch gewollte Entschleunigung, zählt zu den großen Pluspunkten des Buches – und hätte es auch aus meiner Sicht zu einem würdigen Gewinner des Deutschen Buchpreises gemacht.

Auch wenn die Handlung in „Die Kieferninseln“ fast unwichtig erscheint, spiegelt sie doch die großen Themen des Lebens wieder, stellt existentielle Fragen und ist fast spirituell. „Die Kieferninseln“ ist leicht und zerbrechlich, traurig und melodramatisch – und, man kann es kaum glauben, sehr humorvoll, fast schon exzentrisch und ins Komische verrückt. Marion Poschmanns sanfter und gut zu lesender Schreibstil lässt dem Leser genug Raum für eigene Vorstellungen. Ein malerisches Setting und tolle Beschreibungen der einzelnen Schauplätze in Japan lassen den Leser sich auch gedanklich nach Japan träumen.

Das Cover des Buches ist – wie das Werk an sich – zurückhaltend und lässt Raum für Interpretationen. Lektorat und Korrektorat haben gut gearbeitet, lediglich beim Buchsatz hätte ich mir etwas mehr Finesse gewünscht, so hätten die Gespräche und Nachrichten mit Gilberts Frau besser dargestellt werden können – und eine Karte der Pilgerreise hätte ebenfalls für eine gelungene Abrundung des Geschehens gesorgt.

Mein Fazit? „Die Kieferninseln“ ist ein sprachlich meisterhaftes Werk, das Prosa und Lyrik, Realität und Fiktion verschwimmen lässt. Es lebt von den Unterschieden der Kulturen und von den traumhaften Beschreibungen des malerischen Settings. Bedenkenlos zu empfehlen, wenn man Bücher außerhalb der Genreliteratur mag.

 

[Buchgedanken] Mariana Leky: „Was man von hier aus sehen kann“

Vor einiger Zeit habe ich Mariana Lekys „Was man von hier aus sehen kann“ gelesen. Der Roman ist 2017 im DuMont Bucherlag, Köln, erschienen – und das mir vorliegene Exemplar stammt bereits aus der siebzehnten Auflage (2018) – Glückwunsch an dieser Stelle zu dem unglaublichen Erfolg. Autorin und Buch lernte ich zudem auf einer tollen Veranstaltung im Rahmen der diesjährigen Litblog-Convention in Köln kennen.

51Rgo4MGFTL._SX321_BO1204203200_In einem kleinen Dorf im Westerwald geht alles seinen gewohnten Gang. Solang, bis Selma in ihrem Traum ein Okapi sieht. Denn immer, wenn dieses ungewöhnliche Tier in den Träumen der alten Westerwälderin auftaucht, stirbt in den nächsten 24 Stunden ein Dorfbewohner. Und so lebt und liebt man intensiv, leidet, lacht und weint gemeinsam – egal, wie schwierig die Vorzeichen sind. So wie bei Luise, deren Liebe als Buddhist in einem japanischen Kloster tausende Kilometer entfernt lebt.

„Was man von hier aus sehen kann“ ist ein Buch, so ungewöhnlich wie sein Erfolg. Erzählt aus der Sicht von Luise, die im ersten Teil des Buches 10, im zweiten etwa Anfang 20 und im dritten etwa Anfang 30 ist, versetzt es den Leser in ein beschauliches Dorf im Westerwald. Alles und wirklich jeder spielt hier seine vorgegebene Rolle, sei es die alte Selma oder ihr heimlicher Verehrer, den alle nur „Optiker“ nennen. Doch trotz ihrer eingefahrenen Rollen sind die einzelnen Charaktere des Romanes nicht eindimensional, sondern vielschichtig und überraschend komplex.

Auch wenn die Handlung teils etwas blass und vorhersehbar bleibt, gelingt es der Autorin, den Leser in den Text zu ziehen, in das idyllische Porträt eines kleinen Dorfes, in dem alle zusammenhalten, und jeder jedem hilft. Kleine Wendungen und Spannungsspitzen sorgen zudem dafür, dass der Trott, die Routine durchbrochen wird und man als Leser, zusammen mit allen Bewohnern, aus dem Alltag herausgeworfen wird. Zum kleinen Problem wird dem Roman hier die perfekte, zauberhafte Prämisse, die dem Buch zugrundeliegt. Diese hat mich so überzeugt, so umgeworfen und bezaubert, dass die schlussendliche Ausgestaltung meine Erwartungen in diesem Punkt nicht gänzlich erfüllt.

Vollends überzeugt das Buch allerdings durch die Sprache der Autorin. Durchzogen von einer Vielzahl von Motiven, Wiederholungen und komischen Elementen begeistern gerade die Schlichtheit, der Wortwitz und die tollen Beschreibungen. Mariana Lekys überragende Erzählstimme ist – vielmehr als alles andere – der heimliche Star des Romanes, und allein für sich bereits ein Grund, das Buch zu kaufen.

Auch die Buchgestaltung trägt das ihrige dazu bei, ein rundes Gesamtpaket zu liefern. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat sind gelungen, das Cover setzt tolle Akzente und passt perfekt zum Inhalt des Buches.

Mein Fazit? „Was man von hier aus sehen kann“ ist ein gelungener Roman, der vor allem durch Mariana Lekys brillianten Schreibstil punkten kann. Zwar bleibt die Handlung etwas hinter den Erwartungen der zauberhaften Prämisse des Buches zurück, vermag den Leser aber dennoch in die Idylle des Westerwaldes zu entführen. Für alle, die gern Bücher fernab der gängigen Genreliteratur lesen, bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Daniel Kehlmann: „Tyll“

In der letzten Zeit habe ich „Tyll“ von Daniel Kehlmann gelesen, nach „F“ mein zweites Werk des preisgekrönten Autors. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen und 2017 bei Rowohlt als Hardcover erschienen. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Weltbild für die Verlosung signierter Exemplare bedanken.

51eI4zwysRL._SX304_BO1204203200_Als sein Vater verbrannt wird, beschließt Tyll ein Leben in der Fremde zu suchen und brennt mit Nele durch. Im Laufe seines Lebens trifft er nicht nur den legendären Winterkönig, sondern auch andere zeitgeschichtliche Personen, nimmt am 30-Jährigen Krieg teil und wird selbst zur Sagengestalt.

„Tyll“ ist nicht-linear, sondern episodenhaft. Die einzelnen Geschichten sind aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt, springen zeitlich vor und zurück. Es ist ein Werk, das nicht von der Spannung, sondern vielmehr von der Zeit lebt, in der es spielt. Kehlmann beschreibt die düstere Episode des 30-jährigen Krieges in all ihrer Grausamkeit, ohne zu romantisieren. Es ist ein Porträt der Zeit, eingefangen im Porträt einer Person, die nicht in die Zeit passt. Till Eulenspiegel (im Buch Tyll Ulenspiegel) vernarrt, verzaubert, blendet und begeistert. Und lässt alle ratlos zurück.

Und doch. So sprachlich brilliant, bestechend in der Wortwahl, vermag mich „Tyll“ – ähnlich wie „F“ damals – nicht restlos zu überzeugen. Der Roman ist sperrig, ungehobelt – und das passt zwar zur Geschichte, sorgt jedoch auch für ein holpriges Lesevergnügen. Kehlmann spielt mit der Sprache, sowohl mit dem Konflikt als auch mit dem Einklang von Religion und Wissenschaft – eingefangen in der ambivalenten Figur des Athanasius Kircher.

Durch den nicht-linearen Erzählstil, durch die Zeitsprünge und die Perspektivwechsel fällt es dem Leser schwer, dicht an den Figuren zu bleiben und sich mit ihnen zu identifizieren. Nichtsdestotrotz entwickeln sich die Figuren dennoch weiter, zeigen Stärken und Schwächen – nicht nur in den Haupt- sondern auch in den Nebenprotagonisten. Dies ist neben dem schonungslosen, grandios beschriebenen Setting, vielleicht die größte Stärke des Buches.

Die Gestaltung des Buches ist ebenfalls gelungen – Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben qualitativ hochwertig gearbeitet. Lediglich mit dem Cover konnte ich mich noch nicht anfreunden, aber es sorgt unbestreitbar für Aufsehen und grenzt sich scharf von den genretypischen Covern ab.

Mein Fazit? „Tyll“ ist ein unbequemer, sprachlich-brillianter Historienroman, der nicht linear, sondern episodenhaft erzählt wird. Tolle Figuren und ein grandioses Setting lassen dabei die teils holprig zu lesende Handlung vergessen. Für Sprachliebhaber und Fans historischer Erzählungen daher bedenkenlos zu empfehlen. Allerdings: Keine leichte Lektüre – und definitiv nichts für Kinder unter 14 Jahren.