[Buchgedanken] Ralf H. Dorweiler: „Der Herzschlag der Toten“ (Rieker/Ahrens 1)

Zu den Feiertagen habe ich vor meinem Urlaub noch eine Buchbesprechung für Euch. Denn vor kurzem habe ich auch „Der Herzschlag der Toten“ von Ralf H. Dorweiler gelesen. Das Buch ist 2024 im Wilhelm Goldmann Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als historischer Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Hamburg 1887. In einem Kontor wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt, die mit zahllosen Messerstichen getötet wurde. Der Fall wird zur Bewährungsprobe für den frisch zum Criminalcommissar beförderten Hermann Rieker. Bei seinen Ermittlungen trifft er auf Johanna Ahrens, Tochter eines Richters, die heimlich arme Frauen im Gängeviertel unterrichtet. Da Johanna in der Toten eine ihrer Schülerinnen erkennt, stellt sie auf eigene Faust Nachforschungen an. Dabei lernt sie einen Totenfotografen kennen, dessen Anatomiekenntnisse eine entscheidende Wendung für den Fall bringen. Doch als ein weiterer Mord die Hafenstadt erschüttert, wird klar: Der Täter kann jeden Moment erneut zuschlagen …

„Der Herzschlag der Toten“ ist der erste Band der Krimireihe um Criminalcommissar (Schreibweise dem Buch entnommen) Rieker und Johanna Ahrens, Tochter eines Richters und Teil der Hamburger High Society. Dabei ist der Roman als historischer Kriminalroman einzuordnen, beschränkt sich hierbei aber nicht rein auf die Krimihandlung, sondern zeigt durchaus gesellschaftskritische und emanzipatorische Züge vor dem Hintergrund des damaligen Ständesystems und Rollenverständnisses.

Die Handlung generell ist jedoch sehr spannend und wartet durchaus mit unerwarteten Wendungen auf, auch wenn unüblich früh ein Täter präsentiert wird. Ein weiterer, kleiner Wermutstropfen ist der doppelte Cliffhanger am Ende – das hätte der Roman hier nicht (vor allem in dieser Vehemenz nicht) benötigt, ein Cliffhanger wäre schon mehr als genug gewesen. Abgesehen davon entwickelt sich das Buch jedoch, gerade in der zweiten Hälfte, zum wahren Pageturner, der einen nicht mehr loslässt.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie und lässt auf eine solide Recherche schließen. So entführt der Autor die Leser:innen ins Hamburg des endenden 19. Jahrhunderts, ins deutsche Kaiserreich zu Bismarcks Zeiten. Dabei gelingt es Ralf H. Dorweiler, die krassen Unterschiede zwischen Arm und Reich, Standesdünkel und damalige Gesellschaftsmodelle deutlich zu machen und zu kritisieren, ohne den Fluss der Handlung versiegen zu lassen. Insbesondere der Spagat zwischen einer selbstbestimmten Johanna und ihrem engen gesellschaftlichen Korsett ist hier gut aufgelöst.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Johanna ist hierbei die spannendste Figur, wenn sie auch nicht immer überzeugend handelt, während Rieker und vor allem Anita durchaus in ihrer Komplexität brillieren können. Ralf H. Dorweilers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, legt aber – trotz gelegentlich dialektischer Anwandlungen – sicher einen stärkeren Fokus auf die Lesbarkeit als auf in allen (sprachlichen) Punkten historische Authentizität.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist einfach, aber ordentlich. Das Covermotiv setzt sich gut über Buchrücken und Coverrückseite fort, sodass ein einheitliches Gesamtbild entsteht, insgesamt ist der Umschlag aber etwas zu düster und eintönig, um wirklich ein Eyecatcher zu sein. Auch ist das Covermotiv etwas beliebig und daher austauschbar, hier fehlt mir eindeutig der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Der Herzschlag ist der Toten“ ist ein überzeugender Start in die Reihe, der vor allem mit starken Figuren und einem brillanten Setting glänzen kann, dessen hochspannende Handlung auch nur kleinere Schönheitsfehler besitzt. Für Leser:innen des Genres daher bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Ausflüge in die Vergangenheit | historische Buchpost

Heute möchte ich Euch zwei Neuzugänge vorstellen, die mich beide als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür! Sowohl „Der Herzschlag der Toten“ von Ralf H. Dorweiler (Wilhelm Goldmann Verlag) als auch „Lass uns tanzen, Fräulein Lena“ von Hanna Aden (Penguin Verlag) nehmen die Leser:innen dabei mit auf Ausflüge in die Vergangenheit – jeweils nach Norddeutschland. Denn Hanna Adens historische Familiensaga entführt die Leser:innen ins Nordfriesland der Nachkriegszeit, während es die Leser:innen in Ralf H. Dorweilers historischem Kriminalroman ins Hamburg zur Kaiserzeit verschlägt. Ich bin schon ganz gespannt auf die Reisen und freue mich schon darauf, mit den Geschichten auch mehr über die Historie zu lernen.

In welche Epoche würdet Ihr gern einmal (wieder) literarisch reisen?

Lovelybooks Community Awards 2023 | Voting-Sheet

Bevor es in den nächsten Tagen mit Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch heute erst einmal meine diesjährigen Stimmen für den Lovelybooks Community Award 2023 zeigen: mit Maja Lunde, Lucinda Riley, Harry Whittaker, Mona Kasten, Stella Tack, Bianca Iosivoni, Daniel Kehlmann, Yasmin Shakarami, Anne Lück, Jennifer Benkau, Chris Chatterton, Rhiannon Fielding, Christine Figgener, Ayla Dade, Hannah Schepmann, Rabia Dogan und Sarah Sprinz.

Da es mittlerweile nur noch eine Stimme pro Kategorie gibt, ist es unglaublich schwer gewesen, auch nur annähernd alle Autor:innen und Bücher zu berücksichtigen, die ich prämierenswert finde – ich habe daher eine bunte Mischung aus gelesenen Büchern, aus Wunschlisten- oder SuB-Werken gebildet und darauf geachtet, niemanden mehr als einmal zu bedenken. Doch nun zu den Stimmen im Einzelnen:

  • Literatur – Maja Lunde: „Der Traum von einem Baum“ (btb)
  • Unterhaltung – Lucinda Riley/Harry Whittaker: „Atlas – Die Geschichte von Pa Salt“ (Goldmann)
  • Liebesroman – Mona Kasten: „Fragile Heart“ (Lyx)
  • Fantasy/Sci-Fi – Stella Tack: „Black Bird Academy – Töte die Dunkelheit“ (Penhaligon)
  • Krimi/Thriller – Bianca Iosivoni: „Sorry. Ich habe es nur für dich getan“ (Penguin)
  • Historischer Roman – Daniel Kehlmann: „Lichtspiel“ (Rowohlt)
  • Jugendbuch Belletristik – Yasmin Shakarami: „Tokioregen“ (cbj)
  • Jugendbuch Fantasy – Anne Lück: „Silver & Poison: Das Elixier der Lügen“ (Ravensburger)
  • Kinderbuch – Jennifer Benkau: „Die Seelenpferde von Ventusia: Wüstentochter“ (Ravensburger)
  • Bilderbuch – Rhiannon Fielding/Chris Chatterton: „Nur noch zehn Minuten bis Weihnachten, kleines Einhorn“ (Magellan)
  • Sachbuch/Ratgeber – Christine Figgener: „Meine Reise mit den Meeresschildkröten“ (Malik)
  • Hörbuch – Ayla Dade/Hannah Schepmann: „Blackwell Palace. Risking it all“ (Penguin)
  • Buchtitel – Rabia Dogan: „Staying was the hardest part“ (Carlsen)
  • Buchcover – Sarah Sprinz: „Infinity Falling – Mess Me Up“ (Lyx)

Welches der Bücher habt Ihr schon gelesen? Was hat sich auf Eurem Votingsheet wiedergefunden?

[Buchgedanken] Maja Schendel: „The Sky Above Us“

Vor kurzem habe ich auch „The Sky Above Us“ von Maja Schendel gelesen. Das Buch ist 2023 im Wilhelm Goldmann Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als New Adult Romance einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Für Sky ist es die Chance ihres Lebens: Der angesagte Freeclimber Eric Knox will, dass sie den Filmdreh leitet, wenn er die gefährlichste Felswand im Yosemite Nationalpark erklettert. Fast 1000 Meter. Ohne Sicherung! Absolut verrückt, findet Sky. Doch mit dieser Doku könnte sie sich an der legendären Filmschule in L.A. bewerben. Sky sagt zu, obwohl allein der Gedanke an die Dreharbeiten schreckliche Erinnerungen in ihr wachruft. Im Yosemite angekommen, ist Sky überwältigt von der atemberaubenden Natur – und von Eric. Mit jedem Drehtag kommen sich die beiden näher, und bald muss sich Sky fragen: Kann sie Regie führen, wenn Eric zwischen Leben und Tod schwebt?

„The Sky Above Us“ ist der Debütroman von Maja Schendel – und als solcher ein wirklich gelungener Start für die Autorin. Dabei wird der Roman als New Adult Romance beworben, auch wenn hierbei genreuntypisch die erotischen Szenen doch eher zurückhaltend behandelt werden, teils sogar ausgeblendet wird. Dennoch habe ich es, auch aufgrund des Alters der Protagonisten, bei der Genreeinteilung belassen, da es für andere Möglichkeiten weniger belastbare Anhaltspunkte gibt.

Die Handlung ist spannend und kurzweilig, wenn auch genrebedingt durchaus teilweise vorhersehbar. Dabei mischt die Autorin die Liebesgeschichte gut mit wichtigen und teils düsteren Themen wie Trauer, Traumata, Zwangsstörungen und Überfürsorglichkeit zu einem tollen Gesamtpaket, bei dem trotz der schweren Themen nie der Fokus von der Liebesgeschichte weggeht. Einziger kleiner Wermutstropfen ist hier das Ende, das durchaus etwas runder und realistischer gestaltet hätte werden können.

Das Setting ist brillant. So entführt die Autorin den Leser in den Yosemite Park, in die Wildnis zwischen bildschönen Wasserfällen und rauen Felsformationen; in die Welt des Sportkletterns und Extremsports. Dabei kann der Roman nicht nur aufgrund der wunderschönen Naturbeschreibungen glänzen, sondern auch aufgrund der Einblicke in den Klettersport und die Filmproduktion, die durchaus authentisch anmuten und auf eine solide Recherche schließen lassen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei kann durchaus der ganze Cast überzeugen – fast alle Figuren wachsen dem Leser ans Herz und sind spannende und interessante Charaktere. Mich haben hier neben Sky vor allem Cat, Antonio und Emma begeistert – und auch Lupin habe ich als kleinen Leserliebling ins Herz geschlossen. Maja Schendels Schreibstil ist dabei leicht und flüssig zu lesen, sehr gefühlvoll und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Cover und Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist ein wahrer Eyecatcher, farblich ein Traum und mit goldenen Applikationen versehen, und zieht sich nahtlos über Buchrücken und Coverrückseite, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht – wirklich wunderschön.

Mein Fazit? „The Sky Above Us“ ist ein wundervolles Debüt, ein toller New-Adult-Roman, der vor allem mit starken Charakteren und einem brillanten Setting punkten kann. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 15 Jahren.

Liebe durch alle Zeiten | Doppelte Buchpost

Bevor es dann in Kürze mit Rezensionen weitergeht, möchte ich Euch auch heute noch einmal zwei Neuzugänge zeigen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht haben – vielen Dank dafür! „The Sky Above Us“ (Wilhelm Goldmann Verlag) ist der Debütroman von Maja Schendel, „Die Liebe des Pilgers“ von Petra Schier der abschließende Band ihrer Pilger-Trilogie bei HarperCollins Deutschland. Und obwohl sich beide Romane um die Liebe drehen, könnten sie unterschiedlicher kaum sein, handelt es sich doch um einen New-Adult-Liebesroman mit Setting im Yosemite Nationalpark und um einen historischen Roman, der den Leser ins Deutschland des 14. Jahrhunderts entführt. Liebe war halt schon immer ein wichtiges Motiv – und wird es hoffentlich immer bleiben!

Welcher Liebesroman hat Euch zuletzt beeindruckt?

Eine Reise durch die Epochen | Historische Buchpost im (Doppel-) Doppelpack

Bevor ich Euch in Kürze wieder eine Rezension präsentiere, möchte ich Euch heute erstmal einige Neuzugänge vorstellen, die mich vor kurzem erreichten. Das ist zum einen der zweite Teil einer historischen Dilogie, „Paracelsus – Die Fragen der Toten“, von Eva-Isabel Schmid, der mich als Rezensionsexemplar erreichte – vielen Dank auch an die vermittelnde Agentur Literaturtest. Zum anderen – gleich als Doppelpack – konnte ich mit „Die Schicksalsjahre“ und „Die Heimkehr“ die Reihe „Die Erben von Seydell“ von Sophie Martaler vervollständigen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Verlagsgruppe Penguin Random House, die mir die Bücher als kleine Geste für ausgefallene Lieferungen im Zusammenhang mit der letzten Lit.Love schickte. Einfach traumhaft, aber absolut nicht notwendig. Sehen die Bücher – und Reihen – nicht insgesamt toll aus? =)

[Lit.Love 2020] Bookhaul

Ende des letzten Jahres trudelten auch endlich die Bücher bei mir ein, die ich auf der diesjährigen Lit.Love bestellt habe. Zwar fehlen noch die Exlibris-Signaturen von Julia Engelmann und Geneva Lee, aber die von der bezaubernden britischen Royalexpertin und Adelstochter Sophia Money-Coutts ist bereits vorhanden. Ich kann es kaum erwarten, bald ihren Roman zu lesen. Sehen die Bücher nicht toll aus? Und welche davon kennt Ihr schon?

[Buchgedanken] Sophie Martaler: „Die Erben von Seydell – Das Gestüt“ (Gestüt 1)

In der letzten Zeit habe ich „Die Erben von Seydell – Das Gestüt“ gelesen, den Auftaktband der „Gestüt“-Trilogie von Sophie Martaler. Das Buch ist 2020 im Wilhelm Goldmann Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen und dem Genre historischer Roman bzw. Familiensaga zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares über Lovelybooks.de.

1947: Als Elisabeth Clarkwell erfährt, dass sie ein Gestüt geerbt hat, fällt die junge Witwe aus allen Wolken. Ein Onkel hat ihr das Anwesen in der Lüneburger Heide vermacht – für Elisabeth, die nach dem Tod ihres Mannes hochverschuldet ist, ein Geschenk des Himmels. Doch um den Besitz verkaufen zu können, muss sie sich mit dem zweiten Erben einigen, Javier Castillo y Olivarez. Elisabeth reist nach Navarra, um ihn zu treffen. Doch Javier weigert sich, sie zu empfangen. Elisabeth ist überzeugt, dass Javiers Haltung mit dem Geheimnis ihrer Herkunft zusammenhängt – einer Geschichte, die 1889 mit zwei ungleichen Brüdern begann, die dieselbe Frau liebten …

„Die Erben von Seydell – Das Gestüt“ ist ein klassischer Auftaktband einer Reihe. So werden über mehrere Zeitebenen hinweg Schauplätze und Charaktere vorgestellt, Handlungsstränge angelegt und viele Geheimnisse und offene Fragen aufgeworfen. Leider werden davon zum Ende hin nur sehr wenige aufgelöst, sodass der Einzelband keinen vernünftigen Abschluss hat und man „Das Gestüt“ daher eher nicht als Standalone lesen kann oder sollte.

Demgegenüber punktet das Buch mit einem wundervollen Setting, tollen Beschreibungen der Gestüte, Landschaften und Pferde. Man spürt auf jeder Seite des Buches direkt die Liebe der einzelnen Charaktere – und ich vermute auch der Autorin – zu den wunderschönen Tieren.

Die Handlung ist spannend und abwechslungsreich, und bietet – wie mittlerweile Standard – Handlungsstränge „upstairs“ und „downstairs“ an, also sowohl der Gutsherren als auch der Diener. Dabei wird auch auf die Probleme der damaligen Zeit Bezug genommen, die durchaus kritisch gewürdigt werden (Rolle der Frau, Tierquälerei etc.). Allerdings reißen zwei große Zeitsprünge im letzten Teil des Buches die Handlung sehr auseinander und sorgen für Verwirrung. Zudem ist auch die Schwerpunktsetzung der einzelnen Handlungsstränge nicht immer geglückt.

Die Charaktere werden gut entwickelt, haben alle Stärken und Schwächen, eigene Motive und Ziele. Wenn einige Handlungen nicht immer nachvollziehbar sind, muss auch berücksichtigt werden, dass aufgrund der Vielzahl an Personen diese noch nicht bis ins letzte Detail ausgearbeitet sein können. Daher hoffe ich darauf, dass die Entwicklung in den nächsten Bänden konsequent vorangetrieben wird.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, wenn auch bei einigen Worten und Dialogen die historische Authentizität für mich zumindest fraglich ist. Der Buchsatz hingegen ist wunderschön, genau wie das Cover, das hochwertig geprägt ist und mit farblich tollen und ausklappbaren Coverinnenseiten aufwartet.

Mein Fazit? „Die Erben von Seydell – Das Gestüt“ ist ein im Wesentlichen gelungener Auftakt in eine Buchreihe, der mit einem tollen Setting und einer spannenden Handlung punktet, wenn auch einige Zeitsprünge für Verwirrung sorgen. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht als Standalone, da kaum Handungsstränge beendet werden.

Historische Buchpost

Bevor ich in den nächsten Tagen einige Buchbesprechungen hochlade, möchte ich Euch heute noch einmal zwei Bücher zeigen, die mich in den letzten Tagen über Lovelybooks und durch die Agentur Literaturtest erreicht haben. Dabei handelt es sich um zwei historische Romane aus dem Goldmann Verlag und aus dem Piper Verlag – ich freue mich schon darauf, in die Geschichten und Epochen einzutauchen :).

Lest bzw. liebt Ihr auch historische Bücher? Welches sind denn Eure Empfehlungen?

[Buchgedanken] Terry Brooks: „Die Erben von Shannara 2 – Druidengeist“ (Die Shannara Chroniken)

Hiermit melde ich mich aus dem Sommerloch zurück. Nachdem ich stressbedingt etwas weniger aktiv war, möchte ich Euch heute eine neue Rezension vorstellen. In den nächsten Tagen folgen weitere Beiträge, Rezensionen und ein Meilenstein-Gewinnspiel. Zudem gibt es Neuigkeiten über mein eigenes Schreiben und meine Projekte (stay tuned!).

In der letzten Zeit habe ich „Druidengeist“ gelesen, den zweiten Band von Terry Brooks Reihe „Die Erben von Shannara“ – und mittlerweile der fünfte neuaufgelegte Band der Shannara-Chroniken. Die mir vorliegende Taschenbuchausgabe (erste Auflage) ist 2018 bei Blanvalet erschienen, die deutsche Erstausgabe wurde 1991 bei Goldmann in geteilter Form unter den Titeln „Die Schatten von Shannara“ und „Der Verräter von Shannara“ veröffentlicht. Die Originalausgabe erschien 1990 unter dem Titel „The Druid of Shannara“ bei Del Rey, New York, einem Imprint von Random House, Penguin Random House LLC. Das Buch ist dem Genre High-Fantasy zuzuordnen, wobei auch Elemente der Heroic Fantasy zu finden sind.

51MPzD5mJJL._SX332_BO1204203200_Wie Par und Wren Ohmsford hat auch Walker Boh einen Auftrag von Allanons Schatten erhalten. Er soll die Druidenfestung Paranor in die Welt zurückholen und den Orden der Druiden wieder aufleben lassen. Auf der Suche nach dem schwarzen Elfenstein gerät er in der Halle der Könige in eine Falle und wird mit einem tödlichen Gift infiziert, das ihn langsam zu Stein erstarren lässt. All seine Magie kann die fortschreitende Erkrankung nicht besiegen. Bis eines Tages eine Frau an seinem Krankenbett auftaucht. Sie behauptet, die Tochter des Königs vom Silberfluss zu sein, und bittet den Todgeweihten, sie auf eine Reise zu begleiten. Eine Reise, die nicht nur zum schwarzen Elfenstein, sondern auch zur vollständigen Heilung von Walker Boh führen soll.

„Druidengeist“ knüpft nahtlos an die Handlung von „Heldensuche“ an und setzt diese konsequent fort. Insgesamt ist der Weltenbau von Terry Brooks über die gesamten Shannara Chroniken beeindruckend und begeistert. Die miteinander verwobenen Schicksale, die fortdauernde Geschichte der Vier Lande, erneut auftretende Figuren und Sagen – dies alles lässt sich am ehesten mit dem Star Wars Kanon oder dem Marvel Cinematic Universe vergleichen.

Nichtsdestotrotz ist „Druidengeist“ aus meiner Sicht das bislang, auf hohem Niveau, schwächste Buch der Reihe. Zwar ist es spannend, unterhaltsam und führt den Leser mit unerwarteten Wendungen aufs Glatteis, es scheitert aber aus meiner Sicht in der Schwerpunktsetzung. Während in „Heldensuche“ noch allen Handlungssträngen ein signifikanter Anteil eingeräumt wurde, wird „Druidengeist“ komplett vom Handlungsstrang um Walker Boh dominiert – Par, Coll und Wren Ohmsford wird jeweils kaum mehr als ein Kapitel eingeräumt. Konsequenterweise hätte man sie sonst ganz streichen müssen. Als Leser erwarte ich jedoch, mehr über alle Figuren zu erfahren, die im ersten Band angelegt worden sind – ähnlich wie im zweiten „Herr der Ringe“-Buch, wo die Handlungsstränge ebenfalls auseinanderfallen, man aber dennoch sowohl Frodo und Sam, als auch die Wege der Gefährten verfolgt.

Und so beschränkt sich die Weiterentwicklung der Charaktere auch auf die, die im Rahmen der Handlung im Mittelpunkt stehen – Walker Boh und Morgan Leah. Beide zeigen Schwächen und Stärken und werden toll ausgearbeitet, genau wie die Charaktere, die nur in diesem Buch eine Rolle spielen: Quickening und Pe Ell.

Terry Brooks Schreibstil ist episch – und so lässt man ihm auch ausschweifende Beschreibungen durchgehen, die in anderen Genres bestenfalls verpönt waren. Doch sie gehören zu den Vier Landen und den Shannara Chroniken einfach dazu. Malerische Landschaften wechseln sich mit Ruinenstädten, paradiesische Gärten mit Sklavenbehausungen ab. „Druidengeist“ ist bestes Kopfkino!

Auch die Buchgestaltung ist erneut hochklassig. Das Cover ist gelungen und hochwertig geprägt – und passt sich in der Gesamtgestaltung gut in die Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat überzeugen ebenfalls, genau wie der Preis von 9,99 Euro bei fast 600 Seiten. Lediglich eine Karte und/oder eine Figurenübersicht hätte ich mir, bei der so langsam ausufernden Charakterliste, noch gewünscht.

Mein Fazit? „Druidengeist“ ist eine gelungene Fortsetzung von Terry Brooks epischer Shannara-Reihe. Trotz einer misslungenen Schwerpunktsetzung überzeugen der Weltenbau und die spannende Handlung. Für High-Fantasy-Liebhaber ein absoluter Muss – ein Klassiker.