[Buchgedanken] Uli Aechtner: „Poyais. Ein Land, das es nie gab“

In der letzten Zeit habe ich auch „Poyais. Ein Land, das es nie gab“ von Uli Aechtner gelesen. Das Buch ist 2026 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

1820: Zwei Schiffe voller hoffnungsfroher Siedler stechen in See. Ihr Ziel: Poyais – ein neu gegründeter Staat in Südamerika, der europäischen Auswanderern Reichtum und Freiheit verspricht. Doch das angebliche Paradies ist eine Lüge. Poyais existiert nicht. Es ist die skrupellose Erfindung des Hochstaplers Gregor MacGregor, der mit glänzenden Versprechen Tausende in die Irre führt. Auch Kaufmannstochter Julie will mit ihrem Geliebten fliehen – und strandet in einer Katastrophe. In der unerbittlichen Hitze der Karibik kämpft sie gegen Hunger, Krankheit und Verzweiflung. Und steht bald vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Kann sie sich – und andere – retten?

„Poyais. Ein Land, das es nie gab“ ist nach „Mein Lover, mein Ex und der Andere“ mein zweiter Roman von Uli Aechtner und zeigt eindrücklich, in welcher Genre-Bandbreite die Autorin unterwegs ist. Denn dieses Buch lässt sich meines Erachtens klar als historischer Roman einordnen, auch andere Zuschreibungen wie die eines Schicksalsromans, ja sogar eines Abenteuerromans oder – wie von der Autorin im Nachwort erwähnt – als historische True-Crime sind hier möglich.

Die Handlung ist dabei spannend und abwechslungsreich, teils aber mit kleineren Längen versehen. Die verschiedenen Handlungsstränge nähern sich hierbei zeitlich immer stärker an und laufen kurz vor dem Ende zusammen – so vermochte der Handlungsstrang aus den Befreiungskriegen zumindest noch minimal Einfluss auf die eigentliche Geschichte zu nehmen. Generell hätte ich mir hier eine stärkere Fokussierung auch auf MacGregor gewünscht, seine Perspektive kommt nur kurz im Prolog vor, als nunmehr genialer aber verabscheuungswürdiger Verbrecher, als früherer Held der Befreiungskriege hat er sicherlich eine Entwicklung durchgemacht, die viele Bücher füllen könnte.

Das Setting führt die Leser:innen im 19. Jahrhundert so ziemlich überall hin. So nimmt die Autorin die Leser:innen mit auf eine Reise über Deutschland, England, Frankreich und diverse Länder Mittelamerikas hin zum nicht existenten Staat Poyais. Dabei sind insbesondere die Passagen zur Schifffahrt gelungen und zeugen von einer guten Recherche. Gleiches gilt für die Schilderungen zu den Befreiungskriegen, die eindrücklich und mahnend die Schrecken des Krieges verdeutlichen, sich aber irgendwie nicht so recht organisch in die Handlung einfügen – hier hätten auch andere Schwerpunkte gesetzt werden können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Theo, Josefa und Jeffrey, während gerade Carl etwas blass verbleibt und oftmals nicht nachvollziehbar handelt. Uli Aechtners Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, balanciert die Waage aber sicherlich eher auf Seiten der Lesbarkeit als sprachlich-historischer Genauigkeit.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Die Geschichte wird mit einem Literaturverzeichnis und einem einordnenden Nachwort abgerundet, vorangestellt ist eine Karte, die allerdings sehr schlecht lesbar ist im Druck. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, Buchrücken und Coverrückseite sind eher eintönig, schlicht, aber grell – generell ist die Farbgestaltung ungewöhnlich. Das Covermotiv an sich ist ansehnlich, aber kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Poyais. Ein Land, das es nie gab“ ist ein spannender und abwechslungsreicher historischer Roman, der ein hochinteressantes Thema behandelt, teils aber andere Schwerpunkte hätte setzen können und kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Peter Probst: „Am helllichten Tag“

In der letzten Zeit habe ich auch „Am helllichten Tag“ von Peter Probst gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die junge Journalistin Toni wollte die Vergangenheit eigentlich hinter sich lassen. Doch als ihr Vater ins Krankenhaus eingeliefert wird, macht sie sich sofort auf den Weg nach Pirmasens, ihrer Heimatstadt am Rand des Pfälzer Walds. Als sie dort eintrifft, ist es zu spät – ihr Vater ist tot. In seinem Nachlass findet sie einen kryptischen Brief, in dem er ihr eine jahrzehntealte Schuld gesteht. Zu ihrem Entsetzen stellt Toni fest, dass es etwas mit einer Verbrechensserie in den 60er Jahren zu tun haben muss. Drei Kinder sind spurlos verschwunden, die Fälle wurden nie aufgeklärt. Welche Rolle hat ihr Vater dabei gespielt? Und warum interessiert sich plötzlich die Polizei für ihre Familie? Ihr journalistischer Jagdeifer ist geweckt – bis sich die Vergangenheit auf einmal zu wiederholen droht.

„Am helllichten Tag“ ist mein erster Roman von Peter Probst und das erste Buch um die starke Protagonistin Antonia Papin – vielleicht könnte man damit ja den Grundstein für eine Reihe legen? Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. So wird es als Kriminalroman beworben – und auch auf dem Cover so tituliert. Gleichsam verschwimmen hier jedoch auch die Grenzen zum Thriller, spielt doch die polizeiliche Arbeit nur eine Nebenrolle und wird nicht einmal mit einer eigenen Erzählperspektive gewürdigt. Darüber hinaus enthält das Buch auch partiell True Crime Elemente, wird doch neben einem fiktiven aktuellen Fall ein alter Cold Case aufgearbeitet, der in den 1960er Jahren das Land prägte.

Die Handlung ist insgesamt spannend und abwechslungsreich, hat aber, gerade im Mittelteil, auch kleinere Längen. Dabei überzeugt insbesondere die Erzählperspektive von Vanessa, die atmosphärisch dicht, einfach unglaublich bedrückend und emotional ist. Zugleich spielt die Handlung auch auf zwei Zeitebenen, werden doch auch Ereignisse aus der Vergangenheit aus Sicht von Antonias Vater dargestellt und mit Zeitungsartikeln unterstützt – da hätte ich mir gern noch mehr gewünscht.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt der Autor seine Leser:innen nach Pirmasens und Umgebung, in eine Stadt, die stark vom Strukturwandel getroffen ist und über die man im Roman noch so einiges lernen kann. Dabei mischt der Autor – wie dargestellt – einen Cold Case mit einem fiktiven Fall und baut zudem gesellschaftlich relevante Themen in den Roman mit ein wie Schuld, Peer Pressure, Social Media, digitale Hasskampagnen und religiöser Fanatismus, auch wenn man hier teils etwas an der Oberfläche verbleibt und die Themen etwas einseitig beleuchtet.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Antonia insbesondere Vanessa und Marga, aber auch Pfarrer Hohnert, während Leo oftmals nicht ganz nachvollziehbar handelt. Peter Probsts Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, auch wenn man die Zeitungsartikel vielleicht noch innovativer hätte setzen können. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Cover und die Coverrückseite werden jedoch zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Generell ist das Covermotiv aber durchaus ansehnlich und atmosphärisch.

Mein Fazit? „Am helllichten Tag“ ist ein Kriminalroman, der gekonnt einen Cold Case mit Fiktion vermischt und vor allem durch das atmosphärische Setting und tolle Charaktere punktet, teils aber noch andere Schwerpunkte hätte legen können. Für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Maria Grund: „Krakenkind“ (Berling & Pedersen 4)

In den letzten Tagen habe ich auch „Krakenkind“ von Maria Grund gelesen. Das Buch ist 2026 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Bläckfisken“ bei Polaris, Stockholm. Das Buch ist als Thriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Sabine Thiele verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Småland, Spätsommer 1996: Die Abendsonne taucht den kleinen schwedischen Ort Augu in goldenes Licht. Doch die Idylle trügt, denn in der Dunkelheit der Nacht geschieht ein brutales Verbrechen. Eigentlich wollte die junge Polizistin Sanna nach Gotland ziehen und dort ein neues Leben beginnen, doch dieser Fall hält sie davon ab, ihre Koffer zu packen. Anhaltspunkte gibt es wenige, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran, aber bei näherem Hinsehen bekommt das friedliche Bild der Gemeinde tiefe Risse. Die Bewohner von Augu hüten dunkle Geheimnisse, und noch bevor Sanna das Geflecht aus Lügen entwirren kann, gibt es weitere Opfer. Das Grauen hat gerade erst begonnen …

„Krakenkind“ ist der vierte Band der Buchreihe um Sanna Berling und Eir Pedersen – und fungiert als Prequel zu den anderen drei Bänden, indem der Roman tief in Sannas Vergangenheit eintaucht, bevor diese Eir überhaupt kennengelernt hat. So ist es auch unschädlich, dass ich noch keinen Roman der Reihe gelesen habe – das Buch lässt sich gut als Einstieg in die Serie nutzen. Allerdings fällt mir die Genrezuordnung nicht leicht. Durch die doch präsente Ermittlungs- und Polizeiarbeit ließe sich das Buch auch gut als Kriminalroman einordnen, ich habe es aufgrund der stark atmosphärischen Spannung aber bei der – auch auf dem Cover aufgedruckten – Kategorisierung als Thriller belassen.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lebt aber vor allem durch die angesprochene Atmosphäre, wirklicher Thrill stellt sich eher selten ein. Dabei wird die Geschichte aus unzähligen Perspektiven erzählt – und bindet viele wichtige Themen ein. Insgesamt erstreckt sich die Handlung über knapp zwei Wochen im Jahr 1996 – irritierenderweise wird als Prolog ein Ereignis vorangestellt, das erst nach Abschluss der Handlung stattfindet. Allerdings kann das Ende durchaus überzeugend, auch wenn die Person des Haupttäters jetzt keine große Überraschung darstellte.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in den kleinen Ort Augu ins Jahr 1996, eine Zeit, in der die Digitalisierung noch in den Babyschuhen steckte, kaum niemand Handys besaß und Polizeiarbeit noch stärker im Kontakt mit Menschen stattfand. Häusliche Gewalt, Fluchtbewegungen, Entwurzelung, sexueller Missbrauch, Armut, Depressionen und tödliche Krankheiten ziehen sich durchs Buch und sorgen für eine düstere, teils beklemmende Atmosphäre, die so typisch und dennoch immer wieder so brillant in skandinavischen Thrillern eingesetzt wird.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Sanna brillieren hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Rebecka, Mira und Borghild – irritierend ist lediglich, dass quasi alle männlichen Figuren durchweg negativ charakterisiert werden. Maria Grunds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und ist genre- und reihentypisch ansehnlich. Abgerundet wird die Handlung mit Hilfsangeboten, die im Anhang abgedruckt sind und Betroffene unterstützen sollen – stark!

Mein Fazit? „Krakenkind“ ist ein atmosphärisch starker Thriller, der mit seinem Setting und tollen Charakteren brilliert, in der Handlung aber noch etwas mehr Spannung hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Win Your Heart“ (Limerick Love 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Limerick Love. Win Your Heart“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2026 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historische New Adult Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1462. Im Dorf ihrer Großmutter sucht Sláine Ó Meadhra nach einem Neuanfang. Stattdessen findet sie ihn: Callum. Doch ihr Freund aus Kindheitstagen hat eine mysteriöse Vergangenheit: Manche nennen ihn einen Piraten, andere einen Mörder. Er hält Sláine auf Abstand, so sehr sie auch seine Nähe sucht. Enttäuscht wendet sie sich dem charismatischen Rian zu und entdeckt an seiner Seite ihre Liebe zum Rudern. Doch ihr Herz schlägt bereits für Callum … Ein großes Ruderturnier wird schließlich zu Callums letzter Chance, seinen Namen reinzuwaschen. Aber skrupellose Gegner lassen ihm und Sláine nur eine Wahl: gemeinsam kämpfen – oder untergehen.

„Limerick Love. Win Your Heart“ ist der zweite Teil der „Limerick Love“-Dilogie, kann aber unabhängig vom ersten Band als Standalone gelesen werden, die Verknüpfungen sind eher gering, auch wenn die Protagonistin bereits im ersten Band die Leser:innen begeisterte – in „Limerick Love. Break the Rules“ war Sláine meine Lieblingsfigur. Allerdings sehe ich diesen Band – im Gegensatz zum ersten Teil – nicht mehr wirklich als Sports Romance, spielt doch der Sport eher eine untergeordnete Rolle, ist mehr Mittel zum Zweck und keiner der Love Interests ist wirklich zentral involviert.

Dies ist allerdings der einzige wirkliche Wermutstropfen, denn die Handlung ist sonst hochspannend und abwechslungsreich und sorgt so dafür, dass das Buch sich zu einem absoluten Pageturner entwickelt, der selbst am Ende überzeugt, das zwar genretypisch happy, aber nicht kitschig rosarot ist. Zugleich werden – trotz des historischen Settings – auch gesellschaftlich relevante Themen eingebaut, die doch zeigen, dass wir uns in einigen Bereichen gar nicht so weit entwickelt haben, wie wir es gern glauben würden. Erzählt wird das Buch hierbei aus Sláines Ich-Perspektive.

Das Setting überzeugt naturgemäß auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland des 15. Jahrhunderts. Und auch wenn dieses Mal nicht der Konflikt zwischen den Gaelic Irish und den Anglo-Irish im Zentrum der Handlung steht, finden sich doch genug Themenfelder, auf denen sich Kristin MacIver mit ihren Figuren tummeln kann – erneut glänzt hier auch die Recherche, auch wenn sicherlich zugunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere historische Detail verzichtet wurde.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren neben Sláine insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Maeve und Oisín, während lediglich Callum fast etwas zu gebrochen für den „broken hero“ ist. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und stellt den Kapiteln jeweils kurze Zitate/Gedanken von Callum vorweg. Unterstützt wird die Handlung hierbei durch eine großformatige Illustration der Protagonist:innen in den Coverinnenseiten sowie ein Glossar und eine Aussprachehilfe. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv passt gut zum ersten Teil und bildet einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Win Your Heart“ ist ein toller Abschluss der Dilogie, der sich zwar genremäßig durchaus vom ersten Band entfernt, dabei gleichsam aber ein Pageturner mit einer unglaublich spannenden Protagonistin verbleibt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Matthias Soeder: „TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ (Tinte und Schwert 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ von Matthias Soeder gelesen. Das Buch ist 2026 im FeuerTanz Verlag, einem Imprint des VA-Verlag erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Herbst 1618, Bistum Würzburg. Der 30-jährige Krieg ist erwacht. Nach einem brutalen Überfall, bei dem seine Familie getötet wird, verschleppen Söldner den jungen Priesteranwärter Jacob Wolffen nach Böhmen. In der Armee des gefürchteten Generals Mansfeld wird er zum Schanzdienst gezwungen. Knapp dem Tod entkommen, erkennt Jacob seine göttliche Bestimmung: Ein unbarmherziger Rachefeldzug gegen den skrupellosen Leutnant Heinrich von Hohenfels und seine Schergen. Eine scheinbar unlösbare Aufgabe, doch in der jungen Heilerin Anna Dillenberger – die ihre eigenen dunklen Geheimnisse hat – findet er eine starke Verbündete. Sie unterstützt ihn mit scharfem Verstand und unerschrockenem Mut. Doch zwischen Belagerung und Verrat stellt sich bald eine grausame Frage: Dürfen sie Todsünden begehen, um die finsteren Mächte zu bezwingen?

„TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ ist der erste Band der gleichnamigen Trilogie, mit der der Thriller-Autor Matthias Soeder in die Vergangenheit eintaucht und sich so seiner Reenactment-Leidenschaft annähert. Dabei ist das Buch – passend zur Zeit – sehr düster, brutal und fast hoffnungslos, sodass die ausgesprochene Leseempfehlung ab 16 Jahren wirklich die Untergrenze darstellen sollte – und selbst dies nur möglich erscheint, in dem Teile der Handlung großzügig ausgeblendet sind.

Abgesehen davon ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, auch wenn zuweilen eine Unwucht in der Gewichtung der Handlungsstränge besteht – gerade Anna kommt hier teils etwas kurz. Zudem empfinde ich auch den Handlungsstrang bzw. die Perspektive um den General Graf Mansfeld eher als historischen Infodump als wirklich handlungstreibend – für die Geschichte um Anna und Jacob hätte es diese Perspektive wirklich nicht gebraucht.

Das Setting hingegen glänzt auf ganzer Linie. So nimmt der Autor die Leser:innen mit ins 17. Jahrhundert, mitten hinein in die Anfänge des 30-jährigen Krieges, unter anderem in meinen Wohnort Heidelberg und dann vor allem nach Böhmen zur Belagerung der eigentlich uneinnehmbaren Stadt Pilsen. Dabei werden die Schrecken des Krieges anschaulich dargestellt, Themen wie Hexenverbrennung, religiöse Konflikte und Standesdünkel gestreift. Insgesamt zeigt sich hier eine gelungene und umfassende Recherche, die sicherlich auch durch Matthias Soeders Reenactment-Leidenschaft befeuert wurde.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Meister Sedlák, Sofie und Rosina, während Jacob wenig nachvollziehbar handelt und sich immer weiter vom Leser entfernt, sodass man ihm gar kein Happy End mehr wünschen kann, ihn scheitern sehen will. Matthias Soeders Schreibstil lässt sich dabei im Wesentlichen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einige Fehler durchgerutscht, die sich gerade so noch im vertretbaren Rahmen halten, der Buchsatz ist ordentlich, die Kapitelüberschriften aber mild spoilernd. Der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das zwar mit tollen Farbakzenten punktet, insgesamt aber eher kein Eyecatcher ist.

Mein Fazit? „TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ ist ein solider Auftakt in die Reihe, der mit einem tollen Setting und einer schonungslos brutalen aber spannenden Handlung punkten kann, gleichzeitig aber kleinere Schwächen in der Gewichtung und Auswahl der Handlungsstränge hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, definitiv aber nicht unter dem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Michael Wildenhain: „Das Ende vom Lied“

In der letzten Zeit habe ich auch „Das Ende vom Lied“ von Michael Wildenhain gelesen. Der Roman ist 2026 bei Klett-Cotta, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH erschienen und der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben.

„Das Ende vom Lied“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Autors Michael Wildenhain, der unter anderem bereits für den Deutschen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war – und dessen Können durchaus an der ein oder anderen Stelle im Roman auch durchblitzt. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach kategorisieren, ist es doch zugleich Coming of Age und Gesellschaftsporträt, das auf der schmalen Grenze zwischen Gegenwartsliteratur und historischem Roman balanciert, wobei ich das Buch schlussendlich der Gegenwartsliteratur zugesprochen habe.

Denn der Roman beschreibt die Geschichte des grundsätzlich namenlosen Erzählers (auch wenn die Indizien stark auf „Daniel“ hindeuten), der Ende der 1960er-Jahre im Alter von 12/13 in Westberlin aufwächst. Dabei hat die Handlung durchaus einige Längen und ist im ersten Teil relativ sprunghaft, sodass man anfangs den roten Faden vermisst, der sich erst spät einstellt – fast zu spät, um noch alle Handlungsstränge zufriedenstellend aufzulösen, sodass viele offene, ungeklärte Fragen verbleiben. Dennoch spricht der Roman, der zu großen Teilen aus der Ich-Perspektive des namenlosen Protagonisten erzählt wird, hier natürlich wichtige Themen an.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt der Autor die Leser:innen in die von der DDR umschlossene Stadt, in eine atmosphärisch dichte Zeit des Umbruchs hinein voller Straßenbanden, linker Revolutionäre und weltumspannender Ereignisse wie die Mondlandung. Hierbei gelingt es Michael Wildenhain die Zeit greifbar, spürbar zu machen, auch für Generationen, die die 60er selbst nicht aktiv miterlebt haben – auch wenn einige der beschriebenen Situationen aus heutiger Sicht nicht nur bizarr anmuten, sondern schlichtweg nicht mehr vorstellbar sind.

Die einzelnen Figuren bleiben dabei teils nicht greifbar, sind im Wesentlichen dennoch vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Gefühle. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Alina in ihrer Ambivalenz und Beef, ein ungewohnt und versteckt starker Charakter. Michael Wildenhains Schreibstil überzeugt dabei vor allem in den poetischen Passagen, während die Schachtelsätze teils etwas drüber sind. Dennoch lässt sich das Buch größtenteils flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist fehlerfrei, hätte aber gerade die poetischen Passagen etwas schöner setzen können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen und generell eher schlicht – genau wie das unter dem Umschlag befindliche Buch. Das Covermotiv vermag zwar die Atmosphäre zu transportieren, ist aber ebenfalls kein Eyecatcher und wird – genau wie die Coverrückseite – irritierend krass zum Buchrücken hin abgegrenzt.

Mein Fazit? „Das Ende vom Lied“ ist ein atmosphärisch starker Roman der Gegenwartsliteratur, der teils mit spannenden Figuren aufwartet, in der Handlung aber Längen und ein relativ offenes Ende besitzt. Für Leser:innen, die das Gefühl der 60er-Jahre nachspüren wollen, noch zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Branderbe“ (Buck und Lange 3)

Und noch eine weitere Rezension habe ich frisch von der Leipziger Buchmesse für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Branderbe“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über Books on Demand (BoD) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bei einem Wohnungsbrand im Frankfurter Nordend kommt ein alter Mann ums Leben. War es ein tragischer Unfall oder steckt mehr dahinter? Für Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und seine Kollegin Maike Lange scheint der Fall schnell klar. Sie ahnen nicht, dass ein weiterer Mensch in Lebensgefahr schwebt.

„Branderbe“ ist nach „Mainblüte“ mein zweiter, und insgesamt der dritte Roman um das Ermittelnden-Duo Maike Lange und Sebastian Buck. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen. Zwar ist das Vorwissen aus dem Vorgängerband sicherlich hilfreich, zentrale Wendepunkte in den Leben der Ermittler:innen werden aber von der Autorin auch in diesem Band wieder ausgeführt, um deren Handeln nachvollziehbarer zu gestalten. Und auch die Genrezuordnung verbleibt relativ klar, wird das Buch doch auf dem Cover – zutreffend – bereits als Kriminalroman gelabelt.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig und spannend, wenn auch atypisch, sind doch alle Täter bereits relativ früh bekannt. Apropos alle Täter: Irritierend ist auch, dass der eigentliche Kriminalfall relativ schnell von einem viel größeren, spannenderen und brenzligeren Fall überlagert wird, der die Handlung dominiert und viel mehr Raum einnimmt. Dabei werden auch in diesem Roman wieder eine Bandbreite an gesellschaftlichen Themen angerissen, im Gegensatz zu Band zwei fehlt es hier aber leider an der Auflistung entsprechender Hilfsangebote für Betroffene. Auch über Content Notes hätte man wieder nachdenken können.

Das Setting bleibt unverändert. So entführt die Autorin die Leser:innen erneut nach Frankfurt, auch wenn dieses Mal durchaus andere Seiten der Stadt gezeigt werden und – wie oben bereits angerissen – andere Themen besprochen werden, geht es doch dieses Mal um Mietwucher, Demenz, häusliche Gewalt und Pflege. Dabei kommen die Ermittelnden fast etwas zu kurz, ihre im Vorband noch präsenteren eigenen Lebenskrisen und -Probleme treten dieses Mal gänzlich in den Hintergrund – zumindest bis zum Epilog, der einen milden, aber durchaus interessanten Cliffhanger präsentiert.

So entwickeln sich auch die Figuren – zumindest bei den Ermittler:innen – nur bedingt weiter, am ehesten kann hier dieses Mal Maike überzeugen, sodass das Buch insgesamt einmal mehr im Nebencast glänzt, der mit Alma und Dr. Bruckner zwei durchaus tolle Charaktere vorzuweisen hat. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich – erneut – leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist zwar kein Eyecatcher, aber durchaus genretypisch und bildet mit den Covern der vorherigen Bände ein einheitliches Erscheinungsbild für die komplette Reihe.

Mein Fazit? „Branderbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die als Standalone funktioniert und wichtige Themen anspricht, dabei aber atypisch zu einem anderen Fall switcht und die Ermittler:innen etwas vernachlässigt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Yngra Wieland: „Die weiße Dame“ (Salome Liebeskind 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „Die weiße Dame“ von Yngra Wieland gelesen. Das Buch ist 2026 in der Edition M, Amazon Media EU S.à r.l. (Amazon Publishing) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Psychotherapeutin Salome Liebeskind kommt sich vor wie eine Figur in einem Schachspiel: Da ist die schwierige Beziehung zu ihren Eltern in Israel, ihre verlorene Liebe – und jetzt auch noch ein Tötungsdelikt. Denn in Salomes Gemeinschaftspraxis wurde ihre Kollegin Eva brutal ermordet. War es eine Beziehungstat? War einer der Patienten der Täter? Der ermittelnde Hauptkommissar Julian Christ hält Salome für verdächtig, und sie beginnt selbst nachzuforschen. Dabei entdeckt sie, dass Eva keineswegs so korrekt war, wie es den Anschein machte. Als auch der Pfarrer und der Bürgermeister des Münchner Vorortes ermordet werden, zieht sich für Salome die Schlinge zu. Sie muss ihr ganzes psychologisches Können einsetzen, um der Wahrheit auf die Spur zu kommen. Diese scheint so undurchdringlich wie die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele …

„Die weiße Dame“ ist der Auftaktband in die Buchreihe um die Psychotherapeutin Salome Liebeskind und mein erster Roman aus der Feder von Yngra Wieland, die ich bereits aus dem Burgenwelt Verlag kenne. Das Buch lässt sich dabei klar als Kriminalroman einordnen – was auch die Platzierung im Label „Edition M“ bereits andeutet, handelt es sich doch um das Verlagsimprint von Amazon Publishing für deutschsprachige Krimis und Thriller. Atypisch wird der Fall dabei parallel von den Protagonist:innen bearbeitet, eine wirkliche Zusammenarbeit findet eigentlich nicht statt.

Dabei ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, wenn auch anfangs mit kleineren Längen versehen. Interessant ist hierbei die Mischung des Kriminalfalls mit psychologischen Ansätzen, ist Salome doch praktizierende Psychotherapeutin und versucht, hinter die Fassade der Menschen zu blicken – als Anhängerin Jungs, die ihre Katze nach dem bekannten Psychiater benannt hat. Vor allem das Ende vermag vorliegend zu überzeugen, kommt es doch – obwohl es ein Reihenauftakt ist – ohne Cliffhanger aus, sodass das Buch gut als Standalone zu lesen ist.

Das Setting ist gelungen, aber auch etwas austauschbar, entführt die Autorin doch die Leser:innen in einen Münchener Vorort – Stammtisch, Kirche und politisches Geklüngel inklusive. Abgesehen von den typisch bayrischen Gerichten in der Wirtschaft fehlt es jedoch etwas an Lokalkolorit – ein bisschen Dialekt hätte hier gerade bei den Stammtischgesprächen nicht geschadet und für ein noch runderes Leseerlebnis gesorgt. Auch hätte ich mich gefreut, noch tiefer in psychologische Thematiken einzusteigen.

Die einzelnen Figuren sind durchaus vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – auch wenn aufgrund der Kürze des Buches durchaus in den Folgebänden die Komplexität der Charaktere noch ausgebaut werden kann. Bislang überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Benno, Ciggy, aber auch Julian kann glänzen, während Salome nicht immer nachvollziehbar handelt. Yngra Wielands Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern. Das Covermotiv wird teils zum Buchrücken hin unterbrochen, der sich dann aber zur Coverrückseite hin fortsetzt. Abgesehen davon ist das Covermotiv eher einfach gehalten, kein Eyecatcher und genreatypisch, zeigt aber durchaus Anklänge zur Handlung. Abzuwarten bleibt zudem, ob es gelingt, mit den Covern der Folgebände einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert zu erzeugen.

Mein Fazit? „Die weiße Dame“ ist ein gelungener Auftaktband, der durch die spannende und interessante Mischung aus Krimi und Psychologie brilliert, bei den Charakteren aber auch noch Luft nach oben für die Folgebände lässt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Miřenka Čechová: „Tote Schwäne tanzen nicht“

Vor kurzem habe ich auch „Tote Schwäne tanzen nicht“ von Miřenka Čechová gelesen. Das Buch ist 2025 im Anthea Verlag veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2020 bei Nakladatelstvi Paseka s. r. o. unter dem Titel „Baletky“. Der Roman ist als Gegenwartsliteratur einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Tschechischen zeichnet Julia Miesenböck verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ballerinen haben zwei Gesichter. Eines, das für das Publikum bestimmt ist. Und das andere, das niemand zu Gesicht bekommen soll – mit einem verblassenden Lächeln, das sich hinter den Kulissen zu einer Grimasse verzieht, gezeichnet von Erschöpfung und Schmerz, keuchend nach Luft. Wenn man diese Gesichter filmen würde, könnte man meinen, es handelt sich um eine erschreckende Enzyklopädie des menschlichen Leidens. Wie in einem militärischen Ausbildungscamp werden sie darauf trainiert, vor dem Publikum zu strahlen – so auch die Erzählerin dieser Geschichte. Sie ist noch keine vierzehn Jahre alt und schon Expertin für Abführmittel und Erbrechen, um das Gewicht zu halten. Der Traum, eine Primaballerina zu werden, verwandelt sich zunehmend in einen Albtraum. In den düsteren Ecken des Prager Nachtlebens der späten 1990er-Jahre sucht sie Ablenkung und flüchtet sich in die verführerische Welt von Partys, Drogen und ersten sexuellen Erfahrungen.

„Tote Schwäne tanzen nicht“ ist ein lose auf privaten Erlebnissen und Tagebucheinträgen basierendes Porträt der tschechischen Ballettszene um die Jahrtausendwende von der Tänzerin und Choreografin Miřenka Čechová. Da das Buch nicht streng biografisch anmutet – und jegliche Information und Einordnung dazu fehlt, in welchen Punkten die Erinnerung verlassen und ausgeschmückt wurde, habe ich es als Roman der Gegenwartsliteratur zugeordnet – mit einem einordnenden Nachwort oder einer Klarstellung hätte man das Buch durchaus auch als biografisch/anekdotische Erzählung werten können.

So oder so beschreibt das Werk in losen Anekdoten und Tagebucheinträgen das Aufwachsen der jugendlichen Protagonistin in Prag, wo sie eine Ballettakademie besucht und fernab ihrer Familie in Internaten, Gastfamilien und später einer eigenen Wohnung lebt. Zwar stellt sich durch die fragmentarische Darstellung nie ein wirklicher roter Faden oder Lesefluss ein, insgesamt bleibt das Porträt der Jugend aber durchaus spannend, abwechslungsreich und aufregend, wenn auch sicherlich etwas einseitig und nicht verallgemeinernd.

Denn die Ballettausbildung wird – trotz der durchlebten Träume und kleinerer Erfolgsmomente – durchaus kritisch und schonungslos dargestellt – vom diktatorischen Zwang der Schulleitung bis hin zu sexuellen Übergriffen, dem dauerhaften Hungern und der totalen Selbstaufgabe, dem fehlenden Selbstbewusstsein, dem Abtauchen in die Drogen- und Nachtclubszene, in der ein Mindestalter von 18 Jahren auch nur eine Scheinvoraussetzung ist. Sicherlich ist dies kein Einzelschicksal – wie ja auch die angedeuteten „Karrieren“ der Mitschüler:innen andeuten. In dieser dargestellten Allgemeingültigkeit ist dies aber, zumindest über das tschechische Ballett hinaus gesehen, so sicherlich auch nicht richtig.

Das Buch lässt nämlich etwas die Freude am Tanz vermissen, die Erfolgserlebnisse, das Zusammenwirken eines unterstützenden Umfelds mit einer pädagogisch wertvollen, ganzheitlichen und nicht gesundheitsschädigenden . Ausbildung, die es sicherlich auch gibt und die – vermutlich – sich in den letzten Jahrzehnten auch stärker ausgebreitet hat – allen hier präsentierten Horrorszenarien zum Trotz sicherlich auch in den osteuropäischen Raum. Und so verbleibt das Buch – so informativ und spannend, so aufrüttelnd und ehrlich – ein Mahnmal, wie man es nicht machen sollte, wie man weder dem wundervollen Ballett noch der Jugend gerecht wird.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich, wenn man auch die Tagebucheinträge noch etwas mutiger hätte setzen können. Das Buch ist mit farbigen Coverinnenseiten und einer weiteren Illustration versehen, das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt für ein einheitliches Gesamtbild. Insgesamt ist der Buchumschlag aber eher eintönig und kein Eyecatcher, das Covermotiv sehr verwachsen und die Coverrückseite etwas textlastig und überfrachtet. Zuletzt merkt man der Übersetzung auch die Herkunft der Übersetzerin aus Österreich an, finden sich im Text doch vereinzelt dialektspezifische Begriffe wieder.

Mein Fazit? „Tote Schwäne tanzen nicht“ ist ein unzweifelhaft interessantes Porträt des Aufwachsens in der Ballettszene, das in Teilen aber überzeichnet erscheint und sehr einseitig die Schattenseiten herausstellt. Für Liebhaber des Tanzes – und für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Break the Rules“ (Limerick Love 1)

Vor kurzem habe ich auch „Limerick Love. Break the Rules“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2025 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als Historical Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die rebellische Lady Vivienne FitzGerald, genannt Viv, langweilt sich tödlich auf Limerick Castle, wo sie nicht mehr tun darf, als den Tag mit Sticken und Singen zu vertrödeln. Als Viv dann auch noch erfährt, dass sie in wenigen Wochen heiraten soll – den ebenso besitzergreifenden wie hochnäsigen Sir Liam – trifft sie eine verzweifelte Entscheidung: Wenigstens einmal im Leben will sie tun, wonach ihr Herz sich sehnt! Verkleidet als Junge schließt Viv sich dem Hurling-Team an. Trotz einiger Rückschläge beim Training entdeckt sie nicht nur ihre Begabung für den leidenschaftlichen Sport. Da ist auch ein verbotenes Kribbeln in ihrem Bauch, jedes Mal, wenn sie mit dem besten Hurling-Spieler Ruairí zusammen ist. Doch Ruairí und sie kommen aus verschiedenen Welten und ihre Familien spaltet eine Vergangenheit, die alles zerstören könnte …

„Limerick Love. Break the Rules“ ist der Auftaktband in die historische Sports Romance-Dilogie von Kristin MacIver, von der ich bislang auch die Celtic-Dreams-Trilogie kenne. Angesiedelt ist die Geschichte im Irland des 15. Jahrhunderts und wird aus der Ich-Perspektive von Viv erzählt. Dabei lässt sich die Geschichte relativ leicht kategorisieren, ist kein klassischer historischer Roman, auch kein historischer Liebesroman, sondern Historical Romance – mit allem, was das Genre so mit sich bringt, zum Beispiel spicy Szenen und eine Happy-End-Garantie. Darüber hinaus hätte man es auch noch als „Historical Sports Romance“ bezeichnen können, ich habe es aber bei der etwas allgemeinen Kategorisierung belassen, um das Genre nicht zu eng zu fassen.

Die Handlung ist spannend, kurzweilig und mit der ein oder anderen überraschenden Wendung versehen. Dabei mischt Kristin MacIver in altbekannter (und bewährter) Manier aus der Celtic Dreams Reihe eine freiheitsliebende Protagonistin mit einer spannenden Leidenschaft (hier das Hurling) und einer undenkbaren Liebesgeschichte zu einer wirklich toll lesbaren Geschichte, die viel Spaß macht und vor allem am Ende überzeugt – auch wenn das Konzept nicht allzu innovativ ist. Hierbei ist durchaus toll recherchiert worden – auch wenn sicherlich nicht alles historisch korrekt ist und sich sogar die ein oder andere moderne popkulturelle Anspielung findet.

Das Setting ist gelungen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, nach Limerick, in eine Stadt voller Konflikte zwischen den englischen Besatzern und der irischen Bevölkerung. Dabei werden vor allem die gesellschaftlichen Unterschiede in aller Deutlichkeit herausgearbeitet – und der Fokus auf Hurling als historischer Sportart gelegt (prägend für die Reihe, in Band 2 wird sich dann einem anderen historischen Sport gewidmet). Gern hätte ich mir noch zur Unterstützung des Settings eine Karte gewünscht – aber die großflächige Illustration in den Coverinnenseiten ist natürlich auch wunderschön anzusehen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Sláine (als heimlicher Leser:innenliebling – und wundervollerweise die Protagonistin des Folgebandes), Martha und Hugh, während sich Sir Liam und Darragh etwas eindimensional verbleiben und Viv nicht immer nachvollziehbar handelt. Toll ist zudem, welche Wandlung Adeline hinlegt und sich ebenfalls zu einer Favoritin entwickelt. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – die Waage ist hier sicherlich zugunsten der Lesbarkeit in Abwägung zur historischen Authentizität gekippt.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich, die Geschichte wird mit einer vorangestellten wundervollen Playlist abgerundet. der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und gleich gestaltete Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, insgesamt sehen sie aber toll aus und bilden hoffentlich mit dem Folgeband ein tolles, einheitliches Reihenbild mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Break the Rules“ ist eine wundervolle Historical Romance mit spannender Handlung, interessanten Themen und nur minimalen Schwächen, die hier kaum ins Gewicht fallen und Lust auf Band zwei machen. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem genreüblichen Lesealter von 16 Jahren.