[Buchgedanken] Mona Kasten: „Hope Again“ (Again 4)

In den letzten Tagen habe ich – passend zur Signierstunde vom letzten Samstag – „Hope Again“ von Mona Kasten gelesen, den vierten Band der sensationellen „Again“-Reihe. Das Buch ist 2019 im LYX Verlag in der Bastei Lübbe GmbH erschienen und dem Genre New-Adult Romance zuzurechnen. Meine Besprechungen zu den Vorgängerbänden finden sich hier („Begin Again“, „Trust Again“, „Feel Again“). Herzlichen Glückwunsch auch zu Platz 2 der Paperback-Spiegelbestsellerliste in der ersten Woche.

41VlcZa9QOL._SX312_BO1204203200_Sie wollte sich niemals verlieben – doch seine Worte verändern alles. Everly Penn hatte nie vor, sich zu verlieben – schon gar nicht in ihren Dozenten. Doch Nolan Gates ist charmant, intelligent und sexy, und er ist der Einzige, bei dem Everly die dunklen Gedanken vergessen kann, die sie jede Nacht wachhalten. Je näher sie Nolan kennenlernt, desto intensiver wird die Verbindung zwischen ihnen – und desto mehr wünscht sich Everly, die unsichtbare Grenze, die sie voneinander trennt, zu überschreiten. Was sie nicht ahnt: Hinter Nolans lebensbejahender Art und seiner ansteckenden Begeisterung für Literatur verbirgt sich ein Geheimnis. Und dieses Geheimnis könnte ihre Liebe zerstören, bevor sie überhaupt begonnen hat …

Mit „Hope Again“ legt Mona Kasten zum ersten Mal keine echte Fortsetzung der Again-Reihe im zeitlichen Sinne vor, da die Handlung teilweise parallel zum Vorgängerband „Feel Again“ spielt. Dennoch wird die Geschichte der (erweiterten) Freundesclique aus Woodshill weitergesponnen und vorangetrieben, der Leser trifft alle liebgewonnenen Protagonisten aus den Vorgängerbänden wieder.

„Hope Again“ ist – erneut – hochgradig emotional und intensiv, packt den Leser, zieht ihn ins Buch und lässt ihn nicht mehr los – auch begünstigt durch die gelungene Wahl der Erzählperspektive. Dabei sind – fast noch stärker als in den anderen Bänden – die Geschichte, die Handlungen der Protagonisten von ihrer Vergangenheit beeinflusst, die einen Schatten auf die Gegenwart wirft. Dabei gelingt es der Autorin jedoch, das Buch nicht zum Schicksalsroman abgleiten zu lassen, sondern den Fokus immer auf den Beziehungen der Protagonisten, sei es untereinander oder zu ihren Familien zu halten.

Das Setting ist erneut brillant, die Handlung spannend und voller überraschender Wendungen. Die Protagonisten sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, Motive und Ziele. Trotz des vielfach erzählten und tabuisierenden Grundplots überzeugt Mona Kasten dadurch, nicht zu klischeehaft zu werden, sondern diese auch durchaus einmal zu brechen. Dabei entwickeln sich die Protagonisten im Laufe des Romanes konsequent weiter – auch bei den Nebencharakteren. Insbesondere Blake hat mich hier überzeugt. Daher bin ich schon ganz gespannt darauf, wie Mona Kasten seine Geschichte im – im März erscheinenden – Nachfolger „Dream Again“ fortschreibt.

Die Buchgestaltung steht dem Inhalt in nichts nach. Das Cover ist hochwertig geprägt, besitzt farbige Coverinnenseiten, passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet und sorgen für ein rundes Gesamtpaket.

Mein Fazit? „Hope Again“ ist ein in Gänze überzeugender New-Adult Roman, der die Reihe nahtlos fortsetzt und den Grundstein für einen weiteren tollen Nachfolger legt. Ein malerisches Setting, brillante Charaktere und eine emotionale Achterbahnfahrt sorgen erneut für ein unglaubliches Lesevergnügen. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen und völlig zu recht ein deutschlandweites Phänomen. Mit jedem neuen Buch zementiert Mona Kasten ihren Platz im Olymp der deutschen New-Adult-Autoren. Beeindruckend.

[Buchgedanken] Tanja Bruske: „Schlüssel der Zeit 1“

In der letzten Zeit habe ich den ersten Band der „Schlüssel der Zeit“-Reihe von Tanja Bruske gelesen, erschienen 2019 im mainbook Verlag, Frankfurt. Vielen Dank an dieser Stelle an den Verlag und die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Das Buch ist dem Genre Historical Fantasy zuzuordnen und enthält die drei Novellen „Der Ruf der Schlösser“, „Der Hexer von Bergheim“ und „Das Geheimnis der Kommende“

51RRF0LtNBL._SX340_BO1204203200_Ihren 17. Geburtstag hat sich Keyra eigentlich anders vorgestellt: Zuerst dieser Albtraum, dann blamiert sie sich vor ihrer ganzen Klasse, und ihr Vater lässt sie mal wieder im Stich. Wenigstens von ihrer Großmutter bekommt sie ein besonderes Geschenk: eine Kette mit einem Anhänger in Form eines Schlüssels. Keyra ahnt noch nicht, dass dieses Schmuckstück sie wenig später in das Abenteuer ihres Lebens stürzt – denn mit seiner Hilfe hört sie im Wilhelmsbader Kurpark ein Schloss singen, das eine Tür in die Vergangenheit öffnet … Dies ist nur der Anfang einer Reihe unglaublicher Reisen in die Vergangenheit. Keyra bekommt es mit Hexenjägern und einem rücksichtslosen Ritter zu tun und erfährt von ihrer besonderen Bestimmung: Sie ist eine Zeitwächterin!

„Schlüssel der Zeit 1“ ist eine Sammlung von Kurzromanen/Novellen, eine episodenhafte Erzählung der Geschichte von Keyra Kelly. In jeder der drei Episoden lernt man eine andere Geschichtsepoche kennen – so spielen sie im 15., 17. und 19. Jahrhundert. Der Handlungsort ist stark lokal begrenzt – was einerseits den Reiz der Reihe ausmacht, andererseits aber auch eintönig werden kann. Ich bin schon gespannt, wie die Autorin die Folgeepisoden ausgestaltet.

Auch wenn kleinere Logikfehler – sofern man bei fantastischen Zeitreiseromanen davon sprechen kann – vorhanden sind, gelingt es der Autorin doch, im Wesentlichen eine spannende und stringente Handlung zu erschaffen, die Potential für viele weitere Episoden bietet und durch die Abwechslung überzeugt. Dabei punktet die Geschichte vor allem auch vom lokalen Setting, das durch die Vergleiche der damaligen und heutigen Zeit den Leser einlädt, vielleicht auf einer Reise die Spielorte der Episoden zu besichtigen. Gleichsam lernt man als Leser nicht nur die Region kennen, sondern erfährt auch viel über die Vergangenheit – fast zu viel (dass ich das als Geschichtsfanatiker mal sage …). Da man zusammen mit Keyra lernt, zusammen mit ihr über ihren Aufträgen brütet, sind die geballten Informationen gerade noch so im Rahmen – vielleicht hätte sich der ein oder andere Fakt aber auch gut in ein Nachwort / eine Anmerkung packen lassen. Auch die Wege, Fahr- und Laufstrecken sind teils etwas zu präsent – die stetige Wiederholung der Ortsnamen führt mehr zu Verwirrung, als das es für Klarheit sorgt – eine Karte des Kinzigtals mit den Handlungsorten zu Beginn des Buches wäre noch ein kleines, zusätzliches Gimmick gewesen.

Durch die episodenhafte Erzählung wird man immer wieder mit neuen Charaktern konfrontiert, sodass man – außer im Beispiel von Keyra – wenig zu einer konsequenten Charakterentwicklung sagen kann. Auch wenn die Nebencharaktere der Gegenwart regelmäßig in den einzelnen Novellen auftauchen, nehmen doch die Abenteuer in der Vergangenheit die zentrale Rolle ein. Hier wird viel Raum für die weiteren Episoden gelassen, gerade auch, was Keyras Interesse an Ben angeht – oder bezüglich der familiären Probleme, vor denen sie steht.

In der Buchgestaltung finden sich leider leichte Schwächen. Satz, Lektorat und Korrektorat sind da durchaus einige Fehler durchgerutscht, zudem sind die eingestreuten historischen Dokumente zwar interessant anzusehen, aber nicht wirklich lesbar. Auch das Cover vermag nicht vollends zu überzeugen. So ist die Titelseite zwar durchaus ansehnlich, aber etwas eintönig und lässt den Bezug zur Geschichte vermissen, da dort von einem Schlüssel aus Bergkristall die Rede ist. Auch wird hier viel Potential verschenkt – wenn man schon ein solch lokales Buch schreibt, hätten regionale Aspekte duchaus auch auf dem Cover Einklang finden können. Viel gravierender finde ich aber die Coverrückseite, auf der einfach Textfelder über das Hintergrundbild gelegt worden sind – ein krasser Bruch – vor allem, wenn man den ohnehin hellen Hintergrund berücksichtigt, auf dem sich der Klappentext ganz organisch und harmonisch eingefügt hätte.

Mein Fazit? „Schlüssel der Zeit 1“ ist eine spannende, episodenhafte regionale Reihe aus dem Genre „Historical Fantasy“, die vor allem durch ein tolles Setting und eine abwechslungsreiche Handlung überzeugen kann und dabei kleinere Logikfehler leicht vergessen lässt. Leider sind in der Buchgestaltung einige Mängel vorhanden – für Liebhaber regionaler Geschichte dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Anna Todd: „After Passion“ (After 1)

In der letzten Zeit habe ich – inspiriert vom damaligen Kinobesuch – „After Passion“ von Anna Todd gelesen, den ersten Band ihrer erfolgreichen New-Adult-Reihe. Das Buch ist 2015 im Wilhelm Heyne Verlag in der Verlagsgruppe Random House GmbH veröffentlicht worden, die Originalausgabe erschein bei Gallery Books, Simon & Schuster, Inc., New York. Mein Exemplar entstammt aus der mittlerweile 18. Auflage (Glückwunsch!), der Roman ist dem Genre New-Adult-Romance zuzurechnen.

41bHN8VxJ6L._SX325_BO1204203200_Tessa Young ist attraktiv und klug. Und sie ist ein Good Girl. An ihrem ersten Tag an der Washington Central University trifft sie Hardin Scott. Er ist unverschämt und unberechenbar. Er ist ein Bad Guy. Er ist genau das Gegenteil von dem, was Tessa sich für ihr Leben wünscht. Und er ist sexy, gutaussehend und zieht Tessa magisch an. Sie kann nicht anders. Sie muss ihn einfach lieben. Und sie wird nie wieder die sein, die sie einmal war

Mich lässt die Lektüre von „After Passion“ etwas zwiegespalten zurück – wahrscheinlich bin ich auch mit zu hohen Erwartungen an das Buch heran gegangen. Denn mit „After Passion“ legt die Autorin unzweifelhaft einen gelungenen und im Wesentlichen überzeugenden Roman vor, aufgrund des Hypes hätte ich allerdings mehr erwartet. So bleibt als erstes Fazit bereits festzuhalten, dass „After Passion“ vielleicht mit dafür gesorgt hat, das New-Adult-Genre in Deutschland zu etablieren, es mit der deutschsprachigen New-Adult-Elite um Mona Kasten und Laura Kneidl aber nicht mithalten kann, deren Bücher (z.B. „Trust Again“ oder „Berühre mich. Nicht.„) sich doch deutlich absetzen können.

„After Passion“ punktet – wie die meisten Bücher des Genres – zunächst mit einem tollen Setting. Ein Universitätswohnheim, ein Verbindungshaus, die Bibliothek, unberührte Natur oder auch ein Diner – der Roman versetzt einen in das amerikanische Lebensgefühl, lässt den Leser sich nach Washington träumen. Dabei verliert er sich jedoch nicht in den Klischees. Die Handlung – genrebedingt teils vorhersehbar – ist spannend, elektrisierend und lässt den Leser durch unerwartete Wendungen immer mal wieder wütend, verzweifelt und frustriert zurück – genau wie Tessa, mit der man sich sofort gut identifizieren kann. Kleinere Ungereimtheiten in der Handlung kann man dabei locker verzeihen, den großen Cliffhange am Ende eher nicht. Insgesamt kommen mir in der Handlung aber zu wenig Impulse von außerhalb. So spannend die Probleme sind, die die Protagonisten alle untereinander haben, gibt es doch sonst kaum Krisen, Konflikte in ihrem Leben – abgesehen von den obligatorischen Problemen in der Kindheit.

Die Figuren sind dreidimensional angelegt, haben Stärken und Schwächen – teils mehr, teils weniger. Doch hier stoße ich auch auf mein größtes Problem – Hardin. Ein interessanter Charakter, der mich jedoch etwas verzweifeln lässt. Mir ist klar, dass die Geschichte einen Bad Boy braucht, und auch so angelegt ist. Mir ist auch klar, dass das Love Interest gegensätzlich zu Tessa konzipiert wurde, um Konfliktpotential zu schaffen – sonst wäre die Geschichte auch langweilig. Und dennoch finde ich es wichtig, dem – wenn man so will – Antagonisten auch Züge zu geben, die ihn sympathisch werden lassen, die es dem Leser ermöglicht, ihm ein gutes Ende zu wünschen. Und das sehe ich nicht, kann mich persönlich nicht mit Hardin identifizieren – und, so sehr ich Tessa auch mag, habe ich mich beim Lesen ertappt, ihnen kein Happy End zu wünschen – schlicht weil Hardin es nicht verdient hat.

Anna Todds Schreibstil ist hochemotional und strotz vor Gefühlen, ist aber auch sehr direkt, gerade in den Dialogen – was zwar zum Charakter von Hardin passt, ihm jetzt allerdings auch keine Sympathiepunkte mehr bringt. So gefühlvoll das Buch auch ist, gerade in den (überraschend und fast zu zahlreichen) erotischen Szenen wird hier noch Potential verschenkt, hier ist eindeutig noch Luft nach oben.

Die Buchgestaltung überzeugt auf der ganzen Linie. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, das wunderschöne Cover sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert und passt sich gut in das Gesamtbild der Reihe ein. Es ist hochwertig geprägt und mit ausklappbaren, farbigen Coverinnenseiten versehen.

Mein Fazit? „After Passion“ ist ein im Wesentlichen gelungener Reihenauftakt, der vor allem mit seinem Setting und einer spannenden, wenn auch sehr auf die Beziehungen unter den Protagonisten zentrierten, Handlung punkten kann, sein Potential aber bei weitem nicht ausschöpft. Für Leser des Genres, die von Cliffhangern und unsympathischen Bad Boys nicht abgeschreckt werden, bedenkenlos zu empfehlen.

[Veröffentlichung] „Rosenkriege“ – eine alte Geschichte im neuen Gewand

Wie bereits in den letzten Tagen angeteasert, habe ich heute eine tolle Nachricht zu verkünden. Der ein oder andere erinnert sich vielleicht an meine Kurzgeschichte „Rosenkriege“ – meine allererste Verlagszusage überhaupt, die mit einiger Verzögerung 2015 in der Anthologie „Coole Mädchen, große Liebe“ des Oldigor Verlags veröffentlicht wurde. Da nach der Insolvenz des Verlages alle Rechte an mich zurückgefallen sind, suchte ich seit einiger Zeit nach einer Möglichkeit, die Geschichte woanders unterzubringen, da sie mir besonders am Herzen liegt.

unnamed-200x300Daher freue ich mich ungemein, dass sie ab dem 20.06.2019 wieder erhältlich ist. Zusammen mit den Geschichten von 29 anderen Autoren und Autorinnen kann sie nunmehr in der Anthologie „Ich glaube, verliebt: Geschichten voll erster Liebe“ des Schreiblust Verlages gelesen werden. Erhältlich ist das Buch unter anderem *hier*.

Vielleicht wird so der ein oder andere neue Leser auch die Geschichte entdecken und sich, hoffentlich, auch ein kleines bisschen in die Protagonisten verlieben.

 

[Buchgedanken] Veronika Lackerbauer: „Bacchus‘ Vermächtnis“

In der letzten Zeit habe ich „Bacchus‘ Vermächtnis“ von Veronika Lackerbauer gelesen – mein drittes Buch der Autorin. Der Roman ist 2018 im Selfpublishing bei BoD erschienen und dem Genre Schicksalsroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars.

51JUBTWGkoL._SX311_BO1204203200_„Wenn sie dir sagen würden, dass du jetzt noch einen Monat zu leben hast. Was würdest du tun? Einfach so weitermachen wie bisher?“ Gaby ist schwer krebskrank und die Ärzte geben ihr wenig Hoffnung. Eine neuartige Chemotherapie soll ihre letzte Hoffnung sein, doch Gaby ist erschöpft. Sie folgt der Einladung ihrer Freundin Susanne, sich bei ihr an der Mosel zu erholen. Dort beginnt für Gaby eine Reise, die sie erst zu den schönsten Weinanbaugebieten Europas führt und am Ende zu sich selbst.

„Bacchus‘ Vermächtnis“ ist mehr als ein Roman, ist Reiseführer und Weinatlas, prädestiniert dazu, den Leser bei Reisen auf Gabys Spuren zu begleiten. Es ist ein Buch über Genuss und letzte Chancen, über gutes Essen, Trinken und ganz viele Sehenswürdigkeiten. Es zeigt die Vergänglichkeit des Lebens und appelliert daran, auch das eigene Glück zu sehen.

Das Setting ist zauberhaft – Gabys Reise führt durch wunderschöne, malerische Regionen und Städte. Fast ist es mir technisch etwas zu ausführlich dargestellt – auf einige Straßennamen und Details, auf penibel dargestellte Wege und enzyklopädische Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten hätte man durchaus verzichten können, um den Flair, den Gesamteindruck noch etwas besser wirken lassen zu können. Dafür bietet der Roman eindringliche, berührende und humorvolle Szenen, und ist durchaus spannend, auch wenn Genre und Prämisse des Buches das Ende durchaus vorwegnehmen.

Die Charaktere sind plastisch und vielschichtig, haben Stärken und Schwächen und entwickeln sich kontinuierlich weiter. Antrieb der Charakterentwicklung ist das – einem Schicksalsroman inhärente – tragische Ereignis, mit dem alle anders umgehen, das die Charaktere auf verschiedenste Weisen prägt. Dabei gelingt es der Autorin, niemals zu moralisch, zu belehrend zu wirken, sondern sie wahrt die Balance zur Unterhaltung.

Die Buchgestaltung ist im großen und ganzen gelungen – Lektorat und Korrektorat haben größtenteils sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ausnehmend gut, wenn auch die Kapiteleinteilung etwas eigenwillig.. Das Cover passt gut zur Geschichte und spiegelt die Sehnsucht der Protagonisten wieder. Gut gefällt mir auch, dass das Grundbild sich nahtlos über den kompletten Buchumschlag zieht, wenn auch der Klappentext auf der Coverrückseite etwas gedrängt scheint. Das einzige Manko ist die etwas gewöhnungsbedürftige Darstellung der verschiedenen Mundarten und Sprachen. So wird auf allen Stationen von den Personen im dort vorherrschenden Dialekt gesprochen, die bayerischen Protagonisten sprechen aber perfektes Hochdeutsch – ich hätte gut und gern darauf verzichten können. Ganz vereinzelt sind im Erzähltext zudem mundartliche Begriffe durchgerutscht.

Mein Fazit? „Bacchus‘ Vermächtnis“ ist ein spannender, berührender und einfühlsamer Schicksalsroman, der den Leser mit auf eine Reise durch Europas Weinanbaugebiete nimmt. Der Roman besticht durch tolle Protagonisten und ein wunderschönes Setting, das leichte Schwächen mehr als vergessen lässt. Für Leser abseits der Genreliteratur bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Mona Kasten: „Feel Again“ (Again 3)

In der letzten Zeit habe ich „Feel Again“ von Mona Kasten gelesen, den dritten Roman ihrer erfolgreichen „Again“-Reihe. Das Buch ist 2017 bei Lyx in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult-Romance zuzurechnen. Meine Besprechungen zu den ersten Teilen findet ihr hier (Band 1, Band 2), der erste Band sprang zudem auf Platz drei meiner Lesehighlights 2018.

41WQ2rq8V-L._SX312_BO1204203200_Sawyer Dixon ist jung, tough – und eine Außenseiterin. Seit dem Tod ihrer Eltern lässt sie niemanden an sich heran. Das ändert sich, als sie Isaac Grant kennenlernt. Mit seiner Nerd-Brille und den seltsamen Klamotten ist er eigentlich das genaue Gegenteil von Sawyers üblichem Beuteschema. Doch als Isaac, der es satthat, single zu sein, sie um Hilfe bittet, schließen die beiden einen Deal: Sawyer macht aus Isaac einen Bad Boy und darf dafür seine Entwicklung als Fotoprojekt für ihr Studium festhalten. Aber Sawyer hat nicht mit den intensiven Gefühlen gerechnet, die zwischen ihr und Isaac hochkochen …

„Feel Again“ ist – wie die anderen Teile der Reihe – ein wahres Gefühlsfeuerwerk. Es ist allerdings auch viel mehr als ein Buch über die Liebe zwischen den Protagonisten, es ist eine Ode an die Familie – ein Plädoyer dafür, nicht zu vergessen, wo man herkommt, und in der Familie sein eigenes Zuhause zu finden.

Mona Kastens leichter und gefühlvoller Schreibstil zieht einen sofort in die Geschichte – unterstützt durch die perfekt gewählte Erzählperspektive, die es einem ermöglicht, sich mit den Protagonisten zu identifizieren. Das wunderschöne Setting und die spannende Handlung tun das Ihrige, um den Leser an die Buchseiten zu fesseln. Dabei gelingt es der Autorin, durch viele unerwartete Wendungen den Leser immer mal wieder in die Irre zu führen – auch wenn die generelle Handlung genrebedingt in Teilen durchaus vorhersehbar ist.

Die Charaktere sind vielschichtig und mehrdimensional angelegt, haben jeweils Stärken und Schwächen. Dabei ist es Mona Kasten gelungen, mit Isaac Grant mein bisheriges Lieblings-Love-Interest der Reihe zu schaffen – ein brillanter Charakter! Zudem sorgt das Buch für ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen Protagonisten aus den ersten Büchern, deren Entwicklung man so als Leser verfolgen kann.

Die Buchgestaltung ist (wenig überraschend) in Gänze überzeugend – Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Das Cover fügt sich perfekt in die Reihe ein und besitzt einen hohen Wiedererkennungswert. Der gesamte Buchumschlag – auch Buchrücken und Coverrückseite – ist hochwertig geprägt, zudem verfügt der Umschlag über ausklappbare Broschuren und farbige Coverinnenseiten. Allerdings ist das Cover aus meiner Sicht bislang das schwächste der Reihe – dies ist aber Jammern auf einem sehr, sehr hohen Niveau und spricht mehr für die Brillanz der anderen Cover, als dass es eine Schwäche dieses Titels aufzeigen würde.

Mein Fazit? „Feel Again“ ist New-Adult in Reinform, überzeugt mit tollen Protagonisten, einer spannenden Handlung und großen Gefühlen – es ist daher kein Wunder, dass die Reihe in Kürze fortgesetzt wird. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] April Dawson: „Up All Night“

In den letzten Tagen habe ich „Up All Night“ von April Dawson gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung einiger Leseexemplare des Buches auf der diesjährigen Litblog-Convention. Das Buch ist 2019 bei LYX in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult-Romance zuzurechnen.

4102BaC4yJjLAls Taylor Jensen an ein und demselben Tag nicht nur ihren Job an einen Kollegen verliert, sondern auch ihren Freund beim Fremdgehen erwischt, hat sie von Männern erst einmal genug. Völlig verzweifelt läuft sie Daniel Grant in die Arme, der ihr ein Zimmer in seiner WG anbietet. Einst waren sie beste Freunde, aber ein männlicher Mitbewohner mit sexy Tattoos und einem unwiderstehlichen Lächeln ist das Letzte, was Tae jetzt gebrauchen kann. Doch Dan steht schon lange auf Männer, weshalb das heiße Prickeln zwischen ihnen nichts zu bedeuten hat – oder etwa doch?

„Up All Night“ von April Dawson ist eine Geschichte über einen Neuanfang, über Mut, Gefühle und Vertrauen – ein Buch über Freundschaft, zweite Chancen und bedingungslose Liebe.

Dabei punktet der Roman vor allem mit seinen Charakteren. Nicht nur die Protagonisten, auch die Nebencharaktere sind vielschichtig angelegt, haben Stärken und Schwächen, eigene Ziele und Motive. Besonders begeistert bin ich dabei von Grace – und würde mich freuen, irgendwann auch mehr über sie zu lesen, auch wenn sich der nächste Band der Reihe vorerst um Addison drehen wird.

Auch wenn die Handlung genretypisch bedingt teilweise vorhersehbar ist, gelingt es April Dawson doch, den Leser durch einige unerwartete Wendungen immer mal wieder in die Irre zu führen und für Spannung zu sorgen. Zusammen mit dem gelungenen Setting ist es dabei vor allem der locker-leichte und flüssig zu lesende Schreibstil der Autorin, der den Leser an die Seiten fesselt und auch etwas Humor aufblitzen lässt. Dies wird noch durch die gelungene Wahl der Erzählperspektive unterstützt, die es dem Leser leichter macht, sicht mit den Protagonisten zu identifizieren, mit ihnen mitzuleiden und sich zu freuen.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Der Buchsatz ist gelungen, dem Lektorat und Korrektorat sind bis auf einen Bruch in der Perspektive und einen Fehler auf der Innenklappe des Covers sonst nur kleinere Fehler durchgerutscht, die den Lesefluss nicht beeinträchtigen. Das Cover ist ein wahrer Eyecatcher und leuchtet aufgrund der traumhaften Farbgebung. Eine hochwertige Prägung und farbige Coverinnenseiten runden das tolle Erscheinungsbild ab.

Mein Fazit? „Up All Night“ ist ein gelungener New-Adult-Roman, der vor allem durch seine Spannung und vielschichtigen Protagonisten glänzen kann. Kleinere Schwächen in der Buchgestaltung gehen dabei nicht zu Lasten des Leseflusses. Für Liebhaber des Genres ab 16 Jahren bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Laura Kneidl: „Berühre mich. Nicht.“

Vor kurzem und als Vorbereitung zur Loveletter Convention 2019 habe ich „Berühre mich. Nicht.“ von Laura Kneidl gelesen, den Auftakt zu ihrer umjubelten New-Adult-Dilogie. Das Buch ist 2017 bei Lyx in der Bastei Lübbe AG erschienen und dem Genre New-Adult-Romance zuzuordnen.

51rY0YusxbL._SX312_BO1204203200_Als Sage in Nevada ankommt, besitzt sie nichts – kein Geld, keine Wohnung, keine Freunde. Nichts außer dem eisernen Willen, neu zu beginnen und das, was zu Hause geschehen ist, zu vergessen. Das ist allerdings schwer, wenn einen die Erinnerungen auf jedem Schritt begleiten und die Angst immer wieder über einen hereinbricht. So auch, als Sage ihren Job in einer Bibliothek antritt und dort auf Luca trifft. Mit seinen stechend grauen Augen und seinen Tätowierungen steht er für alles, wovor Sage sich fürchtet. Doch Luca ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Und als es Sage gelingt, hinter seine Fassade zu blicken, lässt das ihr Herz gefährlich schneller schlagen …

Ich kann nicht nachvollziehen, wie „Berühre mich. Nicht.“ so lang auf meinem SuB schlummern konnte – ich wollte es schon seit einiger Zeit lesen. Dass ich jetzt endlich dazu gekommen bin, ist Fluch und Segen zugleich. Ein grandioses Buch, ein grausames Ende – für das sich Laura sogar in der Danksagung entschuldigt. Wie kann man nur? Am liebsten würde ich sofort Teil 2 nachschieben, das ist mir aber derzeit nicht möglich, da andere Bücher anstehen. Einfach grausam!

Abgesehen von dem brutalen Cliffhanger ist „Berühre mich. Nicht.“ ein in allen Punkten überzeugendes New-Adult-Buch voll großer Gefühle und grandioser Protagonisten – ein potentielles Jahreshighlight. Durch die perfekte Wahl der Erzählperspektive (Ich-Erzähler aus der Sicht von Sage) wird es dem Leser leicht gemacht, sich mit der Protagonistin zu identifizieren, mit ihr zu leiden, zu lachen, und sich in meinem Fall – ein bisschen – in sie zu verlieben.

Das Setting ist wunderbar und spiegelt das amerikanische Lebensgefühl wieder, die Handlung ist spannend und sorgt mit vielen unerwarteten Wendungen immer mal wieder für Spannungsspitzen. Tolle Dialoge und Laura Kneidls leichter und flüssiger, aber vor allem eindringlicher und gefühlvoller Schreibstil fesseln den Leser an die Seiten und lassen ihn das Buch nicht aus der Hand legen. Dabei gelingt es der Autorin, nicht nur die Anziehung zwischen den Protagonisten, sondern auch die Angst, die Panik und Verzweiflung von Sage greifbar zu machen.

Im Laufe der Handlung entwickeln sich die – vielschichtig und plastisch angelegten – Protagonisten weiter, zeigen Stärken und Schwächen. Dabei können auch die Nebencharaktere, allen voran April und Gavin, überzeugen. Ich bin schon gespannt, wie auch deren Geschichten im Folgeband „Verliere mich. Nicht.“ weitererzählt werden.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, das Cover ist hochwertig geprägt und mit farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Motiv ist ein wahrer Eyecatcher und bietet zusammen mit dem zweiten Teil der Reihe einen hohen Wiedererkennungswert und ein einheitliches Design.

Mein Fazit? „Berühre mich. Nicht.“ ist ein nahezu perfektes New-Adult-Buch mit tollen Protagonisten, einer starken und gefühlvollen Sprache und ganz großen Emotionen. Auch wenn das Ende einige verzweifeln lassen wird, ist es bedenkenlos für Liebhaber des Genres zu empfehlen – allerdings meines Erachtens nach nicht wie vom Verlag empfohlen ab 14, sondern eher ab 16 Jahren.

 

 

 

[Buchgedanken] Anna Fischer: „Herz sucht Callboy“

In den letzten Tagen habe ich „Herz sucht Callboy“ gelesen, mein zweites Buch von Anna Fischer nach „Herz in Reparatur„. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Vorab-Rezensionsexemplares. „Herz sucht Callboy“ ist am 21.05.2019 bei Montlake Romance, Amazon Media EU s.à r.l. erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen.

51YbCM5lneL._SX337_BO1204203200_Paula wird in Sachen Liebe bitter enttäuscht. Deshalb kehrt sie nicht nur ihr, sondern auch ihrer Heimat Berlin den Rücken und wandert nach New York aus. Sieben Jahre später ist sie Top-Scheidungsanwältin und immer noch überzeugter Single. Um bei ihrem konservativen Arbeitgeber den Karriereschritt zur Junior-Partnerin zu machen, muss sie jedoch zwingend verheiratet sein. Deshalb engagiert sie den Callboy Scott für eine Scheinehe. Leider entpuppt er sich als die Unzuverlässigkeit in Person. Doch nachdem sie ihn als ihren Verlobten ausgegeben hat, kann sie ihn nicht wie ein unpassendes Kleidungsstück umtauschen. Als Paulas Plan, sich schnell standesamtlich trauen zu lassen, völlig außer Kontrolle gerät und plötzlich auch noch ihre zukünftigen Schwiegereltern auf der Matte stehen, müssen die beiden länger als gedacht das verliebte Pärchen spielen …

„Herz sucht Callboy“ – um das Ergebnis gleich mal vorwegzunehmen – gefällt mir noch eine Spur besser als „Herz in Reparatur“. Die Prämisse ist innovativ, die Handlung spannend und konfliktbasiert, wenn auch genrebedingt teils vorhersehbar. Mit unerwarteten Wendungen gelingt es der Autorin jedoch immer mal wieder, den Leser zu überraschen, dem Geschehen eine neue Dynamik einzuhauchen.

Dabei ist es nicht nur das – erneut – malerische Setting, sondern es sind vor allem die krassen Gegensätze, die die Handlung enorm vorantreiben. Deutschland und Amerika, Staranwältin und Callboy, High-Society und Landleben – stets pointiert, aber nie klischeehaft stellt Anna Fischer die Protagonisten regelmäßig vor neue Hindernisse, reißt sie aus ihren Komfortzonen und sorgt gerade damit dafür, dass der Leser die Charaktere besser kennenlernt. Die perfekt gewählte Erzählperspektive (Ich-Perspektive von Paula) trägt das Ihrige dazu bei, dass der Leser sich gut mit der Protagonistin identifizieren kann, mit ihr leidet, und das Buch am liebsten nicht aus der Hand legen möchte.

Auch die Nebencharaktere überzeugen auf ganzer Linie. Sei es Charlie mit seinem Kater Tolstoi, Rachel, Abby, Doro oder Buddy – ein jeder hat seine eigene, wichtige Rolle und trägt die Handlung voran. Dabei entwickeln sich vor allem die Protagonisten, aber auch deren Eltern, im Laufe des Buches konsequent weiter, zeigen Stärken und Schwächen. Erneut bricht die Autorin klassische Rollenmuster auf und stellt eine Protagonistin in den Mittelpunkt, die den klassischen New-Adult-Romanen entwachsen ist, die mit über 30 Jahren mitten im Leben steht und deren bewegte Vergangenheit daher großen Einfluss auf ihre Zukunft hat.

Anna Fischers Schreibstil ist leicht und lässt sich flüssig lesen. Gefühlvoll, witzig und charmant nimmt die Autorin den Leser an die Hand und lässt das Kopfkino anspringen, bei einer erneut gelungenen Schwerpunktsetzung.

Die Buchgestaltung kann größtenteils überzeugen. Lektorat und Korrektorat haben sehr sauber gearbeitet, der Buchsatz ist ebenfalls solide. Das Cover passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für ein einheitliches Reihenbild und einen Wiedererkennungswert. Auch wenn es mir zudem eine Spur besser gefällt als bei „Herz in Reparatur“, fehlt mir erneut etwas der Bezug zur Geschichte, etwas Mut und Innovation.

Mein Fazit? „Herz sucht Callboy“ ist ein überzeugender Liebesroman, der durch ein tolles Setting, interessante Charaktere und ein enormes Konfliktpotential punktet. Für Liebesromanleser bedenkenlos zu empfehlen – Feel-Good-Feeling inklusive.