[Buchgedanken] Eva Almstädt: „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ (Jacobsen/John 1)

Zuletzt habe ich „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ von Eva Almstädt gelesen, den Auftakt zu ihrer Nordseekrimireihe um die Anwältin Fentje Jacobsen und den Journalisten Niklas John. Das Buch ist 2022 bei Lübbe in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Fentje Jacobsen entspricht nicht dem klassischen Bild einer Rechtsanwältin. Sie betreibt ihre Kanzlei vom Bauernhof ihrer Großeltern in Nordfriesland aus. Dort rauben ihr die beginnende Demenz der Oma, eine renitente 14-jährige Nichte und der leichtsinnige Bruder den letzten Nerv. Als Fentje beauftragt wird, einen jungen Mann zu vertreten, der des Mordes an seiner Freundin verdächtigt wird, stößt sie auf einen alten, sehr ähnlichen Fall. Fast zeitgleich verschwinden zwei Schülerinnen aus einem nahe gelegenen Internat. Bei ihren Nachforschungen lernt sie den weltgewandten, ehrgeizigen Journalisten Niklas John kennen. Trotz unterschiedlicher Ziele beginnen sie gemeinsam zu ermitteln …“

„Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ ist erkennbar ein Auftakt zu einer Krimireihe, geht er doch sehr gemächlich los, da erst alle Figuren eingeführt und deren Welten erklärt werden müssen. Im Verlauf der Handlung nimmt die Geschichte allerdings an Fahrt auf. Dabei ist das Buch gut als Standalone lesbar, werden doch alle relevanten, mit dem Kriminalfall verknüpften, Handlungsstränge aufgelöst – ein milder Cliffhanger verbleibt lediglich, was die persönliche Beziehung zwischen den Protagonisten angeht.

Die Handlung ist insgesamt durchaus spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar. Hierbei wandelt der Roman an der Grenze zur Cosy Crime, haben wir doch polizeiferne Ermittler, insgesamt eher wenig Action und ein idyllisches Setting – hier punktet vor allem die Kanzlei im ehemaligen Kuhstall als innovative Abwechslung zu einem großstädtischen Kanzleisitz.

Neben dem Mordfall mischt Eva Almstädt weitere, durchaus gesellschaftlich relevante, Themen wie Mobbing an Schulen und die Loverboy Masche (oder zumindest eine Art davon) in den Roman mit ein. Diese verbleiben aber dezent im Hintergrund und lenken nicht zu sehr vom Haupthandlungsstrang ab. Dennoch hätte ich mir im Anschluss vielleicht eine kurze Information mit Ansprechpartnern oder einer Linksammlung zur Unterstützung Betroffener gewünscht.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Was selten vorkommt: In diesem Buch begeistern mich derzeit beide Protagonisten, sind abwechslungsreich, interessant und humorvoll. Aber auch Nebencharaktere wie Sofia und – ja – Blofeld vermögen zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerlos, aber auch unauffällig. Der Umschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken leicht geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen, das Cover ist atmosphärisch gelungen und zieht sich über den kompletten Umschlag, sodass ein tolles Gesamtbild entsteht. Es ist aber auch noch etwas austauschbar/beliebig, sodass es an den Folgebänden ist, hier für ein einheitliches Reihendesign mit Wiedererkennungswert zu sorgen.

Mein Fazit? „Akte Nordsee – Am dunklen Wasser“ ist ein Regionalkrmi nah am Cosy Crime, der vor allem durch seine Protagonisten und ein ungewöhnliches Setting punktet, gerade am Anfang aber auch etwas zäh beginnt – dennoch ein gelungener Start in die Reihe. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren, vielleicht auch ein, maximal zwei Jahre früher.

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