[Buchgedanken] Oskar Källner: „Der Anfang“ (Erben des Imperiums 1)

Vor kurzem habe ich auch „Der Anfang“ von Oskar Källner gelesen. Das illustrierte Jugendbuch ist in dieser Ausgabe 2026 im Imprint Atrium Kinderbuch, Atrium Verlag AG erschienen, eine erste deutschsprachige Ausgabe erschien 2024 unter dem Titel „Angriff der Krao“ (ebenfalls Atrium), die Originalfassung wurde 2020 unter dem Titel „Imperiets Arvingar, Bortförda“ bei Rabén & Sjögren veröffentlicht. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de. Für die Illustrationen zeichnet Karl Johnsson verantwortlich, die Übersetzung aus dem Schwedischen stammt von Maike Dörries.

Als Elias und Alice im Wald nach ihrer verschwundenen Mutter suchen, begegnen sie einer merkwürdigen Kreatur, die sich als Brock vorstellt und sie auf ein Raumschiff bringt. Brock ist ein alter Freund ihrer Mutter und braucht Hilfe, denn diese wurde von einer gefährlichen Spezies, den Krao, entführt. Elias und Alice verstehen die Welt nicht mehr. Was hat ihre Mutter mit all diesen Außerirdischen zu tun? Für die beiden beginnt nicht nur das Abenteuer ihres Lebens, sondern sie erfahren auch ein Geheimnis, das alles verändert, was sie jemals über ihre Familie gedacht haben…

„Der Anfang“ ist der erste Band der vierbändigen Reihe „Erben des Imperiums“. Empfohlen wird die Reihe für Leser:innen ab zehn Jahren, balanciert daher auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. Im Hinblick auf das Alter der Protagonist:innen (Alice ist ja etwa 12, Elias etwas jünger) und aufgrund der teils doch düsteren Handlung würde ich das Buch aber eher als Jugendbuch sehen und die Altersempfehlung von 10 Jahren wirklich als absolute Untergrenze annehmen – selbstständige Leser:innen sollten sich hier vielleicht auch eher dem Alter von Alice annähern.

Denn die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, aber nicht unbedingt gewaltfrei. Durch die Mischung aus Comic- und Textelementen wird dies auch visualisiert, was die Geschichte toll ergänzt, gleichsam aber nochmal nicht zwingend für sehr junge Leser:innen geeignet ist. Insgesamt entwickelt sich die Handlung aber durchaus zum atemberaubenden Pageturner, lediglich das sehr offene Ende und das aus meiner Sicht unnötige erste Kapitel – oder der Prolog – trüben hier etwas das Bild.

Apropos Bild: Die Illustrationen von Karl Johnsson sind zwar – wie angesprochen – zuweilen sehr düster, fangen damit aber die Atmosphäre des Buches toll ein und sorgen für einen echten Mehrwert in der Geschichte, auch wenn Text und Bild noch stärker hätten verzahnt werden können, um über die Comicelemente die Geschichte integral weiterzuerzählen, anstatt diese nur zu illustrieren. Nichtsdestotrotz sind die Illustrationen dennoch ein absolutes Highlight und tragen zum tollen Gesamteindruck des Buches bei.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas schematisch dargestellt, hier kann aber in den Folgebänden deren Komplexität jeweils noch ausgebaut werden. Bislang überzeugen vor allem Syndra und Alice, während Elias noch etwas blass verbleibt. Oskar Källners Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit schön gestalteten, teils farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv wird zum Buchrücken hin klar abgegrenzt, ist dennoch toll anzusehen, der Umschlag insgesamt aber doch etwas eintönig – ein Konzept, das sich aber mit jeweils anderen Grundfarben auch in den Folgebänden fortsetzt, sodass schon ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe entsteht.

Mein Fazit? „Der Anfang“ ist ein im Wesentlichen überzeugender Jugendroman, der mit Spannung und tollen Illustrationen glänzt, dabei aber auch etwas düster daherkommt und aufgrund des offenen Endes eher nicht als Standalone lesbar ist. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter von zehn Jahren geeignet, empfohlen eher ab einem Lesealter von 12 Jahren.

[Buchgedanken] Astrid Göpfrich: „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ (Little Miss Frankenstein 1)

In den letzten Tagen habe ich auch noch „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ von Astrid Göpfrich gelesen. Das Buch ist 2026 im Magellan Verlag, Magellan GmbH & Co. KG erschienen und als illustrierte Jugendfantasy einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Laura Borio verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Urururenkelin von Dr. Frankenstein lebt Nelly in einem alten Gruselschloss, in dem immer wieder seltsame Dinge passieren. Das ist aber auch schon das Spannendste an ihrem Leben. Denn ihre Eltern sind totale Langweiler und das absolut Letzte, was sie wollen, ist eine weitere Erfinderin in der Familie! Natürlich hält das Nelly nicht davon ab, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen – manchmal auch zum Leidwesen ihrer beiden besten Freunde. Der zweifelhaften Genialität ihres berühmten Vorfahren kommt sie gefährlich nahe, als sie bei einem Gewitter ein totes Alpaka wieder zum Leben erweckt. Doch damit nicht genug: das Alpaka kann auch noch sprechen! Und es quasselt ohne Unterlass, trinkt am liebsten Kokos-Limetten-Cocktails, ist nervtötend tollpatschig und stellt das Leben der Familie Frankenstein gehörig auf den Kopf!

„Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist mein erstes Buch von Astrid Göpfrich und der Auftaktband in die gleichnamige neue, fantastische Jugendbuchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, balanciert also genau auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch. teils auch aufzufindende Leseempfehlungen ab acht Jahren würde ich hier dann doch als zu früh erachten. In dem Buch wird der Mythos Frankenstein dabei jugendgerecht – quasi durch ein Sequel – aufgearbeitet und so einer neuen Generation zugänglich gemacht, sicherlich einer der größten Pluspunkte des Buches.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und – vor allem – humorvoll, entstehen durch Montserrat und Nellys Erfindungen doch viele Situationen, die von der Komik leben – teils könnte man sogar denken, dass hier parodistische Elemente vorhanden sind. Dabei werden – altersgerecht – auch jugendtypische Themen und Probleme angesprochen wie Ausgrenzung, fast Mobbing, eine Abkapselung von der Erwartungshaltung der Eltern und damit verbunden Einsamkeit – hier hätte ich mir durchaus noch einen stärkeren Fokus gewünscht, die Herausforderungen, vor denen Nelly im zwischenmenschlichen Bereich steht sind doch eher zu Lasten der Komik heruntergefallen – aber vielleicht können hier die Folgebände ja noch nachsteuern.

Das Setting hingegen und – vor allem – die Illustrationen von Laura Borio können hier jedoch wieder auf ganzer Linie glänzen. So werden insbesondere die Erfindungen toll bebildert und können so noch besser vor dem geistigen Auge abgerufen werden – in den Kapiteln hätten es aber gern noch ein paar Illustrationen mehr sein können. Insgesamt ist die Reise auf das Schloss der Familie Frankenstein sowie in die nicht näher bezeichnete, idyllische Ortschaft ein toller Ausflug, den die meisten Leser:innen sicherlich gern im Folgeband noch einmal wiederholen wollen würden – auch, da noch so vieles ungeklärt verbleibt.

Die einzelnen Figuren sind aufgrund der Kürze des Buches noch etwas einseitig angelegt, aber hier kann über die Folgebände auch sicherlich noch nachgelegt werden. Am meisten überzeugt bislang noch Montserrat, die über etwas verquere, komische Charakterzüge ein doch eher dreidimensionales Profil erhalten hat, während Nelly zwar einfallsreich ist, aber noch nicht wirklich greifbar wird. Astrid Göpfrichs Schreibstil ist altersgerecht und lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung brilliert. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz setzt Bild und Text innovativ zu einem tollen Gesamtprodukt. Der Buchumschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit wunderschön gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite sind jeweils toll anzusehen und bieten Anklänge zur Handlung, lediglich die durch den Farbwechsel krassen Brüche zum Buchrücken hätte man vermeiden können. Abzuwarten bleibt zudem, ob mit den Folgebänden hier ein einheitlicher Gesamteindruck der Reihe mit Wiedererkennungswert geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Little Miss Frankenstein – Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!“ ist ein gelungener und innovativer Auftakt in die Fantasy-Buchreihe für Leser:innen ab 10 Jahren, der mit Humor und tollen Illustrationen punkten kann, in den Folgebänden aber gern noch etwas mehr in die Tiefe gehen darf. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter daher bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Fabian Lenk: „Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ (Im Zeichen der Kobra 1)

Frisch von der Leipziger Buchmesse habe ich heute noch eine Buchbesprechung für Euch. Denn in den letzten Tagen habe ich auch „Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ von Fabian Lenk gelesen. Das Buch ist 2026 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG erschienen und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet dabei Thilo Krapp verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein spannender Sommer in Ägypten: Die Zwillinge Yana und Yamon (12) reisen mit ihrer Schwester Anouk, einer schlagfertigen Archäologiestudentin, und ihrem Onkel Professor Klawitter ins Tal der Könige. Dort entdecken sie eine bisher unentdeckte Grabkammer – und darin eine magische Formel, mit der sie sich in heilige Tiere verwandeln: Bastet die Katze, Horus den Falken und Anubis den Hund. Als sie beim Besuch im Ägyptischen Museum Zeugen eines Raubüberfalls werden, bei dem unter anderem Tutanchamuns Maske und eine Mumie entwendet werden, kommt es zu einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd. Und der Drahtzieher kennt das Geheimnis der magischen Formel! Wird es den drei Geschwistern gelingen, die historischen Schätze zurückzuholen?

„Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ ist der erste Band der gleichnamigen Buchreihe, die im Herbst 2026 mit „Im Zeichen der Kobra: Der Schatz im versunkenen Palast“ fortgesetzt wird – eine Vorschau dazu befindet sich bereits am Ende dieses Buches. Empfohlen wird das Buch – in etwa analog zum Alter der jüngeren Protagonist:innen – für Leser:innen ab 11 Jahren und balanciert daher auf der Grenze vom Kinder- zum Jugendbuch, wobei ich es eher als Jugendbuch sehen würde. Da hier mehrere Untergenres gemixt werden – Jugendfantasy, -Abenteuer, -Detektivroman – um nur einige zu nennen habe ich es bei der allgemeinen Kategorisierung als (illustriertes) Jugendbuch belassen.

Die Handlung ist hierbei kurzweilig, spannend und altersgerecht, spielen neben dem Kriminalfall doch auch leichte jugendtypische Probleme eine Rolle – etwas, das in den nächsten Bänden aber noch ausgebaut werden kann, um die Dynamik innerhalb der Geschwister noch zu verstärken. Auch erscheint die Handlung nicht immer logisch, die Ermittler“bande“ ist an Dilettantismus kaum zu überbieten. Unterstützt wird die Geschichte dabei von den gelegentlich eingestreuten und toll anzusehenden Illustrationen von Thilo Krapp.

Das Setting vermag naturgemäß zu überzeugen. So entführt der Autor uns ins Ägypten der Jetztzeit, nimmt uns mit auf eine Reise zu Ausgrabungen, nach Kairo und ins Museum. Dabei zeugt die große Sachkenntnis – nicht nur der ägyptischen Mythologie und Geschichte, sondern auch der aktuellen Verhältnisse vor Ort – von einem fundierten breiten Wissen oder einer alternativ exzellenten Recherche – ich bin mal gespannt, wie sich das über die Folgebände entwickelt, wenn dann auch andere Regionen der Welt von den Geschwistern bereist werden.

Die einzelnen Figuren sind teils noch etwas eindimensional, gerade im Bereich der Antagonisten, insgesamt bestehen hier noch Entwicklungspotentiale für die Folgebände. Am stärksten überzeugen hier bislang Yana, Anouk und Hugo, während Yamon für mich noch nicht so richtig greifbar wird. Fabian Lenks Schreibstil ist altersgerecht eher einfach gehalten und lässt sich daher leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover hochwertig geprägt und mit farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin krass unterbrochen, insgesamt sind diese aber sehr ansehnlich, das Covermotiv zwar genretypisch, dennoch durchaus ein Eyecatcher und durch die ungewöhnliche Prägung haptisch einfach traumhaft. Abzuwarten bleibt, ob mit den Folgebänden hier ein Wiedererkennungswert für die gesamte Reihe geschaffen werden kann.

Mein Fazit? „Im Zeichen der Kobra: Der Raub der Totenmaske“ ist ein gelungener Auftakt in die Jugendbuchreihe mit tollem Setting und kurzweiliger Handlung, aber auch noch mit leichten Nachholbedarfen bei einzelnen Charakteren. Für Leser:innen ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Alter von 11 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Rüdiger Bertram: „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ (Robin the Hood 1)

In der letzten Zeit habe ich auch „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ von Rüdiger Bertram gelesen. Das Buch ist 2025 im cbj Kinder- und Jugendbuchverlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, bei dem Horst Hellmeier für die Illustrationen verantwortlich ist. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Als Robin halb absichtlich in die Falle eines internationalen Geheimdiensts tappt, landet er mittendrin in einer surrealen Mission. Zusammen mit Agentin Mary soll er eine Stadt klauen! Genauer: eine Schneekugel mit einem Stadtmodell, in der ein tödlicher Virus versteckt ist. Und diese Kugel befindet sich den Händen der Schurkin Madame Schenial, die droht, die Menschheit zu vernichten. Eine ausweglose Situation? Nicht für die beiden cleversten Kinder, die das Action-Universum zu bieten hat!

„Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist der erste Band der neuen Buchreihe um den gleichnamigen Titelhelden, der mittlerweile eingedeutscht Robin Kappe heißt, und mein zweites Buch von Rüdiger Bertram nach „Nur 300 km„. Der Roman wird seitens des Verlags für Leser:innen ab 10 Jahren empfohlen und balanciert daher auf der Grenze zwischen Kinder- und Jugendbuch – aufgrund des Alters des Protagonisten (13 Jahre) habe ich den Roman jedoch eher als Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist durchaus kurzweilig, abwechslungsreich und altersgerecht, dabei aber auch leicht antiklimaktisch und eher ereignisarm. Auch sind kleinere Logikfehler vorhanden und einige etwas fragwürdige Handlungsstränge – insgesamt hätte man hier auch für die Zielgruppe etwas mehr Komplikationen einbauen können. Immerhin kann das Ende mit einigen schönen Momenten überzeugen und lässt noch Potential und ungelöste Handlungsstränge für die Folgebände offen.

Ergänzt wird der Text durch die Illustrationen von Horst Hellmeier, die sich sogar als komplette Comic-Elemente entpuppen, die die Handlung nahtlos fortführen und daher integraler Bestandteil des Buches sind. Und auch wenn diese teils etwas überzeichnet wirken, ist es doch eine wirklich gelungene und innovative Abwechslung, die für viel Spaß bei den Leser:innen sorgt und durchaus auch den markanten Humor der Geschichte mitbestimmt.

Die einzelnen Figuren sind – bei der Kürze des Buches nicht unerwartet – etwas schematisch angelegt, hier können die Folgebände aber durchaus noch liefern und die Figuren plastischer werden lassen. Am stärksten überzeugt bislang noch Mary – und Sam ist (so konfus sein Handlungsstrang auch ist) ein wirklich willkommener Sidekick. Rüdiger Bertrams Schreibstil ist dabei altersgerecht und lässt sich leicht und flüssig lesen und im Zusammenspiel mit den Illustrationen das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover und dem Buchrücken leicht geprägt und mit in Grautönen gestalteten Coverinnenseiten versehen. Cover und Coverrückseite werden leider zum Buchrücken hin klar abgetrennt, das Covermotiv lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen, hat aber durchaus spannende Elemente. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier zusammen mit dem Folgeband ein Wiedererkennungswert für die gesamte Buchreihe erzeugen lässt.

Mein Fazit? „Robin the Hood – Wie klaut man eine Stadt?“ ist ein sehr innovatives Jugendbuch mit interessanter Handlung und tollen Illustrationen, aber auch mit kleineren Schwächen und etwas ereignisarm. Für Leser:innen ab dem vom Verlag angegebenen Alter bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mirjam Raymond: „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“

Vor kurzem habe ich auch „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ von Mirjam Raymond gelesen. Das Buch ist 2025 in der Fischer Sauerländer GmbH erschienen und als illustriertes Jugendbuch einzuordnen, für die Illustrationen zeichnet Maja Bohn verantwortlich. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der zwölfjährige Johnny hat eine große Klappe und steckt ständig in der Klemme. Als Amin, ein Junge aus seiner Klasse, plötzlich verschwindet, wittert Johnny seine Chance: Er will beweisen, dass er der würdige Anführer seiner Schulhofbande ist. Großspurig verspricht er, den Fall zu lösen. Doch dann findet er Amins Tagebuch und schnell wird klar, dass nichts so ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Amin lebt in einer Unterkunft für Geflüchtete. Und er schwebt in großer Gefahr. Johnny nimmt all seinen Mut zusammen und macht sich auf die Suche nach Amin. 

„Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist der Debütroman von Mirjam Raymond, der unter anderem durch ein Stipendium der Akademie für Kindermedien gefördert wurde. Empfohlen wird der Roman für Leser:innen ab 10 Jahren, aufgrund des Alters des Protagonisten (12 Jahre) ist dies vermutlich gerade die Grenze. Generell balanciert der Roman auf dem schmalen Grat zwischen Kinder- und Jugendbuch, da ich ihn aber eher für Leser:innen ab 11, 12 Jahren empfehlen würde, habe ich ihn schlussendlich als Jugendbuch eingeordnet.

Die Handlung ist grundsätzlich altersgerecht und mischt dabei jugendtypische Probleme wie Freundschaft und familiäre und schulische Konflikte mit großen gesellschaftlichen Themen wie Migration und Ausländerfeindlichkeit. Dabei gelingt es Mirjam Raymond, die Themen jugendgerecht aufzuarbeiten. Zudem brilliert der Roman in dem abgedruckten Tagebuch von Amin, das nicht nur mit persischen Textpassagen aufwartet, sondern auch mit wundervollen Illustrationen von Maja Bohn, die die Handlung perfekt abrunden.

Das Setting ist gelungen. So entführt Mirjam Raymond die Leser:innen in eine süddeutsche Großstadt, nimmt sie mit auf eine Zugreise nach Düsseldorf und gedanklich in die Kriege und Krisen der Welt. Dabei erkundet man die Welt aus Sicht von Johnny, der im Roman als Ich-Erzähler fungiert und – etwas irritierend – teils die Leser direkt anspricht und in reißerischen Zeitungsschlagzeilen denkt.

Die Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere wichtige Nebencharaktere wie Ava, Sympathieträgerin und heimlicher Star des Romans, und Niko, während Johnny, selbst für sein Alter, teils nicht nachvollziehbar handelt, immerhin zum Ende hin aber einige seiner Handlungen reflektiert. Mirjam Raymonds Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist altersgerecht, teils sogar fast zu jugendlich.

Die Buchgestaltung glänzt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchsatz ist wirklich überzeugend mit den eingestreuten Tagebucheinträgen und Illustrationen. Der Buchumschlag wartet mit schön gestalteten Coverinnenseiten auf, das Covermotiv und die Coverrückseite werden zum Buchrücken hin krass abgegrenzt. Insgesamt ist das Covermotiv durchaus gelungen und zeigt starke Ansätze zur Handlung, die Typographie des Covers überzeugt ebenfalls.

Mein Fazit? „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin?“ ist ein gelungenes Debüt von Mirjam Raymond, das vor allem mit der tollen Gestaltung, den Illustrationen und einer altersgerechten Aufarbeitung des Themas Migration punktet, dabei aber auch kleinere Schwächen hat. Für Leser:innen ab etwa 11, 12 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.