[Buchgedanken] Nina MacKay: „Black Forest High: Ghostseer“ (BFH 1)

Pünktlich zur Buchmesse – und direkt aus dem Zug – möchte ich Euch noch ein Buch vorstellen, das ich in den letzten Tagen gelesen habe. „Black Forest High: Ghostseer“ von Nina MacKay ist 2019 bei ivi erschienen, einem Imprint der Piper Verlag GmbH, und am ehesten dem Genre Low Fantasy zuzurechnen – auch wenn sich diese Klassifizierung mit den Folgebänden durchaus auch in Richtung Young-Adult-Romantasy verschieben könnte. Das mir vorliegende Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!).

512BfMxVix2L._SX327_BO1204203200_Was, wenn die Auserwählte tot ist und du ihren Platz einnehmen musst? Die Black Forest High ist die Schule für Geisterjäger, Exorzisten und Geistermedien. Als Seven mit ihrem besten Freund, dem Geist Remi, die Schule zum ersten Mal betritt, macht sie das nicht nur bei den gutaussehenden Zwillingen Parker und Crowe interessanter als ein Geist mit zwei Köpfen. Neben ihrer Abneigung gegen den Unterricht im Exorzismus lässt Sevens Gerechtigkeitssinn sie schnell am Leitsatz der Black Forest High zweifeln: »Wer über die Toten herrscht, beherrscht auch die Lebenden«. Warum halten das alle für normal? Und warum verschwinden zahlreiche Schulabgänger spurlos? Zu allem Überfluss scheinen es sämtliche Poltergeister ausgerechnet auf sie abgesehen zu haben …

„Black Forest High: Ghostseer“ ist ein mehr als gelungener Auftakt in eine neue Buchreihe. Rasant und witzig, voller popkultureller Anspielungen, emotional und magisch – Nina MacKay sorgt dafür, dass man als Leser das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Unerwartete Wendungen und neue Erkenntnisse sorgen immer wieder für Überraschungen und Spannungsspitzen – auch wenn ich der Autorin den Cliffhanger am Ende etwas übel nehme :).

Sowohl Setting, als auch Weltenbau überzeugen auf ganzer Linie. Die Gegensätze zwischen dem ländlichen Setting in Utah und der verwunschenen Schule im düsteren Schwarzwald werden klar und anschaulich beschrieben und erlauben es dem Leser, sich dorthin zu träumen. Der – bei einer Geschichte, die in der realen Welt spielt, nur in Grenzen mögliche – Weltenbau punktet vor allem mit dem (der Einfachheit halber mal so bezeichneten) Magiekonzept. Geister, Geistfähigkeiten, politische Strömungen werden eingeführt. Da man sie zusammen mit der Protagonistin Seven kennenlernt, ist es gar nicht wichtig, dass hier vereinzelte Puzzleteile noch fehlen, um ein wirklich schlüssiges und aussagekräftiges Bild zu schaffen. Ich bin mir sicher, dass sich dies nach und nach mit Fortsetzung der Reihe weiter aufbaut und vervollständigt.

Die Charaktere sind plastisch und dreidimensional gezeichnet. Sie haben Stärken, Schwächen, eigene Motive und Ziele. Dabei überzeugen auch – und gerade – die Nebencharaktere, insbesondere Varla. Gut gefällt mir in dem Zusammenhang auch die Wahl der Erzählperspektive, die es dem Leser ermöglicht, sich durch die Ich-Perspektive von Seven noch stärker mit ihr als Protagonistin zu identifizieren. Sofern doch andere Perspektiven notwendig für die Handlung waren, werden diese klar abgegrenzt, betitelt und in peronaler Erzählperspektive dargestellt.

Die Buchgestaltung ist phänomenal gelungen. Buchsatz, Lektorat und Korrektorat überzeugen auf ganzer Linie. Das Cover ist hochwertig geprägt und besitzt ausklappbare, farbig Coverinnenseiten. Dabei wird das wunderschöne, blasse und mystische Titelbild auf den Innenseiten aufgegriffen und sorgt für einen tollen Gesamteindruck.

Mein Fazit? „Black Forest High: Ghostseer“ ist in in allen Punkten überzeugender Auftakt in eine neue – hoffentlich langlebige – Buchreihe um Geisterseher in der realen Welt. Dabei punktet der Roman vor allem mit tollen Charakteren, einer spannenden und witzigen Handlung und einem gelungenen Setting – und lässt dabei genug offene Fragen und Spielraum für die Folgebände. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – idealerweise erst ab 14 Jahren (wie auch vom Verlag empfohlen).

[Buchgedanken] Birte Lämmle: „Enya – Windsbraut“

In den letzten Tagen habe ich „Enya – Windsbraut“ von Birte Lämmle gelesen. Vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing veröffentlicht worden und ist dem Hauptgenre „Fantasy“ zuzuordnen. Eine Einordnung in ein Subgenre fällt nicht so einfach, persönlich würde ich es als „Heroic Fantasy“ sehen. Das mir vorliegende Exemplar stammt aus einer Hardcover-Auflage, Druck und Bindung erfolgten bei „WIRmachenDRUCK“.

51riezyvnzl-_sx327_bo1204203200_Seit ihrer Kindheit lebt Enya auf dem Segelschiff Aurora. Nach dem Tod ihres Vaters Tore, dem Kapitän der Autora, erbt sie noch als Mädchen die Verantwortung für das Schiff und die Mannschaft. In einer Welt, in der es undenkbar erscheint, dass eine Frau das Kommando ausübt, kämpft sie verbissen für ihr Recht – und das Andenken ihres Vaters. Doch Enya hütet ein Geheimnis, das sie in größte Gefahr bringen kann. Mit ihren Haaren kann sie den Wind rufen, Stürme entfachen. Als plötzlich zwei Fremde in Enyas Leben treten, beginnt für sie und die Crew der Aurora eine schicksalshafte Fahrt. Eine Reise voller Abenteuer und Gefahr, aber auch voller Liebe, Freundschaft und Treue.

Die Geschichte von Enya ist eine volle Überraschung. Mit „Enya – Windsbraut“ gelingt Birte Lämmle ein überzeugendes Debüt, das sich nicht zu verstecken braucht, und das einen wunderbaren Einstieg in eine Buchreihe eröffnet. So wundert es mich nicht, sondern freut mich, dass die Autorin bereits am Nachfolgeband arbeitet.

Der Roman ist auf ein junges Lesepublikum zugeschnitten und eignet sich sehr gut als Einstieg in die Welt der Fantasy. Ich würde das Buch Lesern ab 10 Jahren ans Herz legen, die Spaß daran haben, neue Welten zu entdecken und zu erkunden.

Mit teils unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin, den Spannungsbogen zu halten und den Leser immer mal wieder zu überraschen. Hinzu kommt das nautische Grundverständnis, das der Geschichte innewohnt und für eine authentische Erzählung sorgt. Vor allem kann der Roman jedoch mit seiner Protagonistin überzeugen, die als junge Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft den Aufstand übt und sich über die dort vorherrschenden Genderrollen hinwegsetzt – ein Vorbild, gerade für die jungen Leser. Auch die Nebencharaktere (meine Favoriten Juna und Nino) sind plastisch und dreidimensional ausgearbeitet. Eine kleine Chance wurde jedoch vertan, durch die Nutzung der Ich-Perspektive hätte der Leser im vorliegenden Fall noch stärker mit Enya verbunden werden, hätte sich noch stärker mit ihr identifizieren können.

Luft nach oben gibt es für mich beim Weltenbau, der mich nicht restlos überzeugen konnte. Mal ganz nah an der realen Welt, mal ganz fern, hätte ich mir eine klarere Abgrenzung gewünscht. Kontinente wie Euronia, Länder wie Saba, Worte wie „Siegertreppchen, Müllkpipe, Tattoos“ oder medizinische Fachworte wie „Gehirnerschütterung“ – etwas mehr Sorgfalt hätte hier den Roman noch stärker und runder machen können. Abgesehen davon lässt sich der Schreibstil der Autorin gut und flüssig lesen und ist altersgerecht auf die Zielgruppe zugeschnitten.

Auch die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Das Cover ist gut stilisiert und gelungen, der Buchrücken wirkt mit dem eingefügten Textfeld jedoch etwas zu abgesetzt – hier hätte ein fließenderer Übergang gut getan. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, zwar sind einige Fehler durchgerutscht, es hält sich jedoch in einem Rahmen, der den Lesefluss nicht stört. Der Buchsatz hingegen gefällt mir sehr gut, insbesondere beherzigt das Buch die Tradition, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen, auch wenn dies zu Leerseiten führt. Der Geschichte ist zudem eine Karte der Handlungsorte voran-, ein Seefahrtsglossar nachgestellt.

Mein Fazit? „Enya – Windsbraut“ ist ein überzeugendes Romandebüt, ein Fantasyroman für jung und alt ab etwa 10 Jahren, der vor allem mit überzeugenden Charakteren punktet. Kleinere Schwächen beim Weltenbau und der sprachlichen Ausgestaltung mindern nicht das Lesevergnügen. Vor allem für junge Abenteurer bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] A. B. Schuetze: „Steine aus Adanwe“

In den letzten Wochen habe ich im Anschluss an eine Buchverlosung das Buch „Steine aus Adanwe“ der Debütautorin A. B. Schuetze gelesen. Das Buch ist am ehesten dem Genre Low-Fantasy (mit leicht-erotischen Einschlägen) zuzuordnen, wurde 2016 im net-Verlag veröffentlicht und unter geschlossenem Pseudonym geschrieben.51h8hsmrisl-_sx314_bo1204203200_

Der Roman beschreibt die Geschichte der Innenarchitektin Corri, die den Auftrag bekommt, ein altes Patrizierhaus einzurichten. Nachdem sie den Auftrag angenommen hat, häufen sich mysteriöse Vorfälle in ihrem Umfeld, die sie gemeinsam mit ihren Freunden erkunden will. Immer wieder stehen dabei auch die geheimnisvollen Besitzer des Hauses im Mittelpunkt, die ein Geheimnis hüten, so alt wie die Welt. Doch plötzlich verschwindet Corri, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Magie und Liebe, Freundschaft und Kameradschaft, Intrigen und Ränke – „Steine aus Adanwe“ entführt den Leser in spannende Welten.

Mit dem Roman schafft die Autorin ein, in Abstrichen, gelungenes Debüt. Der Grundgedanke der Geschichte über das Volk der Salwidizer und ihre Gefährten ist gut ausgearbeitet und hat die Chance, den Leser zu begeistern. Gleichzeitig öffnet er auch (zusammen mit dem offenen Ende) die Möglichkeit, Fortsetzungen und Vorgeschichten zu schreiben und die erschaffene Geschichte weiter auszubauen. Es gelingt der Autorin zudem, eine spannende Handlung aufzubauen und den Spannungsbogen größtenteils über die Geschichte hinweg zu halten.

Kleinere Schwächen sehe ich vorliegend in der Charaktergestaltung. Das Buch hat eine angenehme Länge – es werden jedoch sehr viele Charaktere vorgestellt, die die Handlung vorantreiben. Dadurch ist es naturgemäß schwer, die einzelnen Charaktere konsequent weiterzuentwickeln, so handeln sie aus meiner Sicht teils nicht nachvollziehbar und unlogisch. Dennoch fiebert man mit den einzelnen Protagonisten mit, sodass das nur ein kleiner Schönheitsfehler ist, der gegebenenfalls auch in Nachfolgebänden noch ausgemerzt werden kann.

Positiv möchte ich noch anmerken, dass das Buch, trotz einiger erotischer Szenen, den Schwerpunkt konsequent auf das phantastische Geschehen legt und nicht in die Gefahr gerät, das Genre zu verfehlen/wechseln. Das Cover ist sehr schön gestaltet und edel geprägt, der Satz ist in Ordnung. Was ich vermisse, war die Durchnummerierung der Kapitel, die lediglich mit einer Überschrift versehen waren – aber das ist nur Geschmackssache.

Leider liegt aus meiner Sicht sprachlich einiges im Argen – hier hat vor allem das Lektorat entweder nur oberflächlich gearbeitet oder gegebenenfalls hat auch das Wissen gefehlt. Beispielhaft schwankt das Buch von der Wortwahl her, auch in den einzelnen Charakteren, von unüblich und aus der Zeit gekommenen Worten zu moderner Sprache. Die Gedanken sind nicht immer gleich gekennzeichnet, und es werden exzessiv Auslassungszeichen verwendet. Wortwiederholungen und Fehler sind ebenfalls vorhanden, und die Regel „Show don’t tell“ wurde teils umgesetzt, teils sogar konterkariert indem zuerst die Handlung beschrieben, und dann nochmal identisch gezeigt wurde. Alles in allem leider der Lesefluss darunter schon etwas, sodass das Potential der guten Geschichte leider nicht vollends ausgeschöpft wurde. Ab und an hatte ich zudem das Gefühl, dass die Handlung zu sehr gesprungen ist und der rote Faden für einen kurzen Moment verloren ging.

Mein Fazit? „Steine aus Adanwe“ ist ein solider Debütroman. Die phantastische Handlung vermag es durchaus, den Leser zu fesseln und lässt ihn mit den Protagonisten mitfiebern. Leider wird das Potential der Geschichte aufgrund einiger sprachlicher Mängel nicht vollends ausgeschöpft.