[Buchgedanken] Markus Heitz: „Die Rückkehr der Zwerge 1“ (Zwerge 6.1)

In der letzten Zeit habe ich den ersten Band der Dilogie „Die Rückkehr der Zwerge“ von Markus Heitz gelesen, die zusammen Teil 6 der Buchreihe um die Zwerge darstellt. Das Buch ist 2021 im Knaur Verlag, einem Imprint der Droemer Knaur GmbH & Co. KG, erschienen und dem Genre High Fantasy zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

Hunderte Zyklen vergingen im Geborgenen Land. Der Zwerg Goïmron arbeitet als Gemmenschnitzer in der Stadt Malleniaswacht. Ihn faszinieren vor allem die alten Zeiten, die großen Zeiten der fünf Zwerge-Stämme, und so sucht er auf den Märkten immer wieder nach Aufzeichnungen und Artefakten, die ihm Hinweise auf die stolze Geschichte geben.
Dabei gerät Goïmron überraschend an ein Buch, das handschriftlich und auf Zwergisch verfasst wurde. Aufgrund der Fülle von Details gibt es keinerlei Zweifel: Das Buch muss vom heldenhaften Tungdil Goldhand selbst stammen – doch der gilt seit Hunderten von Zyklen nach einem verheerenden Beben im Grauen Gebirge als verschollen. Aber der letzte Eintrag ist nicht lange her – wie kann das sein? Als Goïmron sich nichtsahnend auf die Suche nach dem legendären Zwerg macht, geraten er und seine Gefährtentruppe schon bald mitten hinein in uralte Intrigen und brutale Machtkämpfe von skrupellosen Menschen, geheimnisvollen Albae – und Drachen!

„Die Rückkehr der Zwerge 1“ führt den Leser zurück in die Welt der Zwerge, Menschen, Elben, Orks und Albae, Eine Welt, die jahrelang die deutsche Fantasy geprägt – und mich auch in Jugendjahren verzaubert – hat. Umso erfreuter bin ich, endlich wieder in altbekannte Gefilde zurückzukehren. Dabei ist „Die Rückkehr der Zwerge“ auch gut ohne Vorkenntnisse lesbar – schließlich fehlen mir auch einige der Teile -, aber nicht als Standalone ohne den zweiten Band der Dilogie, da wesentliche Handlungsstränge nicht aufgelöst werden, vielmehr der (durchaus gewollte) Eindruck entsteht, es handle sich bei Teil 1 und 2 um ein einziges Buch, das wegen der Länge in zwei Hälften gesplittet wurde.

So endet der erste Band auch in einem – etwas unschönen – Cliffhanger, hier hätte man ggf. besser stoppen können. Abgesehen davon ist die Handlung spannend, abwechslungsreich, aber auch sehr fragmentarisch, da so viele Handlungsstränge angelegt werden, dass durchaus einige (Lese-)Zeit vergeht, bevor man zu einem zurückkehrt – was es einem oftmals schwer macht, den Überblick über alles zu wahren. Auch sind leider relevante Handlungsorte nicht auf der wunderschönen Karte eingezeichnet.

Der Weltenbau hingegen überzeugt im Großen und Ganzen. Die geschichtlichen Hintergründe und politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten werden immer mal wieder in kleinen Dosierungen in die Handlung eingeflochten, sodass man nach und nach einen Überblick gewinnt – auch wenn man von den ausführlichen Dramatis Personae und Begriffserklärungen vor der Geschichte etwas erschlagen wird. Markus Heitz‘ Schreibstil ist dabei (erwartbar) leicht und flüssig lesbar – lediglich die teils exotischen Namen führen anfangs bei Häufung zu kleineren Abstrichen in der Lesbarkeit.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen ordentlich ausgearbeitet, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders überzeugen hier Stémna, Klaey und Rodana, während bei den Zwergen am ehesten noch Brûgar und Xanomir in eher kleineren Rollen brillieren.

Die Buchgestaltung ist auf ganzer Linie gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, das Cover ist – gerade im Zusammenspiel mit Band II – ein wahrer Eyecatcher, der Buchumschlag insgesamt hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – sehr edel!

Mein Fazit? „Die Rückkehr der Zwerge 1“ ist ein gelungener Auftakt in die Dilogie – und eine willkommene Rückkehr in die Welt der Zwerge, die durch eine abwechslungsreiche Handlung und einen tollen Weltenbau brilliert, vom Leser aber auch Aufmerksamkeit und viel Geduld verlangt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos (auch als Reiheneinstieg) zu empfehlen – allerdings nicht als Standalone ohne Teil 2 lesbar.

[Buchgedanken] Nina MacKay: „Black Forest High: Ghostseer“ (BFH 1)

Pünktlich zur Buchmesse – und direkt aus dem Zug – möchte ich Euch noch ein Buch vorstellen, das ich in den letzten Tagen gelesen habe. „Black Forest High: Ghostseer“ von Nina MacKay ist 2019 bei ivi erschienen, einem Imprint der Piper Verlag GmbH, und am ehesten dem Genre Low Fantasy zuzurechnen – auch wenn sich diese Klassifizierung mit den Folgebänden durchaus auch in Richtung Young-Adult-Romantasy verschieben könnte. Das mir vorliegende Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!).

512BfMxVix2L._SX327_BO1204203200_Was, wenn die Auserwählte tot ist und du ihren Platz einnehmen musst? Die Black Forest High ist die Schule für Geisterjäger, Exorzisten und Geistermedien. Als Seven mit ihrem besten Freund, dem Geist Remi, die Schule zum ersten Mal betritt, macht sie das nicht nur bei den gutaussehenden Zwillingen Parker und Crowe interessanter als ein Geist mit zwei Köpfen. Neben ihrer Abneigung gegen den Unterricht im Exorzismus lässt Sevens Gerechtigkeitssinn sie schnell am Leitsatz der Black Forest High zweifeln: »Wer über die Toten herrscht, beherrscht auch die Lebenden«. Warum halten das alle für normal? Und warum verschwinden zahlreiche Schulabgänger spurlos? Zu allem Überfluss scheinen es sämtliche Poltergeister ausgerechnet auf sie abgesehen zu haben …

„Black Forest High: Ghostseer“ ist ein mehr als gelungener Auftakt in eine neue Buchreihe. Rasant und witzig, voller popkultureller Anspielungen, emotional und magisch – Nina MacKay sorgt dafür, dass man als Leser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Unerwartete Wendungen und neue Erkenntnisse sorgen immer wieder für Überraschungen und Spannungsspitzen – auch wenn ich der Autorin den Cliffhanger am Ende etwas übel nehme :).

Sowohl Setting, als auch Weltenbau überzeugen auf ganzer Linie. Die Gegensätze zwischen dem ländlichen Setting in Utah und der verwunschenen Schule im düsteren Schwarzwald werden klar und anschaulich beschrieben und erlauben es dem Leser, sich dorthin zu träumen. Der – bei einer Geschichte, die in der realen Welt spielt, nur in Grenzen mögliche – Weltenbau punktet vor allem mit dem (der Einfachheit halber mal so bezeichneten) Magiekonzept. Geister, Geistfähigkeiten, politische Strömungen werden eingeführt. Da man sie zusammen mit der Protagonistin Seven kennenlernt, ist es gar nicht wichtig, dass hier vereinzelte Puzzleteile noch fehlen, um ein wirklich schlüssiges und aussagekräftiges Bild zu schaffen. Ich bin mir sicher, dass sich dies nach und nach mit Fortsetzung der Reihe weiter aufbaut und vervollständigt.

Die Charaktere sind plastisch und dreidimensional gezeichnet. Sie haben Stärken, Schwächen, eigene Motive und Ziele. Dabei überzeugen auch – und gerade – die Nebencharaktere, insbesondere Varla. Gut gefällt mir in dem Zusammenhang auch die Wahl der Erzählperspektive, die es dem Leser ermöglicht, sich durch die Ich-Perspektive von Seven noch stärker mit ihr als Protagonistin zu identifizieren. Sofern doch andere Perspektiven notwendig für die Handlung waren, werden diese klar abgegrenzt, betitelt und in peronaler Erzählperspektive dargestellt.

Die Buchgestaltung ist phänomenal gelungen. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat überzeugen auf ganzer Linie. Das Cover ist hochwertig geprägt und besitzt ausklappbare, farbig Coverinnenseiten. Dabei wird das wunderschöne, blasse und mystische Titelbild auf den Innenseiten aufgegriffen und sorgt für einen tollen Gesamteindruck.

Mein Fazit? „Black Forest High: Ghostseer“ ist in in allen Punkten überzeugender Auftakt in eine neue – hoffentlich langlebige – Buchreihe um Geisterseher in der realen Welt. Dabei punktet der Roman vor allem mit tollen Charakteren, einer spannenden und witzigen Handlung und einem gelungenen Setting – und lässt dabei genug offene Fragen und Spielraum für die Folgebände. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – idealerweise erst ab 14 Jahren (wie auch vom Verlag empfohlen).

[Buchgedanken] Trudi Canavan: „Magie“

Vor einigen Wochen habe ich endlich mal wieder ein Buch von Trudi Canavan gelesen. „Magie“ ist in der mir vorliegenden Ausgabe 2012 als Taschenbuch bei cbt erschienen, derzeit wird es von Blanvalet vertrieben (beides Verlage innerhalb der Random House Verlagsgruppe). Die Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel „The Magician’s Apprentice“ bei Orbit, einem Imprint der Verlagsgruppe Hachette Livre UK. Es handelt sich um eine Vorgeschichte zur Trilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“, die ich in naher Zukunft auch re-readen werde. Der Roman ist dem Genre High-Fantasy zuzuordnen.

51bd6xzezul-_sx340_bo1204203200_Tessia, die Tochter des Dorfheilers von Mandryn, wünscht sich selbst nichts sehnlicher, als Heilerin zu werden. Als eines Tages durch Zufall offenbart wird, dass sie über magische Kräfte verfügt, nimmt Lord Dakon die junge Frau als seine Meisterschülerin zu sich. In der gefährlichen Welt der Magie muss sie schnell lernen, ihre Kräfte zu kontrollieren, denn Kyralia steht kurz vor einem Krieg mit dem Nachbarland Sachaka.

Trudi Canavan ist die Queen der High-Fantasy. Mit „Magie“ erschafft sie ein spannendes, fesselndes und hochdramatisches Epos als Vorgeschichte zu ihrer Bestsellertrilogie „Die Gilde der schwarzen Magier“, mit der ihr international der Durchbruch gelang. Besonders loben möchte ich den gelungenen Weltenbau. So sind die Gegebenheiten und die Geschichte der einzelnen Länder nicht als Prolog vorangestellt, sondern kunstvoll in die Handlung integriert, sodass der Leser zwar nur scheibchenweise davon erfährt, zu keiner Zeit aber mit Informationen überfrachtet wird. Persönlich hätte ich mir noch eine abgedruckte Karte gewünscht, aber das ist optional und vernachlässigbar.

Der Spannungsbogen wird die ganze Zeit gehalten und der Leser durch unerwartete Wendungen im Unklaren gehalten. Auch die Charaktere sind plastisch und vielschichtig dargestellt, und entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter. Dies ist meines Erachtens nach besonders bei Jayan, aber auch bei Stara der Fall. Der Autorin gelingt es zudem, verschiedene Handlungsstränge, die weit entfernt sind, zum Ende doch kurzzeitig zusammenzuführen. Trudi Canavans Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen, und auch die Erzählperspektive ist unter Berücksichtigung der verschiedenen Handlungsstränge gut gewählt – man kann sich dennoch gut mit den einzelnen Protagonisten identifizieren.

Eine Sache kam mir jedoch etwas zu kurz. Wie die Lyrics des ersten Songs aus dem Musical Aida ausführen („Jede Fabel und Geschichte, jedes Drama, jedes Stück, handelt von demselben Thema: Was ist Liebe? Was ist Glück?“), spielt das Thema „Liebe“ eine zentrale Rolle in Geschichten, ist Motiv und treibt die Handlung voran. Nun könnte ich nachvollziehen, wenn darauf gänzlich verzichtet wird – schließlich hat die Autorin auch einen High-Fantasy-Roman und nicht im Genre Romantasy geschrieben. Das ist allerdings nicht passiert, sondern sie hat es aus meiner Sicht etwas zu halbherzig eingebaut. Hier hätte ich mir mehr gewünscht.

51z2nnk9zpl-_sx339_bo1204203200_Zur Umsetzung des Romans muss man nur wenige Worte verlieren. Cover, Buchsatz, Lektorat und Korrektorat überzeugen, wobei mir das alte cbt-Cover, das ich vorliegen habe, leicht besser gefällt als die aktuelle Blanvalet-Version (die mit den Blanvalet-Ausgaben der anderen Bücher von Trudi Canavan einhergeht) – hier zum Vergleich mal angehängt.

Mein Fazit: „Magie“ ist ein rundum gelungener High-Fantasy Roman von einer der modernen Ikonen des Genres, der durch gelungenen Weltenbau und tolle Charaktere überzeugen kann. Lediglich die eingebaute Liebesgeschichte kam mir etwas zu kurz. Für Fantasy-Liebhaber bedenkenlos zu empfehlen.