[Buchgedanken] Eric Sander: „Die letzte Wahl“

Pünktlich und aus aktuellem Anlass zur heutigen Bundestagswahl möchte ich Euch „Die letzte Wahl“ von Eric Sander vorstellen, das ich vor kurzem gelesen habe. Das Buch ist 2021 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Politthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Als der Journalist Nicholas Moor mit seiner Tochter in einem abgelegenen Berghotel Urlaub macht, filmt er mit einer Drohne zufällig ein Geheimtreffen der aufstrebenden rechtspopulistischen Volkspartei. Die Aufnahmen sind brisant: Sie zeigen detaillierte Umsturzpläne für die Zeit nach dem erwarteten Wahlsieg. Die Security-Leute der Volkspartei haben die Drohne jedoch bemerkt, und sie sind gewillt über Leichen zu gehen, um zu verhindern, dass Nicholas die Pläne veröffentlicht. Er sieht nur noch einen ungeheuerlichen Ausweg, um den Staatsstreich zu verhindern …

„Die letzte Wahl“ ist – nicht nur aufgrund der heutigen Bundestagswahl – ein hochaktuelles, hochbrisantes Buch; ein Politthriller, der düstere Zukunftsvisionen malt und sich mit dem Phänomen des Rechtsextremismus beschäftigt. Und auch wenn ein dort beschriebenes Szenario hierzulande realistischerweise eher nicht denkbar erscheint, ist das Buch doch Mahnung und Warnung zugleich, sich gegen undemokratische Bestrebungen zur Wehr zu setzen, bevor es zu spät ist.

Die Handlung ist dabei spannend und abwechslungsreich, teils vorhersehbar, teils führt der Autor den Leser mit unerwarteten Wendungen aber immer mal wieder in die Irre. Dabei gibt es kaum Platz für Entschleunigung – selbst die Träume des Protagonisten sind oftmals vom Wahn geprägt, wandeln an der Grenze zwischen düsterer Vorahnung und Verfolgungswahn. Lediglich das Ende lässt einen als Leser leicht frustriert zurück.

Das Setting überzeugt auf ganzer Linie. Parteistrukturen und -Veranstaltungen, Verfolgungsjagden und Geheimtreffen an abgelegenen Orten – Eric Sander nimmt den Leser mit auf eine rasante Achterbahnfahrt durch das politische und journalistische Deutschland, die dafür sorgt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Dies wird auch durch den Schreibstil des Autoren unterstützt, der sich flüssig und schnell lesen lässt, nicht zu technisch oder fachsprachlich wird, wenn es um politische Vorgänge geht.

Dabei sind die einzelnen Protagonisten vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem Hanna, Lucas und Nina als Nebencharaktere, während Nicholas zuweilen etwas blass bleibt und man als Leser den Kontakt etwas verliert – ggf. hätte hier eine Ich-Perspektive oder eine stärkere Beschreibung der Vergangenheit geholfen, sich besser mit ihm identifizieren zu können.

Die Buchgestaltung ist ebenfalls gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Buchumschlag ist auf dem Titel leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild ist aufällig und farblich toll gestaltet – ein wahrer Eyecatcher.

Mein Fazit: „Die letzte Wahl“ ist ein spannender Politthriller, der vor einem brillanten Setting ein hochaktuelles und wichtiges Thema behandelt – aber leider ein wenig zufriedenstellendes Ende bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 15 Jahren.

[Buchgedanken] Yassin Musharbash: „Russische Botschaften“

In der letzten Zeit habe ich den Roman „Russische Botschaften“ des Investigativjournalisten Yassin Musharbash gelesen. Das Buch ist 2021 bei Kiepenheuer & Witsch veröffentlicht worden und als Politthriller einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über eine Leserunde auf Lovelybooks.de.

Mitten in Berlin-Neukölln stürzt vor den Augen von Investigativjournalistin Merle Schwalb ein Mann von einem Balkon. Wer ist der geheimnisvolle Tote? Ihre Recherchen führen ins Milieu krimineller Clans, zur Polizei und zum Verfassungsschutz. Doch dann erkennt sie: Der Mann war russischer Agent – mit einer gefährlichen Mission. Und die hatte mehr mit ihr und ihrem Job zu tun, als ihr lieb sein kann.

„Russische Botschaften“ ist ein hochinteressantes Buch, eine Mischung aus Politthriller und Spionageroman; eine Ode an den Investigativjournalismus, in der sehr ausgewogen nicht nur die Sonnen- sondern auch die Schattenseiten des Berufes beleuchtet werden.

Dabei ist die Handlung spannend, teils rasant – aber immer gut nachvollziehbar und erklärt. Yassin Musharbash mischt aktuelle Themen und Ereignisse mit Fiktion und erschafft so eine komplexe Geschichte, die den Leser – auch dank des gelungenen Settings – sofort in ihren Bann zieht. Leider ist das Ende jedoch sehr offen gestaltet, sodass für den Leser kein zufriedenstellender Abschluss der Handlung erreicht wird. Passt zum Thema – ist aber frustrierend.

Yassin Musharbashs Schreibstil lässt sich leicht und flüssig lesen. Trotz der hochpolitischen Themen verzichtet er nicht auf humorvolle Szenen – und sorgt teils sogar für Situationskomik. Feinfühlig behandelt er auch schwierige Sujets, und wird zu keiner Zeit zu belehrend – insgesamt eine Geschichte, die sich überraschend angenehm und schnell las. Lediglich die Dialoge geschehen teils zu rasant, wird doch in einigen gänzlich auf Ein-/Ausleitungsverben verzichtet – allerdings sehr inkonsequent, ein Muster oder sinnvolles Schema ist hier nicht zu entdecken.

Die einzelnen Charaktere sind im wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei überzeugen vor allem wichtige Nebencharaktere wie Maja, Josefine, Nick und Mick, während Merle doch etwas im Hintergrund bleibt – trotz gelegentlich eingestreuter, aber nicht wirklich relevanter Einblicke in ihre Vergangenheit, zum Beispiel von einem Antifa-Workshop.

Die Buchgestaltung ist größtenteils gelungen, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Die simple, aber farblich ansprechende, Covergestaltung zieht sich einheitlich über den kompletten Buchumschlag, der zudem mit Klappen versehen ist. Bei einer so hochwertigen Produktion hätte ich jedoch auch farbige Coverinnenseiten erwartet, die das schöne Gesamtbild abgerundet hätten.

Mein Fazit? „Russische Botschaften“ ist ein interessanter Politthriller, der durch eine spannende Handlung und ein tolles Setting punktet, aber leider ein unbefriedigendes Ende bietet. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Hochspannung in allen Zeiten | Doppelte Buchpost

In den letzten Tagen erreichten mich erneut einige wundervolle Bücher, von denen ich Euch heute die ersten beiden zeigen möchte. „Des Kummers Nacht“ von Ralph Knobelsdorf ist ein historischer Kriminalroman, der im Preußen des 19. Jahrhunderts spielt und mich als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury erreichte. „Russische Botschaften“ von Yassin Musharbash ist hingegen ein hochaktueller Politthriller im Spannungsfeld zwischen Politik, Spionage und Investigativjournalismus – und erreichte mich als Rezensionsexemplar im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Vielen Dank an die Verlage Bastei Lübbe und Kiepenheuer & Witsch. Da stehen mir einige, spannende Lesestunden ins Haus!

Neuzugänge voller Spannung | Doppelte Buchpost

Vor meinem Urlaub erreichten mich noch diese beiden, tollen Neuzugänge, die Spannung und aufregende Lesestunden versprechen. Der Politthriller „Die letzte Wahl“ von Eric Sander fand als Rezensionsexemplar über die Bloggerjury zu mir, Emma Stonex‘ „Die Leuchtturmwärter“ im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de. Vielen Dank an Bastei Lübbe und die S. Fischer Verlage für die Bereistellung der Rezensionsexemplare. Ich bin schon ganz auf die Ausflüge nach Cornwall und in die menschlichen Abgründe gespannt.

[Buchgedanken] Dirk Rossmann: „Der neunte Arm des Oktopus“

In der letzten Zeit habe ich „Der neunte Arm des Oktopus“ von Dirk Rossmann gelesen. Das Buch ist 2020 in der Bastei Lübbe AG erscheinen und dem Genre Politthriller zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Der Klimawandel – eine Katastrophe ungeahnten Ausmaßes steht uns bevor. Das Fiasko scheint unaufhaltsam. Bis die drei Supermächte China, Russland und die USA einen radikalen Weg einschlagen. Die Maßnahmen der Allianz greifen gravierend in das Leben der Menschen ein, und nicht jeder will diese neue Wirklichkeit kampflos akzeptieren. Alle Mittel sind den Gegnern recht, um ihre ökonomischen und machtpolitischen Interessen zu verteidigen. Die Situation spitzt sich dramatisch zu, und plötzlich liegt das Schicksal der Erde in den Händen eines schüchternen Kochs und einer unscheinbaren Geheimagentin.

„Der neunte Arm des Oktopus“ ist ein Thriller, der in verschiedenen Zeitebenen spielt. Ob die Zukunft im Jahr 2100 dabei utopische oder dystopische Züge hat, muss jeder für sich selbst entscheiden. Auf dem Weg in diese Zukunft entspinnt sich in den Jahren 2020-2025 ein politisches Geflecht, eine weltumspannende Verschwörung – und eine undenkbare Allianz.

Neben den Protagonisten des Romans treten im Buch auch illustre Politiker wie Schröder, Putin oder auch Kamala Harris auf, die der Autor bereits zur nächsten – und ersten – Präsidentin der USA ausgerufen hat. Es bleibt abzuwarten, ob sich zumindest diese Vorhersage erfüllt.

Neben einem reinen Thriller ist „Der neunte Arm des Oktopus“ dabei vor allem auch ein Plädoyer für Klimaschutz, ein Appell zum Erhalt des Lebens auf der Erde. Und auch wenn es höchst zweifelhaft erscheint, dass die hier aufgezeigten Lösungen auch nur im Ansatz umsetzbar oder pratikabel wären, so ist es doch wichtig, dass die Dringlichkeit des Themas aufgezeigt wird – und das Spannungsfeld zwischen persönlicher Freiheit und Klimaschutz, das hier vielleicht etwas zu progressiv ausgefüllt wird.

Die Handlung ist dabei größtenteils spannend, wenn auch durch die verschiedenen Zeitebenen teilweise das Ergebnis bereits vorweggenommen wird. Ohnehin bin ich der Meinung, dass das Buch konsistenter, dichter und spannender gewesen wäre, wenn auf die Zeitebene um 2100 einfach verzichtet worden wäre – und auf den nur damit in Verbindung stehenden Handlungsstrang in Indien, der wenig zur Handlung beiträgt. Durch eine stärkere Fokussierung auf die aktuelleren Ereignisse hätte auch die im Klappentext angekündigte Protagonistin, Sofia Della Bettemcour, deutlich früher in die Geschichte eingebaut werden können.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist auffällig und zieht sich als Gesamtbild über den kompletten Buchrücken. Wunderschön sind auch die farbig gestalteten Coverinnenseiten, die sich vorn und hinten allerdings gleichen. Hier hätte man etwas kreativer sein können – und das Cover insgesamt auch etwas wertiger drucken können, wenn schon auf einen Schutzumschlag verzichtet wird.

Mein Fazit: „Der neunte Arm des Oktopus“ Ist ein spannender Politthriller, der zum Nachdenken anregt und Bewusstsein für den Klimawandel schaffen will. Die interessante Handlung wird dabei durch unzählige Zeitsprünge und Nebenhandlungen etwas ausgebremst. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Jörg H. Trauboth: „Drei Brüder“

In den letzten Wochen habe ich im Rahmen einer Leserunde „Drei Brüder“ aus dem Verlag „ratio-books“ gelesen. Das Buch, eine Mischung aus Fiktion und Realität, ist als selbsternannter „Deutschland-Thriller“ wohl am ehesten dem Genre des Politthrillers zuzuordnen, einer Disziplin, die Tom Clancy mit seinen Romanen um Jack Ryan zu Weltruhm verhalf.41s8kjnzpal-_sx306_bo1204203200_

„Drei Brüder“ erzählt vor dem Hintergrund des IS-Terrorismus die Geschichte dreier Elitesoldaten des deutschen KSK. Unterlegt mit den jeweiligen politischen Entscheidungsprozessen folgt der Leser Marc Anderson und seinem Team nach Afghanistan, in den Irak und nach Algerien. Auch wenn die Handlung teilweise zu linear und vorhersehbar verläuft, ist sie dennoch spannend und lässt den Leser mit den Figuren mitfiebern und -leiden. Zudem gelingt es dem Autor, durch den Einbau kleinerer Nebenhandlungsstränge die einzelnen Protagonisten detaillierter und runder zu beschreiben.

Das Buch lebt von seiner Detailtiefe, die fast schon zu stark ausgeprägt ist. Aufgrund der Vergangenheit des Autors verfügt dieser über ein unglaubliches Detailwissen, das die Geschichte durchzieht aber teilweise den Lesefluss etwas ausbremst und die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Roman und Sachbuch verschwimmen lässt.

Zu Lasten des Leseflusses gehen leider auch die gehäuft auftretenden und teilweise gravierenden Fehler, die mich fassungslos den Kopf schütteln lassen haben. Klar können Rechtschreibfehler passieren. Klar kann auch mal ein Wort zu viel sein oder fehlen. Aber wenn dies gehäuft auftritt; ganze Textpassagen auf zwei aufeinanderfolgenden Seiten wiederholt werden, muss man daran zweifeln, dass der Verlag am Buch auch nur ein irgendwie geartetes Lektorat oder Korrektorat durchgeführt hat. Das ist das erste Mal, dass mir das in dieser Ausprägung bei einem Verlagsprodukt unterkommt.

Abgesehen davon sieht der Buchsatz gut aus und auch das Cover ist in Ordnung – lediglich der Klappentext auf der Rückseite ist aus meiner Sicht viel zu ausführlich und nimmt bereits große Teile der Handlung vorweg.

Mein Fazit? „Drei Brüder“ ist ein solider Politthriller, der gekonnt die Grenzen zwischen Fiktion und Realität verschwimmen lässt, mit seiner Detailtiefe punktet und ein aktuelles, hochbrisantes Thema beschreibt. Leider überdurchschnittlich fehlerbehaftet – für Genreliebhaber mit einer gewissen Fehlertoleranz jedoch bedenkenlos zu empfehlen.