[Buchgedanken] Mascha Vassena: „Mord in Montagnola“ (Tessin 1)

Vor kurzem habe ich „Mord in Montagnola“ von Mascha Vassena gelesen. Das Buch ist 2022 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kaum kehrt Moira, Übersetzerin und frisch getrennt, nach Jahren in das Tessiner Dörfchen Montagnola zurück, wird ein Toter in einer Nevèra, einem der dort typischen historischen Eiskeller, gefunden. An den polizeilichen Ermittlungen beteiligt ist auch Moiras Jugendliebe Luca Cavadini, inzwischen leitender Rechtsmediziner des Kantons, der sie bald als Dolmetscherin um Hilfe bittet. Die Befragungen in der Dorfgemeinschaft gestalten sich schwierig, doch bald wird klar, dass es im beschaulichen Tessin nicht gar so friedlich zugeht, wie es zunächst den Anschein hat.

„Mord in Montagnola“ ist ein in Tessin handelnder Regionalkrimi mit viel Lokalkolorit, der an der Grenze zu Cosy-Crime balanciert, erfüllt er doch einige der gängigen Genremerkmale wie eine fachfremde Ermittlerin. Insgesamt ist er aber, zumindest für meinen Geschmack, nicht cosy genug, sondern teils rasant, teils doch gewaltsam, sodass ich bei der Einstufung als (klassischer) Regionalkrimi verblieben bin.

Die Handlung ist dabei kurzweilig, abwechslungsreich und mit einigen, unerwarteten Wendungen versehen, die zum Ende hin allerdings teils auch etwas abstrus werden. Dabei bleibt die Liebesgeschichte erfrischend im Hintergrund und lässt den Fokus auf der Lösung des Falles, der gänzlich abgeschlossen wird, sodass das Buch auch als Standalone lesbar ist. Andererseits bleiben jedoch auch genügend weitere Ansatzpunkte, um die Figuren weiterzuentwickeln und eine mögliche Reihe – was ich sehr befürworten würde – zu begründen.

Das Setting ist naturgemäß traumhaft, entführt es den Leser doch in die italienischsprachige Schweiz, nach Lugarno und nach Montagnola, ein kleines Dörfchen in der malerischen Alpenregion. Zwischen Osteria und Nevèra, zwischen Strandpromenade und bergigen Serpentinen lernt der Leser die Region kennen und lieben, insbesondere auch durch Moiras Vater, einen der absoluten Sympathieträger des Romans.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben dem oben bereits erwähnten Ambrogio überzeugen hier vor allem Chiara und – in einer kleinen Nebenrolle – Luna (von der ich gern in einem nächsten Band mehr lesen würde), während Luca etwas blass bleibt.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen, aber nicht näher gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv schön anzusehen, allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Mord in Montagnola“ ist ein gelungener, erfrischender Regionalkrimi mit tollem Setting und einer kurzweiligen, spannenden Handlung, die lediglich zum Ende hin etwas abfällt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Louis Bayard: „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“

In der letzten Zeit habe ich „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ von Louis Bayard gelesen. Das Buch ist 2022 bei insel taschenbuch, Insel Verlag Anton Kippenberg GmbH & Co. KG, erschienen, die Originalausgabe wurde 2006 unter dem Titel „The Pale Blue Eye“ bei William Morrow Paperbacks, einem Imprint von HarperCollins Publishers, LLC. veröffentlicht. Das Buch ist als historischer Kriminalroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Peter Knecht verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars auf der diesjährigen Buchmesse Popup in Leipzig.

1830: An der angesehenen West Point Academy wird ein junger Kadett tot aufgefunden – er wurde erhängt und sein Herz herausgeschnitten. Keinesfalls darf die Öffentlichkeit von dem grauenhaften Verbrechen erfahren, so beauftragt man Augustus Landor, einen ehemaligen New Yorker Polizeidetektiv, mit den Ermittlungen. Schon bald folgen weitere brutale Morde, und der Fall wird immer rätselhafter. Doch Landor erhält unerwartet Hilfe – von einem jungen Kadetten mit dunkler Vergangenheit, Hang zum Trinken und poetischen Ader: Edgar Allan Poe …

„Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ ist ein historischer Kriminalroman, der den Leser in das Amerika des 19. Jahrhunderts versetzt, und der – mit Ausnahme des sechsmonatigen Zeitraums des letzten Kapitels und Prologs – insgesamt nur eine erzählte Zeit von zwei Monaten besitzt, deren Handlung sich kammerspielgleich auch räumlich begrenzt mit einem sehr engen Personenkreis abspielt.

Die Handlung insgesamt ist spannend und abwechslungsreich, wird in Berichtsform aus der Sicht von Gus Landor erzählt. Eingestreut sind zudem schriftlich abgefasste Berichte von Poe. Dem Autor gelingt es ferner, mit unerwarteten Wendungen den Leser gelegentlich aufs Glatteis zu führen, auch wenn Teile natürlich gleichsam vorhersehbar sind.

Das Setting hingegen vermag auf ganzer Linie zu überzeugen, entführt es den Leser doch an die geheimnisvolle und prestigeträchtige West Point Militärakademie, an die militärische Kaderschmiede einer noch jungen Nation. So ist „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ auch ein Buch der Gegensätze zwischen Dorfkneipe und Galadinner beim Gouverneur, zwischen Plebe und Kadetten der High Society, zwischen militärischer Disziplin und Okkultismus.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen insbesondere Nebencharaktere wie Thayer, Hitchcock und Artemus, während Poe etwas blass verbleibt. Louis Bayards Schreibstil lässt sich darüber hinaus flüssig und leicht lesen, das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf Cover und Coverrückseite hochwertig geprägt und wartet mit Klappen auf. Das Covermotiv lässt hingegen etwas den Bezug zur Handlung vermissen und ist zwar schön aber unscheinbar, und wird auch am Übergang zum Buchrücken unterbrochen. Auch hätten die farbigen Coverinnenseiten noch gestaltet und, z.B., mit einer Karte des Handlungsortes versehen werden können.

Mein Fazit? „Der denkwürdige Fall des Mr Poe“ ist ein historischer Kriminalroman, der vor allem durch sein brillantes Setting und einige unerwartete Wendungen überzeugt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Marie Force: „Versuchung auf Gansett Island“ (McCarthys 24)

Vor kurzem habe ich „Versuchung auf Gansett Island“ von Marie Force gelesen, den 24. Teil der Reihe um die McCarthys bzw. Gansett Island. Das Buch ist 2022 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S. à r. l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Temptation after Dark“ bei HTJB, Inc., Portsmouth, Rhode Island. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Das Buch ist dem Genre Romance zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Lotta Fabian verantwortlich.

Der charmante Cooper James ist ein echter Traumtyp. Doch bisher konnte keine Frau sein Herz erobern. Das ändert sich in einem einzigen magischen Augenblick, als er am Pool seines Bruders Jared die umwerfende Gigi kennenlernt. Fortan weiß Cooper genau, was er will, aber dafür müsste er sein ganzes Leben umkrempeln … Gigi Gibson ist auf Gansett Island, um hier die neue Staffel ihrer TV-Erfolgsserie zu drehen. Sie ist glamourös, frech und wunderschön, doch ihr Herz ist fest unter Verschluss. Liebe? Will sie nicht! Aber gegen eine heiße Sommerromanze und Coopers wunderbare Küsse hat sie nichts einzuwenden. Gar nichts …

„Versuchung auf Gansett Island“ ist einer der unzähligen Bände der McCarthy- bzw. Gansett-Island-Reihe von Marie Force und grundsätzlich als Standalone lesbar, wenn auch natürlich unzählige Querverweise zu und Figuren aus früheren – und kommenden – Bänden eine Rolle spielen.

Dabei gelang es der Autorin jedoch größtenteils nicht, den Fokus auf der Geschichte der Protagonisten zu lassen. Durch die vielen, teils immerhin interessanten, Nebenhandlungsstränge, die sogar gegen Ende noch neu auftauchten – so wurde das Pärchen für den nächsten Band gänzlich aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Verbindung zur Geschichte einfach mal in die Handlung integriert -, ist die Love Story der Protagonisten teils komplett in den Hintergrund gerutscht.

Zudem sind – nicht nur, aber insbesondere – die Hauptprotagonisten gnadenlos klischeehaft überzeichnet. Reich, übernatürlich schön, hilfsbereit, stark, gut im Bett – gerade Cooper, aber auch Gigi, fehlen jegliche Ecken und Kanten, die einen runden Charakter auszeichnen. Lediglich einige Nebencharaktere wie Jared und Evelyn können hier überzeugen.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin den Leser auf eine malerische Insel als Hotspot der High Society, mitten hinein in eine Welt voller Traumhochzeiten, Fernsehdrehs und Dinner Partys. Ideal zum Abschalten – daher ein perfekter Urlaubsbegleiter.

Marie Forces Schreibstil lässt sich zudem schnell und flüssig lesen. Lediglich der Einstieg fällt hier aufgrund der angesprochenen Fülle an Namen und Handlungssträngen schwer. Auch die Genrezuordnung ist nicht ganz einfach. So sind die Protagonisten für New-Adult fast zu alt oder haarscharf an der Grenze, für einen Liebesroman fehlt es an Handlung und Tiefe, sodass ich es einfach mal altersunspezifisch als Romance gekennzeichnet habe.

Die Buchgestaltung ist noch solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten. Das Cover ist farblich auffällig und strahlend, die Proportionen des abgebildeten Paares (egal, wie man zu Menschen auf dem Cover steht) im Vergleich zum Rest jedoch zu klein. Zudem ist es, mindestens mal, verwirrend, dass sich das Covermotiv nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, das Auto allerdings davon ausgenommen zu sein scheint und einfach abgeschnitten worden ist. Gut gedacht, aber eher suboptimal umgesetzt.

Mein Fazit? „Versuchung auf Gansett Island“ kann vor allem durch sein Setting überzeugen, lässt aber Ecken und Kanten bei den Protagonisten vermissen. Auch verliert es zugunsten diverser anderer Handlungsstränge oftmals den Fokus. Für Liebhaber der Reihe und als Urlaubsbegleiter dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Judith & Christian Vogt: „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“

Eine Rezension frisch aus Leipzig von der Nichtbuchmesse! #weiterlesen

Vor kurzem habe ich „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ von Judith & Christian Vogt gelesen. Das Buch ist 2022 in der Piper Verlag GmbH erschienen und dem Genre Historical Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die Autoren für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Seit sieben Jahren baut die Einzelgängerin Eyvor ein Drachenboot in einem Fjord. Als sich immer mehr Außenseiterinnen um sie scharen, wird sie unerwartet zur Kapitänin eines Schiffes, das eigentlich niemals in See stechen sollte. Die Letzte, die sich ihr anschließt, ist Herdis, das Krähenkind: Verfolgt von Berserkern zwingt sie die Gruppe zum Aufbruch. Es beginnt ein tödliches Wettrennen vom skandinavischen Festland bis ins Land der Eisriesen hinein, an dessen Ende nichts Geringeres droht als Ragnarök, das Weltenende selbst.

„Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ ist historische Phantastik, so spielt die Geschichte zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt im Zeitalter der Wikinger. Zugleich gehört das Buch aber auch der selbsternannten, immer dominanter werdenden, progressiven Phantastik an, dreht es sich doch um Themen wie Emanzipation, sowie sexuelle und geschlechtliche Identitäten, die von der – zumindest überlieferten – Norm abweichen, ähnlich (sowohl im Setting als auch in der Botschaft) wie Nora Bendzkos „Die Götter müssen sterben“.

Die Handlung ist im Großen und Ganzen spannend und abwechslungsreich, mit zwischenzeitlich kleineren Längen und Ungereimtheiten und einem Ende, das – sagentypisch – auslegungsbedürftig ist und – zumindest mich – nicht vollends überzeugt.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei werden auch dem Antagonisten gute Eigenschaften zuerkannt, sodass die Charaktere runder und kompletter wirken. Insbesondere überzeugen hier Tinna, Herdis und Birger.

Das Setting ist gelungen und führt den Leser durch einen Großteil der nordischen Welt, vom heutigen Dänemark über Norwegen, England und die Faröer bis hinzu entlegensten Inseln. Der Schreibstil der Autoren liest sich dabei wie aus einem Guss, durch die Vielzahl von Namen und die teils authentische Schreibweise kommt es jedoch zu Abstrichen in der Lesbarkeit, die gerade noch okay sind und durch die teils kurzen Kapitel aufgefangen werden.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient ein Lob dafür, größere Sinnabschnitte immer auf ungeraden Buchseiten starten zu lassen. Der Buchumschlag ist hochwertig auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – sehr edel. Auch das Covermotiv überzeugt, lediglich die Darstellung des Buchtitels auf dem Cover kann für Verwirrung sorgen.

Mein Fazit: „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ ist historische/progressive Phantastik, die durch ein tolles Setting und komplexe Charaktere brilliert, aber auch einige Längen hat. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Aly Mennuti: „Aber der Sex war gut“

Vor kurzem habe ich „Aber der Sex war gut“ von Aly Mennuti gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen, die Originalausgabe wurde 2020 unter dem Titel „Real Fake“ bei Bolinda Publishing PTY LTD veröffentlicht. Das Buch ist als Liebesroman einzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Eva Bauche-Eppers verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Annie Shepherd ist eine der bekanntesten Autorinnen der Welt, ihre TRUST ME-Reihe verkauft sich millionenfach. Doch Annie hat auch ein sorgsam gehütetes Geheimnis, das ans Licht zu kommen droht, als ihr Freund, der preisgekrönte Literaturprofessor Joe Duke, überraschend stirbt. Um sich zu retten, muss sie sich mit ihrem größten Feind verbünden: dem Literaturagenten Henry Higgins. Der kommt ihr nicht gerade bereitwillig zu Hilfe, aber auch er hat alles zu verlieren. Und jeder weiß: Was sich neckt, das lernt sich lieben … Oder doch nicht?

„Aber der Sex war gut“ ist nicht nur Liebesroman, sondern auch ein Spiegelbild der Buchwelt und begleitet eine Autorin auf dem Weg zu ihrer literarischen Stimme, ist Ode an den innigen Kontakt zwischen Autor und Leser und prangert mahnend Probleme im Literaturbetrieb an.

Die Handlung ist dabei genrebedingt durchaus vorhersehbar, nichtsdestotrotz aber abwechslungsreich und unterhaltsam, jedoch auch etwas belanglos. Während der Start in den Roman etwas zäh ist, entwickelt sie sich gerade im letzten Drittel zum wahren Pageturner und lässt den Leser das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen.

Die einzelnen Charaktere sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem die Nebencharaktere wie der absolute Sympathieträger Will oder Daphne, während Annie und Henry teils etwas blass und eindimensional bleiben, sich aber dennoch auch weiterentwickeln und Hoffnung für Folgebände schaffen.

Aly Mennutis Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, ist humorvoll, frech, am Anfang aber gewöhnungsbedürftig. Eingestreute Gimmicks – wie der Cameo von Hugh Grant – beleben die Bindung zum Leser und sorgen für eine bessere Identifikation zur Handlung.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls im großen und ganzen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Insgesamt bleibt das Cover aber – trotz der Farblichkeit – eher schlicht und austauschbar.

Mein Fazit? „Aber der Sex war gut“ ist ein Liebesroman für Buchliebhaber, dessen Handlung gerade in der zweiten Hälfte an Fahrt aufnimmt, insgesamt sein Potential aber nicht vollends ausschöpft. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] John Grisham: „Forderung“

In der letzten Zeit habe ich den Justizthriller „Forderung“ von John Grisham gelesen. Das Buch ist in der mir vorliegenden Taschenbuchausgabe 2019 im Wilhelm Heyne Verlag, Verlagsgruppe Random House GmbH, veröffentlicht worden, die deutschsprachige Erstausgabe erschien 2018, ebenfalls bei Heyne, die Originalausgabe 2017 unter dem Titel „The Rooster Bar“ bei Doubleday, New York. Für die Übersetzung zeigen sich Kristiana Dorn-Ruhl, Bea Reiter und Imke Walsh-Araya verantwortlich.

Sie wollten die Welt verändern, als sie ihr Jurastudium aufnahmen. Doch jetzt stehen Zola, Todd und Mark kurz vor dem Examen und müssen sich eingestehen, dass sie einem Betrug aufgesessen sind. Die private Hochschule, an der sie studieren, bietet eine derart mittelmäßige Ausbildung, dass die drei das Examen nicht schaffen werden. Doch ohne Abschluss wird es schwierig sein, einen gut bezahlten Job zu finden. Und ohne Job werden sie die Schulden, die sich für die Zahlung der horrenden Studiengebühren angehäuft haben, nicht begleichen können. Aber vielleicht gibt es einen Ausweg. Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, nicht nur dem Schuldenberg zu entkommen, sondern auch die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Ein geniales Katz- und Mausspiel nimmt seinen Lauf.

„Forderung“ ist mein erstes Grisham-Buch nach einigen Jahren Pause – und trägt die Faszination, die ich schon immer mit dem Autor und seinen Geschichten verbunden habe, nur bedingt, ist fast mehr Thriller als Justizthriller und heroisiert und belohnt – ich glaube, das kann man ohne zu spoilern voraussagen – die falschen. Schließlich gibt es in „Forderung“ niemanden, mit dem man als Leser wirklich sympathisieren kann, außer vielleicht Zola, die mehr in die Kriminalität gedrängt wird, dort nie ihren Platz findet.

Todd und Mark hingegen lassen sich nicht nur von hehren Motiven leiten, verbinden Rache und Eigennutz, verlieren jedweden Halt oder moralischen Kompass, was zwar der Spannung keinen Abbruch tut, gleichsam aber dafür sorgt, dass das Ende nicht überzeugt, fast irrelevant wird, fiebert man doch keinem bestimmten Ausgang entgegen. Abgesehen davon ist John Grishams Schreibstil wie immer hochspannend und lässt sich – trotz der juristischen Sachverhalte – schnell und flüssig lesen.

Dabei überzeugt neben der dramatischen Handlung auch das gelungene Setting, die Verstrickung in einen internationalen Finanzskandal vor dem Hintergrund von Scheinfirmen und Verflechtungen – so gelingt es John Grisham auch, gesellschaftlich relevante Themen geschickt in die Handlung einzuflechten – lediglich die Reaktion der Protagonisten darauf vermag nicht zu überzeugen und sollte nicht als Vorbild dienen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auf dem Titel hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Auch das Titelbild passt zur Geschichte, farblich abgestimmte Buchrücken und Coverrückseite runden den tollen Gesamteindruck ab, der lediglich durch die kurze Vorstellung jedes! Grisham-Buches nach der Handlung geschmälert wird – länger als das letzte Kapitel…

Mein Fazit? „Forderung“ von John Grisham ist ein hochspannender und gesellschaftlich relevanter (Justiz-)Thriller, der vor allem durch seine abwechslungsreiche Handlung glänzt, aber auch Identifikationsfiguren und ein passendes Ende vermissen lässt. Für Leser des Genres und Fans des Autors bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kathrin Lange / Susanne Thiele: „Probe 12“

In der letzten Zeit habe ich „Probe 12“ von Kathrin Lange und Susanne Thiele gelesen. Das Buch ist 2021 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG, erschienen und als Wissenschaftsthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die vermittelnde Agentur Buchcontact.

Als die Wissenschaftsjournalistin Nina Falkenberg ihren ehemaligen Mentor Anasias in Georgien besucht, gerät sie mitten in einen tödlichen Angriff auf ihn. Zuvor kann er Nina jedoch verraten, dass es ihm gelungen ist, ein Medikament gegen die gefährlichsten multiresistenten Keime der Welt zu finden. Musste er deswegen sterben? Zusammen mit dem Foodhunter Tom Morell, dessen Tochter an einem dieser Keime erkrankt ist, versucht Nina, die Forschungsergebnisse nachzuvollziehen. Aber Nina und Tom sind nicht die Einzigen, die hinter Anasias‘ Forschung her sind, und ihre Gegner schrecken weder vor Entführung und Erpressung noch vor Mord zurück.

„Probe 12“ reiht sich in die durchaus nicht allzukurze Liste an Thrillern ein, die ich in den letzten 1-2 Jahren gelesen habe – obwohl das Genre für mich doch eher unüblich ist. Und – ohne die restliche Rezension im Detail vorweg zu nehmen: egal ob Wissenschafts-, Spionage- oder Politthriller, „Probe 12“ ist der beste seit „Origin“ von Dan Brown.

Dabei haben Susanne Thiele und Kathrin Lange nicht nur den Nerv der Zeit getroffen, vielmehr ist es ihnen gelungen, aktuelle Themen und Fiktion zu einem spannenden, aber denkbaren Gesamtgeschehen zu verknüpfen, das den Leser in seinen Bann zieht, sodass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte.

Der Roman brilliert zum einen durch sein Setting, das den Leser nach Tiflis und Berlin entführt, in hochmoderne Labore und verlassene Gewerbegebiete, zum anderen durch die überraschend gute Lesbarkeit. So ist es den Autorinnen gelungen, trotz des sehr spezifischen Themas und den daher notwendigen, wissenschaftlichen Ausführungen, diese in einem verträglichen Rahmen zu halten, das Buch nicht zu technisch werden zu lassen.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich und hält auch immer mal wieder unerwartete Wendungen für den Leser bereit, auch wenn einige Dinge natürlich auch vorhersehbar sind. Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig angelegt und haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei brillieren insbesondere Tina Voss und Sylvie – oder auch der nur am Rande erwähnte Bo, über dessen Leben man unbedingt mehr erfahren möchte.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht hochwertig geprägt, mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist farblich auffällig und nimmt Bezug auf die Geschichte – ein rundum gelungenes Gesamtpaket.

Mein Fazit? „Probe 12“ ist ein überzeugender Wissenschaftsthriller, der vor allem mit seiner Aktualität und einer spannenden Handlung punkten kann – ein potentielles Jahreshighlight. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 16 Jahren.