[Buchgedanken] Anna Todd: „After Passion“ (After 1)

In der letzten Zeit habe ich – inspiriert vom damaligen Kinobesuch – „After Passion“ von Anna Todd gelesen, den ersten Band ihrer erfolgreichen New-Adult-Reihe. Das Buch ist 2015 im Wilhelm Heyne Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschein bei Gallery Books, Simon & Schuster, Inc., New York. Mein Exemplar entstammt aus der mittlerweile 18. Auflage (Glückwunsch!), der Roman ist dem Genre New-Adult-Romance zuzurechnen.

41bHN8VxJ6L._SX325_BO1204203200_Tessa Young ist attraktiv und klug. Und sie ist ein Good Girl. An ihrem ersten Tag an der Washington Central University trifft sie Hardin Scott. Er ist unverschämt und unberechenbar. Er ist ein Bad Guy. Er ist genau das Gegenteil von dem, was Tessa sich für ihr Leben wünscht. Und er ist sexy, gutaussehend und zieht Tessa magisch an. Sie kann nicht anders. Sie muss ihn einfach lieben. Und sie wird nie wieder die sein, die sie einmal war

Mich lässt die Lektüre von „After Passion“ etwas zwiegespalten zurück – wahrscheinlich bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an das Buch heran gegangen. Denn mit „After Passion“ legt die Autorin unzweifelhaft einen gelungenen und im Wesentlichen überzeugenden Roman vor, aufgrund des Hypes hätte ich allerdings mehr erwartet. So bleibt als erstes Fazit bereits festzuhalten, dass „After Passion“ vielleicht mit dafür gesorgt hat, das New-Adult-Genre in Deutschland zu etablieren, es mit der deutschsprachigen New-Adult-Elite um Mona Kasten und Laura Kneidl aber nicht mithalten kann, deren Bücher (z.B. „Trust Again“ oder „Berühre mich. Nicht.„) sich doch deutlich absetzen können.

„After Passion“ punktet – wie die meisten Bücher des Genres – zunächst mit einem tollen Setting. Ein Universitätswohnheim, ein Verbindungshaus, die Bibliothek, unberührte Natur oder auch ein Diner – der Roman versetzt einen in das amerikanische Lebensgefühl, lässt den Leser sich nach Washington träumen. Dabei verliert er sich jedoch nicht in den Klischees. Die Handlung – genrebedingt teils vorhersehbar – ist spannend, elektrisierend und lässt den Leser durch unerwartete Wendungen immer mal wieder wütend, verzweifelt und frustriert zurück – genau wie Tessa, mit der man sich sofort gut identifizieren kann. Kleinere Ungereimtheiten in der Handlung kann man dabei locker verzeihen, den großen Cliffhange am Ende eher nicht. Insgesamt kommen mir in der Handlung aber zu wenig Impulse von außerhalb. So spannend die Probleme sind, die die Protagonisten alle untereinander haben, gibt es doch sonst kaum Krisen, Konflikte in ihrem Leben – abgesehen von den obligatorischen Problemen in der Kindheit.

Die Figuren sind dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen – teils mehr, teils weniger. Doch hier stoße ich auch auf mein größtes Problem – Hardin. Ein interessanter Charakter, der mich jedoch etwas verzweifeln lässt. Mir ist klar, dass die Geschichte einen Bad Boy braucht, und auch so angelegt ist. Mir ist auch klar, dass das Love Interest gegensätzlich zu Tessa konzipiert wurde, um Konfliktpotential zu schaffen – sonst wäre die Geschichte auch langweilig. Und dennoch finde ich es wichtig, dem – wenn man so will – Antagonisten auch Züge zu geben, die ihn sympathisch werden lassen, die es dem Leser ermöglicht, ihm ein gutes Ende zu wünschen. Und das sehe ich nicht, kann mich persönlich nicht mit Hardin identifizieren – und, so sehr ich Tessa auch mag, habe ich mich beim Lesen ertappt, ihnen kein Happy End zu wünschen – schlicht weil Hardin es nicht verdient hat.

Anna Todds Schreibstil ist hochemotional und strotz vor Gefühlen, ist aber auch sehr direkt, gerade in den Dialogen – was zwar zum Charakter von Hardin passt, ihm jetzt allerdings auch keine Sympathiepunkte mehr bringt. So gefühlvoll das Buch auch ist, gerade in den (überraschend und fast zu zahlreichen) erotischen Szenen wird hier noch Potential verschenkt, hier ist eindeutig noch Luft nach oben.

Die Buchgestaltung überzeugt auf der ganzen Linie. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, das wunderschöne Cover sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein. Es ist hochwertig geprägt und mit ausklappbaren, farbigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „After Passion“ ist ein im Wesentlichen gelungener Reihenauftakt, der vor allem mit seinem Setting und einer spannenden, wenn auch sehr auf die Beziehungen unter den Protagonisten zentrierten, Handlung punkten kann, sein Potential aber bei weitem nicht ausschöpft. Für Leser des Genres, die von Cliffhangern und unsympathischen Bad Boys nicht abgeschreckt werden, bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Carolin Emrich: „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“

In der letzten Zeit habe ich Carolin Emrichs Debütroman „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ gelesen. Das Buch ist 2017 beim Sternensand Verlag erschienen und dem Genre Fantasy zuzuordnen, wobei eine Einordnung in ein Subgenre isoliert für den Einzelband schwierig ist. Zwar legt der Roman durchaus die Ansätze für eine epische High-Fantasy-Reihe, erfüllt als Einzelband die Genre-Voraussetzungen jedoch noch nicht vollständig. Auch eine Verschiebung des Genres in Richtung Romantasy ist für die Folgebände durchaus möglich. Um verknappt auf den Punkt zu kommen: Isoliert betrachtet ist „Weg des Ordens“ aus meiner Sicht dem „Sword & Sorcery“-Genre (auch: „heroic fantasy“) zuzuordnen.

Seitdem sie sich erinnern kann, lebt Tris in einem Kloster, um dort, abgeschottet von der61xycbvc9ql-_sx326_bo1204203200_ Gesellschaft, den Umgang mit ihren magischen Kräften zu lernen. Die einzige Chance, den Klostermauern zu entfliehen, ist, sich dem Orden der Wächter anzuschließen. Als Tris von diesem für die Aufgabe ausgewählt wird, das Volk der Elfen auszukundschaften, trifft sie auf den Elfen Avathandal. Als sie sich in ihn verliebt, verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind. Doch wem kann Tris wirklich trauen?

Mit „Weg des Ordens“ legt die Autorin einen gelungenen Debütroman vor, der allerdings klar als Reihe konzipiert ist. Für einen Einzelband passiert isoliert etwas wenig, und die Handlung endet in einem sehr, sehr starken Cliffhanger (ich persönlich hätte mir das Ende einfach ein paar Seiten früher gewünscht). Abgesehen davon, schafft Carolin Emrich eine zauberhafte Welt, die mit einem gelungenen Weltenbau und einem ausgewogenen Magiekonzept punktet. Gut gefallen hat mir, dass die Geschichte der Welt nicht en bloc vorangestellt wurde, sondern in die Handlung des Romans eingebaut wurde. Hier zeigt sich auch klar, wie durch Propaganda oder eine allgemeine Deutungshoheit die Meinung eines Einzelnen gesteuert und manipuliert werden kann – ein vielleicht nur unbewusstes, aber vorhandenes gesellschaftskritisches Element.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut und leicht lesen. Durch die Ich-Perspektive gelingt es zudem, den Leser nah an Tris heranzulassen. So wird die Identifikation mit der Hauptfigur unterstützt. Ohnehin sind die Protagonisten plastisch und vielschichtig angelegt, auch in den Nebenfiguren, sei es Lilly, die Freundin von Tris, oder Avathandals Schwester. Ich fand es schade, dass – trotz Tris‘ Vorsatz – sie Lilly nicht geschrieben hat, und diese, seitdem Tris das Kloster verlassen hat, keine Rolle mehr in der Handlung spielte. Ich würde mir wünschen, dass sich dies in den Folgebänden ändert – sonst wäre es unnötig gewesen, die starke Bindung zwischen den beiden Freundinnen am Anfang der Handlung aufzubauen.

Das Cover ist sehr gelungen und von der talentierten Juliane Schneeweiss entworfen worden, Lektorat und Korrektorat (Martina König) haben ebenfalls ordentlich gearbeitet, auch wenn kleinere Fehler durchgerutscht sind, die den Lesefluss und das Lesevergnügen aber nicht mindern. Auch der Buchsatz kann mit wunderschön gestalteten Kapitelanfängen punkten. Was mich hier leicht gewundert hat, ist die Benennung eines Prologes. Die Handlung dort spielt kurz vor Kapitel 1 und es wird inhaltlich nahtlos aneinander angeknüpft. Ich hätte von einem Prolog etwas anderes erwartet und hätte es als sinnvoller gefunden, dies einfach als reguläres Kapitel in die Struktur einzubauen.

Mein Fazit? „Elfenwächter 1: Weg des Ordens“ ist ein gelungener Debütroman und vielversprechender Auftakt für eine phantastische Buchreihe, der für die Folgebände auch noch etwas Luft nach oben lässt. Für Liebhaber und Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen. Ich freue mich bereits jetzt auf die Folgebände. Band 2, „Weg des Krieges“, erschien übrigens vor wenigen Tagen und ist als e-Book und Taschenbuch in allen gängigen Portalen und im Buchhandel erhältlich.

[Buchgedanken] Kathrin Buschmann: „Göttliches Vermächtnis – Tochter des Lichts“

In der letzten Zeit habe ich „Tochter des Lichts“ gelesen, den Auftakt zu Kathrin Buschmanns Fantasy-Saga: „Göttliches Vermächtnis“. Es ist 2015 im, selbst gegründeten, Skandor Verlag erschienen und am ehesten dem Genre High-Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch nochmal an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.51ydq5xxuwl-_sx350_bo1204203200_

Seit dem Ende der vereinten Welt sind die Länder Lorolas und Kratagon durch eine unüberwindliche Schlucht getrennt. Generationen kratagonischer Herrscher trachteten danach, Lorolas zu unterwerfen, um die Schmach wiedergutzumachen. Zum ersten Mal seit der Trennung droht nun erneut, ein zerstörerischer Krieg zwischen den Reichen auszubrechen. Der Frieden kann dabei nur von den Halbgöttern Tayla und Elozar gesichert werden. Doch das Mädchen und der Löwe leben einsam und verborgen vor der Welt tief im Lorolas Wald – und wissen nichts von ihrem Schicksal. Wird es ihnen gelingen, den Frieden zu wahren?

„Tochter des Lichts“ ist ein High-Fantasy-Roman, wie er klassischer nicht sein könnte. Eine erfundene Welt mit einem (grob) mittelalterlichen Setting, ein klassischer Konflikt zwischen Licht und Dunkelheit, mystische Wesen, Zauberei, eine eigene Religion und ein abenteuerlicher Quest – die Geschichte erfüllt alle nur denkbaren Genremerkmale. Dabei ist der Weltenbau durchaus ordentlich gelungen. Eine Karte, Zeichnungen und eine (etwas zu ausführliche) Dramatis Personae versorgen den Leser mit allen gewünschten Informationen. Auch die Geschichte der Welt wird ausführlich im Buch vorgestellt. Hier allerdings auch ein kleiner Kritikpunkt: Es wäre besser gewesen, dies nicht als eine Art Prolog vor die eigentliche Handlung zu ziehen, sondern mitten im Geschehen einzusteigen und nach und nach die Geschichte der Welt einzuflechten.

Die Handlung an und für sich ist dahingegen durchweg spannend, fast sogar schon überfrachtet. Es gelingt der Autorin jedoch, jederzeit einen Überblick über die einzelnen Figuren und Handlungsstränge zu liefern. Die Protagonisten entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter, haben Stärken und Schwächen und sind vielschichtig gezeichnet. Auch wenn der Einstieg nicht ganz einfach ist, beginnt man doch schnell, mit Tayla mitzufiebern und sich mit ihr zu identifizieren. Hier liegt die größte Stärke des Romans – und auch die größte Aufgabe für die folgenden Bände: Wenn die Figurenentwicklung weiterhin so konsequent durch die Reihe geführt wird, sind tolle Fortsetzungen zu erwarten. Der Spannungsbogen der Handlung wird durch viele unerwartete Wendungen toll gehalten, endet aber – obacht – in einem wirklich bösen Cliffhanger. Ich hätte mir ein Ende gewünscht, das vielleicht ein zwei Kapitel später oder früher erfolgt wäre.

Die Umsetzung der Geschichte verfügt über einige Mängel. Der Schreibstil der Autorin lässt sich leicht und angenehm lesen. Mir fehlt jedoch etwas der Fluss zwischen den Sätzen, was ich allerdings eher dem Lektorat anlasten möchte, das mich auch sonst nicht überzeugt hat [Anmerkung: Nach Rücksprache mit der Autorin und Sichtung von Auszügen hat zur 3. Auflage, Mai 2015, eine erneute Überarbeitung und Nachbesserung stattgefunden]. Im Gegensatz dazu hat das Korrektorat durchweg ordentlich gearbeitet und nur kleinere Fehler übersehen, die das Lesevergnügen nicht schmälern. Aufgrund des Verzichts auf die Silbentrennung am Zeilenende wirkt nicht nur das Seitenbild uneinheitlich, sondern der Druck wird auch um einige zusätzliche Seiten verlängert. Das Buchcover ist ansprechend, aber im Zusammenhang mit der Geschichte etwas beliebig – hier hätte noch stärker Bezug genommen werden können mit dem Amulett oder Elozar. Allerdings gilt das nur für den Einzelband – in der Gesamtheit aller Reihencover ergibt sich ein tolles Gesamtbild mit Wiedererkennungseffekt. Etwas befremdlich fand ich es auch, vor die Geschichte begeisterte Leserstimmen zu setzen.

Mein Fazit? „Göttliches Vermächtnis – Tochter des Lichts“ ist ein klassischer High-Fantasy-Roman und ein vielversprechender Start von Kathrin Buschmanns Saga. Das Buch überzeugt inhaltlich, bietet jedoch einige handwerkliche Schwächen in der Umsetzung, vor allem im Lektorat und Buchsatz, sodass das Potential der Geschichte nicht vollends ausgeschöpft wird. Ich bin gespannt, inwieweit die kleinen Schwächen in den Folgebänden vielleicht ausgemerzt wurden, da der Reihe nicht viel fehlt, um wirklich tolle phantastische Literatur zu bieten. Für Genreliebhaber bedenkenlos zu empfehlen – ich freue mich schon auf die Folgebände.

[Buchgedanken] Regina Meißner: „Seductio: Von Schatten verführt“

In den letzten Tagen habe ich als vorletztes Buch im fantastischen Lesefrühling „Seductio: Von Schatten verführt“ von Regina Meißner gelesen. Das Buch ist 2015 im Selfpublishing bei BoD erschienen und ist dem Genre Young-Adult Urban/Contemporary Fantasy zuzuordnen. Es ist der Auftakt einer dreibändigen Reihe.

Seit ihrem vierten Lebensjahr befindet sich Ivory auf der Flucht vor den Decessaren. Nur518oeicbspl-_sx312_bo1204203200_ sie ist in der Lage, das Tor zur Welt Embonis zu öffnen, um den dort gefangenen Schatten die Freiheit zu schenken. Da diese sich von menschlichen Seelen ernähren, engagiert Ivorys Tante Grace den Privatermittler Kil, um die Schlüsselträgerin – und die Menschheit –  zu schützen. Seit ihrem ersten Aufeinandertreffen ist Ivory von dem undurchsichtigen Ermittler fasziniert. Doch welche Geheimnisse verbirgt er?

Vorweg: Regina Meißners Roman zeigt einmal mehr, dass sich unter der Vielzahl an Selfpublishing-Titeln auch wahre Schätze verbergen. „Von Schatten verführt“ überzeugt dabei mit einem tollen Grundidee. Durch die eingestreuten Auszüge aus dem „Dunklen Buch“ lernt man während des Lesens auch nach und nach mehr über die Welt Embonis. Gut gelungen sind auch die Charaktere, die sich – vor allem Ivory – im Laufe der Zeit weiterentwickeln. Schade fand ich, dass einer meiner Lieblingscharaktere – Lynn – so sang und klanglos aus der Geschichte verschwand. Vielleicht kehrt sie ja in den Folgebänden zurück – auch wenn ich derzeit keine große Hoffnung darauf hege :).

Der Spannungsbogen wird durch viele unerwartete Wendungen dauerhaft aufrechterhalten, auch wenn das Ende nicht gänzlich überraschend kommt, sondern sich einige Seiten vorher schon ankündigt. Zudem ist das Ende ein brutaler Cliffhanger. Regina Meißners Schreibstil ist leicht und flüssig und lässt sich gut lesen. Positiv hervorheben möchte ich auch die Perspektivenwahl. Durch die Erzählung in der Ich-Perspektive gewinnt die Geschichte aus meiner Sicht ungemein, lässt sie doch einerseits den Leser noch eine tiefere Bindung zur Protagonistin knüpfen, und sorgt andererseits dafür, dass Kil seine mystische und geheimnisvolle Aura dauerhaft beibehält. Ich freue mich daher bereits jetzt auf die weiteren Bücher und bin sehr gespannt darauf, wie es mit Ivory und Kil, mit Embonis und der Welt weitergeht.

Das Cover ist ein wahres Meisterwerk und wurde von der tollen Rica Aitzetmüller (Cover & Books) gestaltet. Zusammen mit den folgenden Reihencovern sorgt es für ein einheitliches Gesamtbild und einen hohen Wiedererkennungswert. Im Gegensatz zum Cover können Lektorat und Korrektorat, sofern durchgeführt, nicht restlos überzeugen. Die vorhandenen Fehler und Logikbrüche mindern den Lesefluss zwar nicht sehr, wären aber bei einer genaueren Kontrolle locker zu vermeiden gewesen und sorgen dafür, dass das Buch das Potential, das die Geschichte bietet, nicht vollständig ausschöpft.

Mein Fazit: „Seductio: Von Schatten verführt“ ist ein vielversprechender Auftakt zu Regina Meißners Urban-Fantasy-Buchreihe. Mit einer spannenden Grundidee und tollen Charakteren legt der Roman den Grundstein für weitere tolle Bücher und macht Lust auf mehr. Trotz kleinerer Schönheitsfehler in der Umsetzung für Fantasy-Liebhaber bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ben Aaronovitch: „Der Böse Ort“

In den letzten Tagen habe ich den vierten Teil der Romanreihe um den Zauberlehrling Peter Grant gelesen: „Der Böse Ort“. Der Urban-Fantasy-Roman von Ben Aaronovitch erschien 2014 bei dtv und wurde ursprünglich unter dem Titel „Broken Homes“ 2013 bei Gollancz, London, veröffentlicht.

Noch immer hält die Jagd nach dem Gesichtslosen die magische Abteilung der Londoner 61be2b4bpx1lPolizei auf Trab. Ein verstorbener Stadtplaner und ein Einbruch in eine alte Villa eines bekannten deutschen Architekten führen Peter Grant zum Skygarden Tower, einer berühmt-berüchtigten Sozialwohnanlage im Süden von London. Doch welche Vision hat der Architekt Erik Stromberg mit dem Bau verfolgt? Weshalb interessiert sich der Gesichtslose so sehr für den Turm? Und was haben eine Baumnymphe und eine russische Nachthexe mit der Sache zu tun? Fragen über Fragen, auf die Peter Grant schnell Antworten finden muss, denn ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.

„Der Böse Ort“ ist – wie auch bereits aus der Kurzbeschreibung ersichtlich – eine direkte Weiterführung der ersten drei Bände, da sie den zentralen Konflikt zwischen dem Folly (die magische Abteilung der Polizei) und dem gesichtslosen Magier behandelt. Ein Spannungsbogen ist vorhanden, und das Buch ist abwechslungsreich und humorvoll wie die Vorgänger. Jedoch fehlt mir im vierten Teil die eigenständige Handlung. Bisher gelang es Ben Aaronovitch immer exzellent, den zentralen Konflikt der gesamten Buchreihe im Hintergrund der einzelnen Fälle (man denke an das „Stille Volk“ aus Band 3) weiterzuentwickeln, während in diesem Teil der Konflikt dominiert und klar im Vordergrund steht. Das wäre an und für sich kein Probblem – wenn dann der durchaus epische Endkampf auch eine Entscheidung gebracht und sich nicht in einen Cliffhanger zu den nächsten Bänden gerettet hätte.

Zudem hat der Autor die Chance vertan, den Cliffhanger aus Band 3 („sprechender Fuchs“) und Abigail als Charakter noch stärker ins Buch zu integrieren. Abgesehen davon ist der Schreibstil von Ben Aaronovitch weiterhin ein wahrer Genuss. Wortwitz und Einfallsreichtum, pointierte Klischees und geniale Szenen wie die Frühlingscour sorgen dafür, dass trotz leichter Schwächen in der Handlung „Der Böse Ort“ erneut zu einem tollen Lesevergnügen wird und mich nach mehr lechzen lässt. Beeindruckend ist auch die Verknüpfung der Themen „Magie“ und „Architektur“, die nicht nur auf eine tolle Recherche schließen lässt, sondern auch die magische Welt des Romanes weiter ausbaut und mit Leben füllt.

Das aufwendig geprägte Cover, der Buchsatz, Lektorat und Korrektorat können auf der ganzen Linie überzeugen. Zudem bieten die Cover der Reihe einen starken Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Der Böse Ort“ ist ein grundsolider Urban-Fantasy-Roman, der die Reihe um Peter Grant nahtlos fortführt. Leichte Schwächen in der Handlung trüben jedoch aufgrund des brillianten und humorvollen Schreibstils des Autors das Lesevergnügen kaum. Für Fans der Reihe, von humoristischer oder Urban-Fantasy bedenkenlos zu empfehlen.