[Buchgedanken] Anika Mehlis: „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“

Vor kurzem habe ich auch „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ von Dr. Anika Mehlis gelesen. Das Buch ist 2025 in der Knesebeck GmbH & Co. Verlag KG erschienen und als anekdotisches Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nur im Raumanzug darf Anika Mehlis das Habitat verlassen. Vor ihr erhebt sich ein Vulkan. Doch sie ist nicht auf dem Mars, sondern auf der Erde. Als Analog-Astronautin testet sie in der Wüste Israels und in den Bergen Armeniens Technologien für zukünftige Missionen. Sie lebt unter extremen Bedingungen und erfährt hautnah, was es braucht, um auf dem roten Planeten zu bestehen: mentale Stärke, Teamgeist und Vertrauen. Denn am Ende geht es nicht darum, den Mars zu besiedeln – sondern darum, besser zu verstehen, was es bedeutet, Mensch zu sein.

In „Wo die Zukunft der Raumfahrt begint“ beschreibt Dr. Anika Mehlis ihr Leben „als Analog-Astronautin zwischen Erde und Mars“, wie der Untertitel besagt. Dabei lässt sich das Buch gar nicht so einfach einem Genre zuordnen, ist zugleich Sachbuch als auch biografisches Werk, sodass ich es schlussendlich als anekdotisches Sachbuch eingeordnet habe, wird doch die Tätigkeit als Analog-Astronautin anhand der persönlichen Erfahrungen der Autorin dargestellt und mit Fotos von ihren Missionen verssehen.

So begleitet man (die spätere Dr.) Anika Mehlis nicht nur durch den mühsamen und mehrstufigen Auswahlprozess zur Analog-Astronautin, sondern auch durch die beiden Missionen in Israel und Armenien – ein Unterschied wie Tag und Nacht. Dabei lernt man durchaus auch einige persönliche Informationen über die Autorin und ganz viel Neues über die unscheinbaren Held:innen der Raumfahrt – wobei sie ja gar nicht so unsichtbar sind, wenn ich mir den beschriebenen Medienrummel um die Missionen so durchlese.

So spannend das alles auch ist – so ermüdend ist es manchmal, das Buch mit den ganzen Abkürzungen zu lesen, die den Lesefluss doch etwas beeinträchtigen, auch wenn sich der Sinn dahinter natürlich erschließt. Auch hätte ich mir an einigen Stellen noch stärkere Ausführungen gewünscht – sowohl bei den Auswirkungen der Mission auf die Autorin als auch generell über die Probleme der Besiedlung des Mars. Toll ist hingegen auch, dass die einzelnen Abschnitte mit inspirierenden Zitaten von Pionierinnen aus Wissenschaft, Forschung und Kultur beginnen, eine Rolle, die ja nun auch die Autorin innehat.

Auch die restliche Buchgestaltung vermag zu überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben solide gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Cover leicht geprägt und mit Klappen und farbigen, aber eintönigen Coverinnenseiten versehen. Covermotiv und Coverrückseite werden jeweils zum Buchrücken hin krass unterbrochen, bieten aber mit den offiziellen Missionsfotos natürlich tolle Eyecatcher, die auch mit dem Inhalt in Verbindung stehen.

Mein Fazit? „Wo die Zukunft der Raumfahrt beginnt“ ist ein zuweilen persönliches, aber immer informatives Buch über Analog-Astronaut:innen, das dieses eher unterbelichtete Kapitel der Raumfahrt in den Fokus rückt, dabei aber teils noch andere Schwerpunkte hätte setzen können. Für thematisch interessierte Leser:innen bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Ruben Laurin: „Die Löwin von Jerusalem“

Vor kurzem habe ich auch „Die Löwin von Jerusalem“ von Ruben Laurin, einem Pseudonym des Autors Thomas Ziebula gelesen. Der Roman ist 2024 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Israel, 1000 v. Chr. – Bathseba ist knapp sechzehn, als sie dem Menschen begegnet, der zu ihrem Schicksal werden soll: dem Hirtenjungen David. Vor den Toren Hebrons rettet sie ihm das Leben, und beide verlieben sich sofort ineinander. Doch Bathsebas Vater hat andere Pläne und zwingt seine Tochter, den groben Uriah zu heiraten, einen Offizier des Königs Saul. Voller Verzweiflung zieht David in den Krieg und steigt nach seinem Kampf gegen Goliath selbst zum König auf. Bathseba, gefangen in einer unglücklichen Ehe, kann jedoch ihren Traum von einem gemeinsamen Leben mit David nie vergessen – und fasst einen verzweifelten Plan, der sowohl ihren Tod als auch ihre Freiheit bedeuten könnte …

„Die Löwin von Jerusalem“ oder auch „Bathseba – die Freiheit war ihr Traum, König David ihr Schicksal“ ist ein historischer Roman, den der Autor Thomas Ziebula unter seinem Pseudonym Ruben Laurin veröffentlicht hat. Dabei hätte man das Buch auch als historische Romanbiografie einordnen können, aufgrund der aber doch auch teils von Bathsebas Leben entfernten Handlung, der unklaren Quellenlage und der auch teils geänderten, zentralen Aspekte ihres Lebens habe ich es bei der Eingruppierung als historischer Roman belassen.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich, in Grundzügen bekannt, aber dennoch überraschend. Ruben Laurins Nacherzählung der berühmten Geschichte um David und Goliath, um die aus Leonard Cohens Hallelujah bekannte Bathseba, mischt dabei Fakt und viel Fiktion, ist (richtigerweise) schonungslos brutal, hat aber auch – gerade zu Anfang – kleinere Längen. Zudem irritieren die – nicht genau datierten – Zeitsprünge und vor allem die Ansprache des Lesers durch eine Art gottgleichen Erzähler, der als Vielzahl himmlischer Wesen (Engel?) in Erscheinung tritt.

Das Setting vermag hingegen vollends zu überzeugen. So entführt der Autor die Leser:innen in die Vergangenheit vor 3.000 Jahren, mitten hinein in die Kämpfe der israelischen Stämme gegen die Philister – und gegen sich selbst. Dabei bringt Ruben Laurin dem Leser eine Kultur näher, die zwar durch den Krieg geschaffen, durch das Schwert beherrscht wird, in der aber gerade die Propheten und Lehrer eine übergeordnete Stellung besitzen, die selbst Könige stürzt oder um den Verstand bringt – so wird (Bibel-)Geschichte lebendig gemacht.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Rahel, Bathseba und Ahitofel, während gerade David etwas wankelmütig verbleibt und insbesondere Uriah etwas einseitig gestaltet worden ist. Ruben Laurins Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen, hat aber sicherlich auch in der Abwägung die Lesbarkeit der historisch authentischen Sprache vorgezogen (was nicht heißen soll, dass der Roman schlecht recherchiert ist).

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten (insbesondere im letzten Drittel) durchgerutscht, die das Lesevergnügen nicht erheblich schmälern, auf die Kapitelüberschriften hätte man aber aus meiner Sicht durchaus verzichten oder sie durch Zeit- und oder Ortsangaben ersetzen können. Der Buchumschlag ist mit farbigen Coverinnenseiten versehen, die eine wunderschön gezeichnete Karte enthalten, die Geschichte wird zudem mit einer Dramatis Personae, einer Zeittafel und einem Glossar abgerundet, wobei man die Zeittafel auch eher ans Ende hätte setzen können. Das Covermotiv wird leider zum Buchrücken hin unterbrochen, insgesamt ist der Buchumschlag eher etwas eintönig und wird von dem großen, aber typographisch uneinheitlichen Titel beherrscht – unüblich fürs Genre, auch wenn das Covermotiv insgesamt durchaus zu überzeugen weiß, obwohl etwas der Bezug zur Handlung fehlt.

Mein Fazit? „Die Löwin von Jerusalem“ ist ein atmosphärischer historischer Roman, der Bathsebas Geschichte neu erzählt und dabei mit einem tollen Setting und einer durchaus spannenden Handlung glänzt, aber auch einige Schwächen hat. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – allerdings nicht unter einem Lesealter von 16 Jahren.