[Buchgedanken] Nike Sellberg: „Forever Starts Tomorrow“

In der letzten Zeit habe ich auch „Forever Starts Tomorrow“ von Nike Sellberg gelesen. Das Buch ist 2026 bei Atlantik, einem Imprint der Hoffmann und Campe Verlag 1781 GmbH erschienen und als Romcom einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitsstellung eines Rezensionsexemplares im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Annas Leben steht plötzlich Kopf, als ihr Partner sie ohne Vorwarnung sitzen lässt. Zeit für Liebeskummer nimmt sie sich nicht, stattdessen zieht sie kurz entschlossen in einen alten Leuchtturm an der Ostsee – in der Hoffnung auf einen Neuanfang. Doch statt eines Meeresidylls erwarten sie bröckelnde Wände, ein Schuppen voller Antiquitäten, ein improvisiertes Café – und eine ziemlich eigensinnige Schafherde. Zum Glück gibt es Henk, ihren wortkargen, ständig schlecht gelaunten Nachbarn, der sich überraschend als Hilfe entpuppt. Doch dann holt Anna ihre Vergangenheit ein – und stellt sie vor die Frage, was es wirklich braucht, um ein gebrochenes Herz zu heilen.

„Forever Starts Tomorrow“ ist das Debüt von Nike Sellberg, einem Pseudonym der Kinder- und Jugendbuchautorin Sandra Nenninger – und bereits die Genrezuordnung fällt mir hier schwer. Während die Handlung nach einem klassischen Liebesoman (mit cosy Setting) klingt, wird das Buch doch als Romcom beworben – und die durchaus überraschenden, aber nicht unwillkommenen spicy Szenen rücken den Roman nah an New Adult, auch wenn dafür die Protagonist:innen gegebenenfalls etwas zu alt sind. Da das Buch aber vor allem durch die Leichtigkeit, den Humor geprägt ist, habe ich mich schlussendlich der Bewerbung des Buches angeschlossen und das Werk als Romcom kategorisiert.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und gefühlvoll, besticht aber auch durch humorvolle Szenen und tolle Sidekicks, die die Handlung an sich reißen und sich gefühlt sogar mit in den Vordergrund spielen. Neben der eigentlich im Zentrum stehenden Liebesgeschichte werden somit munter weitere Charaktere verpartnert – und so ganz nebenbei auch die familiäre Vergangenheit eines der Protagonist:innen aufgedeckt. Dabei entwickelt sich das Buch zuweilen zum Pageturner, kleinere Logikbrüche und ein nicht so ganz überzeugendes Ende fallen hierbei nicht allzu sehr ins Gewicht.

Das Setting vermag hingegen auf ganzer Linie zu überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins fiktive Dörfchen Sandorf, an der Ostsee zwischen Lübeck und Fehmarn gelegen, malerische Küste, baufälliger Leuchtturm und kleine, verschlafene Geschäfte inklusive. Dabei werden durchaus auch gesellschaftliche Themen wie der Strukturwandel von Landschaften gestreift – genau wie die persönlichen Probleme der Protagonist:innen verbleiben diese aber eher an der Oberfläche und lassen so den Feel-Good-Charakter des Romans unberührt, der maßgeblich auch durch die Schafe herbeigeführt wird – cosier geht es ja kaum.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Wiebke, Isolde, Aike und Peer (die Liste könnte man bedenkenlos noch fortsetzen), während gerade Henk und Anna sich doch einige Schnitzer leisten, die die Identifikation mit ihnen erschweren und die nicht wirklich nachvollziehbar sind. Nike Sellbergs Schreibstil ist dahingegen humorvoll, lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, auch die Chatnachrichten werden zumindest wechselseitig bündig gesetzt. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird auf der Coverrückseite etwas ausgeblasst wieder aufgegriffen, leider zum Buchrücken hin jeweils doch stark abgegrenzt. Insgesamt ist das Covermotiv farblich auch ansprechend, mir fehlt jedoch etwas der Bezug zur Handlung und auch in der Darstellung der Protagonist:innen hätte man andere Wege finden können.

Mein Fazit? „Forever Starts Tomorrow“ ist ein humorvoller Roman, der mit tollen Charakteren und einem malerischen Setting punkten kann und sonst nur kleinere Schwächen aufweist. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Petra Schier: „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ (Lichterhaven 9)

In der letzten Zeit habe ich auch „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ von Petra Schier gelesen. Das Buch ist 2026 bei HarperCollins in der Verlagsgruppe HarperCollins Deutschland GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Für Chloe bricht eine Welt zusammen, als ihr Verlobter ihr gesteht, dass er sie zwar heiraten möchte, aber nicht liebt. Als wäre das nicht genug, verliert sie ein Jahr später auch noch ihren Job. Um ihr Herz zu heilen und einen Neustart zu wagen, zieht sie zu ihrer Zwillingsschwester Isalie nach Lichterhaven und beginnt auf dem Erlebnishof ihrer Familie zu arbeiten. Langsam kehrt wieder Ruhe in ihr Leben ein – bis sie auf den mürrischen Nachbarn Tristan trifft. Trotz anfänglicher Abneigung entdecken beide, dass sie mehr verbindet, als sie erwartet hatten. Kann die Liebe, unterstützt von einem kleinen Dackel namens Cooper, alte Wunden heilen und neues Glück schenken?

„Pfötchen, Strand und Liebesglück“ ist zwar bereits mein fünfter Roman von Petra Schier, hierbei aber der erste aus der „Lichterhaven“-Reihe, dessen neunter Band „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ ist. Dabei ist das Buch klar als klassischer Liebesroman einzuordnen, ist zugleich aber auch Urlaubsroman oder Feel-Good-Roman, ideal geeignet, um selbst am Strand gelesen zu werden, auch wenn der Roman überraschenderweise (aber nicht unangenehmerweise) durchaus mit einer halbwegs expliziten Sexszene aufwartet.

Generell ist die Handlung durchaus abwechslungsreich, verbleibt dabei aber etwas an der Oberfläche, auch wenn das ein oder andere wichtige Thema gestreift wird. Hierbei werden zu keinem Zeitpunkt Zweifel an dem ausstehenden Happy-End gesät, Komplikationen oder Stolpersteine in der sich entwickelnden Beziehung sucht man vergebens, lediglich Cooper muss gelegentlich als Eisbrecher herhalten – der ein oder andere kleinere Rückschlag hätte hier die Feel-Good-Atmosphäre auch nicht zerstört. Und so vermag auch das Ende nicht vollends zu überzeugen, hätte man sich für Chloe doch gegebenenfalls einen anderen Weg ins Glück gewünscht.

Das Setting kann erneut auf ganzer Linie glänzen. So nimmt die Autorin ihre Leser:innen mit auf eine Reise nach Lichterhaven, einen fiktiven, kleinen Ort an der Nordseeküste – mit allem, was dazugehört, unter anderem ein alter Leuchtturm, ein Erlebnishof mit Alpakas und – natürlich – ganz viel Strand. Petra Schier erschafft dabei eine Dorfidylle, die fast aus der Welt entrückt zu sein scheint; wie ein kleines Märchen, fast zu ideal, um wahr zu sein, aber perfekt, um sich unbeschwert dorthin träumen und die Realität vergessen zu können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Isalie und Max, aber auch Cooper trägt viel zur Handlung bei, während Tristan nicht immer nachvollziehbar handelt und – gerade anfangs – viele Sympathien verspielt. Petra Schiers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, sorgt in der Erzählperspektive von Cooper auch für humorvolle Momente, auch wenn man sich daran erst gewöhnen muss.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber nicht schmälern, der Buchsatz ist ordentlich und versucht die Chatnachrichten innovativ zu setzen, auch wenn hier – und bei der Darstellung von Coopers Perspektive – sicherlich noch mehr gegangen wäre. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und sorgt so für einen tolles Gesamtbild. Das Motiv ist zudem genre- und reihentypisch, sorgt für Wiedererkennungswert, ist insgesamt aber eher kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Pfötchen, Strand und Liebesglück“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden kann und hält, was er verspricht, aber durchaus ein klein bisschen mehr Komplexität hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Ken Jaworowski: „What about the bodies“

In den letzten Tagen habe ich auch „What about the bodies“ von Ken Jaworowski gelesen. Das Buch ist 2026 im Pendragon Verlag veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2025 unter dem gleichen Titel bei Atlantic Crime. Der Roman ist dabei als Krimödie einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Englischen zeichnet Lea Dunkel verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein Unglück kommt selten allein – diese Erfahrung müssen auch Carla, Reed und Liz machen. Ihr Leben in der amerikanischen Kleinstadt Locksburg verläuft in geregelten Bahnen. Verbrechen kennen sie nur aus dem Fernsehen. Doch plötzlich haben sie es mit der Polizei und mit Gangstern zu tun. Je mehr sie versuchen, alles richtig zu machen, desto mehr geht schief.

„What about the bodies“ ist mein erster Roman von Ken Jaworowski – und es war eine unglaublich überraschende Lesereise. Die Verwirrung beginnt bereits bei der Genrezuordnung, zu der ich immer noch keine zufriedenstellende Lösung präsentieren kann. Auf dem Cover betitelt als Kriminalroman, von anderen Leser:innen als Krimi Noir oder Spannungsroman gesehen, habe ich mit der Einordnung als (sehr dunkle) Krimödie versucht, der Handlung annähernd gerecht zu werden. Ein klassischer Kriminalroman ist es jedenfalls nicht!

Denn die Handlung ist mehr oder weniger ein Dreiklang, ein gleichzeitiges Ablaufen dreier Handlungsstränge, in denen sich die Protagonist:innen auf teils abstruse Weise immer tiefer in ihren Schicksalen verstricken – ohne dass hier ein klassisches Verbrechen durch Ermittlungen aufgedeckt werden soll. Vielmehr ist es – ganz im Sinne britischer dunkler Komödien – spannend, skurril und makaber, gleichzeitig aber auch berührend und überraschend emotional. Und so vermögen auch die anfangs sehr ungewöhnlichen drei Ich-Perspektiven und die am Ende stark auseinanderfallende Chronologie nichts von dem absolut fantastischen Lesevergnügen zu schmälern.

Denn auch das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt der Autor die Leser:innen nach Locksburg, eine typisch-amerikanische Kleinstadt in der Nähe von Pittsburgh, Pennsylvania – mit allem, was dazugehört. Kreiert wird ein typisch amerikanisches Setting mit verlassenen Industriestandorten, eigenmächtig handelnden Polizisten, einer stereotypen High-School mit Baseball-Team und einer veritablen Gerüchteküche. Eingemischt werden Protagonist:innen mit psychischen Erkrankungen und in allen möglichen schwierigen Lebenssituationen, sodass ein fast überbordendes Gesamtkonstrukt an Problemlagen und wichtigen Themen entsteht, das aber zu keinem Zeitpunkt überfordert.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Liz und – zum Ende hin – auch Reed, lediglich Luke, Dan und Imogen verbleiben auf der Antagonist:innen-Seite etwas eindimensional. Ken Jaworowskis Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, ist unglaublich humorvoll, auch wenn man manchmal noch stärker auf „Show, don’t tell“ hätte setzen können.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar einige Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht schmälern der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, dieser ist – zusammen mit der Coverrückseite – sehr schlicht und eintönig. Das Covermotiv vermittelt die Stimmung des Buches und das Kleinstadtflair, ist insgesamt aber auch austauschbar und kein wirklicher Eyecatcher.

Mein Fazit? „What about the bodies“ ist eine dunkle Krimödie, die trotz minimaler Schwächen unglaublich viel Spaß macht, dabei auch wichtige Themen streift und zu keiner Zeit langweilig wird. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Uli Aechtner: „Poyais. Ein Land, das es nie gab“

In der letzten Zeit habe ich auch „Poyais. Ein Land, das es nie gab“ von Uli Aechtner gelesen. Das Buch ist 2026 in der Emons Verlag GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

1820: Zwei Schiffe voller hoffnungsfroher Siedler stechen in See. Ihr Ziel: Poyais – ein neu gegründeter Staat in Südamerika, der europäischen Auswanderern Reichtum und Freiheit verspricht. Doch das angebliche Paradies ist eine Lüge. Poyais existiert nicht. Es ist die skrupellose Erfindung des Hochstaplers Gregor MacGregor, der mit glänzenden Versprechen Tausende in die Irre führt. Auch Kaufmannstochter Julie will mit ihrem Geliebten fliehen – und strandet in einer Katastrophe. In der unerbittlichen Hitze der Karibik kämpft sie gegen Hunger, Krankheit und Verzweiflung. Und steht bald vor der schwersten Entscheidung ihres Lebens: Kann sie sich – und andere – retten?

„Poyais. Ein Land, das es nie gab“ ist nach „Mein Lover, mein Ex und der Andere“ mein zweiter Roman von Uli Aechtner und zeigt eindrücklich, in welcher Genre-Bandbreite die Autorin unterwegs ist. Denn dieses Buch lässt sich meines Erachtens klar als historischer Roman einordnen, auch andere Zuschreibungen wie die eines Schicksalsromans, ja sogar eines Abenteuerromans oder – wie von der Autorin im Nachwort erwähnt – als historische True-Crime sind hier möglich.

Die Handlung ist dabei spannend und abwechslungsreich, teils aber mit kleineren Längen versehen. Die verschiedenen Handlungsstränge nähern sich hierbei zeitlich immer stärker an und laufen kurz vor dem Ende zusammen – so vermochte der Handlungsstrang aus den Befreiungskriegen zumindest noch minimal Einfluss auf die eigentliche Geschichte zu nehmen. Generell hätte ich mir hier eine stärkere Fokussierung auch auf MacGregor gewünscht, seine Perspektive kommt nur kurz im Prolog vor, als nunmehr genialer aber verabscheuungswürdiger Verbrecher, als früherer Held der Befreiungskriege hat er sicherlich eine Entwicklung durchgemacht, die viele Bücher füllen könnte.

Das Setting führt die Leser:innen im 19. Jahrhundert so ziemlich überall hin. So nimmt die Autorin die Leser:innen mit auf eine Reise über Deutschland, England, Frankreich und diverse Länder Mittelamerikas hin zum nicht existenten Staat Poyais. Dabei sind insbesondere die Passagen zur Schifffahrt gelungen und zeugen von einer guten Recherche. Gleiches gilt für die Schilderungen zu den Befreiungskriegen, die eindrücklich und mahnend die Schrecken des Krieges verdeutlichen, sich aber irgendwie nicht so recht organisch in die Handlung einfügen – hier hätten auch andere Schwerpunkte gesetzt werden können.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Theo, Josefa und Jeffrey, während gerade Carl etwas blass verbleibt und oftmals nicht nachvollziehbar handelt. Uli Aechtners Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, balanciert die Waage aber sicherlich eher auf Seiten der Lesbarkeit als sprachlich-historischer Genauigkeit.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Die Geschichte wird mit einem Literaturverzeichnis und einem einordnenden Nachwort abgerundet, vorangestellt ist eine Karte, die allerdings sehr schlecht lesbar ist im Druck. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin krass abgegrenzt, Buchrücken und Coverrückseite sind eher eintönig, schlicht, aber grell – generell ist die Farbgestaltung ungewöhnlich. Das Covermotiv an sich ist ansehnlich, aber kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Poyais. Ein Land, das es nie gab“ ist ein spannender und abwechslungsreicher historischer Roman, der ein hochinteressantes Thema behandelt, teils aber andere Schwerpunkte hätte setzen können und kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Peter Probst: „Am helllichten Tag“

In der letzten Zeit habe ich auch „Am helllichten Tag“ von Peter Probst gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Die junge Journalistin Toni wollte die Vergangenheit eigentlich hinter sich lassen. Doch als ihr Vater ins Krankenhaus eingeliefert wird, macht sie sich sofort auf den Weg nach Pirmasens, ihrer Heimatstadt am Rand des Pfälzer Walds. Als sie dort eintrifft, ist es zu spät – ihr Vater ist tot. In seinem Nachlass findet sie einen kryptischen Brief, in dem er ihr eine jahrzehntealte Schuld gesteht. Zu ihrem Entsetzen stellt Toni fest, dass es etwas mit einer Verbrechensserie in den 60er Jahren zu tun haben muss. Drei Kinder sind spurlos verschwunden, die Fälle wurden nie aufgeklärt. Welche Rolle hat ihr Vater dabei gespielt? Und warum interessiert sich plötzlich die Polizei für ihre Familie? Ihr journalistischer Jagdeifer ist geweckt – bis sich die Vergangenheit auf einmal zu wiederholen droht.

„Am helllichten Tag“ ist mein erster Roman von Peter Probst und das erste Buch um die starke Protagonistin Antonia Papin – vielleicht könnte man damit ja den Grundstein für eine Reihe legen? Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. So wird es als Kriminalroman beworben – und auch auf dem Cover so tituliert. Gleichsam verschwimmen hier jedoch auch die Grenzen zum Thriller, spielt doch die polizeiliche Arbeit nur eine Nebenrolle und wird nicht einmal mit einer eigenen Erzählperspektive gewürdigt. Darüber hinaus enthält das Buch auch partiell True Crime Elemente, wird doch neben einem fiktiven aktuellen Fall ein alter Cold Case aufgearbeitet, der in den 1960er Jahren das Land prägte.

Die Handlung ist insgesamt spannend und abwechslungsreich, hat aber, gerade im Mittelteil, auch kleinere Längen. Dabei überzeugt insbesondere die Erzählperspektive von Vanessa, die atmosphärisch dicht, einfach unglaublich bedrückend und emotional ist. Zugleich spielt die Handlung auch auf zwei Zeitebenen, werden doch auch Ereignisse aus der Vergangenheit aus Sicht von Antonias Vater dargestellt und mit Zeitungsartikeln unterstützt – da hätte ich mir gern noch mehr gewünscht.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. So entführt der Autor seine Leser:innen nach Pirmasens und Umgebung, in eine Stadt, die stark vom Strukturwandel getroffen ist und über die man im Roman noch so einiges lernen kann. Dabei mischt der Autor – wie dargestellt – einen Cold Case mit einem fiktiven Fall und baut zudem gesellschaftlich relevante Themen in den Roman mit ein wie Schuld, Peer Pressure, Social Media, digitale Hasskampagnen und religiöser Fanatismus, auch wenn man hier teils etwas an der Oberfläche verbleibt und die Themen etwas einseitig beleuchtet.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Antonia insbesondere Vanessa und Marga, aber auch Pfarrer Hohnert, während Leo oftmals nicht ganz nachvollziehbar handelt. Peter Probsts Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ordentlich, auch wenn man die Zeitungsartikel vielleicht noch innovativer hätte setzen können. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Cover und die Coverrückseite werden jedoch zum Buchrücken hin krass unterbrochen. Generell ist das Covermotiv aber durchaus ansehnlich und atmosphärisch.

Mein Fazit? „Am helllichten Tag“ ist ein Kriminalroman, der gekonnt einen Cold Case mit Fiktion vermischt und vor allem durch das atmosphärische Setting und tolle Charaktere punktet, teils aber noch andere Schwerpunkte hätte legen können. Für Leser:innen ab 16 Jahren dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Maria Grund: „Krakenkind“ (Berling & Pedersen 4)

In den letzten Tagen habe ich auch „Krakenkind“ von Maria Grund gelesen. Das Buch ist 2026 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Bläckfisken“ bei Polaris, Stockholm. Das Buch ist als Thriller einzuordnen, für die Übersetzung aus dem Schwedischen zeichnet Sabine Thiele verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Småland, Spätsommer 1996: Die Abendsonne taucht den kleinen schwedischen Ort Augu in goldenes Licht. Doch die Idylle trügt, denn in der Dunkelheit der Nacht geschieht ein brutales Verbrechen. Eigentlich wollte die junge Polizistin Sanna nach Gotland ziehen und dort ein neues Leben beginnen, doch dieser Fall hält sie davon ab, ihre Koffer zu packen. Anhaltspunkte gibt es wenige, die Ermittlungen kommen nur schleppend voran, aber bei näherem Hinsehen bekommt das friedliche Bild der Gemeinde tiefe Risse. Die Bewohner von Augu hüten dunkle Geheimnisse, und noch bevor Sanna das Geflecht aus Lügen entwirren kann, gibt es weitere Opfer. Das Grauen hat gerade erst begonnen …

„Krakenkind“ ist der vierte Band der Buchreihe um Sanna Berling und Eir Pedersen – und fungiert als Prequel zu den anderen drei Bänden, indem der Roman tief in Sannas Vergangenheit eintaucht, bevor diese Eir überhaupt kennengelernt hat. So ist es auch unschädlich, dass ich noch keinen Roman der Reihe gelesen habe – das Buch lässt sich gut als Einstieg in die Serie nutzen. Allerdings fällt mir die Genrezuordnung nicht leicht. Durch die doch präsente Ermittlungs- und Polizeiarbeit ließe sich das Buch auch gut als Kriminalroman einordnen, ich habe es aufgrund der stark atmosphärischen Spannung aber bei der – auch auf dem Cover aufgedruckten – Kategorisierung als Thriller belassen.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und wartet mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lebt aber vor allem durch die angesprochene Atmosphäre, wirklicher Thrill stellt sich eher selten ein. Dabei wird die Geschichte aus unzähligen Perspektiven erzählt – und bindet viele wichtige Themen ein. Insgesamt erstreckt sich die Handlung über knapp zwei Wochen im Jahr 1996 – irritierenderweise wird als Prolog ein Ereignis vorangestellt, das erst nach Abschluss der Handlung stattfindet. Allerdings kann das Ende durchaus überzeugend, auch wenn die Person des Haupttäters jetzt keine große Überraschung darstellte.

Das Setting kann auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen in den kleinen Ort Augu ins Jahr 1996, eine Zeit, in der die Digitalisierung noch in den Babyschuhen steckte, kaum niemand Handys besaß und Polizeiarbeit noch stärker im Kontakt mit Menschen stattfand. Häusliche Gewalt, Fluchtbewegungen, Entwurzelung, sexueller Missbrauch, Armut, Depressionen und tödliche Krankheiten ziehen sich durchs Buch und sorgen für eine düstere, teils beklemmende Atmosphäre, die so typisch und dennoch immer wieder so brillant in skandinavischen Thrillern eingesetzt wird.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Sanna brillieren hier vor allem wichtige Nebencharaktere wie Rebecka, Mira und Borghild – irritierend ist lediglich, dass quasi alle männlichen Figuren durchweg negativ charakterisiert werden. Maria Grunds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort und ist genre- und reihentypisch ansehnlich. Abgerundet wird die Handlung mit Hilfsangeboten, die im Anhang abgedruckt sind und Betroffene unterstützen sollen – stark!

Mein Fazit? „Krakenkind“ ist ein atmosphärisch starker Thriller, der mit seinem Setting und tollen Charakteren brilliert, in der Handlung aber noch etwas mehr Spannung hätte vertragen können. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Kristin MacIver: „Limerick Love. Win Your Heart“ (Limerick Love 2)

In den letzten Tagen habe ich auch „Limerick Love. Win Your Heart“ von Kristin MacIver gelesen. Das Buch ist 2026 im Knaur Verlag in der Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG erschienen und als historische New Adult Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Irland, 1462. Im Dorf ihrer Großmutter sucht Sláine Ó Meadhra nach einem Neuanfang. Stattdessen findet sie ihn: Callum. Doch ihr Freund aus Kindheitstagen hat eine mysteriöse Vergangenheit: Manche nennen ihn einen Piraten, andere einen Mörder. Er hält Sláine auf Abstand, so sehr sie auch seine Nähe sucht. Enttäuscht wendet sie sich dem charismatischen Rian zu und entdeckt an seiner Seite ihre Liebe zum Rudern. Doch ihr Herz schlägt bereits für Callum … Ein großes Ruderturnier wird schließlich zu Callums letzter Chance, seinen Namen reinzuwaschen. Aber skrupellose Gegner lassen ihm und Sláine nur eine Wahl: gemeinsam kämpfen – oder untergehen.

„Limerick Love. Win Your Heart“ ist der zweite Teil der „Limerick Love“-Dilogie, kann aber unabhängig vom ersten Band als Standalone gelesen werden, die Verknüpfungen sind eher gering, auch wenn die Protagonistin bereits im ersten Band die Leser:innen begeisterte – in „Limerick Love. Break the Rules“ war Sláine meine Lieblingsfigur. Allerdings sehe ich diesen Band – im Gegensatz zum ersten Teil – nicht mehr wirklich als Sports Romance, spielt doch der Sport eher eine untergeordnete Rolle, ist mehr Mittel zum Zweck und keiner der Love Interests ist wirklich zentral involviert.

Dies ist allerdings der einzige wirkliche Wermutstropfen, denn die Handlung ist sonst hochspannend und abwechslungsreich und sorgt so dafür, dass das Buch sich zu einem absoluten Pageturner entwickelt, der selbst am Ende überzeugt, das zwar genretypisch happy, aber nicht kitschig rosarot ist. Zugleich werden – trotz des historischen Settings – auch gesellschaftlich relevante Themen eingebaut, die doch zeigen, dass wir uns in einigen Bereichen gar nicht so weit entwickelt haben, wie wir es gern glauben würden. Erzählt wird das Buch hierbei aus Sláines Ich-Perspektive.

Das Setting überzeugt naturgemäß auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen ins Irland des 15. Jahrhunderts. Und auch wenn dieses Mal nicht der Konflikt zwischen den Gaelic Irish und den Anglo-Irish im Zentrum der Handlung steht, finden sich doch genug Themenfelder, auf denen sich Kristin MacIver mit ihren Figuren tummeln kann – erneut glänzt hier auch die Recherche, auch wenn sicherlich zugunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere historische Detail verzichtet wurde.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren neben Sláine insbesondere wichtige Nebenfiguren wie Maeve und Oisín, während lediglich Callum fast etwas zu gebrochen für den „broken hero“ ist. Kristin MacIvers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und stellt den Kapiteln jeweils kurze Zitate/Gedanken von Callum vorweg. Unterstützt wird die Handlung hierbei durch eine großformatige Illustration der Protagonist:innen in den Coverinnenseiten sowie ein Glossar und eine Aussprachehilfe. Der Umschlag ist mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv passt gut zum ersten Teil und bildet einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Limerick Love. Win Your Heart“ ist ein toller Abschluss der Dilogie, der sich zwar genremäßig durchaus vom ersten Band entfernt, dabei gleichsam aber ein Pageturner mit einer unglaublich spannenden Protagonistin verbleibt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Matthias Soeder: „TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ (Tinte und Schwert 1)

In den letzten Tagen habe ich auch „TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ von Matthias Soeder gelesen. Das Buch ist 2026 im FeuerTanz Verlag, einem Imprint des VA-Verlag erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Herbst 1618, Bistum Würzburg. Der 30-jährige Krieg ist erwacht. Nach einem brutalen Überfall, bei dem seine Familie getötet wird, verschleppen Söldner den jungen Priesteranwärter Jacob Wolffen nach Böhmen. In der Armee des gefürchteten Generals Mansfeld wird er zum Schanzdienst gezwungen. Knapp dem Tod entkommen, erkennt Jacob seine göttliche Bestimmung: Ein unbarmherziger Rachefeldzug gegen den skrupellosen Leutnant Heinrich von Hohenfels und seine Schergen. Eine scheinbar unlösbare Aufgabe, doch in der jungen Heilerin Anna Dillenberger – die ihre eigenen dunklen Geheimnisse hat – findet er eine starke Verbündete. Sie unterstützt ihn mit scharfem Verstand und unerschrockenem Mut. Doch zwischen Belagerung und Verrat stellt sich bald eine grausame Frage: Dürfen sie Todsünden begehen, um die finsteren Mächte zu bezwingen?

„TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ ist der erste Band der gleichnamigen Trilogie, mit der der Thriller-Autor Matthias Soeder in die Vergangenheit eintaucht und sich so seiner Reenactment-Leidenschaft annähert. Dabei ist das Buch – passend zur Zeit – sehr düster, brutal und fast hoffnungslos, sodass die ausgesprochene Leseempfehlung ab 16 Jahren wirklich die Untergrenze darstellen sollte – und selbst dies nur möglich erscheint, in dem Teile der Handlung großzügig ausgeblendet sind.

Abgesehen davon ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, auch wenn zuweilen eine Unwucht in der Gewichtung der Handlungsstränge besteht – gerade Anna kommt hier teils etwas kurz. Zudem empfinde ich auch den Handlungsstrang bzw. die Perspektive um den General Graf Mansfeld eher als historischen Infodump als wirklich handlungstreibend – für die Geschichte um Anna und Jacob hätte es diese Perspektive wirklich nicht gebraucht.

Das Setting hingegen glänzt auf ganzer Linie. So nimmt der Autor die Leser:innen mit ins 17. Jahrhundert, mitten hinein in die Anfänge des 30-jährigen Krieges, unter anderem in meinen Wohnort Heidelberg und dann vor allem nach Böhmen zur Belagerung der eigentlich uneinnehmbaren Stadt Pilsen. Dabei werden die Schrecken des Krieges anschaulich dargestellt, Themen wie Hexenverbrennung, religiöse Konflikte und Standesdünkel gestreift. Insgesamt zeigt sich hier eine gelungene und umfassende Recherche, die sicherlich auch durch Matthias Soeders Reenactment-Leidenschaft befeuert wurde.

Die einzelnen Figuren sind vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Meister Sedlák, Sofie und Rosina, während Jacob wenig nachvollziehbar handelt und sich immer weiter vom Leser entfernt, sodass man ihm gar kein Happy End mehr wünschen kann, ihn scheitern sehen will. Matthias Soeders Schreibstil lässt sich dabei im Wesentlichen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch solide. Lektorat und Korrektorat sind doch einige Fehler durchgerutscht, die sich gerade so noch im vertretbaren Rahmen halten, der Buchsatz ist ordentlich, die Kapitelüberschriften aber mild spoilernd. Der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt, das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das zwar mit tollen Farbakzenten punktet, insgesamt aber eher kein Eyecatcher ist.

Mein Fazit? „TINTE und SCHWERT – Verwandlung“ ist ein solider Auftakt in die Reihe, der mit einem tollen Setting und einer schonungslos brutalen aber spannenden Handlung punkten kann, gleichzeitig aber kleinere Schwächen in der Gewichtung und Auswahl der Handlungsstränge hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, definitiv aber nicht unter dem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Michael Wildenhain: „Das Ende vom Lied“

In der letzten Zeit habe ich auch „Das Ende vom Lied“ von Michael Wildenhain gelesen. Der Roman ist 2026 bei Klett-Cotta, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH erschienen und der Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mit 13 Jahren ist der Junge in diesem Alter: Das Leben hängt schief in den Angeln, der Alltag gerät zum Schwelbrand, die erste Liebe überwältigt ihn und lässt die Tage beben. 1969 steht die Zeit in Westberlin vielerorts noch still, und doch ändert sich für den Jungen alles. Weil der Vater eine neue Stelle antritt, muss auch der Sohn in die Belziger Straße ziehen, in eine Atmosphäre der Wut gegen die ganze Welt. Hier droht die von den Traumata des Krieges geprägte Familie – der versehrte Vater, die gezeichnete Mutter – zu zerfallen; dort lockt die Wirklichkeit der Straße, brutal und zärtlich, derb und schön, die den Jungen in eine Entscheidung von beträchtlicher Tragweite treibt. Was zählt: die Nähe zu Körschi, Bandenchef und bester Boxer der Belziger. Und Alina, die Angebetete, die Körschi als sein Eigentum betrachtet und von der der Junge dennoch nicht lassen kann. Manchmal, das erfährt er, musst du etwas riskieren, selten sogar das Leben.

„Das Ende vom Lied“ ist mein erstes Buch des hochdekorierten Autors Michael Wildenhain, der unter anderem bereits für den Deutschen Buchpreis und den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war – und dessen Können durchaus an der ein oder anderen Stelle im Roman auch durchblitzt. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach kategorisieren, ist es doch zugleich Coming of Age und Gesellschaftsporträt, das auf der schmalen Grenze zwischen Gegenwartsliteratur und historischem Roman balanciert, wobei ich das Buch schlussendlich der Gegenwartsliteratur zugesprochen habe.

Denn der Roman beschreibt die Geschichte des grundsätzlich namenlosen Erzählers (auch wenn die Indizien stark auf „Daniel“ hindeuten), der Ende der 1960er-Jahre im Alter von 12/13 in Westberlin aufwächst. Dabei hat die Handlung durchaus einige Längen und ist im ersten Teil relativ sprunghaft, sodass man anfangs den roten Faden vermisst, der sich erst spät einstellt – fast zu spät, um noch alle Handlungsstränge zufriedenstellend aufzulösen, sodass viele offene, ungeklärte Fragen verbleiben. Dennoch spricht der Roman, der zu großen Teilen aus der Ich-Perspektive des namenlosen Protagonisten erzählt wird, hier natürlich wichtige Themen an.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt der Autor die Leser:innen in die von der DDR umschlossene Stadt, in eine atmosphärisch dichte Zeit des Umbruchs hinein voller Straßenbanden, linker Revolutionäre und weltumspannender Ereignisse wie die Mondlandung. Hierbei gelingt es Michael Wildenhain die Zeit greifbar, spürbar zu machen, auch für Generationen, die die 60er selbst nicht aktiv miterlebt haben – auch wenn einige der beschriebenen Situationen aus heutiger Sicht nicht nur bizarr anmuten, sondern schlichtweg nicht mehr vorstellbar sind.

Die einzelnen Figuren bleiben dabei teils nicht greifbar, sind im Wesentlichen dennoch vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Gefühle. Hierbei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Alina in ihrer Ambivalenz und Beef, ein ungewohnt und versteckt starker Charakter. Michael Wildenhains Schreibstil überzeugt dabei vor allem in den poetischen Passagen, während die Schachtelsätze teils etwas drüber sind. Dennoch lässt sich das Buch größtenteils flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist noch ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist fehlerfrei, hätte aber gerade die poetischen Passagen etwas schöner setzen können. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen und generell eher schlicht – genau wie das unter dem Umschlag befindliche Buch. Das Covermotiv vermag zwar die Atmosphäre zu transportieren, ist aber ebenfalls kein Eyecatcher und wird – genau wie die Coverrückseite – irritierend krass zum Buchrücken hin abgegrenzt.

Mein Fazit? „Das Ende vom Lied“ ist ein atmosphärisch starker Roman der Gegenwartsliteratur, der teils mit spannenden Figuren aufwartet, in der Handlung aber Längen und ein relativ offenes Ende besitzt. Für Leser:innen, die das Gefühl der 60er-Jahre nachspüren wollen, noch zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lou Sandberg: „Branderbe“ (Buck und Lange 3)

Und noch eine weitere Rezension habe ich frisch von der Leipziger Buchmesse für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Branderbe“ von Lou Sandberg gelesen. Das Buch ist 2025 im Selfpublishing über Books on Demand (BoD) erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Bei einem Wohnungsbrand im Frankfurter Nordend kommt ein alter Mann ums Leben. War es ein tragischer Unfall oder steckt mehr dahinter? Für Kriminalhauptkommissar Sebastian Buck und seine Kollegin Maike Lange scheint der Fall schnell klar. Sie ahnen nicht, dass ein weiterer Mensch in Lebensgefahr schwebt.

„Branderbe“ ist nach „Mainblüte“ mein zweiter, und insgesamt der dritte Roman um das Ermittelnden-Duo Maike Lange und Sebastian Buck. Dabei lässt sich der Roman gut als Standalone lesen. Zwar ist das Vorwissen aus dem Vorgängerband sicherlich hilfreich, zentrale Wendepunkte in den Leben der Ermittler:innen werden aber von der Autorin auch in diesem Band wieder ausgeführt, um deren Handeln nachvollziehbarer zu gestalten. Und auch die Genrezuordnung verbleibt relativ klar, wird das Buch doch auf dem Cover – zutreffend – bereits als Kriminalroman gelabelt.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig und spannend, wenn auch atypisch, sind doch alle Täter bereits relativ früh bekannt. Apropos alle Täter: Irritierend ist auch, dass der eigentliche Kriminalfall relativ schnell von einem viel größeren, spannenderen und brenzligeren Fall überlagert wird, der die Handlung dominiert und viel mehr Raum einnimmt. Dabei werden auch in diesem Roman wieder eine Bandbreite an gesellschaftlichen Themen angerissen, im Gegensatz zu Band zwei fehlt es hier aber leider an der Auflistung entsprechender Hilfsangebote für Betroffene. Auch über Content Notes hätte man wieder nachdenken können.

Das Setting bleibt unverändert. So entführt die Autorin die Leser:innen erneut nach Frankfurt, auch wenn dieses Mal durchaus andere Seiten der Stadt gezeigt werden und – wie oben bereits angerissen – andere Themen besprochen werden, geht es doch dieses Mal um Mietwucher, Demenz, häusliche Gewalt und Pflege. Dabei kommen die Ermittelnden fast etwas zu kurz, ihre im Vorband noch präsenteren eigenen Lebenskrisen und -Probleme treten dieses Mal gänzlich in den Hintergrund – zumindest bis zum Epilog, der einen milden, aber durchaus interessanten Cliffhanger präsentiert.

So entwickeln sich auch die Figuren – zumindest bei den Ermittler:innen – nur bedingt weiter, am ehesten kann hier dieses Mal Maike überzeugen, sodass das Buch insgesamt einmal mehr im Nebencast glänzt, der mit Alma und Dr. Bruckner zwei durchaus tolle Charaktere vorzuweisen hat. Lou Sandbergs Schreibstil lässt sich – erneut – leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die den Lesefluss nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv setzt sich nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fort, ist zwar kein Eyecatcher, aber durchaus genretypisch und bildet mit den Covern der vorherigen Bände ein einheitliches Erscheinungsbild für die komplette Reihe.

Mein Fazit? „Branderbe“ ist eine gelungene Fortsetzung, die als Standalone funktioniert und wichtige Themen anspricht, dabei aber atypisch zu einem anderen Fall switcht und die Ermittler:innen etwas vernachlässigt. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.