[Buchgedanken] Emily Bold: „UNENDLICH dein“ (The Curse 2)

In den letzten Tagen habe ich „UNENDLICH dein“ von Emily Bold gelesen, den zweiten, neuaufgelegten Band ihrer Trilogie „The Curse“. Das Buch wurde 2019 bei Planet! in der Thienemann-Esslinger Verlag GmbH veröffentlicht, die Originalausgabe erschien 2012. „UNENDLICH dein“ ist am ehesten dem Genre Young-Adult Romantasy zuzuordnen, die Besprechung des Vorgängerbandes kann *hier* abgerufen werden.

~~~ Die nachfolgende Besprechung kann Spoiler zum Vorgängerband enthalten! ~~~

51eooa05M6L._SX337_BO1204203200_Nachdem Vanoras Fluch gebrochen ist, sollte das Glück von Sam und Payton eigentlich perfekt sein. Wäre da nicht die Tatsache, dass die böse Hexe Nathaira mit ihrem letzten Atemzug Payton erneut einen Fluch aufbürdet: Da seine große Liebe Sam überlebt hat, soll er nun an ihrer Stelle sterben. Sam macht sich fieberhaft auf die Suche nach einer Lösung. Diese führt sie nicht nur zurück an den Ort, an dem alles begann, sie zeigt ihr auch, dass die Liebe über die Zeiten hinweg existiert …

„UNENDLICH dein“ schließt nahtlos an den Vorgängerband an und setzt die Handlung fort. Dabei trifft der Leser nicht nur altbekannte und geliebte Charaktere, sondern lernt auch neue Figuren kennen. Etwas schade fand ich allenfalls, dass sich meine Hoffnung, mehr von Ashley und Sean zu erfahren, handlungsbedingt nicht erfüllte. Aber es gibt ja noch Teil drei … 🙂

Durch die ideale Erzählperspektive (Ich-Erzählung aus Sicht von Sam mit eingestreuten weiteren personalen Erzählern) erfährt der Leser die Handlung aus erster Hand, kann sich gut mit Sam identifizieren, leidet, lacht und weint mit ihr. Auch wenn ihre Handlungen nicht immer ganz nachvollziehbar sind, entwickelt sich Sam dennoch im Verlauf der Geschichte weiter.

Insgesamt ist die Handlung durchaus auch spannend, obwohl teils vorhersehbar und ja bereits bekannt. Durch die eingestreute Zeitreise und die verschiedenen Zeilinien wird sie auch komplexer. Dabei gelingt es der Autorin, die einzelnen Handlungsstränge gut miteinander zu verknüpfen, auch wenn das Umschreiben der Vergangenheit mir doch etwas unlogisch erscheint.

Brillant hingegen ist das malerische und traumhafte Setting des Schottlands der Vergangenheit. Genauso gelungen: die versteckte Hommage an „Outlander“ im Text. Insgesamt kommt der zweite Teil jedoch nicht ganz an die annähernde Perfektion des ersten Bandes heran, der daher ja auch in den erweiterten Kreis meiner Jahreshighlights 2019 aufgenommen wurde.

Die Buchgestaltung überzeugt erneut auf ganzer Linie. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, zudem wird das Buch mit einem gälischen Wörterbuch und einer Dramatis Personae abgerundet. Das Cover ist wunderschön, ein wahrer Eyecatcher mit farbigen Klappen und hochwertig geprägt. Es passt sich gut in die Reihe ein und sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Bei einem so wertigen Buch hätte ich mir allerdings noch farbige Coverinnenseiten gewünscht.

Mein Fazit: „UNENDLICH dein“ ist eine gelungene Fortsetzung der „The Curse“-Trilogie, die vor allem mit einem brillanten Setting punktet. Auch wenn die Handlung nicht ganz an Buch eins heranreicht, bietet sie viel Potential für den abschließenden Band der Reihe. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – in etwa ab 14 Jahren.

[Buchgedanken] Isabel Kritzer: „California’s Next Magician“ (Next Magician 1)

Vor kurzem habe ich „California’s Next Magician“ gelesen, den Auftaktband der zauberhaften Next-Magician-Dilogie von Isabel Kritzer. Das Buch ist 2019 im Drachenmond Verlag erschienen, der Nachfolgeband „America’s Next Magician“ erscheint im März 2020 und ist bereits beim Verlag vorbestellbar.

25 Magicians. 5 magische Aufgaben.
Wer überlebt? Ein silberner Brief, der fünfundzwanzig Schicksale besiegelt. Eine neue Weltordnung, errichtet durch die Magie von vier Gilden. Ein Mädchen aus den Glastürmen, dessen Mut alles verändert.

51AjXFRDZCL._SX350_BO1204203200_Magische Aufgaben und starke Konkurrenten erwarten Josephine im Schloss, als ein Brief sie zur Teilnahme an der Regentschaftswahl Californias verpflichtet. Modernste Technik soll die dauerhafte Übertragung des Geschehens im Land gewährleisten und ein Abgesandter des Kaisers die Fairness wahren. Doch der momentane Regent denkt gar nicht daran, abzudanken. Während Josephine großes magisches Potenzial entwickelt, wird schnell klar: Es gibt kein Entkommen! Weder vor den Kameras und den gefährlichen Aufgaben der Wahl, noch vor den Mordanschlägen auf sie. Und schon gar keine Zukunft für ihre geheime Liebe – oder?

„California’s Next Magician“ erfüllt die hohen Erwartungen, die ich im Vorfeld hatte, völlig, ist aber auch perfekt auf meinen Lesegeschmack zugeschnitten. Als Mischung aus „Selection“ und „Tribute von Panem“, gewürzt mit einem Schuss Magie und garniert mit einer, allerdings etwas im Hintergrund stehenden, Liebesgeschichte, ist das Buch ein wahrer Pageturner und sorgt dafür, dass man es am liebsten gar nicht aus der Hand legen möchte.

Diese Kombination zeigt aber auch ein kleines Problem des Buches: eine Genrezuordnung fällt mir nicht leicht, deshalb habe ich sie auch oben unterlassen. So sind sowohl dystopische Anklänge, als auch Elemente der Urban Fantasy vorhanden – von Young-Adult-Romantasy ganz zu schweigen. Vielleicht könnte man sich auf „fantastisches Jugendbuch“ einigen, aber zum Glück muss ich diese Entscheidung ja nicht treffen :).

Die Handlung ist hochspannend, der Autorin gelingt es, mit mehreren unerwarteten Wendungen den Leser immer wieder im Unklaren zu lassen. Der Weltenbau überzeugt ebenfalls im Großen und Ganzen, wenn auch hier durchaus noch Lücken sind, die hoffentlich durch den Nachfolgeband geschlossen werden. Durch die (perfekte) Wahl der Erzählperspektive, einer Ich-Erzählung aus Sicht der Protagonistin, lernt der Leser mit ihr zusammen die Welt kennen, kann sich gut mit ihr identifizieren, leidet, lacht und verzweifelt mit ihr – ich bin immer noch leicht schockverliebt!

Die einzelnen Charaktere sind insgesamt vielschichtig und dreidimensional angelegt, haben Schwächen, Stärken, jeweils eigene Ziele und Motive – und entwickeln sich auch im Laufe der Handlung weiter. Dabei hoffe ich, in Band zwei vielleicht auch von einigen meiner bevorzugten Nebencharaktere (Majlin und Rayn) noch mehr zu lesen.

Als dystopisch-angehauchter Roman wartet „California’s Next Magician“ zudem mit einigen gesellschaftskritischen Elementen auf. Egal, ob es sich um das Thema Umweltschutz, die Gleichberechtigung von Mann und Frau oder um Fragen von autokratischen Herrschaftssystemen handelt, Isabel Kritzer gelingt es, ohne belehrend zu wirken, in Form einer fantastischen Geschichte eigene Meinungen und Überzeugungen zu vermitteln – vor dem Hintergrund eines anschaulichen, und wirklich brillanten Settings. Dabei ist der Schreibstil der Autorin leicht und flüssig lesbar, humorvoll und hochemotional.

Die Buchgestaltung ist – wie im Verlag üblich – überzeugend. Lektorat und Korrektorat haben im Wesentlichen sauber gearbeitet, der Buchsatz ist schön und wartet zudem mit einer Illustration, einer Weltkarte und einer Playlist auf. Das Cover hingegen ist brillant – ein wahrer Eyecatcher, ein wirkliches Meisterwerk von Covergott Alexander Kopainski, auf das auch eine meiner Stimmen im Lovelybook Leserpreis 2019 entfiel.

Mein Fazit? „California’s Next Magician“ ist ein überzeugender Auftakt in eine magische Dilogie, der vor allem durch eine spannende Handlung, tolle Charaktere und ein wunderschönes Setting brilliert. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14.

Wenn es dem zweiten Band – den ich übrigens kaum noch erwarten kann – gelingt, letzte Lücken im Weltenbau zu schließen und die Handlung nahtlos und genauso spannend weiterzuführen, ist der Dilogie ein Platz in meinen Jahreshighlights 2020 bereits jetzt kaum zu nehmen.

 

[Buchgedanken] Thorsten Steffens: „Klugscheißer Royale“

Zu Beginn des neuen Jahres habe ich „Klugscheißer Royale“ von Thorsten Steffens gelesen – vielen Dank an den Autor für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars. Der Roman ist 2018 bei Piper Humorvoll in der Piper Verlag GmbH, München, veröffentlicht worden und am ehesten dem Genre humorvolle Literatur / Gegenwartsliteratur zuzuordnen. Der Nachfolgeband, „Klugscheißer Deluxe“, ist im letzten Monat als e-Book erschienen.

41fj5UJdx4L._SX314_BO1204203200_Timo Seidel ist 28 Jahre alt und führt ein Leben ohne jegliche Ambitionen. Anstatt wie seine Freunde Karriere zu machen, ist er in seinem Studentenjob hängengeblieben. Dement­sprechend uninspiriert führt er seine Arbeit aus, so dass er fristlos entlassen wird. Zu allem Überfluss hat seine Freundin Cleo beschlossen, sich von ihm zu trennen. Nun steht er also da: Ohne Freundin, ohne Job, ohne Geld und ohne Perspektive. Aus heiterem Himmel bietet sich ihm jedoch eine außergewöhnliche Offerte: Er bekommt einen befristeten Arbeitsvertrag als Lehrer. Nun ist es also offiziell: Für die kommenden sechs Monate darf Timo staatlich beauftragter Klugscheißer sein. Im öffentlichen Dienst! Vom Staat angeheuert wie James Bond! Quasi 007 Klugscheißer Royale! Schnell muss er allerdings feststellen, dass der Lehrerberuf doch ein wenig schwieriger ist als ursprünglich gedacht…

„Klugscheißer Royale“ ist nicht mehr – aber auch nicht weniger – als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch. Locker und humorvoll, und dabei leicht und flüssig zu lesen, zeichnet der Autor ein Porträt eines Mannes, der sich pleite, verlassen und arbeitlos zurück ins Leben zu kämpfen versucht.

Die Handlung kommt dabei etwas kurz, ist teils übertrieben, unrealistisch und bietet kaum große Höhepunkte. Darauf kommt es aber auch nicht an, denn vielmehr als mit einem durchgezogenen Spannungsbogen punktet der Roman mit der Aneinanderreihung von Alltagssituationen, die Timo auf humorvolle Weise mal besser, mal schlechter meistert.

Dabei entwickelt sich der Hauptprotagonist im Verlauf der Handlung durchaus weiter, ist generell dreidimensional und vielschichtig angelegt – mit Stärken und Schwächen. Durch die gewählte Erzählperspektive (Ich-Erzählung aus der Sicht von Timo) und die durchaus etwas tiefergehenden, selbstreflektierenden Momente, kann man sich gut mit dem Protagonisten identifizieren.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet, insbesondere die Einbindung der Neologismen lockert den Text zusätzlich auf. Das Cover hingegen, vor allem auch die sehr eintönige Coverrückseite sind farblich ein Eyecatcher, mir aber fast zu kindlich und spiegeln die Handlung des Buches nicht wirklich wieder.

Mein Fazit? „Klugscheißer Royale“ ist kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch – sehr humorvoll, nie langweilig, aber auch ohne große Höhepunkte. Für Liebhaber humoristischer Literatur bedenkenlos zu empfehlen, auch ideal als Urlaubslektüre.

[Buchgedanken] Sophie Oliver: „Die Gentlemen vom Sebastian Club“

Bevor ich bald das neue Jahr mit den Jahresrückblicken einleite, möchte ich Euch zum Abschluss des abgelaufenen Jahres noch ein weiteres Buch vorstellen. In den letzten Tagen habe ich „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ von Sophie Oliver gelesen, erstmals erschienen 2018 im Dryas Verlag. Das mir vorliegende Exemplar entstammt bereits der zweiten Auflage (Glückwunsch!) und ist dem Genre historischer Kriminalroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Leseexemplars auf dem #bookmeetspizza-Bloggertreffen im Rahmen der Frankfurter Buchmesse 2019.

51IW8nosnPL._SX315_BO1204203200_London, 1895: Eine Mordserie erschüttert die Stadt. Die Opfer gehören verschiedenen Gesellschaftsschichten an und werden scheinbar zufällig ausgewählt. So zufällig, dass die Metropolitan Police nicht an einen Einzeltäter glaubt. Ein Fall für die Ermittler des Sebastian Club, eines vornehmen Londoner Herrenclubs, der sich zum Ziel gesetzt hat, Verbrechen aufzuklären, an denen Scotland Yard scheitert. Die Gentlemen entdecken ein Muster hinter den Gräueltaten: Um an ein wertvolles Juwel zu gelangen, setzt der Täter mittelalterliche Foltermethoden ein. Für die Detektive ist die Sache klar: Der Mörder muss schnellstens zur Strecke gebracht werden. Um jeden Preis. Auch mit Hilfe einer schlauen jungen Frau, die sich als Mann verkleidet, um ermitteln zu dürfen.

„Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein durchweg unterhaltsames Buch, wenn auch teils etwas vorhersehbar. Trotz des grundsätzlich abgeschlossenen Falls bietet es ärgerlicherweise auch eine Art Cliffhanger, den ich der Autorin etwas verüble. Dabei wird der Spannungsbogen größtenteils gehalten, wenn auch einige Wendungen nicht immer ganz nachvollziehbar sind.

Dahingegen brilliert der Roman durch sein unglaubliches Setting. Das viktorianische England, die krassen Gegensätze zwischen arm und reich, zwischen upper und middle class werden genau und anschaulich präsentiert. Gerüche, Geschmäcker, visuelle Eindrücke – „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein Buch für alle Sinne, das den Leser auf eine abenteuerliche Zeitreise mitnimmt.

Etwas mehr Wert hätte noch auf die Charakterentwicklung gelegt werden können. Zwar versieht die Autorin alle Charaktere mit einer Hintergrundgeschichte, diese bleibt im Wesentlichen aber oberflächlich. Etwas mehr Tiefe, mehr Ecken und Kanten hätten dafür gesorgt, dass man sich noch besser mit den Protagonisten identifizieren kann. Zudem sorgt der allwissende, teils spoilernde! Erzähler dafür, dass man nicht nah an die Charaktere herankommt.

Die Buchgestaltung überzeugt größtenteils. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz sind alles in allem gelungen, das Cover ist ebenfalls nett anzuschauen, allerdings fehlt mir etwas der Bezug zur Geschichte. Wenn schon ein Edelstein abgebildet wird, hätte dieser auch der Beschreibung im Roman entsprechen sollen – so ist es austauschbar.

Mein Fazit? „Die Gentlemen vom Sebastian Club“ ist ein historischer Kriminalroman, der vor allem aufgrund des Settings brilliert. Das kurzweilige Lesevergnügen wird durch kleinere Schwächen in Handlung und Figurenentwicklung kaum beeinträchtigt. Für Fans der viktorianischen Epoche bedenkenlos zu empfehlen – aber nicht unter 16 Jahren.

 

 

[Buchgedanken] Anna Eichenbach: „Wellensang: Eine Limfjord-Saga“

Vor Weihnachten habe ich Anna Eichenbachs Debütroman „Wellensang: Eine Limfjord-Saga“ gelesen. Das Buch ist 2019 im Burgenwelt Verlag erschienen und dem Genre „Historische Romane“ zuzurechnen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an die Autorin (bloggt auf „Welt aus Tinte und Papier„) für das Leseexemplar.

51CdHi3PcLL._SX335_BO1204203200_Ende des 8. Jahrhunderts in Nordjütland: Als Zeichen der Freundschaft zwischen Dorsteinn und Limgard wird die Jarlstochter Turid in die alte Heimat ihrer Mutter gesandt. Nur widerwillig verzichtet sie dort auf ihre gewohnten Freiheiten. Im Dorf zu bleiben und zu weben, während die Männer auf Raubzug ziehen, widerspricht gänzlich dem Leben, das sie vom Hof ihres Vaters kennt. Dennoch zögert sie, als sich ihr die Gelegenheit zur Rückkehr nach Hause bietet: Längst hält sie mehr in Limgard, als sie sich eingestehen möchte. Ausgerechnet die Limgarder Rorik und Svein, die einander näher stehen als Brüder, verlieben sich in Turid. Aus Gefährten werden Konkurrenten. Bis ihr gemeinsamer Freund Hakon sie zu einem anderen Abenteuer lockt. Angespornt durch Gerüchte über eine Insel voller Reichtümer, brechen die drei Männer an Bord der in die Jahre gekommenen Meereswolf zu einer Víking auf. Ihr Ziel: England – und ein Platz in den Liedern der Skalden. Doch die Unternehmung soll anders verlaufen, als erhofft …

„Wellensang“ ist ein gelungenes Debüt, das Hoffnung auf mehr erweckt. Der Roman bemüht sich, ein akkurates Portrait der damaligen Zeit zu zeichnen. Ohne zu glorifizieren, zeigt er auch die dunklen Seiten der Wikinger, die Normalität von Beutefrauen sowie die brutale Gewissenlosigkeit mit der gegen Einheimische vorgegangen wird. Dabei zeugen sowohl die Erzählsprache als auch die Handlung von Authentizität, von gelungener und ausgiebiger Recherche.

Das frühmittelalterliche, nordische Setting überzeugt ebenso wie die größtenteils gelungene Charakterentwicklung, auch wenn einige Entscheidungen der Protagonisten fragwürdig bleiben. Dabei entwickeln sich die Charaktere jedoch durchaus weiter – insbesondere Turid, die eine atypische, besonders starke Rolle als Frau einnimmt. Dadurch liegt der Roman voll im Trend der letzten Jahre – gefühlt kommt man kaum mehr ohne eine starke weibliche Hauptfigur aus, die die Geschlechtergrenzen sprengt.

Die Handlung ist spannend und voller unerwarteter Wendungen. Etwas schwer getan habe ich mich allerdings mit dem Zeitsprung mitten in der Handlung und der Schwerpunktsetzung – für mich nimmt der Handlungsstrang um Heather, so spannend er auch ist, zu viel Platz ein. Der Leser wird somit immer wieder aus der eigentlichen Geschichte gerissen. Zwar werden die Handlungsstränge zum Ende hin kunstvoll verwoben, dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass der Handlungsstrang in England zwar wichtig, schlichtweg aber deutlich untergeordnet ist.

Die Buchgestaltung überzeugt im Wesentlichen. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben größtenteils sauber gearbeitet, auch wenn ich nicht der Freund von Kapitelüberschriften bin. Dahingegen sorgen das Glossar und das historische Nachwort für einen runden Abschluss. Auch das Cover ist wirklich gelungen und sorgt für ein stimmiges Bild, lediglich die Cover-Rückseite ist etwas textlastig mit einem aus meiner Sicht zu langen Klappentext.

Mein Fazit? „Wellensang“ ist ein bravouröses Debüt, und damit definitiv nicht mein letztes Buch der Autorin. Der Roman brilliert durch authentische Sprache, ein tolles Setting und eine spannende Handlung, lässt an kleinen Stellschrauben aber auch noch Luft nach oben. Für – erwachsene – Leser historischer Romane bedenkenlos zu empfehlen.

[Buchgedanken] Emily Bold: „Hearts on Fire – Leo“ (HoF 5)

In den letzten Tagen habe ich „Hearts on Fire – Leo“ von Emily Bold gelesen, den abschließenden Band der fünfteiligen Serie um die Wache 21. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung einer wunderbaren Buchbox. „Hearts on Fire – Leo“ ist 2019 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S.à r.l. veröffentlicht worden und dem Genre Romance zuzuordnen. Die anderen vier Bände der Reihe wurden von Johanna Danninger, Greta Milán, Friedrich Kalpenstein und Frieda Lamberti verfasst. „Hearts on Fire – Leo“ ist bereits mein achtes Buch von Emily (und es warten noch einige andere), ihre Romane „Lichtblaue Sommernächte“ und die „Silberschwingen“-Dilogie (Band 1, Band 2) schafften es sogar in meine Jahreshighlights 2016 und 2018.

51qk4792x5L._SX337_BO1204203200_Bei seinen Kollegen der Wache 21 gilt der attraktive Leonhard Rindisbacher als Womanizer des Trupps. Der sportliche Blondschopf macht einen großen Bogen um feste Beziehungen, lässt aber ansonsten nichts anbrennen. Auch als Leo auf die ehrgeizige Journalistin Caro trifft, die leichtsinnigerweise an den Brandorten auftaucht, um über den Brandstifter zu berichten, der München seit geraumer Zeit in Angst und Schrecken versetzt, fliegen die Funken. Die Jagd nach der Story des Jahres bringt Caro dabei nicht nur dem verführerischen Leo näher, sondern weckt auch die Aufmerksamkeit des Feuerdämons und bringt sie in tödliche Gefahr …

„Hearts on Fire – Leo“ ist – wie auch so vom Verlag beworben – unabhängig von den anderen Bänden der Reihe lesbar. Die Geschichte, insbesondere die Love Story, ist in sich abgeschlossen, allerdings sind durchaus – was in Bezug auf die handelnden Personen auch gar nicht anders geht – Querverbindungen und Bezüge zu den vorherigen Bänden vorhanden, mit denen man sich auch spoilern könnte. Daher würde ich schon empfehlen, wenn möglich, die Bände in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Das Setting in der Münchener Feuerwache mit den einzelnen Brandorten ist stimmig und zeugt von umfassender Recherche, zu der die Autorin auch im Rahmen der Danksagung etwas berichtet. Zudem ist die Handlung spannend und rasant, zugleich aber auch witzig und emotional – Emily Bold nimmt den Leser mit auf eine Gefühlsachterbahn, die ihn an das Buch fesselt. Dabei sorgt auch der flüssige, leichte und humorvolle Schreibstil der Autorin dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen möchte.

Das Buch wird aus den personalen Erzählperspektiven von Leo und Caro erzählt. Auch wenn ich mir eine Ich-Perspektive gewünscht hätte, ist man dennoch nah genug an den Protagonisten, um zu ihnen eine Bindung aufzubauen, sich mit ihnen identifizieren zu können. Dabei entwickeln sie sich auch im Laufe der Zeit weiter, haben Stärken und Schwächen und sind vielschichtig angelegt. Durch die anderen Bände der Reihe hat man zudem die Möglichkeit, über einige der interessanten Nebencharaktere mehr zu erfahren.

Naturgemäß treten in einem Buch über eine Feuerwache im Einsatz auch schwere Themen auf. Der Autorin gelingt es jedoch, diese nicht überhand nehmen zu lassen. So wird die Balance gut gehalten und der Fokus nie von der Liebesgeschichte weggerückt, obwohl in diesem Teil die alle Bände umfassende Kriminalgeschichte ihren Höhepunkt findet.

Die Buchgestaltung überzeugt auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Satz haben sauber gearbeitet und das Cover ist farblich wunderschön und passt sich gut in das Gesamtgefüge der Reihe ein, das einen hohen Wiedererkennungswert und ein einheitliches Gesamtbild bietet.

Mein Fazit? „Hearts on Fire: Leo“ ist ein in allen Punkten überzeugender Liebesroman, der vor allem durch seine spannende und humorvolle Handlung und ein tolles Setting überzeugt. Für Leser des Genres bedenkenlos zu empfehlen – auch als Standalone, allerdings würde ich den Lesern die ganze Serie in der richtigen Reihenfolge ans Herz legen.

[Buchgedanken] Lars Mielke: „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ (Perlen 1)

In der letzten Zeit habe ich „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ von Lars Mielke gelesen, den Auftakt einer auf sechs Bände angelegten Buchreihe. Der Roman ist 2017 im Chaospony Verlag veröffentlicht worden und die mir voliegende Ausgabe entstammt bereits der zweiten Auflage. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars auf der Frankfurter Buchmesse 2019, beziehungsweise dem anschließenden Bloggerevent #bookmeetspizza.

410Rg62yp6L._SX327_BO1204203200_Als Nikolai Oleander erfährt, dass er kein Mensch, sondern ein Bajar ist, der mit magischen Perlen neue Welten erschaffen und bereisen kann, ändert sich sein bisheriges Leben schlagartig. Er verlässt die Erde, um den Umgang mit seinen neu entdeckten Fähigkeiten zu lernen. Während des Studiums findet er nicht nur neue Freunde – sondern gerät auch in eine Verschwörung, die die Existenz von Millionen von Welten bedroht. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn auch die Erde ist in größter Gefahr.

Alles in allem ist „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ ein gelungener Auftakt in die fantastische Buchreihe, der nicht nur ein abgeschlossenes Ende (kein Cliffhanger!) bietet, sondern auch genug Fragen für die weiteren Teile offen lässt. Allerdings fällt mir die Einordnung in ein Genre nicht leicht. Während der Roman seitens des Verlages klar als „Urban Fantasy“ betitelt und beworben wird, kann ich dem nicht so ganz folgen, da das urbane Setting fehlt, wenn 95% der Handlung in dünnbesiedelten Fantasiewelten spielt. Zudem wird hier maßgeblich an der Geschichte der Erde herumgeschraubt. Da auch die Einstufung als „High Fantasy“ etwas zu kurz greift, obwohl sehr viele Elemente des Untergenres vorliegen (Kampf gegen den Weltuntergang, klare Kategorisierung in Gut und Böse, viele Fantasiewelten, eigenes „Magie“-Konzept), bleibt mir nichts anderes übrig, als den Roman schlichweg als „Fantasy“ zu kategorisieren.

Die Handlung ist durchweg spannend, wenn auch einige Elemente etwas vorhersehbar sind. Der Weltenbau und das – der Einfachheit halber von mir so benannte – Magiekonzept überzeugen weitgehend mit innovatien Ideen, lassen aber einige Logiklücken offen. Dahingegen begeistert das Setting auf ganzer Linie und lässt den Leser wundersame Welten zusammen mit den Protagonisten entdecken und erschaffen.

Die einzelnen Charaktere entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter, sind insgesamt aber etwas zu einseitig konzipiert. So ist Nick lernwillig und hilfsbereit, loyal, opferbereit und tolerant. Ein Familienmensch, klug und begabt – und überaus schüchtern in Liebesdingen. Die ein oder andere negative Eigenschaft hätte hier durchaus zu einem noch runderen Protagonisten geführt, mit dem man sich noch besser hätte identifizieren können.

Neben der fantasievollen Handlung klingen in dem Roman durchaus gesellschaftskritische Aspekte durch. Sei es die thematisch schon aus „Harry Potter“ bekannte Ablehnung von Menschlingen durch Reinblüter oder das Ungleichgewicht von Welten, das Naturkatastrophen hervorruft: Der Autor nimmt sich viel Platz und Gewicht für die phantastische Behandlung von Klimawandel und Fremdenhass (wie auch in der Vita angesprochen). Und auch wenn er es nicht holzhammermäßig vermittelt, sondern versucht in die Handlung einzubauen, hätten die Themen hier durchaus auch etwas weniger, etwas punktueller eingesetzt werden können, um den Effekt nicht abzumildern.

Die Buchgestaltung ist im Wesentlichen gelungen. Satz, Lektorat und Korrektorat haben sauber gearbeitet, insbesondere ist positiv anzumerken, dass jedes Kapitel auf einer ungeraden Buchseite beginnt. Vom Cover bin ich allerdings nicht überzeugt, auch wenn klar der Bezug zum Buch erkennbar ist, fehlt dem gesamten Buchrücken etwas, das das Buchcover aus der Masse heraushebt und es zu einem Eyecatcher werden lässt.

Mein Fazit? „Die Perlen der Bajar: Die Verbotene Abteilung“ ist ein solider Auftakt in eine vielversprechende Buchreihe, der als Standalone gelesen werden kann, aber auch noch Potential für weitere Titel bildet. Das Buch begeistert vor allem durch ein schönes Setting und einen im Wesentlichen gelungenen Weltenbau, leichtere Schwächen befinden sich in der Charaktergestaltung und der etwas dominanten Gesellschaftskritik. Für Leser des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen – ab dem vom Verlag empfohlenen Alter von 14 Jahren.

 

[Buchgedanken] Manuela Inusa: „Wintervanille“ (Kalifornische Träume 1)

In der letzten Zeit habe ich „Wintervanille“ von Manuela Inusa gelesen, den Auftaktroman ihrer dreibändigen (aber jeweils unabhängig voneinander lesbaren) Reihe „Kalifornische Träume“. Das Buch ist 2019 bei Blanvalet in der Verlagsgruppe Random House GmbH erschienen und dem Genre Liebesroman zuzuordnen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares bei dem Bloggertreffen auf der Frankfurter Buchmesse. „Wintervanille“ ist das 7. Buch, das ich von Manuela lese, mit „Jane Austen bleibt zum Frühstück“ gelang ihr sogar der Sprung in meine Jahreshighlights 2016.

51KEGTXyJlL._SX332_BO1204203200_Mit viel Liebe führt Cecilia ihre Vanillefarm im kalifornischen Napa Valley. Sie handelt aber nicht nur mit dem Gewürz, sondern stellt auch leidenschaftlich gern köstliche Produkte damit her. Leider lässt ihre Passion Cecilia kaum Zeit für ihre beste Freundin Julia, geschweige denn für ein Liebesleben. Ein TV-Bericht über Cecilias Plantage und ihre besonderen Vanillekreationen weckt das Interesse von Richard Banks, dem Inhaber eines luxuriösen Hotels, der sie prompt einlädt, dort an einem Gewürzseminar teilzunehmen und selbst Vorträge zu halten. Cecilia ist begeistert, denn das Resort liegt am verschneiten Lake Tahoe – die perfekte Gelegenheit, echte Winterstimmung zu erleben! Sie ahnt nicht, dass Richard nicht nur ihre Vanillekekse zuckersüß findet …

„Wintervanille“ ist ein Feel-Good-Liebesroman, der perfekt zur anbrechenden Weihnachtszeit passt. Mit viel Gefühl, aber auch einer gehörigen Portion Humor schenkt Manuela Inusa den Lesern einige unbeschwerte Lesestunden. Dabei umschifft sie größtenteils schwere Themen, die nur am Rand in der Kindheit der jeweiligen Charaktere auftauchen. Hier hätten durchaus noch einige äußere Konflikte zu den Beziehungsdramen der Protagonisten hinzustoßen können, um die, genrebedingt teils vorhersehbare, Handlung noch runder, noch spannender zu halten.

Das Setting hingegen ist – erwartbar – brillant. Das sonnige Napa Valley, die verschneite Gegend des Lake Tahoe und das ganz eigene Flair von San Francisco – Kalifornien bietet dem Leser atemberaubend schöne Regionen und sorgt dafür, dass dieser sich an das andere Ende der Welt träumen kann.

Die einzelnen Charaktere entwickeln sich durchaus im Roman auch weiter, sind mir aber etwas zu glatt geraten und hätten noch die ein oder andere Schwäche, die ein oder andere dunkle Seite vertragen können, um dem Leser eine noch bessere Identifikation zu ermöglichen.

Die Buchgestaltung überzeugt dafür auf ganzer Linie. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet und das wunderschöne Cover ist mit ausklappbaren, farbigen Coverinnenseiten versehen. Das Titelbild passt gut zur Geschichte, und erschafft zusammen mit den Folgebänden ein einheitliches, rundes Gesamtbild mit Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Wintervanille“ ist ein überzeugender Feel-Good-Roman, der ideal zur Weihnachtszeit passt und mit einem grandiosen Setting brilliert, auch wenn ich mir etwas mehr Ecken und Kanten bei der Handlung und den Protagonisten gewünscht hätte. Für Liebhaber des Genres dennoch bedenkenlos zu empfehlen.

 

[Buchgedanken] Olivia Kleinknecht: „Der Regisseur“

In der letzten Zeit habe ich „Der Regisseur“ von Olivia Kleinknecht gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Das Buch ist in der vorliegenden Ausgabe 2019 im Selfpublishing erschienen und am ehesten dem Genre Thriller zuzurechnen.

41wuxnSsFnLDer Regisseur Vittorio Angelotti ist ein Machtmensch, der ohne Skrupel manipuliert und erpresst. Gerade das übt auf andere einen morbiden Reiz aus. Liegt im Leiden nicht die wahre Lust? Er inszeniert sein Leben wie seine Filme. Ihn interessiert nur eins: sein erotisches Vergnügen, die Suche nach dem ultimativen Glückskick. Doch dann überschreitet Angelotti bei seinem »Spiel« die Grenze zum Verbrechen und gerät in eine Mordintrige. Hält er wirklich noch alle Fäden in der Hand? Oder ist er vom Handelnden längst zum Spielball geworden?

„Der Regisseur“ ist ein etwas anderes Buch. Szenisch aufgebaut, verzichtet es auf die Einteilung in Kapitel oder andere konventionelle Sinnabschnitte, und reiht dahingegen kurze, fragmentarische Szenen/Schnitte aneinander – wie einzelne Cuts im Film. Dadurch wird die Handlung sehr schnelllebig, es fällt aber aufgrund den raschen Sprüngen auch nicht ganz einfach, den einzelnen Charakterern immer zu folgen.

Die Handlung ist morbide, ekelhaft und verstörend – und passt daher gut ins Gesamtbild. Die vielen einzelnen Handlungsstränge werden schlussendlich gut zusammengeführt und aufgelöst, der Spannungsbogen durchaus die größte Zeit gehalten. Etwas ermüdend sind lediglich die leicht zu lang geratenen, eingestreuten Szenen aus Angelottis „Il Papa“.

Die einzelnen Charaktere zeigen verschiedenste Facetten, entwickeln sich aber nur am Rande weiter. Etwas schade fand ich dabei, dass Mia, eine der faszinierendsten Personen, nur so wenig Auftrittszeit bekam. Dahingegen überzeugt das Setting auf ganzer Linie und zeigt Rom sowohl von seinen schönen, als auch von seinen schlechten Seiten.

Die Buchgestaltung kann mit der durchaus überzeugenden Handlung nicht ganz mithalten. Während das Cover noch gelungen ist und gut die Stimmung des Buches aufgreift, sind Lektorat, Korrektorat und Buchsatz doch einige Schnitzer unterlaufen. Die Fehlerquote hält sich dabei noch in einem tolerablen Rahmen und beeinträchtigt den Lesefluss nicht wesentlich, die teils unterschiedlichen Zeilenabstände irritieren jedoch.

Mein Fazit? „Der Regisseur“ ist ein im Großen und Ganzen guter und verstörender Thriller, der vor allem durch sein Setting und seine spannende Handlung überzeugt, aber auch leichte Schwächen in der Verarbeitung aufweist. Für Liebhaber des Genres dennoch zu empfehlen, allerdings nicht unter 18 Jahren.

[Buchgedanken] Anna Fischer: „Herz im Schneegestöber“

In der letzten Zeit habe ich „Herz im Schneegestöber“ von Anna Fischer gelesen. Vielen Dank an dieser Stelle an die Autorin und den Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplares. Das Buch ist 2019 bei Montlake Romance, Amazon Media EU S.à r.l. erschienen und dem Genre Liebesroman zuzurechnen. Das Buch ist der vierte Band der – nicht zusammenhängenden und jeweils eigenständig lesbaren – Herz-Romane von Anna Fischer. Bereits erschienen sind: „Herz in Reparatur“, „Herz sucht Callboy“ und „Herz trifft Prinz“.

51t357jQSkLWie jedes Jahr will Umweltaktivistin Josie Weihnachten bei ihrer Familie in den USA verbringen. Auf dem Weg dorthin macht sie unfreiwillig Bekanntschaft mit dem gut aussehenden, aber arroganten Finanzmanager Adam Harper. Sehr schnell prallen ihre Weltanschauungen aufeinander. Dann legt auch noch ein Jahrhundert-Schneesturm den gesamten Flugverkehr lahm. Weil Josie es zu Weihnachten nach Hause schaffen und Adam zu seinem wichtigen Geschäftstermin kommen will, schließt das ungleiche Paar notgedrungen Waffenstillstand und begibt sich auf einen abenteuerlichen Roadtrip. Und plötzlich kommen bei beiden wider Erwarten mitten im Schneegestöber Frühlingsgefühle auf …

„Herz im Schneegestöber“ ist der ideale Begleiter für die anbrechende Weihnachtszeit. Ein Feel-Good-Roman mit Tiefgang, der sich nicht scheut, auch schwierige Themen anzusprechen. Dabei verliert er jedoch nie den auf die Beziehung der Protagonisten gerichteten Fokus. Auch wenn mir das Buch dabei an manchen Stellen fast zu moralisch, fast zu belehrend daherkommt, ist es doch wichtig, gerade in der heutigen Zeit, über das Thema Umwelt zu schreiben – elegant verpackt in der Figur von Josie – und alternative Lebensentwürfe aufzuzeigen.

Dagegen punktet der Roman vor allem durch das malerische Setting. So erlaubt es das Buch dem Leser, durch Nordamerika zu reisen, verschiedenste Städte, Plätze und Menschen kennenzulernen. So abstrus die Wendungen teils auch sein mögen, so gelungen porträtiert die Autorin die Begleiter, die Josie und Adam auf ihrer Reise treffen – sinnbildlich für die vielschichtige Gesellschaft.

Die Figuren der Handlung sind mehrdimensional angelegt und entwickeln sich konsequent weiter. Auch wenn mir das fast zu schnell geht, ist dies im Zweifel der Extremsituation geschuldet – und dem erwartbaren Ende, auf das der Roman unweigerlich zusteuern muss. Insbesondere gefallen mir daher die Nebenfiguren, die mit viel Liebe zum Detail dargestellt werden.

Die Buchgestaltung überzeugt weitgehend. Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben sauber gearbeitet. Auch das Cover und der Buchrücken sind schön angesehen, wenn mir auch erneut etwas der Bezug zur Handlung fehlt, auf die man hier noch stärker hätte eingehen können. Insgesamt fügt sich das Cover jedoch gut in die Reihe ein und sorgt somit für einen hohen Wiedererkennungswert.

Mein Fazit? „Herz im Schneegestöber“ ist ein gelungener Liebesroman – und ein idealer Begleiter für die Weihnachtszeit. Dabei kann das Buch vor allem mit einem zauberhaften Setting punkten, das es dem Leser ermöglicht, sich wegzuträumen. Für Liebhaber des Genres bedenkenlos zu empfehlen.