[Buchgedanken] Frida Jacobsen: „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ (Möwenhof 2)

In der letzten Zeit habe ich auch „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen gelesen. Das Buch ist 2026 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ole Paulsen weiß nicht mehr weiter: Sein Pfahlrestaurant in St. Peter-Ording steht kurz vor dem Aus, und privat läuft ebenfalls alles schief. Als Ole wider Willen bei einer Fernsehkochshow antritt, gerät seine Welt vollends ins Wanken – und sein Herz gleich mit. Während die Kameras laufen und der Herbstwind über den Möwenhof fegt, muss Ole sich fragen, was im Leben und in der Liebe wirklich zählt.

„Herbstleuchten über dem Möwenhof“ ist nach „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ der zweite Band der Möwenhof-Reihe aus der Feder von Frida Jacobsen, einem Pseudonym von Frieda Bergmann, die auch Teil des Autorinnen-Quartetts Hannah Conrad ist. Wie beim ersten Teil lässt sich der Roman klar als klassischer Liebesroman einordnen, auch Kategorisierungen wie Küsten- oder Nordseeroman sind möglich, entfernt erinnert die Serie auch an eine Familiensaga, auch wenn man Ole dann mehr oder weniger in diesem Fall als „adoptiertes“ Familienmitglied sehen müsste. Der Roman lässt sich gut als Standalone lesen, zur Figurenentwicklung empfehle ich vorher aber die Lektüre des ersten Bandes.

Die Handlung ist abwechslungsreich und interessant, genrebedingt natürlich auch vorhersehbar. Sie setzt nahtlos die Geschichte aus Band 1 fort und wird erneut aus den beiden Ich-Perspektiven der Love Interests erzählt – der Wechsel erfolgt kapitelweise und ist durch die Kapitelüberschrift angekündigt. Dabei trifft man liebgewonnene Charaktere wieder – der Möwenhof ist über die beiden Bände fast schon wie ein Zuhause auch für die Leser:innen geworden, sodass auch für weitere Folgebände noch genug Charaktere übrig bleiben würden, die auch noch eine Geschichte verdienen.

Das Setting brilliert erneut. Wieder geht es für die Leser:innen nach Sankt Peter-Ording, aber dieses Mal auch nach Schottland und Hamburg – Ole hat sich einen kosmopolitischen Love Interest verdient. Der Lokalkolorit kommt erneut durch den Dialekt durch – auch wenn er anteilig etwas hinter Band 1 zurücksteht. Wieder werden zudem niederschwellig wichtige Themen eingebaut wie Existenzängste, Scham oder die Verdrängung kleinerer Betriebe durch Ketten (eine Hommage an Band 1), die Feel-Good-Atmosphäre wird aber nie beeinträchtigt, das Happy End gerät nie wirklich in Gefahr.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive – und werden konsequent aus dem Vorgängerband weiterentwickelt. Dabei überzeugt erneut allen voran Nele, aber auch andere wichtige Nebencharaktere wie Levke oder Esther können glänzen – genau wie in diesem Band auch die Protagonist:innen Allegra und Ole, der ja im ersten Band schon einer meiner Favoriten war. Frida Jacobsens Schreibstil lässt sich erneut leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Auch die Buchgestaltung ist wieder ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die sich aber noch im vertretbaren Rahmen halten, der Buchsatz ist solide. Der Umschlag ist auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt, das Covermotiv setzt sich auf Buchrücken und Coverrückseite nahtlos fort und erzeugt so ein tolles Gesamtbild, das sich zudem gut ins Gefüge der Reihe einpasst. Generell ist das Covermotiv auch ansehnlich, auch wenn mir erneut der Bezug zur Handlung fehlt. Abgerundet wird die Geschichte zudem mit einer kurzen Playlist, die unüblich hintangestellt ist.

Mein Fazit? „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ ist eine tolle Fortsetzung, die altbekannte Charaktere weiterentwickelt und in eine erneut tolle Story packt, die wirklich viel Spaß macht. Für Leser:innen des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 13 Jahren.

[Buchgedanken] Frida Jacobsen: „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ (Möwenhof 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen gelesen. Das Buch ist 2025 als Aufbau Taschenbuch in der Aufbau Verlage GmbH & Co. KG veröffentlicht worden und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Für einen Neuanfang zieht Maren mit ihren Kindern zurück an die Nordseeküste, wo ihre Familie auf dem Möwenhof ein gemütliches Bed & Breakfast betreibt. Als sich Maren Hals über Kopf in den Bootsbauer Henning verliebt, könnte ihr Glück perfekt sein. Doch gerade jetzt plant ihr Onkel, das idyllische Kleinod zu verkaufen. Die Frauen vom Möwenhof geben nicht auf und setzen alles daran, ihn umzustimmen. Marens Beziehung zu Henning wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Kann sie auf seine Unterstützung vertrauen und ihr Zuhause retten?

„Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist der erste Band der Möwenhof-Reihe von Frida Jacobsen, einem Pseudonym von Frieda Bergmann, die zudem Teil des Autorinnen-Quartetts ist, das unter dem Namen Hannah Conrad veröffentlicht. Da alle Bücher sich um die Liebe drehen, ähnliche Genres bedienen, ist es hier das Setting, das die einzelnen Pseudonyme voneinander abgrenzt – in diesem Fall das Küstenflair der Nordsee, sodass das Buch von Frida selbst gern auch als Küstenroman bezeichnet wird. Der Vollständigkeit halber kategorisiere ich es dennoch mal als klassischen (Feel-Good) Liebesroman ein.

Die Handlung ist abwechslungsreich und interessant, genrebedingt aber teils durchaus vorhersehbar. Insbesondere die Liebesgeschichte zwischen Maren und Henning lässt hier nie Zweifel an dem erwartbaren Happy End aufkommen, der große Konflikt zwischen beiden entpuppt sich eher als Stolpersteinchen, sodass die Feel-Good-Atmosphäre nie gestört wird. Lediglich in der Rahmenhandlung, die die Lovestory wunderschön abrundet, kommt hier größere Spannung auf. Erzählt wird die Geschichte aus zwei Ich-Perspektiven, die in der Regel kapitelweise wechseln und dankenswerterweise mit dem jeweils handelnden Akteur überschrieben sind. Lediglich ein Wechsel fand innerhalb des Kapitels statt – mangels Überschrift irritierte dieser doch etwas.

Das Setting brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin ihre Leser:innen an die Nordseeküste nach Sankt Peter-Ording – und hier vor allem auf den Möwenhof, eine idyllisch-pittoreske und in der Zeit stehengebliebene Bed & Breakfast-Pension voller Charme und Wärme. Insgesamt ist die verschlafene Nordseegesellschaft traumhaft und bietet neben dem Dialekt tolles Lokalkolorit – und einen fast märchenhaften Kampf Gut gegen Böse – strahlender Ritter inklusive. Dabei werden durchaus gesellschaftlich relevante Themen wie die Verdrängung kleiner Höfe durch große Gesellschaften, familiäre Vernachlässigung und – generell – fast jede denkbare Familienkonstellation eingebaut – ohne dass es jedoch aufgesetzt und gewollt wirkt.

Auch die einzelnen Charaktere können größtenteils glänzen, sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Nele, Abena, Noah und Ole – ich freue mich über Band 2 mit ihm. Henning und Maren handeln zwar nicht immer nachvollziehbar, aber sieht man von der Überdramatisierung des Konflikts ab, machen sie ebenfalls viel Spaß. Frida Jacobsens Schreibstil lässt sich zudem leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen – man träumt sich direkt selbst an die Nordsee.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist ordentlich. Das Covermotiv wird toll auf Buchrücken und Coverrückseite fortgesetzt, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, das sich zudem gut in die Reihe einfügt. Der Umschlag ist ferner auf Cover, Coverrückseite und Buchrücken leicht geprägt. Generell ist das Covermotiv sehr ansehnlich und genretypisch, auch wenn mir etwas der Bezug zur Handlung fehlt.

Mein Fazit? „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ ist ein toller Start in die Reihe mit wundervollem Setting und spannenden Figuren, die Lust auf den zweiten Band machen. Minimale Schwächen fallen dabei kaum ins Gewicht. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 13 Jahren.

Eine Reise ans Meer | Doppelte Buchpost

Heute habe ich noch einmal zwei Neuzugänge für Euch, die mich vor kurzem über Lovelybooks.de erreicht haben. „Und am Ende das Meer“ von Thorsten Dörp (PMLakeman Verlag) kam dabei als Gewinn einer Buchverlosung zu mir, „Herbstleuchten über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen (atb, Aufbau Verlage) als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde – vielen Dank dafür jeweils. Beide Bücher verbindet dabei das Meer als Sehnsuchtsort, als Ort der Heilung und Gelassenheit. Ich bin daher auf beide Geschichten schon sehr gespannt!

Wann seid Ihr zuletzt am Meer gewesen?

[LBM2025] Tag 3 – Ein unglaublich voller Tag

Mit etwas Verspätung möchte ich Euch heute noch von dem dritten Tag der Leipziger Buchmesse berichten – ein unglaublich voller Tag, sowohl was mein Programm als auch was die Messehallen betraf. Und so verbrachte ich den Tag mit: Theresa Hannig, Freya Petersen, Kai-Holger Brassel, Tascha (worteimlicht), Christoph Kramer, Mona Ameziane, Kati Naumann, Sarah Sprinz, Franzi Kopka, Nina MacKay, Bianca Wege, Elya Adair, Kristin MacIver, Nina Bilinszki, Frieda Bergmann, Persephone Haasis und Heike Abidi.

Mein Tag begann dabei mit einer Veranstaltung im Bloggerroom. Mit Tascha von worteimlicht sprachen die drei am Vortag prämierten diesjährigen Seraph-Preisträger Kai-Holger Brassel (bester Indietitel), Freya Petersen (bestes Debüt) und Theresa Hannig (bestes Buch), die für „Parts Per Million“ bereits ihren dritten Seraph gewann, und stellten ihre Bücher vor. Nachdem ich im letzten Jahr ja noch als Juror für den Preis tätig war, fieberte ich in diesem Jahr als Leser mit – gleichsam spannend, aber weniger arbeitsreich. Dennoch würde ich jederzeit wieder als Juror einspringen – wer weiß, vielleicht klappt es ja in den nächsten Jahren noch einmal.

Von den Seraph-Preisträgern zog es mich zu einer weiteren Preisverleihung. Bei der Verleihung des Delia-Literaturpreises traf ich kurz auf Heike Abidi, Persephone Haasis und Frieda Bergmann – Glückwünsche gehen an dieser Stelle an Mo Enders und Charlotte Inden zu den Preisen. Danach besuchte ich eine Lesung und Buchpräsentation von Kati Naumann zu „Fernwehland“, ein Buch, das ich erst vor kurzem gelesen habe. Für den MDR sprach sie über das Buch und die dazugehörige Recherche. Im Anschluss ließ ich mir von ihr den Roman signieren, genauso wie „Die Sehnsucht nach Licht“ – das mich ebenso wie „Fernwehland“ begeisterte.

Danach ging das Bühnenprogramm für mich weiter. Während ich mich auf dem Weg zur Literaturbühne noch durch die Masse kämpfte, die Hape Kerkeling umgab (der soeben von der Bühne verschwand), war dort weiterhin eine unglaubliche Menschentraube, denn nach Hape nahm Fußball-Weltmeister Christoph Kramer auf der Bühne Platz, der im Gespräch mit Mona Ameziane sein Coming-of-Age Debüt „Das Leben fing im Sommer an“ präsentierte. Ein unglaublich tolles Gespräch – und bestimmt ein unglaublich toller Roman!

Mein Nachmittag startete mit einem absoluten Highlight: der Signierstunde der deutschen Bestsellerautorin Sarah Sprinz, die ich schon mehrfach auf den Messen treffen durfte. Dabei war das in diesem Jahr meine einzige Signierstunde beim LYX Verlag, da Lena Kiefer, für die ich ebenfalls ein Ticket hatte, leider krankheitsbedingt absagen musste – und ich für Mona Kasten kein Ticket mehr bekam. Monas Signierstunden sind in etwa so gefragt wie Taylor Swift Konzerte – spätestens nach der erfolgreichen Serienverfilmung ihrer Buchreihe „Maxton Hall“ sind die Karten meist bereits nach Sekundenbruchteilen weg.

Abgerundet wurde mein Programm durch ein großes Meet & Greet mit vielen Autor:innen. Hier traf ich – immer wieder toll – Franzi Kopka, Nina MacKay und Kristin MacIver, lernte Bianca Wege und Elya Adair neu kennen und schwelgte mit Nina Bilinszki in Erinnerungen an den Write! Love! Sports!-Wettbewerb 2018. Jedes Mal ein unglaublich tolles Event – ich freue mich schon auf die nächste Auflage, gern dann auch wieder mit Cari Brinkmann, die ich schmerzlich vermisst habe :D.

Den folgenden Sonntag ließ ich danach ruhig angehen – doch dazu in Kürze mehr. Welchen Autor, welche Autorin würdet Ihr gern einmal treffen?

Neuzugänge im Doppelpack | Buchpost

Heute habe ich wieder einmal zwei tolle Neuzugänge für Euch, die mich in den letzten Tagen erreichten. „Hinters Licht“ von Asa Avdic (Arche Verlag in der Atrium Verlag AG) erreichte mich dabei als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de, „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ von Frida Jacobsen (Aufbau Taschenbuch, Aufbau Verlage GmbH & Co. KG) als Leseexemplar direkt von der Autorin mit einem wundervollen Beutel – vielen Dank jeweils dafür. „Hinters Licht“, ein von Stefanie Werner aus dem Schwedischen übersetzter Roman, spielt hierbei im Grenzbereich zwischen Wissenschaft und Spiritualität und versucht, die gegensätzlichen Pole zu verbinden, während „Sommerhimmel über dem Möwenhof“ der erste Roman von Frieda Bergmann unter dem neuen Pseudonym bei den Aufbau Verlagen ist und die Leser:innen nach Sankt Peter-Ording entführt. Ich bin auf beide Romane gleichermaßen gespannt und freue mich schon auf die gedanklichen Lesereisen.

Wohin würdet Ihr gern – gedanklich oder in echt – reisen?

[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Eine Dame mit Geheimnissen“ (Das Lilienpalais 4)

Vor kurzem habe ich auch „Eine Dame mit Geheimnissen“ von Hannah Conrad gelesen, dem Pseudonym des Autorenquartetts Monika Pfundmeier, Frieda Bergmann, Persephone Haasis und Laila El Omari. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

München, 1827. Seit sieben Jahren arbeitet Nanette als Gouvernante bei den von Seybachs, seit sieben Jahren hütet sie ein düsteres Geheimnis. Als nach und nach ihre Schützlinge Johanna, Maximilian und Isabella – dank ihrer Hilfe – Glück und Liebe finden, sucht Nanette einen neuen Sinn in ihrem Leben. Heimlich beteiligt sie sich an der Veröffentlichung pikanter Fortsetzungsromane des Autors Anonymus, die für viel Empörung bei der biederen Münchner Gesellschaft sorgen und zugleich von einer wachsenden Leserschaft verschlungen werden. Nur der Zeitungsverleger Ferdinand von Rückl macht ihr das Leben schwer. Ständig fordert er sie heraus, die Diskussionen mit ihm sind hitzig. Gleichzeitig übt das Feuer, das Nanette in ihm lodern sieht, eine enorme Anziehungskraft auf sie aus. Ein prickelndes Spiel beginnt …

„Eine Dame mit Geheimnissen“ ist nach „Eine fast perfekt Debütantin“, „Ein Graf auf Abwegen“ und „Wirbel um die Komtess“ der abschließende Band der Reihe um das Lilienpalais und erneut als historische Familiensaga einzuordnen – auch wenn die Protagonistin offiziell kein Mitglied der Familie ist, ist sie doch unumstößlich mit den von Seybachs verbunden. Hierbei irritiert jedoch, dass das Buch nicht zeitlich nach den anderen Bänden spielt, sondern parallel zu den Vorgängern. Da deren Geschehen somit hier auch am Rande erwähnt wird, kann „Eine Dame mit Geheimnissen“ als Standalone gelesen werden, empfehlen würde ich es aber nicht.

Die Handlung ist abwechslungsreich und wartet immer mal wieder mit unerwarteten Wendungen auf – leider sind Kernpunkte allerdings auch etwas vorhersehbar und Teile des Endes nicht zwingend logisch. Aufgrund des für die Reihe unüblich großen Zeitraums, den das Buch abdeckt, ist zudem die Handlung nicht so dicht wie in den Vorgängerbänden. Dennoch gelingt es Hannah Conrad natürlich wieder, den Leser zu fesseln, schließlich haben sich die Geheimnisse um Nanette ja bereits in den ersten Bänden aufgebaut, sodass man voller Erwartung den Auflösungen entgegengefiebert hat.

Das Setting ist naturgemäß brillant und aus den Vorgängerbänden bekannt. Mal wieder entführen die Autorinnen den Leser ins München des 19. Jahrhunderts, in eine pulsierende, sich gerade entwickelnde Stadt voller Bälle, Kultur und hoher Politik. Dabei mischt sich die Geschichte um Adel und Standesunterschiede dieses Mal ähnlich wie im Vorgängerband mit dem Thema Frauen in der Kunst – dieses Mal allerdings mit dem Schwerpunkt auf Literatur.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Da dieser Roman die Dauer aller anderen Romane abdeckt, ist das Charakterportfolio relativ groß – viele treten nur ganz am Rande auf. Positiv überrascht bin ich hier von Gustl, einer tollen Nebenrolle, die für Charme und Witz sorgt. Der Schreibstil von Hannah Conrad ist dabei leicht und flüssig zu lesen, zwar nur teils authentisch – aber das wird ja auch im Nachwort erneut angesprochen.

Die Buchgestaltung vermag natürlich erneut zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – unter anderem mit einer tollen Karte von München. Das Cover ist schön anzusehen und fügt sich gut in die Reihe mit tollem Wiedererkennungswert ein – allerdings fehlt erneut etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Eine Dame mit Geheimissen“ ist der gelungene Abschluss der „Lilienpalais“-Reihe, der vor allem durch sein Setting und die Charaktere überzeugt, aber auch kleinere Schwächen hat und somit nicht ganz an die Brillanz der anderen Bände heranreicht. Für Leser des Genres und Liebhaber der Reihe bedenkenlos zu empfehlen.

Von großen Geheimnissen und stolpernden Herzen | Doppelte Buchpost

Vor kurzem erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare – vielen Dank dafür! „Eine Dame mit Geheimnissen“, der vierte Band der Reihe „Das Lilienpalais“ von Hannah Conrad (Monika Pfundmeier, Frieda Bergmann, Persephone Haasis und Laila El Omari) aus dem Heyne Verlag, kam dabei im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de zu mir, „Hör auf dein Herz, auch wenn es stolpert“ von Heike Abidi (Lübbe Verlag in der Bastei Lübbe AG) über ein Rezensionsangebot auf Instagram. Große Gefühle, große Geheimnisse – großes Lesevergnügen? Ich bin zuversichtlich :).

Welches Buch fandet ihr zuletzt „ganz groß“?

[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Wirbel um die Komtess“ (Das Lilienpalais 3)

Vor kurzem habe ich „Wirbel um die Komtess“ von Hannah Conrad, einem Pseudonym hinter dem sich die Autorinnen Frieda Bergmann, Persephone Haasis, Monika Pfundmeier und Laila El Omari verbergen, gelesen. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Augenscheinlich ist Isabella von Seybach bereit für die kommende Ballsaison. Bereit für atemberaubende Kleider, rauschende Feste und die Suche nach einem Ehemann. Insgeheim schmiedet sie aber ganz andere Pläne: Sie will ihre Leidenschaft für das Theater ausleben! Als Rudolf Heiland, Hofschauspieler und der wohl begehrenswerteste Mann Münchens, Isabella seine verruchte und aufregende Welt zeigt, kann sie nicht widerstehen. Ihr engster Vertrauter Leopold von Löwenstein plant inzwischen seine eigene Zukunft – ohne Isabella. Das weckt Gefühle in ihr, die sie lange vor sich selbst versteckt hat. Isabella muss sich entscheiden. Für was – und vor allem für wen – schlägt ihr Herz wirklich?

„Wirbel um die Komtess“ ist nach „Eine fast perfekte Debütantin“ und „Ein Graf auf Abwegen“ der dritte Band der lose zusammenhängenden Lilienpalais-Reihe des Autorenquartetts. Wie schon beim Vorgänger könnte man das Buch natürlich auch wieder als historischen Roman oder als Historical Romance einordnen – aufgrund der familiären Zusammenhänge zwischen den Bänden habe ich es jedoch bei der Eingruppierung als (historische) Familiensaga belassen, auch wenn diese üblicherweise mehrere Generationen abdeckt, hier jedoch einzelne Protagonisten innerhalb der gleichen Generation verwendet.

Die Handlung ist abwechslungsreich und spannend und wartet teils mit unerwarteten Wendungen auf. Hannah Conrad serviert in diesem Band ein Potpourri aus klassischen Familiendramen, historischem Feminismus und queeren Ansätzen – und fast sogar einem Liebesquartett (Love Triangles sind wohl veraltet). Dabei kann der Roman als Standalone gelesen werden, zur besseren Würdigung aller Querverweise würde ich aber auch die Lektüre der ersten Bände empfehlen, da das Buch dann einfach noch besser wirkt – ich selbst bin ja leider erst mit dem zweiten Band eingestiegen.

Das Setting brilliert natürlich auf ganzer Linie – und lebt von den Gegensätzen. Während im letzten Band das klassische Downton-Abbey-Setting mit den gegensätzliche Welten der Herrschaft und Dienerschaft präsentiert wurde, wird hier die High Society mit Debütantenbällen der schillernden, eskapistischen Theaterwelt gegenübergestellt – und es ist somit erneut eine wahnsinnig aufregende, opulente Reise ins München des 19. Jahrhundert; eine Reise, die ich gern erneut antreten würde.

Die einzelnen Protagonisten sind vielschichtig angelegt, haben eigene Ziele und Motive – sind teils aber zu perfekt geraten, mit zu wenig Schwächen, so dass man als Leser nicht nur bei Isabella, die mich in Band zwei bereits begeisterte, sondern auch vor allem bei Julie von Hegenberg als wichtige Nebenfigur ins Schwärmen gerät. Der Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anspringen, die weniger strenge historische Authentizität stört hierbei nicht wirklich.

Die Buchgestaltung überzeugt erneut völlig. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und wartet mit kleinen Verzierungen zu Kapitelbeginn auf. Der Buchdeckel ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich, wenn auch etwas nichtssagend und austauschbar – insgesamt sorgt die Gestaltung jedoch für einen gewissen Wiedererkennungswert und passt sich gutin das Gesamtbild der Reihe ein.

Mein Fazit? „Wirbel um die Komtess“ ist eine gelungene Fortsetzung der Reihe „Das Lilienpalais“, die vor allem mit einem tollen, teils eskapistischen Setting, einer abwechslungsreichen Handlung und einer tollen Protagonistin punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

Von der Arbeitswelt zur historischen High Society | Doppelte Buchpost

Bevor es in Kürze mit den Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch heute noch schnell zwei Bücher zeigen, die mich vor kurzem über Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür. „Wofür wir arbeiten“ von Barbara Prainsack (Brandstätter Verlag) kam dabei als Gewinn einer Buchverlosung zu mir, „Wirbel um die Komtess“ von Hannah Conrad (Heyne Verlag) als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde. Letzteres ist dabei der dritte Band der Reihe „Das Lilienpalais“, hinter dem sich das Autorenquartett Frieda Bergmann, Monika Pfundmeier, Persephone Haasis und Laila El Omari verbirgt – und stellt eine historische Familiensaga dar. Barbara Prainsacks Buch hingegen entstammt der Reihe „Auf dem Punkt“ und diskutiert moderne Ansätze für eine gerechte und sinnstiftende Arbeitswelt für alle – was für ein schöner Gedanke.

Greift Ihr gelegentlich auch zu Sachbüchern zwischendurch?

[Buchgedanken] Hannah Conrad: „Ein Graf auf Abwegen“ (Das Lilienpalais 2)

Vor kurzem habe ich auch „Ein Graf auf Abwegen“, den zweiten Band der Reihe „Das Lilienpalais“ von Hannah Conrad gelesen – einem Pseudonym, hinter der sich das Autorinnenquartett Frieda Bergmann, Persephone Haasis, Monika Pfundmeier und Laila El Omari verbirgt. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historische Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Maximilian von Seybach ist Arzt aus Leidenschaft. Sein größter Wunsch ist es, besonders den Ärmsten der Gesellschaft zu helfen. Das passt ganz und gar nicht zu den ehrgeizigen Plänen seiner Familie. Als er erfährt, dass seine Großmutter bereits eine Ehe mit der wohlhabenden Sophie de Neuville arrangiert hat, ist er außer sich vor Wut. Heimlich hat Maximilian schon lange ein Auge auf die schöne und kluge Louisa geworfen. Das Problem: Louisa ist Dienstmädchen im Hause von Seybach. Er will nicht riskieren, dass sie ihre Stellung verliert, aber gegen seine Gefühle ist er machtlos. Unaufhaltsam kommen sie sich immer näher. Doch für ihre Liebe gibt es keinen Platz in der Gesellschaft. Und Maximilians Heirat mit Sophie steht kurz bevor …

„Ein Graf auf Abwegen“ ist der zweite Band der historischen Familiensaga um die Familie von Seybach. Da sich jeder Band um ein anderes Paar dreht, ist der Band als Standalone lesbar, ich würde es aber nicht empfehlen. So fehlten mir als Einsteiger mit Band 2 doch etwas die Vorgeschichte und die Erlebnisse aus Band 1, die einige der Personen in diesem Buch ja nachhaltig geprägt haben. Apropos andere Pärchen: Da sich jedes Buch um ein anderes Liebespaar dreht, hätte man hier auch das Genre Historical Romance oder historischer Liebesroman annehmen können – aufgrund der familiären Bande untereinander habe ich es aber bei einer Familiensaga belassen, auch wenn diese sich üblicherweise über mehrere Generationen erstreckt und nicht wie hier – zumindest in den ersten drei Bänden – lediglich eine Generation abdeckt.

Die Handlung ist abwechslungsreich, kurzweilig und stellt sich mit dem Wechsel zwischen „Oben“ und „Unten“ als Mischung aus Downton Abbey und Aschenputtel dar. Dabei gelingt es der Autorin (oder müsste ich „den Autorinnen“) sagen, die Probleme und Geschichten gut miteinander zu verflechten, die Handlungsstränge gut zusammenzuführen – lediglich der Plot-Twist am Ende mutet hier dann doch etwas konstruiert und unglaubhaft an – ein nur minimaler Wermutstropfen in dem sonst absoluten Pageturner.

Das Setting ist – wie sollte es anders sein – brillant. München um 1830, eine Geschichte zwischen Prachtvillen, dem Königshof und den Armenvierteln. Hannah Conrad entführt den Leser in eine Zeit des Umbruchs, die trotzdem an alten gesellschaftlichen Konventionen, die wir alle so lieben, festhält. Hierbei werden die krassen Unterschiede zwischen den Ständen unter einem Dach deutlich – und die nicht sehr gleichberechtigte Gesetzeslage, wenn man nur mal an Annas Lage denkt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brilliert Sophie als absoluter Megastar des Buches, während mich auch Isabella, Johanna (deren Geschichte aus Band 1 mir leider fehlt), Leopold und Alexander überzeugten. Max hingegen bleibt etwas blass – hier hätte noch mehr kommen können – und Nanette schlichtweg nicht einschätzbar, ihre Geheimnisse möchte ich unbedingt aufgedeckt wissen. Der Schreibstil, in dem das Buch verfasst wurde, ist darüber hinaus leicht und flüssig lesbar und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls größtenteils gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz überzeugt und wartet mit kleinen Verzierungen zu Kapitelbeginn auf. Der Buchdeckel ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Lediglich das Titelbild und die harten Brüche zwischen Cover, Buchrücken und Coverrückseite (die allerdings toll gestaltet ist), vermögen hier nicht zu überzeugen. So hätte ich mir beim Cover etwas mehr Liebe zum Detail gewünscht – wenn schon die Kleidung (durchaus gut) dem Ball der guten Seelen nachempfunden worden ist, hätte hier etwas mehr Sorgfalt in das Kleid gelegt werden können, das zwar farblich passt, aber dann doch leicht anders beschrieben wird. Abgesehen davon wird die Geschichte von einer Dramatis Personae und einem historischen Abriss umrahmt und abgerundet.

Mein Fazit? „Ein Graf auf Abwegen“ ist ein toller Roman aus der Reihe „Das Lilienpalais“, der vor allem mit seinem Setting und einer wundervollen Handlung punkten kann. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.