[Buchgedanken] Ursi Breidenbach / Heike Abidi: „Geschwister sind wie Gummibärchen“

Vor kurzem habe ich „Geschwister sind wie Gummibärchen“ von Ursi Breidenbach und Heike Abidi gelesen. Das Buch ist 2022 im Penguin Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH erschienen und als Sachbuch einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Sie zoffen und vertragen sich, sind eifersüchtig aufeinander und nehmen sich gegenseitig auf den Arm, sie leben in ständigem Konkurrenzkampf – doch wenn’s hart auf hart kommt, stehen sie füreinander ein: Geschwister, eine lebenslange Schicksalsgemeinschaft. Und zuweilen fragt man sich: Was sind das nur für seltsame Menschen, mit denen wir Gene und Kindheitserinnerungen teilen? Wären sie unsere Freunde, wenn sie nicht unsere Geschwister wären? Wie konnten wir nur so unterschiedlich geraten – und uns dennoch so ähnlich sein?

„Geschwister sind wie Gummibärchen“ ist ein Buch – wie könnte es anders sein – über Geschwister. Der Untertitel beschreibt zutreffend: „Sie kleben zusammen, manchmal hat man sie über, aber wir lieben sie ein Leben lang“. Dabei wird das Buch vom Verlag teils als erzählendes Sachbuch, teils als Geschenkbuch eingruppiert – der Einfachheit halber habe ich es der generellen Oberkategorie Sachbuch – als Abgrenzung zu allen fiktionalen Genres – zugeordnet.

Dennoch ist „erzählendes Sachbuch“ sicherlich eine korrekte Beschreibung, werden im Buch doch die einzelnen Themenblöcke anhand von Anekdoten und Gesprächsmitschnitten näher beleuchtet. Dadurch verbleibt das Buch eine sehr niederschwellige Lektüre, die einen guten Überblick und Einstieg in die Thematik bietet, da die wissenschaftlichen Passagen im Vergleich zu den Ankdoten vom Umfang her als eher gering anzusehen sind.

Dabei ist vor allem der Humor hervorzuheben. Ursi Breidenbach und Heike Abidi berichten sowohl humorvoll aus ihren eigenen Erfahrungen als auch aus den Gesprächen mit anderen Personen. Trotz der naturgemäß hierbei auch angesprochenen, schweren Themen, gelingt es dabei durch eine abwechslungsreiche und gekonnte Kapitelanordnung, nie die Stimmung zu drückend werden zu lassen.

Aufgelockert wird das Buch weiterhin durch den Einbau und Vergleich von fiktiven Geschwisterpaaren in Film und Literatur sowie berühmten Geschwisterpaaren der Geschichte. Lediglich die Schwerpunktsetzung funktioniert dabei nicht immer – so werden einige interessante Themen viel zu kurz beleuchtet, während die einzelnen Gesprächsschilderungen viel Platz einnehmen.

Die Buchgestaltung ist gelungen. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz überzeugt sogar auf ganzer Linie durch die grafisch aufwendige Darstellung und Anordnung der Textblöcke. Das Cover ist ein absoluter Eyecatcher, auf dem Titel leicht geprägt und mit Klappen und toll gestalteten, farbigen Coverinnenseiten versehen. Lediglich das wunderschöne Covermotiv passt nicht so recht. Während Alpakas immer gehen und den Zeitgeist perfekt treffen, wird mit einem weißen und einem schwarzen Alpaka – zumindest von mir – eine Alpakahochzeit assoziiert.

Mein Fazit? „Geschwister sind wie Gummibärchen“ ist ein amüsantes, erzählendes Sachbuch mit einigen interessanten Informationen, das auch durch seinen tollen Satz und durch eine gekonnte Anordnung der Passagen glänzen kann, dabei aber teils etwas an der Oberfläche verbleibt. Gerade für Einsteiger als Überblick und – natürlich für Geschwister – bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mascha Vassena: „Mord in Montagnola“ (Tessin 1)

Vor kurzem habe ich „Mord in Montagnola“ von Mascha Vassena gelesen. Das Buch ist 2022 im Eichborn Verlag in der Bastei Lübbe AG erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

Kaum kehrt Moira, Übersetzerin und frisch getrennt, nach Jahren in das Tessiner Dörfchen Montagnola zurück, wird ein Toter in einer Nevèra, einem der dort typischen historischen Eiskeller, gefunden. An den polizeilichen Ermittlungen beteiligt ist auch Moiras Jugendliebe Luca Cavadini, inzwischen leitender Rechtsmediziner des Kantons, der sie bald als Dolmetscherin um Hilfe bittet. Die Befragungen in der Dorfgemeinschaft gestalten sich schwierig, doch bald wird klar, dass es im beschaulichen Tessin nicht gar so friedlich zugeht, wie es zunächst den Anschein hat.

„Mord in Montagnola“ ist ein in Tessin handelnder Regionalkrimi mit viel Lokalkolorit, der an der Grenze zu Cosy-Crime balanciert, erfüllt er doch einige der gängigen Genremerkmale wie eine fachfremde Ermittlerin. Insgesamt ist er aber, zumindest für meinen Geschmack, nicht cosy genug, sondern teils rasant, teils doch gewaltsam, sodass ich bei der Einstufung als (klassischer) Regionalkrimi verblieben bin.

Die Handlung ist dabei kurzweilig, abwechslungsreich und mit einigen, unerwarteten Wendungen versehen, die zum Ende hin allerdings teils auch etwas abstrus werden. Dabei bleibt die Liebesgeschichte erfrischend im Hintergrund und lässt den Fokus auf der Lösung des Falles, der gänzlich abgeschlossen wird, sodass das Buch auch als Standalone lesbar ist. Andererseits bleiben jedoch auch genügend weitere Ansatzpunkte, um die Figuren weiterzuentwickeln und eine mögliche Reihe – was ich sehr befürworten würde – zu begründen.

Das Setting ist naturgemäß traumhaft, entführt es den Leser doch in die italienischsprachige Schweiz, nach Lugarno und nach Montagnola, ein kleines Dörfchen in der malerischen Alpenregion. Zwischen Osteria und Nevèra, zwischen Strandpromenade und bergigen Serpentinen lernt der Leser die Region kennen und lieben, insbesondere auch durch Moiras Vater, einen der absoluten Sympathieträger des Romans.

Die einzelnen Figuren sind dabei im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Neben dem oben bereits erwähnten Ambrogio überzeugen hier vor allem Chiara und – in einer kleinen Nebenrolle – Luna (von der ich gern in einem nächsten Band mehr lesen würde), während Luca etwas blass bleibt.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist mit Klappen und farbigen, aber nicht näher gestalteten Coverinnenseiten versehen, das Covermotiv schön anzusehen, allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Handlung.

Mein Fazit? „Mord in Montagnola“ ist ein gelungener, erfrischender Regionalkrimi mit tollem Setting und einer kurzweiligen, spannenden Handlung, die lediglich zum Ende hin etwas abfällt. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag vorgeschlagenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Jeannine Meighörner: „Die silberne Riesin: Als Maria Theresia das Nashorn traf“

Vor einiger Zeit habe ich „Die silberne Riesin: Als Maria Theresia das Nashorn traf“ von Jeannine Meighörner gelesen. Das Buch ist 2022 im Michael Wagner Verlag erschienen und als historischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Eine zahme Bestie auf Grand Tour d’Europe: Nashorn trifft Kaiserin! Das erste Nashorn, das nach Jahrhunderten Europa lebend erreichte. Maria Theresia, Voltaire, Madame Pompadour – sie alle wurden zu Nebenfiguren, als sie in Europa eintraf: die gefürchtete und gefeierte Nashorndame Clara. Wieso schrieb ihr Casanova ein Liebesgedicht? Was hat Clara mit Tabak und Bier zu tun? Und wie konnte sie für die Menschen gleichermaßen eine Höllenbestie und eine Salonschönheit sein?

„Die silberne Riesin“ ist ein Roman, der den Leser in die Mitte des 18. Jahrhunderts versetzt. Dort begleitet er die Reise des Nashorns Clara auf ihrem Weg durch die Länder und an die Höfe Europas. Dabei wird der Roman teils aus personaler, teils aus auktorialer Erzählperspektive erzählt und deckt eine Spanne von etwa 20 Jahren erzählter Zeit ab.

Die Handlung ist interessant und abwechslungsreich, lässt aber einen Spannungsbogen – gar Spannung gänzlich – vermissen. So spielt die auch titelgebende Maria Theresia nur am Anfang eine kleinere Rolle, die Möglichkeit, hier auch neben der Reise einen hochspannenden, politischen, historischen Roman an den Höfen Europas zu erschaffen, ist leider nicht genutzt worden. So bleibt „Die silberne Riesin“ ein interessanter Reisebericht, eher ein in Romanform gegossenes Sachbuch – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Das Setting ist naturgemäß spannend, führt den Leser nach Indien und an die europäischen Höfe, auf die Weltmeere und ins beschauliche Leiden. Dabei wird aber nicht immer der Schwerpunkt zwischen den einzelnen Handlungsorten sinnvoll gesetzt, so sind die Passagen auf See und aus Leiden zu ausführlich, zulasten der eigentlichen Tournee.

Jeannine Meighörners Schreibstil ist authentisch und informativ, lässt sich dennoch flüssig und leicht lesen. Teils hätte ich mir jedoch noch intensivere Beschreibungen gewünscht, um das Kopfkino perfekt anspringen zu lassen. Leider sprengt die Autorin am Ende des Epilogs (der mehr persönliches Nachwort als wirklicher Epilog ist …) nicht nur das Format, sondern wird provokant polemisch – das hätte wirklich nicht sein müssen.

Die Buchgestaltung ist solide, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, wirkt aber teils gedrungen und etwas mutlos. Der Buchumschlag kann hingegen nicht überzeugen. Während das Cover zwar immerhin noch den Bezug zur Geschicht wahrt, wirkt insbesondere die Coverrückseite völlig überladen. Prägungen auf dem Cover – oder auch sonstige Informationen wie Karten o.ä. vermisst man gänzlich.

Mein Fazit? „Die silberne Riesin: Als Maria Theresia das Nashorn traf“ ist ein historischer Roman, der vor allem dank seines Settings und der authentischen Sprache gänzt, aber auch Spannung vermissen lässt. Für Liebhaber informatorischer Romane dennoch zu empfehlen.

[Buchgedanken] Sophie Andresky: „Vögelwild“

In der letzten Zeit habe ich „Vögelwild“ von Sophie Andresky gelesen. Das Buch ist 2022 bei Heyne Hardcore, Wilhelm Heyne Verlag in der Penguin Random House Verlagsgruppe GmbH, erschienen und als erotischer Roman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Nach Mareis vögelfreiem Jahr ohne Tabus und Regeln kommt nun ihre Nichte Louise zum Zug: Ein Jahr Auszeit und nichts als Sex. Ihren prüden Ex hat sie abserviert und einen Traumjob in den Südtiroler Bergen ergattert. Als Mädchen für alles soll sie einem freizügigen Galeristenpaar zur Hand gehen. Sie steht Modell, trainiert die Hausherrin und assistiert bei der einen oder anderen Orgie. Und hat nebenbei Sex en masse. Das wird der Sommer ihres Lebens, und er wird heiß und feucht.

„Vögelwild“ ist die lose verknüpfte Fortsetzung von „Vögelfrei“, aber in jedem Fall unabhängig davon lesbar. Zwar treten vereinzelt bekannte Charaktere in Erscheinung, die Handlung ist jedoch losgelöst und unproblematisch zu verstehen. Schwierigkeiten bereitet hingegen die Genrezuordnung. Während ich oben noch die Eingruppierung des Verlags übernommen habe, lässt sich „Vögelwild“ nicht wirklich klar zuordnen. Zwar sorgt die als Thriller ausgestaltete Rahmenhandlung dafür, dass das Buch nicht zum pornografischen Roman hinabgleitet, konsequenterweise wäre der Roman dann aber auch als erotischer Thriller / erotic suspense zu bezeichnen.

Dabei verbleibt die Rahmenhandlung – auf die auch mit keinem Wort im Klappentext hingedeutet wird – jedoch im Hintergrund und vermag, keine rechte Spannung zu erzeugen, ist sie doch auch etwas abstrus konstruiert – und nur Kulisse für die erotischen Szenen, die im Wesentlichen überzeugen können, genretypisch aber nicht zwingend realitätsgetreu sind.

Hingegen brilliert der Roman mit seinem Setting. Ein modernes Chalet im malerischen Südtirol, eine unterirdische Kunstgalerie und abgelegene Weiden und Bergseen – die Autorin entührt den Leser an wunderschöne Sehnsuchtsorte, die auch Kulisse für einen Film sein könnten. Durch den leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil von Sophie Andresky springt zudem das Kopfkino sofort an und lässt den Leser sich nach Südtirol träumen.

Die einzelnen Charaktere sind mal mehr, mal weniger detailliert ausgearbeitet. Insbesondere überzeugen hier Constanze und Gemma sowie Sergej als Antagonist, während Louisa fernab der sexuellen Eskapaden etwas blass bleibt. Vielleicht tritt sie ja, ähnlich wie Gemma, in einem weiteren Buch in Erscheinung und kann dort noch etwas an Profil gewinnen.

Die Buchgestaltung ist solide. Der Buchsatz ist fehlerfrei, Lektorat und Korrektorat sind einzelne Dinge durchgerutscht, die aber den Lesefluss nicht wesentlich hemmen. Der Buchumschlag ist auf dem Cover, der Coverrückseite und dem Buchrücken hochwertig geprägt und farblich auffällig, das Titelmotiv ein Eyecatcher, der allerdings etwas mehr Bezug zur Handlung hätte haben können.

Mein Fazit: „Vögelwild“ ist ein erotischer Thriller, der vor allem dank seines malerischen Settings und der hocherotischen Szenen brilliert, die Thrillerhandlung dabei aber etwas vernachlässigt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 18 Jahren.

[Buchgedanken] Julia Fischer: „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ (Salon 1)

In der letzten Zeit habe ich „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ von Julia Fischer gelesen, den Auftakt zu der Salon-Reihe. Das Buch ist 2022 bei Lübbe, Bastei Lübbe AG erschienen und als Familiensaga einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars über die Bloggerjury.

1956. Die junge Leni aus dem ländlichen Hebertshausen kann ihr Glück kaum fassen: Die Anstellung bei dem vornehmen Friseur Keller in München ist der erste Schritt zur Verwirklichung ihres großen Traums – ein eigener Salon in der Stadt. Unterdessen hadert ihr Bruder Hans mit seinem Medizinstudium. Seine Leidenschaft gilt der Jazzmusik – und Lenis Freundin Charlotte, die in einer unglücklichen Ehe gefangen ist. Während sie alle darauf hoffen, ihr Glück zu finden, stellt ein Schicksalsschlag ihre Zuversicht auf eine harte Probe …

„Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ ist der Auftakt zu einer Familiensaga um Marlene Landmann, die im Bayern der 50er Jahre von einem eigenen Friseursalon träumt. Dabei kann der Roman – trotz eines doch sehr heftigen Endes – durchaus als Standalone gelesen werden, werden doch relevante Handlungsstränge aufgelöst – jedoch bleibt noch mehr als genug für die Folgebände übrig.

Die Handlung an und für sich ist generell spannend und abwechslungsreich, teils aber auch vorhersehbar, wobei es der Autorin doch gelingt, mit einigen unerwarteten Wendungen den Leser zu überraschen. Gekonnt flechtet Julia Fischer zudem einige schwere Themen in den Roman mit ein, so werden über die familiären und menschlichen Schicksale hinaus auch Fragen der Beutekunst, Kollektivschuld und Frauenrechte erörtert.

Das Setting ist trotz der Großstadt bayrisch-idyllisch. So verschlägt der Roman den Leser nicht nur nach München, sondern nach Herbertshausen, Murnau und Garmisch, in eine Welt zwischen Tradition und Moderne, zwischen Kirchgang, Jazzclub und Oktoberfest. Dank des flüssig zu lesenden Schreibstils der Autorin springt dabei das Kopfkino sofort an und sorgt für Bilder, die alten Heimatfilmen zur Ehre gereicht hätten.

Die einzelnen Charaktere sind vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Hierbei überzeugen neben Leni vor allem Schorsch, Herr Keller und Charlotte, wobei in Folgebänden noch genug Raum bliebe, die einzelnen Charaktere konsequent weiterzuentwickeln.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls glänzen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, der Buchumschlag ist auf dem Titel und dem Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist ansehnlich und toll integriert, etwas mehr Detailliebe hätte aber den Bezug zur Handlung verstärken können, hat der Salon Keller doch drei Schaufenster.

Mein Fazit? „Der Salon: Wunder einer neuen Zeit“ ist ein gelungener Einstieg in die Salon-Reihe, der vor allem dank seinem tollen Setting uund einer abwechslungsreichen Handlung glänzt, aber auch noch Luft für die Folgebände lässt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen, ab dem vom Verlag empfohlenen Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Frauke Scheunemann: „Der Tote im Netz“ (Usedomkrimi 1)

In der letzten Zeit habe ich „Der Tote im Netz“ von Frauke Scheunemann gelesen, den ersten Teil ihrer Usedom-Krimi-Reihe um Franziska Mai und Kay Lorenz. Das Buch ist 2022 bei FISCHER Scherz, S. Fischer Verlag GmbH, erschienen und als Regionalkrimi einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Im Seebad Heringsdorf auf Usedom herrscht Aufruhr: Bäderland-Radio, der kleine Ostsee-Lokalsender, soll von einem größeren Konkurrenten geschluckt werden. Radioreporterin Franziska Mai ist zwar der Liebe wegen auf die Insel gezogen, aber nun gilt es, ihren Job zu retten. Ihre Idee: ein neues Format, bei dem die Usedomer alles auf den Tisch bringen können, was ihnen unter den Nägeln brennt. Und Franziska versucht zu helfen. Aber bald geht es nicht mehr um Nachbarschaftsstreitigkeiten, sondern um den Mord an einem Fischer, der tot in sein eigenes Netz gewickelt im Hafen von Zeglin gefunden wird – in seine Brust das Wort »Rache« eingeritzt. Franziska wittert ihre Chance und mischt sich in die Ermittlungen ein. Und kommt nicht nur Kommissar Kay Lorenz ins Gehege, sondern auch dem Mörder gefährlich nahe.

„Der Tote im Netz“ ist ein vielversprechender Reihenauftakt, der Elemente klassischer Regionalkrimis mit Eigenschaften des Genres Cosy Crime mischt und so eine humorvolle und locker-leichte Lektüre kreiert. Gewaltszenen werden im Wesentlichen ausgespart und der Fokus stärker auf die Beziehung zwischen den Protagonisten gelegt.

Die Handlung ist abwechslungsreich, gelegentlich aber auch voraussehbar. Gerade zum Ende hin verschwimmt teils die Schwerpunktsetzung zwischen dem Haupthandlungsstrang und einem Nebenhandlungsstrang, der zudem nie aufgelöst wird. So vermag auch das Ende an und für sich nur in Teilen zu überzeugen, bietet dafür aber Ansatzpunkte für die Folgebände.

Das Setting ist ländlich-idyllisch und entführt den Leser nach Usedom, in eine Welt zwischen Provinzradio und Hafenkneipe. Und auch wenn der Hauptteil der Handlung leider in einem ausgedachten Ort spielt, gelingt es der Autorin doch, das Flair der Küste und die Eigenart der Insulaner einzufangen, sodass das Kopfkino sofort anspringt – auch dank dem leicht und flüssig zu lesenden Schreibstil von Frauke Scheunemann.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen vielschichtig angelegt, besonders überzeugen bislang aber die Nebencharaktere. So sind Greta und Janis absolute Sympathieträger des Romans, während bei Kay und Franzi noch etwas Luft nach oben ist, die die Folgebände aber gut ausfüllen kann. Lediglich die Antagonisten bleiben bislang etwas blass.

Die Buchgestaltung kann ebenfalls überzeugen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, der Umschlag ist auf dem Titel und Buchrücken hochwertig geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Covermotiv ist schön anzusehen, aber etwas belanglos und lässt Bezug zur Handlung vermissen. Zudem gehen Buchrücken und Coverrückseite harmonisch ineinander über, zwischen Cover und Buchrücken ist jedoch ein harter Bruch.

Mein Fazit? „Der Tote im Netz“ ist ein gelungener Auftakt in die Krimireihe, der vor allem durch sein Setting und mit Humor punkten kann, gerade zum Ende hin aber auch noch kleinere Schwächen hat, die jedoch im Folgeband ausgeräumt werden können. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen, etwa ab einem Lesealter von 13 Jahren.

[Buchgedanken] Marie Force: „Versuchung auf Gansett Island“ (McCarthys 24)

Vor kurzem habe ich „Versuchung auf Gansett Island“ von Marie Force gelesen, den 24. Teil der Reihe um die McCarthys bzw. Gansett Island. Das Buch ist 2022 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S. à r. l. veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschien 2021 unter dem Titel „Temptation after Dark“ bei HTJB, Inc., Portsmouth, Rhode Island. Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks. Das Buch ist dem Genre Romance zuzuordnen, für die Übersetzung zeichnet Lotta Fabian verantwortlich.

Der charmante Cooper James ist ein echter Traumtyp. Doch bisher konnte keine Frau sein Herz erobern. Das ändert sich in einem einzigen magischen Augenblick, als er am Pool seines Bruders Jared die umwerfende Gigi kennenlernt. Fortan weiß Cooper genau, was er will, aber dafür müsste er sein ganzes Leben umkrempeln … Gigi Gibson ist auf Gansett Island, um hier die neue Staffel ihrer TV-Erfolgsserie zu drehen. Sie ist glamourös, frech und wunderschön, doch ihr Herz ist fest unter Verschluss. Liebe? Will sie nicht! Aber gegen eine heiße Sommerromanze und Coopers wunderbare Küsse hat sie nichts einzuwenden. Gar nichts …

„Versuchung auf Gansett Island“ ist einer der unzähligen Bände der McCarthy- bzw. Gansett-Island-Reihe von Marie Force und grundsätzlich als Standalone lesbar, wenn auch natürlich unzählige Querverweise zu und Figuren aus früheren – und kommenden – Bänden eine Rolle spielen.

Dabei gelang es der Autorin jedoch größtenteils nicht, den Fokus auf der Geschichte der Protagonisten zu lassen. Durch die vielen, teils immerhin interessanten, Nebenhandlungsstränge, die sogar gegen Ende noch neu auftauchten – so wurde das Pärchen für den nächsten Band gänzlich aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Verbindung zur Geschichte einfach mal in die Handlung integriert -, ist die Love Story der Protagonisten teils komplett in den Hintergrund gerutscht.

Zudem sind – nicht nur, aber insbesondere – die Hauptprotagonisten gnadenlos klischeehaft überzeichnet. Reich, übernatürlich schön, hilfsbereit, stark, gut im Bett – gerade Cooper, aber auch Gigi, fehlen jegliche Ecken und Kanten, die einen runden Charakter auszeichnen. Lediglich einige Nebencharaktere wie Jared und Evelyn können hier überzeugen.

Das Setting hingegen brilliert auf ganzer Linie. So entführt die Autorin den Leser auf eine malerische Insel als Hotspot der High Society, mitten hinein in eine Welt voller Traumhochzeiten, Fernsehdrehs und Dinner Partys. Ideal zum Abschalten – daher ein perfekter Urlaubsbegleiter.

Marie Forces Schreibstil lässt sich zudem schnell und flüssig lesen. Lediglich der Einstieg fällt hier aufgrund der angesprochenen Fülle an Namen und Handlungssträngen schwer. Auch die Genrezuordnung ist nicht ganz einfach. So sind die Protagonisten für New-Adult fast zu alt oder haarscharf an der Grenze, für einen Liebesroman fehlt es an Handlung und Tiefe, sodass ich es einfach mal altersunspezifisch als Romance gekennzeichnet habe.

Die Buchgestaltung ist noch solide, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind nur Kleinigkeiten durchgerutscht, die sich noch im Rahmen halten. Das Cover ist farblich auffällig und strahlend, die Proportionen des abgebildeten Paares (egal, wie man zu Menschen auf dem Cover steht) im Vergleich zum Rest jedoch zu klein. Zudem ist es, mindestens mal, verwirrend, dass sich das Covermotiv nahtlos auf Buchrücken und Coverrückseite fortsetzt, das Auto allerdings davon ausgenommen zu sein scheint und einfach abgeschnitten worden ist. Gut gedacht, aber eher suboptimal umgesetzt.

Mein Fazit? „Versuchung auf Gansett Island“ kann vor allem durch sein Setting überzeugen, lässt aber Ecken und Kanten bei den Protagonisten vermissen. Auch verliert es zugunsten diverser anderer Handlungsstränge oftmals den Fokus. Für Liebhaber der Reihe und als Urlaubsbegleiter dennoch zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Judith & Christian Vogt: „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“

Eine Rezension frisch aus Leipzig von der Nichtbuchmesse! #weiterlesen

Vor kurzem habe ich „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ von Judith & Christian Vogt gelesen. Das Buch ist 2022 in der Piper Verlag GmbH erschienen und dem Genre Historical Fantasy zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag und die Autoren für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de

Seit sieben Jahren baut die Einzelgängerin Eyvor ein Drachenboot in einem Fjord. Als sich immer mehr Außenseiterinnen um sie scharen, wird sie unerwartet zur Kapitänin eines Schiffes, das eigentlich niemals in See stechen sollte. Die Letzte, die sich ihr anschließt, ist Herdis, das Krähenkind: Verfolgt von Berserkern zwingt sie die Gruppe zum Aufbruch. Es beginnt ein tödliches Wettrennen vom skandinavischen Festland bis ins Land der Eisriesen hinein, an dessen Ende nichts Geringeres droht als Ragnarök, das Weltenende selbst.

„Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ ist historische Phantastik, so spielt die Geschichte zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt im Zeitalter der Wikinger. Zugleich gehört das Buch aber auch der selbsternannten, immer dominanter werdenden, progressiven Phantastik an, dreht es sich doch um Themen wie Emanzipation, sowie sexuelle und geschlechtliche Identitäten, die von der – zumindest überlieferten – Norm abweichen, ähnlich (sowohl im Setting als auch in der Botschaft) wie Nora Bendzkos „Die Götter müssen sterben“.

Die Handlung ist im Großen und Ganzen spannend und abwechslungsreich, mit zwischenzeitlich kleineren Längen und Ungereimtheiten und einem Ende, das – sagentypisch – auslegungsbedürftig ist und – zumindest mich – nicht vollends überzeugt.

Die einzelnen Charaktere sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Dabei werden auch dem Antagonisten gute Eigenschaften zuerkannt, sodass die Charaktere runder und kompletter wirken. Insbesondere überzeugen hier Tinna, Herdis und Birger.

Das Setting ist gelungen und führt den Leser durch einen Großteil der nordischen Welt, vom heutigen Dänemark über Norwegen, England und die Faröer bis hinzu entlegensten Inseln. Der Schreibstil der Autoren liest sich dabei wie aus einem Guss, durch die Vielzahl von Namen und die teils authentische Schreibweise kommt es jedoch zu Abstrichen in der Lesbarkeit, die gerade noch okay sind und durch die teils kurzen Kapitel aufgefangen werden.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist gelungen und verdient ein Lob dafür, größere Sinnabschnitte immer auf ungeraden Buchseiten starten zu lassen. Der Buchumschlag ist hochwertig auf Cover, Buchrücken und Coverrückseite geprägt und mit Klappen und farbigen Coverinnenseiten versehen – sehr edel. Auch das Covermotiv überzeugt, lediglich die Darstellung des Buchtitels auf dem Cover kann für Verwirrung sorgen.

Mein Fazit: „Schildmaid. Das Lied der Skaldin“ ist historische/progressive Phantastik, die durch ein tolles Setting und komplexe Charaktere brilliert, aber auch einige Längen hat. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab einem Lesealter von 16 Jahren.

[Buchgedanken] Lisa Kirsch: „Querbeet ins Glück“

In der letzten Zeit habe ich „Querbeet ins Glück“ von Lisa Kirsch gelesen. Das Buch ist 2022 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Liebesroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars im Rahmen einer Leserunde auf Lovelybooks.de.

Maddie hat es fast geschafft: Ihr Traumjob als Musicaldarstellerin ist zum Greifen nah. Um richtig Fuß zu fassen, darf sie sich auf keinen Fall ablenken lassen. Doch dann stolpert Maddie durch Zufall in den Gemeinschaftsgarten “Grüne Freiheit”. Auf einmal merkt sie, was ihr gefehlt hat: Sie genießt das Gefühl von frischer Erde zwischen den Fingern, freundet sich mit der wilden Lila an und bekommt Herzklopfen, wenn der unverschämt gutaussehende Mo ihr beim Johannisbeeren-Ernten hilft. Aber Maddie kann sich nicht zweiteilen und ihr wird klar: Früher oder später muss sie sich zwischen ihren Gartengefühlen und ihrem Karrieretraum entscheiden.

„Querbeet ins Glück“ ist – zumindest im Wesentlichen – ein klassischer Feel-Good-Roman und idealer Begleiter für den stressigen Alltag, um einfach mal für ein paar Stunden abzuschalten. Dabei entführt Lisa Kirsch den Leser in das schrullige, hippe Berlin zwischen Musical und Schrebergarten, zwischen bis ins kleinste Detail durchgetakteten Tagen und anarchisch-alternativen Lebensweisen.

Die Handlung ist dabei erwartbar seicht, aber nichtsdestotrotz durchaus spannend und abwechslungsreich. Schwere Themen spielen zwar schon eine Rolle, nehmen aber nie überhand, um die Wohlfühlzone nicht zu verlassen. Nur gegen Ende hin fällt die Handlung etwas ab, da das Ende durchaus problematisch ist und nur in der Lovestory die Handlungsstränge zufriedenstellend auflöst.

Die einzelnen Protagonisten sind – zumindest teils – dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Hierbei überzeugen vor allem einige Nebencharaktere wie Lila und Rainer – oder auch die Tiere wie Inge und Opa – und der Fässchenkühler. Dahingegen bleibt Mo etwas blass.

Der Schreibstil von Lisa Kirsch lässt sich leicht und flüssig lesen und transportiert authentisch die Berliner Schnauze und das Lebensgefühl der Stadt, ohne allzu sehr zu übertreiben oder Lesebarrieren für Nichtberliner aufzubauen.

Die Buchgestaltung ist solide. Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, der Buchsatz ist fehlerfrei, hätte bei Maddies Listen aber etwas mehr Mut vetragen können. Beim Cover überzeugen vor allem die farbigen Coverinnenseiten und die schöne Coverrückseite, das Covermotiv holt mich hingegen nicht wirklich ab.

Mein Fazit: „Querbeet ins Glück“ ist ein authentischer Wohlfühlroman mit interessanten Gegensätzen, aber auch einem eher schwachen Ende. Für Liebhaber von Liebesromanen dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Tom Voss: „Eiszeit für Beck“ (Nick Beck 2)

Vor einiger Zeit habe ich „Eiszeit für Beck“ von Tom Voss gelesen, den zweiten Band der Reihe um Nick Beck und Cleo Torner nach dem Auftaktroman „Hundstage für Beck“. Das Buch ist 2021 als FISCHER Taschenbuch in der S. Fischer Verlag GmbH erschienen und als Kriminalroman einzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag (und die Glücksfee) für die Bereitstellung eines Leseexemplars im Rahmen einer Buchverlosung auf Lovelybooks.de.

Es ist Winter in Hamburg, und entsetzliche Morde erschüttern die Stadt. Der Elbripper ist zurück, nachdem er fast zwei Jahre lang verschwunden war. Elf Opfer gehen schon auf sein Konto. Und Nick Beck hat auf der Jagd nach ihm seine Kollegin im Einsatz verloren. Daraufhin nahm er Abstand vom LKA-Dienst und ließ sich versetzen. Aber jetzt wird er reaktiviert, denn niemand kennt den Serienmörder so gut wie er. Doch irgendetwas ist anders: Die Rituale des Killers scheinen sich verändert zu haben. Hat der Elbripper seinen Modus geändert? Oder haben es Nick Beck und Cleo Torner mit einem Nachahmer zu tun? Nur eines ist klar: Der Täter ist gefährlicher als je zuvor …

„Eiszeit für Beck“ ist der zweite Band um Nick Beck und Cleo Torner, wobei letztere in diesem Roman eher eine untergeordnete Rolle spielt – gleichsam aber die Sympathieträgerin bleibt. Die Handlung setzt kurz nach dem Ende des Vorgängerbandes an und schreibt diese nahtlos weiter, weicht aber überraschenderweise von den im Epilog des ersten Bandes angedeuteten Geschehnissen stark ab und löst gleich zu Beginn das große Mysterium auf, das die Buchreihe über mehrere Bände hätte tragen können – sehr antiklimaktisch.

Abgesehen davon ist die Handlung durchaus spannend und abwechslungsreich, teils überraschend und insgesamt stärker als die des ersten Bandes. So trifft man altbekannte Charaktere wieder, lernt aber vereinzelt auch neue Protagonisten wie Bekka kennen. Durch die Verlagerung der Handlung in die Metropole Hamburg geht dabei dem Roman etwas das Flair eines Regionalkrimis ab, das dem ersten Teil noch anhaftete. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Reihe hier entwickelt.

Das Setting ist in Konsequenz durchaus mondäner, auch wenn der Autor versucht, die Großstadt auf andere Weise zu zeigen, indem er die Handlung in die Vororte und vor allem zu Lost Places bringt. Dabei beschreibt Tom Voss, dessen Schreibstil sich gut und flüssig lesen lässt, anschaulich, hätte aber durchaus noch detaillierter sein können, um das Grauen beim Leser noch zu erhöhen.

Die einzelnen Figuren sind im Wesentlichen dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen. Neben Cleo überzeugen vor allem Nebencharaktere wie Lola, während Nick Beck sich zwar im Vergleich zum ersten Teil deutlich steigert, zum Schluss aber gesammelte Sympathiepunkte wieder verspielt, sodass er noch mindestens einen dritten Teil braucht, um insgesamt zu überzeugen.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen ordentlich, Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Der Buchumschlag ist relativ einfach gearbeitet, das Cover farblich auffällig und vom Motiv her eher austauschbar, sorgt aber von der Gestaltung für einen einheitlichen Gesamteindruck der Reihe.

Mein Fazit? „Eiszeit für Beck“ setzt die Reihe um Nick Beck gelungen fort. Dabei steigert sich das Buch im Vergleich zum Vorgänger mit einer spannenden, und teils unerwarteten Handlung, löst aber zugleich einen der Kernpunkte der Reihe direkt zu Anfang antiklimaktisch auf. Für Liebhaber von Kriminalromanen bedenkenlos zu empfehlen, allerdings nicht als Standalone und nicht unter einem Lesealter von 16.