[Buchgedanken] Birte Lämmle: „Enya – Windsbraut“

In den letzten Tagen habe ich „Enya – Windsbraut“ von Birte Lämmle gelesen. Vielen Dank an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Das Buch ist 2017 im Selfpublishing veröffentlicht worden und ist dem Hauptgenre „Fantasy“ zuzuordnen. Eine Einordnung in ein Subgenre fällt nicht so einfach, persönlich würde ich es als „Heroic Fantasy“ sehen. Das mir vorliegende Exemplar stammt aus einer Hardcover-Auflage, Druck und Bindung erfolgten bei „WIRmachenDRUCK“.

51riezyvnzl-_sx327_bo1204203200_Seit ihrer Kindheit lebt Enya auf dem Segelschiff Aurora. Nach dem Tod ihres Vaters Tore, dem Kapitän der Autora, erbt sie noch als Mädchen die Verantwortung für das Schiff und die Mannschaft. In einer Welt, in der es undenkbar erscheint, dass eine Frau das Kommando ausübt, kämpft sie verbissen für ihr Recht – und das Andenken ihres Vaters. Doch Enya hütet ein Geheimnis, das sie in größte Gefahr bringen kann. Mit ihren Haaren kann sie den Wind rufen, Stürme entfachen. Als plötzlich zwei Fremde in Enyas Leben treten, beginnt für sie und die Crew der Aurora eine schicksalshafte Fahrt. Eine Reise voller Abenteuer und Gefahr, aber auch voller Liebe, Freundschaft und Treue.

Die Geschichte von Enya ist eine volle Überraschung. Mit „Enya – Windsbraut“ gelingt Birte Lämmle ein überzeugendes Debüt, das sich nicht zu verstecken braucht, und das einen wunderbaren Einstieg in eine Buchreihe eröffnet. So wundert es mich nicht, sondern freut mich, dass die Autorin bereits am Nachfolgeband arbeitet.

Der Roman ist auf ein junges Lesepublikum zugeschnitten und eignet sich sehr gut als Einstieg in die Welt der Fantasy. Ich würde das Buch Lesern ab 10 Jahren ans Herz legen, die Spaß daran haben, neue Welten zu entdecken und zu erkunden.

Mit teils unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin, den Spannungsbogen zu halten und den Leser immer mal wieder zu überraschen. Hinzu kommt das nautische Grundverständnis, das der Geschichte innewohnt und für eine authentische Erzählung sorgt. Vor allem kann der Roman jedoch mit seiner Protagonistin überzeugen, die als junge Frau in einer männlich dominierten Gesellschaft den Aufstand übt und sich über die dort vorherrschenden Genderrollen hinwegsetzt – ein Vorbild, gerade für die jungen Leser. Auch die Nebencharaktere (meine Favoriten Juna und Nino) sind plastisch und dreidimensional ausgearbeitet. Eine kleine Chance wurde jedoch vertan, durch die Nutzung der Ich-Perspektive hätte der Leser im vorliegenden Fall noch stärker mit Enya verbunden werden, hätte sich noch stärker mit ihr identifizieren können.

Luft nach oben gibt es für mich beim Weltenbau, der mich nicht restlos überzeugen konnte. Mal ganz nah an der realen Welt, mal ganz fern, hätte ich mir eine klarere Abgrenzung gewünscht. Kontinente wie Euronia, Länder wie Saba, Worte wie „Siegertreppchen, Müllkpipe, Tattoos“ oder medizinische Fachworte wie „Gehirnerschütterung“ – etwas mehr Sorgfalt hätte hier den Roman noch stärker und runder machen können. Abgesehen davon lässt sich der Schreibstil der Autorin gut und flüssig lesen und ist altersgerecht auf die Zielgruppe zugeschnitten.

Auch die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Das Cover ist gut stilisiert und gelungen, der Buchrücken wirkt mit dem eingefügten Textfeld jedoch etwas zu abgesetzt – hier hätte ein fließenderer Übergang gut getan. Lektorat und Korrektorat haben ordentlich gearbeitet, zwar sind einige Fehler durchgerutscht, es hält sich jedoch in einem Rahmen, der den Lesefluss nicht stört. Der Buchsatz hingegen gefällt mir sehr gut, insbesondere beherzigt das Buch die Tradition, jedes Kapitel auf einer ungeraden Seite zu beginnen, auch wenn dies zu Leerseiten führt. Der Geschichte ist zudem eine Karte der Handlungsorte voran-, ein Seefahrtsglossar nachgestellt.

Mein Fazit? „Enya – Windsbraut“ ist ein überzeugendes Romandebüt, ein Fantasyroman für jung und alt ab etwa 10 Jahren, der vor allem mit überzeugenden Charakteren punktet. Kleinere Schwächen beim Weltenbau und der sprachlichen Ausgestaltung mindern nicht das Lesevergnügen. Vor allem für junge Abenteurer bedenkenlos zu empfehlen.

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