[Buchgedanken] Wolfgang Oppler: „Traxl und der tote Lebemann“ (Pia Traxl 1)

Vor kurzem habe ich auch „Traxl und der tote Lebemann“ von Wolfgang Oppler gelesen. Das Buch ist 2024 im Volk Verlag erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Kriminalhauptkommissarin Pia Traxl ist eine Marke für sich: eigensinnig, selbstbewusst und als eingefleischte Boxerin hart im Nehmen. Der Steuerberater, der in einer beachtlichen Blutlache vor seinem eigenen Kühlschrank liegt, schlägt ihr dennoch auf den Magen. Liegt es daran, dass sie den Fall ohne ihren langjährigen Partner aufklären soll? Oder ist es das ungute Gefühl, dem Toten nicht zum ersten Mal begegnet zu sein? Bentje Schammach heißt die neue Kollegin, die Traxl zur Seite gestellt wird, ein frisch nach München versetztes Nordlicht mit großer Liebe zu Gummienten und erschreckend fröhlichem Gemüt. Zusammenraufen ist angesagt! Denn die Liste der Verdächtigen wird immer länger. Und je tiefer Traxl und Schammach graben, desto klarer wird, dass der tote Lebemann selbst den meisten Dreck am Stecken hatte …

„Traxl und der tote Lebemann“ ist der erste Band der Buchreihe um die Kommissarinnen Pia Traxl und Bentje Schammach, die – nunmehr beide – in München ermitteln. Dabei lässt sich der Roman zwar als Kriminalroman einordnen – er wird ja auch auf dem Cover als „Krimi“ bezeichnet -, ich persönlich würde den Roman jedoch noch stärker kategorisieren und ihn den Regionalkrimis zuordnen, spielt der bayrische Einschlag doch eine entscheidende Rolle – Dialekt und Kulinarik inklusive. Abgesehen davon ließen sich sicherlich auch noch Argumente für einen Wirtschaftskrimi oder -Thriller finden.

Die Handlung ist durchaus spannend und abwechslungsreich und wartet mit unerwarteten Wendungen auf. Mit Ausnahme des etwas unnötigen Prologs wird sie sehr stringent erzählt – und insbesondere die für einen Krimi doch eher ungewöhnliche Erzählperspektive eines Ich-Erzählers aus Pias Sicht vermag hier zu glänzen, ermöglicht sie doch ein noch tieferes Eintauchen in die Ermittlungen. Hingegen kann das Ende leider nicht gänzlich überzeugen, ist es doch gerade Pia, die hier für einen unrunden Abschluss des Falles sorgt – und ihre Pflichten aufs gröbste verletzt und damit viele Pluspunkte verliert, die sie im Verlauf der Handlung sammeln konnte.

Das Setting kann ebenfalls im Wesentlichen glänzen. So entführt Wolfgang Oppler die Leser:innen nach München, in eine pulsierende Stadt mit Brauhäusern, Viktualienmarkt und diversen Kneipen und Bars – man sieht, dem Essen und – vor allem – Trinken wird in diesem Roman viel Platz eingeräumt. Dabei wird viel Wert auf Lokalkolorit gelegt – teils sogar ins Dialektische abgedriftet, aber nie so stark, dass die Lesbarkeit eingeschränkt wird. Etwas schade ist es allerdings, dass der Culture Clash zwischen München und Tönning, zwischen Pia und Bentje hier kaum eine Rolle spielt, hier wird einiges an Potential für die Auflockerung der Geschichte verschenkt.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Aufgrund der Vielzahl an handelnden Personen ist allerdings noch einiges an Entwicklungspotential vorhanden, gerade bei Pia würde mich hierbei auch interessieren, wie sie das Ende der Geschichte verarbeitet. Wolfgang Opplers Schreibstil lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben nur Kleinigkeiten durchrutschen lassen, die den Lesefluss nicht wesentlich schmälern, der Buchsatz ist gelungen, auch wenn mich die Kapitelbeginne mitten auf der Seite irritieren. Der Buchumschlag ist mit Klappen versehen, insgesamt aber sehr eintönig. Die Typografie auf dem Cover kann begeistern, das Covermotiv ist eher austauschbar und beliebig – und das Boxen im Buch doch eher Randerscheinung,

Mein Fazit? „Traxl und der tote Lebemann“ ist ein solider Start in die Buchreihe, der vor allem mit seinem Setting und einer hochspannenden Handlung punkten kann, am Ende jedoch etwas schwächelt und einiges an Potential verschenkt. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen, ab einem Lesealter von etwa 16 Jahren.

Deutsche Krimis im Doppelpack | Lovelybooks-Buchpost

In der letzten Zeit haben mich auch diese beiden Kriminalromane als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreicht – vielen Dank dafür. „Die innere Führung“ von Lars Sommer aus dem ars vivendi Verlag ist dabei ein Roman mit Bundeswehrsetting (der Titel nimmt ja auch Bezug auf die Wertegrundlage der Truppe), während „Traxl und der tote Lebemann“ von Wolfgang Oppler (Volk Verlag) der Start eine Regionalkrimireihe ist, bei der der Münchner Ermittlerin Pia Traxl eine neue Kollegin aus Schleswig-Holstein zur Seite gestellt wird – der Culture Clash ist hier vorprogrammiert. Ich bin auf beide Bücher jedenfalls schon sehr gespannt – das werden sicherlich hochinteressante Feiertage.

Mit welchen Büchern verbringt Ihr die Zeit bis zum Jahreswechsel?

[Buchgedanken] Charlotte McGregor: „Highland Crime – Der tote Golfer“ (King & König 2)

Vor kurzem habe ich auch „Highland Crime – Der tote Golfer“ von Charlotte McGregor, einem Pseudonym der Autorin Carin Müller, gelesen. Der Roman ist 2024 im Selfpublishing veröffentlicht worden und dem Genre Cosy Crime zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Der amerikanische Großinvestor Ronald Trumpleton weiß, was er will: Aus dem beschaulichen Highland-Dörfchen Kirkby soll ein luxuriöses Golf-Resort für die Schönen und Reichen dieser Welt entstehen. Die Einheimischen stören dabei nur. Ganz Kirkby geht auf die Barrikaden und schmiedet Ideen, wie dieses Schicksal abzuwenden ist. Nicht alle davon sind friedlich. Dann finden Fanny König und ihr Dackel Rudi eines Morgens die Leiche des Investors im Wald. Ein Alibi für den Tatzeitraum hat sie keines, genauso wenig wie die meisten anderen Dorfbewohner. Wer hat den Eindringling auf dem Gewissen? Fanny, Rudi und ihr Nachbar George King entwickeln ganz eigene Theorien …

„Highland Crime – Der tote Golfer“ ist mein erster Roman aus dem Kirkby-Universum, das Carin Müller unter dem Pseudonym Charlotte McGregor mit mindestens elf Romanen, Kurzromanen und Kurzgeschichten gefüllt hat – darunter nunmehr auch zwei Bänden der „Highland Crime“-Reihe, in der Fanny König, George King und Rudi, Fannys Dackel, zusammen Verbrechen aufklären. „Der tote Golfer“ ist dabei der zweite Band dieser Reihe und als Standalone lesbar, obwohl ein vertieftes Eintauchen in die Dorfgemeinschaft idealerweise die Kenntnis vieler weiterer Kirkby-Romane voraussetzt. Das Buch wird dabei als Cosy Crime beworben, ließe sich aber aufgrund des mittlerweile dank diverser Romane mit Leben eingehauchten Ortes Kirkby fast sogar als Regionalkrimi bezeichnen, lebt er doch durch die Eigenarten und Beziehungen der Bewohner untereinander – ganz viel (fiktiver) Lokalkolorit inklusive.

Denn die Handlung ist durchaus abwechslungsreich und spannend – fast zu spannungsgeladen am Ende für einen Roman des Genres Cosy Crime. Sonst werden Genrekonventionen durch das doch sehr ungewöhnliche Ermittler:innen-Duo aber eingehalten – die Chemie zwischen Fanny, George und Rudi (dem heimlichen Leserliebling) ist sicherlich einer der Pluspunkte des Romans. Kleinere Längen zu Beginn, leicht spoilernde Kapitelüberschriften und teils auch vorhersehbare Handlungsteile sowie ein kleiner Cliffhanger am Ende trüben das grundsätzlich positive Bild hier kaum.

Auch das Setting vermag größtenteils zu überzeugen. So entführt die Autorin ihre Leser:innen nach Kirkby in die schottischen Highlands, ein fiktives Örtchen voller Tradition – Pubs, Reitställe, Clanstrukturen und eine eingeschworene Dorfgemeinschaft inklusive. Dabei mischt Charlotte McGregor dramatische Themen wie organisierte Kriminalität und eine doch sehr scherenschnittartige und wenig verdeckte Parodie der Trump-Familie in die Geschichte ein – gerade letzteres lenkt jetzt doch eher von der Handlung ab, die Befriedigung von Rachegelüsten aufgrund aktuell weltpolitischer Entwicklungen ist doch eher kein Handlungstreiber für Cosy Crime.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Insbesondere merkt man, dass die einzelnen Charaktere hier teils schon unzählige Bücher lang ausgearbeitet worden sind, sodass sie all ihre eigenen Marotten haben. Am stärksten überzeugen hier Robin, Charly, Adley und PC Cook, während insbesondere die Trumpleton-Familie wie oben angegeben sehr überzeichnet ist. Charlotte McGregors Schreibstil lässt sich dahingegen leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen, ist durchaus humorvoll und bildet die Liebe zu Schottland ab.

Die Buchgestaltung ist ordentlich. Lektorat und Korrektorat sind zwar Kleinigkeiten durchgerutscht, die das Lesevergnügen aber kaum schmälern, der Buchsatz ist solide. Das Motiv auf Cover und Coverrückseite ist etwas beliebig und wird zum Buchrücken hin unterbrochen, der Buchrücken, der auch die Motive einrahmt, sendet jedoch starke Schottland-Vibes. Auch wird das austauschbare Covermotiv durch eine Abbildung von Rudi aufgepeppt, die immerhin doch noch eine Bindung zur Geschichte aufbaut. Abgerundet wird die Handlung durch eine ausführliche Figurenübersicht am Ende des Buches.

Mein Fazit? „Highland Crime – Der tote Golfer“ ist ein spannender und abwechslungsreicher Wohlfühlkrimi, der mit einem tollen Setting und interessanten Charakteren punktet, dabei aber auch kleinere Schwächen aufweist und unnötige Parallelen zur realen Welt zieht. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

[Buchgedanken] Sarah Kempfle: „Mord im Rotstiftmilieu“ (Klein/Bähr 2)

Vor kurzem habe ich auch „Mord im Rotstiftmilieu“ von Sarah Kempfle gelesen. Der Roman ist 2024 bei Blanvalet in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH veröffentlicht worden und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Ein Gasleck beschert dem jungen Englischlehrer Wonneberg einen ziemlich spektakulären Tod. Doch damit nicht genug: An seiner Schule herrscht durch sein plötzliches Ableben Personalmangel in einem wichtigen Prüfungsfach. Isa Klein ist zunächst mäßig begeistert von der Aussicht, Wonneberg zu vertreten. Erst als sie hört, sein Tod sei vielleicht kein Unfall gewesen, sondern eiskalter Mord, sieht sie ihre Chance gekommen, erneut tatkräftig zu ermitteln. Kommissar Bähr, offiziell mit der Aufgabe betreut, den verdächtigen Tod an der Schule aufzuklären, sieht ihre „Assistenz“ gar nicht gern. Denn er weiß nur zu gut, welch magische Anziehungskraft Isa auf Fettnäpfchen, brenzlige Situationen und natürlich Mörder ausübt …

„Mord im Rotstiftmilieu“ ist der zweite Band der Krimireihe um die Lehrerin Isa Klein und Kommissar Götz Bähr – und lässt sich gar nicht so einfach einem Untergenre zuordnen. Als Provinzkrimi beworben, kommt mir das Lokalkolorit doch etwas kurz, sodass man durchaus auch Argumente fände, hier über Cosy Crime nachzudenken. Schlussendlich habe ich es aber bei der Eingruppierung als Regionalkrimi belassen, denn über die Reihe hinweg sollte das Lokale doch durchaus zentral für die Handlung sein. Der Roman lässt sich hierbei durchaus als Standalone lesen – mir fehlt auch der Vorgänger „Übung macht den Mörder“, empfehlen würde ich es aber nicht, da viele Anspielungen zum ersten Band vorhanden sind und sich die Chemie zwischen den Protagonist:innen kontinuierlich weiterentwickelt.

Die Handlung ist – deshalb auch der leichte Genrezweifel oben – sehr cosy, sehr spannungsarm im Hinblick auf akute Gefahren bzw. Spannungsspitzen, sie konzentriert sich vielmehr auf die Konflikte der Personen untereinander – und den verzweifelten Versuch von Isas Mutter, sie zu verkuppeln. Auch hat der Roman kleinere Längen, verliert dabei aber nie den Humor und den Charme, der den Leser dennoch an die Seiten fesselt. Dies wird durch das doch sehr ungleiche Ermittlerduo unterstützt, die Kombination aus Lehrerin und Kommissar ist erfrischend anders – auch wenn Isas Methoden teils krass übers Ziel hinausschießen und sie so erheblich an Sympathie einbüßt.

Das Setting ist – naturgemäß – gelungen, etwas anderes würde bei einem Regionalkrimi auch irritieren. So entführt Sarah Kempfle die Leser ins Ländle (neu: The Länd) – nach Grimmingen und Reutlingen. Auch wenn der Lokalkolorit fast etwas kurz kommt, wird über Isas Vater doch noch etwas Dialekt eingestreut und insgesamt kommt der Flair der Region doch noch rüber. Auch das schulische Setting wird gut beschrieben – wenn es auch im Einzelnen vielleicht etwas überzeichnet ist – insbesondere um die Gegensätze zwischen den Schulen zu verdeutlichen.

Die einzelnen Figuren sind – im Wesentlichen – vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei brillieren vor allem Alfons (ja, ein Hund :)), Esma und Isas Vater, während Isa – wie oben angesprochen – durch ihr Verhalten viele Sympathiepunkte verspielt, die sie sich vorher als interessanter Charakter erarbeitet hat. Sarah Kempfles Schreibstil ist humorvoll und passend, lässt sich dabei leicht und flüssig lesen und das Kopfkino sofort anlaufen.

Die Buchgestaltung überzeugt ebenfalls. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist schlicht, aber fehlerfrei. Der Umschlag ergibt durch die fließenden Übergänge zwischen Cover, Buchrücken und Coverrückseite ein schönes Gesamtbild – lediglich das zusätzliche Aufgreifen des Covermotivs auf dem Buchrücken stört hier etwas die Harmonie. Insgesamt ist das Covermotiv gut gestaltet, aber kein wirklicher Eyecatcher und lässt etwas den Bezug zur Handlung vermissen. Dafür fügt es sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen einheitlichen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Mord im Rotstiftmilieu“ ist eine gelungene Fortsetzung der Regionalkrimis um Isa Klein und Götz Bähr, die vor allem mit Humor und einer cosy Handlung punkten kann und Lust auf weitere Bände macht, aber auch kleinere Längen aufweist. Für Leser:innen des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von etwa 14 Jahren.

Von Berlin nach Schwaben | Lovelybooks-Buchpost

In“ den letzten Tagen erreichten mich auch diese beiden Bücher als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de – vielen Dank dafür. Während „Komm tanzen!“ von Lucia Jay von Seldeneck (GOYA Verlag, JUMBO Neue Medien & Verlag GmbH) den Leser dabei auf eine Party am und auf dem Berliner Wannsee entführt, nimmt Sarah Kempfle in „Mord im Rotstiftmilieu“ (Blanvalet Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH) den Leser mit ins Schwabenland zum zweiten Kriminalfall für das Ermittlerduo Bähr/Klein. Da ich in der Nähe des Wannsees aufgewachsen bin und seit vielen Jahren nicht allzu weit weg von dem schwäbischen Handlungsort in Sarah Kempfles Buch lebe, sind mir beide Umgebungen etwas vertraut. Ich bin daher mal gespannt, welche in mir die stärksten Heimatgefühle hervorruft.

In welcher Region sollte endlich mal wieder ein Roman spielen?

[Buchgedanken] Ingo Bartsch: „Ein Mord – drei Tote“

Vor kurzem habe ich „Ein Mord – drei Tote“ von Ingo Bartsch gelesen. Das Buch ist 2023 bei GRAFIT in der Emons Verlag GmbH erschienen und als (regionaler) Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Adam Götzki vom BKA in Berlin ist psychisch am Ende. Um beruflich wieder auf die Beine zu kommen, soll er für eine Weile beim LKA im beschaulichen Mainz arbeiten, wo ihn gleich der erste Fall erwartet: Eine Influencerin liegt erschlagen in ihrer Wohnung. Die Staatsanwaltschaft klagt den erstbesten Verdächtigen an, doch Götzki sucht weiter nach Antworten. Schnell wird ihm klar, dass die schillernde Influencerin ein Doppelleben geführt hat. Als er der Spur folgen will, wird er von seinem Vorgesetzten zurückgepfiffen. Aber die unheilvollen Ereignisse, die sich in Gang gesetzt haben, sind nicht mehr aufzuhalten.

„Ein Mord – drei Tote“ ist der erste Roman um Adam Götzki – vielleicht der Beginn einer Reihe? Dabei lässt sich das Buch – obwohl als psychologischer Kriminalroman betitelt – gar nicht so einfach einem Genre zuordnen. Aufgrund des sehr starken regionalen Bezugs – Wein, Hand- und Spundekäs spielen eine zentrale Rolle – würde ich das Buch durchaus als Regionalkrimi einordnen. Allerdings ist die Bandbreite der behandelten Themen nahezu endlos, sodass man hier durchaus auch Elemente eines (Polit-)Thrillers findet – um nur noch eine der Möglichkeiten zu benennen.

Die Handlung ist vielschichtig, abwechslungsreich und durchaus spannend, hat aber an einigen Stellen auch kleinere Längen. Gerade das Ende vermag mich jedoch nicht ganz zu überzeugen, wird der Fall doch zwar spannend, aber sehr rasch und unerwartet aufgelöst – unnötiger Cliffhanger inklusive. Auch die immer stärker und abstruser eskalierenden Handlungsspiralen sind nicht in jedem Fall nachvollziehbar – manchmal wäre etwas weniger dann doch mehr gewesen.

Das regionale Setting kann hingegen gänzlich überzeugen. So entführt der Autor den Leser nach Mainz in eine Stadt voll lokalem Flair, das einiges zum Gelingen des Romans beiträgt. Weitreichender als der geografische Ausflug nach Mainz sind jedoch die thematischen Streifzüge durch die Bereiche politischer Extremismus und Terrorismus, organisierte Kriminalität, Korruption und Vetternwirtschaft, psychische Erkrankungen, Migration und Clanstrukturen – eine Bandbreite, die fast zu groß für einen doch eher kurzen Roman ist.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen insbesondere Nebenfiguren wie Maja, Sam und Ali, während gerade Adam jedoch etwas eindimensional verbleibt und dafür sorgt, dass man als Leser sich viel mehr um ihn sorgt, als mit ihm mitzufiebern – die Lösung des Falles habe ich ihm zumindest nicht gegönnt. Der Schreibstil von Ingo Bartsch hingegen ist durchaus leicht und flüssig zu lesen und lässt das Kopfkino sofort anspringen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben ordentlich gearbeitet, insgesamt ist das Buch aber eher schlicht und unauffällig – Highlights in der Ausstattung sucht man hier vergebens. Auch das Cover ist zwar durchaus gelungen und bietet Assoziationsmöglichkeiten, im Zusammenspiel mit Coverrückseite und Buchrücken ist das Gesamtprodukt dennoch sehr eintönig und eher kein Eyecatcher.

Mein Fazit? „Ein Mord – drei Tote“ ist ein Kriminalroman mit tollem Setting und spannender Handlung, die jedoch teils etwas eskaliert und einen Ermittler hat, mit dem man schwerlich warm wird. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[FBM2023] Messeneuzugänge – Teil 1

Heute möchte ich Euch die ersten beiden Messeneuzugänge der diesjährigen Frankfurter Buchmesse vorstellen. „Prost auf die Pfennigfuchser“ von Friedrich Kalpenstein und „Rotkäppchen lügt“ von Elias Haller (jeweils Verlag Edition M, Amazon Publishing) erhielt ich dabei als Leseexemplare im Zuge der Lesungen auf der Messe und konnte sie mir direkt signieren lassen – vielen Dank dafür! Hierbei handelt es sich um den achten Band einer Regionalkrimi-Reihe und den ersten Band einer Thriller-Trilogie, die auf den Grimmschen Märchen basiert – Spannung sollte hier jeweils garantiert sein!

Welchen Kriminalroman oder Thriller habt Ihr zuletzt gelesen?

Aus Mainz in die Steiermark | Doppelte Emons-Buchpost

Bevor es in den nächsten Tagen mit einigen Rezensionen und Messeneuzugängen weitergeht, möchte ich Euch heute noch zwei Bücher zeigen, die mich vor kurzem als Rezensionsexemplare im Rahmen von Leserunden auf Lovelybooks.de erreichten – vielen Dank dafür! „Gottes Plagen“ von Robert Preis (Emons Verlag GmbH) ist ein historischer Roman, der in die mittelalterliche Steiermark entführt, „Ein Mord – drei Tote“ von Ingo Bartsch (GRAFIT in der Emons Verlag GmbH) ein Kriminalroman, der im beschaulichen Mainz spielt. Ich bin schon ganz auf die (literarischen) Reisen an die Handlungsorte gespannt!

In welchem Land würdet Ihr Euren Roman spielen lassen?

Vom Tod in all seinen Facetten | Doppelte Buchpost

Wer meine anderen Profile verfolgt, hat bereits mitbekommen, dass in der letzten Zeit viele Bücher angekommen sind, die ich Euch hier noch nicht gezeigt habe, was ich – zusammen mit weiteren Rezensionen – in den nächsten Tagen nachholen möchte. Den Anfang machen heute „Tod in Siebenbürgen“ von Lioba Werrelmann (Eichborn Verlag) und „Der überaus durchschnittliche Thomas Schmidt und der Keksberg der Persephone“ von Nicole Reckzeh (Selfpublishing). Letzteres erreichte mich dabei über eine Rezensionsanfrage der Autorin – vielen Dank dafür; „Tod in Siebenbürgen“ kam eher unerwartet zu mir, ist doch die Bewerbung für die Leserunde damals erfolglos geblieben. Da ich allerdings bereits andere Bücher von Lioba – unter dem Pseudonym „Lilly Bernstein“ – gelesen habe, freue ich mich schon auf den Regionalkrimi, der mich nach Siebenbürgen entführt.

Welches SP-Buch habt Ihr zuletzt gelesen?

[Buchgedanken] Eva Almstädt: „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ (Jacobsen/John 1)

Zuletzt habe ich „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ von Eva Almstädt gelesen, den Auftakt zu ihrer Nordseekrimireihe um die Anwältin Fentje Jacobsen und den Journalisten Niklas John. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Fentje Jacobsen entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rechtsanwältin. Sie betreibt ihre Kanzlei vom Bauernhof ihrer Großeltern in Nordfriesland aus. Dort rauben ihr die beginnende Demenz der Oma, eine renitente 14-jährige Nichte und der leichtsinnige Bruder den letzten Nerv. Als Fentje beauftragt wird, einen jungen Mann zu vertreten, der des Mordes an seiner Freundin verdächtigt wird, stößt sie auf einen alten, sehr ähnlichen Fall. Fast zeitgleich verschwinden zwei Schülerinnen aus einem nahe gelegenen Internat. Bei ihren Nachforschungen lernt sie den weltgewandten, ehrgeizigen Journalisten Niklas John kennen. Trotz unterschiedlicher Ziele beginnen sie gemeinsam zu ermitteln …“

„Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ ist erkennbar ein Auftakt zu einer Krimireihe, geht er doch sehr gemächlich los, da erst alle Figuren eingeführt und deren Welten erklärt werden müssen. Im Verlauf der Handlung nimmt die Geschichte allerdings an Fahrt auf. Dabei ist das Buch gut als Standalone lesbar, werden doch alle relevanten, mit dem Kriminalfall verknüpften, Handlungsstränge aufgelöst – ein milder Cliffhanger verbleibt lediglich, was die persönliche Beziehung zwischen den Protagonisten angeht.

Die Handlung ist insgesamt durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar. Hierbei wandelt der Roman an der Grenze zur Cosy Crime, haben wir doch polizeiferne Ermittler, insgesamt eher wenig Action und ein idyllisches Setting – hier punktet vor allem die Kanzlei im ehemaligen Kuhstall als innovative Abwechslung zu einem großstädtischen Kanzleisitz.

Neben dem Mordfall mischt Eva Almstädt weitere, durchaus gesellschaftlich relevante, Themen wie Mobbing an Schulen und die Loverboy Masche (oder zumindest eine Art davon) in den Roman mit ein. Diese verbleiben aber dezent im Hintergrund und lenken nicht zu sehr vom Haupthandlungsstrang ab. Dennoch hätte ich mir im Anschluss vielleicht eine kurze Information mit Ansprechpartnern oder einer Linksammlung zur Unterstützung Betroffener gewünscht.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Was selten vorkommt: In diesem Buch begeistern mich derzeit beide Protagonisten, sind abwechslungsreich, interessant und humorvoll. Aber auch Nebencharaktere wie Sofia und – ja – Blofeld vermögen zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerlos, aber auch unauffällig. Der Umschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Cover ist atmosphärisch gelungen und zieht sich über den kompletten Umschlag, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht. Es ist aber auch noch etwas austauschbar/beliebig, sodass es an den Folgebänden ist, hier für ein einheitliches Reihendesign mit Wiedererkennungswert zu sorgen.

Mein Fazit? „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ ist ein Regionalkrmi nah am Cosy Crime, der vor allem durch seine Protagonisten und ein ungewöhnliches Setting punktet, gerade am Anfang aber auch etwas zäh beginnt – dennoch ein gelungener Start in die Reihe. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren, vielleicht auch ein, maximal zwei Jahre früher.