In der letzten Zeit habe ich „Tyll“ von Daniel Kehlmann gelesen, nach „F“ mein zweites Werk des preisgekrönten Autors. Das Buch ist als historischer Roman einzuordnen und 2017 bei Rowohlt als Hardcover erschienen. An dieser Stelle möchte ich mich auch bei Weltbild für die Verlosung signierter Exemplare bedanken.
Als sein Vater verbrannt wird, beschließt Tyll ein Leben in der Fremde zu suchen und brennt mit Nele durch. Im Laufe seines Lebens trifft er nicht nur den legendären Winterkönig, sondern auch andere zeitgeschichtliche Personen, nimmt am 30-Jährigen Krieg teil und wird selbst zur Sagengestalt.
„Tyll“ ist nicht-linear, sondern episodenhaft. Die einzelnen Geschichten sind aus unterschiedlichen Sichtweisen erzählt, springen zeitlich vor und zurück. Es ist ein Werk, das nicht von der Spannung, sondern vielmehr von der Zeit lebt, in der es spielt. Kehlmann beschreibt die düstere Episode des 30-jährigen Krieges in all ihrer Grausamkeit, ohne zu romantisieren. Es ist ein Porträt der Zeit, eingefangen im Porträt einer Person, die nicht in die Zeit passt. Till Eulenspiegel (im Buch Tyll Ulenspiegel) vernarrt, verzaubert, blendet und begeistert. Und lässt alle ratlos zurück.
Und doch. So sprachlich brilliant, bestechend in der Wortwahl, vermag mich „Tyll“ – ähnlich wie „F“ damals – nicht restlos zu überzeugen. Der Roman ist sperrig, ungehobelt – und das passt zwar zur Geschichte, sorgt jedoch auch für ein holpriges Lesevergnügen. Kehlmann spielt mit der Sprache, sowohl mit dem Konflikt als auch mit dem Einklang von Religion und Wissenschaft – eingefangen in der ambivalenten Figur des Athanasius Kircher.
Durch den nicht-linearen Erzählstil, durch die Zeitsprünge und die Perspektivwechsel fällt es dem Leser schwer, dicht an den Figuren zu bleiben und sich mit ihnen zu identifizieren. Nichtsdestotrotz entwickeln sich die Figuren dennoch weiter, zeigen Stärken und Schwächen – nicht nur in den Haupt- sondern auch in den Nebenprotagonisten. Dies ist neben dem schonungslosen, grandios beschriebenen Setting, vielleicht die größte Stärke des Buches.
Die Gestaltung des Buches ist ebenfalls gelungen – Lektorat, Korrektorat und Buchsatz haben qualitativ hochwertig gearbeitet. Lediglich mit dem Cover konnte ich mich noch nicht anfreunden, aber es sorgt unbestreitbar für Aufsehen und grenzt sich scharf von den genretypischen Covern ab.
Mein Fazit? „Tyll“ ist ein unbequemer, sprachlich-brillianter Historienroman, der nicht linear, sondern episodenhaft erzählt wird. Tolle Figuren und ein grandioses Setting lassen dabei die teils holprig zu lesende Handlung vergessen. Für Sprachliebhaber und Fans historischer Erzählungen daher bedenkenlos zu empfehlen. Allerdings: Keine leichte Lektüre – und definitiv nichts für Kinder unter 14 Jahren.
Als erster Programmpunkt stand heute eine Buchvorstellung eines emerierten Professors meiner Alma Mater an. Prof. Gerd Theißen präsentierte seinen Roman „Der Anwalt des Paulus“, eine Darstellung und Auseinandersetzung mit dem Wirken des Apostels in Romanform. Durchaus mal etwas anderes, aber nicht minder spannend.
Rezension aus dem Pressezentrum der Messe (
durch, die im Cosplay zu ihrem Buch „Der Mitreiser und die Überfliegerin“ erschienen war. Im Anschluss wurden fleißig Rezensions-/Leseexemplare von Amazon bereitgestellt und signiert. Ich habe allerdings nicht die Bücher aller acht Finalisten mitgenommen, sondern neben den Siegertiteln nur noch die, die mich wirklich interessiert haben (Emma Wagner, Kea von Garnier und einen weiteren Finalistentitel des X-Awards von Kera Rachel Cook). Ein Bild aller Bücher, die ich mir signieren lassen habe, ist ebenfalls am Beitragsende zu finden.
Tages, organisiert von BoD zum Thema Blogger-Relations. Die Beauftrage für Blogrelations Ute Nöth (Carlsen), die Autorin Sarah Saxx, die Bloggerin Anabelle Stehl (stehlblueten.de) und der Moderator Thorsten Simon (BoD) diskutierten leidenschaftlich, auch unter Einbindung des Publikums, über die Zusammenarbeit von Autoren, Verlagen und Bloggern, über Wünsche und No Go’s. Eine tolle Veranstaltung, die ich ja auch im letzten Jahr bereits besucht hatte (damals mit Laura Newman für die Autorenseite).
deutschsprachigen Schriftsteller der letzten Jahre zu besuchen. Auf dem Blauen Sofa hatte Daniel Kehlmann Platz genommen, um sein neuestes Werk „Tyll“ vorzustellen, ein historisches Buch zur Zeit des 30-jährigen Krieges. Die erste Veranstaltung, die so voll war, dass ich keinen Sitzplatz mehr bekommen habe :D. Danach ließ ich die Messe gemütlich ausklingen und schlenderte ein erstes Mal durch die Halle des Ehrengastes, Frankreich. Oh, und ich wurde heute zum ersten Mal auf meine Ravenclaw-Utensilien angesprochen – nicht wie erwartet von einem Blogger oder Zeilenspringer, sondern von einer der Betreuerinnen im Pressebereich. Ich habe ihr bereits für Sonntag meinen Schal angekündigt 😀 – nun muss ich ihn wohl dann auch tragen, oh man, das wird heiß.