[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Die Sündenbraut“

Vor einiger Zeit habe ich „Die Sündenbraut“ von Manuela Schörghofer gelesen. Der Roman ist 2020 bei HarperCollins in der HarperCollins Germany GmbH erschienen und dem Genre historischer Roman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Leseexemplars. Es ist mein zweiter Roman der Autorin nach „Die Klosterbraut„.

51TZFdC0xJL._SX334_BO1204203200_Rheinland im 13. Jahrhundert: Seit dem Mord an ihren Eltern ist Fenja bei ihrer Ziehmutter Runhild aufgewachsen und hat von ihr die Kunst erlernt, Toten ihre Sünden zu nehmen. Doch als auch Runhild ermordet wird, bleibt Fenja nichts – bis auf ein Tuch mit eingesticktem Wappen, das der Mörder verloren hat, und der brennende Wunsch nach Rache. Völlig auf sich gestellt, tritt Fenja die gefährliche Reise an und trifft unverhofft auf den Handwerker Gerald. Er behauptet, den Träger des Wappens zu kennen, und bietet ihr seine Hilfe an. Aber kann Fenja dem jungen Mann trauen?

„Die Sündenbraut“ ist – um gleich das Ergebnis vorwegzunehmen – ein durchweg überzeugender, historischer Roman, der mir noch eine Spur besser gefallen hat als das Debüt der Autorin. In „Die Sündenbraut“ entwickelt Manuela Schörghofer ihren leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil konsequent fort, der weiterhin durch eine hohe Authentizität geprägt ist und auf eine zielgerichtete und gute Recherche schließen lässt, dabei aber nie belehrend wird.

Insgesamt punktet der Roman vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende, wenn auch teils vorhersehbare, Handlung. Der Autorin gelingt es dennoch, durch unvorhergesehene Wendungen den Leser immer mal wieder auf eine falsche Fährte zu locken. Dabei kann man sich als Leser gut mit den Protagonisten identifizieren, leidet und lacht mit ihnen.

Diese entwickeln sich auch im Verlauf der Handlung weiter, sind dreidimensional und plastisch angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Zwar werden die stereotypen Rollenbilder des Mittelalters nur selten durchbrochen, dafür werden über den einzelnen Charakter hinaus gesamtgesellschaftliche Fragen zu Glauben und Moral thematisiert. Lediglich der plötzliche Sinneswandel des Antagonisten erscheint – auch unter Berücksichtigung der finalen Enthüllungen – etwas unglaubhaft.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, auch der Buchsatz ist größtenteils gelungen und wird durch Karten in den Coverinnenseiten, sowie den Geschichten vorangestellte Personen- und Ortsbeschreibungen sowie ein Glossar unterstützt. Kleines Manko ist allerdings, dass vor und nach der Geschichte die gleiche Karte eingefügt ist – hier hätte etwas mehr Varianz für ein noch schöneres Ergebnis gesorgt. Das Cover ist auf dem Titelbild und dem Buchrücken hochwertig geprägt und bietet ein durchgängiges Bild über den kompletten, sehr ansehnlichen Buchumschlag. Allerdings fehlt mir etwas der Bezug des (wunderschönen) Titelbildes zur Geschichte.

Mein Fazit? „Die Sündenbraut“ ist ein gelungener historischer Roman, der vor allem durch ein tolles Setting und eine spannende Handlung punktet – sicherlich nicht mein letztes Buch von Manuela Schörghofer. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sophie Oliver: „Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ (Schwarzenberg 1)

In der letzten Zeit habe ich den ersten Teil von „Grandhotel Schwarzenberg“ von Sophie Oliver gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Verlag, Autorin und die vermittelnde Agentur Literaturtest für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. „Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erschienen, zuerst als e-Book bei beHEARTBEAT, in der mir vorliegenden Ausgabe als Taschenbuch bei Lübbe. Der Roman ist als historische Familiensaga einzuordnen. Es ist mein zweites Buch der Autorin nach „Die Gentlemen vom Sebastian Club“.

51YykWXQZxL._SX334_BO1204203200_Bad Reichenhall, 1905. In dem exklusiven Kurort in den bayerischen Alpen verliebt sich die junge Anna Gmeiner in den Salzsieder Michael. Beide wünschen sich ein besseres Leben. Michael beschließt, sein Glück in der Ferne zu suchen und Anna nachzuholen. Doch dann geschieht ein schreckliches Verbrechen und Anna ist gezwungen, einen anderen Mann zu heiraten. Zwischen Salzbaronen, Hoteliers und reichen Kurgästen aus aller Welt muss sie sich ihren Platz im mondänen Bad Reichenhall erkämpfen.

„Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ schildert die Geschichte von Anna im Bad Reichenhall kurz nach der Jahrhundertwende. Dabei bezaubert das Buch mit einem malerischen Setting. Caféhäuser und Hotels, Burgen, ärmliche Bauten und Wirtschaftsgebäude – der Autorin gelingt es, den Flair der Jahre für den Leser anschaulich zu machen und ihn in die Zeit zu versetzen. Dies wird auch durch eine hervorragende Recherche und eine sehr authentische Sprache unterstützt.

Die Handlung vermag ebenfalls im Wesentlichen zu überzeugend, ist spannend, wenn auch aufgrund des Buchtitels teils vorhersehbar. Dennoch werden auf dem Weg zum Ende immer mal wieder unvorhergesehene Wendungen eingestreut. Apropos Ende – im Gegensatz zu vielen anderen Reihenauftakten bietet „Der Weg des Schicksals“ ein durchaus abgeschlossenes Ende mit einem nur milden Cliffhanger, sodass das Buch sogar als Standalone gelesen werden kann. Die mehreren Handlungsstränge greifen gut ineinander und werden im Verlauf der Handlung zusammengeführt, lassen aber für die Folgebände genug Fragen offen.

Die einzelnen Charaktere werden plastisch und dreidimensional dargestellt, haben eigene Stärken und Schwächen, Ziele und Motive und entwickeln sich auch im Lauf der Handlung weiter. Insbesondere Katharina, aber auch Anna und Leo überzeugen hierbei und erlauben es den Lesern, sich mit ihnen zu identifizieren, mit ihnen zu leiden und zu lachen. Dabei ist Sophie Olivers Schreibstil (neben der oben bereits erwähnten authentischen Sprache) leicht und flüssig lesbar.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, der Text wird mit einer Figurenübersicht und einem Glossar umschlossen. Das Cover ist farblich ein wahrer Eyecatcher und hochwertig auf dem Titel und dem Buchrücken geprägt. Auch die Coverrückseite sieht toll aus und sorgt für einen insgesamt wunderschönen Buchumschlag.

Mein Fazit: „Grandhotel Schwarzenberg – Der Weg des Schicksals“ ist ein in nahezu allen Punkten überzeugender Auftakt in eine Familiensaga, der vor allem dank seines tollen Settings und der historischen Authentizität punkten kann und Lust auf mehr macht. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

Eine bunte Vielfalt – Buchpost im Dreierpack

Auch in den letzten Tagen erreichten mich wieder einige Bücher – und die Vielfalt könnte kaum größer sein. So reichen die Genres von Science-Fiction über Romantasy bis hin zum historischen Roman. Vielen Dank an dieser Stelle auch an Manuela Schörghofer und Nika S. Daveron für die Bereitstellung der Rezensionsexemplare zu „Fine Line – Create your Character“ und „Die Sündenbraut“, dem zweiten Roman der Autorin nach „Die Klosterbraut„. Und muss ich zu Emily Bold noch etwas sagen? Ihre Romane begleiten mich seit Jahren, „Stolen: Verwoben in Liebe“ ist mein elftes Buch von ihr. Ist der Buchschnitt nicht wunderschön?

[Buchgedanken] Viktoria Bolle: „Die Brücke nach Hause“

In den letzten Tagen habe ich „Die Brücke nach Hause“ von Viktoria Bolle gelesen. Das Buch ist 2015 im Selfpublishing erschienen und am ehesten dem Genre historischer Roman zuzuordnen, auch wenn die Grundhandlung auf wahren Begebenheiten basiert. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

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Die Verhältnisse, in denen Johann lebt, sind bedrückend. Er kämpft täglich mit Hunger, Not und Elend, erlebt die Zwangskollektivierung, die Deportation nach Kasachstan, Jahre harter Zwangsarbeit in der Trudarmee und die Gefangenschaft im Sträflingslager. Ein strenges Regime unter der Herrschaft Stalins martert ihn fast zu Tode. Sein Vater, dem er nur ein einziges Mal im Leben begegnet, ist ein NKWD-Offizier, der 1937 der Säuberung zum Opfer fällt und erschossen wird. Seine Mutter stammt aus sehr ärmlichen Verhältnissen und hat es schwer, den Jungen zu ernähren. Von Anfang an hat Johann geringe Überlebenschancen, doch er schafft es, trotz der vielen Strapazen am Leben zu bleiben und seine Geschichte zu erzählen.

„Die Brücke nach Hause“ erzählt die Geschichte einer deutschen Familie im Zeitraum von 1925 bis 2006, von den Anfängen als Wolgadeutsche bis hin zu Krieg, Vertreibung und der schlussendlichen Rückkehr nach Deutschland. Es ist ein Roman über ein dunkles, viel zu selten beleuchtetes Kapitel der Geschichte, inspiriert von dem eigenen familiären Hintergrund der Autorin, die selbst noch in Kustanaj geboren ist.

Dabei punktet der Roman vor allem dank eines brillanten und detailgetreuen Settings und einer großen, historischen Authentizität, die sich vor allem auch in kleinen Details zeigt. Die Recherche und die Kenntnisse der Autorin über die Epoche waren stets fühlbar und wurden in aller Regel geschickt ins Werk eingebaut, nur selten fühlte man sich belehrt.

Aufgrund des Prologes und der episodenhaften Erzählung wird jedoch viel Spannung vorweggenommen. So ist der Ausgang der Geschichte von vornherein klar, wichtige Elemente werden nur kurz angerissen, während andere Abschnitte Längen aufweisen. Durch die Erzählung von Johann, ähnlich eines stark gerafften Tagebuches, fehlt es den Figuren an Tiefe – und hier ist auch die, beim historischen Setting sehr gelobte, Beschreibungsdichte schädlich. Mittels „Show, don’t tell“ hätte der Leser viel mehr in die Handlung eintauchen, viel besser Bindung zu Johann und den anderen Charakteren aufnehmen können. Um ingesamt die Handlung runder zu gestalten, hätten sicherlich 50-100 zusätzliche Seiten nicht geschadet.

Leider weist die Buchgestaltung einige Schwächen auf. Sofern ein Lektorat und/oder Korrektorat durchgeführt worden sein sollte, besteht Nachholbedarf, da viel zu viel durchgerutscht ist. Gleiches gilt für den Buchsatz. Mangels Silbentrennung am Zeilenende sind die Wortabstände sehr unterschiedlich, hinter (fälschlich verwendeten) Apostrophen befindet sich ein größerer Abstand. Irritierend ist auch der dauerhaft in Kopfzeilen festgehaltene Titel des Buches. Das Grundmotiv des Covers ist schön, leidet aber etwas unter der Druckqualität. Zudem setzt sich auch der Buchtitel nicht wirklich vom Cover ab.

Mein Fazit? „Die Brücke nach Hause“ ist ein historischer Roman, der etwas Licht in ein viel zu selten beleuchtetes Kapitel der deutsch-russischen Geschichte bringt und vor allem mit einem tollen Setting und historischer Authentizität punkten kann. Trotz leichterer Schwächen im Erzählstil und Mängeln in der Buchgestaltung für Liebhaber historischer Romane noch zu empfehlen.

 

Schnapszahl-Alarm :)

Und nein – das ist kein Aprilscherz! Mit der letzten Veröffentlichung habe ich – wenn ich es richtig aufaddiert und nichts übersehen habe – genau 33 Texte als Autor veröffentlicht. Davon entfallen 28 auf Kurz- und Kürzestgeschichten und 5 auf Gedichte. Nicht miteinberechnet sind kleinere Texte, die ich ganz früh für die Schülerzeitung geschrieben habe, sondern nur solche ab 2013 :).

Erschienen sind diese Texte in 32 Publikationen. Die Differenz rührt daher, dass in zwei Werken jeweils zwei Geschichten von mir erschienen sind. Zudem ist ein Text in zwei verschiedenen Werken veröffentlicht worden. Die Publikationen reichen dabei von Verlagsanthologien über Autorengemeinschaftsprojekte bis hin zu Literaturzeitschriften und der Sammlung von Wettbewerbsbeiträgen.

Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den Genres wieder, die (auszugshaft) von Teen Romance über Fantasy und History bis hin zu Science-Fiction und Horror reichen, oder auch bei Lyrik von klassischen Gedichten bis hin zu Haikus.

Doch bei den 33 soll es nicht bleiben! Weitere Texte, sowohl Geschichten als auch Gedichte befinden sich bereits in der Pipeline und wer weiß, vielleicht kommt ja auch mal ein Roman hinzu – passenderweise hat heute ja das April-Camp vom NaNoWriMo angefangen. Es bleibt also spannend!

[Buchgedanken] Sophie Oliver: „Die Gentlemen vom Sebastian Club“

Bevor ich bald das neue Jahr mit den Jahresrückblicken einleite, möchte ich Euch zum Abschluss des abgelaufenen Jahres noch ein weiteres Buch vorstellen. In den letzten Tagen habe ich „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ von Sophie Oliver gelesen, erstmals erschienen 2018 im Dryas Verlag. Das mir vorliegende Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!) und ist dem Genre historischer Kriminalroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars auf dem #bookmeetspizza-Bloggertreffen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2019.

51IW8nosnPL._SX315_BO1204203200_London, 1895: Eine Mordserie erschüttert die Stadt. Die Opfer gehören verschiedenen Gesellschaftsschichten an und werden scheinbar zufällig ausgewählt. So zufällig, dass die Metropolitan Police nicht an einen Einzeltäter glaubt. Ein Fall für die Ermittler des Sebastian Club, eines vornehmen Londoner Herrenclubs, der sich zum Ziel gesetzt hat, Verbrechen aufzuklären, an denen Scotland Yard scheitert. Die Gentlemen entdecken ein Muster hinter den Gräueltaten: Um an ein wertvolles Juwel zu gelangen, setzt der Täter mittelalterliche Foltermethoden ein. Für die Detektive ist die Sache klar: Der Mörder muss schnellstens zur Strecke gebracht werden. Um jeden Preis. Auch mit Hilfe einer schlauen jungen Frau, die sich als Mann verkleidet, um ermitteln zu dürfen.

„Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein durchweg unterhaltsames Buch, wenn auch teils etwas vorhersehbar. Trotz des grundsätzlich abgeschlossenen Falls bietet es ärgerlicherweise auch eine Art Cliffhanger, den ich der Autorin etwas verüble. Dabei wird der Spannungsbogen größtenteils gehalten, wenn auch einige Wendungen nicht immer ganz nachvollziehbar sind.

Dahingegen brilliert der Roman durch sein unglaubliches Setting. Das viktorianische England, die krassen Gegensätze zwischen arm und reich, zwischen upper und middle class werden genau und anschaulich präsentiert. Gerüche, Geschmäcker, visuelle Eindrücke – „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein Buch für alle Sinne, das den Leser auf eine abenteuerliche Zeitreise mitnimmt.

Etwas mehr Wert hätte noch auf die Charakterentwicklung gelegt werden können. Zwar versieht die Autorin alle Charaktere mit einer Hintergrundgeschichte, diese bleibt im Wesentlichen aber oberflächlich. Etwas mehr Tiefe, mehr Ecken und Kanten hätten dafür gesorgt, dass man sich noch besser mit den Protagonisten identifizieren kann. Zudem sorgt der allwissende, teils spoilernde! Erzähler dafür, dass man nicht nah an die Charaktere herankommt.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind alles in allem gelungen, das Cover ist ebenfalls nett anzuschauen, allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Geschichte. Wenn schon ein Edelstein abgebildet wird, hätte dieser auch der Beschreibung im Roman entsprechen sollen – so ist es austauschbar.

Mein Fazit? „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein historischer Kriminalroman, der vor allem aufgrund des Settings brilliert. Das kurzweilige Lesevergnügen wird durch kleinere Schwächen in Handlung und Figurenentwicklung kaum beeinträchtigt. Für Fans der viktorianischen Epoche bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter 16 Jahren.

 

 

[Buchgedanken] Anna Eichenbach: „Wellensang: Eine Limfjord-Saga“

Vor Weihnachten habe ich Anna Eichenbachs Debütroman „Wellensang: Eine Limfjord-Saga“ gelesen. Das Buch ist 2019 im Burgenwelt Verlag erschienen und dem Genre „Historische Romane“ zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin (bloggt auf „Welt aus Tinte und Papier„) für das Leseexemplar.

51CdHi3PcLL._SX335_BO1204203200_Ende des 8. Jahrhunderts in Nordjütland: Als Zeichen der Freundschaft zwischen Dorsteinn und Limgard wird die Jarlstochter Turid in die alte Heimat ihrer Mutter gesandt. Nur widerwillig verzichtet sie dort auf ihre gewohnten Freiheiten. Im Dorf zu bleiben und zu weben, während die Männer auf Raubzug ziehen, widerspricht gänzlich dem Leben, das sie vom Hof ihres Vaters kennt. Dennoch zögert sie, als sich ihr die Gelegenheit zur Rückkehr nach Hause bietet: Längst hält sie mehr in Limgard, als sie sich eingestehen möchte. Ausgerechnet die Limgarder Rorik und Svein, die einander näher stehen als Brüder, verlieben sich in Turid. Aus Gefährten werden Konkurrenten. Bis ihr gemeinsamer Freund Hakon sie zu einem anderen Abenteuer lockt. Angespornt durch Gerüchte über eine Insel voller Reichtümer, brechen die drei Männer an Bord der in die Jahre gekommenen Meereswolf zu einer Víking auf. Ihr Ziel: England – und ein Platz in den Liedern der Skalden. Doch die Unternehmung soll anders verlaufen, als erhofft …

„Wellensang“ ist ein gelungenes Debüt, das Hoffnung auf mehr erweckt. Der Roman bemüht sich, ein akkurates Portrait der damaligen Zeit zu zeichnen. Ohne zu glorifizieren, zeigt er auch die dunklen Seiten der Wikinger, die Normalität von Beutefrauen sowie die brutale Gewissenlosigkeit mit der gegen Einheimische vorgegangen wird. Dabei zeugen sowohl die Erzählsprache als auch die Handlung von Authentizität, von gelungener und ausgiebiger Recherche.

Das frühmittelalterliche, nordische Setting überzeugt ebenso wie die größtenteils gelungene Charakterentwicklung, auch wenn einige Entscheidungen der Protagonisten fragwürdig bleiben. Dabei entwickeln sich die Charaktere jedoch durchaus weiter – insbesondere Turid, die eine atypische, besonders starke Rolle als Frau einnimmt. Dadurch liegt der Roman voll im Trend der letzten Jahre – gefühlt kommt man kaum mehr ohne eine starke weibliche Hauptfigur aus, die die Geschlechtergrenzen sprengt.

Die Handlung ist spannend und voller unerwarteter Wendungen. Etwas schwer getan habe ich mich allerdings mit dem Zeitsprung mitten in der Handlung und der Schwerpunktsetzung – für mich nimmt der Handlungsstrang um Heather, so spannend er auch ist, zu viel Platz ein. Der Leser wird somit immer wieder aus der eigentlichen Geschichte gerissen. Zwar werden die Handlungsstränge zum Ende hin kunstvoll verwoben, dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Handlungsstrang in England zwar wichtig, schlichtweg aber deutlich untergeordnet ist.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, auch wenn ich nicht der Freund von Kapitelüberschriften bin. Dahingegen sorgen das Glossar und das historische Nachwort für einen runden Abschluss. Auch das Cover ist wirklich gelungen und sorgt für ein stimmiges Bild, lediglich die Cover-Rückseite ist etwas textlastig mit einem aus meiner Sicht zu langen Klappentext.

Mein Fazit? „Wellensang“ ist ein bravouröses Debüt, und damit definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin. Der Roman brilliert durch authentische Sprache, ein tolles Setting und eine spannende Handlung, lässt an kleinen Stellschrauben aber auch noch Luft nach oben. Für – erwachsene – Leser historischer Romane bedenkenlos zu empfehlen.

Buchpost zu Pfingsten

Pünktlich zum langen Wochenende erreichte mich gestern erneut Buchpost, die ich Euch natürlich nicht vorenthalten möchte. Es handelt sich um „Schlüssel der Zeit 1“ von Tanja Bruske. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den mainbook Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares noch vor dem Publikationsdatum am 10.06.2019. Ich bin ja immer auf der Suche nach neuen Autoren – und daher schon ganz gespannt auf diese lokal-historisch-fantastische Serie.

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Wie mir das Buch gefallen hat, könnt Ihr dann in wenigen Wochen hier auf dem Blog nachlesen. Bis dahin – Euch allen ein frohes Pfingstwochenende!

[Veröffentlichung] „Der Schatten des Schwarzen Todes“ – nun vorbestellbar!

In 5 Wochen, am 20.03.2019, und damit pünktlich zur Leizpiger Buchmesse, erscheint im Burgenwelt Verlag die nächste historische Anthologie: „Der Schatten des Schwarzen Todes: 13 Pestgeschichten“. Einer der dreizehn Beiträge entstammt meiner Feder und trägt den, hochdramatischen, Titel: „Das blutige Skalpell“. Unter den anderen Autoren tummeln sich sowohl bekannte Gesichter wie Alvar Borgan, Anna Eichenbach und Anton Vogel, als auch neue Kollegen, die ich hoffentlich in Leipzig kennenlernen werde.

Da der Veröffentlichungstermin in großen Schritten näher rückt, möchte ich Euch heute das Cover in ganzer Pracht präsentieren :).

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Übrigens kann das Buch seit gestern auch vorbestellt werden, unter anderem *hier*. Herausgegeben wird die Sammlung von Regine D. Ritter und Jana Hoffhenke. Ich kann es kaum erwarten, endlich die fertigen Bücher in Händen zu halten.

[Buchgedanken] Manuela Schörghofer: „Die Klosterbraut“

Bevor ich in Kürze ganz tolle Neuigkeiten für Euch habe, möchte ich Euch heute noch den Debütroman von Manuela Schörghofer vorstellen. „Die Klosterbraut“ ist 2019 bei MIRA Taschenbuch in der HarperCollins Germany GmbH, Hamburg, erschienen und dem Genre historischer Roman zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares.

51YoIpok-OL._SX334_BO1204203200_Es ist Frankas Bestimmung, nach der Hochzeit ihrer wunderschönen Schwester den väterlichen Rittersitz zu verlassen, um in ein Kloster einzutreten. Doch vorher möchte sie noch ein letztes Mal auf dem Rücken ihres Pferdes die Freiheit des Waldes, den Wind in ihren Haaren spüren und schleicht sich heimlich aus der Burg. Im Wald stolpert sie einem jungen Ritter in die Arme. Überwältigt von seiner Anziehungskraft und den Gefühlen, die er in ihr auslöst, beginnt Franka, ihre Zukunft in Frage zu stellen. Bis zu dem Moment, als sie erkennt, dass es sich bei dem Fremden um Wulf vom Röllberg, den Verlobten ihrer Schwester, handelt.

„Die Klosterbraut“ ist ein gelungener Debütroman, der vieles richtig macht. Eingebettet in ein tolles Setting, wirft der Roman die essentiellen Fragen der Zeit auf, handelt von Leben und Tod, Glaube, Liebe und Schicksal. Sprachlich sauber zieht die Autorin den Leser sofort mitten ins Geschehen – und in den Bann von Franka, einer Protagonistin, mit der man sich sofort identifizieren kann.

Mit unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin, den Leser immer wieder vom – zugegebenermaßen erwartbaren – Ende abzubringen, ihn zu überraschen und mit neuen Problemen zu konfrontieren. Die größte Stärke des Romanes liegt jedoch in der Figurenentwicklung. Protagonisten und Nebencharaktere sind sorgsam ausgearbeitet und entwickeln sich im Laufe der Geschichte auch organisch weiter – lediglich Melindas Wandlung habe ich ihr nicht gänzlich abgenommen.

Manuela Schörghofers Schreibstil lässt sich – trotz der gelungenen Sprache – leicht und flüssig lesen, ist nicht belehrend und hält die Balance zwischen historischer Authentizität und modernen Leseansprüchen. Auch wenn ich mir einige Beschreibungen mehr gewünscht hätte – das Buch hätte sicherlich 50 Seiten mehr vertragen können – erschafft die Autorin in der Gesamtheit ein sehr rundes, gerade auch für Genreanfänger gut geeignetes Werk.

Lektorat und Korrektorat haben solide gearbeitet, die wenigen, vorhandenen Fehler stören kaum den Lesefluss. Der Buchsatz ist gelungen, aber unauffällig. Ein Pluspunkt ist das vorhandene Glossar und die Dramatis Personae, die man aber noch etwas gekonnter hätte in Szene setzen können. Wie üblich hätte ich mich auch über eine Karte und ggf. einen Stammbaum gefreut, letzterer kann hier aber eher vernachlässigt werden, da die familiären Verstrickungen nicht allzu kompliziert sind. Begeistert bin ich jedoch vom Cover, das nicht nur hochwertig geprägt ist, sondern auch von der Motivwahl sehr edel anmutet. Noch eine Schachfigur als Gimmick und es würde nahe an die Perfektion rutschen.

Mein Fazit? „Die Klosterbraut“ ist ein gelungenes und überzeugendes historisches Debüt, das vor allem durch tolle Charaktere und ein authentisches Setting punkten kann. Für Fans des Genres bedenkenlos zu empfehlen – und auch für Leser, die gern mal in das Genre hineinschnuppern wollen.