[Buchgedanken] Beate Sauer: „Das Haus in Charlottenburg“

Vor kurzem habe ich auch „Das Haus in Charlottenburg“ von Beate Sauer gelesen. Das Buch ist 2026 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Deutsches Kaiserreich um 1890: Die junge Elise träumt davon, sich als Schneiderin einen Namen zu machen und erreicht es, in einem renommierten Modeatelier angestellt zu werden. Die krassen sozialen Ungerechtigkeiten sind in Berlin unübersehbar. Elise kann sie nicht gutheißen, nimmt sie aber als unabänderlich hin. Bis sie den Architekten Johann kennenlernt, der um genossenschaftliches Bauen kämpft. Die beiden verlieben sich ineinander. Als ein Schicksalsschlag Johann davon abhält, den Wohnungsbau selbst voranzutreiben, werden seine Pläne fortan zu ihren. Sie will eine Heimat für bedürftige Menschen schaffen. Dieses Ziel verfolgt sie trotz ihrer skrupellosen und zu allem entschlossenen Gegnerin, Baronin von Rienäcker, die Elise das Liebste zu nehmen droht – ihre und Johanns kleine Tochter.

„Das Haus in Charlottenburg“ ist nach „Wunder gibt es immer wieder„, dem ersten Band der Fernsehschwestern-Saga, mein zweiter Roman von Beate Sauer, die auch unter den Pseudonymen Felicia Otten, Bea Rauenthal und Paula Bach publiziert. Dabei lässt er sich klar als historischer Roman einordnen, spielt er doch im Gegensatz zu den Fernsehschwestern weiter in der Vergangenheit – und zwar in den 1890er Jahren des Deutschen Kaiserreichs. Erzählt wird er hierbei aus vielen, verschiedenen personalen Perspektiven, die vielleicht etwas zu häufig, teils auch innerhalb der Kapitel wechseln.

Die Handlung ist spannend, abwechslungsreich und wartet auch mit der ein oder anderen überraschenden Wendung auf, lediglich den zwischenzeitlichen Zeitsprung habe ich als etwas zu krass empfunden. Allerdings konnte mich das Ende wieder vollends überzeugen, selbst der Epilog trug noch zur Handlung bei und rundete diese ab. Dabei scheut sich Beate Sauer auch nicht, für das Genre unübliche Tropes wie ein Love Triangle einzubauen, auch wenn es nur angedeutet ist und nicht vollends auflebt.

Das Setting kann ebenfalls auf ganzer Linie glänzen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen – wie bereits angedeutet – ins Deutsche Kaiserreich in die Zeit um 1890, nach Berlin und dessen Umgebung, die von der Industrialisierung und Zentralisierung geprägt und enorm gewachsen sind. Dabei greift Beate Sauer auch heute noch relevante Probleme wie Immobilienspekulation, Mietwucher und Wohnraumknappheit auf und zeigt, dass sich Geschichte durchaus wiederholen kann.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen vor allem Leonora von Rienäcker, Louis und Elise, während Johann teils etwas blass verbleibt und nicht zwingend nachvollziehbar handelt. Beate Sauers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen. Zudem zeugt er von guter Recherche, auch wenn sicherlich zu Gunsten der Lesbarkeit auf das ein oder andere Detail verzichtet wurde.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat sind durchaus einige Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss aber nicht erheblich schmälern, der Buchsatz ist ordentlich. Der Umschlag ist mit Klappen versehen, das Covermotiv setzt sich auf dem Buchrücken fort. Insgesamt sind Cover, Coverrückseite und Buchrücken aber eher einfach gestaltet und farblich kein Eyecatcher, auch fehlt mir beim Covermotiv etwas der Anklang zur Handlung.

Mein Fazit? „Das Haus in Charlottenburg“ ist ein spannender und abwechslungsreicher historischer Roman, der wichtige Themen anspricht und an Aktualität daher kaum zu übertreffen ist. Für Leser:innen des Genres somit bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Beate Sauer: „Wunder gibt es immer wieder“ (Die Fernsehschwestern 1)

Vor kurzem habe ich auch „Wunder gibt es immer wieder“ von Beate Sauer gelesen, den ersten Band der Trilogie „Die Fernsehschwestern“. Der Roman ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

1955: Die junge Eva wünscht sich nichts sehnlicher als Kostümbildnerin zu werden. Da bietet sich ihr wie durch ein Wunder die Chance, mit Gerdago zusammenzuarbeiten, der Frau, die die traumhaften Kleider für Romy Schneider als Sissi entwirft. Gerdago erkennt auf den ersten Blick, dass Eva Talent besitzt. Ihrem konservativen Vater passen diese hochtrabenden Ambitionen überhaupt nicht. Doch Eva ist nicht allein. Denn da ist noch Paul, der ambitionierte Journalist, der Eva den Kopf verdreht. Er glaubt an sie und unterstützt ihren Traum. Können sich die beiden aus der Enge ihrer Zeit befreien?

„Wunder gibt es immer wieder“ ist der Auftakt in eine (bislang) auf drei Bände angelegte Familiensaga um die Frauen der Familie Vordemfelde. Dabei deckt der erste Band – im Wesentlichen – die Jahre 1955 bis 1956 ab, eine ungewöhnlich kurze Zeitspanne für eine Familiensaga. Da es im nächsten Band jedoch mit den – jüngeren – Geschwistern der Protagonistin weitergeht, bleibt zu hoffen, dass man Evas Geschichte auch in den nächsten Bänden über die Jahre mitverfolgen kann.

Die Handlung ist kurzweilig und abwechslungsreich, wenn auch teils vorhersehbar und zwischenzeitlich auch mit kleineren Längen versehen, die aber nie dafür sorgen, dass das Lesevergnügen verloren geht. Beate Sauer mischt in dem Roman die historischen Themen, die Entstehungsgeschichte des Fernsehens in der BRD, mit feministischen Fragen und der gesellschaftspolitischen Lage, die durchaus kritisch betrachtet wird, zu einem interessanten Gesamtkonstrukt. Positiv ist hierbei auch anzumerken, dass das Buch zwar nicht alle Handlungsstränge auflöst, dennoch jedoch nicht in einem Cliffhanger endet und somit auch gut als Standalone gelesen werden kann, gleichsam aber genug Potential für die Folgebände offen lässt.

Das Setting kann ebenfalls überzeugen. So entführt der Roman den Leser nicht nur unter anderem nach München, Köln, Bonn und Wien, sondern auch in tolle Urlaubsregionen – und auch auf den Bundespresseball. Dabei gelingt es der Autorin – trotz kleinerer historischer Ungenauigkeiten, die sie selbst im Nachwort anspricht – die Welt des Fernsehens in den 50er Jahren, den Zauber der ersten Sendungen und Shows für den Leser erlebbar und greifbar zu machen. Insbesondere der Prolog holt hier den Leser direkt ab.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben Eva überzeugen hier vor allem Margit und Jutta – vor allem von Margit hätte ich mir noch mehr gewünscht, vielleicht spielt sie ja auch in den Folgebänden noch eine Rolle. Beate Sauers Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, zeugt von guter Recherche und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchdeckel ist zwar leider nicht hochwertig geprägt, was der Haptik etwas abträglich ist, dafür aber mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelmotiv ist farblich toll gestaltet, allerdings austauschbar und mit wenig Bezug zur Handlung. Zudem wird es irritierenderweise zum Buchrücken hin unterbrochen bzw. dort etwas versetzt neu aufgegriffen.

Mein Fazit? „Wunder gibt es immer wieder“ ist ein toller Auftakt in die Reihe mit wunderbarem Setting, einer interessanten Handlung und viel Potential für die Folgebände. Für Leser des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen.

Von starken Frauen und großen Gefühlen | Doppelte Buchpost

Auch diese beiden Bücher erreichten mich vor kurzem als Rezensionsexemplare – vielen Dank dafür! „Wunder gibt es immer wieder“ von Beate Sauer (Heyne Verlag) kam dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Ein kleines Stück von Afrika – Hoffnung“ von Christina Rey (Lübbe Verlag) über die Bloggerjury von Bastei Lübbe. Ersteres stellt dabei den Auftakt in die Fernsehschwestern-Saga dar und dreht sich um Eva und ihre Träume Mitte der 50er Jahre, während Christina Reys Roman der zweite Band der Afrika-Reihe ist und sich um Ivory und ihren Weg in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg dreht. Zwei starke Frauen, zwei spannende Schicksale. Ich freue mich schon darauf :).

Welche Protagonistin hat Euch zuletzt nachhaltig begeistert?